Einen wesentlichen Vortheil bringt es den Reisenden, sich Vorschreiben zu

verschaffen und rechtzeitig die Ankunft in den zu berührenden Orten an

die zur Unterkunft gewählten Hôtels bekannt zu geben. Die vorhergehende

Lectüre von Beschreibungen der zu durchziehenden Länder ist sehr

angezeigt. Ich wählte hierzu: »Tagebuch meiner Reise um die Erde 1892/93

von Sr. k. u. k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Franz

Ferdinand«, die zwei Bände »Japan« von Baron Siebold, die zwei Bände

»Autour du monde« von Baron v. Hübner, und die zwei Handbücher

»Indien«, sowie »Japan« von Murray. Die Mitnahme eines Creditbriefes

für verschiedene, in den zu bereisenden Ländern etablirte Banken ist

geboten. Es sollte aber für die Erhebung von Geld ein allgemein giltiger

Abzug festgestellt werden, damit diese Banken nicht nach Willkür vorgehen

können.

Von den mitgenommenen Bekleidungssorten habe ich mit Ausnahme des

Klapphutes und des weissen Filzhutes im Laufe der fünf Monate jedes

einzelne Stück benöthigt. Den Cylinder und einige Paare Glacéhandschuhe

habe ich nur bei den officiellen Besuchen in Tokio gebraucht, weil in

den beschriebenen Ländern die Herren weder solche Hüte noch Handschuhe

tragen. Von den Oberkleidern hätte ich am ehesten die Jagdkleider und

den Jaquet-Anzug entbehren können. Betreffs der Unterkleider erscheint

es rathsam, so wie die Engländer Tags über leichte Flanell- und nur zum

Diner gesteifte Leinenhemden zu tragen. Es kann dann die Zahl der letzteren

im Vergleiche zu jener, die ich mitgenommen habe, verringert, dagegen muss

eine grössere Zahl der ersteren mitgenommen werden.

Für die Tropenländer habe ich in Port Said und in Bombay den Tropenhut,

weisse und färbige Leinenanzüge, Merinoleibchen, Leibbinden, weisse

Zeugschuhe und weissen Sonnenschirm angeschafft.

Jagdzeug ist nur dann mitzuführen, wenn ein längerer Aufenthalt in

Aussicht genommen ist und wenn für die Jagd entsprechende Vorkehrungen

getroffen werden. Desgleichen ist auch Bettzeug nur in dem Falle

erforderlich, wenn ein Eindringen in das Innere des Landes bevorstehen

sollte.

Eine bedeutende Ermässigung der Auslagen in den Städten kann durch

Erwerbung und Ausgabe der Hôtel-Coupons von dem Reisebureau Cook & Comp.

erreicht werden.

An Cigarren hätte ein Drittheil der beigeschafften Menge genügt, weil man

in den bezeichneten Ländern gute Cigarren zu mässigen Preisen erhalten

kann.

Von den mitgenommenen Medicinen habe ich in den fünf Monaten nur ein- oder

zweimal Soda, Fiakerpulver, Opium und Salicyl, dagegen öfter die Leinen-

und Flanellbandage sammt Kautschukpapier gebraucht.

Das Mitnehmen von hergerichteten Adressen, um selbe auf Ansichtskarten

zu kleben, hat sich nur theilweise vortheilhaft erwiesen, weil die

Postbehörden in Hinterindien und auch an manchen Orten in Japan Anstand

erhoben, solche Karten mit aufgeklebten Adressen zu expediren. Die Briefe

an die Reisenden sollen mit dem Namen derselben, ferner mit dem Namen

des Dampfers, auf welchem dieselben die Reise unternehmen, mit dem

Bestimmungsort und mit der Anweisung: »Agentur des Oesterreichischen

Lloyd« adressirt werden.

Das Versehen aller Gepäckstücke mit dem Namen des Besitzers ist sehr

wichtig und wird auf den Dampfschiffen gefordert.

Schlusswort.

So eine überseeische Reise verursacht eine unvergleichliche Freude, sie

regt den Geist lebhaft an und kräftigt den Körper. Es ist eine wahre

Lust, auf einem guten Dampfschiffe über das Meer hinzugleiten, wochenlang

die gesunde Meeresluft einzuathmen, den freien Ausblick nach allen

Richtungen auf den weiten Ocean und auf das Firmament in seinen

verschiedenartigen Gebilden zu geniessen, ferner sich nach Belieben frei

bewegen, lesen, schreiben, spielen und ruhen zu können, und endlich auch

durch gute Mahlzeiten behaglich erfrischt zu werden. Treten auch hie und da

Unannehmlichkeiten ein, sei es durch arges Schaukeln des Schiffes, sei es

durch abnorme Hitze, so werden diese doch leicht überwunden, einerseits in

der Betrachtung des schönen Bildes, welches das Meer eben dann darstellt,

wenn es vom Sturme aufgewühlt wird, und andererseits in dem Genusse der

erfrischenden Seewasser-Douchen und Wannenbäder.

Bereitet schon die Wasserfahrt ein hohes Vergnügen, so steigert sich

dasselbe in vielfältiger Weise und in erhöhtem Masse bei den Besuchen der

verschiedenen Handelsplätze durch Betrachtung, Beobachtung und Erforschung

der sich dort entfaltenden neuen Formen und Gestalten und des fremdartigen

Lebens; weiteres Eindringen in das Innere der Länder vermehrt nicht nur

dieses Vergnügen, sondern ist auch von hervorragendem Interesse.

Aber nicht nur Lust und Freude erzeugt das Reisen, sondern es kann auch die

Basis für einträglichen Erwerb, für ergiebigen Gewinn oder zur Erlangung

einer dauernden und werthvollen Lebensstellung werden, und zwar nicht

nur für Handels- oder Kaufleute, sondern auch für Aerzte, Ingenieure,

Techniker, Mechaniker, Chemiker oder Elektrotechniker. Auf diese Weise

wird sich die intelligente Bevölkerung, welche das Mutterland nicht immer

hinreichend beschäftigen und entlohnen kann, eine gedeihliche Thätigkeit

erwerben und dort mit den Waffen des Geistes und mit der Thatkraft der

Initiative nicht nur materielle, sondern auch ethische Erfolge erringen.

Der Reichsraths- und Landtagsabgeordnete Baron Kübeck spricht sich in

seinem am 28. März 1898 gehaltenen Vortrage über den überseeischen

Handel in dieser Hinsicht dahin aus, dass Oesterreichs innere Kraft nur im

lebhaften Wechselverkehr mit der Aussenwelt genährt und gestählt werden

kann, während sie durch Isolirung unter den heutigen Verhältnissen

verkümmern und verschrumpfen müsste. Rings um unsere Grenzen besteht

Rührigkeit in den Handelskreisen für den Welthandel, und nur bei uns

herrscht darin theils Unlust, theils Apathie. Es ist bekannt, dass heute

viele Erzeugnisse österreichischer Provenienz durch die Vermittlung

englischer oder auch deutscher Handelshäuser auf den transatlantischen

Markt und dort unter fremder Firma an den Mann gelangen. Unsere Consuln

wissen darüber sehr eingehende Schilderungen zu geben.

So wie überhaupt im Leben sich Lust und Unternehmungsgeist nur entwickeln

können, wo genaue Kenntniss und klares Verständniss in der angestrebten

Richtung vorhanden sind, so wäre es zur Belebung unseres Welthandels sehr

angezeigt, wenn von den grossen industriellen und mercantilen Häusern der

Monarchie geeignete Kräfte, die Lust und inneren Trieb dazu besitzen, in

die fernen Länder entsendet würden, welche dort die Verhältnisse für

Export and Import gewissenhaft zu recognosciren, die Handelsconjuncturen

zu erforschen, sowie etwa Verbindungen anzubahnen und hierüber ihren

Absendern genaue und erschöpfende Nachrichten zu geben haben. Daraus

werden sich die richtigen Folgerungen ableiten lassen, es werden in

günstigen Lagen sich Handlungshäuser oder Verkaufshallen etabliren und

gewinnbringend werden, und diese Häuser werden die Pflanzstätte bilden

für den Nachwuchs von tüchtigen Geschäftsleuten für den Welthandel.

Unser Consul in Hongkong ist, wie ich schon anführte, bereit, den

statistischen Nachweis zu liefern, dass sich die Kaufleute in der dortigen

Gegend binnen etwa 30 Jahren Vermögen erworben haben.

Es wäre dringend zu wünschen, dass die in unserer Bevölkerung noch von

altersher bestehende, ganz ungerechtfertigte Scheu gegen grosse Seereisen

behoben, dass in unseren industriellen und mercantilen Kreisen die

Wichtigkeit des Welthandels erfasst und dass bei denselben dafür ein

wetteifernder Unternehmungsgeist zur Thätigkeit gelangen würde.

Unsere Handelsmuseen informiren diese Kreise in allgemeinen Zügen über

die Bedürfnisse der weitabliegenden Völkerschaften, die von ihnen zur

Recognoscirung hinausgesendeten Agenten werden die näheren Aufklärungen

schaffen und unsere Consulate werden sie sicher in allen billigen Wünschen

unterstützen.

Es werden aber auch vom Staate und von Gesellschaften entsprechende

Massregeln zu treffen sein, um eine immer zahlreichere Bethätigung zu

ermöglichen und zu fördern, sowie um günstige Resultate zu erzielen.

Von solchen Vorkehrungen sollen nur nachstehende angedeutet werden: Die

Schulbildung und die Erziehung der Jugend sollte bei der Entwicklung des

Geistes und des Körpers die Anforderungen des praktischen Lebens mehr im

Auge behalten und ähnlich der englischen Manier nicht zu vielerlei lehren,

dafür aber dem Brotstudium mehr Gründlichkeit zuwenden, und schliesslich

sollte mit Rücksicht auf die überaus grosse Verbreitung der englischen

Sprache in der Welt auf die Erlernung dieser Sprache ein grosses Gewicht

gelegt werden.

Zur Erleichterung des Personen- und Frachtenverkehres aus dem Innern des

Reiches zu den Häfen sollten insbesondere die Tarife der Süd- und der

Nordbahn ermässigt werden, aber auch alle übrigen Bahnen sollten die

heutigen enorm hohen Transportkosten des Reisegepäckes herabsetzen,

und endlich sollten bei den Zollauslagen die bedeutenden Nebengebühren

entfallen, sowie bei den Zollämtern ein ähnlich coulanter Vorgang geübt

werden, wie er zumeist bei den Postämtern besteht. Die österreichischen

und ungarischen Dampfschiffahrtsgesellschaften, in dem vorliegenden Falle

der Lloyd, werden einem ausgedehnteren Handelsverkehr Rechnung zu tragen,

für den Transport der Waaren nach aus- und einwärts einen gleichmässig

billigen Tarif aufzustellen und nach Bedarf die Schiffszahl zu vermehren

haben.

Zur Erweiterung des Verkehres auf dem Meere würde es sich auch empfehlen,

den Schiffbau in unseren Küstenländern, namentlich in Dalmatien, zu

unterstützen und zu fördern.

Auf die Nothwendigkeit unserer Rüstung für den immer drohender werdenden

Kampf gegen die überseeische Concurrenz wurde schon häufig hingewiesen

und dabei hervorgehoben, dass zur erspriesslichen Betheiligung an dem

Welthandel eine mächtige Kriegsflotte erforderlich wäre. Heute ist in den

beschriebenen Ländern Asiens der Bestand der österreichisch-ungarischen

Monarchie nur wenig bekannt. Werden sich aber künftig in den

Handelsplätzen häufig Kriegsschiffe unter unserer Flagge zeigen, so wird

das Ansehen der Monarchie dort sehr wachsen, unsere Consuln werden eine

einflussreichere Stellung einnehmen, wenn sie auf die ehernen Zungen der

Kriegsschiffe hinweisen können, und ebenso wird den Handelshäusern,

Kaufleuten und Handelsschiffen eine bedeutende moralische Unterstützung

geboten werden, wenn ihnen die Macht des Vaterlandes schützend zur Seite

steht.

Was nun die Erwerbung eines entsprechenden Gebietes in jenen Ländern

und die Gründung einer Niederlassung daselbst anbelangt, so ist es

wohl fraglos, dass die Bildung eines maritimen Stütz- und

Verproviantirungspunktes zur weiteren belebenden Anregung für den

auswärtigen Handel sehr förderlich wäre.

Es erscheint demnach aus Gründen der allgemeinen und individuellen

Wohlfahrt unbedingt geboten, dass seitens der österreichischen und

ungarischen Bevölkerung die Initiative ergriffen wird, welche sich in

zahlreichen Reisen nach den überseeischen Ländern und in der

Entwicklung von Unternehmungen äussern müsste, dass die Eisenbahn- und

Dampfschiffahrtsgesellschaften zu ihrem eigenen Vortheile die Bewegungen

bestens erleichtern, und dass der Staat zur Ausdehnung und Kräftigung der

Weltwirthschaft mit seiner vollen Macht unterstützend eingreife.

Und so schliesse ich mein bescheidenes Tagebuch über die Erlebnisse,

Wahrnehmungen und Eindrücke meiner ebenso genuss- als lehrreichen Reise,

und ich hege hierbei nur den innigen Wunsch, dass diese Blätter dazu

dienen mögen, bei meinen Landsleuten die Reiselust zu wecken und den

Unternehmungsgeist mächtig zu fördern. Sollte ich zu dieser grossen,

für die geistige und materielle Entwicklung, sowie für die Machtstellung

unseres geliebten Vaterlandes überaus wichtigen Aufgabe ein kleines

Scherflein beitragen, so wäre ich wohl für alle Mühe und allen Fleiss,

welchen ich bei der Zusammenstellung meiner Reisebeschreibung aufwandte,

reichlich belohnt!

[Illustration]

[Hinweise zur Transkription

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden

Ausnahmen:

der Halbtitel wurde entfernt;

das Inhaltsverzeichnis sowie eine Kartenskizze wurden vom Buchende an

den Textbeginn verschoben;

Seite 5:

"Tropenkeider" geändert in "Tropenkleider"

(An Tenniskleidern, auch als Tropenkleider zu benützen)

Seite 15:

"ägyptschen" geändert in "ägyptischen"

(Bewilligung hierzu seitens der ägyptischen Regierung)

Seite 18:

"Pord" geändert in "Port"

(Die Strecke von Triest nach Port Said)

Seite 24:

"häuptsächlich" geändert in "hauptsächlich"

(3000 Seelen auf Europäer, hauptsächlich Engländer, entfallen)

Seite 34:

"Jokeys" geändert in "Jockeys"

(Die Jockeys waren zum grossen Theile Einheimische)

Seite 40:

"seinem" geändert in "seinen"

(Malabar Hill mit seinen schönen Bungallows)

Seite 40:

"Gymkhara" geändert in "Gymkhana"

(an den Spielplätzen (Gymkhana) für die Parsen)

Seite 65:

"Kriegschiffes" geändert in "Kriegsschiffes"

(machte ich Toilette und begab mich an Bord unseres Kriegsschiffes)

Seite 70:

"," eingefügt

(durch seine goldgestickten bunten Kleider, durch vier)

Seite 79:

"sparch" geändert in "sprach"

(der Capitän die englische Sprache geläufiger sprach als ich)

Seite 79:

"Gässen" geändert in "Gassen"

(welches in den engen Gassen herrscht)

Seite 85:

"Shangai" geändert in "Shanghai"

(in der Schilderung meines Aufenthaltes in Shanghai beschrieb)

Seite 85:

"sowie" geändert in "so wie"

(dass sie so wie Osaka sehr schmale Strassen hat)

Seite 102:

"goldbedresste" geändert in "goldbetresste"

(Bediente haben dann und wann goldbetresste Cylinder)

Seite 105:

"Pölstern" geändert in "Polstern"

(sitzen auf Polstern nebeneinander junge japanische Mädchen)

Seite 119:

"Cens" geändert in "Cents"

(Yen Cents   fl. kr.)

Seite 137:

"Schiffsoffieren" geändert in "Schiffsofficieren"

(dankte ich noch dem Schiffscapitän und den Schiffsofficieren)

Seite 140:

"demselben" geändert in "denselben"

(sah ich mich genöthigt, denselben gleich mitzutheilen)

Seite 175:

"Singapora" geändert in "Singapore"

(Vom 3. Februar bis 7. März Aufenthalt in Singapore)]

Reise über Indien und China nach Japan. Tagebuch mit Erfahrungen, um zu überseeischen Reisen und Unternehmungen anzuregen. · 第 19 / 19 段