An jedem der drei oben angeführten Tage sollen neun Rennen abgehalten

werden, bei welchen der Sieger einen Ehrenpreis und die Einsätze erhält.

Die Einsätze sind im Allgemeinen auf 10 Yen = 12 fl. fixirt. Die

Rennen sind getheilt in jene für chinesische Pony und in jene für die

australischen Pferde, und werden alle mit Gewichtsausgleich geritten, wobei

es, so wie bei uns, für Maiden oder Gewinner Gewichtsermässigungen

oder Erhöhungen gibt. Die Distanzen sind für die chinesischen Pony

mit 800-1000 ~m~ und für die australischen Pferde mit 1200-2400 ~m~

festgesetzt.

Des Abends kehrte ich wieder nach Tokio zurück.

_Sonntag, den 23. April_, begab ich mich mit dem Geschäftsträger und

seiner Frau in die katholische Kirche, wo derselbe Geistliche, mit dem

ich sowohl auf unserer Gesandtschaft als beim japanischen Obersthofmeister

Grafen K. dinirt hatte, die Messe celebrirte. Die Kirche liegt an der

äusseren Grenze der Stadt, ist ein kleiner Holzbau mit einem winzigen

Thurme, und wird sammt dem angrenzenden, ebenfalls recht kleinen Pfarrhause

von Bäumen förmlich versteckt. Im Innern ist die Kirche sehr bescheiden

ausgestattet und besitzt als einzige Zier nur einige bemalte Fenster.

Ausser uns Dreien wohnten noch ein Professor mit seiner deutschen Frau und

seinen beiden Knaben, welche dem Geistlichen ministrirten, und etwa acht

Japaner der Messe bei. Nach dem Gottesdienste besuchten wir den Pfarrer in

seiner Wohnung, und wurden von ihm mit Kaffee und Kuchen bewirthet.

Am Abend machte ich ein exquisites Diner beim hiesigen deutschen Gesandten

Grafen L. mit.

_Am 24. April_ nahm ich nach dem Frühstück einen Rikscha und liess mich

zu einem der Exercierplätze von Tokio führen, damit ich doch noch vor

meiner Abreise von dort mir eine Beurtheilung des japanesischen Militärs

bilden könne. Ich kam zu einem grossen freien Platze, auf welchem etwa

12 Compagnien Exercierübungen vornahmen. Die Infanterie war auch hier,

gleichwie in Yokohama, gut und rein gekleidet und mit Gewehr, Bajonnett,

Patrontasche und Tornister ausgerüstet. Es herrschte stramme Ordnung und

absolute Ruhe. Die Ausführung der Bewegungen und der Gewehrgriffe erfolgte

in voller Gleichförmigkeit mit grosser Genauigkeit und mit stricter

Einhaltung der Tempi. Die Commandanten benahmen sich gut vor der Front. Die

Frontmärsche wurden viel geübt und gingen fliessend, auch der Uebergang

in andere Formationen erfolgte exact. Bei dem Marsche wurde eine gute

Fusssetzung und strammer Gang eingehalten. So weit war Alles gut und

zufriedenstellend.

Ein sehr bedeutender Fehler aber ist es, dass die Schritte nur sehr klein

sind und dass die Infanterie daher nur langsam vorwärts kommt, und somit

auch bei ihrer Bewegung sehr viel Zeit verliert. Wohl übt die japanische

Infanterie ziemlich viel den Laufschritt, aber auch hier sind die einzelnen

Schritte nur klein, und so gewinnt dieselbe auch im Laufschritte, den sie

allerdings auf längere Zeit ausdehnt, und wobei der Soldat das Gewehr auf

der Schulter behält, nur verhältnissmässig geringen Raum.

Das Feuergefecht wurde nur von einigen Compagnien, und von diesen ganz kurz

geübt. Der Uebergang in die Feuerlinie war ein stricter, doch ebenfalls

in zu langsamem Tempo. Zur Feuerabgabe wurde das Ziel und die Distanz

angegeben, und von den Leuten wurden darnach die Aufsätze gerichtet.

Während des Feuerns standen die Soldaten auf gleiche Entfernung

nebeneinander, und hockten sich nur auf Commando und dann gleichmässig

nieder. Von einem schwarmweisen Vorgehen, sowie von der Benützung des

Terrains war nichts wahrzunehmen. Ich sah sogar eine langsam vorgehende

Feuerlinie auf etwa 50 Schritte unter dem Rande einer Terrainwelle wieder

auf Commando stehen bleiben und das Feuer eröffnen, ohne dass der

Mann über die Welle sehen konnte. Bis 12 Uhr Mittag blieb ich auf dem

Exercierplatze, um welche Zeit die Compagnien erst von dort abmarschirten,

und ich empfing im Ganzen den Eindruck, dass in der japanischen Infanterie

viel Ordnung und Disciplin herrscht, dass aber der Wesenheit ihrer

Thätigkeit zu wenig oder gar kein Augenmerk zugewendet wird, oder dass

dafür kein Verständniss vorhanden ist. Schiller's Worte kamen mir hierbei

in das Gedächtniss: »Wie er räuspert und wie er spuckt, das habt Ihr ihm

glücklich abgeguckt; aber sein Genie, ich meine seinen Geist....«

_Der 25. April_ war in seinen Vormittagsstunden dem Audienznehmen

gewidmet. Zuerst fuhr ich mit unserem Geschäftsträger, der in schmucker

ungarischer Tracht gekleidet war, zu dem kaiserlich japanischen Prinzen

Arisugawa, welcher vermuthlich der Nachfolger des Mikado sein wird,

weil der nächste Kronprätendent schon seit langer Zeit schwer krank

darniederliegt. Der Prinz, ein schlanker, in Civil gekleideter Herr, war in

seinem Benehmen ein wenig steif, doch waren die an mich gerichteten Worte,

wie ich aus dem Munde des Dolmetschen entnahm, sehr freundliche. Diese

Audienz währte ziemlich kurz, und nach ihrer Beendigung begaben wir uns zu

dem kaiserlich japanischen Prinzen Kanin, welcher den letzten Feldzug gegen

China mitgemacht hatte und jetzt Oberst bei der Cavallerie ist. Prinz Kanin

war sehr liebenswürdig, und die mit Hilfe eines Dolmetschen geführte

Conversation gestaltete sich recht lebhaft. Ich nahm die Gelegenheit wahr,

dem Prinzen gegenüber meine Anschauung auszusprechen, dass die Hengste aus

Sr. Majestät unseres Kaisers Gestüt Lipizza zur Hebung der japanischen

Pferdezucht mir als die geeignetsten erscheinen.

Nun ging es zum japanischen Kaiserpalaste, einem sehr weitläufigen, aus

Holz erbauten Gebäude, welches nur theilweise mit einem ersten Stocke

versehen und durch eine Säuleneinfahrt geziert ist. Von einem japanischen

Officier empfangen, gingen wir an gallonirten Bedienten vorüber, bis wir

in einen Salon kamen, wo uns ein höherer Würdenträger erwartete. Nach

erfolgter Vorstellung und dem Austausche einiger Phrasen setzten wir

unseren Weg durch breite, mit Wandmalereien bedeckte Gänge fort, und

wurden dann in einen grossen, luxuriös geschmückten und mit sehr

prunkvollen europäischen Möbeln ausgestatteten Saal geführt, wo uns der

Ober-Ceremonienmeister Baron S. entgegen ging und begrüsste. Nach einiger

Zeit überbrachte der japanische Kammerherr J., ein sehr netter junger

Herr mit distinguirten Umgangsformen, dem Baron S. die Mittheilung, dass

der Mikado in kürzester Zeit die Audienz ertheilen werde. Hierauf wurden

der Geschäftsträger und ich von den beiden japanischen Herren abermals

durch eine Reihenfolge von breiten Gängen, deren eine Seite die gegen den

Park gerichtete Glaswand, und deren andere Seite die künstlerisch bemalten

Schiebethüren zu den kaiserlichen Appartements bildeten, bis zu einem

kleinen Vorraume geleitet, von welchem eine geöffnete Thür in den dunkel

gehaltenen und brillant eingerichteten Empfangssaal führt, in welchem die

Audienz stattfinden sollte. Hier mussten wir uns neben dem offenen Eingange

verdeckt aufstellen, bis der Mikado von seinen inneren Gemächern in den

Audienzsaal gelangte.

Als dies nach kurzer Zeit geschehen war, traten zuerst der

Ober-Ceremonienmeister, dann der Geschäftsträger und schliesslich ich in

den Salon ein, gingen bis auf einige Schritte gegen den im Hintergrunde

des Saales im Civilkleide stehenden Mikado vor und verneigten uns vor

ihm. Zuerst sprach der Ceremonienmeister einige Worte, worauf mich der

Geschäftsträger dem Kaiser vorstellte. Nach der Vorstellung richtete der

Mikado die mir vom Dolmetschen übersetzte Frage an mich, seit wann ich in

Japan sei. Ich verneigte mich nochmals und erwiderte, dass ich seit zwei

Wochen im Lande weile, und dass ich die Reise von Oesterreich-Ungarn bis

nach Japan ausgedehnt habe, um dieses interessante Land kennen zu lernen,

und die im letzten Feldzuge siegreiche Armee Sr. Majestät zu sehen. Nach

einer weiteren kurzen Frage und Gegenantwort wünschte mir der Mikado eine

glückliche Reise, und ich sprach meinen ergebensten Dank für die Gnade

aus, mich in Audienz empfangen zu haben, wodurch mein schöner Aufenthalt

in Japan gekrönt worden sei.

Von dem Audienzsaale aus wanderten wir wieder durch lange Corridore zu

den Gemächern der Kaiserin von Japan. Dort wurden wir von ihrem

Obersthofmeister Grafen K. empfangen und sofort nach dem Salon der

Kaiserin gewiesen, welche bei unserem Eintritte dortselbst bereits anwesend

war. Die Vorstellungs-Ceremonie spielte sich in ähnlicher Weise wie bei

dem Mikado ab. Die Kaiserin, welche eine reiche europäische Toilette trug,

war sehr gnädig, richtete sehr freundliche Worte an mich und reichte mir

bei der Ankunft und beim Abschiede die Hand zum Kusse. Ich gestehe

gerne zu, dass diese Audienz bei mir einen besonders angenehmen Eindruck

hinterliess.

Dem darauffolgenden Tiffin auf dem Gesandtschaftshôtel hatte der

Geschäftsträger sämmtliche japanische Hofwürdenträger, welche bei

den vorhergegangenen Audienzen intervenirt hatten, sammt ihren Familien

zugezogen.

Am Abende dieses Tages war der mehrfach genannte Obersthofmeister der

Kaiserin Graf K. so ausserordentlich liebenswürdig, mich zu einem

glänzenden Abschiedsdiner einzuladen, dem ausser unserem Geschäftsträger

und Gemahlin noch verschiedene hochgestellte Japaner, im Ganzen 20

Personen, beiwohnten. Da mein Gastgeber nur der japanischen Sprache

mächtig ist, so stand ich von meinem ursprünglichen Vorhaben ab, während

des Diners einen Toast zu halten, liess mir indess Alles, was ich sagen

wollte, in japanische Sprache übersetzen und niederschreiben, und übergab

nach aufgehobener Tafel diese Schrift dem Grafen. Meine schriftliche

Mittheilung, welche Worte des Lobes und der Anerkennung über Japan

enthielt, und dem Hausherrn meinen verbindlichsten Dank für alle seine

Liebenswürdigkeiten zum Ausdrucke brachte, verfehlte ihren Zweck nicht.

Graf K. äusserte seine grosse Freude hierüber, und übergab mir

zur bleibenden Erinnerung seine und seiner Töchter wohlgelungenen

Photographien.

Zum Schlusse meines Aufenthaltes in Tokio ist es für mich eine wirklich

unerlässliche Pflicht der Dankbarkeit, ganz besonders hervorzuheben, in

welch' hohem Grade sich sowohl die Herren der Gesandtschaften, als auch

die einheimischen Würdenträger gastfrei und entgegenkommend gegen mich

erwiesen haben. Dieser Dank gebührt sicherlich in erster Linie unserem

so überaus liebenswürdigen Geschäftsträgerpaare, und auch sämmtlichen

Herren und Damen der kaiserlich deutschen Gesandtschaft.

Wohl haben meine Audienzen, officiellen Besuche und die vielen Tiffin- und

Diner-Einladungen mir weniger Zeit als anderswo frei gelassen, um mir in

der japanischen Hauptstadt Alles gründlich anzusehen, allein ich gewann

hierdurch einen Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse Japans.

_Am 26. April_ musste ich schon zeitlich aufstehen, weil der Eisenbahnzug,

der mich nach Yokohama bringen sollte, schon um 8 Uhr Morgens abging. Da

mit diesem Zuge meine Ankunft in Yokohama nicht vor 9 Uhr Früh erfolgen

konnte, das Dampfschiff der Messagerie maritime, mit welchem ich nach

Kobe fahren wollte, aber schon um 10 Uhr Vormittags den dortigen Hafen

verlässt, so hatte ich unseren Consul in der genannten Stadt gebeten,

Jemand nach dem Bahnhof in Yokohama zu entsenden, welcher mir behilflich

sein könnte, mein Gepäck sofort von der Bahn auf das Schiff zu bringen.

Bei meiner Abreise von Tokio fand sich noch ganz unerwarteterweise unser

Geschäftsträger auf dem Bahnhofe ein, um mir ein letztes Lebewohl zu

sagen, und ich konnte ihm somit nochmals für seine mir stets unvergesslich

bleibende Gastfreundschaft herzlichst danken.

F. Fahrt von Tokio nach Kobe.

In Yokohama traf ich zu meiner grossen Freude unseren dortigen Consul

auf dem Bahnhofe an, welcher Einem seiner Leute den Auftrag gab, die

Ueberführung meines Gepäckes auf das Dampfschiff zu besorgen.

Zur festgesetzten Zeit, um 10 Uhr Vormittags, verliess das Schiff den

Hafen, und zog, von Tücherschwenken begleitet, hinaus in die hohe See.

Es befanden sich ungefähr 20 Passagiere erster Classe, darunter

ziemlich viele Deutsche, auf dem Dampfschiffe; dessenungeachtet hatte der

französische Schiffscapitän die Aufmerksamkeit für mich, mir eine Cabine

für mich allein zuzuweisen.

Während der Fahrt hatte ich noch einmal den Genuss, den gewaltig hohen und

merkwürdigen Berg Fugyi zu sehen, dann aber entfernte sich das Schiff so

weit von der Küste, dass dieselbe nicht mehr erblickt werden konnte.

Das Dampfschiff der Messagerie maritime begann nun, ohne dass das Wetter

stürmisch geworden wäre, heftig zu rollen, wie dies bei den Schiffen des

Oesterreichischen Lloyd, die ganze Zeit meiner Fahrt über, niemals

der Fall war. Alle Damen und einige Herren, welche sich an Bord des

französischen Dampfers befanden, wurden seekrank, wovon ich auch dieses

Mal wieder verschont blieb.

Die Verpflegung auf der Messagerie maritime ist ebenso gut und reichlich,

wie auf unseren Lloydschiffen, zeichnet sich aber dadurch aus, dass jeder

Reisende zu jeder Mahlzeit, nach Belieben, kostenfrei rothen und weissen

Wein oder Bier erhält. Der Wein ist recht gut, an Bier wird auch

englisches Pale ale oder Stout und zum Diner ein Glas Sherry geboten. Dabei

wird durchaus nicht geknickert, sondern jedem Passagier, der seine Flasche

geleert hat, wird sofort eine andere vorgesetzt. Dieser unentgeltliche

Genuss von Getränken ist schon aus dem Grunde eine grosse Annehmlichkeit,

weil man dadurch der Mühe enthoben wird, täglich dem Kellner auf einem

Papierstreifen angeben zu müssen, was man getrunken hat, und ausserdem

hat man den Vortheil, dass beinahe alle Extraauslagen während der Fahrt

entfallen. Ich zahlte für mein Billet erster Classe, sowie für mein

Gepäck von Yokohama bis nach Kobe, das ist für eine Reise von 26 Stunden,

den Betrag von 12 Yen = 14 fl. 40 kr., also die gleiche Summe, welche

für dieselbe Strecke auf der Eisenbahn, doch ohne Verköstigung, zu

entrichten ist.

Die allgemeine Bemerkung scheint mir an dieser Stelle nicht überflüssig

zu sein, dass in den japanischen Hafenplätzen die Leute für den Transport

des Gepäckes vom oder zum Schiffe unverschämte Forderungen stellen, und

recht zudringlich werden, wenn ihrem Begehren nicht voll entsprochen wird;

es ist daher für die Reisenden, welche in einem Hôtel absteigen, sehr

angezeigt, vorher schriftlich an dasselbe die Ankunft mit dem Ersuchen

bekannt zu geben, den Transport des Gepäckes vom Schiff oder Bahnhof in

das Hôtel zu übernehmen.

G. Zweiter Aufenthalt in Kobe und Ausflug nach Himeji.

_Am 27. April_ traf ich Vormittags wohlbehalten in Kobe ein. Ich fuhr

zuerst in das Hôtel, wo der Preis der Pension für den Tag auf 7 Yen =

8 fl. 40 kr. festgestellt wurde, und begab mich dann zum Lloydagenten,

um mich zu erkundigen, ob der Dampfer ^Marquis Bacquehem^ die für den

30. April bestimmte Abfahrtzeit von Kobe pünktlich einhalten werde. Die

mir ertheilte Antwort lautete dahin, dass aller Wahrscheinlichkeit nach

keine Aenderung in dem festgesetzten Fahrtprogramme eintreten werde.

Von hier aus suchte ich den Gärtner Tomiyama in der Shi-chome Nr. 5 auf,

bei welchem ich die prächtige, meterhohe Pflanze Cycas revoluta zu dem

billigen Preise von 3 fl. 60 kr. erstand. Hierauf verfügte ich mich

in mehrere Porzellanhandlungen behufs Auswahl von schönen, grossen

japanischen Vasen, und schliesslich in die Lackwaaren-Verkaufshalle von

Shidzoaka Shikki Kaisha in der Thimoyamati-dori Nr. 14, wo ich

eine grössere Anzahl von sehr hübschen und reizend ausgeführten

Lackgegenständen kaufte.

In das Hôtel zurückgekehrt, fand ich die Visitkarte eines Herrn E. C.

vor, welcher sich nach den diesfalls gepflogenen Erhebungen des Hôteliers

als der Vertreter des Import- und Exporthauses Reimers entpuppte.

_Am 28. April_ begab ich mich in den Morgenstunden zuerst in die

Porzellan-Verkaufshalle Nishida, um den Ankauf der Vasen sammt Verpackung

und Transport auf das Schiff perfect zu machen, und liess mich dann durch

meinen Rikscha nach der Wohnung des oberwähnten Herrn C. fahren, um

demselben einen Gegenbesuch abzustatten. Derselbe stellte sich mir als

Oesterreicher vor, und fügte hinzu, dass er meine hiesige Ankunft den

Zeitungen entnommen habe und sich mir zur Verfügung stellen wolle. In

weiterer Fortsetzung des Gespräches bot er sich an, mich Nachmittags

in den Deutschen Club von Kobe einzuführen, um dort des Abends einem

humoristischen Vortrage eines herumreisenden deutschen Künstlers

beizuwohnen. Gleichzeitig lud er mich für den nächstfolgenden Tag zum

Diner ein, wozu er auch alle in Kobe weilenden Oesterreicher und Ungarn

heranziehen wollte. Mit Dank nahm ich seine gefälligen Anträge und seine

Einladung an.

Nach dem Tiffin ging ich in die Verkaufshalle von Kuhn & Komer gegenüber

dem Hôtel Oriental und kaufte bei Kuhn, welcher ein Wiener ist, mehrere

sehr interessante Gegenstände, darunter auch eine sehr alte Rüstung mit

Brust-, Rücken-, Arm- und Beinschienen, sowie Seidenbroderien und eine

Pickelhaube mit schreckhafter Gesichtsmaske, auf welcher ein Borstenbart

angebracht war, sammt der dazu gehörigen Kiste zu verhältnissmässig

billigem Preise. Dann besichtigte ich noch das übrige Waarenlager und fand

dort prachtvolle Muster von Embroderien, Vorhängen, Schirmen, Cloisonnes,

gemalten Porzellanservicen, Elfenbeinschnitzereien u. s. w. zu

mässigen Preisen, so dass ich nach den gemachten Erfahrungen die beiden

Verkaufshäuser von Kuhn in Yokohama und von Kuhn & Komer in Kobe als die

besten Ankaufsstellen in Japan bezeichnen muss.

Hierauf besichtigte ich noch das Deutsche Clubhaus. Dasselbe ist ein

ansehnliches Gebäude in sehr schöner Lage und hat vor sich einen

grossen, gut hergerichteten Raum, auf welchem sich Tennisplätze,

Radfahrschulplätze u. s. w. befinden.

Nach dem Diner kam ich abermals in den Club zurück, um den Vortrag des

deutschen Dramaturgen (!) anzuhören. Die gewählten Vortragsstücke

waren weder humoristisch noch geistvoll, und der Künstler hatte das

Missgeschick, überhastet zu sprechen und die verschiedenen Modulationen

unrichtig anzubringen. Wenn also dieser Theil der Abendunterhaltung nicht

nach Wunsch einschlug, so war dies doch im vollen Masse der Fall bei

den Musikvorträgen, welche einige Clubmitglieder auf Violine, Viola und

Clavier zum Besten gaben. Es wurden meist Tonstücke von Mozart gespielt,

und diese wurden meisterhaft vorgetragen. In den Zwischenpausen fand

ich bei den mich umgebenden jüngeren Herren eine mir sehr zusagende

Unterhaltung, und freute mich herzlich darüber, dass ich durch die

Artigkeit des Herrn C. in einem fernen Welttheile mit sympathischen

Landsleuten zusammengekommen war.

_Den 29. April_ hatte ich dazu bestimmt, mit der Eisenbahn nach Himeji zu

fahren und dort einen Generalstabs-Obersten zu besuchen, für welchen

ich von dem japanischen Militär-Attaché in Wien einen Empfehlungsbrief

mitbekommen hatte. In Rückerinnerung an die in Osaka gehabten

Schwierigkeiten, das für den dortigen Commandanten der Truppendivision

bestimmte Schreiben an seine Adresse gelangen zu lassen, hatte ich dieses

Mal, bereits am 27. April, an den in Rede stehenden Generalstabs-Obersten

geschrieben, und dem Schreiben den Brief des Militär-Attaché beigelegt.

In diesem meinem Schreiben theilte ich dem Obersten mit, dass ich am

29. April, um halb 11 Uhr Vormittag, am Bahnhof in Himeji anlangen und

von dort zu ihm zu Besuch fahren werde, und fügte die Bitte bei, mir dort

einige militärische Einrichtungen freundlichst zeigen zu wollen. Diesen

Brief gab ich, der grösseren Sicherheit halber, recommandirt bei der

Post auf. Bei meiner Ankunft in Himeji war ich etwas verwundert darüber,

Niemand auf dem Bahnhofe zu finden, der mich empfangen und zu dem

betreffenden Obersten geleitet hätte. Ich nahm nun einen Rikscha auf --

englisch sprechende Rikschas gibt es in Himeji nicht -- und wies ihn

an, mit Zuhilfenahme der Angaben über die japanische Sprache in Murray's

Handbuch für Japan, mich zum Castell zu fahren. Vor dem Castell breitet

sich ein grosser Exercierplatz aus, wo vielleicht an 20 Compagnien ihre

militärischen Uebungen machten. Dort stieg ich aus und vermuthete, dass

nun der Oberst an mich herankommen werde. Als dies aber nicht erfolgte,

fragte ich einen japanischen Officier nach dem Generalstabs-Oberst. Der

Officier schien mich nicht zu verstehen und wies nur mit der Hand nach dem

Castelleingange. Ich folgte dieser Weisung, ging dann an der Wache

vorbei, und beabsichtigte, im Innern des Castells irgendwo das Wohnhaus

zu erreichen. Da wurde mir aber von der Wache nachgerufen und mimisch

bedeutet, wieder das Castell zu verlassen. Ich versuchte, mich nun dem

Wachcommandanten, einem Unterofficier, verständlich zu machen, allein

meine Bemühungen blieben erfolglos, und so kehrte ich wieder zum

Exercierplatze zurück, sah mir die Uebungen an, hoffend, dass mich endlich

der Oberst aufsuchen werde. Doch wer nicht kam, war mein guter Oberst, und

erst vier Monate später erhielt ich in der Heimat von ihm einen Brief

des Inhalts, dass es ihn sehr freuen werde, mich in Himeji empfangen

zu können. Es muss also in diesem Falle eine unerklärliche Confusion

vorgewaltet haben; Thatsache ist es immerhin, dass ich mit den

Anempfehlungen des Militär-Attaché in Wien kein sonderliches Glück in

Japan hatte.

Um nun nicht ganz umsonst nach Himeji gekommen zu sein, sah ich längere

Zeit hindurch dem Exercieren der Fusstruppen zu, und constatirte dabei,

dass dasselbe noch viel exacter und strammer war, als jenes, das ich in

Tokio gesehen und beschrieben habe. In Himeji wurden von der Infanterie

auch der Marsch auf der Stelle und der Paradeschritt geübt, aber auch

hier kam der sehr schwerwiegende Fehler der auffallend kurzen Schritte

zum Vorschein. Feuergefechtübungen wurden gar nicht vorgenommen. Beim

Einrücken der Truppenabtheilungen, zur Mittagszeit, beorderte ich meinen

Rikscha, mich in das von Murray bezeichnete Gasthaus zu führen. Dort

angelangt, sah ich weder Gäste noch Küchenvorbereitungen, und als mir gar

von der Wirthin zugemuthet wurde, meine Schuhe auszuziehen, da verzichtete

ich auf die sehr fragliche Bewirthung, die wohl nichts Ordentliches zum

Essen geboten, aber desto sicherer, bei abgelegten Schuhen, eine Erkältung

herbeigeführt hätte. Ich steuerte nunmehr dem Bahnhofe zu, und kaufte mir

dort von Einem der Leute, welche bei der Durchfahrt der Züge Esswaaren

und Getränke feilbieten, jene Sorte von Speisen, welche mir als die

geniessbarste erschien, in Gestalt von kleinen Teigleibchen und eine

Flasche Bier sammt einer Theeschale, da es keine Gläser gibt. Um nicht

einen Wartesaal betreten zu müssen, der in Japan stets schmutzig ist, wo

sonst doch Alles so rein gehalten wird, nahm ich mein Mahl auf dem Perron

ein.

Um ½2 Uhr Nachmittags ging der Zug von Himeji ab, und um ½4 Uhr war ich

wieder in Kobe.

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, abermals einige Bemerkungen

über das Fahren auf der Eisenbahn in Japan zu machen, wenn ich auch

theilweise dabei auf das zurückkomme, was ich schon früher hierüber

gesagt habe. Es ist unbegreiflich, wie vernachlässigt die Waggons sind,

und wie rücksichtslos und ungesittet sich die Japaner auf der Eisenbahn

benehmen. Räuspern, Gähnen, überlautes Husten und Brüllen, lautes

Lesen, ohrenbetäubendes Singen, Ausziehen der Schuhe, des Rockes

u. dgl. m. sind bei den japanischen Passagieren erster Classe an der

Tagesordnung.

Die Frachten, welche auf der Bahn befördert werden, sind meist nur in ein

sehr gutes und festes Binsengeflecht gewickelt.

Die Häuser auf dem Lande sind theils mit Stroh, theils mit rinnenartig

erzeugten Ziegeln gedeckt, haben so wie in der Stadt Holz- oder Lehmwände,

sind mit Zäunen umschlossen, haben Schiebethüren und mit Oelpapier

verklebte Fenster.

Reise über Indien und China nach Japan. Tagebuch mit Erfahrungen, um zu überseeischen Reisen und Unternehmungen anzuregen. · 第 12 / 19 段