744 hier ein Schloss erbaut und dem Orte, sowie dem Flusse den Namen
gegeben haben soll, dann von den »Bilinen«, einem čechoslavischen
Stamme, der sich zu Ende des 5. Jahrhunderts hier an den Gestaden der
sanft dahingleitenden Biela ansiedelte, dürften in das Bereich der
Sagen gehören. Indessen sind echte geschichtliche Ueberlieferungen
von der ehemaligen »Provinz Bilin« vorhanden, welche schon vor dem
11. Jahrhunderte im Auftrage der böhmischen Herzoge von eigenen
Grafen verwaltet wurde. Unter König Wenzel II., der von 1223 bis 1253
regierte, erhielt _Hogerius_, der Truchsess dieses Königs, die Burg
und die Stadt Bilin für sich und seine Erben als Geschenk. Im J. 1342
wird in den Urkunden einer Schule erwähnt. Albrecht von Berka verlieh
der Stadt im J. 1365 gewisse Privilegien und wurde 1381 vom Kaiser
Karl IV. mit Bilin belehnt. Im Husitenkriege, wo sie dem Albert von
Kolditz gehörte, wurde sie 1421 erobert und verwüstet. Im J. 1426
bemächtigte sich der Stadt Jakubko von Wřeschowitz, der sich von ihr
den Namen Bilinský beilegte. Nach seinem Tode fiel sie wieder an die
Herren von Kolditz und gelangte dann 1464 an die Herren Popel von
Lobkowitz. Von dieser Zeit verblieb sie bei dieser Linie, welche mit
dem Grafen Leopold von Lobkowitz im Jahre 1707 männlicherseits erlosch.
Die Tochter Eleonora Carolina vermählte sich mit Philipp Fürsten von
Lobkowitz, Herzog zu Sagan und vermachte ihm die Herrschaft Bilin. Ihm
folgte 1748 sein Sohn Ferdinand Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Sagan,
diesem 1796 sein Sohn Franz Josef, Fürst von Lobkowitz, Herzog zu
Raudnitz, und diesem Moritz Fürst von Lobkowitz, Herzog von Raudnitz,
der gegenwärtige Besitzer.
=Sehenswürdigkeiten=: Das stattliche Fürst Lobkowitz'sche _Schloss_
mit seinem schönen Parke. Dasselbe überragt die Stadt, und wurde um
das J. 1680 von Christof Freiherrn von Lobkowitz erbaut. Es enthält
eine Menge unterirdischer Gänge, worin man alte Pfeile und andere
Gegenstände gefunden; die schöne _Pfarrkirche_ ist auch zu beachten.
Sie wurde schon 1061 gegründet, besteht aber in ihrer jetzigen Gestalt
erst seit 1573. Bemerkenswert sind noch die _neugebaute Schule_ und das
_Gerichtsgebäude_.
Touren:
_Radek-Werschetiner Berg-Suttomer Berg-Skalken-Kostial-Lobositz_
oder umgekehrt. (Wir wählen zum Standorte _Bilin_ oder von der
entgegengesetzten Seite, je nachdem der Tourist kommt, _Lobositz_.)
_Bilin-*Radelstein._ Zum _Radelstein_ entweder über Kutschlin und
Rasitz (mit Führer) oder über Radowesitz und Stepanow. Dieser Berg
liegt inmitten des Mittelgebirges und bietet uns von seinem Rücken
ein interessantes Bild. Er ist nicht, wie die anderen Berge des
Mittelgebirges, spitzig, sondern zeigt einen breiten, waldigen Rücken,
dessen höchste Erhebung ein ebenes, rundes, frischgrünes Plateau
bildet. Dieses ist ringsum von mächtigen Steinwällen eingefasst, hinter
welchen sich dunkles Nadelholz erhebt; nur ein kleiner Lärchenwald
macht sich bemerkbar und kennzeichnet den Radelstein schon von der
Ferne. Die Steinwälle stammen offenbar aus altheidnischer Zeit her.
Hier bestand gewiss eine heidnische Cultusstätte, wie auf dem Deblik
bei Leitmeritz, dem Hradek bei Gross-Czernosek, wo sich derartige
Steinwälle gleichfalls vorfinden. Ueberreste von Burgen sind es, wie
die Sage berichtet, nicht, da Mauerreste nicht zu entdecken sind, und
eine gänzliche Beseitigung derselben von so hochgelegenen Punkten nicht
möglich ist.
In dem hier befindlichen Forsthause wird uns eine Erfrischung
verabreicht. Die schönste Aussicht geniessen wir von der Hütte auf der
Südseite des Plateaus. Im _Süden_ erblicken wir zwischen den Launer
Bergen die Stadt Laun, rechts davon den Hoblik und den Millayer Berg;
im _Südosten_ präsentirt sich uns die Hasenburg, rechts davon die
ausgedehnte, fruchtbare, von der Eger durchschnittene Ebene. Links
von der Hasenburg sehen wir im Hintergründe den prächtigen Georgsberg
(Říp) bei Raudnitz, im Vordergrunde den Kostial mit seiner Ruine,
an seinem Fusse links den hohen Thurm von Skalken. Weiter links
erblicken wir die Elbe mit der Brücke bei Leitmeritz, das sich hinter
dem Lobosch verbirgt, und weiter links am Horizont den Wilschberg und
Geltsch, zwischen denselben den Ronberg und in weiter Ferne hinter
diesem den Jeschken. Auch der Milleschauer und die Berge bei Aussig
sind sichtbar. Im Norden ist der Horizont durch das Erzgebirge, aus
dem das Mückenthürmchen und der Schneeberg hervorragen, begrenzt und
im Westen erscheint der Böhmisch-Zlatniker, der Ganghofer Berg und im
Vordergrunde die dunkle Masse des Bořen. Die Aussicht ist grossartig
und es steht zu erwarten, dass die Touristen diesem Punkte künftighin
eine solche Aufmerksamkeit schenken werden, wie er es verdient.
Östlich vom Radelstein liegen der _Suttomer Berg_ und _Skalken_,
südlich von diesen der Werschetiner Berg -- auf derselben Strasse wie
zum Radelstein von Bilin in 2 bis 3 Stunden zu erreichen. Suttom und
Skalken liegen ¼ Stunde auseinander. Der Suttomer Berg ist leicht zu
ersteigen und bietet eine schöne Aussicht. Das Dorf hat eine schon im
J. 1388 bestandene, in ihrer jetzigen Gestalt aber erst 1716--1724
durch Anna Sigismunda Gräfin von Hřzan, damalige Besitzerin des Gutes
Skalken, erbaute Pfarrkirche. Südöstlich davon liegt das Dorf Wlatislav
im Thale des Modelbaches. Es sollte eigentlich Wlatislav heissen,
da es ehedem eine wohlbefestigte, von dem Saazer Herzog Wlastislav
erbaute Stadt gewesen, aber schon im J. 936 vom Prager Herzog Boleslaw
I. zerstört worden sein soll. Die Spuren einer dreifachen Schanze auf
einer Anhöhe nördlich vom Dorfe hält man für Ueberreste der ehemaligen
Burg. Am südlichen Flügel des Schlosses im Dorfe Skalken erhebt sich
auf einem schroffen Felsen ein alterthümlicher, 18·9 m hoher ovaler
Thurm, mit 3·7 m dicken, sehr festen Mauern, welche aus weissen
Bausteinen bestehen; in das Innere konnte man früher nur von der
steilsten Seite des Felsens mittelst einer 3·7 m über dem Boden in der
Mauer befindlichen viereckigen Oeffnung gelangen. Höchst wahrscheinlich
ist es ein sogenanntes Burgverliess gewesen. Die Aussicht ist ungemein
lieblich, da den Felsen ein herrlicher Kranz von vulcanischen Bergen
umgibt. Auf der Strasse südlich von Watislav kommen wir in einer halben
Stunde nach _Woborzitz_, in dessen Nähe sich der _Woborzitzer Berg_,
der _Werschetin_, 426·6 m hoch, befindet und dann nach dem Dorfe
Podseditz mit den Granatengruben und einer Granatenfabrik.
Südöstlich von Skalken (etwa ¾ St.) liegt der _*Kostial_, ein schön
geformter Basaltfels, der auf seinem Scheitel die malerischen Trümmer
einer Burg trägt. Dieser Punkt, sowie die Hasenburg sind von _Lobositz_
besser und angenehmer zu erreichen, und es empfiehlt sich die Theilung
der Tour von _Bilin_ nach _Lobositz_ in die Touren: Bilin-Radelstein
und Lobositz-Hasenburg-Kostial bis einschliesslich Suttomer Berg.
Auf den Kostial gehen wir von Lobositz südwestlich auf der Strasse
über Sullowitz (½ St.), Jentschitz (¾ St.) und wenden uns hier rechts
nach dem ¾ St. südöstlich von Skalken gelegenen Dorfe Kostial, am
östlichen Abhange des Kostialer Berges. Von da gehen wir in westlicher
Richtung auf den Berg und erreichen ihn in einer halben Stunde (für den
ganzen Weg von Lobositz 2 St.) Die Aussicht ist sehr lohnend. Südlich
begegnen unsere Blicke der herrlichen Hasenburg, im Hintergrunde der
Stadt Budin, südwestlich und westlich in der Ferne dem Hoblik und
Millayer Berge und in der Nähe dem Werschetiner Berge, dem Radek,
weiter nach Nordwesten dem Radelstein, den Klotzbergen und im Norden
dem Milleschauer, im Hintergrunde dem Erzgebirge mit dem Schneeberg,
rechts vom Milleschauer dem Kletschen, östlich der Elbe mit den
Städten Lobositz und Leitmeritz, dem Radobyl und dem hohen Geltsch und
südöstlich dem Georgsberg mit der Stadt Raudnitz am Fusse desselben und
weit im Hintergrunde der Stadt Melnik.
Der Abstieg erfolgt nach der Stadt Trebnitz, südlich am Fusse des
Kostialer Berges und am Modelbache, sowie an der Lobositzer Strasse
gelegen. In der Pfarrkirche, welche schon seit dem J. 1384 besteht,
sind 2 kunstreiche Alabasterbilder. Auch befindet sich hier ein in den
Jahren 1573 bis 1575 geschriebenes Cancionale in böhmischer Sprache
aus 470 kalbledernen Blättern bestehend und nach damaliger Weise
mit schönen Malereien, Goldbuchstaben, Initialen u. s. w. verziert.
Von da gehen wir auf der Strasse südlich nach Chodolitz und biegen
vor dem Orte Klapay links auf die _*Hasenburg_ ab (2¼ St.). Das ist
ein steiler, 413 m hoher und aus Basalt bestehender Berg, welcher
durch seine schönen, zu Tage entblössten Säulengruppirungen dem
wissenschaftlichen Forscher sowohl als dem Naturfreunde überhaupt
ein hohes Interesse bietet. Auf der Hasenburg liegen die Ruinen
der alten Burg Klapay, welche aus zwei hohen, weit in die Ebene
sichtbaren Thürmen besteht. Der eine dieser Thürme ist viereckig und
wird gewöhnlich der weisse, der andere runde aber der schwarze Thurm
genannt. Diese Burg soll schon im J. 874 erbaut worden sein; im J.
1336 ist sie an die Familie der Hasenburge gekommen und wird auch seit
dieser Zeit Hasenburg genannt. Im J. 1431 wurde sie von den Taboriten
erobert und von ihnen gänzlich zerstört; seitdem ist sie nicht mehr
bewohnt worden.
Die Aussicht ist prachtvoll. Im Norden das Erzgebirge, in derselben
Richtung, sowie im Nord-Westen, Westen die wiederholt oben (siehe
Kostial) angegebenen herrlichen Punkte unseres höchstinteressanten
Mittelgebirges, im Osten der Georgsberg, südöstlich die Stadt
Libochowitz mit Schloss und Kirche und nach diesen beiden Richtungen
hin, die herrlichen, fruchtbaren Thäler der Eger und Elbe mit
zahlreichen Städten, Dörfern und Weilern.
_*Der Milleschauer._ Derselbe ist 834 m hoch und besteht aus
Klingstein. Unter den einzelnen Bergen des Mittelgebirges nimmt er
den ersten Platz ein. Die weite und reizende _Aussicht_, welche
man von hier über einen sehr beträchtlichen Theil unseres schönen
Heimatslandes, namentlich auf das Erzgebirge, das Teplitzer- und
Bielathal, weit über das rechte Elbufer, wo das Iser- und Riesengebirge
den Horizont begrenzen, ferner nach Südosten und Süden über Rakonitz
bis in die Umgebungen Prags und selbst noch jenseits der Hauptstadt
über das rechte Moldauufer hinaus geniesst, machen diesen Berg zu
einem der herrlichsten Standpunkte für den Bewunderer mannigfaltiger
Naturschönheiten und eines mit den Gaben der Ceres überschütteten,
durch Gewerbefleiss blühenden, nach allen Richtungen hin mit Städten,
Flecken und Dörfern bedeckten Landes. Die Zahl der Besucher dieses
herrlichen, bis zur Spitze reich bewaldeten und höchst interessanten
Berges ist sehr gross und steigert sich von Jahr zu Jahr. Die oben
befindliche Restauration entspricht in Bezug auf Qualität der Speisen
und Getränke und Unterbringung der Gäste in den geräumigen, mit allem
Comfort ausgestatteten Mooshütten allen Anforderungen. Die Wege nach
dem Milleschauer sind recht bequem.
Touren nach dem Milleschauer:
_Teplitz-Borislau-Pilkau_ (4 St. zu Fuss -- bis Pilkau ein guter
Fahrweg -- in Pilkau gibt es Esel und Tragsessel für diejenigen, welche
nicht steigen können oder wollen). Wir gehen auf der Strasse nach
Lobositz in südöstlicher Richtung nach Auperschin (1 St.), Schallan
(¾ St.), am Abhange des Mittelgebirges endlich nach Borislau (½
St.), bereits hoch im Mittelgebirge; dieses Dorf hat eine im J. 1717
neuerbaute und 1820 auf Kosten des Fürsten Johann von Clary restaurirte
Kirche mit einem Gemälde von einem unbekannten Meister, den Märtyrertod
der hl. Katharina darstellend; dasselbe wird von Kennern sehr gelobt.
Nach einer halben Stunde erreichen wir, rechts von der Strasse
abbiegend, das am Fusse des Milleschauer liegende Dorf Pilkau, von wo
aus wir die Spitze des Berges in einer Stunde auf einem gut erhaltenen,
steilen Wege erreichen.
_Aussig-Türmitz-Kosten-Staditz-Tschochau-Borislau-Pilkau_ (5 St.). In
einer halben Stunde erreichen wir von unserem Standquartiere Aussig den
Ort Türmitz, an beiden Ufern der Biela gelegen, setzen unseren Weg im
Bielathal fort und kommen nach Kosten und Staditz; in letztem Orte, dem
Geburtsorte Přemysl's, dem Gemahl Libuša's, verweilen wir einige Zeit,
lassen uns die Haselstaude, in welche sich die von Přemysl in die Erde
gesteckte Ruthe verwandelt haben soll, zeigen und besichtigen noch das
sogenannte _Königsfeld_, d. i. das Feld, wo Přemysl pflügte, als ihn
die Gesandten der Libuša fanden. Nach Passirung der Orte Tschochau und
Borislau erreichen wir auf der schon berührten Tour über Pilkau unser
Ziel. (Für diese Tour können wir auch die Bielathalbahn bis zur Station
Tschochau-Hlinai benützen; siehe überdies Bereisung von Teplitz über
Tschochau.)
_Lobositz-Billinka-Wellemin-Milleschau-Milleschauer._
Lobositz.
=Lobositz= liegt an der Mündung des Modelbaches in die Elbe, Stadt mit
etwa 4000 Einwohnern.
=Gasthäuser=: »Hôtel Post« am Bahnhof, »schwarzes Ross«,
»goldener Löwe«; »Dampfschiffrestauration an der Elbe« mit
prächtiger Aussicht, schöner Garten. -- »Hôtel zur Eisenbahn«.
=Post- und Telegrafenamt.= -- =Eisenbahn- und
Dampfschifffahrts-Station.=
=Fahrgelegenheiten.= -- =Schwimmanstalt.=
Bei Lobositz verlässt die Elbe die westliche Richtung, schlägt die
nördliche ein und strömt mit derselben mit einigen kleinen Abweichungen
bis Zirkwitz. Die mit zahlreichen Ortschaften, Wein- und Obstgärten
bedeckten Ufer- und Bergabhänge zu beiden Seiten des Stromes gehören
unter die reizendsten Gegenden nicht bloss von Böhmen, sondern von ganz
Oesterreich-Ungarn.
In Lobositz sind viele _Fabriken_ und _Industriewerke_ im Betrieb,
darunter bedeutende Zuckerfabriken, eine Dampfmühle, und die
grossartige Cichorienfabrik von Tschinkel. _Die Pfarrkirche_ ist
ein in den Jahren 1733 bis 1743 von Grund aus neu errichtetes
schönes Gebäude, welches im Presbyterium den aus der vorigen alten
Kirche aufbewahrten Marmorgrabstein der am 7. März 1702 verstorbenen
Markgräfin _Maria Franziska_ von _Baden_ und _Hochberg_, geb.
Landgräfin von Fürstenberg, enthält. Von den Glocken trägt eine die
Jahreszahl 1532, die andere 1691.
In dem herrschaftlichen _Schlosse_ befinden sich die fürstlich
Schwarzenberg'schen Wirthschaftsämter und ein Saal für chemische
Untersuchungen. Bei der Erhebung des Ortes Lobositz zum Range einer
Stadt unter Kaiser Rudolf II. im J. 1600 (zu deren Erinnerung im J.
1776 auf Kosten des damaligen Primators Johann Georg Tscherney die St.
Procopius-Säule auf dem Marktplatze errichtet wurde) erhielt Lobositz
das Recht, ein eigenes Wappen zu führen und an jedem Freitage einen
Wochenmarkt zu halten. Das Wappen enthält zwei Thürme im blauen Feld
und ein offenes Thor mit einem Schutzgitter und einem Löwen darunter.
Die Stadt ist reich an geschichtlichen Momenten. In den Jahren 1315,
1648, 1680 und 1742 richteten die Pest und andere Seuchen in der
Stadt und Umgebung grosse Verheerungen an, woran noch die Namen
der »Pestkirchhöfe« und einige Merkzeichen in der Gegend erinnern.
Während der Husitenkriege wurde Lobositz besonders in den J. 1420 und
1426 sehr hart mitgenommen. Im 30jährigen Kriege hatte es in den J.
1634, 1635 und 1639 von den Schweden grosse Drangsale zu erdulden.
Am 1. October 1756 fand hier am Fusse des Lobosch-Berges die erste
Schlacht im 7jährigen Kriege statt. Nach der Schlacht bei Kolin, dann
in den J. 1759 und 1773 hatte es abermals viel zu leiden. Wiederholte
Feuersbrünste verursachten auch vielfachen Schaden. Am 13. Februar 1809
wurde die Stadt sammt dem Schlosse ganz eingeäschert. Kaum hatte sie
sich von diesem Unglücke erholt, als 1813 der verhängnissvolle Krieg
zwischen Frankreich und den verbündeten Mächten ausbrach und die Stadt
die Nähe des Kriegsschauplatzes mehrere Monate hindurch schmerzlich
empfinden liess.
Von Lobositz gehen wir auf der Strasse in nordwestlicher Richtung
nach _Billinka_ (¾ St.) auf einer sanften Anhöhe. Bevor wir die Tour
auf den Milleschauer fortsetzen, statten wir von hier aus dem rechts
(östlich) von der Strasse gelegenen _*Lobosch_ 568 m einen Besuch ab.
Derselbe ist nach Süden und Osten durch keine Vorberge gedeckt und
gestattet deshalb eine herrliche Uebersicht von einem grossen Theile
des ehemaligen Leitmeritzer und Rakonitzer Kreises. (Der Besuch dieses
Berges empfiehlt sich mehr von Lobositz über Welhota.) Von Billinka
wandern wir auf der Strasse über Wellemin nach _Milleschau_, einem
Dorfe am südöstlichen Abhange des »_Milleschauer_«. Hier befindet sich
ein grosses und sehr schönes von Kaspar Zdenko von Kapliř im J. 1682
auf einem hohen Felsen erbautes Schloss und ein grosser Obst-, Gemüse-
und Ziergarten. Von Milleschau aus erreichen wir auf einem guten,
stellenweise sehr steilen Wege die Spitze des Berges.
_Bilin-Kostenblatt-Tschentschitz-Milleschauer._ Von Bilin nach
Kostenblatt 1 Meile, und von da, am besten mit Führer, in östlicher
Richtung meist durch Wald nach Tschentschitz (¾ St.), hoch im Gebirge,
am Abhange des »Milleschauer«. Hier kann der Führer entlassen werden.
H. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Teplitz aus.
Teplitz
(221 m. Seehöhe).
=Gasthöfe=: »König von Preussen« (Stephansplatz); »Hôtel
Post«, »Stadt London« (beide Lange Gasse); »Altes Rathhaus«
(Marktplatz); zur »Riesenburg« (Graupnergasse); »Kronprinz
Rudolf«, »blauer Stern« (beide Bahnhofstrasse); »Neptun«
(Mühlstrasse); »Schwarzes Ross« (Kirchengasse); »Preussischer
Hof« und »Wigand's Hôtel« (Kurpark).
=In Schönau=: »Haus Oesterreich« (Neubadallee), »Hermannsburg«
(Badegasse von Schönau). Zimmer von ½ bis 3 fl. täglich,
Bedienung 30 kr., Licht 30 kr., Suppe 12 kr., Braten 40--80
kr., Kaffee 20--24 kr. Gutes Brod, vorzügliche Biere und Weine.
=Weinstuben=: »Fleck« (Lange Gasse), »Rüdesheim«
(Lindenstrasse), »3 Aepfel« (Badeplatz). =Restaurants= ausser
den oben genannten Gasthöfen: »Leitmeritzer Bierhalle«
(Schulplatz), »zum Erzherzog Stephan« (Königstrasse),
»Günther's Bierhalle« (Alleegasse), »Kursalon«.
Gartensalon im Schlossgarten, Askonas, isr. Restauration,
Edmundsstrasse zu drei Rosen, zum Felsenkeller, zum hohen Haus
(Mühlstrasse), Germania (Steinbadgasse), Glaser, Weilburg
(Lindenstrasse).
Die Reihenfolge ist durchaus nicht mit Rücksicht auf
verschiedene Güte zusammengestellt.
Stadt Schönau:
Merkur, Stadt Warschau, Rosenlaube, Ordensband.
Das Couvert zumeist à la carte von 1--2 fl. Table d'hôte
weniger üblich.
=Kaffeehäuser=: Kursalon, Theater, Stadt Dresden. Mehrere
vorzügliche Konditoreien.
Ausserdem befinden sich auf bedeutenderen Ausflugsorten zumeist
vortrefflich eingerichtete Sommerrestaurationen, wo neben
allerlei Erfrischungen, Mineralwässern, auch kalte und warme
Speisen für civile Preise dargeboten werden.
Kurgäste finden in etwa 230 Häusern in Teplitz und mehr als 80 in
Schönau Logis. Da dieselben auch in anderen Häusern in der Stadt
Unterkunft finden, so können zu einer Zeit wohl gegen 3000 derselben
ihre Kur geniessen. Bei der Ankunft in Teplitz ist es nicht rathsam,
sich am Bahnhofe von Agenten, Gepäcksträgern und Droschkenkutschern,
die sich in eigennütziger Weise an den Fremden herandrängen, eine
Wohnung anempfehlen zu lassen. Man kann da leicht in schlechte oder
von den Bädern sehr weit entfernte Wohnungen geschickt werden, die
dann wiederum aufgegeben werden müssen. Man lasse sich durch die
gewöhnlichen Versicherungen dieser Agenten, es sei alles überfüllt
etc., ja nicht ängstlich machen. Wer nicht schon vorher eine Wohnung
bestellt hat oder von verlässlicher Seite in ein gutes Haus empfohlen
ist, der thut am besten, zunächst in ein Hôtel zu fahren, dann einen
Arzt bezüglich der Wahl des Bades zu consultiren und dann eine Wohnung
in der Nähe des verordneten Bades zu suchen. Die Täfelchen »Logis«
zeigen derlei Häuser an; ein weisser Streifen darüber gibt an, dass das
Haus momentan keine Wohnung abgeben kann. Die Miethpreise, die sich per
Woche verstehen, sind je nach der Saison verschieden und variiren im
Sommer von 5--25 fl., im Winter von 3--12 fl. Das Frühstück wird meist
im Logis genommen, im Gegensatze zu anderen Kurorten. Doch kann bei der
grossen Zahl Kurhäuser nie Wohnungsnoth eintreten. Dem stets wachsenden
Zudrang des Kurpublikums entsprechen grosse und zweckmässige Neubauten
der letzten Jahre.
Auskünfte über Wohnungen, sowie Kurangelegenheiten jeder Art ertheilen
die Bürgermeisterämter von Teplitz und Schönau, der städtische
Badeinspector in Teplitz und in den meisten Fällen auch die Badeärzte.
=Lesekabinet= im Kursalon. Es liegen auf: die Kur- und
Fremdenlisten der besuchtesten Badeorte, ferner eine bedeutende
Anzahl Zeitungen politischen und belletristischen Inhaltes in
9 europäischen Sprachen. Kurgäste haben freien Zutritt. Im
Damensalon ein Klavier zu freier Benützung. Billardsaal.
Der Kurort Schönau hat ebenfalls ein reich eingerichtetes
Lesekabinet.
=Buchhandlungen=: Ernst Pörzler (Seumestrasse) und H. Dominicus
(Königsstrasse). Beide haben Leihbibliotheken, reichlich
ausgestattet mit den neuesten Erscheinungen der Literatur, auch
in fremden Sprachen.
=K. k. Postämter=: Teplitz, Schlossplatz, Schönau, Badeg. 85.
=K. k. Telegrafenamt=: Waisenhausgasse (7 Uhr Früh bis 9 Uhr
Abends).
=K. k. Hauptzollamt=: Schlossplatz 14.
=K. k. Bezirkshauptmannschaft=: Marktplatz 26.
Die =Communalbehörden= sind: In Teplitz der Magistrat,
Marktplatz, in Schönau das Bürgermeisteramt, Neubadallee.
In der Königsstrasse und in der Langen Gasse befinden sich
Banken und Wechselstuben.
=Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ Bahn (Linie: Komotau-Aussig).
_Dux-Bodenbacher_ (Linie: Komotau-Bodenbach). Der Bahnhof der
letzteren ist etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt, doch
fahren zu allen Zügen Omnibusse.
Ein- und zweispännige Wägen mit festgesetztem Tarif nach
allen Richtungen. Rollwagenführer im Dienstmanninstitut
(Graupnergasse). An den Bahnhöfen eigene Gepäckträger.
Omnibusse nach Eichwald und Probstau.
=Stadttheater= im Kurpark, das ganze Jahr hindurch
Vorstellungen; es werden Operetten, Schau- und Lustspiele
gegeben. Im Sommer gastiren daselbst oft Künstler der
bedeutendsten Bühnen. Anfang 7 Uhr.
=Kurmusik=: _Teplitz._ Die Kurkapelle spielt täglich Morgens
im Kurgarten, Mittags 11--1 Uhr im Schlossgarten; Montag und
Freitag Nachm. 5--7 im Kurgarten.
Tanzreunionen finden gewöhnlich Samstag Abends im Gartensalon
statt.
_Schönau._ Militärkapelle jeden Mittwoch und Samstag Nachm.
5--7 Uhr; Donnerstag u. Sonntag Vorm. 9--10½ Uhr im Schönauer
Musikpavillon.
=Zeitungsagentur=: Erwähnenswerth ist die Zeitungsagentur
(Königsstrasse), welche alle Zeitschriften zu Originalpreisen
anbietet.
Die Kurtaxe zahlt jeder Fremde, der sich länger als 8 Tage
aufhält, nach vier Ständeklassen. Gewisse Stände sind davon
befreit, doch zahlen sie wie alle Fremden, die sich länger als
drei, aber weniger als 8 Tage aufhalten, die Musiktaxe (50 kr.).
=Kuranstalten=: Bäder sind in _Teplitz_: das Stadt-, Kaiser-,
Stein- und Stefansbad (Eigenthum der Stadt Teplitz), Fürsten-
und Herrenhausbad (Eigenthum des Fürsten Clary), Sophienbad,
(Eigenthum der israel. Kultusgemeinde).
_In Schönau_: Das Schlangenbad (dem Kurort Schönau gehörig),
das Neubad (fürstlich).
Alle in- und ausländischen Mineralwässer sind in der städt.
Mineralwasserniederlage (Badeplatz) und im Schlangenbad (Schönau) zu
haben. Das Wasser der Stadtbadquelle, welches bei gewissen Krankheiten
ärztlich verwendet wird, ist im Kurgarten und im Stadtbad unentgeltlich
zu haben. Hier sei auch das 54 m lange und 15 m breite Schwimmbassin,
mit klarem Gebirgswasser gefüllt, erwähnt. Dasselbe befindet sich im
westlichen Theile des Turnerparkes, etwa 15--20 Min. vom Centrum der
Stadt entfernt. Der Bau ist in mancher Beziehung sehenswerth.