verliehen worden zu sein (Franz, CIG III S. 270). Dass bei den Arsakiden das
gleiche vorkam ist moeglich. Bei den griechisch redenden Untertanen des
Arsakidenstaats scheint die Benennung megistanes, in dem urspruenglichen
strengeren Gebrauch die Glieder der sieben Haeuser zu bezeichnen; es ist
beachtenswert, dass megistanes und satrapae zusammengestellt werden (Sen. epist.
21; Ios. ant. Iud. 11, 3, 2; 20, 2, 3). Dass bei Hoftrauer der Perserkoenig die
Megistanen nicht zur Tafel zieht (Suet. Gai. 5), legt die Vermutung nahe, dass
sie das Vorrecht hatten, mit ihm zu speisen. Auch der Titel t/o/n pr/o/t/o/n
phil/o/n findet sich bei den Arsakiden aehnlich wie am aegyptischen und am
pontischen Hofe (BCH 7, 1883, S. 349).
^6 Ein koeniglicher Mundschenk der zugleich Feldherr ist, wird genannt bei
Josephus (ant. Iud. 14, 13, 7 = bel. Iud. 1, 13, 1). Aehnliche Hofaemter kommen
in den Diadochenstaaten haeufig vor.
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Die Verwaltung liegt in den Haenden der Unterkoenige oder der Satrapen;
nach den roemischen Geographen der vespasianischen Zeit besteht der Staat der
Parther aus achtzehn "Koenigreichen". Einige dieser Satrapien sind
Sekundogenituren des Herrscherhauses; insbesondere scheinen die beiden
nordwestlichen Provinzen, das atropatenische Medien (Aserbeidschan) und, sofern
es in der Gewalt der Parther stand, Armenien, den dem zeitigen Herrscher
naechststehenden Prinzen zur Verwaltung uebertragen worden zu sein ^7. Im
uebrigen ragen unter den Satrapen hervor der Koenig der Landschaft Elymais oder
von Susa, dem eine besondere Macht- und Ausnahmestellung eingeraeumt war,
demnaechst derjenige der Persis, des Stammlandes der Achaemeniden. Die wenn
nicht ausschliessliche, so doch ueberwiegende und den Titel bedingende
Verwaltungsform war im Partherreich, anders als in dem der Caesaren, das
Lehnskoenigtum, so dass die Satrapen nach Erbrecht eintraten, aber der
grossherrlichen Bestaetigung unterlagen ^8. Allem Anschein nach hat sich dies
nach unten hin fortgesetzt, so dass kleinere Dynasten und Stammhaeupter zu dem
Unterkoenig in demselben Verhaeltnis standen, wie dieser zu dem Grosskoenig ^9.
Somit war das Grosskoenigtum der Parther aeusserst beschraenkt zu Gunsten der
hohen Aristokratie durch die ihm anhaftende Gliederung der erblichen
Landesverwaltung. Dazu passt recht wohl, dass die Masse der Bevoelkerung aus
halb oder ganz unfreien Leuten bestand ^10 und Freilassung nicht statthaft war.
In dem Heer, das gegen Antonius focht, sollen unter 50000 nur 400 Freie gewesen
sein. Der vornehmste unter den Vasallen des Orodes, welcher als Feldherr
desselben den Crassus schlug, zog ins Feld mit einem Harem von 200 Weibern und
einer von 1000 Lastkamelen getragenen Bagage; er selber stellte 10000 Reiter zum
Heer aus seinen Klienten und Sklaven. Ein stehendes Heer haben die Parther
niemals gehabt, sondern zu allen Zeiten blieb hier die Kriegfuehrung angewiesen
auf das Aufgebot der Lehnsfuersten und der ihnen untergeordneten Lehnstraeger
sowie der grossen Masse der Unfreien, ueber welche diese geboten.
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^7 Tac. ann. 15, 2 u. 31. Wenn nach der Vorrede des Agathangelos (p. 109
Langlois) zur Zeit der Arsakiden der aelteste und tuechtigste Prinz die
Landesherrschaft fuehrte, die drei ihm naechststehenden aber Koenige der
Armenier, der Inder und der Massageten waren, so liegt hier vielleicht dieselbe
Ordnung zu Grunde. Dass das parthisch-indische Reich, wenn es mit dem Hauptland
verbunden war, ebenfalls als Sekundogenitur galt, ist sehr wahrscheinlich.
^8 Diese meint wohl Justinus (41, 2, 2): proximus maiestati regum
praepositorum ordo est; ex hoc duces in bello, ex hoc in pace rectores habent.
Den einheimischen Namen bewahrt die Glosse bei Hesychios: bistax o basile?s para
Persais. Wenn bei Amm. 23, 6,14 die Vorsteher der persischen regiones vitaxae
(schr. vistaxae), id est magistri equitum et reges et satrapae heissen, so hat
er ungeschickt Persisches auf ganz Innerasien bezogen (vgl. Hermes 16, 1881, S.
613); uebrigens kann die Bezeichnung "Reiterfuehrer" fuer diese Unterkoenige
darauf gehen, dass sie, wie die roemischen Statthalter, die hoechste Zivil- und
die hoechste Militaergewalt in sich vereinigten und die Armee der Parther
ueberwiegend aus Reiterei bestand.
^9 Das lehrt die einem Gotarzes in der Inschrift von Kermanschahaen in
Kurdistan (CIG 4674) beigelegte Titulatur satrap/e/s t/o/n satrap/o/n. Dem
Arsakidenkoenig dieses Namens kann sie als solchem nicht beigelegt werden; wohl
aber mag, wie Olshausen (Monatsbericht der Berliner Akademie 1878, S. 179)
vermutet, damit diejenige Stellung bezeichnet werden, die ihm nach seinem
Verzicht auf das Grosskoenigtum (Tac. ann. 11, 9) zukam.
^10 Noch spaeter heisst eine Reitertruppe im parthischen Heer die "der
Freien" Ios. ant. Iud. 14, 13, 5 = bel. Iud. 1, 13, 3).
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Allerdings fehlte das staedtische Element in der politischen Ordnung des
Partherreichs nicht ganz. Zwar die aus der eigenen Entwicklung des Ostens
hervorgegangenen groesseren Ortschaften sind keine staedtischen Gemeinwesen, wie
denn selbst die parthische Residenz Ktesiphon im Gegensatz zu der benachbarten
griechischen Gruendung Seleukeia ein Flecken genannt wird; sie hatten keine
eigenen Vorsteher und keinen Gemeinderat, und die Verwaltung lag hier wie in den
Landbezirken ausschliesslich bei den koeniglichen Beamten. Aber von den
Gruendungen der griechischen Herrscher war ein freilich verhaeltnismaessig
geringer Teil unter parthische Herrschaft gekommen. In den ihrer Nationalitaet
nach aramaeischen Provinzen Mesopotamien und Babylonien hatte das griechische
Staedtewesen unter Alexander und seinen Nachfolgern festen Fuss gefasst.
Mesopotamien war mit griechischen Gemeinwesen bedeckt, und in Babylonien war die
Nachfolgerin des alten Babylon, die Vorlaeuferin Bagdads, eine Zeit lang die
Residenz der griechischen Koenige Asiens, Seleukeia am Tigris, durch ihre
guenstige Handelslage und ihre Fabriken emporgeblueht zu der ersten Kaufstadt
ausserhalb der roemischen Grenzen, angeblich von mehr als einer halben Million
Einwohner. Ihre freie hellenische Ordnung, auf der ohne Zweifel ihr Gedeihen vor
allem beruhte, wurde im eigenen Interesse auch von den parthischen Herrschern
nicht angetastet, und die Stadt bewahrte sich nicht bloss ihren Stadtrat von 300
erwaehlten Mitgliedern, sondern auch griechische Sprache und griechische Sitte
mitten im ungriechischen Osten. Freilich bildeten in diesen Staedten die
Hellenen nur das herrschende Element; neben ihnen lebten zahlreiche Syrer, und
als dritter Bestandteil gesellten sich dazu die nicht viel weniger zahlreichen
Juden, so dass die Bevoelkerung dieser Griechenstaedte des Partherreichs,
aehnlich wie die von Alexandreia, sich aus drei gesondert nebeneinander
stehenden Nationalitaeten zusammensetzte. Zwischen diesen kam es, eben wie in
Alexandreia, nicht selten zu Konflikten, wie zum Beispiel zur Zeit der Regierung
des Gaius unter den Augen der parthischen Regierung die drei Nationen
miteinander handgemein und schliesslich die Juden aus den groesseren Staedten
ausgetrieben wurden.
Insofern ist das Parthische Reich zu dem Roemischen das rechte Gegenstueck.
Wie in diesem das orientalische Unterkoenigtum ausnahmsweise vorkommt, so in
jenem die griechische Stadt; dem allgemeinen orientalisch-aristokratischen
Charakter des Partherregiments tun die griechischen Kaufstaedte an der
Westgrenze so wenig Eintrag wie die Lehnskoenigtuemer Kappadokien und Armenien
dem staedtisch gegliederten Roemerstaat. Waehrend in dem Staat der Caesaren das
roemisch-griechische staedtische Gemeinwesen weiter und weiter um sich greift
und allmaehlich zur allgemeinen Verwaltungsform wird, so reisst die
Staedtegruendung, das rechte Merkzeichen der hellenisch-roemischen Zivilisation,
welche die griechischen Kaufstaedte und die Militaerkolonien Roms ebenso
umspannt wie die grossartigen Ansiedlungen Alexanders und der Alexandriden, mit
dem Eintreten des Partherregiments im Osten ploetzlich ab, und auch die
bestehenden Griechenstaedte des Partherreichs verkuemmern im weiteren Lauf der
Entwicklung. Dort wie hier draengt die Regel mehr und mehr die Ausnahmen
zurueck.
Irans Religion, mit ihrer dem Monotheismus sich naehernden Verehrung des
"hoechsten der Goetter, der Himmel und Erde und die Menschen und fuer diese
alles Gute geschaffen hat", mit ihrer Bildlosigkeit und Geistigkeit, mit ihrer
strengen Sittlichkeit und Wahrhaftigkeit, ihrer Hinwirkung auf praktische
Taetigkeit und energische Lebensfuehrung, hat die Gemueter ihrer Bekenner in
ganz anderer und tieferer Weise gepackt, als die Religionen des Okzidents es je
vermochten, und wenn vor der entwickelten Zivilisation weder Zeus noch Jupiter
standgehalten haben, ist der Glaube bei den Parsen ewig jung geblieben, bis er
einem anderen Evangelium, dem der Bekenner des Mohammed erlag oder doch vor ihm
nach Indien entwich. Wie sich der alte Mazda-Glaube, zu dem die Achaemeniden
sich bekannten und dessen Entstehung in die vorgeschichtliche Zeit faellt, zu
demjenigen verhielt, den als Lehre des weisen Zarathustra die wahrscheinlich
unter den spaeteren Achaemeniden entstandenen heiligen Buecher der Perser, das
Awesta, verkuenden, ist nicht unsere Aufgabe darzustellen; fuer die Epoche, wo
der Okzident mit dem Orient in Beruehrung steht, kommt nur die spaetere
Religionsform in Betracht, wie sie, entstanden vielleicht im Osten Irans, in
Baktrien, insbesondere vom Westen her, von Medien aus dem Okzident
gegenuebertrat und in ihn eindrang. Enger aber als selbst bei den Kelten sind in
Iran die nationale Religion und der nationale Staat miteinander verwachsen. Es
ist schon hervorgehoben worden, dass das legitime Koenigtum im Iran zugleich
eine religioese Institution, der oberste Herrscher des Landes als durch die
oberste Landesgottheit besonders zum Regiment berufen und selbst gewissermassen
goettlich gedacht wird. Auf den Muenzen nationalen Gepraeges erscheint
regelmaessig der grosse Feueraltar und ueber ihm schwebend der gefluegelte Gott
Ahura Mazda, neben ihm in kleinerer Gestalt und in betender Stellung der Koenig
und dem Koenig gegenueber das Reichsbanner. Dem entsprechend geht auch die
Uebermacht des Adels im Partherreich Hand in Hand mit der privilegierten
Stellung des Klerus. Die Priester dieser Religion, die Magier, erscheinen schon
in den Urkunden der Achaemeniden und in den Erzaehlungen Herodots und haben,
wahrscheinlich mit Recht, den Okzidentalen immer als national persische
Institution gegolten. Das Priestertum ist erblich und wenigstens in Medien,
vermutlich auch in anderen Landschaften, galt die Gesamtheit der Priester, etwa
wie die Leviten in dem spaeteren Israel, als ein besonderer Volksteil. Auch
unter der Herrschaft der Griechen haben die alte Religion des Staates und das
nationale Priestertum ihren Platz behauptet. Als der erste Seleukos die neue
Hauptstadt seines Reiches, das schon erwaehnte Seleukeia gruenden wollte, liess
er die Magier Tag und Stunde dafuer bestimmen, und erst nachdem diese Perser,
nicht gern, das verlangte Horoskop gestellt hatten, vollzogen ihrer Anweisung
gemaess der Koenig und sein Heer die feierliche Grundsteinlegung der neuen
Griechenstadt. Also auch ihm standen beratend die Priester des Ahura Mazda zur
Seite und sie, nicht die des hellenischen Olymp, wurden bei den oeffentlichen
Angelegenheiten insoweit befragt, als diese goettliche Dinge betrafen.
Selbstverstaendlich gilt dies um so mehr von den Arsakiden. Dass bei der
Koenigswahl neben dem Adelsrat der der Priester mitwirkte, wurde schon bemerkt.
Koenig Tiridates von Armenien, aus dem Haus der Arsakiden, kam nach Rom unter
Geleit eines Gefolges von Magiern, und nach deren Vorschrift reiste und speiste
er, auch in Gemeinschaft mit dem Kaiser Nero, der gern sich von den fremden
Weisen ihre Lehre verkuenden und die Geister beschwoeren liess. Daraus folgt
allerdings noch nicht, dass der Priesterstand als solcher auf die Fuehrung des
Staats wesentlich bestimmend eingewirkt hat; aber keineswegs ist der Mazda-
Glaube erst durch die Sassaniden wiederhergestellt worden; vielmehr ist bei
allem Wechsel der Dynastien und bei aller eigenen Entwicklung die Landesreligion
im Iran in ihren Grundzuegen die gleiche geblieben.
Die Landessprache im Partherreich ist die einheimische Irans. Keine Spur
fuehrt darauf, dass unter den Arsakiden jemals eine Fremdsprache in
oeffentlichem Gebrauch gewesen ist. Vielmehr ist es der iranische Landesdialekt
Babyloniens und die diesem eigentuemliche Schrift, wie beide vor und in der
Arsakidenzeit unter dem Einfluss von Sprache und Schrift der aramaeischen
Nachbarn sich entwickelten, welche mit der Benennung Pahlavi, das heisst
Parthava, belegt und damit bezeichnet werden als die des Reiches der Parther.
Auch das Griechische ist in demselben nicht Reichssprache geworden. Keiner der
Herrscher fuehrt auch nur als zweiten Namen einen griechischen; und haetten die
Arsakiden diese Sprache zu der ihrigen gemacht, so wuerden uns griechische
Inschriften in ihrem Reiche nicht fehlen. Allerdings zeigen ihre Muenzen bis auf
die Zeit des Claudius ausschliesslich ^11 und auch spaeter ueberwiegend
griechische Aufschrift, wie sie auch keine Spur der Landesreligion aufweisen und
im Fuss sich der oertlichen Praegung der roemischen Ostprovinzen anschliessen,
ebenso die Jahrteilung so wie die Jahrzaehlung so beibehalten haben, wie sie
unter den Seleukiden geregelt worden waren. Aber es wird dies vielmehr dahin
aufzufassen sein, dass die Grosskoenige selber ueberhaupt nicht praegten ^12 und
diese Muenzen, die ja wesentlich fuer den Verkehr mit den westlichen Nachbarn
dienten, von den griechischen Staedten des Reiches auf den Namen des Landesherrn
geschlagen worden sind. Die Bezeichnung des Koenigs auf diesen Muenzen als
"Griechenfreund" (philell/e/n), die schon frueh begegnet ^13 und seit
Mithradates I., das heisst seit der Ausdehnung des Staates bis an den Tigris,
stehend wird, hat einen Sinn nur, wenn auf diesen Muenzen die parthische
Griechenstadt redet. Vermutlich war der griechischen Sprache im Partherreich
neben der persischen eine aehnliche sekundaere Stellung im oeffentlichen
Gebrauch eingeraeumt, wie sie sie im Roemerstaat neben der lateinischen besass.
Das allmaehliche Schwinden des Griechentums unter der parthischen Herrschaft
laesst sich auf diesen staedtischen Muenzen deutlich verfolgen, sowohl in dem
Auftreten der einheimischen Sprache neben und statt der griechischen wie auch in
der mehr und mehr hervortretenden Sprachzerruettung ^14.
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^11 Die aelteste bekannte Muenze mit Pahlavischrift ist zu Claudius' Zeit
unter Volagasos I. geschlagen; sie ist zweisprachig und gibt dem Koenig
griechisch den vollen Titel, aber nur den Namen Arsakes, iranisch bloss den
einheimischen Individualnamen abgekuerzt (Vol.).
^12 Gewoehnlich beschraenkt man dies auf die Grosssilbermuenze und
betrachtet das Kleinsilber und das meiste Kupfer als koenigliche Praegung. Indes
damit wird dem Grosskoenig eine seltsame sekundaere Rolle in der Praegung
zugeteilt. Richtiger wird wohl jene Praegung aufgefasst als ueberwiegend fuer
das Ausland, diese als ueberwiegend fuer den inneren Verkehr bestimmt; die
zwischen beiden Gattungen bestehenden Verschiedenheiten erklaeren sich auf diese
Weise auch.
^13 Der erste Herrscher, der sie fuehrt, ist Phraapates um 188 v. Chr. (P.
Gardner, Parthian coinage, S. 27).
^14 So steht auf den Muenzen des Gotarzes (unter Claudius): G/o/terz/e/s
basile?s basile/o/n yos kekaloymenos Artabanoy. Auf den spaeteren ist die
griechische Aufschrift oft ganz unverstaendlich.
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Dem Umfang nach stand das Reich der Arsakiden weit zurueck nicht bloss
hinter dem Weltstaat der Achaemeniden, sondern auch hinter dem ihrer
unmittelbaren Vorgaenger, dem Seleukidenstaat. Von dessen urspruenglichem Gebiet
besassen sie nur die groessere oestliche Haelfte; nach der Schlacht, in welcher
Koenig Antiochos Sidetes, ein Zeitgenosse der Gracchen, gegen die Parther fiel,
haben die syrischen Koenige nicht wieder ernstlich versucht, ihre Herrschaft
jenseits des Euphrat geltend zu machen; aber das Land diesseits des Euphrat
blieb den Okzidentalen.
Von dem Persischen Meerbusen waren beide Kuesten, auch die arabische, im
Besitz der Parther, die Schiffahrt auf demselben also vollstaendig in ihrer
Gewalt; die uebrige arabische Halbinsel gehorchte weder den Parthern noch den
ueber Aegypten gebietenden Roemern.
Das Ringen der Nationen um den Besitz des Industals und der westlich und
oestlich angrenzenden Landschaften zu schildern, soweit die gaenzlich zerrissene
Ueberlieferung ueberhaupt eine Schilderung zulaesst, ist die Aufgabe unserer
Darstellung nicht; aber die Hauptzuege dieses Kampfes, welcher dem um das
Euphrattal gefuehrten stetig zur Seite geht, duerfen auch in diesem Zusammenhang
um so weniger fehlen, als unsere Ueberlieferung uns nicht gestattet, die
Verhaeltnisse Irans nach Osten in ihrem Eingreifen in die westlichen Beziehungen
im einzelnen zu verfolgen und es daher notwendig erscheint, wenigstens die
Grundlinien derselben uns zu vergegenwaertigen. Bald nach dem Tode des grossen
Alexander wurde durch das Abkommen seines Marschalls und Teilerben Seleukos mit
dem Gruender des Inderreiches, Tschandragupta oder griechisch Sandrakottos, die
Grenze zwischen Iran und Indien gezogen. Danach herrschte der letztere nicht
bloss ueber das Gangestal in seiner ganzen Ausdehnung und das gesamte noerdliche
Vorderindien, sondern im Gebiet des Indus wenigstens ueber einen Teil des
Hochtals des heutigen Kabul, ferner ueber Arachosien oder Afghanistan,
vermutlich auch ueber das wueste und wasserarme Gedrosien, das heutige
Belutschistan, sowie ueber das Delta und die Muendungen des Indus; die in Stein
gehauenen Urkunden, durch welche Tschandraguptas Enkel, der glaeubige
Buddhaverehrer Asoka, das allgemeine Sittengesetz seinen Untertanen
einschaerfte, sind wie in diesem ganzen weit ausgedehnten Gebiet, so namentlich
noch in der Gegend von Peschawar gefunden worden ^15. Der Hindukusch, der
Parapanisos der Alten, und dessen Fortsetzung nach Osten und Westen schieden
also mit ihrer gewaltigen, nur von wenigen Paessen durchsetzten Kette Iran und
Indien. Aber langen Bestand hat dies Abkommen nicht gehabt.
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^15 Waehrend das Reich des Dareios, seinen Inschriften zufolge, die Gadara
(die Gandara der Inder, Gandarai der Griechen, am Kabulfluss) und die Hindu (die
Indusanwohner) in sich schliesst, werden die ersteren in einer der Inschriften
des Asoka unter seinen Untertanen aufgefuehrt, und ein Exemplar seines grossen
Edikts hat sich in Kapurdi Giri oder vielmehr in Schahbaz Garhi (Yusufzai-
Distrikt) gefunden, nahezu sechs deutsche Meilen nordwestlich von der Muendung
des Kabulflusses in den Indus bei Atak. Der Sitz der Regierung dieser
nordwestlichen Provinzen von Asokas Reich war (nach der Inschrift CI Indicar. I
p. 91) Takkhasi-la, Taxila der Griechen, etwa neun deutsche Meilen OSO von Atak,
der Regierungssitz fuer die suedwestlichen Landschaften Udjdjeni (Ox/e/n/e/).
Der oestliche Teil des Kabultals gehoerte also auf jeden Fall zu Asokas Reich.
Dass der Khaiberpass die Grenze gebildet habe, ist nicht geradezu unmoeglich;
wahrscheinlich aber gehoerte das ganze Kabultal zu Indien und machte die Grenze
suedlich von Kabul die scharfe Linie der Sulaiman-Kette und weiter suedwestlich
der Bolanpass. Von dem spaeteren indoskythischen Koenig Huvischka (Ooerke der
Muenzen), der an der Yamuna in Mathura residiert zu haben scheint, hat sich eine
Inschrift bei Wardak, nicht weit noerdlich von Kabul, gefunden (nach
Mitteilungen Oldenbergs).
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In der frueheren Diadochenzeit brachten die griechischen Herrscher des
Reiches von Baktra, das von dem Seleukidenstaat geloest einen maechtigen
Aufschwung nahm, das Grenzgebirge ueberschreitend einen grossen Teil des
Industals in ihre Gewalt und setzten vielleicht noch weiter hinein in
Vorderindien sich fest, so dass das Schwergewicht dieses Reiches sich aus dem
westlichen Iran nach dem oestlichen Indien verschob und der Hellenismus dem
Indertum wich. Die Koenige dieses Reiches heissen indische und fuehren
spaeterhin ungriechische Namen; auf den Muenzen erscheint neben und statt der
griechischen die einheimisch indische Sprache und Schrift, aehnlich wie in der
parthisch-persischen Praegung neben dem Griechischen das Pahlavi emporkommt.
Es trat dann eine Nation mehr in den Kampf ein: die Skythen oder, wie sie
in Iran und in Indien heissen, die Saker brachen aus ihren Stammsitzen am
Jaxartes ueber das Gebirge nach Sueden vor. Die baktrische Landschaft kam
wenigstens grossenteils in ihre Gewalt, und etwa im letzten Jahrhundert der
roemischen Republik muessen sie sich in dem heutigen Afghanistan und
Belutschistan festgesetzt haben. Darum heisst in der fruehen Kaiserzeit die
Kueste zu beiden Seiten der Indusmuendung um Minnagara Skythien und fuehrt im
Binnenlande die westlich von Kandahar gelegene Landschaft der Dranger spaeter
den Namen "Sakerland", Sakastane, das heutige Sedjistan. Diese Einwanderung der
Skythen in die Landschaften des baktro-indischen Reiches hat dasselbe wohl
eingeschraenkt und geschaedigt, etwa wie die ersten Wanderungen der Germanen das
roemische, aber es nicht zerstoert; noch unter Vespasian hat ein wahrscheinlich
selbstaendiger baktrischer Staat bestanden ^16.
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^16 Der Anm. 18 genannte aegyptische Kaufmann gedenkt c. 47 "des
streitbaren Volks der Baktrianer, die ihren eigenen Koenig haben". Damals also
war Baktrien von dem unter parthischen Fuersten stehenden Indusreich getrennt.
Auch Strabon (11, 11, 1 p. 516) behandelt das baktrisch-indische Reich als der
Vergangenheit angehoerig.
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Unter den Juliern und den Claudiern scheinen dann an der Indusmuendung die
Parther die Vormacht gewesen zu sein. Ein zuverlaessiger Berichterstatter aus
augustischer Zeit fuehrt eben jenes Sakastane unter den parthischen Provinzen
auf und nennt den Koenig der Saker-Skythen einen Unterkoenig der Arsakiden; als
letzte parthische Provinz gegen Osten bezeichnet er Arachosien mit der
Hauptstadt Alexandropolis, wahrscheinlich Kandahar. Ja, bald darauf, in
vespasianischer Zeit, herrschen in Minnagara parthische Fuersten. Indes war dies
fuer das Reich am Indusstrom mehr ein Wechsel der Dynastie als eine eigentliche
Annexion an den Staat von Ktesiphon. Der Partherfuerst Gondopharos, den die
christliche Legende mit dem Apostel der Parther und der Inder, dem heiligen
Thomas, verknuepft ^17, hat allerdings von Minnagara aus bis nach Peschawar und
Kabul hinauf geherrscht; aber diese Herrscher gebrauchen, wie ihre Vorherrscher
im indischen Reich, neben der griechischen die indische Sprache und nennen sich
Grosskoenige wie diejenigen von Ktesiphon; sie scheinen mit den Arsakiden darum
nicht weniger rivalisiert zu haben, weil sie demselben Fuerstengeschlecht
angehoerten ^18.
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^17 Wahrscheinlich ist er der Kaspar - in aelterer Tradition Gathaspar -,