seiner Alleinherrschaft hoffen mochte, hat er nicht erreicht, vielleicht selbst

schon spaeterhin aufgegeben, als er Patrae die Form der roemischen Kolonie gab.

Nikopolis blieb, wie die ausgedehnten Ruinen und die zahlreichen Muenzen

beweisen, verhaeltnismaessig bevoelkert und bluehend ^47, aber seine Buerger

scheinen weder im Handel und Gewerbe noch anderweitig hervorragend eingegriffen

zu haben. Das noerdliche Epirus, welches, aehnlich wie das angrenzende, zu

Makedonien gelegte Illyricum, zum groesseren Teil von albanesischen

Voelkerschaften bewohnt war und nicht unter Nikopolis gelegt ward, ist in der

Kaiserzeit in seinen einigermassen noch heute fortbestehenden primitiven

Verhaeltnissen verblieben. "Epirus und Illyricum", sagt Strabon, "ist zum

grossen Teil eine Einoede; wo sich Menschen finden, wohnen sie in Doerfern und

in Truemmern frueherer Staedte; auch das" - im Mithradatischen Kriege von den

Thrakern verwuestete - "Orakel von Dodona ist erloschen wie das uebrige alles."

^48

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^44 Wenn Tacitus (arm. 5, 10) Nikopolis eine colonia Romana nennt, so ist

das zwar missverstaendlich, aber nicht gerade unrichtig, irrig aber des Plinius

(nat. 4, 1, 5) colonia Augusti Actium cum .. . civitate libera Nicopolitana, da

Aktion Stadt so wenig gewesen ist wie Olympia.

^45 O ag/o/n Ol?mpios ta Aktia: Strab. 7, 7, 6, p. 325; Aktias: Ios. bel.

Iud. 1, 20, 4; Aktionik/e/s oefter. Wie die vier grossen griechischen

Landesfeste bekanntlich /e/ periodos heissen, der in allen vier gekroente

Sieger, periodonik/e/s, so wird CIG 4472 auch den Spielen von Nikopolis

beigefuegt t/e/s periodoy und jene Periodos als die alte (archaia) bezeichnet.

Wie die Wettspiele oefter isol?mpia heissen, so findet sich auch ag/o/n isaktios

(CIG 4472) oder certamen ad exemplar Actiacae religionis (Tac. ann. 15, 23).

^46 So nennt sich ein Nikopolit arch/o/n t/e/s ieras Aktiak/e/s boyl/e/s

(Delphi; Rheinisches Museum N. F. 2, 1843, S. 111), wie in Elis es heisst /e/

polis /E/lei/o/n kai /e/ Olympik/e/ boyl/e/ (Archaeologische Zeitung 34, 1876,

S. 57; aehnlich daselbst 35, 1877, S. 40 und 41 und sonst). uebrigens erhielten

die Spartaner, als die einzigen an dem Aktischen Siege mitbeteiligten Hellenen,

die Leitung (epimeleia) der Aktischen Spiele (Strab. 7, 7, 6, p. 325); ihr

Verhaeltnis zu der boyl/e/ Aktiak/e/ von Nikopolis kennen wir nicht.

^47 Die Schilderung seines Verfalls in der Zeit des Constantius (Paneg. 11,

9) beweist fuer die fruehere Kaiserzeit vielmehr das Gegenteil.

^48 Die Ausgrabungen in Dodona haben dies bestaetigt; alle Fundstuecke

gehoeren der vorroemischen Epoche an, mit Ausnahme einiger Muenzen. Allerdings

hat ein Restaurationsbau stattgefunden, dessen Zeit sich nicht bestimmen laesst;

vielleicht ist er ganz spaet. Wenn Hadrian, der Ze?s D/o/d/o/naios genannt wird

(CIG 1822), Dodona besucht hat (Duerr, Reisen Hadrians, S. 56), so tat er es als

Archaeologe. Eine Befragung des Orakels in der Kaiserzeit wird nur, und auch

nicht in glaubwuerdigster Weise, berichtet von Kaiser Julian (Theodoretus hist.

eccl. 3, 21).

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Thessalien, an sich eine rein hellenische Landschaft so gut wie Aetolien

und Akarnanien, war in der Kaiserzeit administrativ von der Provinz Achaia

getrennt und stand unter dem Statthalter von Makedonien. Was von

Nordgriechenland gilt, trifft auch auf Thessalien zu. Die Freiheit und

Autonomie, welche Caesar den Thessalern allgemein zugestanden oder vielmehr

nicht entzogen hatte, scheint ihnen wegen Missbrauchs von Augustus genommen

worden zu sein, so dass spaeterhin nur Pharsalos diese Rechtsstellung behalten

hat ^49; roemische Kolonisten sind in der Landschaft nicht angesiedelt worden.

Ihren besonderen Landtag in Larisa behielt sie, und auch die staedtische

Selbstverwaltung ist, wie den abhaengigen Griechen in Achaia, so den Thessalern

geblieben. Thessalien ist weitaus die fruchtbarste Landschaft der ganzen

Halbinsel und fuehrte noch im vierten Jahrhundert Getreide aus;

nichtsdestoweniger sagt Dion von Prusa, dass auch der Peneios durch wuestes Land

fliesse, und es ist in der Kaiserzeit in dieser Landschaft nur in sehr geringem

Umfang gemuenzt worden. Um die Herstellung von Landstrassen haben Hadrian und

Diocletian sich bemueht, aber auch, soviel wir sehen, von den roemischen Kaisern

sie allein.

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^49 Die Verfuegung Caesars bezeugen Appian (civ. 2, 88) und Plutarch (Caes.

48), und sie stimmt zu seinem eigenen Bericht (civ. 3, 80) recht gut; dagegen

nennt Plinius (nat. 4, 8, 29) nur Pharsalos als freie Stadt. Zu Augustus' Zeit

wurde ein vornehmer Thessaler Petraeos (wahrscheinlich der Caesarianer, civ. 3,

35) lebendig verbrannt (Plut. praec. ger. reip. 19), ohne Zweifel nicht durch

ein Privatverbrechen, sondern nach Beschluss des Landtags, und es wurden die

Thessaler vor das Kaisergericht gestellt (Suet. Tib. 8). Vermutlich gehoeren

beide Vorgaenge und ebenso der Verlust der Freiheit zusammen.

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Makedonien als roemischer Verwaltungsbezirk der Kaiserzeit ist, verglichen

mit dem Makedonien der Republik, wesentlich verkleinert. Allerdings reicht es

wie dieses von Meer zu Meer, indem die Kueste sowohl des Aegaeischen Meeres von

der zu Makedonien gehoerigen Landschaft Thessalien an bis zur Muendung des

Nestos (Mesta), wie auch die des Adriatischen vom Aoos ^50 bis zum Drilon (Drin)

diesem Distrikt zugerechnet wurden; das letztere Gebiet, nicht eigentlich

makedonisches, sondern illyrisches Land, aber schon in republikanischer Zeit dem

Statthalter Makedoniens zugewiesen, ist auch in der Kaiserzeit bei der Provinz

geblieben. Aber dass Griechenland suedlich vom Oeta davon getrennt ward, wurde

schon gesagt. Die Nordgrenze gegen Moesien und die Ostgrenze gegen Thrakien

blieben zwar insofern unveraendert, als die Provinz in der Kaiserzeit so weit

reichte, wie auch das eigentliche Makedonien der Republik gereicht hatte, das

heisst noerdlich etwa bis zum Tal des Erigon, oestlich bis zum Flusse Nestos;

aber wenn in republikanischer Zeit die Dardaner und die Thraker und saemtliche

dem makedonischen Gebiet benachbarte Voelkerschaften des Nordens und des

Nordostens in ihren friedlichen wie in ihren kriegerischen Beruehrungen mit

diesem Statthalter zu tun hatten und insofern gesagt werden konnte, dass die

makedonische Grenze so weit reiche wie die roemischen Lanzen, so gebot der

makedonische Statthalter der Kaiserzeit nur ueber den ihm angewiesenen, nirgends

mehr mit halb oder ganz unabhaengigen Nachbarn grenzenden Bezirk. Da der

Grenzschutz zunaechst auf das in roemische Botmaessigkeit gelangte Thrakerreich

und bald auf den Statthalter der neuen Provinz Moesien ueberging, so wurde der

von Makedonien seines Kommandos von vornherein enthoben. Es ist auch auf

makedonischem Boden in der Kaiserzeit kaum gefochten worden; nur die

barbarischen Dardaner am oberen Axios (Vardar) brandschatzten zuweilen noch die

friedliche Nachbarprovinz. Auch von oertlichen Auflehnungen wird aus dieser

Provinz nichts berichtet.

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^50 In der Zeit der Republik scheint Skodra zu Makedonien gehoert zu haben;

in der Kaiserzeit sind dies und Lissus dalmatische Staedte und macht die Grenze

an der Kueste die Muendung des Drin.

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Von den suedlicheren griechischen Landschaften entfernt sich diese

noerdlichste sowohl in dem nationalen Fundament wie in der Stufe der

Zivilisation. Wenn die eigentlichen Makedonier an dem Unterlauf des Haliakmon

(Vistritza) und des Axios (Vardar) bis zum Strymon ein urspruenglich

griechischer Stamm sind, dessen Verschiedenheit von den suedlicheren Hellenen

fuer die gegenwaertige Epoche keine Bedeutung mehr hat, und wenn die hellenische

Kolonisation beide Kuesten in ihren Kreis hineingezogen hat, im Westen mit

Apollonia und Dyrrhachion, im Osten namentlich mit den Ortschaften der Halbinsel

Chalkidike, so ist dagegen das Binnenland der Provinz von einem Gewimmel

ungriechischer Voelker erfuellt, das von den heutigen Zustaenden auf dem

gleichen Gebiet mehr in seinen Elementen als in seinem Ergebnis sich

unterschieden haben wird. Nachdem die bis in diese Gegend vorgedrungenen Kelten,

die Skordisker, von den Feldherren der roemischen Republik zurueckgedraengt

worden waren, teilten sich in das innere Makedonien insbesondere illyrische

Staemme im Westen und Norden, thrakische im Osten. Von beiden ist schon frueher

gesprochen worden; hier kommen sie nur insofern in Betracht, als die griechische

Ordnung, wenigstens die staedtische, bei diesen Staemmen wohl wie in der

frueheren ^51 so auch in der Kaiserzeit nur in beschraenktem Masse eingefuehrt

worden ist. Ueberall ist ein energischer Zug staedtischer Entwicklung nie durch

das makedonische Binnenland gegangen, die entlegeneren Landschaften sind

wenigstens der Sache nach kaum ueber die Dorfwirtschaft hinausgekommen.

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^51 Die staedtischen Gruendungen in diesen Gegenden ausserhalb des

eigentlichen Makedoniens tragen ganz den Charakter eigentlicher Kolonien: so die

von Philippi im Thrakerland und besonders die von Derriopos in Paeonien (Liv. 39

53), fuer welchen letzteren Ort auch die spezifisch makedonischen Politarchen

inschriftlich bezeugt sind. Inschrift vom Jahre 197 n. Chr.: t/o/n peri

Alexandron PHilippoy en Derriop/o/ politarch/o/n (Duchesne und Bayet, Mission au

mont Athos, S. 103).

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Die griechische Politie selbst ist in diesem Koenigsland nicht so wie in

dem eigentlichen Hellas aus sich selber erwachsen, sondern durch die Fuersten

eingefuehrt worden, die mehr Hellenen waren als ihre Untertanen. Welche Gestalt

sie gehabt hat, ist wenig bekannt; doch laesst die in Thessalonike, Edessa, Lete

gleichmaessig wiederkehrende, anderswo nicht begegnende Stadtvorstandschaft der

Politarchen auf eine merkliche und ja auch an sich wahrscheinliche

Verschiedenheit der makedonischen Stadtverfassung von der sonst in Hellas

ueblichen schliessen. Die griechischen Staedte, welche die Roemer vorfanden,

haben ihre Organisation und ihre Rechte behalten, die bedeutendste derselben,

Thessalonike, auch die Freiheit und die Autonomie. Es bestand ein Bund und ein

Landtag (koinon) der makedonischen Staedte, aehnlich wie in Achaia und

Thessalien. Erwaehnung verdient als ein Zeugnis fuer die nachwirkende Erinnerung

der alten grossen Zeit, dass noch in der Mitte des dritten Jahrhunderts nach

Christus der Landtag von Makedonien und einzelne makedonische Staedte Muenzen

gepraegt haben, auf denen der Kopf und der Name des regierenden Kaisers durch

den Alexanders des Grossen ersetzt sind. Die ziemlich zahlreichen Kolonien

roemischer Buerger, welche Augustus in Makedonien eingerichtet hat, Byllis

unweit Apollonia, Dyrrachium am Adriatischen Meer, an der anderen Kueste Dium,

Pella, Cassandrea, in dem eigentlich thrakischen Gebiet Philippi, sind saemtlich

aeltere griechische Staedte, welche nur eine Anzahl Neubuerger und eine andere

Rechtsstellung erhielten, und zunaechst ins Leben gerufen durch das Beduerfnis,

die ausgedienten italischen Soldaten, fuer die in Italien selbst kein Platz mehr

war, in einer zivilisierten und nicht stark bevoelkerten Provinz unterzubringen.

Auch die Gewaehrung des italischen Rechts erfolgte gewiss nur, um den Veteranen

die Ansiedelung im Ausland zu vergolden. Dass ein Hineinziehen Makedoniens in

die italische Kulturentwicklung niemals beabsichtigt ward, dafuer zeugt, von

allem andern abgesehen, dass Thessalonike griechisch und die Hauptstadt des

Landes blieb. Daneben gedieh Philippi, eigentlich eine der nahen Goldbergwerke

wegen angelegte Grubenstadt, von den Kaisern beguenstigt als Staette der die

Monarchie definitiv begruendenden Schlacht und wegen der zahlreichen an

derselben beteiligten und nachher dort angesiedelten Veteranen. Roemische, nicht

koloniale Gemeindeverfassung hat bereits in der ersten Kaiserzeit Stobi

erhalten, die schon erwaehnte noerdlichste Grenzstadt Makedoniens gegen Moesien

am Einfluss des Erigon in den Axios, kommerziell wie militaerisch eine wichtige

Position und vermutlich schon in makedonischer Zeit zu griechischer Politie

gelangt.

In wirtschaftlicher Hinsicht ist fuer Makedonien auch unter den Kaisern von

Staats wegen wenig geschehen; wenigstens tritt eine besondere Fuersorge

derselben fuer diese nicht unter ihrer eigenen Verwaltung stehende Provinz

nirgends hervor. Um die schon unter der Republik angelegte Militaerstrasse quer

durch das Land von Dyrrachium nach Thessalonike, eine der wichtigsten

Verkehrsadern des ganzen Reiches, haben sich, so viel wir wissen, erst die

Kaiser des dritten Jahrhunderts, zuerst Severus Antoninus, wieder bemueht; die

ihr anliegenden Staedte Lychnidos am Ochrida-See und Herakleia Lynkestis

(Bitolia) haben nie viel bedeutet. Dennoch war Makedonien wirtschaftlich besser

bestellt als Griechenland. Es uebertrifft dasselbe weitaus an Fruchtbarkeit; wie

noch heute die Provinz von Thessalonike relativ gut bebaut und wohlbevoelkert

ist, so wird auch in der Reichsbeschreibung aus Constantius' Zeit, allerdings

als Konstantinopel schon bestand, Makedonien zu den besonders wohlhabenden

Bezirken gerechnet. Wenn fuer Achaia und Thessalien unsere die roemische

Aushebung betreffenden Dokumente schlechthin versagen, so ist dagegen Makedonien

dabei, namentlich auch fuer die Kaisergarde, in bedeutendem Umfang, staerker als

die meisten griechischen Landschaften, in Anspruch genommen worden, wobei

freilich die Gewoehnung der Makedonier an den regelmaessigen Kriegsdienst und

ihre vorzuegliche Qualifikation fuer denselben, wohl auch die relativ geringe

Entwicklung des staedtischen Wesens in dieser Provinz in Anschlag zu bringen

sind. Thessalonike, die Metropole der Provinz und deren volkreichste und

gewerbreichste Stadt dieser Zeit, gleichfalls in der Literatur mehrfach

vertreten, hat auch in der politischen Geschichte durch den tapferen Widerstand,

den seine Buergerin den schrecklichen Zeiten der Goteneinfaelle den Barbaren

entgegensetzten, sich einen Ehrenplatz gesichert.

Wenn Makedonien ein halb griechisches, so war Thrakien ein nicht

griechisches Land. Von dem grossen, aber fuer uns verschollenen thrakischen

Stamm ist frueher gesprochen worden. In seinen Bereich ist der Hellenismus

lediglich von aussen gelangt; und es wird nicht ueberfluessig sein, zunaechst

rueckblickend darzulegen, wie oft der Hellenismus an die Pforten der

suedlichsten Landschaft, welche dieser Stamm inne hatte und die wir noch nach

ihm nennen, bis dahin gepocht und wie wenig er bis dahin im Binnenland erreicht

hatte, um deutlich zu machen, was Rom hier nachzuholen blieb und was es

nachgeholt hat. Zuerst Philippos, der Vater Alexanders, unterwarf Thrakien und

gruendete nicht bloss Kalybe in der Naehe von Byzantion, sondern im Herzen des

Landes die Stadt, die seitdem seinen Namen traegt. Alexander, auch hier der

Vorlaeufer der roemischen Politik, gelangte an und ueber die Donau und machte

diesen Strom zur Nordgrenze seines Reiches; die Thraker in seinem Heere haben

bei der Unterwerfung Asiens nicht die letzte Rolle gespielt. Nach seinem Tode

schien der Hellespont einer der grossen Mittelpunkte der neuen Staatenbildung,

das weite Gebiet von dort bis an die Donau ^52 die noerdliche Haelfte eines

griechischen Reiches werden zu sollen, der Residenz des ehemaligen Statthalters

von Thrakien, Lysimachos, der auf dem Thrakischen Chersones neugegruendeten

Stadt Lysimacheia eine aehnliche Zukunft zu winken wie den Residenzen der

Marschaelle von Syrien und Aegypten. Indes es kam dazu nicht; die

Selbstaendigkeit dieses Reiches ueberdauerte den Fall seines ersten Herrschers

(473 281) nicht. In dem Jahrhundert, welches von da bis auf die Begruendung der

Vormachtstellung Roms im Orient verging, versuchten bald die Seleukiden, bald

die Ptolemaeer, bald die Attaliden die europaeischen Besitzungen des Lysimachos

in ihre Gewalt zu bringen, aber saemtlich ohne dauernden Erfolg. Das Reich von

Tylis im Haemus, welches die Kelten nicht lange nach dem Tode Alexanders,

ungefaehr gleichzeitig mit ihrer bleibenden Niederlassung in Kleinasien, im

moesisch-thrakischen Gebiet gegruendet hatten, vernichtete die Saat griechischer

Zivilisation in seinem Bereich und erlag selber waehrend des Hannibalischen

Krieges den Angriffen der Thraker, die diese Eingedrungenen bis auf den letzten

Mann ausrotteten. Seitdem gab es in Thrakien eine fuehrende Macht ueberhaupt

nicht; die zwischen den griechischen Kuestenstaedten und den Fuersten der

einzelnen Staemme bestehenden Verhaeltnisse, die ungefaehr denen vor Alexander

entsprechen mochten, erlaeutert die Schilderung, die Polybios von der

bedeutendsten dieser Staedte gibt: wo die Byzantier gesaet haben, da ernten die

thrakischen Barbaren, und es hilft gegen diese weder das Schwert noch das Geld;

schlagen die Buerger einen der Fuersten, so fallen dafuer drei andere in ihr

Gebiet, und kaufen sie einen ab, so verlangen fuenf mehr den gleichen Jahrzins.

Dem Bestreben der spaeteren makedonischen Herrscher, in Thrakien wieder festen

Fuss zu fassen und namentlich die griechischen Staedte der Suedkueste in ihre

Gewalt zu bringen, traten die Roemer entgegen, teils um Makedoniens

Machtentwicklung ueberhaupt niederzuhalten, teils um nicht die wichtige, nach

dem Orient fuehrende "Koenigsstrasse", diejenige, auf der Xerxes nach

Griechenland, die Scipionen gegen Antiochos marschierten, in ihrer ganzen

Ausdehnung in makedonische Hand kommen zu lassen. Schon nach der Schlacht bei

Kynoskephalae wurde die Grenzlinie ungefaehr so gezogen, wie sie seitdem

geblieben ist. oefter versuchten die beiden letzten makedonischen Herrscher,

sich dennoch in Thrakien sei es geradezu festzusetzen, sei es dessen einzelne

Fuersten durch Vertraege an sich zu knuepfen; der letzte Philippos hat sogar

Philippopolis abermals gewonnen und Besatzung hineingelegt, die die Odrysen

freilich bald wieder vertrieben. Zu dauernder Festsetzung gelangte weder er noch

sein Sohn, und die nach der Aufloesung Makedoniens den Thrakern von Rom

eingeraeumte Selbstaendigkeit zerstoerte, was dort etwa von hellenischen

Anfaengen noch uebrig sein mochte. Thrakien selbst wurde zum Teil schon in

republikanischer, entschiedener in der Kaiserzeit roemisches Lehnsfuerstentum,

dann im Jahre 46 n. Chr. roemische Provinz; aber die Hellenisierung des Landes

war nicht hinausgekommen ueber den Saum griechischer Pflanzstaedte, welcher in

fruehester Zeit sich auch um diese Kueste gelegt hatte, und im Lauf der Zeit

eher gesunken als gestiegen. So maechtig und bleibend die makedonische

Kolonisation den Osten ergriffen, so schwach und vergaenglich hat sie Thrakien

beruehrt; Philipp und Alexander selbst scheinen die Ansiedelungen in diesem

Lande widerwillig vorgenommen und geringgeschaetzt zu haben ^53. Bis weit in die

Kaiserzeit hinein ist das Land den Eingeborenen, sind die an der Kueste

uebriggebliebenen, fast alle heruntergekommenen Griechenstaedte ohne

griechisches Hinterland geblieben.

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^52 Dass auch fuer Lysimachos die Donau Reichsgrenze war, geht hervor aus

Paus. 1,9,6.

^53 Kalybe bei Byzantion entstand nach Strabon (7, 6, 2, p. 320) PHilippoy

to? Am?ntoy to?s pon/e/ratotoys enta?tha idr?santos. Philippopolis soll sogar

nach dem Bericht Theopomps (fr. 122 Mueller) als Pon/e/ropolis gegruendet sein

und die entsprechenden Kolonisten empfangen haben. Wie wenig Vertrauen diese

Angaben auch verdienen, so druecken sie doch in ihrem Zusammentreffen den

Botany-Bay-Charakter dieser Gruendungen aus.

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Dieser von der makedonischen Grenze an bis zum Taurischen Chersonesos sich

erstreckende Kranz hellenischer Staedte ist sehr ungleich geflochten. Im Sueden

ist er dicht geschlossen von Abdera an bis nach Byzantion an den Dardanellen;

doch hat keine dieser Staedte in spaeterer Zeit eine hervorragende Bedeutung

gehabt, mit Ausnahme von Byzantion, das durch die Fruchtbarkeit seines Gebietes,

die eintraegliche Thunfischerei, die ungemein guenstige Handelslage, den

Gewerbefleiss und die durch die exponierte Lage nur gesteigerte und gestaehlte

Tuechtigkeit seiner Buerger auch den schwersten Zeiten der hellenischen Anarchie

zu trotzen gewusst hatte. Bei weitem duerftiger hatte die Ansiedlung sich an der

Westkueste des Schwarzen Meeres entwickelt; an der spaeter zur roemischen

Provinz Thrakien gehoerigen war nur Mesembria von einiger Bedeutung, an der

spaeter moesischen Odessos (Varna) und Tomis (Kuestendsche). Jenseits der

Donaumuendung und der roemischen Reichsgrenze an dem Nordgestade des Pontus

lagen mitten im Barbarenland Tyra ^54 und Olbia; weiterhin machten die alten und

grossen griechischen Kaufstaedte auf der heutigen Krim, Herakleia oder

Chersonesos und Pantikapaeon, einen stattlichen Schlussstein. Alle diese

Ansiedlungen genossen des roemischen Schutzes, seit die Roemer ueberhaupt die

Vormacht auf dem griechisch-asiatischen Kontinent geworden waren, und der starke

Arm, der das eigentliche hellenische Land oft schwer traf, verhinderte hier

wenigstens Katastrophen wie die Zerstoerung von Lysimacheia. Die Beschuetzung

dieser Griechen gehoerte in republikanischer Zeit zu den Obliegenheiten teils

des Statthalters von Makedonien, teils des von Bithymen, seit auch dies roemisch

war; Byzantion ist spaeter bei Bithynien geblieben ^55. Im uebrigen ging in der

Kaiserzeit nach Einrichtung der Statthalterschaft von Moesien und spaeter

derjenigen von Thrakien die Schutzleistung auf diese ueber.

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^54 Doch reicht die noerdliche bessarabische Linie, die vielleicht roemisch

ist, bis nach Tyra.

^55 Dass Byzantion noch in traianischer Zeit unter dem Statthalter von

Bithynien stand, folgt aus Plin. ep. ad Trai. 43. Aus den Gratulationen der

Byzantier an die Legaten von Moesien kann die ihrer Lage nach kaum moegliche

Zugehoerigkeit zu dieser Statthalterschaft nicht geschlossen werden; die

Beziehungen zu dem Statthalter von Moesien erklaeren sich aus den

Handelsverbindungen der Stadt mit den moesischen Hafenplaetzen. Dass Byzanz auch

im Jahre 53 unter dem Senat stand, also nicht zu Thrakien gehoerte, geht aus

Tacitus ann. 12, 62 hervor. Zugehoerigkeit zu Makedonien unter der Republik

bezeugt Cicero (Pis. 35, 86; prov. 4, 6) nicht, da die Stadt damals frei war.

Diese Freiheit scheint, wie bei Rhodos, oft gegeben und oft genommen zu sein.

Cicero, a. a. O., spricht sie ihr zu; im Jahre 53 ist sie tributpflichtig;

Plinius (nat. 4, 11, 46) fuehrt sie als freie Stadt auf; Vespasian entzieht ihr

die Freiheit (Suet. Vesp. 8).

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Schutz und Gunst gewaehrte diesen Griechen Rom von jeher; aber um die

Ausdehnung des Hellenismus hat weder die Republik noch die fruehere Kaiserzeit

sich bemueht ^56. Nachdem Thrakien roemisch geworden war, ist es in Landkreise

eingeteilt worden ^57; und bis fast an das Ende des ersten Jahrhunderts ist dort

keine Stadtanlage zu verzeichnen, mit Ausnahme zweier Pflanzstaedte des Claudius

und des Vespasianus, Apri im Binnenland, nicht weit von Perinthos, und Deultus

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 30 / 73 段