eingeleiteten Geldgeschäfte wickelten sich sehr gut ab. Ich erhielt
nämlich bei dem Wechseln der noch vorräthigen 100 Yen = 120 fl. ö. W.
und 36 Singapore-Dollars = 43 fl. ö. W. den Betrag von 200 Rupien oder
160 fl. ö. W. und für die mit dem Creditbrief behobenen 100 Pounds
erhielt ich 650 Rupien = 520 fl. ö. W. und 55 Pounds = 660 fl. ö. W.,
also für 100 Pounds 1180 fl. ö. W. Es hatte demnach die Bank bei dem
Wechseln und bei der Ausgabe von zusammen 1363 fl. ö. W. nur 23 fl.
Gewinn genommen, mithin um ein Drittheil des Gewinnes weniger, als die
gleiche Bank in Yokohama von mir gefordert hatte.
Dann kaufte ich noch in dem grössten Geschäfte von Colombo, Cargill,
welches aber nicht sehr vertrauenerweckend ist, zwei Pagshyanas, das sind
Leibchen und Beinkleider aus einem groben Flanellstoff, welche in den
Tropen zur heissen Zeit als Schlaf- und Morgenkleider getragen werden.
Im Hôtel empfing ich vor dem Tiffin den Besuch des Consuls Schulze,
und nach dem Tiffin jenen des Consularsecretärs. Mit dem Consul wurde
ausgemacht, dass ich, um zu seinem Diner zu kommen, mit der bestehenden
elektrischen Bahn bis zu einem bestimmten Punkte fahren und von dort
in seiner Equipage abgeholt werde. Den Secretär bat ich, bei der
P. and O.-Agentschaft den nöthigen Nachdruck zu geben, damit mein
fehlendes Gepäckstück zu Stande gebracht werde.
Nachmittags fertigte ich die gekauften 50 Ansichtscorrespondenzkarten aus,
und fuhr dann um 6¼ Uhr mit jenem Zuge der elektrischen Bahn ab, welcher,
nach Aussage des Hôtelportiers, mich an den bestimmten Punkt bringen
werde. Nach mehr als viertelstündiger Fahrt nahm ich aber wahr, dass
dieser Zug in einer andern, als der mir angegebenen Direction ging, und
nun musste ich aussteigen und im Monsumregen lange warten, bis ein in
entgegengesetzter Richtung fahrender Zug kam, der mich wieder zum Hôtel
zurückführte. Von hier aus suchte ich nun selbst den elektrischen Zug und
kam endlich, wenn auch etwas verspätet, bei dem Consul an.
Die Villa desselben ist gross, sehr hübsch und liegt im Villenviertel
inmitten tropischer Gärten. Die Frau des Consuls und ihre Schwester, sehr
nette, aus Deutschland stammende Damen, mit welchen ich mich während des
vortrefflichen Diners recht gut unterhielt, erzählten mir, dass, laut
Zeitungsnachricht, nun in Alexandrien auch die Pest herrsche. Hierdurch
wurde mein entworfener Reiseplan umgestossen, denn ich hatte den Gedanken,
über Alexandrien zu fahren, aus dem Grunde aufgenommen, weil ich nicht
mit dem aus Bombay, wo noch die Pest grassirt, kommenden Lloyddampfer nach
Triest reisen, und mich dadurch aussetzen wollte, dort Quarantaine halten
zu müssen. Wenn aber auch in Alexandrien die Pest herrscht, so haben die
von dort kommenden Reisenden ganz sicher in Triest eine Quarantaine zu
halten, und ich hätte, um nach Alexandrien zu gelangen, durch das von der
Pest inficirte Aegypten fahren müssen. Ich entschloss mich demnach, mit
dem französischen Dampfer von Colombo bis nach Port Said und von dort mit
dem Lloyd-Schnelldampfer Bombay-Triest nach der letztgenannten Stadt zu
fahren. Bezüglich dieser Reise stellte ich später durch Umfrage fest,
dass der französische Dampfer am 12. und der Lloyddampfer am 15. Juni in
Port Said ankommen und abgehen, und dass ich hiermit in Port Said drei Tage
zu verweilen haben werde.
Nach der Rückkunft in's Hôtel brachte ich noch mein Gepäck in Ordnung,
weil ich den andern Tag früh aufbrechen musste.
_Am 27. Mai_ Morgens bezahlte ich die Hôtelrechnung für zwei Tage mit 23
Rupien = 18 fl. 40 kr., und zwar je 3 Rupien für Zimmer und Bedienung,
¾ Rupien für Koffer, 2 Rupien für Tiffin und 3 Rupien für Diner, den
Rest für Getränke und Gepäckbeförderung. Im Hôtel liess ich von meinem
Gepäck sieben Stück zurück und nahm sechs Stück, darunter die Kiste mit
den Jagdgewehren, mit mir. Für die Eisenbahnfahrkarte erster Classe von
Colombo nach Kandy, vierstündige Fahrt, und binnen acht Tagen zurück,
zahlte ich 9 Rupien = 7 fl. 20 kr. ö. W. und für das Gepäck
2½ Rupien. Um 8 Uhr Früh fuhr ich von Colombo ab.
Ich will nun nachfolgend eine kurze Beschreibung von Ceylon, von Colombo
und von dem Lande zwischen Colombo und Kandy geben.
Die überwiegende Zahl der Einwohner von Ceylon sind die Singhalesen.
Es sind dies grosse, schlanke, braune Gestalten mit schwarzen Haaren
und gleichen unseren Zigeunern. Die Haare werden von den Singhalesen
rückwärts in einen Zopf gebunden, und auf dem Kopfe tragen sie einen
runden, horizontal liegenden, aufrecht stehenden, gelben Hornkamm, wie
eine vorn offene Krone. Um die Hüften haben sie ein bis etwa an die Knie
reichendes Tuch oder nur einen stramm gebundenen Leinwandstreifen gewunden.
Der Oberleib und die Füsse sind bloss. Die Frauen tragen um die Hüften
einen auch die Füsse bedeckenden Rock, über den Oberleib entweder ein
kreuzweise gelegtes Tuch oder ein kurzes, enges, weisses Leibchen und um
den Hals bunte Ketten oder sonstigen Putz.
Einen zweiten Volksstamm bilden die Neger. Es sind dies kleine schwarze
Gestalten mit gekräuselten schwarzen Haaren, auf welchen sie als
Muhamedaner den Turban tragen. Der Muhamedanismus hat sich überhaupt in
Asien und auf dem malayischen Archipel sehr viele Anhänger erworben.
Die Stadt Colombo macht mit den schönen, grossen Gebäuden an dem Hafen
und in der Nähe desselben einen grossartigen Eindruck; hinter derselben
stehen aber unzählige armselige, mit Stroh gedeckte Häuser und Hütten,
und erst am Umfange der grossen Stadt stehen sehr viele schöne Villen
inmitten herrlicher tropischer Gärten. Durch die Stadt ziehen in
verschiedenen Richtungen elektrische Bahnen. Der Hafen von Colombo soll
nun mit einem Aufwand von 24 Millionen Rupien = 19,200.000 fl. ö. W.
vergrössert werden.
Das Grand Oriental-Hôtel ist recht gut. In dem sehr grossen, prachtvollen
Speisesaal sind an den Wänden, etwa 4½ ~m~ hoch, acht Windmotoren
angebracht, welche während der Mahlzeiten maschinenmässig in rasche
Drehung versetzt werden, um die Luft in Bewegung zu setzen und dadurch
Kühlung zu erzeugen. Diese Windmotoren haben 3 ~m~ im Durchmesser und
besitzen vier schief gestellte, etwa ½ ~m~ lange und ⅓ ~m~ breite
Löffel.
B. Eisenbahnfahrt von Colombo nach und Aufenthalt in Kandy.
Der Boden des ganzen Landestheiles von Colombo bis gegen das nordöstlich
davon gelegene Kandy ist in den Thalniederungen und theilweise an den
Lehnen für die Reiscultur planirt und eingedämmt. An den Lehnen sind
hierzu mit staunenswerthem Fleiss und Sachverständniss die Felder
stufenweise geebnet und hergerichtet worden, so dass die kleinen Dämme wie
Horizontallinien auf einem Plane aussehen.
Die höher gelegenen Theile der Berge und Hügel sind mit Bäumen
bestanden, und zwar zum grossen Theil mit Bambus, Cocusnuss- oder anderen
Laubbäumen und Gesträuchern, die sich durch Dichtigkeit, intensives Grün
und hie und da auch durch Pracht der Blüten auszeichnen. Auffallend ist
es, dass die Stämme sämmtlicher Laubbäume nicht gerade, sondern sehr
gekrümmt emporwachsen.
In diesen Baumbeständen stehen einfache, strohgedeckte und halboffene
Bauernhäuser, und nach allen Richtungen führen sehr gut angelegte und
erhaltene Fahr- und Fusswege. Die Eisenbahn steigt bis Kandy 1700
Fuss empor und ist meist an den Lehnen der Berge geführt. Von dem
dahinfahrenden Zuge aus geniesst man eine herrliche Aussicht weit hinaus
auf das umliegende Bergland, welches bis hinauf in die obersten Theile
mit Tropenpflanzen und Bäumen bewachsen ist, und man erfreut sich an dem
Anblick des unten liegenden schönen Thales, welches von einem reissenden
Gebirgswasser durchzogen wird. Diese Gebirgslandschaft mit ihrem tropischen
Charakter, grossen Blätterformen, lebhaftem Grün, dichten und bunten
Blüten und riesiger Ueppigkeit ist wunderbar schön.
Um 12 Uhr Mittags langte ich in Kandy an und wurde dort von dem Besitzer
des Hôtel Queen, Raden, einem Ungar aus Budapest, mit seinem Wagen
abgeholt.
Kandy, die alte singhalesische Hauptstadt, liegt 1700 Fuss über dem
Meeresspiegel reizend in einem tropisch bewaldeten Bergland, das
Hôtel Queen liegt am Ufer eines schönen Gebirgssees, von dem man eine
prachtvolle Aussicht auf die umliegenden Berge geniesst. Dieses Hôtel
besteht aus einem ausgedehnten stattlichen Gebäude sammt einem
grossen Garten und entspricht allen modernen Anforderungen, hat luftige
Schlafzimmer und Wohnräume, mit Badezimmern verbunden, grosse Speisesäle
und Gesellschaftszimmer und eine 420 Fuss lange Veranda. Die Frau des
Besitzers Raden, eine Deutsche aus Königsberg, leitet mit grossem
Verständniss die Küche. Im Hôtel sind Lohnfuhrwerke, Rikschas und
Boote zu erhalten, und so gehört der Aufenthalt in diesem Hôtel zu den
allerschönsten und angenehmsten Wohnstätten, die man finden kann.
Mir hatte der Hôtelier ein Appartement von vier sehr elegant
eingerichteten Zimmern mit einem belaubten, etwa 20 ~m~ langen Balkon
zugewiesen und dafür sammt Pension für einen Tag nur 8 Rupien = 6 fl.
40 kr. aufgerechnet. Freilich war zu dieser Zeit die Saison vorbei, sonst
wäre dieser niedrige Preis nicht möglich gewesen.
Nachmittag fuhr ich mit einem Lohnfuhrwerk nach dem ½ Stunde entfernten
botanischen Garten von Peradenia, einem Musterbild der tropischen Flora.
Ich ging darin vorerst mit dem Leiter des Gartens spazieren, fuhr dann mit
dem Wagen noch ¾ Stunden an der Grenze desselben herum, und war entzückt
von der Pracht und Herrlichkeit der dort befindlichen Pflanzen und
Bäume. Ich habe eine lange Reihe von Namen der dort stehenden Bäume und
Sträucher notirt, will aber hier davon nur nachstehende bekannt geben:
Mongo-, Durjan-, Pellaginella- und Cassiabaum, letzterer reich mit lila
Blüten geziert, Pfeffer-, Zambodiabaum mit blauen, Poingianabaum mit
ziegelrothen, Jacorandabaum mit blauen und Randiabaum mit weissen Blüten,
Oel-, Muscatnuss-, Benzoin-, Todten-, Cocca- und Termindiabaum, riesig
hohe Antiayo und Erika, Ixorastrauch mit unzählig vielen kleinen, rothen
Blüten, Petreastrauch mit blauen Blüten und viele Gattungen prachtvoller
Orchideen und Palmen.
Die sehr gute Strasse von Kandy nach Peradenia ist beiderseits mit
Akazienbäumen bepflanzt, welche aber dort weit grösser und umfangreicher
gedeihen als bei uns. Während der Hin- und Rückfahrt auf dieser Strasse
konnte ich wahrnehmen, dass der Reinlichkeitssinn bei den Singhalesen
auf sehr niedriger Stufe steht. Die Häuser, welche sich beiderseits der
Strasse befinden, sehen sehr schmutzig aus, und vor manchen Häusern konnte
man die Bewohner sehen, wie sie sich gegenseitig in ihren langen Haaren
nach Inwohnern suchten, diese aber nicht tödteten, sondern wegwarfen,
weil die Singhalesen, so wie die Indier, an die Seelenwanderung glauben und
daher kein Thier tödten dürfen. Da sieht man curiose Familienbilder, wie
z. B. dass die stehende Tochter der sitzenden Mutter und diese ihrem, mit
dem Kopfe auf ihrem Schoss liegenden Manne diesen Liebesdienst erweist.
Nach Kandy zurückgekehrt, besuchte ich die dort befindliche grosse
katholische Kirche, von Papst Pius IX. gestiftet, dann die schöne
anglikanische Kirche und endlich den ausgedehnten, aus mehreren Gebäuden
bestehenden Buddhatempel, in welchem ein Riesenzahn des Buddha aufbewahrt
gehalten werden soll. Bei dieser Gelegenheit sah ich auch ziemlich viele
Singhalesen in europäischer Tracht herumgehen. Komisch sehen die braunen
weiblichen Gestalten in Corsets und in eleganten, lichten europäischen
Kleidern aus, mit Silberketten auf dem blossen braunen Nacken und mit
verzierten Silbernadeln in den pechrabenschwarzen Haaren.
Nach dem sehr guten Diner im Hôtel Queen erzählte mir Frau Raden, dass
nach Ceylon leider sehr wenig Oesterreicher kommen, und dass in den letzten
zwei Jahren nur der Hôtelier Sarnsteiner von Ischl mit seiner Frau auf
diese paradiesische Insel gekommen und in diesem Hôtel abgestiegen waren.
Es ist wahrlich schade, dass sich Niemand aus Oesterreich-Ungarn den hohen
Genuss gönnt, in dieser wunderbaren, grossartigen Natur einige Zeit zu
verweilen. Die Ausgaben werden hier jedenfalls geringer sein, als in den
meisten eleganten Curorten.
Nach einer in den kühlen Räumen des Hôtels verbrachten sehr guten
Nacht machte ich am Morgen des folgenden Tages, _am 28. Mai_, noch einige
Einkäufe an Edelsteinschmuck, da die Insel Ceylon ihres Reichthums an
Edelsteinen halber berühmt ist und ich davon einige Andenken in die liebe
Heimat mitbringen wollte.
C. Eisenbahnfahrt von Kandy nach Nuna oya und Aufenthalt in Nuwera Eliya.
_Am 28. Mai_, um 10 Uhr Vormittags, fuhr ich mit der Eisenbahn von
Kandy ab, um den auf der Dampfschiffahrt von Colombo nach Penang bekannt
gewordenen Herrn Dumaresq-Thomas, Besitzer der Theepflanzung Sindovla bei
der Eisenbahnstation Tawalakelle, des Norton-House in Malmesbury in England
und endlich des Astley-House in Nuwera Eliya, in der letztgenannten Villa
zu besuchen. Hierzu musste ich mit der Bahn nach der Station Nuna oya
fahren, wo ich um 4 Uhr Nachmittag anzukommen hatte.
Nuna oya liegt südlich von Kandy und östlich von Colombo, beiläufig in
der Mittellinie der Insel, westlich des 7500 Fuss hohen Pedroberges und
nördlich des 6900 Fuss hohen Adamspeak, und befindet sich etwa 5800 Fuss
über dem Meeresspiegel. Von dort fährt man mittelst Wagen in
¾ Stunden auf einer sehr gut angelegten und vortrefflich erhaltenen
Serpentinenstrasse nach dem 6200 Fuss hohen Villenort Nuwera Eliya, in
dessen Bereich die Villa Astley-House liegt.
Der Charakter des Landstriches zwischen Kandy und N. Eliya ist jener des
Berglandes mit Felsenformation und reissenden Gebirgswässern, welche hie
und da über Felsenmassen in die Tiefe stürzen und hierdurch herrliche,
grossartige Cascaden bilden. Die Lehnen der Berge sind meist mit
gelbsandigem Erdreich bedeckt und von den Kuppen bis zu den Thälern mit
Theesträuchern bewachsen. Diese Theesträucher haben eine Höhe und Breite
von etwa 30 ~cm~, sind daher etwas kleiner als jene in Japan, stehen in 50
bis 60 ~cm~ von einander entfernten Reihen und haben oft das Ansehen von
kleinen Zwergbäumen. Die Theeplantagen sind meilenweit ausgedehnt und
machen beinahe den gleichen monotonen Eindruck, welchen bei uns die
Weingärten erzeugen; doch wird dieses Bild hier häufig verschönert durch
die stellenweise, besonders an den Ufern der Wässer und in der Nähe
der Bahnen befindlichen reichen Tropengewächse, wie z. B. Buschwerk mit
Blüten in allen Farben, Farrenkräuter in Riesendimensionen, Aloen von
enormer Grösse und Prosperität, bei welchen aus der Mitte einzelner
solcher Aloen grüne Stämme mit kleinen Zweigen und Blättern 6 ~m~
hoch gerade emporsteigen. Solche Theepflanzungen bestehen in Ceylon in
weitumfassendem Masse, und es werden dieselben noch immer weiter angelegt,
so weit als es die Bodenverhältnisse gestatten. Kaffeepflanzungen sind
dagegen schon seit einer Reihe von Jahren in Ceylon ganz verschwunden, weil
sie sich zu schlecht rentirten. Es gibt also keinen Ceylonkaffee mehr.
Die Anlage einer Theeplantage ist aber ebenso, wie die Anlage eines
Weingartens, sehr mühsam und kostspielig Erst drei Jahre nach dem Anbau
der Theepflanze ergibt sich eine kleine Fechsung, und erst in den folgenden
Jahren wird die Ernte derselben befriedigend. Auch in diesem Landestheil
von Ceylon sind die Fahr- und Fusswege sehr gut angelegt und erhalten.
Was nun die Witterung anbelangt, so war dieselbe in der Zeit meines
Aufenthaltes auf der Insel Ceylon nicht gut. Es war nämlich in diesem
Jahre die Monsumzeit mit ihren Stürmen und Regengüssen früher als
gewöhnlich eingetreten. In den vergangenen Tagen hatte sich der Monsum des
zunehmenden Mondes halber nur durch Düsterkeit geäussert, als ich aber
später im Astley-House anlangte, fing es heftig zu regnen und zu stürmen
an. Uebrigens beginnt der Monsum in den höher gelegenen Theilen von Ceylon
früher als in den tiefer gelegenen Gegenden.
Um 4 Uhr Nachmittags auf dem Bahnhofe von Nuna oya angekommen, übergab
mir der Diener des Herrn Dumaresq-Thomas einen Brief, in welchem derselbe
seiner Freude Ausdruck gab, mich bei sich in seinem Astley-House empfangen
zu können, und mich bat, mir meine Gepäcksangelegenheit durch seinen
Diener besorgen und mich in dem gesandten Wagen zu sich führen lassen zu
dürfen. Während der Zeit der Gepäcksauslösung und Aufpackung ereignete
sich nachfolgender, mich frappirender Vorfall. Es trat nämlich auf der
Eisenbahnstation Nuna oya ein mir ganz fremder Herr auf mich zu, stellte
sich in deutscher Sprache als Herr v. Blücher vor und fragte mich, ob
ich nicht der Feldmarschall-Lieutenant Baron E. sei, nachdem er in der
dortigen Zeitung meine Ankunft gelesen habe. Auf meine zustimmende Antwort
theilte mir Herr v. Blücher mit, dass er sich mit einem Freunde aus
Deutschland auf einer Vergnügungsreise befinde, jetzt aber diese Gegend
verlasse, weil der Monsum keine Ausflüge mehr gestatte. Ich war wahrlich
sehr überrascht, in wildfremder Gegend plötzlich deutsch angesprochen zu
werden.
Ich fuhr dann auf der besprochenen Serpentinenstrasse nach N. Eliya, von
dort in einer Allee von mit tausend grossen kelchartigen Blüten
bedeckten Bäumen eine gute Strecke weiter und dann aufwärts bis zu dem
Astley-House. Diese Villa liegt etwa 6300 Fuss hoch auf einem kleinen
Hügel mit herrlicher Aussicht auf das umliegende, meist bewaldete Bergland
und steht in der Mitte von Beeten mit prächtigen Tropenblumen. Das Haus
besitzt einen grossen, mit Glasplatten gedeckten Hof, von welchem man in
die zahlreichen Wohnräume, darunter Salon, Speise-, Sitz-, Schreib- und
Schlafzimmer, sowie Baderäume u. s. w., gelangen kann.
Von Herrn Dumaresq-Thomas und seiner Frau sehr freundlich empfangen, ging
die Unterhaltung dadurch ziemlich gut von statten, dass Herr Thomas ein
wenig Deutsch, seine Frau ein wenig Französisch, ihre Schwester auch etwas
Deutsch und ich ein wenig Englisch und ziemlich gut Französisch sprechen,
und dass wir uns somit in drei Sprachen durcheinander verständlich machen
konnten.
Die Lady ist eine nicht mehr ganz junge, aber jedenfalls sehr hübsche und
charmante Dame mit einem stets heiteren und sehr anmuthsvollen Wesen. Ihre
Schwester, ein recht hübsches Fräulein, ist auch stets heiter und sehr
nett. Ausserdem befand sich im Astley-House zu jener Zeit noch eine ältere
Dame, welche aus der Umgebung auf einige Zeit zu Besuch gekommen war.
Um 7½ Uhr Abends fand ein grossartiges Diner in voller Toilette statt.
Die Damen erschienen mit ausgeschnittenen Kleidern und mit reichem Schmuck,
und die Herren in Frack und weisser Halsbinde. Nach dem Diner ging ich mit
Herrn Thomas in's Rauchzimmer und später in den Salon, wo wir dann eine
kleine Whistpartie machten.
Ungeachtet des in der darauffolgenden Nacht mit starkem Tosen
ausgebrochenen Monsums schlief ich in meinem Zimmer des Astley-House
vortrefflich.
Da aber Sturm und Regen auch am _29. Mai_ Vormittags in unverminderter
Weise fortdauerten, so war an kein Ausgehen zu denken, und ich benützte
die Zeit nach dem um 8 Uhr eingenommenen reichen Frühstück, auf dem
mir zur Disposition gestellten Schreibtisch mein Tagebuch fortzusetzen.
Wenngleich das Wetter nach dem Tiffin nicht viel besser geworden war, da
es nur zeitweilig zu regnen aufhörte, so machten wir, die Damen und die
Herren, dennoch eine Ausfahrt in einem dort gebräuchlichen zweispännigen
Wagen, welcher oben und seitwärts nach Bedarf mit wasserdichter Leinwand
abgeschlossen werden kann. Wir fuhren in einem wunderschönen, mit
Wald bedeckten Bergland längs eines ausgedehnten Gebirgsees nach dem
1½ Stunden entfernten Hackgalle Garden und ich entzückte mich an dem
Ausblicke auf die umliegende herrliche Gegend. Besonders ragte dort der
6900 Fuss hohe Adamspeak hervor. Auf der Kuppe dieses Berges soll sich
im Felsen eine Aushöhlung befinden, welche von den Christen als die
Riesenfusspur von unserem Stammvater Adam und von den Heiden als jene des
Buddha angesehen wird.
Der Hackgalle Garden wird von einem englischen Garten-Inspector sehr
gut und schön gehalten, und es werden dort hauptsächlich europäische
Pflanzen und Blumen gepflegt, welche aber theilweise bei dem dortigen
Klima besser und stärker gedeihen als bei uns. Auch finden sich in dem
ausgedehnten Garten einzelne Punkte, welche einen wunderbaren Ausblick
auf die umliegende reizende Gegend gewähren. Mit Regenschirmen und
Regenmänteln versehen, liessen sich auch die englischen Damen ungeachtet
des strömenden Regens nicht abhalten, den Park zu besichtigen und blieben
dabei heiter und guter Dinge.
Nach der Rückkunft in die Villa wurde wieder ein glänzendes Diner servirt
und hierauf eine Whistpartie gemacht.
_Am 30. Mai_ Morgens, als ich noch mit dem Ankleiden beschäftigt war,
kam Herr Thomas zu mir, um mich aufzufordern, sofort mit ihm an einer
eben stattfindenden Elkjagd theilzunehmen. Ich war natürlich gleich dazu
bereit, wechselte rasch meine Kleider und wollte eben mein Gewehr und
Munition auspacken, als Herr Thomas mir mittheilte, dass bei dieser Jagd
nicht geschossen, sondern dass der Elk, ein mittelgrosser Hirsch, von
Hunden gesucht, getrieben und gestellt und dann von dem Jäger mit dem
Waidmesser gekillt wird. Natürlich war ich umsomehr erfreut, diese mir
ganz fremde Jagdart kennen zu lernen.
Als wir, zur Jagd gerüstet, auszogen, waren die übrigen Jagdtheilnehmer
und die ganze Hundemeute auf den Hängen des höchsten Berges in Ceylon,
des 7500 Fuss hohen Pedroberges, schon weit vorgedrungen, und so musste ich
mit Herrn Thomas auf diesen Berghängen, durch dichte Dschungeln, so rasch
wie möglich vordringen, um rechtzeitig dorthin zu gelangen, wo die Hunde
etwa einen Elk treiben oder denselben gar schon gestellt haben. Dieses
Passiren von Dschungeln ist eine höchst anstrengende Arbeit, denn hier
stehen Aeste, Zweige, kleine Stämmchen und Gestrüppe so dicht aneinander,
dass man nur mit Gewalt durchzukommen vermag, ja manchmal, sich tief zu
Boden neigend, durchschliefen, dann wieder einzelne Theile überspringen
muss. Dabei war der Hang vom Regen aufgeweicht und rutschig, und es lagen
auf dem Boden abgebrochene Aeste und gestürzte Stämme. Soll nun da rasch
vorgegangen und auch gelaufen werden, so ist es selbstverständlich, dass
man sich Hände und Gesicht blutig aufreisst und dass man auch zeitweise
hinhaut. Das macht aber nichts. Die Jagdpassion ist erweckt und es geht mit
Aufbietung der ganzen Kraft und mit Nichtbeachtung aller Unbilden lustig
vorwärts. Nach dem wenigstens eine Stunde währenden Vorwärtseilen und
Kämpfen gegen alle entgegenstehenden Beschwerlichkeiten erreichten wir die
Gesellschaft und den Hundsmann, gingen nun mit diesem weiter vor, bis wir
auf eine Blösse gelangten, auf welcher constatirt wurde, dass die Hunde
nun keinen Elk mehr finden werden.
Wir kamen ganz durchnässt in die Villa und hier wurde mir auf Anordnung
des Herrn Thomas gleich ein heisses Bad gerichtet, dessen Gebrauch mir
ausserordentlich wohl that. Mein Ischias, welches sich noch zeitweilig
fühlbar machte, hatte mir während und nach der Jagd keinerlei Schmerzen
bereitet.