Rheinisches Museum N. F. 19, 1861, S. 162).
^18 Das bestimmteste Zeugnis der Partherherrschaft in diesen Gegenden
findet sich in der unter Vespasian von einem aegyptischen Kaufmann aufgesetzten
Kuestenbeschreibung des Roten Meeres c. 38: "Hinter der Indusmuendung im
Binnenland liegt die Hauptstadt von Skythien Minnagara; beherrscht aber wird
diese von den Parthern, die bestaendig einander verjagen (ypo Parth/o/n
synech/o/s all/e/loys endi/o/kont/o/n). Dasselbe wird in etwas verwirrter Weise
c. 41 wiederholt; es kann hier scheinen, als laege Minnagara in Indien selbst
oberhalb Barygaza, und schon Ptolemaeos ist dadurch irregefuehrt worden; aber
gewisshat der Schreiber, der ueber das Binnenland nur von Hoerensagen spricht,
nur sagen wollen, dass eine grosse Stadt Minnagara im Binnenland nicht fern von
Barygaza liege und von da viel Baumwolle nach Barygaza gefuehrt werde. Auch
koennen die nach demselben Gewaehrsmann in Minnagara zahlreich begegnenden
Spuren Alexanders nur am Indus, nicht in Gudjarat sich gefunden haben. Die Lage
Minnagaras am unteren Indus, unweit Haiderabad, und die Existenz einer
parthischen Herrschaft daselbst unter Vespasian erscheint hierdurch gesichert.
Damit werden verbunden werden duerfen die Muenzen des Koenigs Gondopharos
oder Hyndopherres, welcher in einer sehr alten christlichen Legende von dem
Apostel der Parther und der Inder, dem heiligen Thomas, zum Christentum bekehrt
wird und in der Tat der ersten roemischen Kaiserzeit anzugehoeren scheint
(Sallet, Zeitschrift fuer Numismatik 6, 1879, S. 355; Gutschmid, Rheinisches
Museum N. F. 19, 1861, S. 162); seines Brudersohns Abdagases (Sauet, a. a. O.,
S. 365), welcher mit dem parthischen Fuersten dieses Namens bei Tacitus (ann. 6,
36) identisch sein kann, auf jeden Fall einen parthischen Namen traegt, endlich
des Koenigs Sanabaros, der kurz nach Hyndopherres regiert haben muss, vielleicht
sein Nachfolger gewesen ist. Dazu gehoeren noch eine Anzahl anderer mit
parthischen Namen, Arsakes, Pakoros, Vonones, bezeichneten Muenzen. Diese
Praegung stellt sich entschieden zu der der Arsakiden (Sallet, a. a. O., S.
277); die Silberstuecke des Gondopharos und des Sanabaros - von den uebrigen
gibt es fast nur Kupfer -entsprechen genau den Arsakidendrachmen. Allem Anschein
nach gehoeren diese den Partherfuersten von Minnagara; dass neben der
griechischen hier indische Aufschrift erscheint, wie bei den spaeten Arsakiden
Pahlavischrift, passt dazu. Aber es sind dies nicht Muenzen von Satrapen,
sondern, wie dies auch der Aegypter andeutet, mit den ktesiphontischen
rivalisierender Grosskoenige; Hyndopherres nennt sich in sehr verdorbenem
Griechisch basile?s basile/o/n megas aytokr und in gutem Indisch "Maharadja
Radjadi Radja". Wenn, wie dies nicht unwahrscheinlich ist, in dem Mambaros oder
Akabaros, den der Periplus c. 41. 52 als Herrscher der Kueste von Barygaza
nennt, der Sanabaros der Muenzen steckt, so gehoert dieser in die Zeit Neros
oder Vespasians und herrschte nicht bloss an der Indusmuendung, sondern auch
ueber Gudjarat. Wenn ferner eine unweit Peschawar gefundene Inschrift mit Recht
auf den Koenig Gondopharos bezogen wird, so muss dessen Herrschaft bis dort
hinauf, wahrscheinlich bis nach Kabul hin sich erstreckt haben.
Dass Corbulo im Jahre 60 die Gesandtschaft der von den Parthern
abgefallenen Hyrkaner, damit sie von jenen nicht aufgegriffen wuerden, an die
Kueste des Roten Meeres schickte, von wo sie, ohne parthisches Gebiet zu
betreten, die Heimat erreichen konnten (Tac. 15, 25), spricht dafuer, dass das
Industal damals dem Herrscher von Ktesiphon nicht botmaessig war.
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Auf diese parthische Dynastie folgt dann in dem indischen Reich nach kurzer
Zwischenzeit die in der indischen Ueberlieferung als die der Saker oder die des
Koenigs Kanerku oder Kanischka bezeichnete, welche mit dem Jahre 78 n. Chr.
beginnt und wenigstens bis in das dritte Jahrhundert bestanden hat ^19. Sie
gehoeren zu den Skythen, deren Einwanderung frueher erwaehnt ward, und auf ihren
Muenzen tritt an die Stelle der indischen die skythische Sprache ^20. So haben
im Indusgebiet nach den Indern und den Hellenen in den ersten drei Jahrhunderten
unserer Zeitrechnung Parther und Skythen das Regiment gefuehrt. Aber auch unter
den auslaendischen Dynastien hat dort dennoch eine national-indische
Staatenbildung sich vollzogen und behauptet und der parthisch-persischen
Machtentwicklung im Osten eine nicht minder dauernde Schranke entgegengestellt
wie der Roemerstaat im Westen.
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^19 Dass das Grosskoenigtum der Arsakiden von Minnagara nicht viel ueber
die neronische Zeit hinaus bestanden hat, ist nach den Muenzen wahrscheinlich.
Was fuer Herrscher auf sie gefolgt sind, ist fraglich. Die baktrisch-indischen
Herrscher griechischen Namens gehoeren ueberwiegend, vielleicht saemtlich der
voraugustischen Epoche an; auch manche einheimischen Namens, zum Beispiel Maues
und Azes, fallen nach Sprache und Schrift (zum Beispiel der Form des m S2) vor
diese Zeit. Dagegen sind die Muenzen der Koenige Kozulokadphises und
Ooemokadphises und diejenigen der Sakerkoenige, des Kanerku und seiner
Nachfolger, welche alle namentlich durch den bis dahin in der indischen Praegung
nicht begegnenden Goldstater vom Gewicht des roemischen Aureus sich deutlich als
einheitliche Praegung charakterisieren, allem Anschein nach spaeter als
Gondopharos und Sanabaros. Sie zeigen, wie der Staat des Industals sich in immer
steigendem Mass im Gegensatz gegen die Hellenen wie gegen die Iranier national-
indisch gestaltet hat. Die Regierung dieser Kadphises wird also zwischen die
indo-parthischen Herrscher und die Dynastie der Saker fallen welche letztere mit
dem Jahre 78 n. Chr. beginnt (Oldenberg in Sallets Zeitschrift fuer Numismatik
8, 1881, S. 292). In dem Schatz von Peschawar gefundene Muenzen dieser
Sakerkoenige nennen merkwuerdigerweise griechische Goetter in verstuemmelter
Form /E/rakilo, Sarapo, neben dem nationalen Boydo. Die spaetesten ihrer Muenzen
zeigen den Einfluss der aeltesten Sassanidenpraegung und duerften der zweiten
Haelfte des dritten Jahrhunderts angehoeren (Sallet, Zeitschrift fuer Numismatik
6, 1879, S. 225).
^20 Die indo-griechischen und die indo-parthischen Herrscher, ebenso die
Kadphises bedienen sich auf ihren Muenzen in grossem Umfang neben der
griechischen der einheimischen indischen Sprache und Schrift; die Sakerkoenige
dagegen haben niemals indische Sprache und indisches Alphabet gebraucht, sondern
verwenden ausschliesslich die griechischen Buchstaben, und die nicht
griechischen Aufschriften ihrer Muenzen sind ohne Zweifel skythisch. So steht
auf Kanerkus Goldstuecken bald basile?s basile/o/n Kan/e/rkoy, bald rao nanorao
kan/e/rki korano wo die ersten beiden Woerter eine skythisierte Form des
indischen Rbdjbdi Rbdja sein werden, die beiden folgenden den Eigen- und den
Stammnamen (Guschana) des Koenigs enthalten (Oldenberg, a. a. O., S. 294). Also
waren diese Saker in anderem Sinne Fremdherrscher in Indien als die baktrischen
Hellenen und die Parther. Doch sind die unter ihnen in Indien gesetzten
Inschriften nicht skythisch, sondern indisch.
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Gegen Norden und Nordosten grenzte Iran mit Turan. Wie das westliche und
suedliche Ufer des Kaspischen Meeres und die oberen Taeler des Oxos und Jaxartes
der Zivilisation eine geeignete Staette bieten, so gehoert die Steppe um den
Aralsee und das dahinter sich ausbreitende weite Flachland von Rechts wegen den
schweifenden Leuten. Es sind unter diesen Nomaden wohl einzelne den Iraniern
verwandte Voelkerschaften gewesen; aber auch diese haben keinen Teil an der
iranischen Zivilisation, und es ist das bestimmende Moment fuer die
geschichtliche Stellung Irans, dass es die Vormauer der Kulturvoelker bildet
gegen diejenigen Horden, die als Skythen, Saken, Hunnen, Mongolen, Tuerken keine
andere weltgeschichtliche Bestimmung zu haben scheinen als die der
Kulturvernichtung. Baktra, das grosse Bollwerk Irans gegen Turan, hat in der
nachalexandrischen Epoche unter seinen griechischen Herrschern laengere Zeit
dieser Abwehr genuegt; aber es ist schon erwaehnt worden, dass es spaeterhin
zwar nicht unterging, aber das Vordringen der Skythen nach Sueden nicht laenger
zu hindern vermochte. Mit dem Rueckgang der baktrischen Macht ging die gleiche
Aufgabe ueber auf die Arsakiden. Wie weit dieselben ihr entsprochen haben, ist
schwierig zu sagen. In der ersten Kaiserzeit scheinen die Grosskoenige von
Ktesiphon, wie suedlich vom Hindukusch so auch in den noerdlichen Landschaften,
die Skythen zurueckgedraengt oder sich botmaessig gemacht zu haben; einen Teil
des baktrischen Gebiets haben sie ihnen wieder entrissen. Aber welche und ob
ueberhaupt dauernde Grenzen hier sich feststellten, ist zweifelhaft. Der Kriege
der Parther und der Skythen wird oft gedacht. Die letzteren, hier zunaechst die
Umwohner des Aralsees, die Vorfahren der heutigen Turkmenen, sind regelmaessig
die Angreifenden, indem sie teils zu Wasser ueber das Kaspische Meer in die
Taeler des Kyros und des Araxes einfallen, teils von ihrer Steppe aus die
reichen Fluren Hyrkaniens und die fruchtbare Oase der Margiana (Merw) ausrauben.
Die Grenzgebiete verstanden sich dazu, die willkuerliche Brandschatzung mit
Tributen abzukaufen, welche regelmaessig in festen Terminen eingefordert wurden,
wie heute die Beduinen Syriens von den Bauern daselbst die Kubba erheben. Das
parthische Regiment also vermochte wenigstens in der frueheren Kaiserzeit so
wenig wie das heutige tuerkische, hier dem friedlichen Untertan die Fruechte
seiner Arbeit zu sichern und einen dauernden Friedensstand an der Grenze
herzustellen. Auch fuer die Reichsgewalt selbst blieben diese Grenzwirren eine
offene Wunde; oftmals haben sie in die Sukzessionskriege der Arsakiden so wie in
ihre Streitigkeiten mit Rom eingegriffen.
Wie das Verhaeltnis der Parther zu den Roemern sich gestaltet und die
Grenzen der beiden Grossmaechte sich festgestellt hatten, ist seinerzeit
dargelegt worden. Waehrend die Armenier mit den Parthern rivalisiert hatten und
das Koenigtum am Araxes sich anschickte, in Vorderasien die Grosskoenigsrolle zu
spielen, hatten die Parther im allgemeinen freundliche Beziehungen zu den
Roemern unterhalten als den Feinden ihrer Feinde. Aber nach der Niederwerfung
des Mithradates und des Tigranes hatten die Roemer, namentlich durch die von
Pompeius getroffenen Organisationen, eine Stellung genommen, die mit ernstlichem
und dauerndem Frieden zwischen den beiden Staaten sich schwer vertrug. Im Sueden
stand Syrien jetzt unter unmittelbarer roemischer Herrschaft, und die roemischen
Legionen hielten Wacht an dem Saume der grossen Wueste, die das Kuestenland vom
Euphrattal scheidet. Im Norden waren Kappadokien und Armenien roemische
Lehnsfuerstentuemer. Die nordwaerts an Armenien grenzenden Voelkerschaften, die
Kolcher, Iberer, Albaner, waren damit notwendig dem parthischen Einfluss
entzogen und, wenigstens nach roemischer Auffassung, ebenfalls roemische
Lehnsstaaten. Das suedoestlich an Armenien angrenzende, durch den Araxes von ihm
getrennte Klein-Medien oder Atropatene (Aserbeidschan) hatte schon den
Seleukiden gegenueber unter seiner alteinheimischen Dynastie seine Nationalitaet
behauptet und sogar sich selbstaendig gemacht; unter den Arsakiden erscheint der
Koenig dieser Landschaft je nach Umstaenden als Lehnstraeger der Parther oder
als unabhaengig von diesen durch Anlehnung an die Roemer. Somit reichte der
bestimmende Einfluss Roms bis zum Kaukasus und zum westlichen Ufer des
Kaspischen Meeres. Es lag hierin ein Uebergreifen ueber die durch die nationalen
Verhaeltnisse angezeigten Grenzen. Das hellenische Volkstum hatte wohl an der
Suedkueste des Schwarzen Meeres und im Binnenland in Kappadokien und Kommagene
so weit Fuss gefasst, dass hier die roemische Vormacht an ihm einen Rueckhalt
fand; aber Armenien ist auch unter der langjaehrigen roemischen Herrschaft immer
ein ungriechisches Land geblieben, durch die Gemeinschaft der Sprache und des
Glaubens, die zahlreichen Zwischenheiraten der Vornehmen, die gleiche Kleidung
und gleiche Bewaffnung ^21 an den Partherstaat mit unzerreissbaren Banden
geknuepft. Die roemische Aushebung und die roemische Besteuerung sind nie auf
Armenien erstreckt worden; hoechstens bestritt das Land die Aufstellung und die
Unterhaltung der eigenen Truppen und die Verpflegung der daselbst liegenden
roemischen. Die armenischen Kaufleute vermittelten den Warentausch ueber den
Kaukasus mit Skythien, ueber das Kaspische Meer mit Ostasien und China, den
Tigris hinab mit Babylonien und Indien, nach Westen hin mit Kappadokien; nichts
haette naeher gelegen, als das politisch abhaengige Land in das roemische
Steuer- und Zollgebiet einzuschliessen; dennoch ist nie dazu geschritten worden.
Die Inkongruenz der nationalen und der politischen Zugehoerigkeit Armeniens
bildet ein wesentliches Moment in dem durch die ganze Kaiserzeit sich
hinziehenden Konflikt mit dem oestlichen Nachbarn. Man erkannte es wohl auf
roemischer Seite, dass die Annektierung jenseits des Euphrat ein Uebergriff in
das Stammgebiet der orientalischen Nationalitaet und fuer Rom kein eigentlicher
Machtzuwachs war. Der Grund aber oder wenn man will die Entschuldigung dafuer,
dass diese Uebergriffe dennoch sich fortsetzten, liegt darin, dass das
Nebeneinanderstehen gleichberechtigter Grossstaaten mit dem Wesen der
roemischen, man darf vielleicht sagen mit der Politik des Altertums ueberhaupt
unvereinbar ist. Das roemische Reich kennt als Grenze genaugenommen nur das Meer
oder das wehrlose Landgebiet. Dem schwaecheren, aber doch wehrhaften Staatswesen
der Parther goennten die Roemer die Machtstellung nicht und nahmen ihm, worauf
diese wieder nicht verzichten konnten; und darum ist das Verhaeltnis zwischen
Rom und Iran durch die ganze Kaiserzeit eine nur durch Waffenstillstaende
unterbrochene ewige Fehde um das linke Ufer des Euphrat.
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^21 Arrian, der als Statthalter von Kappadokien selbst ueber die Armenier
das Kommando gefuehrt hatte (Alan. 29), nennt in der Taktik Armenier und Parther
immer zusammen (4, 3; 44, 1 wegen der schweren Reiterei, der gepanzerten
kontophoroi und der leichten Reiterei, der akrobolistai oder ippotoxotai; 35, 7
wegen der Pluderhosen), und wo er von Hadrians Einfuehrung der barbarischen
Kavallerie in das roemische Heer spricht, fuehrt er die berittenen Schuetzen
zurueck auf das Muster "der Parther oder Armenier" (44, 1).
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In den von Lucullus und Pompeius mit den Parthern abgeschlossenen
Vertraegen war die Euphratgrenze anerkannt, also Mesopotamien ihnen zugestanden
worden. Aber dies hinderte die Roemer nicht, die Herrscher von Edessa in ihre
Klientel aufzunehmen und, wie es scheint durch Erstreckung der Grenzen Armeniens
gegen Sueden, einen grossen Teil des noerdlichen Mesopotamien wenigstens fuer
ihre mittelbare Herrschaft in Anspruch zu nehmen. Deswegen hatte nach einigem
Zaudern die parthische Regierung den Krieg gegen die Roemer in der Form
begonnen, dass sie ihn den Armeniern erklaerte. Die Antwort darauf war der
Feldzug des Crassus und nach der Niederlage bei Karrhae die Zurueckfuehrung
Armeniens unter parthische Gewalt; man kann hinzusetzen: die Wiederaufnahme der
Ansprueche auf die westliche Haelfte des Seleukidenstaats, deren Durchfuehrung
freilich damals misslang. Waehrend des ganzen zwanzigjaehrigen Buergerkriegs, in
dem die roemische Republik zugrunde ging und schliesslich der Prinzipat sich
feststellte, dauerte der Kriegsstand zwischen Roemern und Parthern, und nicht
selten griffen beide Kaempfe ineinander ein. Pompeius hatte vor der
Entscheidungsschlacht versucht, den Koenig Orodes als Verbuendeten zu gewinnen;
aber als dieser die Abtretung Syriens forderte, vermochte er es nicht ueber
sich, die durch ihn selbst roemisch gewordene Provinz auszuliefern. Nach der
Katastrophe hatte er dennoch sich dazu entschlossen; aber Zufaelligkeiten
lenkten seine Flucht statt nach Syrien vielmehr nach Aegypten, wo er dann sein
Ende fand. Die Parther schienen im Begriff, abermals in Syrien einzubrechen; und
die spaeteren Fuehrer der Republikaner verschmaehten den Beistand der
Landesfeinde nicht. Noch bei Caesars Lebzeiten hatte Caecilius Bassus, als er
die Fahne des Aufstands in Syrien erhob, sofort die Parther herbeigerufen. Sie
waren diesem Ruf auch gefolgt; des Orodes Sohn Pakoros hatte den Statthalter
Caesars geschlagen und die von ihm in Apameia belagerte Truppe des Bassus
befreit (709 45). Sowohl aus diesem Grunde, wie um fuer Karrhae Revanche zu
nehmen, hatte Caesar beschlossen, im naechsten Fruehling persoenlich nach Syrien
und ueber den Euphrat zu gehen; aber die Ausfuehrung dieses Planes verhinderte
sein Tod. Als dann Cassius in Syrien ruestete, knuepfte er auch mit dem
Partherkoenig an, und in der Entscheidungsschlacht bei Philippi (712 42) haben
parthische berittene Schuetzen mit fuer die Freiheit Roms gestritten. Da die
Republikaner unterlagen, verhielt der Grosskoenig zunaechst sich ruhig, und auch
Antonius hatte wohl die Absicht, des Diktators Plaene auszufuehren, aber
zunaechst mit der Ordnung des Orients genug zu tun. Der Zusammenstoss konnte
nicht ausbleiben; der Angreifende war diesmal der Partherkoenig. Als im Jahre
713 (41) Caesar der Sohn in Italien mit den Feldherren und der Gemahlin des
Antonius schlug und dieser in Aegypten bei der Koenigin Kleopatra untaetig
verweilte, entsprach Orodes dem Draengen eines bei ihm im Exil lebenden Roemers,
des Quintus Labienus, und sandte diesen, einen Sohn des erbitterten Gegners des
Diktators Titus Labienus und ehemaligen Offizier im Heere des Brutus, sowie (713
41) seinen Sohn Pakoros mit einer starken Armee ueber die Grenze. Der
Statthalter Syriens, Decidius Saxa, unterlag dem unvermuteten Angriff; die
roemischen Besatzungen, grossenteils gebildet aus alten Soldaten der
republikanischen Armee, stellten sich unter den Befehl ihres frueheren
Offiziers; Apameia und Antiocheia, ueberhaupt alle Staedte Syriens mit Ausnahme
der ohne Flotte nicht zu bezwingenden Inselstadt Tyros, unterwarfen sich; auf
der Flucht nach Kilikien gab sich Saxa, um nicht gefangen zu werden, selber den
Tod. Nach der Einnahme Syriens wandte sich Pakoros gegen Palaestina, Labienus
nach der Provinz Asia; auch hier unterwarfen sich weithin die Staedte oder
wurden mit Gewalt bezwungen, mit Ausnahme des karischen Stratonikeia. Antonius,
durch die italischen Verwicklungen in Anspruch genommen, sandte seinen
Statthaltern keinen Sukkurs, und fast zwei Jahre (Ende 713 bis Fruehjahr 715 41-
39) geboten in Syrien und einem grossen Teil Kleinasiens die parthischen
Feldherren und der republikanische Imperator Labienus -der Parthiker, wie er mit
schamloser Ironie sich nannte, nicht der Roemer, der die Parther, sondern der
Roemer, der mit den Parthern die Seinigen ueberwand. Erst nachdem der drohende
Bruch zwischen den beiden Machthabern abgewandt war, sandte Antonius ein neues
Heer unter Fuehrung des Publius Ventidius Bassus, dem er das Kommando in den
Provinzen Asia und Syrien uebergab. Der tuechtige Feldherr traf in Asia den
Labienus allein mit seinen roemischen Truppen und schlug ihn rasch aus der
Provinz hinaus. An der Scheide von Asia und Kilikien, in den Paessen des Taurus,
wollte eine Abteilung der Parther die fliehenden Verbuendeten aufnehmen; aber
auch sie wurden geschlagen, bevor sie sich mit Labienus vereinigen konnten, und
darauf dieser auf der Flucht in Kilikien aufgegriffen und getoetet. Mit gleichem
Glueck erstritt Ventidius die Paesse des Amanos an der Grenze von Kilikien und
Syrien; hier fiel Pharnapates, der beste der parthischen Generale (715 39).
Damit war Syrien vom Feinde befreit. Allerdings ueberschritt im Jahre darauf
Pakoros noch einmal den Euphrat, aber nur um in einem entscheidenden Treffen bei
Gindaros nordoestlich von Antiocheia (9. Juni 716 38) mit dem groessten Teil
seines Heeres den Untergang zu finden. Es war ein Sieg, der den Tag bei Karrhae
einigermassen aufwog und von dauernder Wirkung: auf lange hinaus haben die
Parther nicht wieder ihre Truppen am roemischen Ufer des Euphrat gezeigt.
Wenn es im Interesse Roms lag, die Eroberungen gegen Osten auszudehnen und
die Erbschaft des grossen Alexander hier in ihrem vollen Umfang anzutreten, so
lagen dafuer die Verhaeltnisse nie guenstiger als im Jahre 716 (38). Die
Beziehungen der Zweiherrscher zueinander hatten zur rechten Zeit dafuer sich neu
befestigt, und auch Caesar wuenschte damals wahrscheinlich aufrichtig eine
ernstliche und glueckliche Kriegfuehrung seines Herrschaftsgenossen und neuen
Schwagers. Die Katastrophe von Gindaros hatte bei den Parthern eine schwere
dynastische Krise hervorgerufen. Koenig Orodes legte, tief erschuettert durch
den Tod seines aeltesten und tuechtigsten Sohnes, das Regiment zu Gunsten seines
zweitgeborenen, Phraates, nieder. Dieser fuehrte, um sich den Thron besser zu
sichern, ein Regiment des Schreckens, dem seine zahlreichen Brueder und der alte
Vater selbst so wie eine Anzahl der hohen Adligen des Reiches zum Opfer fielen;
andere derselben traten aus und suchten Schutz bei den Roemern, unter ihnen der
maechtige und angesehene Monaeses. Nie hat Rom im Orient ein Heer von gleicher
Zahl und Tuechtigkeit gehabt wie in dieser Zeit: Antonius vermochte nicht
weniger als sechzehn Legionen, gegen 70000 Mann roemischer Infanterie, gegen
40000 der Hilfsvoelker, 10000 spanische und gallische, 6000 armenische Reiter
ueber den Euphrat zu fuehren; wenigstens die Haelfte derselben waren
altgediente, aus dem Westen herangefuehrte Truppen, alle bereit, ihrem geliebten
und verehrten Fuehrer, dem Sieger von Philippi, wo immer hin zu folgen und die
glaenzenden Siege, die nicht durch, aber fuer ihn ueber die Parther bereits
erfochten waren, unter seiner eigenen Fuehrung mit noch groesseren Erfolgen zu
kroenen.
In der Tat fasste Antonius die Aufrichtung eines asiatischen
Grosskoenigtums nach dem Muster Alexanders ins Auge. Wie Crassus vor seinem
Einruecken verkuendigt hatte, dass er die roemische Herrschaft bis nach Baktrien
und Indien ausdehnen werde, so nannte Antonius den ersten Sohn, den die
aegyptische Koenigin ihm gebar, mit dem Namen Alexanders. Er scheint geradezu
beabsichtigt zu haben, einerseits mit Ausschluss der vollstaendig hellenisierten
Provinzen Bithynien und Asia das gesamte Reichsgebiet im Osten, so weit es nicht
schon unter abhaengigen Kleinfuersten stand, in diese Form zu bringen,
andererseits alle einstmals von den Okzidentalen besetzten Landschaften des
Ostens in Form von Satrapien sich untertaenig zu machen. Von dem oestlichen
Kleinasien wurde der groesste Teil und der militaerische Primat dem
streitbarsten der dortigen Fuersten, dem Galater Amyntas, zugewiesen. Neben dem
galatischen standen die Fuersten von Paphlagonien, die von Galatien verdraengten
Nachkommen des Delotarus; Polemon, der neue Fuerst im Pontos und der Gemahl der
Enkelin des Antonius Pythodoris; ferner wie bisher die Koenige von Kappadokien
und Kommagene. Einen grossen Teil Kilikiens und Syriens sowie Kypros und Kyrene
vereinigte Antonius mit dem aegyptischen Staat, dem er also fast die Grenzen