Die Balneologen rechnen die Teplitzer Thermen zu den chemisch

indifferenten, d. h. solchen, die wenig fixe oder gasförmige

Bestandtheile enthalten. Indessen ist das Teplitzer Thermalwasser

reicher an fixen Bestandtheilen, als andere indifferente Thermen und

unterscheidet sich besonders dadurch, dass das kohlensaure Natron

prävalirt. Ueber ihre oft wunderbare heilende Wirkung zu sprechen,

dürfte nicht hier der Platz sein. Auch ist sie weithin bekannt. Die

ebenfalls bekannte Katastrophe, die die Urquelle am 13. Feber 1879

traf, kann, ihr eigentlicher Abschluss mag sein, wie er will, nur die

Folge haben, dass das Wasser, welches früher selbst herausfloss, jetzt

aus der Tiefe künstlich hervorgeholt wird.

Diese Hauptquelle speist das Stadt-, Sophien-, Fürsten-, Herrenhaus-

und Kaiserbad. Ueberhaupt haben alle Quellen in Bezug auf ihren

stofflichen Gehalt nur wenig Differenzen; sie unterscheiden sich

hauptsächlich durch ihre Temperatur; so hat die Neubadquelle und die

Hauptquelle 35° R., die Schlangenbadquelle 31° R., die Stein- und die

Stefansbadquelle etwa 30° R., die Wiesenquelle (im Stefansbad) und die

Sandbadquelle (im Steinbad) haben 26° R.

In einigen Bädern wird eine hinreichende Menge gereinigten Moores mit

Thermalwasser zu einem mehr oder minder konsistenten Brei gekocht,

und es werden diese Moorbäder auf verschiedene Weise verwendet. Der

Moor, welcher in der Umgebung von Teplitz (Dreihunken und im Seegrund)

gestochen wird, besteht aus einem Gemenge einer eigenthümlichen

humusartigen Säure und in Zersetzung begriffener Pflanzenreste.

Die Benützung der warmen Quellen muss in eine sehr alte Zeit

zurückgehen. Vielleicht haben schon römische Mercatores da ihre

Heilung gefunden und haben aus Dankbarkeit der Quell-Nymphe jene

Silbermünzen dargebracht, die man 1879 daselbst gefunden hat. Nach

der Christianisirung des Landes verlegt die Sage die Auffindung

der Quellen auf den 29. August 762 unter der Regierung des Herzogs

Nezamysl. Die zwei Spitzthürme in der Kirchengasse beim Eingang in den

Schlossgarten gelten für die ältesten Gebäude von Teplitz. Die Sage der

Quellenauffindung erzählt eine lateinische Inschrift auf einem in der

Nähe der Hauptquelle befindlichen Steine; sie ist bekannt: weidende

Schweine sollen die Quelle aufgewühlt haben.

Im Jahre 1153 erbaute Judith, Gemahlin des Herzogs Vladislav, hier

ein Benediktiner-Nonnenkloster, welches aber in den Hussitenkriegen

spurlos unterging. Nach 1544 wurden die ersten zweckentsprechenden

Bäder erbaut, das Schloss auf dem Schlossberg restaurirt und die

Schlosskirche gegründet. 1585 nimmt Janusch von Schönberg den Bürgern

die Bräugerechtigkeit, die bis auf heute Eigenthum der Besitzer

geblieben ist.

Seit 1653 ist Teplitz im Besitze der Clary-Aldringen. 1848 hörte für

die Stadt das Unterthänigkeitsverhältniss auf und der Kurort wurde zur

selbstständigen Stadt.

Der Besuch von Kurgästen und Passanten ist während der Sommersaison (1.

Mai bis Ende September) ein sehr starker und nimmt stetig zu. (Im Jahre

1879 über 32.000.)

Es dürfte aber auch kaum einen zweiten Kurort geben, der eine so

mannigfaltige, an Naturschönheiten überreiche Umgebung aufzuweisen

hätte und in dieser herrlichen Umgebung soviel interessante Punkte

bieten könnte, wie Teplitz-Schönau. Es hat in den letzten zwei

Decennien sich ungemein ausgedehnt; der Handel und die Industrie haben

einen grossen Aufschwung genommen, so dass ein grosser Theil der Stadt

dem Badeleben fast ganz entzogen ist. Die zur Aufnahme der Kurgäste

bestimmten Häuser liegen in der Nähe der Bäder und sind zum grössten

Theil bequem und elegant eingerichtet. Das gesunde Klima und die

schöne Umgebung hat viele Fremde, besonders Pensionisten und Rentiers

zur dauernden Niederlassung in Teplitz bewogen. Die breiten, gut

gebahnten Wege, die herrlichen wohlgepflegten Anlagen, die Alleen dicht

belaubter Bäume, dann die Gelegenheit häufiger Vergnügungen und die

Möglichkeit, alle Wünsche in Bezug auf Liebhabereien und Luxusartikel

hier befriedigen zu können, machen den Aufenthalt in Teplitz angenehm,

so dass der Andrang der Passanten und Touristen, wie schon bemerkt,

jedes Jahr grössere Dimensionen annimmt. Besonders sehenswerth ist

der _Kurpark_. In seinem nördl. Theile steht das Theater, ein grosser

Renaissancebau. Es kann etwa 1000 Personen fassen. Unweit ist eine

Säule, welche eine Uhr, ein Thermo-, Hygro- und Barometer, die

Quellenanalyse und die täglichen Daten der metereologischen Station

enthält. Der Säule gegenüber ist die städtische Trinkanstalt. Einige

Schritte davon steht ein allegorisches Standbild, im J. 1862 zur

Feier des 1100jährigen Jubiläums der Quellenauffindung errichtet. Am

südlichen Theile steht das Herrenhaus und daran anschliessend ein

grossartiger Neubau, _das Gartengebäude_. Im Osten befindet sich

das Kaiserbad, ein prachtvolles, im altfranzösischen Mansardenstyl

aufgeführtes Gebäude. Anstossend daran der Kursalon mit dem

Lesekabinet. Unweit davon ist der Musikpavillon, auch wird in der Nähe

das Wasser der Urquelle zum Trinken verabreicht.

Durch die Graupnergasse, den Marktplatz und die lange Gasse, die durch

eine grosse Zahl eleganter Läden sich auszeichnet, gelangt man auf

den _Schlossplatz_ mit dem fürstl. Claryschen Schlosse (1751 erbaut),

der Schlosskirche (1568), der Dekanalkirche (um 1700) mit einigen

künstlerisch werthvollen Altarbildern. Durch das Schloss kommt man

in den fürstlichen _*Schlossgarten_, ein bescheidener Name für einen

herrlichen Park, wie ihn nur wenige Städte aufweisen können. Die

Baumriesen zeigen, dass er schon vor Jahrhunderten angelegt ist. Die

schönen, breiten, dicht beschatteten Alleen, die reizenden Wiesen mit

herrlichen Durchsichten und grossartigen Baumgruppen, zwei grosse

Wasserbassins, die Bemühungen der modernen Gartenkunst, sowie die mit

den seltensten exotischen Pflanzen gefüllten Treibhäuser, zahlreiche

Ruhebänke machen ihn zum beliebtesten Aufenthalt. Während der Mittags

abgehaltenen Concerte ist er der Sammelpunkt von allem, was der Kurort

an Geschmack, Schönheit und Eleganz aufweisen kann.

Mit dem Kurpark hängt der _Seumepark_ zusammen, ein umgewandelter

alter Friedhof, mit dem Grabe Seume's (gest. 16. Juni 1810), das

wohl bald ein würdiges Denkmal haben wird. Daran schliessen sich

die neuerrichteten _Payeranlagen_, überragt von dem Mont de Ligné,

(Restauration und reizender Aussichtspunkt). (Pavillon 1831 erbaut; im

Volksmunde von der Aehnlichkeit »Pfefferbüchse« genannt.) Durch die

Lindenstrasse, die diese Anlagen begrenzt und in welcher sich eine

Reihe Badespitäler, darunter das sächsische und preussische befinden,

gelangt man in den _Kaiserpark_, eine ebenfalls reizende Anlage der

Neuzeit mit schöner Rundsicht. Man erblickt hier die neue, im streng

gothischen Style erbaute _kath. Kirche_ von Schönau, das _Stefans-_

und _Steinbad_, das grossartige k. k. Militärspital und davor den

Musikpavillon. Anschliessend befinden sich wieder Parkanlagen, und

zwar die Neubad-Allee, die Humbolds-Anlagen und die mit schönen Villen

geschmückte Giselastrasse, welche zum _Teplitzer Bahnhof_ führt, einem

grossartigen Gebäude mit einem pompösen Wartesaal. Vor demselben

befinden sich auch Gartenanlagen.

Von Gebäuden wären noch zu erwähnen: _Die evangelische Kirche_

(Elisabethgasse), eine stylvolle Basilika (1861 gebaut). Auf der

Freitreppe eine _der *schönsten Aussichten_. In derselben Gasse wird

sich auch der israel. Tempel befinden, der auch ein Monumentalbau

werden dürfte. In der Jägerzeile steht die Loretto-Kapelle mit der

fürstl. Claryschen Familiengruft.

Spaziergänge.

1. _Die *Königshöhe_ (3 Wege hinauf). Bei dem Monument des langjährigen

königlichen Freundes von Teplitz, Friedrich Wilhelm III. schöne

Aussicht.

Sehenswerth ist die _Schlackenburg_ (Restauration und camera obscura),

ein eigenthümlicher Bau mit vielen kleinen Zimmern, aufgeführt von

einem einzigen Mann in mehr als 20 Jahren aus Ziegelschlacken und

Feldsteinen.

Von der Plattform eine der reizendsten Rundsichten über das Thal

zwischen dem Erz- und Mittelgebirge. Ebenso bieten die Restaurants

_*Bella vista_ und _*Belvedère_ prächtige Fernsichten. Hier ist auch

das Schiesshaus der über 300 Jahre alten Schützengesellschaft mit

einer interessanten Autographensammlung und dem Memorialbuch. An dem

Vogel- und Scheibenschiessen können sich auch Fremde betheiligen. Nahe

an demselben wird in dem Kesselhause der Dampf erzeugt, der die im

Schachte der Urquelle eingebauten Maschinen treibt.

2. _Die *Stefanshöhe_ in Schönau mit einer lohnenden Aussicht über die

Stadt.

3. _Der Turnerpark_ bei dem mit Teplitz zusammenhängenden grossen und

wohlgebauten Dorfe Turn, ¼ St. nordwestl. von Teplitz auch zugleich an

Schönau anstossend. Er hat mächtige Buchen und Eichen und bietet daher

angenehmen Schatten, ist sehr anmuthig und im englischen Geschmack

angelegt. Hinter der auf einer Anhöhe stehenden Restauration ist eine

sehenswerthe Porphyrgruppirung, anschliessend beginnt die Kalkformation.

4. Von da, an der Schwimmschule vorüber und durch den Ort Turn kommt

man zu einem Promenadenweg, der nach _*Probstau_ (¾ St. nördlich von

Teplitz) führt. Er ist reich an landschaftlichen Reizen, besonders

in der Nähe des Angerteiches. Probstau ist wegen seines grossen,

schattigen Waldparkes und der guten Restauration (Café) immer sehr

besucht.

5. Vom Schlossplatz, durch die Jägerzeile, beim Mauthhaus links

und den Berg hinan führt der Weg auf die _*Bergschenke_ (½ St.),

Restauration mit sehr lohnender Aussicht über das Teplitzer Thal. Die

zahlreich erwähnten Aussichten unterscheiden sich sehr von einander

durch die Abwechslung, die sie stets bieten. An die Bergschenke stösst

der wenig gepflegte Galgenbusch. Verfolgt man den Katharinasteg

und einen durch zahlreich auf einander folgende rothe Punkte, die

an Bäumen und Steinen angebracht sind, bezeichneten Waldung, so

erreicht man die _*Helm's Ruhe_ (nach dem Teplitzer Bürger Anton Helm

benannt). Man wird hier durch ein herrliches Panorama, das von den

früheren Aussichten wesentlich verschieden ist, angenehm überrascht

sein. Der etwa 1000 Schritte von der Restauration (Bergschenke oder

Bergschlösschen) entfernte 379 m hohe _*Wachholder-Berg_ bietet eine

grossartige Rundschau. Eine Menge Ortschaften werden durch die Höhen

des Mittelgebirges und den weiten Bogen des Erzgebirges begrenzt.

Eine wiederum schöne Rundsicht bietet _*der Schlossberg_ (½ St.). Man

erreicht ihn, wenn man durch Schönau, am Neubad vorbei, eine breite

Strasse geht, die bis an seinen Fuss führt. Man kann entweder auf

schönen Promenadenwegen oder der neugebauten, an Serpentinen reichen

Strasse hinauf gelangen.

Auch kann man die bei dem verfallenen Thore am Fusse befindlichen

Esel benutzen. Der Berg selbst, eine auf Basalt und Porphyr gelagerte

Phonolythmasse, wird von einer Burg gekrönt. Ihre Gründungszeit

ist unbekannt, doch ist wahrscheinlich, dass dieser sowohl zur

Vertheidigung als zur Beherrschung eines grossen Gebietes eminent

günstige Ort schon in uralter Zeit befestigt gewesen sei. Am Fusse

desselben stand das ehemalige Kirchdorf Daubrawitz, jetzt nur ein

Meierhof, von dem die Burg auch in früherer Zeit den Namen hatte.

Im Jahre 1585 kam sie in den Besitz der Kinsky, welche sie durch

holländische Baumeister restauriren und einen Thiergarten anlegen

liessen, von welchem noch die Thormauer am Fusse erhalten ist. 1615

erbte sie Wilhelm Kinsky, ein Vetter und Schwager Wallenstein's, der

in Eger am 22. Febr. 1634 ermordet wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh

sie mit den Herrschaften Teplitz und Pinsdorf an den General Grafen

Aldringen, nach dessen Ende (bei Landshut im Gefechte am 20. Juli 1634)

ging sie an seine Schwester Anna über, vermählte Clary; die Clary's

hatten mit kaiserl. Rescript vom 24. Mai 1653 Namen und Wappen der

Aldringen zu führen. Während des dreissigjährigen Krieges war die Burg

mehrmals im Besitze der Schweden gewesen. Im Jahre 1655 liess sie der

kaiserliche Hof mit Rücksicht darauf, dass sich leicht Raubschaaren

dort festsetzen könnten, schleifen und seit dieser Zeit liegt sie in

Trümmern. Die Restauration, die theils kasemattenartig in die Mauern

eingebaut ist, theils einen modernen Holzbau bildet, ist als sehr gut

zu bezeichnen. Die Rundsicht ist prachtvoll. Man sieht einen grossen

Theil des Mittelgebirges, das den Milleschauer überragt, den Biliner

Felsen, die Gegend bei Brüx, den ganzen Zug des Erzgebirges mit seinen

zahlreichen Städten, Flecken und Dörfern, das Kulmer Schlachtfeld und

die Höhen bei Aussig. Geht man auf der Prager Strasse durch Schönau,

an der Gasanstalt vorbei bis zu einer Gerberei, biegt rechts um, so

gelangt man auf einem Pfade in einer halben Stunde südöstlich von

Teplitz zur Fasanerie (zum Dorfe Zwettnitz gehörig), einem waldartigen

Park mit hübschen Spaziergängen. In der Försterswohnung eine kleine

Restauration. Die Aussicht erwähnenswerth.

=I. Touren= (in das Mittelgebirge und auf den Milleschauer siehe oben

von Bilin, beziehungsweise Lobositz aus).

Als besonders bemerkenswerthe Touren empfehlen sich von Teplitz

aus in der Richtung gegen das anmuthige Bielathal folgende: 1. Man

geht entweder auf der Strasse über Auperschin (Bielathalbahn) nach

Welboth (durch die Prager Strasse in Schönau), oder man biegt bei der

Ueberbrückung des Saubaches durch die Strasse links ab, geht auf einem

Fahrwege nach Wisterschan, dann an der Schule vorbei und gelangt,

indem man fort dem Bache nahe zu bleiben trachtet, über Neuhof in ein

hübsches Thal, an dessen Ende das Dörfchen Kozlike sich befindet; von

hier geht der Weg nach Welboth. Verfolgt man nun die Strasse nach

Hertine, so bietet dieses Dorf, unweit der Bielabrücke von Welboth, ein

reizendes Bildchen. Der es überragende Berg heisst nach einem kleinen

Dörfchen _der Frauschieter Berg_. Von Hertine (Bahnstation) geht man

längs der Geleise der Bielathalbahn nach Prosanken. Ein sehr hübscher

Wiesenweg führt uns nach Tschochau (Station), einem grossen Dorfe mit

einem Bräuhaus und einigen ziemlich guten Wirthshäusern (besonders

böhmische Krone; bisher etwa 3 Stunden). In kürzerer Zeit erreicht man

Tschochau auf dem ebenfalls nicht uninteressanten Wege über Drakowa

auf der am Fusse des Schlossberges vorbeiführenden Strasse, dann über

Quikau, Suchey, an dem über 360 m hohen Jedowinberg vorbei über

Habrzie und Hlinai.

Von _Tschochau_ aus lassen sich mehrere hübsche Partien machen, und

zwar zunächst nach _Staditz_; schon nach einer kleinen halben Stunde

kommt man zu dem sogenannten Königsfelde, das noch vor dem Dorfe einem

Försterhause, zugleich Restauration, gegenüber liegt. Es ist dies wohl

die älteste Stätte Böhmens, die die Sage nennt. Hier soll das weisse

Pferd, das Libuša, die Tochter des ersten Tschechenherzogs Krok, zum

Aufsuchen des Bräutigams ausschickte, den vom Pflügen ausruhenden

Wladyken Přemysl gefunden und durch Stehenbleiben und freudiges Wiehern

als den erwähnten Bräutigam bezeichnet haben. Er wurde Stammvater des

Jahrhunderte lange herrschenden Přemyslidengeschlechtes.

Eine andere Version der Sage erzählt, dass Libuša unter der Führung

des weissen Pferdes Leute ausgeschickt habe, die den als Bräutigam auf

den Wyschehrad führen sollten, der auf einem eisernen Tische essen

würde. Und Přemysl ass sein Brod auf der Pflugschar des umgekehrten

Pfluges. Die Sage hat manchen verwandten Zug mit den Stammsagen der

indoeuropäischen Völker. Auf dem Königsfelde, das bis jetzt in dieses

Jahrhundert steuerfrei gewesen ist (?) und von dessen Haselstaude, die

aus der von Přemysl gesteckten Ruthe abstammen soll, die Früchte zur

königlichen Tafel nach Prag geliefert wurden, hat Graf Erwin Nostitz,

der Besitzer von Türmitz, 1841 ein Denkmal errichten lassen. (Siehe

Seite 178.)

Es ist das ein, auf zwei Terrassen ruhender grosser Steinwürfel mit

zwei Reliefdarstellungen, von denen die eine das Zusammentreffen der

Gesandtschaft, die zweite den Einzug Přemysl's in die Burg Wyschehrad

darstellt. Sie sind ein Werk von Max. Das Ganze krönt ein eiserner

Pflug von bedeutender Dimension. Von da führt ein Weg durch das

malerische Bielathal über das Dörfchen Kosten nach _Türmitz_ (Station

der Aussig-Teplitzer Bahn), einem recht aufstrebenden Orte mit einer

grossen Zuckerfabrik. Die ganze Partie beansprucht etwa 5 Stunden.

Eine andere Partie von Tschochau aus ist folgende: Auf der Strasse nach

_Nabrowan bis Razeine_, von da links ab nach _Dubitz_ und dann bis

zu dem vom Orte etwa 10 Minuten entfernten Kirchlein. Hier geniesst

man einen Einblick von seltener Schönheit in das prachtvolle Elbthal.

Gegenüber hat man die pittoreske Gestalt des Deblikberges, an dessen

Fusse das Dorf Tirkowitz liegt.

Geht man nun von dem Kirchlein, das Gesicht zur Elbe gewendet, rechts

ab, so gelangt man auf einem mehrfache hübsche Aussichten bietenden

Wege zur Eisenbahn- (Staatsbahn) und Dampfschifffahrtsstation

Praskowitz. (Der ganze Weg von Tschochau etwas über 3 Stunden.)

Freunden romantischer Aussichten, auf allerdings etwas beschwerlichen

Wegen, seien die Touren empfohlen von Tschochau über _Suchey_ nach

_Höben_ und von da entweder über _Qualen_ nach _Salesl_ (Station d.

Staatsb. und des Dampfschiffes) oder auf das gegenüberliegende Ufer,

eine kleine ¼ Stunde elbeabwärts nach Sebusein (Station der Nordwestb.

und des Dampfschiffes). (Der ganze Weg bequem 3 Stunden.) Auch führt

von Stöben ein Weg, der landschaftliche Schönheiten bietet, über den

Rücken des _Glaberberges_ und dann in einer Thalsenkung über die

kleinen Ortschaften Elbogen und Augiesel oder auf der Strasse durch

den Wald nach Türmitz (2 gute Wegstunden). Der erwähnte Glaberberg

bildet jene steilen, von den Fahrgästen des Dampfschiffes oft

bewunderten Wände des Elbthales, die bei dem kleinen Oertchen Wannow,

dem letzten am linken Elbufer vor Aussig, eine besonders interessante

Form annehmen, ein Werk der sich mühsam durchbrechenden Wässer. Sie

sind unter dem Namen Wannower Wände oder Felsen bekannt. Den Endpunkt

dieses mächtigen Bergrückens bildet die Ferdinandshöhe 205 m hoch bei

Aussig, ¼ St. entfernt, eine der prachtvollsten Aussichten weit über

das Elbthal bietend; die geringe Mühe des Aufstieges ist durch dieses

liebliche Panorama wohl belohnt. (Siehe Aussig!) Endlich sei noch einer

an landschaftlichen Reizen reichen Tour gedacht: _von Tschochau über

Nabrowan nach Razeine_. Hierauf verfolge man einen in oos. Richtung

gehenden Pfad, der bei dem letzten Wirthshause rechts von der Strasse

ablenkt. Man gelangt nach einigem Steigen zu einer coulissenartigen

Digression des Bergzuges, welche ebenfalls einen herrlichen Ausblick

über ein anderes Stück des Elbthales bietet, gegen Lobositz,

Theresienstadt und den lang gedehnten Rücken des Radobil am anderen

Ufer.

Wer Zeit hat, mache den sehr lohnenden Umweg über das Dörfchen

Padloschin. Er wird, von hier nach Norden auf dem Fahrwege abbiegend,

eine lohnende Augenweide finden -- einen Blick in das tiefliegende

Elbthal. Dann geht es ohne besondere Schwierigkeiten nach Praskowitz

herab. Bemerkt sei noch, dass es von hier einen an hübschen

Perspectiven reichen Weg nach Leitmeritz (2½ St.) gibt und zwar über

das Praskowitz gegenüber liegende Libochowan und Kamaik.

2. _Von Teplitz nach Kostenblatt._ Es sind dahin 2 Wege. Auf dem

einen gelangt man, wenn man an dem Kesselhause der Stadtbadquelle,

zwischen der Königshöhe und dem Schlossgarten durchgeht, den Weg bis

an das Eck des letzten verfolgt und, dann links abbiegend, durch den

sogenannten Lipnaibusch, wo sich eine Einsiedelei befand, jetzt

alles verwildert, fortgeht, eine Gruppe alter Eichen bleibt links --

bis in das Dörfchen Pittling. Darauf steigt man nach Welbine herab,

und der Weg geht über die nahe an einander liegenden Orte Liessnitz,

Ratsch, Webeschan und Welhenitz nach Kostenblatt. Hier beim Düwock

ein Gasthaus. Das Schloss, dem Grafen Czernin gehörig, ist ein Neubau

aus dem Jahre 1864. ¼ St. vom Dorfe liegt die hochinteressante

Ruine Kostenblatt, 570 m hoch, wohl eine mit von den schönsten des

Landes. Aus ihrer reichen Geschichte sei erwähnt, dass sie von einem

sagenhaften Kostomlat gegründet, im Jahre 1350 einem Ritter Žerotin

gehörte, dessen Nachkommen noch in Mähren leben. Von 1422 an war die

Burg Eigenthum des deutschen Ordens, dessen letzter böhmisch-mährischer

Landcomthur Albrecht von Duba sich hierher zurückzog (1422--30).

Der hussitischen Berennung widerstand die Burg mit Erfolg. Doch

eroberte sie 1434 Jakoubek von Wřesowitz und zerstörte grösstentheils

die Befestigungen. Georg von Podiebrad, dessen Familie -- früher

von Kunstadt, später von Podiebrad genannt -- sie nachher gehörte,

verbrachte hier einen Theil seiner Jugend. Nach der Schlacht am weissen

Berge wurde sie dem letzten Besitzer Ulrich Kostomlacky von Wřesowitz

confiscirt und gelangte schliesslich in den Besitz der gräfl. Familie

Ledebour, der sie bis jetzt angehört. Die Aussicht vom Wartthurm, auf

den eine bequeme Wendeltreppe hinaufführt, ist überaus lohnend. Man

übersieht den weiten Bogen des Erzgebirges und die dazwischen liegende

Ebene; die dichtbewaldeten Kuppen des Mittelgebirges in wechselnder

Form heben sich kräftig von dem in nebelhafter Ferne verschwindenden

Hintergrunde ab. Nicht vergessen sei die kleine Restauration daselbst.

3. Ein _anderer_ Weg nach Kostenblatt (etwa 2½ St. lang, reicher an

Abwechslung, geht von Teplitz auf der Bilinerstrasse bis Kradrob.

Fussgänger können hier bei der Schmiede links einbiegen und gelangen

auf einem Wege nach Křemusch (1 St. von Teplitz). Hier ist ein schönes,

dem Grafen Ledebour gehöriges Schloss mit einem prächtigen Parke.

Ein angenehmer Fahrweg führt aus dem Parke zur Teufelsmauer, einer

wildromantischen Partie des Bielathales. Es ist das ein steiler, durch

Basaltlava gebildeter Abhang. Von hier eine schöne Aussicht über das

Bielathal.

Von Křemusch hat man nach Kostenblatt zwei Wege, einen näheren

über Dollanken, Wohontsch (Station der Bielathalbahn, eine kleine

halbe Stunde von Křemusch), Niemetschen, Poratsch und Aupoř, reich

an herrlichen Ausblicken über ein stets wechselndes Panorama nach

Kostenblatt (etwas über 1 Stunde). Der weitere Weg führt von Křemusch

über Hostomitz nach Schwatz (½ St.) (Station Schwatz-Kuttowitz), dem

Mensalgute des Prager Erzbisthums. Der einst berühmte Schlossgarten

ist sehenswerth. Die ganze Gegend wird Geologen und Mineralogen

viel Interessantes bieten. Eine grossartige Rundschau bietet der

Basaltkegel hinter dem Dorfe, der sogenannte Paraplüberg. Von Schwatz

geht der Fahrweg in 1 St. nach Kostenblatt. Von da aus kann man noch

folgende interessante Touren machen. 1. Durch anmuthige Wälder über

Milleschau am Fusse des davon benannten Milleschauer nach Wellemin (2

St.) zu dem reizenden _Wopparna-Thale_. Bei Kleintschernosek kommt

man heraus und vergesse nicht hier in der ureigentlichen Heimat des

berühmten Weines eine diesbezügliche Quellenstudie zu machen. Indess

hat es in der neuesten Zeit damit einige Schwierigkeiten, aber damit

soll ja jedes Quellenstudium verbunden sein. 2. Nach Radowesitz (¾

St.), dann weiter auf der über Trebnitz (am Fusse des Kostial) nach

Lobositz führenden Strasse bis zu einem rechts befindlichen Hegerhause

(keine Restauration) (etwa 1½ St.). Von hier geht durch eine Rodung

ein in seinem letzten Drittel etwas steiler Weg auf den altehrwürdigen

Radelstein. Ich sage altehrwürdig, denn es bestand hier eine uralte

Culturstätte. (Siehe von Bilin aus! Retour nach Bilin und von da mit

der Bahn nach Teplitz.)

II. Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 21 / 27 段