Ich nahm das Tiffin bei den beiden obgenannten Herren in ihrem Zelte ein;

das Essen war von ihrem Koche, einem sogenannten »Portugiesen«, sehr gut

zubereitet und wurde von den beiden schwarzen Dienern flink servirt. Nach

Tisch besichtigte ich die Pferde der Herren, und zwar zwei australische

Reitpferde, sowie ein australisches und ein ungarisches Wagenpferd. Die

australischen Pferde sind zwar kräftig gebaut, aber blutlos, und werden

deshalb durch Kreuzung mit englischen Pferden auf einen besseren Stand

gebracht. Die Pferde werden hier zu Lande täglich zweimal mit Wasser ganz

überschüttet, gewaschen, abgewischt und schliesslich am ganzen Körper

massirt. Sie sind im Haar schön glänzend, befinden sich indess, der sie

stark angreifenden Hitze halber, zumeist nicht in einem sehr wohlgenährten

Zustande.

Gegen Abend machte ich mit den Herren eine Ausfahrt auf der

Wagenpromenadestrasse längs des Strandes gegen Malabar Hill und konnte

da eine grosse Anzahl von ein- und zweispännigen Equipagen sehen, deren

Besitzer zum grossen Theile Einheimische, vorzüglich Parsen waren. Wagen,

Pferde und Geschirre sind nach europäischem Zuschnitt, und Kutscher und

Bediente, ganz schwarze Leute, sind eigens gekleidet. Dieselben tragen auf

dem Kopfe einen hübsch ausgestatteten Fez, und im Uebrigen schöne, mit

Goldknöpfen versehene Livréen nach europäischer Art; nur bleiben die

Beine und Füsse nackt, so dass es von der Ferne den Anschein hat, als ob

die Leute schwarze Lackstiefeln angezogen hätten. Burlesk sehen solche in

rothen, goldbetressten Röcken und Bridges angezogene schwarze Kerle mit

den blossen, schwarzglänzenden Beinen allerdings aus. Die Bedienten haben

noch einen ½ ~m~ langen Stab mit daran hängenden Pferdeschweifhaaren in

der Hand, laufen beim Anfahren des Wagens eine Strecke neben den Pferden

mit, schwingen sich sonach auf den Bock, verschlingen die Arme und

halten den besprochenen Wedel senkrecht in die Höhe. Bei den vornehmen

zweispännigen Equipagen stehen rückwärts auf dem Trittbrette zwei

livrirte baarfüssige Bediente und halten in strammer Stellung jeder einen

Wedel in der äusseren Hand senkrecht nach aufwärts. Diese Wedel haben die

Bestimmung, von den Pferden die Fliegen und Mücken wegzutreiben.

_Am 20. Februar_ war die Hitze noch mehr gestiegen und betrug 25° R. im

Schatten.

Ich gab nun endgiltig die Idee einer Reise nach Delhi und Agra auf, und

entschloss mich, die Zeit bis zur Weiterfahrt dazu zu benützen, Bombay und

Umgebung eingehend zu besichtigen und dann noch auf einige Tage nach dem

fünf Stunden entfernten Orte Poona, der fashionablen Sommerstation von

Bombay, zu fahren.

Zu jeder Excursion nach dem Inneren von Indien muss man unbedingt einen

eigenen Diener mitnehmen. Hierzu gibt es speciell dafür bestimmte Leute,

welche ausser ihrer Muttersprache auch der englischen Sprache mächtig

sind, und welchen man für etwa zehn Tage 12 bis 15 Rupien, das sind

10-12 fl. Lohn und ausserdem pro Tag 8 Anas, das sind 40 kr., für ihre

Verpflegung zu geben hat. Wohl erheben diese Leute hie und da noch den

Anspruch, ihnen einen besonderen Anzug zu geben, doch braucht man nicht auf

diese Forderung einzugehen. Die Reisen in Indien sind gewiss nicht theuer.

So z. B. hätte, wie bereits gesagt, die Eisenbahnfahrt von Bombay nach

Agra und Delhi und zurück, das ist eine Strecke von 3000 ~km~, für

mich auf der ersten Classe nur 120 Rupien und für den Diener 20 Rupien

gekostet. Hierzu wären noch für mich Hôtel- und Kostcoupons von Cook,

das sind 4 Rupien pro Tag oder 40 Rupien für zehn Tage, hinzu zu rechnen

gewesen. Mithin wäre die ganze Reise von acht Tagen für mich und den

Diener sammt Verpflegung und Unterkunft auf 200 Rupien oder 160 fl.

gekommen. Das ist doch ausserordentlich billig!

Nachmittags besichtigte ich eine Pferdeausstellung, bei welcher die Pferde

theils im Hürdenspringen, theils im Kunstfahren producirt wurden. Die

Hürden waren wohl 1 ~m~ hoch, aber bis zur halben Höhe so weich, dass

sie gestreift werden konnten. Zum Kunstfahren waren wie beim Croquetspiele

in verschiedenen Richtungen Durchfahrten markirt, die im gleichmässigen

Trabtempo durchfahren werden mussten.

Bei dem Springen wurden australische und arabische Pferde vorgeführt,

welche von Gentlemen, hauptsächlich von englischen Officieren in Civil,

recht schneidig geritten wurden. Die Pferde waren mit Pritsche gesattelt

und mit Wischzaum, hie und da auch mit Pelham gezäumt. Bei dem Fahren

sah man hauptsächlich nur arabische Pferde, welche theils von Gentlemen,

theils von Damen, mitunter auch von vermögenden Einheimischen, in

zweirädrigen leichten Wagen kutschirt wurden.

Der Platz war recht hübsch hergerichtet, mit Fahnen reich geschmückt,

und auf demselben hatten die verschiedenen Clubs Zelte aufgeschlagen,

in welchen Erfrischungen genommen werden konnten. Eine Militärmusik

von Einheimischen concertirte recht gut Piècen aus Operetten, Walzern

u. s. w. Grosse, magere englische Damen in eleganten Toiletten stolzirten

mit englischen Herren in steifer Haltung herum, und reiche Einheimische,

speciell Parsen, sassen vorne an der Leine, ein buntes Gemisch tropischer

Trachten.

_Am 21. Februar_ machte ich einen Spaziergang durch die Stadt, um das

Volksleben zu studiren. Die hiesigen Eingeborenen gehören hauptsächlich

drei Stämmen, und zwar den Hindus, den Parsen und Mohamedanern an. Die

Hindus zerfallen wieder in sehr viele verschiedene Kategorien, welche durch

Zeichen mit Oelfarbe auf der Stirne sich den Religionssecten gemäss von

einander unterscheiden. Diese Farbenzeichnung erinnert an jene, wie sie in

einem Bienenhause auf den verschiedenen Körben gemacht werden, damit die

Biene ihre Familie leichter erkenne. Auch in der Körperfarbe selbst gibt

es Verschiedenheiten, und stehen Leute mit brauner Hautfarbe in höherem

Ansehen als jene mit schwarzer. Da nun die Hindus, sowie die Heiden

überhaupt, uns Europäer als Christen und Fleischesser sehr verachten, und

da eine Bedienung von uns, speciell das Serviren von Fleischspeisen, von

den etwas besseren, braunen Hindus ihrer Religion gemäss verschmäht wird,

so sind es nur die Leute von der geringer angesehenen schwarzen Hindurace,

welche bei den Europäern und in den europäischen Hôtels und Clubs als

Diener fungiren.

Die Bekleidung der männlichen Hindus besteht aus einem Stück Linnen,

welches um die Hüften geschlungen ist, und hie und da aus einem kurzen,

weissen Leibchen auf dem Oberleib, sowie aus einem langen, breiten, weissen

Leinenstreifen, welcher in ebenfalls breiter Form um den Kopf getragen

wird. Die Köpfe sind vielfältig glatt rasirt.

Die schwarzen Diener bei Privaten, in den Hôtels und Clubs tragen im

Allgemeinen weisse Kleider nach europäischem Schnitte, tragen das Haupt im

Hause unbedeckt und das tiefschwarze Haar nach unserer Weise geordnet. Beim

Ausfahren haben die Kutscher und Diener buntfärbige und verschiedenartig,

turbanähnlich geformte Kopfbedeckungen.

Viele von den braunen Hindus tragen ziemlich grosse Ringe aus Golddraht mit

eingelegten Perlen durch die oberen Theile der Ohrmuschel durchgezogen.

Die Hinduweiber sind auf den Strassen nicht viel zu sehen, da sie selten

von ihrer Hütte und dem dieselbe umgebenden Vorraume fortkommen. Diese

Weiber tragen ein farbiges Linnen um die Hüften und um den oberen Theil

der Beine, ferner ein dunkles, enge anliegendes Leibchen, und dann und wann

noch einen farbigen Leinenstreifen über den Oberleib, dazu kommen noch

beinahe ausnahmslos fingerdicke Silberreifen an den unteren Enden der

Arme und Beine, sowie grössere oder kleinere Ringe aus Golddraht mit

eingelegten Perlen durch die Nasenflügel derart gezogen, dass sie

einseitig über den Mund herabhängen. Selbst die bei dem Bau von Häusern

oder zum Gassenkehren verwendeten Taglöhnerinnen haben Silberreifen um

Hand- und Fussknöcheln, sowie auch Goldringe in den Nasenflügeln.

Die Ehe der Hindus wird von den beiderseitigen Eltern für ihre Kinder

schon im Alter von drei bis sechs Jahren gegenseitig festgesetzt, und diese

Verabredung gilt bereits als Ehe. Die beiderseitigen Gatten kommen indess

erst zusammen, wenn der Mann 16-18 Jahre, die Frau 12-14 Jahre alt

geworden ist, wobei dann eine Feier stattfindet, zu welcher die Brauteltern

verpflichtet sind, möglichst viele Verwandte und Bekannte einzuladen.

Dabei gibt es dann auch eine Musik von Trommeln, Trompeten, Schlägern

u. s. w., mit welchen ein wahrer Heidenspectakel erzeugt wird. Die von

den beiderseitigen Eltern für ihre Kinder in deren frühester Jugend

verabredete Ehe ist für die beiden künftigen Eheleute absolut bindend,

so dass das Mädchen, wenn der ihr zugesprochene Junge vor der wirklichen

Heirat stirbt, in früheren Zeiten als Witwe verbrannt wurde, jetzt aber

sich nicht mehr vermählen darf. Die Schwiegereltern aber schlagen und

verfolgen ein solches Mädchen, weil sie nach ihrer Göttervorstellung

annehmen, dass dasselbe am Tode ihres Sohnes schuld sei.

Die Mütter tragen ihre unbekleideten Kinder bis zum fünften oder

sechsten Lebensjahre auf einer ihrer Hüften reitend in der Weise, dass

die Vorderseite des Kindes gegen die Mutter zugewendet ist, und diese den

betreffenden Arm um den Rücken des Kindes geschlagen hat. Im Allgemeinen

ist dem Hinduweibe Eitelkeit und eine gewisse Geziertheit eigen. Die

Männer, wenn sie eben nicht arbeiten, liegen oder hocken auf der Strasse

herum, und zwar das letztere in der Art, dass die Waden die Oberschenkel,

und diese wieder die Brust berühren. Sämmtliche Hindus unterstehen

unbedingt den Regeln des Kastengeistes, und so folgen die männlichen

Kinder stets der Thätigkeit ihres Vaters nach. Den Satzungen ihrer

Religion gemäss glauben die Hindus an das Uebergehen der Seele der

verstorbenen Menschen in Thierkörper. Sie halten deshalb alle Thiere sehr

gut, tödten sie nicht und nähren sich nur von Pflanzenkost, besonders von

Reis. Selbst die vornehmsten und vermögendsten Hindus führen die Speisen

mit den Fingern in den Mund.

Der allerangesehenste Stamm der Hindus ist der der Brahmanen, welche

die Selbstpeinigung als das höchste Ziel des Lebens ansehen. Da gibt

es Brahmanen, welche z. B. eine Hand seit ihrer Jugend stets zur Faust

geschlossen gehalten haben, so dass die Nägel durch den Handrücken

gewachsen sind, oder die einen Arm immer senkrecht in die Höhe tragen, bis

er ganz abgestorben und steif emporragt. Es zeigt dies wahrlich eine grosse

Verkommenheit des menschlichen Geistes und beweist, auf welch' niederer

Stufe diese Heiden stehen, wenn sie Menschen, die sich selbst künstlich

verkrüppelt haben, als die Ersten ihres Volkes betrachten und verehren.

Die verstorbenen Hindus werden auf Holzstössen verbrannt. Zu diesem Zwecke

werden längs der Mauern der sehr ausgedehnten Verbrennungsstätten grosse

Scheiterhaufen errichtet, darauf die entkleideten Leichen gelegt, und dann

die Holzstösse angezündet. Während der Verbrennung sehen die nächsten

Verwandten dieser abscheulichen Procedur gleichgiltig zu. Dies ist doch

menschenunwürdig und weit unter dem Verhalten der Thiere stehend.

In Bombay befindet sich diese vor undenklicher Zeit errichtete

Verbrennungsstätte schon beinahe in der Mitte der Stadt, und da sich eine

ihrer Mauerseiten längs einer Hauptverkehrsstrasse hinzieht, so sieht

man am Abend beim Vorbeifahren oder Gehen die rothscheinenden Rauchwolken

aufsteigen, und gelangt in den Bereich dieses entsetzlichen Rauches. Es ist

dies nicht nur grauenvoll, sondern auch hygienisch sehr nachtheilig, und

dennoch ist die englische Regierung wegen des Fanatismus der Heiden nicht

im Stande, die Verlegung der Verbrennungsstätte durchzusetzen.

Ein weiterer zwar nicht der Zahl aber dem Vermögen nach hervorragender

Stamm der Eingeborenen in Bombay sind die Parsen, das sind die Nachkommen

jener Perser, welche im 8. Jahrhundert nach Christi Geburt in Indien

eingewandert sind, sich dort die Hindusprache zu eigen machten, aber

dabei ihren heimatlichen heidnischen Glauben beibehalten haben. Ihr Glaube

wurzelt in der Vorstellung, die Sonne sei das Sinnbild der Allmacht ihres

Gottes, in Folge dessen sei das Feuer hoch zu verehren und heilig zu

halten. Die Verstorbenen dürfen somit nicht verbrannt werden, weil das

Feuer durch die Leichen, welche sie als etwas Unreines ansehen, entweiht

werden würde; sie lassen also ihre Todten von Geiern und Raben auffressen!

Hierzu sind in Bombay auf einer der höchsten Spitzen des nahe gelegenen

Malabar-Hügels fünf grosse »Thürme des Schweigens« errichtet, auf

deren Rost im Innern die Leichen, Männer, Frauen und Kinder, jeden Morgen

reihenweise aufgelegt, und sodann von den schon darauf wartenden Vögeln

verzehrt werden. Als vor drei Jahren in Bombay die Pest auftrat, und

somit weit mehr Parserleichen als gewöhnlich zum Frasse aufgelegt werden

mussten, stellte es sich heraus, dass die vorhandene Zahl von Geiern und

Raben nicht ausreiche, und die englische Regierung musste aus hygienischen

Gründen im Innern des Landes Geier einfangen und nach Bombay bringen

lassen. Jetzt sollen in der Stadt gegen 400 solcher Vögel sein. Die am

Abend die Stadt umkreisenden Geier, sowie die grosse Anzahl von Raben,

welche den ganzen Tag, besonders aber zeitlich Morgens die Luft mit ihrem

Gekrächze erfüllen, sind eine widerliche Eigenthümlichkeit von Bombay.

Die Parsen beschäftigen sich nur mit Handel und haben sich grosse

Reichthümer erworben, welche sie durch die Schönheit ihrer Villen

(Bungalos), durch die Eleganz ihrer Equipagen und, bei festlichen

Gelegenheiten, auch durch die Pracht ihrer Toiletten zum Ausdrucke

bringen, während die Hindus, wenn sie auch hie und da zu einer grossen

Wohlhabenheit gelangen, immer in gleich ärmlicher Weise wie früher

fortleben.

Es geben aber auch grossartige, dem Gemeinwohle in Bombay gewidmete Bauten

Zeugniss von der vielen Parsen eigenen Grossmuth.

Die gewöhnliche Strassenkleidung der Parsen besteht aus einem langen,

weissen Musselinoberrock und darunter einer weissen, mit Aermeln versehenen

Weste, aus langen weissen Beinkleidern, Schuhen und einer schwarzlackirten,

turbanartigen Kopfbedeckung. Die Parserin ist im Allgemeinen hübsch, die

jüngeren sind auch graziös; ihre Kleidung besteht aus einem einfärbigen

(meist lichtgelb, lichtgrün oder rosa) leichten Stoffe, welcher den

Körper zierlich umhüllt und dessen Enden über den Hinterkopf gelegt

sind und auf den Oberkörper herabfallen. Dieselben besitzen eine gewisse

Aehnlichkeit mit den Rumänierinnen, nur ist ihre Hautfarbe etwas dunkler.

Von Muhamedanern ist ganz Indien seit der Invasion der Mongolen im

14. Jahrhunderte sehr stark bevölkert und darunter bereiten jene, welche

im Norden des Landes der Religionssecte der Araber angehören, am festesten

an ihrem Glauben hängen und sehr fanatisch sind, den Engländern die

grössten Schwierigkeiten. Der Muhamedamismus ist aber nicht nur in Indien,

sondern auch auf den malayischen Inseln (Sunda-Inseln, Molukken) sehr

verbreitet und gewinnt stark an Anhängern, während die christliche

Religion, sowohl in Indien wie im übrigen Asien, nur sehr geringe

Fortschritte macht.

Nachmittags besuchte ich eine eben stattfindende Hundeausstellung, bei

welcher vom grossen Bernhardiner bis zum kleinen Schosshündchen eine

namhafte Zahl von schönen Hunden aller möglichen, vornehmlich aber

englischen Racen vorgeführt wurden. Recht zu bedauern waren bei der

grossen Hitze die mit starken, wolligen Haaren bedeckten Hunde, darunter

ein auffallend mächtiger weisser Pudel. Bei dieser Gelegenheit wurden

wieder, wie Tags vorher, Reit- und Fahrkünste producirt, und haben dabei

besonders englische Damen ihre Geschicklichkeit dargethan.

_Am 22. Februar_ machte ich Vormittags abermals einen Spaziergang durch

Bombay und erstand hierbei ein Buch, in welchem die hervorragendsten

Gebäude und die schönsten Gegenden von Indien ausserordentlich gut

dargestellt und mit erläuterndem Texte in englischer Sprache versehen

sind. Dieses sehr gediegene, mit 500 prachtvollen Bildern ausgestattete

Werk »Glimpses of India« kostet 17 Rupien, das sind 12 fl. 60 kr.

ö. W. -- ein wirklich fabelhaft billiger Preis für die selten schöne

und gute Ausstattung. Während des Spazierganges machte ich aber auch die

Entdeckung, dass in Indien nicht Alles billig ist. Ich wollte mich nämlich

bei einem der ersten Photographen Kuja Deen-Dajaland sons in meiner

Tropenkleidung in Cabinetsformat photographiren lassen, verzichtete jedoch

hierauf, als ich aus dem Preisverzeichnisse wahrnahm, dass die erste

Aufnahme 12 Rupien und ein Dutzend Photographien 30 Rupien kosten, und als

ich erkannte, dass die Bilder gar nicht besonders gelungen sind.

Das bunt bewegte Leben auf den Strassen mit ihren grossartigen Gebäuden

verfehlte auch dieses Mal nicht, mein Interesse im hohen Grade zu wecken.

Nach dem Tiffin begab ich mich mit der Eisenbahn nach dem von Bombay vier

Stationen entfernten Ort Abahamatsi, wo an diesem Nachmittag ein grosses

Rennen stattfand. Die Billigkeit der Eisenbahnfahrt zeigte sich auch hier

durch den Preis von kaum einer Rupie für ein Billet erster Classe hin

und zurück. Der Eintritt zu den Tribünen, sowie zum Sattelraum kostete 5

Rupien.

Der Rennplatz, mit Fahnen geschmückt, machte einen hübschen und eleganten

Eindruck, und es fehlten hierbei weder Totalisateur noch Bookmaker,

wovon sowohl Engländer, als auch Einheimische einen massenhaften und

beträchtlichen Gebrauch machten. Auch hier hatten die Engländer neben den

Tribünen einen für sich abgeschlossenen Raum hergerichtet, in welchem

auf einem nach englischer Art sehr gut hergestellten Rasenplatze sich eine

englische Militärmusik in ihrer kleidsamen rothen Uniform vernehmen liess,

in welchem die Clubs ihre Zelte mit Erfrischungen aufgeschlagen hatten und

in welchem sich in den Zwischenpausen die europäischen Herren und Damen

aufhielten.

Die Rennbahn ist für Flachrennen bestimmt und die Pferde werden von

Jockeys geritten. Die Pferde, Hengste und Stuten, waren der Race nach

theils arabischen, theils australischen Ursprunges, doch schon durch

englisches Blut verbessert; auch erschienen einige von England direct

importirte Pferde. Sämmtliche Thiere befanden sich in gut trainirtem

Zustande. Die Jockeys waren zum grossen Theile Einheimische und ritten mit

sehr viel Schneidigkeit und auch mit viel Geschick, so z. B. hatte beim

vorletzten Rennen ein Jockey sein Pferd beim Auslauf nur durch seine

bewunderungswürdige Geschicklichkeit um Kopflänge zum Siege gebracht. Die

Preise waren sehr schön und werthvoll.

Der Zuschauerraum bot ein höchst interessantes Bild. Da waren alle

Glaubensbekenntnisse und alle Nationen des Orients und der Tropenländer in

vielfärbigen, eigenartigen und auch mitunter reichen Costumen vertreten,

und weiter erblickte man in überwiegend grosser Zahl englische Herren

oder Damen. Das ganze Sportfest gestaltete sich für mich zu einem höchst

fesselnden und unterhaltenden Schauspiele.

_Am 23. Februar_ erhielt ich einen Brief des deutschen Generalconsuls, den

ich bei der Pferdeausstellung kennen gelernt hatte, worin er mich, um mir

als Durchreisenden einige Abwechslung zu bieten, zu sich in seinem Bungalo

auf Malabar Hill für Sonntag, den 25. Februar, um 8 Uhr Abends, zum

Diner einlud -- eine Einladung, welche ich mit grossem Danke annahm.

Nun will ich einige nähere Aufklärungen über das Lohnfuhrwerk in

Bombay geben. Für den gewöhnlichen Stadtverkehr gibt es einspännige,

halbgedeckte Kutschen und die Pferdetramway, für besondere Fahrten findet

man in den Hôtels zweispännige Landauer und die Einheimischen benützen

häufig zweispännige Ochsenwagen. Die Wagen der Einspänner haben die

gleiche Form wie jene in Europa, doch sind die Halbdächer aus Naturleder

erzeugt und so eingerichtet, dass man an der Rückwand des Daches einen

Theil desselben erheben kann, damit die Luft besser durch den Wagen

streicht. Die Kutscher sind Einheimische der schwarzen Race, mit einfachen,

weissen oder weiss sein sollenden Leinenkleidern angethan; sie verstehen

sehr wenig englisch und kennen sich in der Stadt gar nicht aus. Der

Fuhrlohn ist sehr mässig, auf geringe Entfernungen beträgt derselbe 4

Anas = 20 kr., auf weitere Distanzen, wie z. B. zu den Docks, 8 Anas =

40 kr., und endlich auf die wirklich grossen Fahrten, wie zum Malabar Hill

oder zu dem Victoria garden eine Rupie = 80 kr. Für die Rückfahrt

ist der gleiche Betrag und für die Wartezeit per halbe Stunde 4 Anas zu

zahlen. Die dortigen Kutscher haben aber auch gleich vielen europäischen

Rosselenkern die Eigenheit, sich nie mit ihrer Gebühr zufrieden zu

stellen. Die Tramway ist schmutzig und wird meist nur von Einheimischen

benützt. Die zweispännigen Hôtelwagen sind gut, mit buntlivrirten

Kutschern und Dienern ausgestattet, und demgemäss auch kostspielig.

Eine besondere Eigenart Bombays sind die zweispännigen Ochsenwagen. Die

vorgespannten Ochsen gehören der einheimischen kleinen Race mit sehr stark

entwickeltem fleischigen Widerriste an und bewegen sich meist in kurzem

Trab, die Wagen selbst sind buntbemalte zweirädrige Karren. Diese Gespanne

werden, wie gesagt, in Bombay nur von den Hindus benützt. Die Parsen

fahren nur in von Pferden gezogenen eigenen oder Miethwagen. Auch die

Frachten werden von den obbeschriebenen Ochsen befördert. Zu diesem

Zwecke sind je zwei Ochsen in grosse Lastkarren gespannt und ziehen dann

ungeheuere Lasten fort. Geführt werden diese Ochsen von Kutschern, welche

dicht an deren Schwänzen sitzen und sie von da aus grausam vortreiben. Die

Thiere werden mit Stricken dirigirt, welche durch das Mittelstück ihrer

Nase gezogen sind. Die Karren sind oft mit langen Hölzern so beladen, dass

die armen Zugochsen nur zur Hälfte unter diesen Hölzern herausstehen. Ein

weiteres, sehr stark benütztes Beförderungsmittel ist das Bicycle,

dessen sich hauptsächlich die englischen Damen, im geringen Masse die

Einheimischen und niemals die indischen Frauen bedienen.

Nachmittags fuhr ich mit unserem Viceconsul zum Malabar Hill, wo sich der

eleganteste europäische oder, besser gesagt, englische Spielplatz »Ladies

Gymkhana« befindet, und auf welchem fünf bis sechs Lawn Tennis-Partien

von englischen Herren und Damen vorzüglich und sehr lebhaft gespielt

wurden.

Bei einbrechender Dunkelheit promenirten wir in dem weiteren Theile des

Spielplatzes, wo um einen Pavillon ein hübscher Garten angelegt ist.

Eben als wir dahin kamen, erschlug ein Gartenarbeiter eine langsam nach

vorwärts schleichende Cobra. Es ist dies eine jener anderthalb Meter

langen Schlangen, welche in Bombay nicht selten vorkommen und deren Biss

absolut tödlich ist. Von diesem Garten gingen wir hierauf in ein dicht

anliegendes, weit ausgedehntes und hohes Zelt, in welchem bei elektrischer

Beleuchtung auf drei Plätzen Balminster gespielt wurde. Diese Plätze sind

ähnlich hergerichtet wie zum Tennis, nur mit dem Unterschiede, dass das

Netz auf zwei Meter Höhe gespannt wird, und dass die anliegenden Rechtecke

weit kleiner sind. Das Spiel erinnert an das Federballspiel. Auf jeder

Seite des Netzes befinden sich je zwei oder drei Mitspieler und es muss der

Federball (shuttlecock) jedesmal über das Netz fliegen und darf nicht aus

dem Rechtecke kommen. Sobald der Federball den Boden berührt oder in

das Netz oder über das Rechteck geht, hat die andere Partei eine Einheit

gewonnen. Auch dieses Spiel wurde von den englischen Herren und Damen mit

grosser Virtuosität gespielt.

_Am 24. Februar_ fuhr ich zur bereits beschriebenen Zeltwohnung des

Viceconsuls und des Generalagenten, um dort verabredeter Weise ihre

Reitpferde zu versuchen. Das eine Pferd war ein australischer Braun, etwa

162 ~cm~ hoch, kräftig gebaut und nach englischer Art gesattelt und

gezäumt, befriedigte mich aber nicht besonders als Reitpferd; das zweite

Pferd, ein etwas kleinerer Braun, hatte bessere Gänge und entsprach mehr

seinem Zwecke als das andere.

Reise über Indien und China nach Japan. Tagebuch mit Erfahrungen, um zu überseeischen Reisen und Unternehmungen anzuregen. · 第 3 / 19 段