Jahre 75 war die Landschaft roemisch (CIL III, 306), und wahrscheinlich hat die
eine der seit Vespasian in Kappadokien garnisonierenden Legionen von Anfang an
in dem klein-armenischen Satala gestanden. Vespasian hat die genannten
Landschaften so wie Galatien und Kappadokien zu einer grossen Statthalterschaft
vereinigt. Am Ende der Domitianischen Regierung finden wir Galatien und
Kappadokien getrennt und die nordoestlichen Provinzen zu Galatien gelegt. Unter
Traian ist zuerst wiederum der ganze Bezirk in einer Hand, spaeterhin (Eph.
epigr. V, n. 1345) in der Weise geteilt, dass die nordoestliche Kueste zu
Kappadokien gehoert. Dabei ist es wenigstens insoweit geblieben, dass Trapezunt,
und also auch Klein-Armenien, fortan bestaendig unter diesem Statthalter
gestanden hat. Also hatte, von einer kurzen Unterbrechung unter Domitian
abgesehen, der Legat von Galatien nichts mit der Grenzverteidigung zu tun und
ist diese, wie es auch in der Sache liegt, stets mit dem Kommando Kappadokiens
und seiner Legionen vereinigt gewesen.
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Um von den Zustaenden und der Entwicklung Kleinasiens in den drei ersten
Jahrhunderten unserer Zeitrechnung eine Vorstellung zu gewinnen, soweit dies bei
einem aus unserer unmittelbaren geschichtlichen Ueberlieferung gaenzlich
ausfallenden Lande moeglich ist, wird bei dem konservativen Charakter des
roemischen Provinzialregiments an die aelteren Gebietsteilungen und die
Vorgeschichte der einzelnen Landschaften anzuknuepfen sein.
Die Provinz Asia ist das alte Reich der Attaliden, Vorderasien bis
noerdlich zur bithynischen, suedlich zur lykischen Grenze; die anfangs davon
abgetrennten oestlichen Striche, das grosse Phrygien, waren schon in
republikanischer Zeit wieder dazu geschlagen worden, und die Provinz reichte
seitdem bis an die Landschaft der Galater und die pisidischen Gebirge. Auch
Rhodus und die uebrigen kleineren Inseln des Aegaeischen Meeres gehoerten zu
diesem Sprengel. Die urspruengliche hellenische Ansiedlung hatte ausser den
Inseln und der eigentlichen Kueste auch die unteren Taeler der groesseren
Fluesse besetzt; Magnesia am Sipylos im Hermostal, das andere Magnesia und
Tralleis im Tal des Maeandros waren schon vor Alexander als griechische Staedte
gegruendet oder doch griechische Staedte geworden; die Karer, Lyder, Myser
wurden frueh wenigstens zu Halbhellenen. Die eintretende Griechenherrschaft fand
in den Kuestenlandschaften nicht viel zu tun; Smyrna, das vor Jahrhunderten von
den Barbaren des Binnenlandes zerstoert worden war, erhob sich damals aus seinen
Truemmern, um rasch wieder einer der ersten Sterne des glaenzenden
kleinasiatischen Staedteringes zu werden; und wenn der Wiederaufbau von Ilion an
dem Grabhuegel Hektors mehr ein Werk der Pietaet als der Politik war, so war die
Anlage von Alexandreia an der Kueste der Troas von bleibender Bedeutung.
Pergamon im Tal des Ka‹kos bluehte auf als Residenz der Attaliden.
In dem grossen Werk der Hellenisierung des Binnenlandes dieser Provinz
wetteiferten, Alexanders Intentionen entsprechend, alle hellenischen
Regierungen, Lysimachos, die Seleukiden, die Attaliden. Die einzelnen
Gruendungen sind aus unserer Ueberlieferung noch mehr verschwunden als die
Kriegslaeufte der gleichen Epoche; wir sind hauptsaechlich angewiesen auf die
Namen und die Beinamen der Staedte; aber auch diese genuegen, um die allgemeinen
Umrisse dieser Jahrhunderte hindurch sich fortsetzenden und dennoch homogenen
und zielbewussten Taetigkeit zu erkennen. Eine Reihe binnenlaendischer
Ortschaften, Stratonikeia in Karien, Peltae, Blaundos, Dokimeion, Kadoi in
Phrygien, die Mysomakedonier im Bezirk von Ephesos, Thyateira, Hyrkania, Nakrasa
im Hermosgebiet, die Askylaken im Bezirk von Adramytion werden in Urkunden oder
sonstigen glaubwuerdigen Zeugnissen als Makedonierstaedte bezeichnet; und diese
Erwaehnungen sind so zufaelliger Art und die Ortschaften teilweise so
unbedeutend, dass die gleiche Bezeichnung sicher auf eine grosse Anzahl anderer
Niederlassungen in dieser Gegend sich erstreckt hat und wir schliessen duerfen
auf eine ausgedehnte, wahrscheinlich mit dem Schutz Vorderasiens gegen die
Galater und Pisidier zusammenhaengende Ansiedlung griechischer Soldaten in den
bezeichneten Gegenden. Wenn ferner die Muenzen der ansehnlichen phrygischen
Stadt Synnada mit ihrem Stadtnamen den der Ioner und der Dorer sowie den des
gemeinen Zeus (Ze?s pand/e/mos) verbinden, so muss einer der Alexandriden die
Griechen insgemein aufgefordert haben, hier sich niederzulassen; und auch dies
beschraenkte sich gewiss nicht auf diese einzelne Stadt. Die zahlreichen Staedte
hauptsaechlich des Binnenlandes, deren Namen auf die Koenigshaeuser der
Seleukiden oder der Attaliden zurueckgehen oder die sonst griechisch benannt
sind, sollen hier nicht aufgefuehrt werden; es befinden sich namentlich unter
den sicher von den Seleukiden gegruendeten oder reorganisierten Staedten mehrere
der in spaeterer Zeit bluehendsten und gesittetsten des Binnenlandes, zum
Beispiel im suedlichen Phrygien Laodikeia und vor allem Apameia, das alte
Kelaenae an der grossen Heerstrasse von der Westkueste Kleinasiens zum mittleren
Euphrat, schon in persischer Zeit das Entrepot fuer diesen Verkehr und unter
Augustus nach Ephesos die bedeutendste Stadt der Provinz Asia. Wenn auch nicht
jede Beilegung eines griechischen Namens mit Ansiedlung griechischer Kolonisten
verbunden gewesen sein wird, so werden wir doch einen betraechtlichen Teil
dieser Ortschaften den griechischen Pflanzstaedten beizaehlen duerfen. Aber auch
die staedtischen Ansiedlungen nichtgriechischen Ursprungs, die die Alexandriden
vorfanden, lenkten von selber in die Bahnen der Hellenisierung ein, wie denn die
Residenz des persischen Statthalters, Sardes, noch von Alexander selbst als
griechisches Gemeinwesen geordnet ward.
Diese staedtische Entwicklung war vollzogen, als die Roemer die Herrschaft
ueber Vorderasien antraten; sie selber haben sie nicht in intensiver Weise
gefoerdert. Dass eine grosse Anzahl der Stadtgemeinden in der oestlichen Haelfte
der Provinz ihre Jahre von dem der Stadt 670 (84) zaehlen, kommt daher, dass
damals nach Beendigung des Mithradatischen Krieges diese Bezirke durch Sulla
unter unmittelbar roemische Verwaltung kamen; Stadtrecht haben diese Ortschaften
nicht erst damals erhalten. Augustus hat die Stadt Parium am Hellespont und die
schon erwaehnte Alexandreia in Troas mit Veteranen seiner Armee besetzt und
beiden die Rechte der roemischen Buergergemeinden beigelegt; letztere ist
seitdem in dem griechischen Asien eine italische Insel gewesen wie Korinth in
Griechenland und Berylos in Syrien. Aber dies war nichts als Soldatenversorgung;
von eigentlicher Staedtegruendung in der roemischen Provinz Asien unter den
Kaisern ist wenig die Rede. Unter den nicht zahlreichen nach Kaisern benannten
Staedten daselbst ist vielleicht nur von Sebaste und Tiberiopolis, beide in
Phrygien, und von Hadrianoi an der bithynischen Grenze kein aelterer Stadtname
nachzuweisen. Hier, in der Berglandschaft zwischen dem Ida und dem Olymp, hauste
Kleon in der Triumviralzeit, ein gewisser Tilliboros unter Hadrian, beide halb
Raeuberhauptleute, halb Volksfuersten, von denen jener selbst in der Politik
eine Rolle gespielt hat; in dieser Freistatt der Verbrecher war die Gruendung
einer geordneten Stadtgemeinde durch Hadrian allerdings eine Wohltat. Sonst
blieb in dieser Provinz, mit ihren fuenfhundert Stadtgemeinden der
staedtereichsten des ganzen Staates, in dieser Hinsicht wohl nicht mehr viel zu
stiften uebrig, hoechstens etwa zu teilen, das heisst die faktisch zu einer
Stadtgemeinde sich entwickelnden Flecken aus dem frueheren Gemeindeverbande zu
loesen und selbstaendig zu machen, wie wir einen Fall der Art in Phrygien unter
Konstantin I. nachweisen koennen. Aber von der eigentlichen Hellenisierung waren
die abgelegenen Gebiete noch weit entfernt, als das roemische Regiment begann;
insbesondere in Phrygien behauptete sich die vielleicht der armenischen
gleichartige Landessprache. Wenn aus dem Fehlen griechischer Muenzen und
griechischer Inschriften nicht mit Sicherheit auf das Fehlen der Hellenisierung
geschlossen werden darf ^3, so weist doch die Tatsache, dass die phrygischen
Muenzen fast durchaus der roemischen Kaiserzeit, die phrygischen Inschriften der
grossen Mehrzahl nach der spaeteren Kaiserzeit angehoeren, darauf hin, dass in
die entlegenen und der Zivilisation schwer zugaenglichen Gegenden der Provinz
Asia die hellenische Gesittung soweit ueberhaupt, ueberwiegend erst unter den
Kaisern den Weg fand. Zu unmittelbarem Eingreifen der Reichsverwaltung bot
dieser im Stillen sich vollziehende Prozess wenig Gelegenheit und Spuren solchen
Eingreifens vermoegen wir nicht nachzuweisen. Freilich war Asia eine
senatorische Provinz, und dass dem Senatsregiment jede Initiative abging, mag
auch hier in Betracht kommen.
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^3 Die staedtische Muenzpraegung und die Inschriftsetzung stehen unter so
vielfachen Bedingungen, dass das Fehlen oder auch die Fuelle der einen wie der
andern nicht ohne weiteres zu Rueckschluessen auf die Abwesenheit oder die
Intensitaet einer bestimmten Zivilisationsphase berechtigen. Fuer Kleinasien
insbesondere ist zu beachten, dass es das gelobte Land der munizipalen Eitelkeit
ist und unsere Denkmaeler, auch die Muenzen, zum weitaus groessten Teil dadurch
hervorgerufen sind, dass die Regierung der roemischen Kaiser dieser freien Lauf
liess.
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Syrien und mehr noch Aegypten gehen auf in ihren Metropolen; die Provinz
Asien und Kleinasien ueberhaupt hat keine einzelne Stadt aufzuweisen gleich
Antiocheia und Alexandreia, sondern sein Gedeihen ruht auf den zahlreichen
Mittelstaedten. Die Einteilung der Staedte in drei Klassen, welche sich
unterscheiden im Stimmrecht auf dem Landtag, in der Repartition der von der
ganzen Provinz aufzubringenden Leistungen, selbst in der Zahl der anzustellenden
Stadtaerzte und staedtischen Lehrer ^4, ist vorzugsweise diesen Landschaften
eigen. Auch die staedtischen Rivalitaeten, die in Kleinasien so energisch und
zum Teil so kindisch, gelegentlich auch so gehaessig hervortreten, wie zum
Beispiel der Krieg zwischen Severus und Niger in Bithynien eigentlich ein Krieg
der beiden rivalisierenden Kapitalen Nikomedeia und Nikaea war, gehoeren zum
Wesen zwar der hellenischen Politien ueberhaupt, insbesondere aber der
kleinasiatischen. Des Wetteifers um die Kaisertempel werden wir weiterhin
gedenken; in aehnlicher Weise war die Rangfolge der staedtischen Deputationen
bei den gemeinschaftlichen Festen in Kleinasien eine Lebensfrage - Magnesia am
Maeander nennt sich auf den Muenzen die "siebente Stadt von Asia" - und vor
allem der erste Platz war ein so begehrter, dass die Regierung schliesslich sich
dazu verstand, mehrere erste Staedte zuzulassen. Aehnlich ging es mit der
Metropolenbezeichnung. Die eigentliche Metropole der Provinz war Pergamon, die
Residenz der Attaliden und der Sitz des Landtags. Aber Ephesos, die faktische
Hauptstadt der Provinz, wo der Statthalter verpflichtet war, sein Amt
anzutreten, und das auch dieses "Landungsrechts" auf seinen Muenzen sich
beruehmt, Smyrna, mit dem ephesischen Nachbar in steter Rivalitaet und dem
legitimen Erstenrecht der Ephesier zum Trotz auf den Muenzen sich nennend "die
erste an Groesse und Schoenheit", das uralte Sardeis, Kyzikos und andere mehr
strebten nach dem gleichen Ehrenrechte. Mit diesen ihren Quengeleien, wegen
deren regelmaessig der Senat und der Kaiser angegangen wurden, den "griechischen
Dummheiten", wie man in Rom zu sagen pflegte, waren die Kleinasiaten der
stehende Verdruss und das stehende Gespoett der vornehmen Roemer ^5.
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^4 "Die Verordnung", sagt der Jurist Modestinus, der sie referiert (dig.
27, 1, 6, 3), "interessiert alle Provinzen, obwohl sie an die Asiaten gerichtet
ist." Auch passt sie in der Tat nur da, wo es Staedteklassen gibt, und der
Jurist fuegt eine Anweisung hinzu, wie sie auf anders geordnete Provinzen
anzuwenden sei. Was der Biograph des Pius (c. 11) ueber die von Pius den
Rhetoren gewaehrten Auszeichnungen und Gehalte berichtet, hat mit dieser
Verfuegung nichts zu schaffen.
^5 Vortrefflich setzt Dion von Prusa in seinen Ansprachen an die Buerger
von Nikomedeia und von Tarsos auseinander, dass kein gebildeter Mann fuer sich
solche leere Bezeichnungen haben moechte und die Titelsucht fuer die Staedte
geradezu unbegreiflich sei; wie es das Zeichen der richtigen Kleinstaedterei
sei, sich solche Rangbescheinigungen ausstellen zu lassen; wie der schlechte
Statthalter durch diesen Staedtehader sich immer decke, da Nikaea und Nikomedeia
nie unter sich zusammenhielten. "Die Roemer gehen mit euch um wie mit Kindern,
denen man geringes Spielzeug schenkt; Misshandlungen nehmt ihr hin, um Namen zu
bekommen; sie nennen eure Stadt die erste, um sie als die letzte zu behandeln.
Den Roemern seid ihr damit zum Gelaechter geworden und sie nennen das
'griechische Dummheiten' (Ell/e/nika amart/e/mata)."
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Nicht auf der gleichen Hoehe wie das Attalidenreich befand sich Bithynien.
Die aeltere griechische Kolonisierung hatte sich hier lediglich auf die Kueste
beschraenkt. In der hellenistischen Epoche hatten anfangs die makedonischen
Herrscher, spaeter die voellig deren Wege wandelnde einheimische Dynastie neben
der im Ganzen wohl auf Umnennung hinauslaufenden Einrichtung der Kuestenorte
einigermassen auch das Binnenland erschlossen, namentlich durch die beiden
gluecklich gediehenen Anlagen von Nikaea (Isnik) und Prusa am Olymp (Brussa);
von der ersteren wird hervorgehoben, dass die ersten Ansiedler von guter
makedonischer und hellenischer Herkunft gewesen seien. Aber in der Intensitaet
der Hellenisierung stand das Reich des Nikomedes weit zurueck hinter dem des
Buergerfuersten von Pergamon; insonderheit das oestliche Binnenland kann vor
Augustus nur wenig besiedelt gewesen sein. Dies ward in der Kaiserzeit anders.
In augustischer Zeit baute ein gluecklicher Raeuberhauptmann, der sich zur
Ordnung bekehrte, an der galatischen Grenze die gaenzlich herabgekommene
Ortschaft Gordiu Kome unter dem Namen Iuliopolis wieder auf; in derselben Gegend
sind die Staedte Bithynion-Claudiopolis und Krateia-Flaviopolis wahrscheinlich
im Laufe des ersten Jahrhunderts zu griechischem Stadtrecht gelangt. Ueberhaupt
hat in Bithynien der Hellenismus unter der Kaiserzeit einen maechtigen
Aufschwung genommen, und der derbe thrakische Schlag der Eingeborenen gab ihm
eine gute Grundlage. Dass unter den in grosser Anzahl bekannten Schriftsteinen
dieser Provinz nicht mehr als vier der vorroemischen Zeit angehoeren, wird nicht
allein daraus erklaert werden koennen, dass die staedtische Ambition erst unter
den Kaisern grossgezogen worden ist. In der Literatur der Kaiserzeit gehoeren
eine Anzahl der besten und von der wuchernden Rhetorik am wenigsten erfassten
Schriftsteller, wie der Philosoph Dion von Prusa, die Historiker Memnon von
Herakleia, Arrhianos aus Nikomedeia, Cassius Dion von Nikaea, nach Bithynien.
Die oestliche Haelfte der Suedkueste des Schwarzen Meeres, die roemische
Provinz Pontus, hat zur Grundlage denjenigen Teil des Reiches Mithradats, den
Pompeius sofort nach dem Siege in unmittelbaren Besitz nahm. Die zahlreichen
kleinen Fuerstentuemer, welche im paphlagonischen Binnenland und oestlich davon
bis zur armenischen Grenze Pompeius gleichzeitig vergab, wurden nach kuerzerem
oder laengerem Bestand bei ihrer Einziehung teils derselben Provinz zugelegt,
teils zu Galatien oder Kappadokien geschlagen. Das ehemalige Reich des
Mithradates war sowohl von dem aelteren wie von dem juengeren Hellenismus bei
weitem weniger als die westlichen Landschaften beruehrt worden. Als die Roemer
dieses Gebiet mittelbar oder unmittelbar in Besitz nahmen, gab es griechisch
geordnete Staedte dort strenggenommen nicht; Amaseia, die alte Residenz der
pontischen Achaemeniden und immer ihre Grabstadt, war dies nicht; die beiden
alten griechischen Kuestenstaedte Amisos und das einst ueber das Schwarze Meer
gebietende Sinope waren koenigliche Residenzen geworden, und auch den wenigen
von Mithradates angelegten Ortschaften, zum Beispiel Eupatoria, wird schwerlich
griechische Politie gegeben worden sein. Hier aber war, wie schon frueher
ausgefuehrt ward, die roemische Eroberung zugleich die Hellenisierung; Pompeius
organisierte die Provinz in der Weise, dass er die elf Hauptortschaften
derselben zu Staedten machte und unter sie das Gebiet verteilte. Allerdings
aehnelten diese kuenstlich geschaffenen Staedte mit ihren ungeheuren Bezirken -
der von Sinope hatte an der Kueste eine Ausdehnung von sechzehn deutschen Meilen
und grenzte am Halys mit dem amisenischen - mehr den keltischen Gauen als den
eigentlich hellenischen und italischen Stadtgemeinden. Aber es wurden doch
damals Sinope und Amisos in ihre alte Stellung wieder eingesetzt und andere
Staedte im Binnenland, wie Pompeiopolis, Nikopolis, Megalopolis, das spaetere
Sebasteia, ins Leben gerufen. Sinope erhielt durch den Diktator Caesar das Recht
der roemischen Kolonie und ohne Zweifel auch italische Ansiedler. Wichtiger fuer
die roemische Verwaltung ward Trapezus, eine alte Kolonie von Sinope; die Stadt,
die im Jahre 63 zur Provinz Kappadokien geschlagen ward, war wie der Standort
der roemischen Pontusflotte so auch gewissermassen die Operationsbasis fuer das
Truppenkorps dieser Provinz, das einzige in ganz Kleinasien.
Das binnenlaendische Kappadokien war seit der Einrichtung der Provinzen
Pontus und Syrien in roemischer Gewalt; ueber die Einziehung desselben im Anfang
der Regierung des Tiberius, welche zunaechst veranlasst ward durch den Versuch
Armeniens, sich der roemischen Lehnsherrschaft zu entwinden, wird in dem
folgenden Abschnitt zu berichten sein. Der Hof und was unmittelbar damit
zusammenhing, hatte sich hellenisiert, etwa so, wie die deutschen Hoefe des 18.
Jahrhunderts sich dem franzoesischen Wesen zuwandten. Die Hauptstadt Caesarea,
das alte Mazaka, gleich dem phrygischen Apameia eine Zwischenstelle des grossen
Verkehrs zwischen den Haefen der Westkueste und den Euphratlaendern und in
roemischer Zeit wie noch heute eine der bluehendsten Handelsstaedte Kleinasiens,
war auf Pompeius' Veranlassung nach dem Mithradatischen Kriege nicht bloss
wieder aufgebaut, sondern wahrscheinlich damals auch mit Stadtrecht nach
griechischer Art ausgestattet worden. Kappadokien selbst war im Anfang der
Kaiserzeit schwerlich mehr griechisch als Brandenburg und Pommern unter
Friedrich dem Grossen franzoesisch. Als das Land roemisch ward, zerfiel es nach
den Angaben des gleichzeitigen Strabon nicht in Stadtbezirke, sondern in zehn
Aemter, von denen nur zwei Staedte hatten, die schon genannte Hauptstadt und
Tyana; und diese Ordnung ist hier im Grossen und Ganzen so wenig veraendert
worden wie in Aegypten, wenn auch einzelne Ortschaften spaeterhin griechisches
Stadtrecht empfingen, zum Beispiel Kaiser Marcus aus dem kappadokischen Dorf, in
dem seine Gemahlin gestorben war, die Stadt Faustinopolis machte. Griechisch
freilich sprachen die Kappadokier jetzt; aber die Studierenden aus Kappadokien
hatten auswaerts viel zu leiden wegen ihres groben Akzents und ihrer Fehler in
Aussprache und Betonung, und wenn sie attisch reden lernten, fanden die
Landsleute ihre Sprache affektiert ^6. Erst in der christlichen Zeit gaben die
Studiengenossen des Kaisers Julian, Gregorios von Nazianzos und Basilios von
Caesarea, dem kappadokischen Namen einen besseren Klang.
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^6 Pausanias aus Caesarea rueckt bei Philostratos (vit. soph. 2, 13) dem
Herodes Attikos seine Fehler vor: pacheia t/e/ gl/o/tt/e/ ka'i /o/s Kappadokais
x?n/e/thes, xygkro?/o/n men ta s?mph/o/na i/o/n stoichei/o/n, systell/o/n de ta
m/e/kynomena kai m/e/k?n/o/n ta brachea. Vita Apoll. 1, 7: /e/ gl/o/tta
Attik/o/s eichen, oyd' ap/e/chth/e/ t/e/n ph/o/n/e/n ypo to? ethnoys.
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Die lykischen Staedte in ihrem abgeschlossenen Berglande oeffneten ihre
Kueste der griechischen Ansiedlung nicht, aber schlossen sich darum doch nicht
gegen den hellenischen Einfluss ab. Lykien ist die einzige kleinasiatische
Landschaft, in welcher die fruehe Zivilisierung die Landessprache nicht
beseitigt hat, und welche, fast wie die Roemer, in griechisches Wesen einging,
ohne sich aeusserlich zu hellenisieren. Es bezeichnet ihre Stellung, dass die
lykische Konfoederation als solche dem attischen Seebund sich angeschlossen und
an die athenische Vormacht ihren Tribut entrichtet hat. Die Lykier haben nicht
bloss ihre Kunst nach hellenischen Mustern geuebt, sondern wohl auch ihre
politische Ordnung frueh in gleicher Weise geregelt. Die Umwandlung des einst
Rhodos untertaenigen, aber nach dem Dritten Makedonischen Krieg unabhaengig
gewordenen Staedtebundes in eine roemische Provinz, welche wegen des endlosen
Haders unter den Verbuendeten von Kaiser Claudius verfuegt ward, wird das
Vordringen des Hellenismus gefoerdert haben; im Verlauf der Kaiserzeit sind dann
die Lykier vollstaendig zu Griechen geworden.
Die pamphylischen Kuestenstaedte, wie Aspendos und Perge, griechische
Gruendungen der aeltesten Zeit, spaeter sich selbst ueberlassen und unter
guenstigen Verhaeltnissen gedeihlich entwickelt, hatten das aelteste Hellenentum
in einer Weise sei es konserviert, sei es aus sich heraus eigenartig gestaltet,
dass die Pamphylier nicht viel weniger als die benachbarten Lykier in Sprache
und Schrift als selbstaendige Nation gelten konnten. Als dann Asien den Hellenen
gewonnen ward, fanden sie allmaehlich den Rueckweg wie in die gemeine
griechische Zivilisation so auch in die allgemeine politische Ordnung. Die
Herren in dieser Gegend wie an der benachbarten kilikischen Kueste waren in
hellenistischer Zeit teils die Aegypter, deren Koenigshaus verschiedenen
Ortschaften in Pamphylien und Kilikien den Namen gegeben hat, teils die
Seleukiden, nach denen die bedeutendste Stadt Westkilikiens Seleukeia am
Kalykadnos heisst, teils die Pergamener, von deren Herrschaft Attaleia (Adalia)
in Pamphylien zeugt. Dagegen hatten die Voelkerschaften in den Gebirgen
Pisidiens, Isauriens und Westkilikiens bis auf den Beginn der Kaiserzeit ihre
Unabhaengigkeit der Sache nach behauptet. Hier ruhten die Fehden nie. Nicht
bloss zu Lande hatten die zivilisierten Regierungen stets mit den Pisidiern und
ihren Genossen zu schaffen, sondern es betrieben dieselben namentlich von dem
westlichen Kilikien aus, wo die Gebirge unmittelbar an das Meer treten, noch
eifriger als den Landraub das Gewerbe der Piraterie. Als bei dem Verfall der
aegyptischen Seemacht die Suedkueste Kleinasiens voellig zur Freistatt der
Seeraeuber ward, traten die Roemer ein und richteten die Provinz Kilikien,
welche die pamphylische Kueste mit umfasste oder doch umfassen sollte, der
Unterdrueckung des Seeraubs wegen ein. Aber was sie taten, zeigte mehr, was
haette geschehen sollen, als dass wirklich etwas erreicht ward; die Intervention
erfolgte zu spaet und zu unstetig. Wenn auch einmal ein Schlag gegen die