an einen einzelnen dakischen Mann an; was Koenig Burebista geplant hatte, schien
Koenig Decebalus ausfuehren zu sollen. Wie sehr in seiner Persoenlichkeit die
eigentliche Triebfeder lag, beweist die Erzaehlung, dass der Dakerkoenig Duras,
um den rechten Mann an die rechte Stelle zu bringen, zu Gunsten des Decebalus
von seinem Amt zuruecktrat. Dass Decebalus, um zu schlagen, vor allem
organisierte, beweisen die Berichte ueber seine Einfuehrung der roemischen
Disziplin bei der dakischen Armee und die Anwerbung tuechtiger Leute unter den
Roemern selbst, und selbst die nach dem Siege von ihm den Roemern gestellte
Bedingung, ihm zur Unterweisung der Seinigen in den Handwerken des Friedens wie
des Krieges die noetigen Arbeiter zu liefern. In welchem grossen Stil er sein
Werk ergriff, beweisen die Verbindungen, die er nach Westen und Osten
anknuepfte, mit den Sueben und den Jazygen und sogar mit den Parthern. Die
Angreifenden waren die Daker. Der Statthalter der Provinz Moesien, der ihnen
zuerst entgegentrat, Oppius Sabinus, liess sein Leben auf dem Schlachtfelde.
Eine Reihe kleinerer Lager wurde erobert, die grossen bedroht, der Besitz der
Provinz selbst stand in Frage. Domitianus selbst begab sich zu der Armee und
sein Stellvertreter - er selbst war kein Feldherr und blieb zurueck -, der
Gardekommandant Cornelias Fuscus, fuehrte das Heer ueber die Donau; aber er
buesste das unbedachte Vorgehen mit einer schweren Niederlage, und auch er, der
zweite Hoechstkommandierende, blieb vor dem Feind. Sein Nachfolger Iulianus, ein
tuechtiger Offizier, schlug die Daker in ihrem eigenen Gebiet in einer grossen
Schlacht bei Tapae und war auf dem Wege, dauernde Erfolge zu erreichen. Aber
waehrend der Kampf gegen die Daker schwebte, hatte Domitianus die Sueben und die
Jazygen mit Krieg ueberzogen, weil sie es unterlassen hatten, ihm Zuzug gegen
jene zu senden; die Boten, die dies zu entschuldigen kamen, liess er hinrichten
^12. Auch hier verfolgte das Missgeschick die roemischen Waffen. Die Markomannen
erfochten einen Sieg ueber den Kaiser selbst; eine ganze Legion ward von den
Jazygen umzingelt und niedergehauen. Durch diese Niederlage erschuettert,
schloss Domitian trotz der von Iulianus ueber die Daker gewonnenen Vorteile mit
diesen voreilig einen Frieden, der ihn zwar nicht hinderte, dem Vertreter des
Decebalus in Rom, Diegis, gleich als waere dieser Lehnstraeger der Roemer, die
Krone zu verleihen und als Sieger auf das Kapitol zu ziehen, der aber in
Wirklichkeit einer Kapitulation gleich kam. Wozu Decebalus bei dem Einruecken
des roemischen Heeres in Dakien sich hoehnisch erboten hatte, jeden Mann, fuer
den ihm eine jaehrliche Zahlung von 2 Assen zugesichert werde, ungeschaedigt
nach Hause zu entlassen, das wurde beinahe wahr; in dem Frieden wurden mit einer
jaehrlich zu entrichtenden Abstandssumme die Einfaelle in Moesien abgekauft.
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^11 Die Chronologie des dakischen Krieges liegt sehr im Ungewissen. Dass er
bereits vor dem Chattenkrieg (83) begonnen hat, lehrt die karthagische Inschrift
CIL VIII, 1082 eines dreimal von Domitian, im dakischen, im germanischen und
wieder im dakischen Kriege dekorierten Soldaten. Eusebius setzt den Ausbruch des
Krieges oder vielmehr den ersten grossen Kampf in das Jahr Abrahams 2101 oder
2102 = n. Chr. 85 (genauer 1. Oktober 84-30. September 85) oder 86, den Triumph
in das Jahr 2106 = 90; auf voellige Zuverlaessigkeit haben diese Zahlen freilich
keinen Anspruch. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird der Triumph in das Jahr 89
gesetzt (W. Henzen, Acta fratrum Arvalium. Berlin 1874, S. 116).
^12 Das Fragment Dio 67, 7, 1 Dind. steht in der Folge der Ursinischen
Exzerpte vor 67, 5, 1 bis 3 und gehoert auch nach der Folge der Ereignisse vor
die Verhandlung mit den Lugiern. Vgl. Hermes 3, 1868, S. 115.
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Hier musste Wandel geschafft werden. Auf Domitian, der wohl ein guter
Reichsverwalter, aber stumpf fuer die Forderungen der militaerischen Ehre war,
folgte nach dem kurzen Regiment Nervas Kaiser Traianus, der, zuerst und vor
allem Soldat, nicht bloss jenen Vertrag zerriss, sondern auch die Massregeln
danach traf, dass aehnliche Dinge sich nicht wiederholten. Der Krieg gegen die
Sueben und Sarmaten, der bei Domitians Tod (96) noch dauerte, ward, wie es
scheint, unter Nerva im Jahre 97 gluecklich beendigt. Der neue Kaiser ging, noch
bevor er in die Hauptstadt des Reiches seinen Einzug hielt, vom Rhein an die
Donau, wo er im Winter 98/99 verweilte, aber nicht, um sofort die Daker
anzugreifen, sondern um den Krieg vorzubereiten; in diese Zeit gehoert die an
die Strassenbauten in Obergermanien anschliessende Anlage der am rechten
Donauufer, in der Gegend von Orsowa, im Jahre 100 vollendeten Strasse. Zum
Kriege gegen die Daker, in dem er wie in allen seinen Feldzuegen selbst
kommandierte, ging er erst im Fruehjahr 101 ab. Er ueberschritt die Donau
unterhalb Viminacium und rueckte gegen die nicht weit davon entfernte Hauptstadt
des Koenigs Sarmizegetusa vor. Decebalus mit seinen Verbuendeten - die Barer und
andere nordwaerts wohnende Staemme beteiligten sich an diesem Kampf - leistete
entschlossenen Widerstand, und nur mit heftigen und blutigen Gefechten bahnten
die Roemer sich den Weg; die Zahl der Verwundeten war so gross, dass der Kaiser
seine eigene Garderobe den Aerzten zur Verfuegung stellte. Aber der Sieg
schwankte nicht. Eine feste Burg nach der anderen fiel; die Schwester des
Koenigs, die Gefangenen aus dem vorigen Krieg, die den Heeren Domitians
abgenommenen Feldzeichen fielen den Roemern in die Haende; durch Traianus selbst
und durch den tapferen Lusius Quietus in die Mitte genommen, blieb dem Koenig
nichts uebrig als vollstaendige Ergebung (102). Auch verlangte Traianus nichts
geringeres als den Verzicht auf die souveraene Gewalt und den Eintritt des
Dakischen Reiches in die roemische Klientel. Die Ueberlaeufer, die Waffen, die
Kriegsmaschinen, die einst fuer diese von Rom gestellten Arbeiter massten
abgeliefert werden und der Koenig persoenlich vor dem Sieger den Fussfall tun;
er begab sich des Rechts auf Krieg und Frieden und versprach die Heerfolge; die
Festungen wurden entweder geschleift oder den Roemern ausgeliefert und in
diesen, vor allem in der Hauptstadt, blieb roemische Besatzung. Die maechtige
steinerne Bruecke, die Traian bei Drobetae (gegenueber Turnu Severinului) ueber
die Donau schlagen liess, stellte die Verbindung auch in der schlimmen
Jahreszeit sicher und gab den dakischen Besatzungen an den nahen Legionen
Obermoesiens einen Rueckhalt. Aber die dakische Nation und vor allem der Koenig
selbst wussten sich in die Abhaengigkeit nicht so zu fuegen, wie es die Koenige
von Kappadokien und Mauretanien verstanden hatten, oder hatten vielmehr das Joch
nur auf sich genommen in der Hoffnung, bei erster Gelegenheit sich desselben
wieder zu entledigen. Die Anzeichen dafuer traten bald hervor. Ein Teil der
auszuliefernden Waffen wurde zurueckgehalten, die Kastelle nicht, wie es
bedungen war, uebergeben, roemischen Ueberlaeufern auch ferner noch eine
Freistatt gewaehrt, den mit den Dakern verfeindeten Jazygen Gebietsstuecke
entrissen oder vielleicht auch nur deren Grenzverletzungen nicht hingenommen,
mit den entfernteren, noch freien Nationen ein lebhafter und bedenklicher
Verkehr unterhalten. Traianus musste sich ueberzeugen, dass er halbe Arbeit
gemacht, und kurz entschlossen, wie er war, erklaerte er, ohne auf weitere
Verhandlungen sich einzulassen, drei Jahre nach dem Friedensschluss (105) dem
Koenig abermals den Krieg. Gern haette dieser ihn abgewandt; aber die Forderung,
sich gefangen zu geben, sprach allzu deutlich. Es blieb nichts als der Kampf der
Verzweiflung, und dazu waren nicht alle bereit; ein grosser Teil der Daker
unterwarf sich ohne Gegenwehr. Der Aufruf an die Nachbarvoelker, in die Abwehr
fuer die auch ihrer Freiheit und ihrem Volkstum drohende Gefahr mit einzutreten,
verhallte ohne Wirkung; Decebalus und die ihm treugebliebenen Daker standen in
diesem Krieg allein. Die Versuche, den kaiserlichen Feldherrn durch Ueberlaeufer
aus dem Wege zu schaffen, oder mit der Losgebung eines gefangengenommenen hohen
Offiziers ertraegliche Bedingungen zu erkaufen, scheiterten ebenfalls. Der
Kaiser zog abermals als Sieger in die feindliche Hauptstadt ein und Decebalus,
der bis zum letzten Augenblick mit dem Verhaengnis gerungen hatte, gab, als
alles verloren war, sich selber den Tod (107). Diesmal machte Traianus ein Ende;
der Krieg galt nicht mehr der Freiheit des Volkes, sondern seiner Existenz. Aus
dem besten Teile des Landes wurde die eingeborene Bevoelkerung ausgetrieben und
diese Striche mit einer, fuer die Bergwerke aus den Gebirgen Dalmatiens, sonst
ueberwiegend, wie es scheint, aus Kleinasien herangezogenen nationslosen
Bevoelkerung wiederbesetzt. In manchen Gegenden freilich blieb dennoch die alte
Bevoelkerung und behauptete sich sogar die Landessprache ^13; diese Daker sowohl
wie die ausserhalb der Grenzen hausenden Splitter haben auch nachher noch, zum
Beispiel unter Commodus und Maximinus, den Roemern zu schaffen gemacht; aber sie
standen vereinzelt und verkamen. Die Gefahr, mit der der kraeftige Thrakerstamm
mehrmals die roemische Herrschaft bedroht hatte, durfte nicht wiederkehren, und
dies Ziel hat Traianus erreicht. Das traianische Rom war nicht mehr das der
hannibalischen Zeit; aber es war immer noch gefaehrlich, die Roemer besiegt zu
haben.
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^13 Arr. takt. 44 erwaehnt unter den Aenderungen, die Hadrian bei der
Kavallerie einfuehrte, dass er den einzelnen Abteilungen ihre nationalen
Schlachtrufe gestattet habe, Keltiko?s men tois Keltois ippe?sin, Getiko?s de
tois Getais, Raitikoys de osoi ek Rait/o/n.
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Die stattliche Saeule, welche sechs Jahre darauf dem Kaiser von dem
Reichssenat auf dem neuen Traiansmarkt der Hauptstadt errichtet ward und die ihn
heute noch schmueckt, ist ein Zeugnis der verwuesteten Geschichtsueberlieferung
der roemischen Kaiserzeit, wie wir kein zweites besitzen. In ihrer ganzen Hoehe
von genau 100 roemischen Fuss ist sie bedeckt mit einzelnen Darstellungen - man
zaehlt deren 124; ein gemeisseltes Bilderbuch der dakischen Kriege, zu welchem
uns fast ueberall der Text fehlt. Wir sehen die Wachttuerme der Roemer mit ihrem
spitzen Dach, ihrem pallisadierten Hof, ihrem oberen Umgang, ihren
Feuersignalen. Die Stadt am Ufer des Donaustroms, dessen Flussgott den
roemischen Kriegern zuschaut, wie sie unter ihren Feldzeichen auf der
Schiffbruecke entlangziehen. Den Kaiser selbst im Kriegsrat, dann vor den
Waellen des Lagers am Altar opfernd. Es wird erzaehlt, dass die den Dakern
verbuendeten Burer den Traian vom Kriege abmahnten in einem lateinischen, auf
einen gewaltigen Pilz geschriebenen Spruch: man meint, diesen Pilz zu erkennen,
auf ein Saumtier geladen, von dem gestuerzt ein Barbar mit der Keule, auf dem
Boden liegend, dem heranschreitenden Kaiser mit dem Finger den Pilz weist. Wir
sehen das Lager schlagen, die Baeume faellen, Wasser holen, die Bruecke legen.
Die ersten gefangenen Daker, leicht kenntlich an ihren langaermligen Kitteln und
ihren weiten Hosen, werden, die Haende auf den Ruecken gebunden und an ihrem
langen Haarbusch von den Soldaten gefasst, vor den Kaiser gefuehrt. Wir sehen
die Gefechte, die Speer- und Steinschleuderer, die Sicheltraeger, die
Bogenschuetzen zu Fuss, die auch den Bogen fuehrenden schweren Panzerreiter, die
Drachenfahne der Daker, die feindlichen Offiziere, geschmueckt mit dem Zeichen
ihres Ranges, der runden Muetze, den Fichtenwald, in den die Daker ihre
Verwundeten tragen, die abgehauenen Koepfe der Barbaren, vor dem Kaiser
niedergelegt. Wir sehen das dakische Pfahldorf mitten im See, in dessen runde
Huetten mit spitzem Dach die Brandfackeln fliegen. Frauen und Kinder flehen den
Kaiser um Gnade an. Die Verwundeten werden gepflegt und verbunden, Ehrenzeichen
an Offiziere und Soldaten ausgeteilt. Dann geht es weiter im Kampf: die
feindlichen Verschanzungen, teils von Holz, teils Steinmauern, werden
angegriffen, das Belagerungsgeschuetz faehrt auf, die Leitern werden
herangetragen, unter dem Schilderdach greift die Sturmkolonne an. Endlich liegt
der Koenig mit seinem Gefolge zu den Fuessen Traians; die Drachenfahnen sind in
Roemerhand; die Truppen begruessen jubelnd den Imperator; vor den aufgetuermten
Waffen der Feinde steht die Victoria und beschreibt die Tafel des Sieges.. Es
folgen die Bilder des zweiten Krieges, im ganzen der ersten Reihe gleichartig;
bemerkenswert ist eine grosse Darstellung, welche, nachdem die Koenigsburg in
Flammen aufgegangen ist, die Fuersten der Daker zu zeigen scheint, sitzend um
einen Kessel und einer nach dem andern den Giftbecher leerend; eine andere, wo
des tapferen Dakerkoenigs Haupt auf einer Schuessel dem Kaiser gebracht wird;
endlich das Schlussbild, die lange Reihe der Besiegten mit Frauen, Kindern und
Herden aus der Heimat abziehend. Die Geschichte dieses Krieges hat der Kaiser
selbst geschrieben, wie Friedrich der Grosse die des Siebenjaehrigen, und nach
ihm viele andere; uns ist alles dies verloren, und wie niemand es wagen wuerde,
nach Menzels Bildern die Geschichte des Siebenjaehrigen Krieges zu erfinden, so
bleibt auch uns nur mit dem Einblick in halb verstaendliche Einzelheiten die
schmerzliche Empfindung einer bewegten und grossen, auf ewig verblassten und
selbst fuer die Erinnerung vergangenen geschichtlichen Katastrophe.
Die Grenzverteidigung im Donaugebiet wurde infolge der Verwandlung Dakiens
in eine roemische Provinz nicht in dem Grade verschoben, wie man wohl erwarten
sollte; eine eigentliche Veraenderung der Verteidigungslinie trat nicht ein,
sondern es wurde die neue Provinz im ganzen als eine exzentrische Position
behandelt, die nur nach Sueden hin, an der Donau selbst, unmittelbar mit dem
roemischen Gebiet zusammenhing, nach den anderen drei Seiten in das barbarische
Land hineinragte. Die zwischen Pannonien und Dakien sich erstreckende
Theissebene blieb auch ferner den Jazygen; es haben sich wohl Reste alter Waelle
gefunden, die von der Donau ueber die Theiss weg bis an das dakische Gebirge
fuehren und das Jazygengebiet noerdlich begrenzen, aber ueber die Zeit und die
Urheber dieser Verschanzungen ist nichts Sicheres ermittelt. Auch Bessarabien
wird von einer doppelten Sperrlinie durchschnitten, welche, vom Prut zum Dnjestr
laufend, bei Tyra endigt, und nach den darueber bis jetzt vorliegenden,
ungenuegenden Berichten von den Roemern herzuruehren scheint ^14. Ist dies der
Fall, so sind die Moldau und die suedliche Haelfte von Bessarabien sowie die
gesamte Walachei dem Roemischen Reich einverleibt gewesen. Aber mag dies auch
nominell geschehen sein, effektiv hat die Roemerherrschaft sich schwerlich auf
diese Laender erstreckt; wenigstens fehlt es an sicheren Beweisen roemischer
Ansiedlung bis jetzt sowohl in der oestlichen Walachei wie in der Moldau und in
Bessarabien voellig. Auf alle Faelle blieb hier viel mehr noch als in Germanien
der Rhein die Donau die Grenze der roemischen Zivilisation und der eigentliche
Stuetzpunkt der Grenzverteidigung. Die Positionen an dieser wurden erheblich
verstaerkt. Es war ein Gluecksfall fuer Rom, dass, waehrend die Voelkerbrandung
an der Donau stieg, sie am Rhein sank und die dort entbehrlich gewordenen
Truppen anderweitig verfuegbar wurden. Wenn noch unter Vespasian wahrscheinlich
nicht mehr als sechs Legionen an der Donau standen, so ist deren Zahl durch
Domitianus und Traianus spaeter auf zehn gesteigert, womit zusammenhaengt, dass
die bisherigen beiden Oberkommandanturen von Moesien und Pannonien, die erstere
unter Domitian, die zweite unter Traian, geteilt wurden und, indem weiter die
dakische hinzutrat, die Gesamtzahl der Kommandanturen an der unteren Donau sich
auf fuenf stellte. Anfaenglich scheint man freilich die Ecke, welche dieser
Strom unterhalb Durostorum (Silistria) macht, die heutige Dobrudscha,
abgeschnitten und von dem heutigen Ort Rassowa an, wo der Fluss bis auf sieben
deutsche Meilen sich dem Meere naehert, um dann fast im rechten Winkel nach
Norden abzubiegen, die Flusslinie durch eine befestigte Strasse nach Art der
britannischen ersetzt zu haben, welche bei Tomis die Kueste erreichte ^15. Indes
diese Ecke ist wenigstens seit Hadrian in die roemische Grenzbefestigung
eingezogen worden; denn von da an finden wir Untermoesien, das vor Traian
wahrscheinlich gar keine groesseren staendigen Besatzungen gehabt hatte, belegt
mit den drei Legionslagern von Novae (bei Svischtova), Durostorum (Silistria)
und Troesmis (Iglitza bei Galatz), von welchen das letzte eben jener Donauecke
vorliegt. Gegen die Jazygen wurde die Stellung dadurch verstaerkt, dass zu den
obermoesischen Lagern bei Singidunuum und Viminacium das unterpannonische an der
Muendung der Theiss in die Donau bei Acumincum hinzutrat. Dakien selbst ist
damals nur schwach besetzt worden. Die Hauptstadt, jetzt traianische Kolonie
Sarmizegetusa, lag nicht weit von den Hauptuebergaengen ueber die Donau in
Obermoesien; hier und an dem mittleren Marisus sowie jenseits desselben, in dem
Bezirk der Goldgruben, haben die Roemer vorzugsweise sich ansaessig gemacht;
auch die eine seit Traian in Dakien garnisonierende Legion hat ihr Hauptquartier
wenigstens bald nachher in dieser Gegend bei Apulum (Karlsburg) erhalten. Weiter
noerdlich sind Potaissa (Thorda) und Napoca (Klausenburg) wohl auch sofort von
den Roemern in Besitz genommen worden, aber erst allmaehlich schoben die grossen
pannonisch-dakischen Militaerzentren sich weiter gegen Norden vor. Die Verlegung
der unterpannonischen Legion von Acumincum nach Aquincum, dem heutigen Ofen, und
die Okkupierung dieser militaerisch beherrschenden Position faellt nicht spaeter
als Hadrian und wahrscheinlich unter ihn; wohl gleichzeitig ist die eine der
oberpannonischen Legionen nach Brigetio (gegenueber Komorn) gekommen. Unter
Commodus wurde an der Nordgrenze Dakiens in der Breite von einer deutschen Meile
jede Ansiedelung untersagt, was mit den spaeter zu erwaehnenden Grenzordnungen
nach dem Markomannenkrieg zusammenhaengen wird. Damals moegen auch die
befestigten Linien entstanden sein, welche diese Grenze, aehnlich wie die
obergermanische, sperrten. Unter Severus kam eine der bisher niedermoesischen
Legionen an die dakische Nordgrenze nach Potaissa (Thorda). Aber auch nach
diesen Verlegungen bleibt Dakien eine von Bergen und Schanzen gedeckte,
vorgeschobene Stellung am linken Ufer, bei der es wohl zweifelhaft sein mochte,
ob sie die allgemeine Defensivstellung der Roemer mehr foerderte oder mehr
beschwerte. Hadrianus hat in der Tat daran gedacht, dies Gebiet aufzugeben, also
dessen Einverleibung als einen Fehler betrachtet; nachdem sie einmal geschehen
war, ueberwog allerdings die Ruecksicht, wenn nicht auf die eintraeglichen
Goldgruben des Landes, so doch auf die rasch sich entwickelnde roemische
Zivilisation im Marisusgebiet. Aber wenigstens den Oberbau der steinernen
Donaubruecke liess er entfernen, da ihm die Besorgnis vor der Benutzung
derselben durch die Feinde schwerer wog als die Ruecksicht auf die dakische
Besatzung. Die spaetere Zeit hat von dieser Aengstlichkeit sich freigemacht;
aber die exzentrische Stellung Dakiens zu der uebrigen Grenzverteidigung ist
geblieben.
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^14 Die Waelle, welche 3 Meter hoch, 2 Meter dick, mit breitem Aussengraben
und vielen Resten von Kastellen in zwei fast parallelen Linien, teils in der
Laenge vor. 150 Kilometern vom linken Ufer des Pruth ueber Tabak und Tatarbunar
zum Dnjestr-Liman zwischen Akerman und dem Schwarzen Meer, teils in der Laenge
von 100 Kilometern von Leowa am Pruth zum Dnjestr unterhalb Bendery ziehen
(Petermanns Geographische Mittheilungen 1857, S. 129), moegen wohl auch roemisch
sein; aber es fehlt bis jetzt an jeder genaueren Feststellung.
^15 Nach v. Vinckes Aufnahme (Monatsberichte ueber die Verhandlungen der
Gesellschaft fuer Erdkunde in Berlin 1, 1839/40, S. 179 f.; vgl. in v. Moltkes
Briefen ueber Zustaende in der Tuerkei den vom 2. November 1837) sowie nach den
mir mitgeteilten Aufzeichnungen und Plaenen des Herrn Dr. C. Schuchhardt sind
hier drei Sperrungen angelegt. Die suedlichste, wahrscheinlich aelteste, ist ein
einfacher Erdwall mit (auffallender Weise) gegen Sueden vorliegendem Graben; ob
roemischen Ursprungs, kann zweifelhaft sein. Die beiden anderen Linien sind ein
jetzt noch vielfach bis 3 Meter hoher Erd- und ein niederigerer einst mit
Steinen gefuetterter Wall, die oft dicht nebeneinander her, anderswo wieder
stundenweit voneinander entfernt laufen. Man moechte sie fuer die beiden
Verteidigungslinien einer befestigten Strasse halten, wenn auch in der
oestlichen Haelfte der Erdwall, in der suedlicheren der Steinwall der
noerdlichere ist und sie in der Mitte sich kreuzen. An einer Stelle bildet der
(hier suedlichere) Erdwall die Hinterseite eines hinter dem Steinwall angelegten
Kastells. Der Erdwall ist auf der Nordseite von einem tiefen, auf der Suedseite
von einem flachen Graben gedeckt; jeden Graben schliesst ein Aufwurf ab. Dem
Steinwall liegt auch noerdlich ein Graben vor. Hinter dem Erdwall, und meist an
ihn angelehnt, finden sich je 750 Meter voneinander entfernt Kastelle; andere in
unregelmaessigen Entfernungen desgleichen hinter dem Steinwall. Alle Linien
halten sich hinter den Karasu-Seen als der natuerlichen Verteidigungsstuetze;
von da, wo diese aufhoert, bis zum Meer sind sie mit geringer Ruecksicht auf die
Terrainverhaeltnisse gefuehrt. Die Stadt Tomis liegt ausserhalb des Walls und
noerdlich davon; es sind aber ihre Festungsmauern durch einen besonderen Wall
mit der Sperrbefestigung in Verbindung gesetzt.
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Die sechzig Jahre nach den Dakerkriegen Traians sind fuer die Donaulaender
eine Zeit des Friedens und der friedlichen Entwicklung gewesen. Ganz zur Ruhe
kam es freilich, namentlich an den Donaumuendungen, nie, und auch das
bedenkliche Hilfsmittel von den angrenzenden, unruhigen Nachbarn, aehnlich wie
es mit Decebalus geschehen war, durch Aussetzung jaehrlicher Gratiale die
Grenzsicherheit zu erkaufen, ist ferner angewandt worden ^16; dennoch zeigen die
Reste des Altertums eben in dieser Zeit ueberall das Aufbluehen staedtischen
Lebens, und nicht wenige Gemeinden namentlich Pannoniens nennen als ihren
Stifter Hadrian oder Pius. Aber auf diese Stille folgte ein Sturm, wie das
Kaisertum noch keinen bestanden hatte, und der, obwohl eigentlich auch nur ein
Grenzkrieg, durch seine Ausdehnung ueber eine Reihe von Provinzen und durch
seine dreizehnjaehrige Dauer das Reich selbst erschuetterte.
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^16 Vita Hadriani 6: cum rege Roxolanorum qui de imminutis stipendiis
querebatur cognito negotio pacem composuit.
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Den nach den Markomannen benannten Krieg hat nicht eine einzelne
Persoenlichkeit vom Schlage des Hannibal und des Decebalus angefacht.
Ebensowenig haben Uebergriffe roemischerseits diesen Krieg heraufbeschworen;
Kaiser Pius verletzte keinen Nachbarn, weder den maechtigen, noch den geringen,
und hielt den Frieden fast mehr als billig hoch. Das Reich des Maroboduus und
des Vannius hatte sich seitdem, vielleicht infolge der Teilung unter Vangio und