sein: Bonnam (oder Bormam) et Gessoriacum pontibus iunxit classibusque firmavit,

womit zu vergleichen sind die von demselben Schriftsteller erwaehnten Kastelle

an der Maas. Bonn kann damals fueglich die Station der Rheinflotte gewesen sein;

Boulogne ist auch in spaeterer Zeit noch Flottenstation gewesen. Drusus konnte

wohl Veranlassung haben den kuerzesten und sichersten Landweg zwischen den

beiden Flottenlagern fuer Transporte brauchbar zu machen, wenn auch der

Schreiber wahrscheinlich, um das Auffallende bemueht, durch zugespitzte

Ausdrucksweise Vorstellungen erweckt, die so nicht richtig sein koennen.

^11 Ueber die administrative Teilung Galliens fehlt es, abgesehen von der

Abtrennung der Narbonensis, an allen Nachrichten, da sie nur auf kaiserlichen

Verfuegungen beruhte und darueber nichts in die Senatsprotokolle kam. Aber von

der Existenz eines gesonderten ober- und untergermanischen Kommandos geben die

erste Kunde die Feldzuege des Germanicus, und die Varusschlacht ist unter jener

Voraussetzung kaum zu verstehen; hier erscheinen wohl die hiberna inferiora, die

von Vetera (Vell. 2, 120), und den Gegensatz dazu, die superiora koennen nur die

von Mainz gemacht haben, aber auch diese stehen nicht unter einem Kollegen,

sondern unter dem Neffen, also einem Unterbefehlshaber des Varus. Wahrscheinlich

hat die Teilung erst in Folge der Niederlage in den letzten Jahren des Augustus

stattgefunden.

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Ueber den Bestand der damaligen Rheinarmee koennen wir nur etwa sagen, dass

die Armee des Drusus schwerlich staerker, vielleicht geringer war als die,

welche zwanzig Jahre spaeter in Germanien stand, von fuenf bis sechs Legionen,

etwa 50000 bis 60000 Mann.

Diesen militaerischen Einrichtungen am linken Rheinufer sind die am rechten

getroffenen korrelat. Zunaechst nahmen die Roemer dieses selbst in Besitz. Es

traf dies vor allem die Sugambrer, wobei allerdings die Vergeltung fuer den

erbeuteten Adler und die ans Kreuz geschlagenen Centurionen mitgewirkt hat. Die

zur Erklaerung der Unterwerfung abgesandten Boten, die Vornehmsten der Nation,

wurden gegen das Voelkerrecht als Kriegsgefangene behandelt und kamen in den

italischen Festungen elend um. Von der Masse des Volkes wurden 40000 Koepfe aus

ihrer Heimat entfernt und auf dem gallischen Ufer angesiedelt, wo sie spaeter

vielleicht unter dem Namen der Cugerner begegnen. Nur ein geringer und

ungefaehrlicher Ueberrest des maechtigen Stammes durfte in den alten Wohnsitzen

bleiben. Auch suebische Haufen sind nach Gallien uebergefuehrt, andere

Voelkerschaften weiter landeinwaerts gedraengt worden, wie die Marser und ohne

Zweifel auch die Chatten; am Mittelrhein wurde ueberall die eingeborene

Bevoelkerung des rechten Ufers verdraengt oder doch geschwaecht. Laengs dieses

Rheinufers wurden ferner befestigte Posten, fuenfzig an der Zahl, eingerichtet.

Vorwaerts Mogontiacum wurde das den Chatten abgenommene Gebiet, seitdem der Gau

der Mattfiaker bei dem heutigen Wiesbaden, in die roemischen Linien gezogen und

die Hoehe des Taunus stark befestigt ^12. Vor allem aber wurde von Vetera aus

die Lippelinie in Besitz genommen; von der doppelten, von Tagemarsch zu

Tagemarsch mit Kastellen besetzten Militaerstrasse an den beiden Ufern des

Flusses ist wenigstens die rechtsuferige sicher ebenso das Werk des Drusus wie

dies bezeugt ist von der Festung Aliso im Quellgebiet der Lippe, wahrscheinlich

dem heutigen Dorfe Elsen unweit Paderborn ^13.

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^12 Das von Drusus in monte Tauno angelegte praesidium (Tac. ann. 1, 56)

und das mit Aliso zusammengestellte (phro?rion en CHa`attois par' ayt/o/ t/o/

R/e/n/o/ (Dio 54, 33) sind wahrscheinlich identisch, und die besondere Stellung

des Mattiakergaus haengt augenscheinlich mit der Anlage von Mogontiacum

zusammen.

^13 Dass das "Kastell am Zusammenfluss des Lupias und des Helison" bei Dio

54, 33 identisch ist mit dem oefter genannten Aliso und dies an der oberen Lippe

gesucht werden muss, ist keinem Zweifel unterworfen, und dass das roemische

Winterlager an den Lippequellen (ad caput Lupiae, Vell. 2, 105), unseres Wissens

das einzige derartige auf germanischem Boden, eben dort zu suchen ist,

wenigstens sehr wahrscheinlich. Dass die beiden an der Lippe hin laufenden

Roemerstrassen und deren befestigte Marschlager wenigstens bis in die Gegend von

Lippstadt fuehrten, haben namentlich Hoelzermanns Untersuchungen dargetan. Die

obere Lippe hat nur einen namhaften Zufluss, die Alme, und da unweit der

Muendung dieser in die Lippe das Dorf Elsen liegt, so darf hier der

Namensaehnlichkeit einiges Gewicht beigelegt werden.

Der Ansetzung von Aliso an der Muendung der Glenne (und Liese) in die

Lippe, welche unter andern Schmidt vertritt, steht vornehmlich entgegen, dass

das Lager ad caput Lupiae dann von Aliso verschieden gewesen sein muss,

ueberhaupt dieser Punkt von der Weserlinie zu weit abliegt, waehrend von Elsen

aus der Weg geradezu durch die Doerenschlucht in das Werretal fuehrt. ueberhaupt

bemerkt Schmidt (Westfaelische Zeitschrift fuer Gesch. und Alterthumskunde 20,

1862, S. 259), kein Anhaenger der Identifikation von Aliso und Elsen, dass die

Hoehen von Wever (unweit Elsen) und ueberhaupt der linke Talrand der Alme der

Mittelpunkt eines Halbkreises sind, welchen die vorliegenden Gebirge bilden, und

diese hochgelegene, trockene, bis zu dem Gebirge eine genaue Uebersicht

gestattende Gegend, welche das ganze lippische Land deckt und selbst in der

Front durch die Alme gedeckt ist, sich gut eignet zum Ausgangspunkt eines Zuges

gegen die Weser.

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Dazu kam der schon erwaehnte Kanal von der Rheinmuendung zur Zuidersee und

ein von Lucius Domitius Ahenobarbus durch eine laengere Sumpfstrecke zwischen

der Eins und dem Unterrhein gezogener Damm, die sogenannten "langen Bruecken".

Ausserdem standen durch das ganze Gebiet zerstreut einzelne roemische Posten;

dergleichen werden spaeterhin erwaehnt bei den Friesen und den Chaukern, und in

diesem Sinne mag es richtig sein, dass die roemischen Besatzungen bis zur Weser

und bis zur Elbe reichten. Endlich lagerte das Heer wohl im Winter am Rhein, im

Sommer aber, auch wenn nicht eigentlich Expeditionen unternommen wurden,

durchgaengig im eroberten Lande, in der Regel bei Aliso.

Aber nicht bloss militaerisch richteten die Roemer in dem neugewonnenen

Gebiet sich ein. Die Germanen wurden angehalten, wie andere Provinzialen, von

dem roemischen Statthalter Recht zu nehmen und die Sommerexpeditionen des

Feldherrn entwickelten sich allmaehlich zu den ueblichen Gerichtsreisen des

Statthalters. Anklage und Verteidigung der Angeschuldigten fand in lateinischer

Zunge statt; die roemischen Sachwalter und Rechtsbeistaende begannen wie

diesseits so jenseits des Rheines ihre ueberall schwer empfundene, hier die

solcher Dinge ungewohnten Barbaren tief erbitternde Wirksamkeit. Es fehlte viel

zur voelligen Durchfuehrung der provinzialen Einrichtung; an foermliche Umlage

der Schatzung, an regulierte Aushebung fuer das roemische Heer ward noch nicht

gedacht. Aber wie der neue Gauverband eben jetzt in Gallien im Anschluss an die

daselbst eingefuehrte goettliche Verehrung des Monarchen eingerichtet ward, so

wurde eine aehnliche Einrichtung auch in dem neuen Germanien getroffen; als

Drusus fuer Gallien den Augustusaltar in Lyon weihte, wurden die zuletzt auf dem

linken Rheinufer angesiedelten Germanen, die Ubier, nicht in diese Vereinigung

aufgenommen, sondern in ihrem Hauptort, der der Lage nach fuer Germanien

ungefaehr war, was Lyon fuer die drei Gallien, ein gleichartiger Altar fuer die

germanischen Gaue errichtet, dessen Priestertum im Jahre 9 der junge

Cheruskerfuerst Segimundus, des Segestes Sohn, verwaltete.

Den vollen militaerischen Erfolg brach oder unterbrach doch die kaiserliche

Familienpolitik. Das Zerwuerfnis zwischen Tiberius und seinem Stiefvater fuehrte

dazu, dass jener im Anfang des Jahres 748 (6) das Kommando niederlegte. Das

dynastische Interesse gestattete es nicht, umfassende militaerische Operationen

anderen Generalen als Prinzen des kaiserlichen Hauses anzuvertrauen; und nach

Agrippas und Drusus' Tod und Tiberius' Ruecktritt gab es faehige Feldherrn in

demselben nicht. Allerdings werden in den zehn Jahren, wo Statthalter mit

gewoehnlicher Befugnis in Illyricum und in Germanien schalteten, die

militaerischen Operationen daselbst wohl nicht so vollstaendig unterbrochen

worden sein, wie es uns erscheint, da die hoefisch gefaerbte Ueberlieferung

ueber die mit und die ohne Prinzen gefuehrten Kampagnen nicht in gleicher Weise

berichtet; aber das Stocken ist unverkennbar, und dieses selbst war ein

Rueckschritt. Ahenobarbus, der infolge seiner Verschwaegerung mit dem

kaiserlichen Hause - seine Gattin war die Schwestertochter Augusts - freiere

Hand hatte als andere Beamte und der in seiner illyrischen Statthalterschaft die

Elbe ueberschritten hatte, ohne Widerstand zu finden, erntete spaeter als

Statthalter Germaniens dort keine Lorbeeren. Nicht bloss die Erbitterung, auch

der Mut der Germanen waren wieder im Steigen und im Jahre 2 erscheint das Land

wieder im Aufstand, die Cherusker und die Chauker unter den Waffen. Inzwischen

hatte am Kaiserhofe der Tod sich ins Mittel geschlagen und der Wegfall der

jungen Soehne des Augustus diesen und Tiberius ausgesoehnt. Kaum war diese

Versoehnung durch die Annahme an Kindesstatt besiegelt und proklamiert (4), so

nahm Tiberius das Werk da wieder auf, wo es unterbrochen worden war, und fuehrte

abermals in diesem und den beiden folgenden Sommern (5-6) die Heere ueber den

Rhein. Es war eine Wiederholung und Steigerung der frueheren Feldzuege. Die

Cherusker wurden im ersten Feldzug, die Chauker im zweiten zum Gehorsam

zurueckgebracht; die den Batavern benachbarten und an Tapferkeit nicht

nachstehenden Cannenefaten, die im Quellgebiet der Lippe und an der Ems

sitzenden Bructerer und andere Gaue mehr unterwarfen sich, ebenso die hier

zuerst erwaehnten maechtigen Langobarden, damals hausend zwischen der Weser und

Elbe. Der erste Feldzug fuehrte ueber die Weser hinein in das Innere; in dem

zweiten standen an der Elbe selbst die roemischen Legionen dem germanischen

Landsturm am anderen Ufer gegenueber. Vom Jahre 4 auf 5 nahm, es scheint zum

ersten Mal, das roemische Heer das Winterlager auf germanischem Boden bei Aliso.

Alles dies wurde erreicht ohne erhebliche Kaempfe; die umsichtige Kriegfuehrung

brach nicht die Gegenwehr, sondern machte sie unmoeglich. Diesem Feldherrn war

es nicht um unfruchtbare Lorbeeren zu tun, sondern um dauernden Erfolg. Nicht

minder wurde die Seefahrt wiederholt; wie die erste Kampagne des Drusus, so ist

die letzte des Tiberius ausgezeichnet durch die Beschiffung der Nordsee. Aber

die roemische Flotte gelangte diesmal weiter: die ganze Kueste der Nordsee bis

zum Vorgebirge der Kimbrer, das heisst zur juetischen Spitze, ward von ihr

erkundet und sie vereinigte sich dann, die Elbe hinauffahrend, mit dem an dieser

aufgestellten Landheer. Diese zu ueberschreiten, hatte der Kaiser ausdruecklich

untersagt; aber die Voelker jenseits der Elbe, die eben genannten Kimbrer im

heutigen Juetland, die Charuden suedlich von ihnen, die maechtigen Semnonen

zwischen Elbe und Oder traten wenigstens in Beziehung zu den neuen Nachbarn.

Man konnte meinen, am Ziel zu sein. Aber eines fehlte doch noch zur

Herstellung des eisernen Ringes, der Grossdeutschland umklammern sollte: es war

die Herstellung der Verbindung zwischen der mittleren Donau und der oberen Elbe,

die Besitznahme des alten Boierheims, das in seinem Bergkranz gleich einer

gewaltigen Festung zwischen Noricum und Germanien sich einschob. Der Koenig

Maroboduus, aus edlem Markomannengeschlecht, aber in jungen Jahren durch

laengeren Aufenthalt in Rom eingefuehrt in dessen straffere Heer- und

Staatsordnung, hatte nach der Heimkehr, vielleicht waehrend der ersten Feldzuege

des Drusus und der dadurch herbeigefuehrten Uebersiedlung der Markomannen vom

Main an die obere Elbe, sich nicht bloss zum Fuersten seines Volkes erhoben,

sondern auch diese seine Herrschaft nicht in der lockeren Weise des germanischen

Koenigtums, sondern, man moechte sagen, nach dem Muster der augustischen

gestaltet. Ausser seinem eigenen Volk gebot er ueber den maechtigen Stamm der

Lugier (im heutigen Schlesien) und seine Klientel muss sich ueber das ganze

Gebiet der Elbe erstreckt haben, da die Langobarden und die Semnonen als ihm

untertaenig bezeichnet werden. Bisher hatte er den Roemern wie den uebrigen

Germanen gegenueber voellige Neutralitaet beobachtet; er gewaehrte wohl den

fluechtigen Roemerfeinden in seinem Lande eine Freistatt, aber taetig mischte er

sich in den Kampf nicht, nicht einmal, als die Hermunduren von dem roemischen

Statthalter auf markomannischem Gebiet Wohnsitze angewiesen erhielten und als

das linke Elbufer den Roemern botmaessig ward. Er unterwarf sich ihnen nicht,

aber er nahm alle jene Vorgaenge hin, ohne darum die freundlichen Beziehungen zu

den Roemern zu unterbrechen. Durch diese gewiss nicht grossartige und schwerlich

auch nur kluge Politik hatte er erreicht, als der letzte angegriffen zu werden;

nach den vollkommen gelungenen germanischen Feldzuegen der Jahre 4 und 5 kam die

Reihe an ihn. Von zwei Seiten her, von Germanien und Noricum aus, rueckten die

roemischen Heere vor gegen den boehmischen Bergring; den Main hinauf, die

dichten Waelder vom Spessart zum Fichtelgebirge mit Axt und Feuer lichtend, ging

Gaius Sentius Saturninus, von Carnuntum aus, wo die illyrischen Legionen durch

den Winter 5 auf 6 gelagert hatten, Tiberius selbst gegen die Markomannen vor;

die beiden Heere, zusammen zwoelf Legionen, waren den Gegnern, deren Streitmacht

auf 70000 Mann zu Fuss und 4000 Reiter geschaetzt wurde, schon der Zahl nach

fast um das Doppelte ueberlegen. Die umsichtige Strategik des Feldherrn schien

den Erfolg auch diesmal voellig sichergestellt zu haben, als ein ploetzlicher

Zwischenfall den weiteren Vormarsch der Roemer unterbrach.

Die dalmatinischen Voelkerschaften und die pannonischen wenigstens des

Savegebietes gehorchten seit kurzem den roemischen Statthaltern; aber sie

ertrugen das neue Regiment mit immer steigendem Groll, vor allem wegen der

ungewohnten und schonungslos gehandhabten Steuern. Als Tiberius spaeter einen

der Fuehrer nach den Gruenden des Abfalls fragte, antwortete ihm dieser, es sei

geschehen, weil die Roemer ihren Herden zu Huetern nicht Hunde noch Hirten,

sondern Woelfe setzten. Jetzt waren die Legionen aus Dalmatien an die Donau

gefuehrt und die wehrhaften Leute aufgeboten worden, um eben dahin zur

Verstaerkung der Armeen gesendet zu werden. Diese Mannschaften machten den

Anfang und ergriffen die Waffen nicht fuer, sondern gegen Rom; ihr Fuehrer war

ein Daesitiate (um Serajevo), Bato. Dem Beispiel folgten die Pannonier unter

Fuehrung zweier Breuker, eines anderen Bato und des Pinnes. Mit unerhoerter

Schnelligkeit und Eintraechtigkeit erhob sich ganz Illyricum; auf 200000 zu Fuss

und 9000 zu Pferde wurde die Zahl der insurgierten Mannschaften geschaetzt. Die

Aushebung fuer die Auxiliartruppen, welche namentlich bei den Pannoniern in

bedeutendem Masse stattfand, hatte die Kunde des roemischen Kriegswesens,

zugleich mit der roemischen Sprache und selbst der roemischen Bildung in

weiterem Umfang verbreitet; diese gedienten roemischen Soldaten bildeten jetzt

den Kern der Insurrektion ^14. Die in den insurgierten Gebieten in grosser Zahl

angesessenen oder verweilenden roemischen Buerger, die Kaufleute und vor allem

die Soldaten, wurden ueberall aufgegriffen und erschlagen. Wie die provinzialen

Voelkerschaften kamen auch die unabhaengigen in Bewegung. Die den Roemern ganz

ergebenen Fuersten der Thraker fuehrten allerdings ihre ansehnlichen und

tapferen Scharen den roemischen Feldherrn zu; aber vom anderen Ufer der Donau

brachen die Daker, mit ihnen die Sarmaten, in Moesien ein. Das ganze weite

Donaugebiet schien sich verschworen zu haben, um der Fremdherrschaft ein jaehes

Ende zu bereiten.

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^14 Das und nicht mehr sagt Velleius (2, 110): in omnibus Pannoniis non

disciplinae (= Kriegszucht) tantummodo, sed linguae quoque notitia Romanae,

plerisque etiam litterarum Usus et familiaris animorum erat exercitatio. Es sind

das dieselben Erscheinungen, wie sie bei den Cheruskerfuersten begegnen, nur in

gesteigertem Masse; und sie sind vollkommen begreiflich, wenn man sich der von

Augustus aufgestellten pannonischen und breukischen Alen und Kohorten erinnert.

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Die Insurgenten waren nicht gemeint, den Angriff abzuwarten, sondern sie

planten einen Ueberfall Makedoniens und sogar Italiens. Die Gefahr war ernst;

ueber die Julischen Alpen hinueber konnten die Aufstaendischen in wenigen Tagen

wiederum vor Aquileia und Tergeste stehen - sie hatten den Weg dahin noch nicht

verlernt - und in zehn Tagen vor Rom, wie der Kaiser selbst im Senat es

aussprach, allerdings um sich der Zustimmung desselben zu den umfassenden und

drueckenden militaerischen Veranstaltungen zu versichern. In schleunigster Eile

wurden neue Mannschaften auf die Beine gebracht und die zunaechst bedrohten

Staedte mit Besatzung versehen; ebenso, was irgendwo von Truppen entbehrlich

war, nach den bedrohten Punkten geschickt. Der erste zur Stelle war der

Statthalter von Moesien, Aulus Caecina Severus, und mit ihm der thrakische

Koenig Rhoemetalkes; bald folgten andere Truppen aus den ueberseeischen

Provinzen nach. Vor allen Dingen aber musste Tiberius, statt in Boehmen

einzudringen, zurueckkehren nach Illyricum. Haetten die Insurgenten abgewartet,

bis die Roemer mit Maroboduus im Kampfe lagen, oder dieser mit ihnen

gemeinschaftliche Sache gemacht, so konnte die Lage fuer die Roemer eine sehr

kritische werden. Aber jene schlugen zu frueh los, und dieser, getreu seinem

System der Neutralitaet, liess sich dazu herbei, eben jetzt auf der Basis des

Status quo mit den Roemern Frieden zu schliessen. So musste Tiberius zwar die

Rheinlegionen zuruecksenden, da Germanien unmoeglich von Truppen entbloesst

werden konnte, aber sein illyrisches Heer konnte er mit den aus Moesien, Italien

und Syrien anlangenden Truppen vereinigen und gegen die Insurgenten verwenden.

In der Tat war der Schrecken groesser als die Gefahr. Die Dalmater brachen zwar

zu wiederholten Malen in Makedonien ein und pluenderten die Kueste bis nach

Apollonia hinab; aber zu dem Einfall in Italien kam es nicht, und bald war der

Brand auf seinen urspruenglichen Herd beschraenkt.

Dennoch war die Kriegsarbeit nicht leicht: auch hier wie ueberall war die

abermalige Niederwerfung der Unterworfenen muehsamer als die Unterwerfung

selbst. Niemals ist in augustischer Zeit eine gleiche Truppenmasse unter

demselben Kommando vereinigt gewesen; schon im ersten Kriegsjahre bestand das

Heer des Tiberius aus zehn Legionen nebst den entsprechenden Hilfsmannschaften,

dazu zahlreichen freiwillig wieder eingetretenen Veteranen und anderen

Freiwilligen, zusammen etwa 120000 Mann; spaeterhin hatte er fuenfzehn Legionen

unter seinen Fahnen vereinigt ^15. Im ersten Feldzug (6) wurde mit sehr

abwechselndem Glueck gestritten; es gelang wohl, die grossen Ortschaften, wie

Siscia und Sirmium, gegen die Insurgenten zu schuetzen, aber der Dalmatiner Bato

focht ebenso hartnaeckig und zum Teil gluecklich gegen den Statthalter von

Pannonien, Marcus Valerius Messalla, des Redners Sohn, wie sein pannonischer

Namensgenosse gegen den von Moesien, Aulus Caecina. Vor allem der kleine Krieg

machte den roemischen Truppen viel zu schaffen. Auch das folgende Jahr (7), in

welchem neben Tiberius sein Neffe, der junge Germanicus, auf den

Kriegsschauplatz trat, brachte kein Ende der ewigen Kaempfe. Erst im dritten

Feldzug (8) gelang es, zunaechst die Pannonier zu unterwerfen, hauptsaechlich,

wie es scheint, dadurch, dass ihr Fuehrer Bato, von den Roemern gewonnen, seine

Truppen bewog, am Fluss Bathinus samt und sonders die Waffen zu strecken und den

Kollegen im Oberbefehl, Pinnes, den Roemern auslieferte, wofuer er von diesen

als Fuerst der Breuker anerkannt ward. Zwar traf den Verraeter bald die Strafe:

sein dalmatinischer Namensgenosse fing ihn und liess ihn hinrichten, und noch

einmal flackerte bei den Breukern der Aufstand auf; aber er ward rasch wieder

erstickt und der Dalmater beschraenkt auf die Verteidigung der eigenen Heimat.

Hier hatte Germanicus und andere Korpsfuehrer in diesem wie noch im folgenden

Jahr (9) in den einzelnen Gauen heftige Kaempfe zu bestehen; in dem letzteren

wurden die Pirusten (an der epirotischen Grenze) und der Gau, dem der Fuehrer

selbst angehoerte, die Daesitiaten bezwungen, ein tapfer verteidigtes Kastell

nach dem andern gebrochen. Noch einmal im Laufe des Sommers erschien Tiberius

selbst wieder im Felde und setzte die gesamten Streitkraefte gegen die Reste der

Insurrektion in Bewegung. Auch Bato, in dem festen Andetrium (Muck, oberhalb

Salome), seiner letzten Zufluchtstau, von dem roemischen Heere eingeschlossen,

gab die Sache verloren. Er verliess die Stadt, da er nicht vermochte, die

Verzweifelten zur Unterwerfung zu bestimmen, und unterwarf sich dem Sieger, bei

dem er ehrenvolle Behandlung fand; er ist, als politischer Gefangener

interniert, in Ravenna gestorben. Ohne den Fuehrer setzte die Mannschaft den

vergeblichen Kampf noch eine Zeitlang fort, bis die Roemer das Kastell mit

stuermender Hand einnahmen - wahrscheinlich diesen Tag, den 3. August,

verzeichnen die roemischen Kalender als den Jahrestag des von Tiberius in

Illyricum erfochtenen Sieges.

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^15 Nimmt man an, dass von den zwoelf Legionen, die gegen Maroboduus im

Marsch waren (Tac. ann. 2, 46), so viele, als wir bald nachher in Germanien

finden, also fuenf, auf dieses Heer kommen, so zaehlte das illyrische Heer des

Tiberius sieben, und die Zahl von zehn (Vell. 2, 113) kann fueglich bezogen

werden auf den Zuzug aus Moesien und Italien, die fuenfzehn auf den Zuzug aus

Aegypten oder Syrien und auf die weiteren Aushebungen in Italien, von wo die neu

ausgehobenen Legionen zwar nach Germanien, aber die dadurch abgeloesten zu

Tiberius' Heer kamen. Ungenau spricht Velleius (2, 112) gleich im Beginn des

Krieges von fuenf durch A. Caecina und Plautius Silvanus ex transmarinis

provinciis herangefuehrten Legionen; einmal konnten die ueberseeischen Truppen

nicht sofort zur Stelle sein, und zweitens sind die Legionen des Caecina

natuerlich die moesischen. Vgl. meinen Kommentar zum Monumentum Ancyranum (Res

gestae divi Augusti), 2. Aufl. 1883, S. 71.

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Auch die Daker jenseits der Donau traf die Vergeltung. Wahrscheinlich in

dieser Zeit, nachdem der illyrische Krieg sich zu Gunsten Roms entschieden

hatte, fuehrte Gnaeus Lentulus ein starkes roemisches Heer ueber die Donau,

gelangte bis an den Marisus (Marosch) und schlug sie nachdruecklich in ihrem

eigenen Lande, das damals zuerst eine roemische Armee betrat. Fuenfzigtausend

gefangene Daker wurden in Thrakien ansaessig gemacht.

Die Spaeteren haben den "Batonischen Krieg" der Jahre 6 bis 9 den

schwersten genannt, den Rom seit dem Hannibalischen gegen einen auswaertigen

Feind zu bestehen gehabt hat. Dem illyrischen Land hat er arge Wunden

geschlagen; in Italien war die Siegesfreude grenzenlos, als der junge Germanicus

die Botschaft des entscheidenden Erfolges nach der Hauptstadt ueberbrachte.

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 3 / 73 段