Die Seekrankheit entsteht häufig aus der Schwierigkeit des Stehens und

Gehens auf schwankendem Boden. Beim Stehen soll der Oberleib sich immer

nach den verschiedenen Seiten derart neigen, damit er die verticale Haltung

einnimmt, und dies kann so schwierig werden, dass man es nur mit dem

Anhalten an festen Gegenständen erlangen kann. Beim Gehen kommt noch dazu,

dass der Fuss keine gleichmässige Basis findet, dass er bald tiefer und

bald höher auftreten muss, und dass dadurch das Schwanken noch ärger

wird. Dieses fortwährende Schwanken und die damit in Verbindung stehende

Anstrengung erzeugen bei manchen Menschen das Gefühl des Schwindels, und

hierzu mag dann noch bei Manchen das Gefühl der Angst hinzutreten. Die

Mittel zur Bekämpfung dieses Uebels liegen zum grossen Theil in der Ruhe

des Nervensystems, in der Aufnahme der begründeten Ueberzeugung, dass

das Umkippen eines so grossen Dampfers ganz unmöglich ist, und in der

Angewöhnung des Körpers an die schaukelnde Bewegung, wie dies auf

Schaukeln oder auf Schaukelstühlen herbeigeführt werden kann. Alle

übrigen angerathenen Mittel betreffs Essens, Trinkens etc. erscheinen

nicht massgebend. Jedenfalls wird ein kräftigeres Nervensystem einem

solchen Unwohlsein viel besser widerstehen können, als ein geschwächtes

oder ein krankes Nervensystem.

Was die Ventilation anbelangt, so war für selbe auf ^Australien^ sehr gut

gesorgt, und dies ist eine Massregel, welche bei der grossen Hitze in den

Tropen sehr wohlthuend wirkt.

Die Gesellschaft der ersten Classe auf dem Dampfer bestand aus 70 Personen,

darunter etwa 20 Engländer und Engländerinnen, etwa 20 französische

Officiere, welche nach 1½ jähriger Dienstverrichtung in Tonking wieder

nach Frankreich versetzt wurden, etwa 10 andere Franzosen, dann 10 Spanier,

welche von den Philippinen flohen und nun nach Spanien zurückkehrten, und

10 Personen verschiedener Nationalitäten, worunter auch ich mich befand.

Dabei gab es leider viele Kinder jeden Alters, und unter diesen Kindern

viele, die schlecht erzogen, und unter den betreffenden Müttern manche,

welche ihren Kindern zu Liebe gegen die Mitreisenden recht rücksichtslos

waren. Das gesellschaftliche Verhalten der Reisenden in der ersten Classe

war weit weniger angenehm, als auf dem Dampfer des Lloyd und auf jenem der

P and O-Gesellschaft. Lärmen, Pfeifen etc. und mangelhafte Toiletten

waren hier nicht selten. Die Engländer, welche sich auf ihren Schiffen so

correct benehmen, zeigten sich hier weit weniger ruhig und zurückhaltend.

Ich verhielt mich ganz zurückgezogen, machte mich nur mit dem

Schiffscapitän bekannt und ersuchte ihn, mich den anwesenden zwei

höchsten französischen Officieren zu nennen, weil ich dies, als auf dem

französischen Boden befindlich, für angezeigt erachtete. Diese beiden

Herren, ein Oberst der Infanterie und ein Linienschiffscapitän, waren sehr

artig und höflich, doch blieb ich auch gegen diese beiden Herren nur auf

dem Begrüssungsfusse. Meine Tischnachbarn waren der Holländer N. v. H.

und der russische Schiffsingenieur L. mit seiner Frau, und mit diesen

führte ich während der Mahlzeiten Conversation, mit Ersterem spielte ich

auch Abends auf dem Damenbrett oder Domino und dergleichen. Bezüglich des

russischen Ingenieurs will ich noch mittheilen, dass ihm als russischen

höheren Beamten der Titel »General« zukam, und dass er von Wladiwostok,

dem Orte, an welchem die der Vollendung entgegen gehende sibirische Bahn

ihren Abschluss finden wird, nach Petersburg versetzt wurde.

Im Uebrigen beschäftigte ich mich Vor- und Nachmittags mit dem Schreiben

meines Tagebuches und mit Lectüre, und befand mich dabei sehr wohl. Mein

Hüftschmerz war wohl nicht ganz behoben, bestand aber doch nur, dank

meiner täglichen Früh- und Abendbehandlung, im geringen Masse.

In der Zeit vom _2.-7. Juni_ fuhren wir quer durch den Indischen Ocean und

hatten dabei grosse Hitze, hie und da auch Regengüsse und meistentheils

heftigen Wind, somit starkes Rollen des Schiffes zu ertragen. Der

gefürchtete Monsum meldete sich auf diese Weise an, war aber noch nicht

voll eingetreten.

_Am 7. Juni_ hatte sich ein heftiger Orkan erhoben, und dieser brachte den

^Australien^ in ein derartiges Rollen und überschüttete das Deck in so

starker Weise mit Wogenschaum, wie ich solches bisher nicht erlebt hatte.

Mein Wohlbefinden wurde aber dadurch nicht berührt. Um 2 Uhr Mittags, als

das Schiff längs der Nordküste der Insel Sokotra vorbeifuhr, trat rasch

windstilles Wetter und ganz ruhige See ein, worüber die armen Seekranken

hoch erfreut waren. Diese Insel liegt nahe der Nordostspitze von Afrika am

Eingange in den Golf von Aden.

_Am 8. Juni_ durchfuhren wir diesen Golf bei spiegelglatter See. In der

Luft befand sich Nebel, daher waren der Himmel hellblau, der Sonnenschein

getrübt und die Temperatur schwül. Am südlichen Horizont sah man das

Somaliland. Die Hitze nahm zu, und damit stellte sich ein unstillbarer

Durst ein, welcher gelöscht werden musste. In den Tropen ist es nicht

gerathen, viel geistige Getränke zu sich zu nehmen; da aber das Trinken

nur destillirten Wassers zu fade ist und hier auf dem französischen

Schiffe Whisky mit Soda nicht gebräuchlich war, so trank ich mit Wasser

verdünnten Wein, wozu die Diener reichlich Eisstücke zugaben oder

sehr viele Tassen Thee, welche ich mit kaltem Wasser verdünnte. Auf

den Schiffen kann das Eis unbesorgt in das Getränk gegeben werden, weil

dasselbe aus destillirtem Wasser erzeugt ist.

Die Nacht _vom 8. zum 9. Juni_ war entsetzlich. Ich musste nämlich

das Fenster meiner Cabine schliessen, weil sonst eine so arge Zugluft

entstanden wäre, die eine weitere Verkühlung trotz angezogener

Wollnachtkleider herbeigeführt hätte, dann jedoch befand ich mich in

einem derartigen Schwitzbade, dass meine Wollkleider ganz durchnässt

waren. Aber auch diese Nacht hatte ein Ende, und das in der Früh genommene

22° R. betragende Meerwasserbad brachte doch einigermassen Abkühlung.

_Am 9. Juni_ fuhren wir durch die Wasserstrasse von Babel Mandeb (Thor der

Thränen) in das wegen seiner formidablen Hitze gefürchtete Rothe Meer.

Eine kühle Nordbriese behütete mich vor allzu grossen Leiden, und auch

die Nacht war besser, als die vorhergegangene.

Auch _am 10. Juni_ brachte uns eine Nordbriese in wohlthätiger Weise

etwas Kühlung zu. Im Laufe des Vormittags begleiteten das Schiff eine

Strecke weit eine Schaar von Delphinen, welche sich durch Springen über

die Oberfläche des Meeres bemerkbar machten.

_Am 11. Juni_ (Sonntag) las ein mit dem Schiffe reisender katholischer

Missionär, mit langem grauen Bart, die Messe und derselben wohnten alle

auf dem Schiffe anwesenden Katholiken bei.

Wir waren bei Passirung des Rothen Meeres sehr begünstigt, denn bei

heiterem Himmel blies ein frischer Nordwind immer heftiger, welcher die

glühend heisse Luft abkühlte und dabei doch nicht so heftig war, dass das

Schiff in starke Schwankungen versetzt wurde.

_Am 12. Juni_ war in Folge des fortgesetzten Nordwindes die Temperatur

schon so mässig geworden, dass statt der Leinenkleidung solche aus Wolle

genommen werden musste. Nach dem Fahrplan der Messagerie maritime hätte

der Dampfer heute nach Port Said gelangen sollen, es wurde aber durch den

entgegen blasenden Wind etwas an Zeit verloren, und so kommt das Schiff

heute um 3 Uhr Nachmittags nach Suez und wird erst am 13. Juni etwa

9 Uhr Früh in Port Said eintreffen.

In Suez wurde das Deck des Schiffes von Kaufleuten überschwemmt, welche

ihre Waare, auf dem Boden ausbreitend, zum Verkaufe feilboten. Darunter

befand sich viel werthloser Kram, aber auch sehr schöne und gute Waaren,

welche jedoch sämmtlich im Preise zu hoch gestellt waren. Ich erstand nach

längerem Feilschen ein Spitzentuch, welches sehr gut zu sein scheint, weil

vorher mehrere Damen dasselbe bewundert hatten.

Wegen des kurzen Aufenthaltes in Suez überschiffte ich mich nicht auf's

Land, gab aber ein Telegramm an das Consulat in Port Said auf, in welchem

ich bat, dortselbst einen Hôtel-Boy auf das Schiff senden und bei der

Lloydagentur einen Platz für mich reserviren zu lassen.

Die Einfahrt in den Suez-Canal, sowie die weitere Fahrt in demselben war,

wie immer, höchst interessant. Ich habe darüber schon geschrieben, und

ich will nur noch erwähnen, dass für die Erhaltung des Canales wenig

geschieht, dafür aber die dort Angestellten überaus gut leben, und

dass auch sehr grosse Dividenden ausgezahlt werden. Der Ausblick auf die

beiderseits des Canales sich unabsehbar ausdehnende Wüste mit allen den

Sandwellen und Sandhügeln im gelben Abendsonnenschein fascinirte mich in

ebenso hohem Masse, wie bei der Hinfahrt.

Ankunft in Port Said und Weiterfahrt nach Marseille.

_Am 13. Juni_ Früh hatte ich mein Gepäck für die Ueberschiffung nach

Port Said bereit gestellt und wartete nach der Einfahrt unseres Dampfers

in den Hafen auf den Boy, welcher meine Colli übernehmen und in das

Hôtel bringen sollte. Dieser Boy kam aber nicht, sondern es erschien der

Vertreter des Consuls, nachdem Consul M. auf Urlaub gefahren war, und

brachte mir die für mich sehr fatale Nachricht, dass die von Bombay nach

Triest verkehrenden Lloydschiffe, der Pest in Aegypten halber, in Port Said

keine Passagiere aufnehmen dürfen. Es werden also von Oesterreich-Ungarn

strengere Massregeln gegen die Einschleppung der Pest getroffen als von

Frankreich, denn die Schiffe der Messagerie maritime nehmen in Port Said

anstandslos Passagiere auf und laufen vier Tage später ungehindert in den

Hafen von Marseille ein.

Ich war demnach gezwungen, meinen Plan für die Weiterreise wieder zu

ändern. Vorerst erwog ich, ob es nicht am zweckmässigsten sei, von Port

Said nach Alexandrien zu fahren, mich dort in dem jeden Samstag nach Triest

abgehenden Lloyddampfer einzuschiffen und dann vor Triest eine achttägige

Quarantaine mitzumachen. Darauf theilte mir jedoch der Consulstellvertreter

mit, dass er bestimmt wisse, in Alexandrien seien schon auf mehrere Wochen

hinaus alle Plätze auf den Lloyddampfern vergeben, weil von dort

sehr viele Europäer, der Pest halber, fliehen. Hiermit entfiel diese

Unternehmung und es blieb mir nichts Anderes zu thun übrig, als mit dem

Dampfer ^Australien^ weiter bis Marseille zu fahren, um von dort dann

in die Heimat zu gelangen. Dies war für mich wohl sehr unangenehm,

weil daraus einerseits bedeutende Mehrauslagen erwuchsen, und weil

mir andererseits die Beschwerlichkeit einer sehr langen Eisenbahnfahrt

bevorstand; ich ertrug aber mit Ruhe dieses auf mir ruhende Fatum, nur mit

Bewältigung vieler Schwierigkeiten heimkehren zu können, und liess

mir meine gute Stimmung nicht verderben, sondern suchte nun die besten

Verhältnisse für die Weiterreise zu finden.

Vorerst theilte ich dem Gepäcksofficier von ^Australien^ mit, dass ich

weiterfahren werde, und bat ihn, meine Cabine nicht an neu eintretende

Passagiere zu vergeben und mein Gepäck bis nach Marseille weiter zu

führen; dann löste ich in der Messagerie maritime-Agentur zu Port Said

die Karte zur Weiterfahrt nach Marseille um 70 fl. ö. W., und endlich

erhob ich, dass die beste Linie für die Heimkehr von Marseille jene über

Paris nach Wien sei. Von Marseille geht täglich nach 7 Uhr Abends ein

Eisenbahnzug nach Paris ab und dieser langt dort am folgenden Tage, etwa

9 Uhr Früh, an. Von Paris geht dann wieder Abends ein Eisenbahnzug ab,

welcher nach circa 24 Stunden in Wien eintrifft. Die Fahrkarte erster

Classe von Marseille nach Paris kostet 95 Francs und jene von Paris bis

Wien 195 Francs, also beträgt der Preis für die Bahnfahrt 290 Francs oder

etwa 140 fl. ö. W. Es bleibt mir dann ein Tag zur Besichtigung des mir

ohnehin schon bekannten Paris zur Verfügung.

Nun ging es wieder weiter, und zwar in das Mittelländische Meer hinaus.

Die Route des Dampfers geht durch die Wasserstrasse von Messina zwischen

Italien und Sicilien, dann durch jene von Bonifacio zwischen den Inseln

Corsica und Sardinien nach Marseille, und es soll dieser Hafenplatz in vier

Tagen, also am 17. Juni, erreicht werden.

_Am 14. Juni_ war das Wetter klar, aber windig und so kühl, dass man sich

in Wolle kleiden musste. Im Laufe des Nachmittags kamen die Berge und die

Südküste von Kandia zu Gesicht, und ich dachte zurück an die Zeit, in

welcher ich diese Insel vor etwa fünf Monaten gesehen habe, als ich auf

dem Lloyddampfer ^Maria Theresia^ in freudevoller Hoffnung in die Ferne

hinausfuhr, und nun fühlte ich mich hoch befriedigt über das grosse

Vergnügen, welches mir diese Reise bereitet hat.

_Am 15. Juni_ waren die gleichen Witterungsverhältnisse wie am Tage

vorher. Nachmittag sah ich die Berge von Süditalien und im Laufe der

Nacht durchfuhren wir die Meerenge von Messina und kamen an der einst so

gefürchteten Scylla und Charybdis vorbei.

Der _16. Juni_ ist der letzte volle Tag, welchen ich auf dem Dampfer

^Australien^ der französischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft Messagerie

maritime verlebte, und da will ich nun noch meine weiteren Erfahrungen

über die Existenz auf diesem Schiffe mittheilen. Der Mangel an

Reinlichkeit auf dem Schiffe zeigte sich auch darin, dass Bettwäsche,

Handtücher, Servietten u. s. w. recht selten gewechselt, und dass das

Putzen der Kleider und Schuhe recht mangelhaft war. Die Bedienung war

nicht sorgsam und bei der Kost musste ich es sehr oft beklagen, dass alle

Gattungen gekochten oder gebratenen Fleisches recht zähe, hie und da auch

angebrannt waren. Wie schon erwähnt, wurde das Leben auf dem Dampfer

auch durch das den ganzen Tag währende Schreien, Quitschen und Tollen

der Kinder verbittert. Wenn schon die betreffenden Eltern dies ungeahndet

geschehen liessen, so hätte doch der Schiffscapitän oder einer seiner

Organe zum Wohl der übrigen Passagiere dagegen einschreiten sollen. Aber

auch in dieser Hinsicht war keine Einwirkung wahrnehmbar, dagegen wurden

die Passagiere gedrängt, Geldspenden zu geben, und zwar einerseits in Form

einer Lotterie für ein kleines Schiffchen zu dem Zwecke, den Erlös der

Schiffsmannschaft des Dampfers zukommen zu lassen, und andererseits in Form

eines recht unmusikalischen Concertes, um den Ertrag desselben der Sammlung

für die verunglückten französischen Schiffsleute zuzuwenden.

Ankunft in Marseille und Weiterfahrt nach Wien.

_Am 17. Juni_ langten wir endlich um 2½ Uhr Nachmittags im Hafen von

Marseille an. Bis wir aber vom Schiff auf's Land kamen, vergingen beinahe

drei Stunden, weil die hygienischen Massregeln in nachstehender Weise

getroffen wurden. Zuerst fuhr der Schiffscapitän in einer Zille auf's

Land, dann langte nach ½ Stunde ein französischer Arzt auf dem Dampfer

an und verfügte, dass jeder Passagier in einem Blankette des »Passeport

sanitaire« seinen Namen, den Ort der Herkunft und den Ort des künftigen

Aufenthaltes eintrage. Dann unterschrieb der Arzt alle Passeports

sanitaires, vertheilte sie wieder an die Passagiere und somit konnten

diese, ohne vorher ärztlich untersucht worden zu sein, und ohne dass das

Gepäck desinficirt worden wäre, vom Schiffe auf das Land gehen.

Ich übergab zu diesem Zwecke meine 13 Gepäckstücke an den Bediensteten

der Speditionsfirma King, einem Wiener, welcher auf den Dampfer

^Australien^ gekommen war, und bezeichnete ihm jene sechs Stücke, welche

ich mit mir nehmen wollte, und die übrigen sieben Colli, welche mittelst

Fracht an mich nach Wien zu senden sein werden. Nach Passirung des

Zollamtes, wo von den Effecten nichts visitirt worden war, fuhr ich zum

Bahnhof und von dort um 7 Uhr Abends nach Paris, wo ich am andern Tag um

9 Uhr Früh anlangte.

In Paris wollte ich am _18. Juni_ verweilen und hierzu stieg ich in dem

Terminus-Hôtel ab. Nachmittags fuhr ich mit dem holländischen Herrn,

welcher sich mir auf dem Schiffe angeschlossen hatte, über den Boulevard,

die Champs elysées, den Arc de triomphe und das Bois de Boulogne zu

den Rennen nach Auteuil, und dann besichtigte ich auf der Rückfahrt

von Auteuil nach Paris den eben an diesem Tage stattfindenden grossen,

historischen Festzug, welcher jedes Jahr um diese Zeit abgehalten wird. Bei

diesem Festzuge erscheinen in der Tracht aus dem 13. Jahrhundert Soldaten

und Zünfte zu Fuss und zu Pferd, grosse allegorische Carossen und

prachtvoll ausgestattete Schiffe und Musikcorps, welche in ähnlichen

Trachten die zeitgemässen Tonstücke spielen. Endlich sah ich auch den

Ausstellungsraum für das Jahr 1900 und nahm dort wahr, dass schon eine

immense Zahl von kolossal grossen Gebäuden errichtet wurde.

Nach 7 Uhr Abends fuhr ich mit dem Orientexpresszuge von Paris nach Wien

ab. Als ich dann _am 19. Juni_ in mein geliebtes Vaterland gelangte und

wieder unsere schönen bewaldeten Berge, die grünen Fluren, die heimlichen

Wohnräume, sowie die lieben, guten Landsleute gewahrte, dann erweiterte

sich das Herz in Freude und meine tiefen Gefühle gaben deutlich Zeugniss

davon, dass die Vaterlandsliebe in des Menschen Brust tief begründet ist.

Nach einer 24 stündigen Eisenbahnfahrt, also am 19. Juni, um 7 Uhr

Abends, langte ich in meinem geliebten Wien an und somit war meine Reise

beendigt.

Reiseauslagen und Reisepläne.

Nachfolgend gebe ich die Ausgaben genau specialisirt an, welche ich ohne

Einbeziehung der besonderen Einkäufe während der Reise gemacht habe, und

bemerke hierzu, dass die Auslagen in vielen Fällen, speciell in Bombay,

hätten bedeutend vermindert werden können.

Reise von Triest nach Japan.

27. Jänner bis 2. April Lloyddampfschiffahrt von Triest

nach Kobe mit 56 Tagen Verpflegung 357·-- fl. ö. W.

27. Jänner bis 2. April Getränke, Gäste und Bedienung

durch 56 Tage 72·-- "

1. bis 3. Februar in Port Said, dann 10. Februar in

Aden, Fahrten, Erfrischungen, Tropenkleider 21·-- "

18. Februar bis 1. März in Bombay, wie dort detaillirt

ausgewiesen, ohne besondere Einkäufe 230·-- "

11. März in Penang und 13. bis 16. März in Singapore,

Fahrten, Besichtigungen, Gäste 21·50 "

22. bis 23. März in Hongkong und 27. bis 30. März in

Shanghai, Fahrten, Besichtigungen, Theater,

Erfrischungen 30·50 "

----------------------

Summe der Auslagen 732·-- fl. ö. W.

2. bis 30. April _Aufenthalt in Japan_, wie dort

detaillirt ausgewiesen 364·-- fl. ö. W.

Rückreise von Japan nach Wien.

30. April bis 16. Mai Lloyddampfschiffahrt von Kobe

nach Singapore mit 16 Tagen Verpflegung 90·-- fl. ö. W.

30. April bis 16. Mai Getränke, Gäste und Bedienung

durch 16 Tage 32·-- "

7. bis 9. Mai in Hongkong, Fahrten, Besichtigungen,

Theater, Theehaus, Hôtel 1 Tag 13·-- fl. ö. W.

16. bis 19. Mai in Singapore, Fahrten, Uebersiedlung

vom Lloyd zum P and O-Dampfschiff, Hôtel 1 Tag 26·-- "

19. bis 25. Mai P and O-Dampfschiffahrt von Singapore

nach Colombo mit 6 Tagen Verpflegung 168·-- "

19. bis 25. Mai Getränke und Bedienung durch 6 Tage 14·-- "

25. bis 27. Mai in Colombo, Uebersiedlung vom Schiff

in's Hôtel und 2 Tage Hôtel 24·-- "

27. bis 28. Mai Eisenbahnfahrt mit Retourbillet

Colombo-Kandy und Kandy-Nuna oya, Kandy 1 Tag 30·-- "

28. bis 31. Mai in Nuwera Eliya Trinkgelder, Rückfahrt

Colombo, vom Bahnhof in's Hôtel 16·-- "

1. bis 2. Juni in Colombo, Fahrten, Rennen, Gäste,

Uebersiedlung vom Hôtel auf das Schiff und 2 Tage

Hôtel 45·-- "

2. bis 13. Juni Messagerie-Dampfschiffahrt von Colombo

nach Port Said mit 11 Tagen Verpflegung und

Getränke, Bedienung 504·-- "

12. Juni in Suez und 13. Juni in Port Said, Telegramme,

Fahrten 3·-- "

13. bis 17. Juni Messagerie-Dampfschiffahrt von Port

Said nach Marseille mit 4 Tagen Verpflegung 70·-- "

13. bis 17. Juni Beiträge zu Sammlungen und Bedienung

durch 4 Tage 8·-- "

17. Juni in Marseille, Uebersiedlung vom Dampfschiff

zum Bahnhof und Mahlzeit 10·-- "

17. bis 18. Juni Eisenbahnfahrt von Marseille nach Paris 50·-- "

18. Juni in Paris, Uebersiedlung vom Bahnhof in's Hôtel

und zum Bahnhof, Fahrten, Rennen, 1 Tag Hôtel 28·-- "

18. bis 19. Juni Eisenbahnfahrt von Paris nach Wien,

Schlafcoupé und Mahlzeiten 122·-- "

19. Juni in Wien vom Bahnhof in die Wohnung 3·-- "

----------------------

Summe der Auslagen 1252·-- fl. ö. W.

Verluste beim Beheben und Wechseln des Geldes.

Wechseln des Geldes in Shanghai und in Kobe 9·-- fl. ö. W.

Behebung des Geldes (1217 fl.) bei der Bank in Yokohama 33·-- "

Wechseln des Geldes in Hongkong und auf dem Schiff 5·-- "

Behebung des Geldes (1213 fl.) bei der Bank in Colombo 23·-- "

----------------------

Summe des Verlustes 70·-- fl. ö. W.

Totalauslagen.

Reise von Triest nach Japan 732·-- fl. ö. W.

Aufenthalt in Japan 364·-- "

Rückreise von Japan nach Wien 1252·-- "

Verluste beim Beheben und Wechseln des Geldes 70·-- "

----------------------

Summe der Totalauslagen 2418·-- fl. ö. W.

Dieser Betrag, auf die Zeit von fünf Monaten repartirt, ergibt für jeden

Monat circa 484 fl. ö. W. Die Höhe dieses Betrages ist hauptsächlich

durch den Wechsel der Schiffe und den Umweg über Marseille und Paris

entstanden.

Wenn ich nun nach den gemachten Erfahrungen noch einmal eine Reise nach

Indien, China und Japan machen wollte, so würde ich dieselbe nach einen

der beiden nachfolgenden Reisepläne unternehmen:

~A.~ Vom 23. October bis 16. November Lloyddampfschiffahrt von Triest

nach Bombay.

Vom 16. November bis 7. Jänner Besichtigung von Bombay, Eisenbahnfahrten

nach und Besichtigung von Delhi (Rom von Asien), Agra mit den herrlichsten

Bauwerken der Welt, Benares (Mekka der Indier), Calcutta (Sitz der

englischen Regierung) und Darshilling, reizend 7200 Fuss hoch auf dem

Himalaya gelegen.

Vom 7. bis 13. Jänner Lloyddampfschiffahrt von Calcutta nach Colombo.

Vom 13. Jänner bis 26. Februar Aufenthalt auf der Insel Ceylon.

Vom 26. Februar bis 27. März Lloyddampfschiffahrt von Colombo über

China nach Japan.

Vom 27. März bis 30. April Aufenthalt in Japan.

Vom 30. April bis 1. Juli Lloyddampfschiffahrt von Kobe über China und

Indien nach Triest.

Die Auslagen für diese 8¼ Monate währende Reise würden beiläufig

betragen:

Lloyddampfschiffahrt von Triest nach Kobe und zurück,

sowie von Calcutta nach Colombo sammt Verpflegung

nach dem allgemeinen Tarif mit 20% Nachlass für die

Hin- und Rückkarte mit neunmonatlicher Dauer circa 870 fl. ö. W.

Getränke und Bedienung für die ausgewiesenen 118 Tage

circa 150 "

Aufenthalte und Eisenbahnfahrten in Indien und Ceylon

für 96 Tage reichlich mit 18 Rupien = 14·40 fl. ö. W.

per Tag berechnet macht 1380 "

Aufenthalt in Japan, 34 Tage reichlich mit 12½ Yen =

15 fl. ö. W. per Tag macht 510 "

----------------------

Summe der Auslagen 2910 fl. ö. W.

Nach dem Officierstarif auf dem Lloyd vermindert sich der Betrag um 90 fl.

ö. W., mithin entfällt nach dem allgemeinen Tarif auf den Monat circa

353 fl. und auf den Tag 11 fl. 64 kr., nach dem Officierstarif auf den

Monat circa 342 fl. und auf den Tag 11 fl. 28 kr.

~B.~ Vom 23. October bis 16. November Lloyddampfschiffahrt von Triest

nach Bombay.

Vom 16. November bis 7. December Besichtigung von Bombay, Eisenbahnfahrt

nach und Besichtigung von Delhi, Agra, Benares, Calcutta und Darshilling

auf dem Himalaya.

Vom 7. bis 13. December Lloyddampfschiffahrt von Calcutta nach Colombo.

Vom 13. December bis 26. Jänner Aufenthalt auf der Insel Ceylon.

Vom 26. Jänner bis 3. Februar Lloyddampfschiffahrt von Colombo nach

Singapore.

Vom 3. Februar bis 7. März Aufenthalt in Singapore, Fahrt nach und

Aufenthalt in Bangkok, der Hauptstadt von Siam und Fahrt nach Singapore.

Vom 7. bis 27. März Lloyddampfschiffahrt von Singapore nach Kobe in

Japan.

Vom 27. März bis 30. April Aufenthalt in Japan.

Vom 30. April bis 1. Juli Lloyddampfschiffahrt von Japan über China und

Indien nach Triest.

Die Auslagen für diese ebenfalls 8¼ Monate währende Reise würden

beiläufig die gleichen sein, wie solche oben sub ~A~ angegeben wurden.

Kritik über die Vorbereitungen zur Reise.

Nun will ich noch das Eingangs erwähnte Gutachten über die von mir

getroffenen Vorkehrungen zur Reise abgeben.

Die Kenntniss und das Verständniss der englischen Sprache sind unbedingt

erforderlich, weil sonst der Genuss der Reise sich in hohem Grade

vermindern würde.

Reise über Indien und China nach Japan. Tagebuch mit Erfahrungen, um zu überseeischen Reisen und Unternehmungen anzuregen. · 第 18 / 19 段