zum Victoria-Dock, wo eben drei österreichische Lloydschiffe, und zwar:
^Maria Theresia^, ^Marie Valerie^ und ^Imperatrix^ vor Anker lagen.
Zuerst besuchte ich das Dampfschiff ^Maria Theresia^ respective dessen
Commandanten, überzeugte mich davon, dass meine dort zurückgelassene
Bagage auf den Dampfer ^Marie Valerie^ gebracht worden war und kam dann an
Bord des letztgenannten Schiffes, um den Capitän zu ersuchen, mein
Gepäck bis zu meiner Einschiffung sorgsam aufbewahren zu lassen. Endlich
besichtigte ich noch das Dampfschiff ^Imperatrix^, welches am 1. März
seine Fahrt von Bombay nach Triest antreten wird. Die Besichtigung dieser
drei mächtigen und wunderbar schön gehaltenen Dampfer bewies mir in
erfreulicher Weise, dass wir durch unseren Lloyd in Indien gut vertreten
sind.
Nachmittags wohnte ich im Yachtclub dem Concerte einer englischen
Militärcapelle bei. Von der hochgelegenen Terrasse des Clubgebäudes aus
geniesst man eine herrliche Aussicht auf das unmittelbar anliegende, von
unzählig vielen Schiffen bedeckte Meer und auf die dem Hafen vorgelagerten
Inseln. Inmitten der Terrasse dehnt sich ein grosser Rasenplatz aus,
welcher, mit englischem Gras bewachsen, trotz des tropischen Klimas
einem grünen Teppiche gleicht. Längs der zum Abschlusse gegen das Meer
errichteten niederen Mauer war eine grosse Anzahl von Tischen aufgestellt,
an welchen viele Clubmitglieder mit ihren Familien Platz genommen hatten.
_Am 25. Februar_ stellte ich mir Vormittags Notizen über die jüngst
vergangenen Tage in Bombay als Anhaltspunkte für dieses Tagebuch zusammen.
Die mir von unserem Consulate in zuvorkommender Weise verschafften
Eintrittskarten zur Besichtigung der Hindu-Verbrennungs- und
Begräbnissstätte, sowie der Parsen-Todtesstätte »Thürme des
Schweigens« benützte ich deshalb nicht, weil ich gegen die eine, wie die
andere Vernichtungsart der Verstorbenen einen unüberwindlichen Widerwillen
empfinde, und weil ich es unvorsichtig fand, zu einer Zeit zu diesen
Begräbnissorten zu gehen, zu der so viele an der Pest gestorbene Leute
dahin gebracht werden.
Auch das allgemeine grosse Thierspital »Pinjra Pol« besuchte ich nicht,
weil dort fast ausschliesslich nur ekelerregende Thiere zu sehen sind.
Dieses Spital ist inmitten des Eingeborenenviertels errichtet, und werden
dorthin alle hinfälligen und arbeitsunfähigen Thiere gebracht und bis zu
ihrem Eingehen gut gehalten, weil, wie bereits erwähnt, bei den Hindus der
Glaube herrscht, dass in jedem Thiere die Seele eines der Ihren weile.
Bei dieser Gelegenheit will ich hier noch anführen, dass ich die Absicht,
auf die Jagd zu gehen, definitiv aufgegeben habe. In der Nähe von Bombay
ist mehr oder weniger Alles abgeschossen und könnte man im besten
Falle nur auf einige Rebhühner zum Schusse kommen, und die Jagd auf
aussereuropäische Thiere kann nur mit der Bewilligung eines weiter
entfernten Madharadschas und mit der Zustimmung des dort angestellten
englischen Commissärs veranstaltet werden -- ein Unternehmen somit, das
weit mehr Zeit erfordert hätte, als mir zur Verfügung stand.
Nach dem Tiffin, welches ich in Gesellschaft des Consularsecretärs und
Attaché's in meinem Hôtel eingenommen hatte, fuhr ich durch den von
den Einheimischen bewohnten Theil der Stadt zu dem Victoria garden. Die
Strassen in diesem Nativesviertel sind ziemlich rein gehalten, aber
die Häuser und die gegen die Strassenseite offenen Werkstätten und
Verkaufsbuden aller Art sind schmutzig und von Menschen überfüllt. Auf
den Strassen selbst eilen tausende braune und schwarze Leute in bunter,
jedoch meist sehr mangelhafter Bekleidung hin und her. Längs des sehr
langen Weges bis zum Victoria garden sind indess auch viele schöne
Gebäude für gemeinnützige Zwecke eingestreut. So z. B. stehen dort
mehrere Hindutempel, das Gefängnisshaus, das grosse medicinische Collegium
mit seinem Laboratorium zur Ausbildung von Einheimischen, das Spital
für arme Indier, das Gebärhaus, sowie das Weiber- und Kinderspital für
Einheimische, die jüdische Synagoge, das Polizeihaus, die von katholischen
Geistlichen geleitete grosse Schule, um in derselben die Kinder zum
Christenthume zu erziehen, ein Pensionat für europäische Kinder, das
St. Elisabethhaus für europäische Witwen und Frauen, welche sonst kein
Unterkommen finden, und die schottische Erziehungsschule.
Der Victoria garden ist ein sehr grosser, der Bevölkerung stets offen
stehender Garten, welcher sehr gut gehalten ist, und der alle Bäume,
Pflanzen und Blumen des Landes in sehr schönen Exemplaren, sowie in
zerstreut stehenden, vielen grossen eisernen Käfigen alle in Indien
vorkommenden wilden Thiere enthält. Anschliessend an diesen Garten steht
das Victoria- und Albert-Museum, in welchem die Rohproducte, Mineralien,
Manufacturen und die naturhistorischen Muster von Indien ausgestellt sind.
Nach meiner Rückkehr in das Hôtel entsprach ich der liebenswürdigen
Einladung des deutschen Generalconsuls und fuhr in Gesellschaft des
österreichisch-ungarischen Vertreters in die elegante Villa unseres
Gastherrn auf dem Malabar Hill, wo uns ein ausgezeichnetes Diner erwartete.
Wir sassen dort vor, wie nach der Tafel in einem des Luftzuges halber
nach allen Seiten hin weit geöffneten Salon. Die in den Tropengegenden
allgemein eingeführte Sitte, sich in den Häusern der Zugluft auszusetzen,
hatte in diesem besonderen Falle für mich ein recht verdriessliches
Nachspiel. Kaum zu Hause angelangt, wurde ich von choleraartigen Krämpfen
befallen, und ich verdanke es nur meiner mitgebrachten Hausapotheke und der
eigenen kräftigen Massage, dass ich des nächsten Morgens ohne ärztliche
Beihilfe wieder auf den Beinen war.
Als _am 26. Februar_, um 9 Uhr Früh, der deutsche Generalconsul bei
meinem Hôtel vorfuhr, um mich Tags vorher verabredeter Weise abzuholen,
befand ich mich wieder so weit wohl, dass ich denselben begleiten konnte.
Wir begaben uns zusammen zu einem Thierarzte, bei welchem das eine seiner
Wagenpferde, welches er vor kurzer Zeit um 700 Rupien gekauft hatte,
nun seit sechs Wochen in Behandlung stand. Ich war in Rücksicht auf das
geringe Vertrauen, welches ich den Einheimischen bei Behandlung von
Pferden entgegengebracht hatte, sehr erstaunt über ihre Erfahrung und
Geschicklichkeit. Der englische Einfluss war dabei nicht zu verkennen.
Während unserer Rückfahrt sahen wir eben einen Mann, welcher auf der
Strasse von der Pest befallen worden und zusammengestürzt war. Diese böse
Krankheit hat jetzt in Bombay schon einen hohen Grad erreicht und ist
noch stets im Zunehmen begriffen. Täglich werden beinahe 300 Menschen von
dieser Epidemie befallen, und davon sterben die Meisten binnen längstens
24 Stunden. Langsam breitet sich die Krankheit über das ganze Land aus,
und auch die beiden nächstgrossen indischen Städte Calcutta und Madras
wurden hiervon bereits ergriffen.
Die englische Regierung ist in Folge des fanatischen Aberglaubens im Volke,
dass die bösen Götter die Krankheit gesendet haben, und dass man diesen
nicht entgegenarbeiten dürfe, ausser Stand gesetzt, energische Massregeln
gegen das stetige Umsichgreifen der Pest einzuführen. Ja, vor drei Jahren,
als die Pest zuerst auftrat und die englischen Behörden mit aller
Strenge dagegen einschreiten wollten, kam es zu einem bösen Aufstande der
einheimischen Bevölkerung, wobei der Pöbel jeden ihm entgegenkommenden
Europäer tödtete. Erst durch Waffengewalt konnte die Ruhe wieder
hergestellt und durch das Zurücknehmen aller angeordneten hygienischen
Massnahmen weiter erhalten werden.
Bewunderungswürdig ist es, dass die in Bombay weilenden Europäer von der
furchtbaren Epidemie keine Notiz nehmen, ruhig und ganz furchtlos auf
ihren Posten verbleiben und hierdurch auch den Einheimischen, welche sonst
haufenweise fliehen würden, den Muth einflössen, auszuharren.
Bombay und vielleicht so ziemlich ganz Indien haben kein gesundes Klima.
Dies beweist ebenso das immerwährende Fortbestehen der Cholera neben der
Pest, als auch, dass alle Krankheiten einen raschen und bösen Verlauf
nehmen und so viele Menschen an heftigen Husten leiden, wie ich dies in
meinem Hôtel Tag und Nacht bei den nebenwohnenden Passagieren wahrnehmen
konnte.
Nach der Heimfahrt fühlte ich mich zwar nicht mehr leidend, aber doch
nicht so wohl wie gewöhnlich, und so entschloss ich mich, die geplante
Reise nach Poona ganz aufzugeben.
Nachmittags unternahm ich noch eine schöne Spazierfahrt längs den Ufern
des Back Bays. Links ging mein Weg an den Spielplätzen (Gymkhana) für die
Parsen, die Muhamedaner und die Hindus, rechts an der Verbrennungsstätte
der Hindus, an dem muhamedanischen Begräbnissorte und an dem christlichen
Friedhofe vorbei, dann gelangte ich zu dem »Albless Bagh«, dem Hauptorte
für die feierlichen Vermählungen unter den Parsen, dann zu einer grossen
Kunstschule und schliesslich hinauf auf den Malabar Hill mit seinen
schönen Bungallows der Europäer. Dort sah ich auch den Complex der
Bungallows des englischen Gouverneurs und auf der obersten Kuppe des
Hügels das riesige Wasserreservoir für ganz Bombay mit den darauf
angelegten sogenannten »hängenden Gärten«. Dort angekommen, verliess
ich den Wagen und betrachtete mir lange die entzückende Aussicht auf
die am Fusse des Hügels zwischen Cocosnussbäumen gelegene Vorstadt
von Bombay, auf die Stadt selbst mit ihren schönen Palästen und
Baulichkeiten, worunter besonders der Victoria-Bahnhof und das neue
Gebäude einer anderen Eisenbahngesellschaft hervorragen, und endlich
weiter hinaus auf das im Abendsonnenscheine erglänzende unabsehbare, weite
Meer.
Von hier aus fuhr ich weiter, vorbei am Fusse des Hügels, auf welchem die
»Thürme des Schweigens« erbaut sind, und sah ringsum auf allen Bäumen
die Geier sitzen oder sich im schwerfälligen Fluge vorwärts schwingen,
darauf wartend, dass ihnen in empörender Weise die gewohnte Nahrung
geboten werde. Sonach passirte ich die sogenannte Mahatumi-Batterie, wo
die schweren Küstengeschütze die Mündungen wohl nach auswärts gerichtet
haben, aber bei einem etwaigen Aufstande in Bombay auch sehr vortheilhaft
gegen die Stadt wirken können, und kam an den europäischen Seebädern
vorbei, um von dort auf der von Palmen eingesäumten Wagenpromenadestrasse
in mein Hôtel zurückzukehren.
_Am Montag, den 27. Februar_, war mein Unwohlsein vollkommen behoben, aber
dennoch kaufte ich mir auf dringendes Anrathen unseres Generalconsuls zwei
Cholerabinden als Präservativmittel gegen ähnliche Erkältungen. Sodann
liess ich mir in einem sehr eleganten Confectionsgeschäfte, dessen Inhaber
ein Wiener ist, zwei Tropenanzüge zum Preise von 22 Rupien anfertigen.
Zum Tiffin waren der Viceconsul und ich von dem Generalagenten in das
Hôtel »Bombay« eingeladen worden. Als ich aber bei der Zusammenkunft
erfuhr, dass der Koch dieses Hôtels Morgens an der Pest gestorben
sei, fand ich es doch angezeigter, dass die Herren meine Gäste im
Esplanade-Hôtel werden, wo der Koch sich noch vollster Gesundheit erfreut.
Am Nachmittag machte ich einen kleinen Spaziergang, schrieb an meinem
Tagebuche und liess die Vorbereitungen zur Abreise treffen.
_Am 28. Februar_ machte ich meine Abschiedsbesuche. Alle die vorerwähnten
Herren hatten sich während der elftägigen Dauer meines Aufenthaltes in
Bombay meiner in der liebenswürdigsten Weise angenommen und wesentlich
dazu beigetragen, mir diese Zeit angenehm und unterhaltend zu gestalten.
Gegen Abend unternahm ich noch eine kurze Spazierfahrt durch die Stadt,
um noch einmal die vielen neuen und interessanten Eindrücke, die ich hier
empfangen hatte, vor meinen Augen vorüberziehen zu lassen.
Die Auslagen in Bombay haben aus folgenden Gründen für mich einen
höheren, als den normal anzunehmenden Betrag erreicht. Für's Erste musste
ich in meinem Hôtel, obwohl ich sehr häufig anderwärts ass und stets
vorher rechtzeitig absagen liess, dennoch die volle Pension entrichten,
dann hatte ich die Aufnahme in den Yacht-Club und das dortselbst von mir
gegebene Diner zu bezahlen, hatte mehrmals Gäste in meinem Hôtel und
schliesslich machte ich verschiedene Einkäufe von Büchern, Spielen und
Kleidern.
Die Abrechnung stellt sich folgendermassen zusammen:
Pension für Wohnung sammt vier Mahlzeiten
täglich für 11 Tage 110 R. oder 88·-- fl.
(Mit Cook's Hôtelkarten wäre die Pension
pro Tag nur auf 4 fl. zu stehen gekommen,
also für 11 Tage auf 44 fl.)
Für Getränke, Wäschewaschen und Trinkgelder
im Hôtel 20 R. " 16·-- fl.
Für Fahrten, Pferdeausstellungen, Rennen und
Ausflug nach der Elephanten-Insel 30 R. " 24·-- fl.
Für Diner und Tiffin mit Gästen, Aufnahme in
den Yacht-Club und Diner dort 96 R. " 75·40 fl.
Für Bücher und 80 Ansichtskarten sammt Marken 42 R. " 33·60 fl.
Für Toiletteauslagen 35 R. " 28·-- fl.
-------------------------
Zusammen 333 R. oder 264·-- fl.
_Am 1. März._ Nachdem ich, sowie alle anderen Einzuschiffenden, wegen
der Pestinficirung der Stadt von einem behördlich angestellten Arzte
untersucht und als gesund anerkannt wurden, und ich mich von den Herren
des Generalconsulats und vom Lloydagenten, die zum Abschied auf den Dampfer
gekommen waren, empfohlen hatte, setzte ich um 11 Uhr Vormittags auf dem
Dampfschiffe ^Marie Valerie^ meine Reise nach Japan fort.
Bevor ich das Capitel über Bombay beschliesse, halte ich es nicht für
überflüssig, noch einige von mir gemachte Erhebungen, sowie die während
meines dortigen Aufenthaltes gewonnenen Anschauungen und Wahrnehmungen,
welche die allgemeinen Verhältnisse in Bombay oder in Indien überhaupt
betreffen, zum Ausdrucke zu bringen, und ich will zu diesem Zwecke gleich
mit der Armee beginnen.
Im Jahre 1642 landete das erste englische Bataillon in Indien, und seit
dieser Zeit wurde nach und nach dieses Land mit seinen 300 Millionen
Einwohnern, welches grösser ist als ganz Europa, der englischen Herrschaft
theils direct, theils indirect unterworfen. Dieses immense Reich,
welches mit unschätzbaren Reichthümern ausgestattet ist und einst von
einheimischen prachtliebenden Fürsten in prunkvollen Palästen regiert
wurde, musste sich die Fremdherrschaft gefallen lassen und sich dem Willen
Grossbritanniens unterwerfen, und dies Alles wurde mit dem Aufgebote von
verhältnissmässig sehr kleinen militärischen Machtmitteln erreicht.
Die englische Armee, deren Stand in Indien zu keiner Zeit grösser war
als eben jetzt, besteht nur aus 70.000 Mann, von welchen nach
übereinstimmenden autoritativen Aussagen zur Zeit etwa 30.000 an
ansteckenden Krankheiten in den Spitälern untergebracht sein sollen. Die
einheimische Armee, welche sich in Indien selbst rekrutirt, ist wenigstens
vierfach so stark, untersteht aber, wenigstens vom Hauptmann oder
Rittmeister aufwärts, den Befehlen englischer Officiere. Was speciell
die Artillerie anbelangt, so wird dieselbe beinahe ausschliesslich nur
von englischen Truppen beigestellt, und ist auch in Friedenszeiten
hauptsächlich nur in die eigene englische Armee eingereiht.
Sowohl die englische wie die einheimische Armee zerfällt in drei
Hauptgruppen, und zwar in jene von Bengalen, Madras und Bombay.
Die _englische Armee_ in Indien besteht aus:
Infanterie- Cavallerie- Batterien Artillerie-
Bataillone Regimenter Compagnien
in _Bengalen_ 34 6 39 13
in _Madras_ 10 2 13 3
in _Bombay_ 8 1 14 7
----------------------------------------------------
Also in Summe: 52 9 66 23
Die Stärke eines Bataillons oder eines Cavallerie-Regimentes beträgt
circa 600 Mann, und die einer Batterie 150-160 Mann mit 150 bis 200
Pferden.
Der Wechsel der englischen Truppen in Indien mit jenen in Grossbritannien
ist auf einem 13jährigen Turnus für die Infanterie festgestellt, und
kehren somit jedes Jahr vier Bataillone aus Indien nach England zurück.
Bei der Cavallerie wechselt jährlich ein Regiment.
Die _einheimische Armee_ besteht aus:
Infanterie- Cavallerie- Batterien Sappeur- und
Regimenter Regimenter Mineur-Corps
in _Bengalen_ 49 24 7 1
in _Madras_ 33 4 -- 1
in _Bombay_ 26 7 -- 1
---------------------------------------------------
In Summe: 108 35 7 3
Bei den Batterien befinden sich auch schwere Batterien, welche von
Elephanten gezogen werden. Sämmtliche Batterien werden nur von englischen
Officieren befehligt. Auch eine Abtheilung von Kameelreitern ist in dem
Armeestande ausgewiesen.
Ein einheimisches Infanterie-Bataillon hat 8 Compagnien mit 8 englischen
und 16 eingeborenen Officieren, 40 Sergeants, 40 Corporalen, 16 Tambours
und 800 Mann. Die Einheimischen werden nach ihren Racen und heidnischen
Religionssecten in die Compagnien eingereiht.
Ein einheimisches Cavallerie-Regiment hat 4 Escadronen mit 9 englischen und
17 eingeborenen Officieren, 64 Unterofficieren, 8 Trompetern und circa 550
Reitern. Hierzu kommen noch viele freiwillige Officiere, welche von der
englischen Regierung aus den besten Ständen der Einheimischen ernannt
und von diesen hoch angesehen werden, wenngleich sie auch unter keiner
Bedingung höhere Chargen erreichen können. Die Adjustirung besteht aus
einem leichten, braunen Wollstoffe, Tropenhelme für Officiere und Turbanen
für die Mannschaft. Die Ausrüstung für die Cavallerie schliesst in
sich Korbsäbeln und Revolver für die Officiere und Gewehre für die
Mannschaft.
Die Bezahlung der einheimischen Infanterie-Officiere beträgt nebst der
vollen Verpflegung 50-150 Rupien, und für die Mannschaft 7 bis 23 Rupien
pro Monat. Die einheimischen Cavallerie-Officiere erhalten ausser der
Verpflegung 60-300 Rupien und die Reiter 27-51 Rupien pro Monat, doch muss
hiervon auch die Erhaltung des Pferdes gedeckt werden. Die einheimischen
Truppen haben seit jeher sowohl zur Eroberung des Landes, als auch zur
Unterdrückung von Aufständen wesentlich beigetragen.
Abgesehen von diesen Truppen, sind indess auch die von England abhängigen
Fürsten verpflichtet, im Bedarfsfalle entsprechende Contingente
beizustellen. Diese Truppen sollen aber, wie man mir versichert, ganz
unfähig und unbrauchbar sein.
Die Bezahlung der englischen Officiere ist sehr gut, denn sie besteht aus
jener in ihrem Heimatlande und einer weiteren Zulage. Jedenfalls erwächst
durch den grossen Bedarf an höheren Officieren in der indischen Armee dem
verhältnissmässig kleinen Mutterlande eine namhafte Anzahl von sehr guten
und angesehenen Stellen für seine Söhne.
Aber nicht nur die Armee, sondern auch die Civilverwaltung Indiens
verschafft den englischen Unterthanen eine Reihe von einträglichen Posten.
Ich nenne hier nur den Vicekönig, die Gouverneure der Provinzen, die
Beamten der politischen, juridischen, finanziellen und mercantilen
Behörden, die Schulleitungen, die Beiräthe bei den Gemeinden u. s. w.
-- alle diese Stellen werden von Engländern besetzt und sind reich
dotirt. Hierzu kommen noch die königlichen Commissäre, welche allen noch
bestehenden Fürsten (Maharadschas) beigegeben und vorzüglich gut gestellt
sind, es hierbei aber auch verstehen, derartig aufzutreten, dass diese
Fürsten gar nichts unternehmen können, was den Engländern nicht genehm
wäre.
Die eben aufgezählten Vortheile sind aber wohl noch verschwindend gegen
jene, welche England aus dem Handel und der Industrie Indiens erwachsen
sind und noch erwachsen. Es wäre sehr interessant, wenn ein Statistiker
erforschen und bekannt geben könnte, welch' riesenmässige pecuniäre
Vortheile den Engländern jährlich von ihren aussereuropäischen
Besitzungen zufliessen.
Die Arbeitskraft ist in Indien erstaunlich billig, denn sie beträgt per
Mann und Tag nur 4 Anas = 20 kr. Mit dieser Arbeitskraft können
sowohl der sehr fruchtbare Boden bestellt als auch alle Bau- und
Industrieunternehmungen betrieben werden. So bestehen, wie ich schon
erwähnte, in Bombay allein Baumwollspinnereien mit mehreren Millionen
Spindeln und 15.000 Webestühle, wozu über 70.000 Arbeiter in Verwendung
stehen.
Zur billigen Arbeitskraft gesellen sich noch die Ausdehnung der
Schienenstränge und die Billigkeit des Frachtenverkehres, um dem Handel
den nöthigen Impuls und die gewünschte Erleichterung zu bieten. Das
Eisenbahnnetz in Indien umfasst 20.000 ~km~ und die Verfrachtung der
Waaren ist die denkbar billigste, sowohl zu Land als am Meere. In Folge
dessen hat auch seit dem Durchstiche des Suez-Canales der Verkehr mit dem
Mutterlande eine erstaunliche Höhe erreicht.
Wenn man bedenkt, dass von allen grossen mitteleuropäischen Häfen Triest
wohl Indien am nächsten gelegen ist und auf dem directesten Wege in das
Herz von Europa fährt, und dass unser Lloyd den Handel zwischen unserem
Welttheil und dem fernen Osten so ausgezeichnet vermittelt, so sollte man
unbedingt meinen, dass der diesbezügliche Verkehr im steten Aufschwunge
begriffen sei, und dass speciell für Oesterreich-Ungarn hieraus ein
grosser Gewinn erstehen müsse. Dem ist indess leider durchaus nicht so.
Unser Handel nach Indien ist ein recht mässiger und erstreckt sich in der
Hauptsache nur auf Ausfuhr von Zucker und allenfalls von Papierwaaren
und auf die Einfuhr von Wolle. Die Ursachen für diese beklagenswerthe
Thatsache sind mannigfache; sie liegen zum grossen Theile in dem Mangel an
Unternehmungsgeist und an werkthätigem Eingreifen unserer industriellen
und mercantilen Kreise. Dazu kommt noch, dass in unserem gesetzgebenden
Körper wegen unfruchtbarer Streitigkeiten weder Zeit noch Musse dafür
gefunden wird, die grossen handelspolitischen Ziele unserer Monarchie fest
in's Auge zu fassen und die Gelegenheit nicht wahrgenommen wird, uns an
dem grossen Gewinne des Welthandels Theil nehmen zu lassen. Diese
inneren Kämpfe kosten unserem Reiche Millionen und in der Zwischenzeit
überflügelt uns das Ausland.
Bezüglich Bombay's muss ich noch erwähnen, dass, nach der Ansicht von
best orientirten Leuten, es zu vermuthen steht, Bombay werde nach und
nach seine hoch hervorragende Stellung als erster indischer Handelsplatz
einbüssen und dieselbe an Karachi im Mündungsgebiete des Indus, an der
Grenze zwischen Indien und Balutschistan, abgeben müssen.
Schliesslich will ich noch anfügen, dass ich mir durch die gütige und
vortreffliche Vermittlung des Viceconsuls in Bombay nachstehende Producte
aus Indien erwerben konnte, und zwar 64 Sorten von Samen indischer Bäume,
um selbe im Heimatlande an verschiedene Anstalten und Personen zu senden,
damit Versuche gemacht und die bei uns gut gedeihenden Bäume eingeführt
werden können, dann 35 Stück kunstvoll erzeugte Modelle von indischen
Früchten, um selbe einer Anstalt in der Heimat zu senden, und endlich 6
Stück Vorhänge mit originellen Seidenstickereien.
Fahrt von Bombay nach Penang.
_1. März._ Zuerst ging der Lloyddampfer ^Marie Valerie^ sehr vorsichtig
aus den engen, mit vielen Dampfern besetzten Docks glücklich heraus, und
fuhr dann durch den äusseren Hafen zwischen vielen Segelschiffen in das
freie, weite Meer hinaus. Windstill und sonnenhell, deshalb aber auch
brennend heiss war es, so dass ich mich selbst auf dem durch Plachen gegen
die Sonnenstrahlen geschützten Decke wie in einem Dampfbade fühlte.
Unser Schiff ist kleiner als der Dampfer ^Maria Theresia^ und dabei anders
eingetheilt, und zwar so, dass die Passagier-Unterkünfte sich mehr in
der Mitte desselben befinden und sich dort daher die Schwankungen weniger
fühlbar machen. Der Speisesalon unter, sowie der Sitz- und Rauchsalon ober
dem Decke sind kleiner, dagegen die Schiffscabinen grösser als auf der
^Maria Theresia^. Im Uebrigen ist dieser Dampfer ebenfalls vortrefflich
gehalten, und sein Capitän äusserst zuvorkommend.
Ausser mir war in Bombay nur noch ein Passagier eingestiegen. Es ist dies
ein Doctor, aus Nordböhmen gebürtig, welcher nach Singapore fährt, um
dort vor der Hand für einen zeitweilig nach Europa fahrenden Arzt die
Praxis zu versehen und sich auch eventuell, wenn es ihm gefällt, in der
genannten Stadt ganz zu etabliren. Er ist ein sehr gebildeter junger
Mann, der englischen Sprache vollkommen mächtig, und ein angenehmer
Reisegefährte, der gute Anschauungen hat und mit dem es sich gut plaudern
lässt.