Der Nachmittag brachte eine ganze Reihe von Unterhaltungen. Vorerst fuhr

ich mit Herrn Dumaresq-Thomas in eine Thee-Factorei, weil es mich sehr

interessirte, die Bearbeitung des Thees kennen zu lernen. Es werden in

geräumigen luftigen Sälen auf reihenweise übereinander gespannten

Flanellagen die von den Theesträuchern abgenommenen Blätter gelegt und

halb getrocknet. Dann gelangen diese halbgetrockneten Theeblätter in

eine Maschine, welche dieselben zusammenrollt, und hierauf werden diese

gerollten Blätter in einen Betrieb gebracht, in welchem dieselben mehr und

mehr erhitzte Räume passiren. Nun wird dieser vollkommen getrocknete und

hiermit fertige Thee noch maschinenmässig nach der Grösse sortirt, dann

in sehr grosse Metallgefässe gepresst und schliesslich in die von England

bezogenen Kisten verpackt. Da die jungen, kleinen Blätter einen höheren

Werth haben als die alten grossen, so hat der Factorei-Besitzer auch

eine Schneidemaschine zur Benützung gestellt, wo die zu grossen, schon

gerollten Theeblätter in kleinere Formen geschnitten werden.

In der Factorei, in welcher ich war, werden in der trockenen Zeit täglich

3000-4000 Pfund, in der nassen Monsumzeit aber in drei Tagen nur 6000 Pfund

Theeblätter verarbeitet. Hierzu will ich noch bemerken, dass man aus 4000

Pfund grünen Blättern etwa 1000 Pfund Thee erzeugt.

Dann besichtigte ich mit Herrn Thomas die anliegende Theepflanzung. Die

ganz jungen, von Natur aus gerollten Blätter des Theestrauches liefern den

besten Thee, je grösser und stärker aber die Blätter werden, um desto

mehr vermindert sich der Werth des Thees. Der Theestrauch bringt kleine,

weisse Blüten hervor; die Frucht, der Same ist grün und kugelförmig und

hat etwa 1½ ~cm~ im Durchmesser. Dem Ansetzen der Frucht wird entgegen

gearbeitet, weil fruchttragende Sträucher weniger Blätter ansetzen.

Von dieser Theeplantage fuhren wir in den Herrenclub, wo ich den Master der

Elkjagd kennen lernte und von ihm eingeladen wurde, die am nächsten

Tage, den 31. Mai, stattfindende Jagd, die letzte in dieser Saison, da am

1. Juni die Schonzeit eintritt, mitzumachen. Ich sagte mit Vergnügen zu.

Dann machte ich dort mit Herrn Thomas eine Verlaufbillardpartie, welche ich

respectabel verlor.

Sonach fuhren wir in ein anderes Clublocal, in welches auch Damen Zutritt

haben, und in welchem sich die grossen Spielplätze für Fussball, Criquet,

Croquet und Tennis befinden und auch ein Saal für das Balminsterspiel

hergerichtet ist. Dort trafen wir verabredeterweise die Frau und die

Schwägerin des Herrn Thomas, die auf Bicycles hingekommen waren. Wir

spielten vorerst Balminster, eine Art Federballspiel über ein hoch

gespanntes Netz, worin ich mich unter den anderen Spielern als Meister

erwies. Dann spielten wir Croquet, wo ich aber aus dem Grunde weit

zurückblieb, weil ich dieses Spiel schon seit 20 Jahren nicht mehr

gespielt habe und an die dort eingeführten, sehr schweren Croquetschläger

nicht gewohnt war. Ein plötzlich eintretender Monsum-Regenguss machte dem

Spiele bald ein Ende. Tennis konnte des aufgeweichten Bodens halber nicht

gespielt werden. Auf diese Weise war der Nachmittag recht unterhaltend

vergangen. Wir fuhren heim. Da theilte mir Herr Thomas mit, dass in zwei

Tagen in Colombo die Pferderennen beginnen, dass somit bei dem grossen

Zuzug von Familien aus dem Innern des Landes das Hôtel überfüllt sein

werde und dass er deshalb gleich an den österreichisch-ungarischen Consul

telegraphiren wolle, mir ein Zimmer im Hôtel sicherstellen zu lassen.

Auch dieser Vorfall zeigt, welche Aufmerksamkeit Herr Dumaresq-Thomas mir

zuwendete.

Nach dem vortrefflichen Diner und einer kurzen Whistpartie ging ich bald

zur Ruhe, da wir am anderen Tage schon um 6 Uhr frühstücken und

um 6¼ Uhr Früh wegfahren mussten, um rechtzeitig bei dem Meet zu

erscheinen.

_Am 31. Mai_ langten wir ungeachtet des wieder eingetretenen schlechten

Monsumwetters um 7 Uhr Früh zum Meet bei den Moonplains am Fusse der

Patnasberge an. Die Moonplains sind in Ceylon dadurch berühmt geworden,

weil unter den tiefen Wassertümpeln, die sich in dem kleinen Thale

befinden, die sogenannten Mondsteine ausgegraben werden.

Einige Zeit später erschienen der Master der Jagd, sowie auch die

Hundsmänner mit zwölf Koppeln (24 Stück) Hunde. Diese Hunde waren

von verschiedenen Racen, und zwar vom Foxterrier bis zum Hirschhund.

Die letztgenannten Hunde werden an der Kette geführt und erst dann

losgelassen, wenn der Elk von den anderen Hunden gestellt worden ist. Dann

stürzt sich der Hirschhund auf den Elk und haltet ihn fest, bis der Jäger

denselben mit dem Waidmesser killt. Es sollen aber bei diesem Stellen und

Killen des Elks schwere Verletzungen von Hunden nicht selten und selbst

Todesfälle von Jägern vorgekommen sein. Der Elk ist, wie gesagt, ein

Hirsch mittlerer Gattung, kommt im Geweih nicht über den Sechsender

hinaus, ist aber sehr kräftig und zähe.

Die Hunde wurden nun losgekoppelt, erkletterten rasch die Lehne und eilten

in die von dort aus sich weit auf- und abziehenden Dschungeln in der Suche

nach einem Elk. Ich ging über Einladung des Jagdmasters mit demselben und

auch Herr Thomas schloss sich uns an, während die übrigen Jagdtheilnehmer

in verschiedenen anderen Richtungen den Hunden in die Dschungeln

nacheilten. Auch wir erkletterten den Hang und drangen in die Dschungeln

ein. Bald darauf hörten wir aus dem Laut der Hunde, dass dieselben einen

Elk aufgestöbert hatten. Nun liefen wir, so schnell es in den Dschungeln

bergauf und bergab gehen konnte, in einer Richtung vorwärts, in welcher

wir den Elk anzutreffen hofften. Dann blieben wir zeitweilig an kleinen,

dschungelfreien Stellen momentan stehen, um aus dem Laut der Hunde die

Direction zu erkennen, in welcher der Elk weiter vorläuft; hierauf ging

es wieder kopfüber in die Dschungeln hinein. Ich wurde von einer Art

Jagdfieber ergriffen und kämpfte mich laufend durch die dichtesten

Dschungeln durch, glitt auf dem nassglatten Boden aus, stolperte über

liegende Aeste, zerkratzte mir Gesicht und Hände und fiel verschiedene

Male gewaltig hin; doch beachtete ich dies kaum und lief nur dem

vorauseilenden Master nach. Bald ging es vorwärts, bald nach rechts, bald

nach links oder auch nach rückwärts, sowie es den Anschein hatte, dem Elk

nahe zu kommen. Nachdem wir uns mühsam über eine Stunde in den Dschungeln

durchgearbeitet hatten, wurden die Hunde nach und nach still, und dies

bewies, dass sie den Elk momentan verloren hatten. Wir gingen nun wieder

auf eine dschungelfreie Stelle, wo man aufrecht stehen konnte, um dort

den weiteren Fortgang der Jagd zu erwarten. Da kam auch Herr Thomas zu

uns heran, nachdem er sich im Verlauf der Jagd von uns getrennt und eine

selbstgewählte Richtung eingeschlagen hatte, und erzählte, dass dort,

wo er vorausgeeilt war, ein Elk auf ihn zugekommen sei, den er mit einem

Seitensprung an sich vorbeitrollen liess, und dass er denselben hätte

killen können, wenn er ein Jagdmesser bei sich gehabt hätte.

Nun ging ich mit Herrn Thomas, mich von dem Master trennend, in eine

andere Richtung vor, wo nach Thomas' Meinung Aussicht war, dass ein Elk

vorbeikommen werde. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde bald dahin, bald

dorthin geeilt waren, hörten wir plötzlich auf einer offenen Anhöhe,

etwa 500 Schritte von uns entfernt, die Hunde im tollen Laufe Laut geben.

Dort wurde also der Elk von den Hunden aus den Dschungeln herausgetrieben,

und nun ging es mit Aufbietung aller Kräfte im Laufschritt hinauf auf

die Höhe. Als wir dort anlangten, waren der Elk und hintendrein die Hunde

schon über die Höhe und von dort auf die jenseitige bewaldete Anhöhe

gelaufen. Also jetzt vorwärts längs der Lehne, dann hinunter in das

Thal, dort durch morastigen Grund bis an die an der jenseitigen Lehne sich

hinziehende Strasse. Das war eine harte Arbeit. Herz und Lunge pochten

und keuchten zum Zerspringen, und der Schweiss rann in Verbindung mit dem

Wasser des strömenden Regens gemeinsam herab. Auf der Strasse fanden wir

den Master und noch andere Jagdtheilnehmer, mit welchen besprochen wurde,

die Jagd auf dem vorliegenden Berge fortzusetzen. Es ging also wieder

hinauf und oben kreuz und quer, und dort begegneten wir einem Jagdgenossen,

welcher einen der Hirschhunde an der Kette mit sich führte. Es schien

aber, dass die Jagd zu Ende gehen werde, weil in keiner Richtung mehr

ein Lautgeben der Hunde zu vernehmen war. Und so stiegen wir jenseits des

Berges wieder thalab, bis zu der dort befindlichen Strasse, wo wir dann

einen grossen Theil der Jagdtheilnehmer antrafen. Die Hunde hatten die Spur

des Elks verloren und so musste die Jagd nach mehr als dreistündiger Dauer

resultatlos geschlossen werden.

Herr Dumaresq-Thomas liess nun die auf der Strasse der Jagd beiläufig

nachgefolgten Rikschas herbeiholen, und wir fuhren, nachdem ich noch dem

Master meinen Dank für seine Einladung ausgesprochen hatte, heimwärts.

Lange aber hielten wir das Fahren nicht aus, denn bei unserer totalen

Durchnässung wurde uns zu kalt, und so stiegen wir aus und gingen noch 4

oder 5 ~km~ bis zum Astley-House zu Fuss. Dort thaten mir ein tüchtiger

Schluck heissen Wassers mit Whisky, ein heisses Bad, tüchtiges Frottiren

und frische Kleidung ausserordentlich gut, so dass ich mich dann voll

Wohlbehagen fühlte.

Nach dem Tiffin machte ich mit den Damen noch eine nette Whistpartie und

nach dem Diner rüstete ich mich zur Abreise. Der liebenswürdige Herr

Dumaresq-Thomas begleitete mich bis nach Colombo.

Drei Tage habe ich in dem Hause des Herrn Thomas geweilt und hier das erste

Mal das innere Leben einer englischen Familie kennen gelernt, und davon bin

ich geradezu entzückt. Ein wahrlich guter Ton, ein ruhiges, heiteres Wesen

und angenehme Umgangsformen breiten über das Haus ein einnehmendes und

anmuthiges Wesen aus. Die Frau des Hauses besorgt ohne Unterlass den ganzen

Tag in friedfertiger Ruhe die Haushaltung, sie lehrt und überwacht

ihr Gesinde, controlirt die Einkäufe, leitet die Mahlzeiten u. s. w.

Nachmittags sitzen die Damen in traulicher Weise bei einander und sind an

der Anfertigung ihrer Toiletten u. s. w. beschäftigt, und Abends nach

dem Diner vereinigt eine gemüthliche Whistpartie die Familienmitglieder.

Dabei ist die Frau des Hauses stets von Anmuth und liebenswürdiger

Heiterkeit erfüllt. Der Herr des Hauses ist immer zuvorkommend und

sehr artig, und erfüllt im Uebrigen seine Functionen in Bezug auf seine

Besitzungen und als Repräsentant seines Hauses. Die Tage, welche ich im

Astley-House auf der paradiesischen Insel Ceylon zugebracht habe, gehören

zu den schönsten Momenten während meiner fünfmonatlichen Reise.

D. Eisenbahnfahrt von N. Eliya nach und Aufenthalt in Colombo.

Auf dem Bahnhofe in Nuna oya zahlte ich auf meine Retourkarten eine

Kleinigkeit auf, um im Waggon ein Bett hergerichtet zu erhalten, und so

schlief ich recht gut, bis ich am _1. Juni_ um 6 Uhr Früh in

Colombo anlangte. Auf dem dortigen Bahnhofe verabredete ich mit Herrn

Dumaresq-Thomas das Zusammentreffen auf dem Rennplatze bei Colombo und lud

ihn, da er am 1. Juni nicht zu mir in's Hôtel zum Diner kommen konnte,

für den 2. Juni zum Tiffin ein. Hierauf übergab ich dem in Folge des

Telegrammes auf dem Bahnhofe erschienenen Diener des Grand Oriental-Hôtels

meinen Gepäcksschein, fuhr in einem Miethwagen in's Hôtel und der Diener

führte mir mein Gepäck in einem mit zwei Ochsen bespannten Wagen nach.

Solche Ochsenwagen und auch Personenmiethwagen, welche mit Ochsen bespannt

sind, gibt es in allen Städten von Indien und von Ceylon. Diese Ochsen

sind, wie schon erwähnt, klein, haben einen sehr hohen Widerrist und gehen

auf längere Strecken in ununterbrochenem Trab vorwärts.

Im Hôtel wurde mir ein Brief übergeben, welcher die Antwort der

Lloyddirection in Triest auf mein Schreiben aus Bombay enthielt. Ich hatte

nämlich gebeten, mir eine combinirte Fahrkarte zukommen zu lassen, und

zwar für die Fahrt von Kobe bis Colombo und von Port Said nach Triest

auf den Dampfern des Lloyd, und von Colombo nach Port Said auf dem

Dampfer einer anderen Gesellschaft, und erhielt nun die Antwort, dass

die Lloyd-Dampfschiffahrtsgesellschaft mit keiner andern

Dampfschiffahrtsgesellschaft im Verbanddienste stehe, dass aber die

auswärtigen Lloydagenten mir bei dem Lösen der Karten der andern

Gesellschaft nöthigenfalls behilflich sein werden. Auf diesen

letztbezeichneten freundlichen Antrag bin ich aber nicht eingegangen, weil

die Erfahrungen bei den Lloydagenturen in Kobe, in Hongkong, in Singapore

und in Colombo mir nicht die Ueberzeugung verschafft haben, dass die

Passagiere des Lloyd dort so eingehende Rathschläge und so

zuvorkommende Unterstützung finden werden, wie solche sicher bei der

Lloyd-Generalagentur in Bombay jedem Passagier zu Theil werden.

Bei unserem Consul Schulze, welchem ich einen Besuch machte, erfuhr ich,

dass das Rennen Nachmittags um 4 Uhr beginnen werde. Von dort fuhr ich

in Begleitung des Consulatssecretärs zur Agentschaft der

P and O-Dampfschiffahrtsgesellschaft, um dort wegen des in Verlust

gerathenen Gepäckstückes nachzufragen. Als mir der Agent mittheilte, dass

ungeachtet der sorgsamsten Nachforschung dieses Collo nicht vorgefunden

werden konnte, eröffnete ich ihm, dass zwei Zeugen vorhanden seien, welche

in Kenntniss davon sind, dass das Gepäckstück mit den alten Waffen auf

den Dampfer ^Coromandel^ gekommen ist, und zwar: der Hôtelier Hassner

vom Hôtel Adelphi in Singapore und der Gepäcksofficier vom Dampfer

^Coromandel^, und dass ich für den Fall, als das Collo mir nicht bald

nachgesendet werde, die weiteren Schritte zu unternehmen willens sei. Nun

bat der Agent, ihm eine geschriebene Klage einzuhändigen, da er dieselbe

an die Direction der P and O-Gesellschaft nach London senden wolle, damit

von dort aus die weitere Nachforschung und die Verfügung zur Austragung

dieser Angelegenheit getroffen werde. Diese Zuschrift habe ich später

gemacht und dieselbe durch die Gefälligkeit des Consulatssecretärs in

die englische Sprache übertragen und expediren lassen. Nun will ich hier

gleich mittheilen, dass ich zwei Monate später das Gepäckstück von

London aus erhalten habe, dass aber der Inhalt theilweise beschädigt war,

und mir daraus namhafte Transportsauslagen erwachsen sind.

Dann fuhr ich auf Anempfehlung des Consulatssecretärs in das Lagerhaus des

Kaufmannes Telleri, welcher ein Landsmann aus Oesterreich-Ungarn sein soll,

um dort irgend etwas von seinen Schmuckwaaren oder Curiositäten zu kaufen.

Da aber die Preise der Waaren bei Tellerie beiläufig die doppelte Höhe

der ähnlichen Gegenstände in Hongkong oder in Japan betrugen, so kaufte

ich nur wenige Kleinigkeiten. Dort wurde mir mitgetheilt, dass sich

eben vor kurzer Zeit noch ein Oesterreicher zum Zwecke des Verkaufes

von Schmuckwaaren etablirt hatte. Ich fuhr nun auch dorthin und fand die

Aufschrift »Moonshine«, zu deutsch »Mondschein«, und beurtheilte den

Verkäufer für einen Galizianer. Er besass noch wenige Artikel und so

kaufte ich bei ihm nur wenige der in Ceylon heimischen »Mondsteine« zu

mässigen Preisen. Endlich fuhr ich dann noch in die Arcade nächst

dem Grand Oriental-Hôtel, um bei den dort etablirten Juwelieren die

Schmuckgegenstände mit den berühmten Ceylon-Edelsteinen zu besichtigen.

Dort war ich bei wenigstens acht solchen Juwelenhändlern, welche

sämmtlich aus ihren Gewölben herausgelaufen waren, um mich zur Ansicht

ihrer Waaren zu bewegen, und nahm bei Allen wahr, dass sie von ihren

gestellten Preisen um die Hälfte und noch mehr herabgingen.

Nach dem Tiffin wollte ich gelegentlich der Fahrt zum Rennplatz in die

Villa des Consuls Schulze fahren, um dort seiner Frau noch einen Besuch

zu machen, doch konnte der Kutscher, welcher vorher gesagt hatte, er wisse

genau, wo die Villa stehe, nicht hinfinden, und so fuhr ich dann weiter

auf den Rennplatz. Die Kutscher und die Rikschas sind in Colombo sehr

unverlässlich. Dieselben sagen stets beim Einsteigen, sie kennen die ihnen

angegebene Adresse, dann fahren sie eine Zeit lang herum und schliesslich

gestehen sie, dass sie nicht wissen, wohin sie fahren sollen. Sie thun

dies, um sich einen Fuhrlohn zu erwerben.

Der Rennplatz ist gut angelegt und wird in sehr gutem Stand erhalten. Die

Pferde gehören einer besseren Classe an als jene, die ich bei den Rennen

in Bombay, und einer weit besseren Classe als jene, die ich auf dem

Rennplatze in Yokohama sah, denn in Colombo waren gute und schöne, auch

aus England importirte oder nach englischen Pferden gezüchtete Rennpferde

auf dem Platze erschienen.

Das Rennen gehörte zu den kleinen Racen, während das Hauptrennen im

Herbste stattfindet. Es wurden am 1. Juni sieben Items auf flacher Bahn

mit den Distanzen von etwas über und etwas unter einem Kilometer geritten.

Im Allgemeinen wurde sowohl von den Herren, als auch von den Jockeys gut

geritten, wenn auch keinesfalls in jenem Stil und mit jener Eleganz, wie

wir sie bei unseren Officiersrennen zu sehen gewohnt sind.

Auf dem Rennplatze traf ich den Consul Schulze, Herrn Dumaresq-Thomas und

die beiden deutschen Herren, welche sich mir in Kandy vorgestellt hatten.

Ich lud den erstgenannten Herrn für den folgenden Tag zum Tiffin ein,

wozu ich schon Herrn Thomas geladen hatte, und ich unterhielt mich während

dieses Sportfestes recht gut.

Das Diner nahm ich dann im Hôtel in der Gesellschaft des Herrn

v. Blücher und seines Freundes ein und ging frühzeitig zur Ruhe.

_Am 2. Juni_ erhielt ich von der Agentie der Messagerie maritime die

Nachricht, dass der Dampfer ^Australien^ schon um 4 Uhr Nachmittags

abfahren werde, und so musste ich gleich die nöthigen Vorkehrungen für

die Abreise treffen. Um 1 Uhr Mittags kamen meine Gäste Thomas und

Schulze zum Tiffin, und verlief dasselbe in sehr animirter Stimmung. Der

erstgenannte Herr lud mich noch beim Abschiede sehr freundlich ein, im

nächsten Winter, in der Zeit von December bis April, auf mehrere Wochen

zu ihm zu kommen, auch meinen Sohn mitzubringen, und wenn ich nicht kommen

sollte, so möge doch mein Sohn ihn besuchen.

Mein siebentägiger Aufenthalt auf der Insel Ceylon hat mich

ausserordentlich befriedigt, und wenn ich somit dem allenthalben

landläufigen Dictum mich anschliesse, dass Ceylon das Paradies der Welt

sei, so hat hierzu mein Aufenthalt im Astley-House sehr viel beigetragen.

Nach 3½ Uhr fuhr ich mittelst Wagen und dann mittelst Kahn zum Dampfer

^Australien^. Bei dieser Gelegenheit will ich eine dort eigene Art von

Kähnen besprechen. Der Kahn ist so schmal gebaut, dass darin nur eine

Person der Breite nach sitzen kann, ausserdem ist der Kahn sehr lang

und hat senkrecht aufstehende Seitenwände, welche weit über das Wasser

hinaufreichen. Um diesem Kahn Stabilität zu geben, verbinden ihn an einer

Seite zwei lange, gebogene Hölzer, mit einem gleichlaufend mit demselben

auf der Wasseroberfläche schwimmenden Stamme. Dieser Kahn nimmt nebst

den zwei Ruderern noch zwei Personen auf und fährt pfeilschnell über das

Wasser hin.

[Illustration]

Auf dem Dampfer ^Australien^ angelangt, übergab ich persönlich dem

Gepäcksofficier meine im Gepäcksraume unterzubringenden Effecten, und

stand nur aus dem Grunde von der Ausstellung eines Scheines ab, weil der

Officier mir für die richtige Abgabe garantirte.

Auf dem Dampfer zeigte es sich, dass derselbe noch bis Abend mit Aufnahme

von Kohle zu thun habe, und dass somit die Abfahrt erst spät Abends

stattfinden wird. Die von der Messagerie-Agentie ausgegebene Nachricht

von dem früheren Abgang des ^Australien^ war demnach unrichtig und es

hat dieser Mangel an Voraussicht des Agenten mir leider die Möglichkeit

benommen, Nachmittags einem grossen Criquetmatch beizuwohnen, zu welchem

ich eingeladen war.

Auf dem Schiffsdeck wurde ich wieder von Schmuckhändlern, welche mit ihren

Waaren auf den Dampfer gekommen waren, überlaufen, und sie überflutheten

mich mit den Lobpreisungen ihrer Schmuckgegenstände und Edelsteine.

Scherzweise drückte ich die gestellten Preise sehr stark herab und so

musste ich dann, weil die Händler auf die niedrigen Preise eingegangen

waren, noch einige Schmucksachen kaufen.

Eben zu dieser Zeit, als ich auf dem ^Australien^-Deck stand, um die

Abfahrt dieses Schiffes aus dem Hafen von Colombo zu sehen, wurde ich

gewahr, dass der Lloyddampfer ^Marquis Bacquehem^, welchen ich am 18. Mai

in Singapore verlassen hatte, in den Hafen von Colombo einlief.

Fahrt von Colombo nach Port Said.

_Am 2. Juni_ Abends fuhr ich auf dem Dampfer ^Australien^ der

französischen Dampfschiffahrt Messagerie maritime von Colombo in

westlicher Richtung ab, an dem Südcap von Vorderindien vorbei und quer

durch den Indischen Ocean gegen den Golf von Aden. Von dort hatte der

Dampfer durch das Rothe Meer und hierauf durch den Suez-Canal zu fahren,

und sollte nach zehn Tagen, also am 12. Juni, in Port Said eintreffen.

Mir wurde eine Cabine mit zwei Betten zugewiesen. Diese war aber kleiner

und schmäler als die Cabinen auf den Lloyd- und auf den P and O-Dampfern

sind. Für die Fahrkarte erster Classe hatte ich, wie schon gesagt, von

Colombo bis Port Said 500 fl. ö. W., d. i. für jeden Tag 50 fl. zu

zahlen, während die Fahrkarte erster Classe von Colombo bis Marseille

570 fl. ö. W., d. i. für jeden der 14½ Tage Fahrtzeit 40 fl.,

kostet. Wenn auch die Dampfer der Messagerie maritime schneller fahren als

die Dampfer der übrigen Gesellschaften, und weiter berücksichtigt

wird, dass auf diesem Dampfer das Getränk zu den Mahlzeiten kostenlos

beigestellt wird, so sind die Preise doch verhältnissmässig sehr hoch.

Auf dem Dampfschiffe der P and O-Gesellschaft hatte ich, wie seinerzeit

angeführt, für sechs Tage Fahrt 168 fl. ö. W., d. i. für den Tag

28 fl. ö. W., zu zahlen.

Um sich ein Bild über die Fahrtverhältnisse bei den verschiedenen

Dampfschiffahrtsgesellschaften zu machen, folgt nachstehend eine

Zusammenstellung der approximativen Fahrtgeschwindigkeit und der

Fahrpreise erster Classe auf den Dampfern der vier hervorragendsten

Dampfschiffahrtsgesellschaften. Bei der Fahrtgeschwindigkeit sind die

Aufenthaltszeiten eingerechnet. Für die Preise erster Classe werden die

Fahrt, die Unterkunft in der Cabine, fünf Mahlzeiten, Beleuchtung, Bad

u. s. w. geboten; auf den Dampfern der Messagerie auch die Getränke zu

den Mahlzeiten.

=================================++===========+===========+==============

|| Seemeilen | Preis per | Preis für

Dampfschiffahrtsgesellschaft || per Tag | Tag in | 100 Seemeilen

|| | fl. ö. W. | in fl. ö. W.

=================================++===========+===========+==============

Messagerie maritime || 350 | 40·-- | 11·43

|| | |

P and O || 277 | 28·-- | 10·11

|| | |

Norddeutscher Lloyd || 280 | 25·50 | 9·11

|| | |

|Schnelldampfer || 294 | 30·-- | 10·20

Oesterreichischer| || |……………………………………………………………………

Lloyd | || | für vereinte erste und

|Gewöhnlicher || | zweite Classe

| Dampfer || 166 | 8·50 | 5·12

Ein sehr verdienstvolles Werk wäre es, wenn Jemand ein Coursbuch für den

Personenverkehr der bedeutenden Dampfschiffahrtsgesellschaften herausgeben

würde, aus welchen die Fahrtzeiten und die Preise entnommen werden

können, wie solche Bücher für die Eisenbahnzüge bestehen. Cook

gibt wohl ein ähnliches Buch heraus, es sind aber in demselben nur die

Fahrtzeiten und nicht die Preise angegeben.

Ueber die Fahrt von Colombo nach Port Said werde ich gleich die gesammten,

während der Fahrt erhaltenen Eindrücke anführen, und werde dann für die

einzelnen Tage nur die besonderen Ereignisse anfügen.

Die Reinlichkeit auf dem französischen Dampfschiffe ^Australien^ war

sowohl im Allgemeinen als auch in den Cabinen viel geringer als jene auf

den Schiffen des Oesterreichischen Lloyd und der P and O-Gesellschaft.

Bei der letztgenannten Gesellschaft besteht die sehr gute Gepflogenheit,

dass der Schiffscapitän mit den dienstfreien Schiffsofficieren um 11 Uhr

Vormittags das ganze Schiff und auch alle Cabinen besichtigt, und dass er

dabei die Wünsche und Beschwerden der Passagiere entgegennimmt.

Auch die Kost war auf dem ^Australien^ nicht so gut und nicht so reichlich

bemessen, wie auf den Dampfern des Oesterreichischen Lloyd und der

P and O-Gesellschaft.

Die Bewegung des Schiffes, speciell das Rollen, war auf den Schiffen der

Messagerie sehr arg, so dass sehr viele Passagiere sich auf demselben

unwohl fühlten, und dass manche seekrank wurden. In dieser Hinsicht fährt

es sich auf den Dampfern des Oesterreichischen Lloyd am besten.

Reise über Indien und China nach Japan. Tagebuch mit Erfahrungen, um zu überseeischen Reisen und Unternehmungen anzuregen. · 第 17 / 19 段