Hier sei von der im Süden des Erzgebirges gelegenen Ebene nur jener

Theil in Betracht gezogen, der von Teplitz nördlich liegt. Etwa von

Kulm schrumpft sie in ein mehr oder minder schmales Thal zusammen,

in welchem sich bis Bodenbach das Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn

befindet und soweit erstreckt sich auch dieses Thal. In der Ebene ist

die Braunkohlenformation vorherrschend, fast ausschliesslich in ihrem

westlichen Theile. Im östlichen Theile treten allmählich und mit dem

ansteigenden Terrain desto mehr zusammenhängend Basalt, basaltische

Tüffe und Conglomerate, Phonolithe und Trachit, aus welchen das

zwischen dieser Ebene und dem Elbthale sich erhebende Gebirge besteht,

welches daher auch im Allgemeinen den Charakter des Mittelgebirges

trägt.

In der Ebene erblickt man daher zahlreiche Kohlenwerke und infolge

des Reichthums an Kohle sind hier zahlreiche Industrie-Etablissements

entstanden, so dass diese Gegend zu den bevölkertsten und productivsten

Gebieten unseres Vaterlandes gehört.

Doch hat sie auch noch ein anderes Interesse. Sie ist »ein Tanzplatz

des blutigen Ares.« Es sind seit den ältesten Zeiten hier viele blutige

Schlachten geliefert worden. Schon 1040 besiegte hier der Herzog

Břetislav die von Meissen kommenden Truppen des deutschen Kaisers

Heinrich II. Im J. 1126 umzingelte Herzog Soběslav die vereinigten

Heere des Königs Lothar und des Markgrafen Otto von Meissen. Diese

erlitten hier eine schwere Niederlage. Nach deutschen Quellen fielen

hier über 270 Grafen und Edle. Der Grossmuth Soběslav's verdankte

Lothar den freien Abzug. Das Treffen fand am Sernitzbache statt, der,

im Erzgebirge entquellend, bei Kulm und Karbitz vorbeifliesst und

unweit von Aussig in die Biela mündet. Viel blutiger aber war die

Schlacht am 16. Juni 1426. Die Hussiten hatten unter Prokop auf dem

niedrigen, zwischen Karbitz und Türmitz sich hinziehenden Bergrücken,

der Bihana, ihre Wagenburg errichtet. Das Kreuzheer der Deutschen

rückte durch die Pässe des Erzgebirges herein und griff die Hussiten

an. Die wehrten den Angriff ab und gingen nun selbst vor. Es entstand

nun ein furchtbares Gemetzel. Die Hussiten wüthend darüber, dass

man auf ihr Ansuchen, am Sonntag die Waffen ruhen zu lassen, nicht

eingegangen war, gaben keinen Pardon. Die Biela soll, wie eine Chronik

meldet, an diesem Tage roth zur Elbe geflossen sein. 15.000 Theilnehmer

des Kreuzzuges deckten die Walstatt. Bei einem Baume auf der Bihana

zeigt man das sogenannte Blutloch, wo 14 sächsische Heerführer den

Tod fanden. Aussig wurde vernichtet und lag 3 Jahre öde. Eine grosse

Zahl von Burgen und Schlössern, viele Klöster sanken in Ruinen. Und

noch einmal sollte dieser Boden mit Blut gedüngt werden. Am 27. Aug.

1813 hatte Napoleon die Verbündeten bei Dresden geschlagen und diese

zogen sich zum Theil in die Pässe des Erzgebirges zurück und zwar Fürst

Schwarzenberg über Dippoldiswalde und Altenburg, Ostermann und Barcley

auf der über Peterswalde nach Teplitz führenden Strasse. Vandamme

sollte sie mit 30.000 Mann verfolgen und die Niederlage vollständig

machen. Am Tage der Dresdner Schlacht war er von Pirna aufgebrochen und

drängte den russischen General Ostermann-Tolstoi über die Nollendorfer

Höhe in die Ebene herab. Ostermann, die grosse Gefahr der Verbündeten

sehend, suchte mit seinem Häuflein Russen, etwa 8000 Mann, die

Franzosen so lange aufzuhalten, bis sich die Preussen und Oesterreicher

genähert hatten. Am 29. August hielt er, trotzdem ihm eine Kanonenkugel

den linken Arm zerschmettert hatte, Stand, bis endlich Abends 6 Uhr

Schwarzenberg ihm Hilfe schickte. Vandamme besetzte Kulm und erwartete

Hilfe von Napoleon. Der aber theils im Glauben, dass Vandamme stark

genug sei, theils mit dem neuen Plane umgehend, die Nordarmee unter

Bernadotte anzugreifen, schickte sie nicht. Am 30. August stand daher

die Sache für die Franzosen ungünstig. Die beiden Divisionen des

Generals Colloredo hatten sich mit den Russen vereinigt und längs

der ganzen Strasse von Pristen an bis Arbesau wogte die Schlacht.

Die russische Angrifflinie ging vom Fusse des Gebirges über die

Kulmerstrasse von Pristen bis gegen Karbitz, die österreichische von

da bis gegen Deutsch-Neudörfel, Graf Colloredo hatte die Franzosen

umgangen und durch einen brillanten Angriff von der Střisowitzer Höhe

herabgedrängt. Die Preussen standen bei Arbesau. Mit welcher Heftigkeit

gekämpft wurde, konnte man an einem mässig starken Baume bei Kulm

sehen; er war von 60 Kugeln durchlöchert. Um 11 Uhr erschienen die

Preussen unter Kleist, besetzten die Peterwalderstrasse und griffen die

Franzosen an. Alle ihre Versuche, die Nollendorfer Höhe zu stürmen,

scheiterten. Die Reiterei unter Corbineau entkam allein. Nachdem sie

mit ausgezeichnetem Muthe gefochten, Vandamme war selbst verwundet,

mussten sich 10.000 Mann ergeben; 5000 lagen todt oder verwundet auf

dem Kampfplatze. Die Vernichtung eines ganzen französischen Corps,

die Gefangennahme eines erfahrenen und tapferen Generals (Vandamme,

einer der fähigsten und energischesten Generale Napoleons, geb. 5.

Nov. 1771 in Kassel, war 1799 bereits Divisionsgeneral, wurde nach

seiner Gefangennahme nach Sibirien verbannt, kehrte 1815 zurück und

starb, ohne mehr eine Anstellung zu bekleiden, den 15. Juli 1830 in

Kassel), erfüllte die Verbündeten mit neuen Hoffnungen. Für Napoleon

war diese Niederlage, sowie fast gleichzeitig verlorene Schlacht

an der Katzbach der Anfang in der verhängnissvollen Wendung seines

Schicksals. Der Sieg wurde in Teplitz, von wo am 31. Aug. der Bericht

in den Zeitungen veröffentlicht wurde, am 1. und 2. Sept. gefeiert.

Doch war noch nicht hier alle Gefahr beseitigt. Denn auf den Höhen des

Erzgebirges kam es zu neuen Gefechten. Napoleon zog einen grossen Theil

der Truppen zusammen und suchte über Nollendorf in Böhmen einzufallen.

Der wichtigste Tag war der 17. Sept. Die Franzosen waren bis Arbesau

vorgedrungen, Napoleon war in Nollendorf auf dem Kirchthurme; später

wurde ein Pferd unter ihm verwundet. Doch wurden seine Truppen

verdrängt und in grösster Unordnung zurückgeworfen, General Kreutzer

mit 2000 Mann gefangen. Hiebei zeichneten sich besonders Oesterreicher

unter Feldzeugmeister Grf. Colloredo-Mansfeld aus. Teplitz war während

dieser ganzen Zeit das Quartier der alliirten Monarchen. Kaiser Franz

wohnte im Schlosse, Kaiser Alexander im »goldenen Kreuz«, König

Friedrich Wilhelm im »Herrenhaus«. General Ostermann, der zuerst am

Schlachtfeld, ungefähr an der Stelle, wo jetzt das russische Monument

steht, amputirt wurde, lag im Hause Nr. 181 »Zur goldenen Brücke«,

wo er nochmals operirt und glücklich hergestellt wurde. Im Teplitzer

Thale hatte sich nun das ganze Hauptheer der Verbündeten an 200.000

Mann gesammelt, um Anfangs October gegen Leipzig aufzubrechen. Es sei

aus dieser Zeit noch zweier Tage erwähnt. Am 9. Sept. 1813 wurden im

Teplitzer Schlosse die Freundschafts- und Allianz-Tractate zwischen

Oesterreich, England, Russland und Preussen unterzeichnet und

ratificirt. Am 27. Sept. wurde der Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser

Alexanders gefeiert. Die russische Garde hatte in Turn im Hause Nr. 37

einen Saal für 300 Personen errichtet; an dem Festmahle nahmen die drei

Monarchen, sowie die Spitzen der Diplomatie und der Heere Theil.

Mehr wie ein halbes Jahrhundert hat die Spuren des Krieges verwischt,

aber jeder wird der gefallenen Helden gedenken, wenn seine Blicke

den Denksäulen begegnen, die in dankbarer Verehrung den Kämpfern

jener Tage errichtet wurden. Sie stehen alle an der Strasse, die von

Teplitz über Kulm nach Peterswalde führt. Das nächste, etwa 1½ St.

von Teplitz entfernte ist das russische, unweit von Pristen, welches

auch in künstlerischer Beziehung das hervorragendste ist. Auf einem

Granitsockel erhebt sich das Fussgestell, welches die 9 Fuss hohe

Nachbildung der in Brescia aufgefundenen geflügelten Siegesgöttin

Victoria trägt. Die Vorderseite hat eine lat. Inschrift, welche das

Factum vom 28. Sept. 1813 berichtet, die der Rückseite gibt den Tag

der Grundsteinlegung (am 29. Sept. 1835) und die Namen der Monarchen,

welche Zeugen dieser Feierlichkeit waren, die zweite und vierte Seite

enthalten ebenfalls lat. Widmungsinschriften, ohne, wie mehrfach in

Führern zu lesen ist, die Namen russischer Krieger aufzuführen. Um das

Monument ist ein kleiner Garten; der in dem dabei befindlichen Häuschen

wohnende Veteran ist der Custos.

Gleich hinter diesem Monument sieht man ein von der Strasse in einer ¼

St. erreichbares Wäldchen. Das ist eine sehr denkwürdige Stelle. Denn

selbst eine geraume Zeit nach der Schlacht stellte es sich heraus,

dass im Waldgebirge, auf allen Feldern, in Schluchten und Abgründen

eine Menge Schädel und Gebeine der Gebliebenen fast zu Tage lagen. Da

liess Josef Graf Westfalen durch hunderte von Arbeitern alle diese

menschlichen Ueberreste sammeln und in einem grossen gemeinsamen Grabe

feierlich beerdigen. Es steht dort über Felsenstücken ein Steinkreuz

und an seinem Fusse liest man die Worte:

Hier ruhen die in den nahen Wäldern in neuerer Zeit noch

aufgefundenen Schädel und Gebeine von den an den Schlachttagen

1813 Gebliebenen.

Sie ruhen im Frieden. 1835.

Die feierliche Einweihung geschah erst am 26. Aug. 1836.

Von hier erreicht man bald Kulm[3] selbst. Hier ist ein Schloss

der Grafen Westfalen. Das Dorf hat etwa 120 Häuser und gegen

700 Einwohner. Als Gasthäuser sind die Morgenröthe und Gürtlers

Gastwirthschaft zu empfehlen. Nachdem in den Schlachttagen der ganze

Ort fast in Flammen aufgegangen war -- es blieben nur die Kirche,

das Pfarrgebäude und wenige Häuser verschont -- ist er in seiner

jetzigen Gestalt grösstentheils neu erbaut. Sonntag am 29. Aug. 1813

ging es hier gar fröhlich zu. Vandamme hielt offene Tafel, der hier

vorgefundene Wein floss in Strömen. »Jeudi, messieurs nous dinerons

à Prague«, rief er seinen Offizieren zu. Es erfüllte sich die

Prophezeiung, er kam bald nach Prag, aber als Gefangener. Der Hügel

nördlich von Kulm bietet eine hübsche Aussicht, aber nicht nach allen

Seiten, und trägt die im J. 1691 errichtete Dreifaltigkeitskapelle.

[3] Station der Dux-Bodenbacher Bahn, etwas über 20 Min. vom

Bahnhof entfernt, vom Karbitzer Bahnhof 1 Stunde.

Auf derselben Strasse den Weg fortsetzend, gelangt man nach etwa einer

halben Stunde zu dem links von der Strasse stehenden preussischen

Monumente. Es ist einfach und anspruchslos, auf einem Piedestal erhebt

sich eine Spitzsäule,[4] die von einem eisernen Kreuze gekrönt wird.

Die kurze Inschrift lautet: Die gefallenen Helden ehret dankbar König

und Vaterland. Sie ruhen im Frieden. Kulm, 30. Aug. 1813. Es wurde vom

preussischen Könige Friedrich Wilhelm III. errichtet und am 30. Aug.

1817 feierlich enthüllt. Es ist daher das erste Monument. Rechts von

der Strasse liegt der Ort Arbesau mit etwa 400 Einwohnern in gegen 70

grösstentheils neu gebauten Häusern. Einige Schritte auf der Chaussee

weiter, an dem Invalidenhäuschen und dem Wirthshause zur Post vorüber,

erblickt man rechts an der Strasse das österreichische Monument. Es

ist 54 Fuss hoch und stellt eine auf gemauertem Piedestal stehende

vierseitige Pyramide vor, deren Spitze der österreichische Doppelaar,

einen Lorbeerkranz haltend, schmückt.

[4] Im Jahre 1857 wurde das Monument erhöht und man sieht nun

das Brustbild Friedrich Wilhelms III. und den preussischen

Adler.

Am Fusse der Pyramide liegt der böhmische Löwe. Der unterste Würfel

trägt folgende Inschriften:

Vorn:

Den Feinden furchtbar,

den Seinen theuer.

Rechts: Das österreichische Heer einem seiner Führer auf dem

Felde des Ruhmes.

Hinten: Arbesau, am 17. Sept. 1813.

Links: Dem Vaterlande und seinen Freunden zu früh entrissen.

Weiter befinden sich am untern Theile der Pyramide folgende Basreliefs

und Inschriften:

Vorn: Das Bildniss des Verewigten mit der Umschrift:

Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld,

k. k. General-Feldzeugmeister.

Rechts: Geboren den 30. März 1775.

Hinten: das gräfliche Wappen.

Links: Gestorben den 23. Juli 1822.

Eine Balustrade umgibt das Piedestal.[5]

[5] Es sei noch erwähnt, dass Graf Colloredo unweit des

Denkmals ein Pferd unter dem Leibe verlor.

Es ist das Denkmal vom österr. Heere errichtet und am 17. Sept., dem

Tage der Schlacht von Arbesau -- nicht zu verwechseln mit der Schlacht

bei Kulm -- im Jahre 1825 eingeweiht worden.

In einer kleinen Entfernung davon befindet sich noch ein Denkmal, und

zwar am Bache auf dem freien Felde. Ein grosser unbehauener Felsblock

trägt ein 5 Fuss hohes eisernes Kreuz. Es ist das ein Andenken an den

am 30. Aug. 1813 gefallenen preussischen Major von Röder. Das Gitter am

Eingang trägt das Wappen des Verstorbenen.

Das wären alle Denkwürdigkeiten der Ebene. Die am Fusse des Erzgebirges

liegenden Orte sind bei diesem erwähnt.

III. Das Erzgebirge und das Quadersandsteingebirge.

(Von _Niklasberg_ bis zum _Elbethal_.)

Diese beiden Gebirgssysteme sind geologisch wesentlich verschieden und

bieten daher landschaftlich ganz andere Bilder. Als Grenze zwischen

beiden kann man die von Königswalde über Tyssa nach Raitza führende

Strasse im allgemeinen gelten lassen.

Das Erzgebirge hat hier keine Vorberge gegen die Ebene mehr. Die

Längenthäler hören ganz auf, die Querthäler werden oft schluchten- oder

passartig und führen auf das Plateau hinauf. In Beziehung auf die Höhe,

die am östlichsten Ende des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswald

bis zu 630 m. herabsinkt, sowie auf die Mannigfaltigkeit der Gliederung

steht dieser östliche Theil dem westlichen weit nach und je weiter man

ostwärts schreitet, desto grösser wird die Einförmigkeit, sowohl in

geologischer als orographischer Beziehung.

Es zerfällt dieser Theil des Erzgebirges in zwei Gebiete. Das

des Porphyrs (desselben wie in Teplitz) von der Niklasberger bis

etwa zur Mückenberger Strasse, und das des Gneises, von hier bis

zum Quadergebirge. Doch findet sich Granit vor im Norden von

Ebersdorf und bei Sellnitz, der Spitzberg nördlich von Schönwald ist

merkwürdigerweise ein Basaltkegel.

In touristischer Beziehung gehört dieser Theil zu den dankbarsten

Gebirgen. Man findet da herrliche Thäler mit schönen Wiesen und

bewaldeten Abhängen, schattige Wälder, reizend gelegene Ortschaften;

besonders anziehend sind die häufigen stets wechselnden grossartigen

Aussichten auf die Ebene mit ihren vielen Städten und Dörfern,

Feldern und Eichen und immer ist dieses Bild durch den Hintergrund

des gipfelreichen Mittelgebirges abgeschlossen. Die Wanderung ist

eine leichte, eine grosse Zahl guter Strassen und Wege bietet sich

dar. Auch für Unterkunft ist gesorgt, man findet in den weit sich

hinziehenden Wäldern bald Forsthäuser, die allerlei Erfrischungen im

Vorrath haben, bald erreicht man grosse Dörfer mit verschiedenartigen

Industrien. Diese haben Gasthäuser, in denen man das Nothwendige für

Ruhe und Erquickung vorfindet. Eine besondere Annehmlichkeit bietet

die längs des ganzen Gebirges sich am südlichen Abhange dahin windende

Dux-Bodenbacher Eisenbahn, man hat eine leichte Verbindung mit den

grösseren Städten (Teplitz, Brüx, Aussig, Bodenbach). Aber auch das

Plateau hat seine Reize, hier seien vorläufig nur erwähnt die weiten

Ausblicke in das Sachsenland. Und schliesslich hat noch das Erzgebirge

auch in diesem Theil etwas vor den anderen Gebirgen Deutschlands

voraus: ein fleissiges Volk wohnt da, jedes Dörfchen, jedes Städtchen

ist die Stätte ununterbrochenen Gewerbfleisses.

Von Teplitz aus dürften sich folgende Touren am besten empfehlen:

I. Nach Kosten und Niklasberg.

Kosten erreicht man am bequemsten, wenn man von Teplitz per Bahn

(Dux-Bodenbacher Bahnhof eine ¼ St. von der Stadt auf der Eichwalder

Strasse) dahin fährt, da die hinführenden Wege nur wenig Interessantes

haben. Die Station Kosten beim Orte selbst. Man gehe durch den Ort zu

der schon von weitem sichtbaren neuen Kirche zu, der Weg bietet eine

hübsche Aussicht auf das Gebirge und die Ebene. Unweit der Kirche ist

der Eintritt in den Park; die gerade ausführende Strasse führt über

Doppelburg nach Eichwald (1 St.), ein sehr zu empfehlender Weg, der

eine Fülle von schönen Waldpartien, Durchsichten, Wiesen bietet, und

speciell sei hier einer altehrwürdigen Eiche mit gewaltigen weithin

ragenden Aesten gedacht. Das Jagdschloss, dem Fürsten Lobkowitz

gehörig, hat eine sehr anmuthige Lage. Die an der Wegtheilung links

abgehende Strasse führt nach Niklasberg (1½ St.). Um nun zu dem

prachtvollen, aber wenig bekannten Aussichtspunkte _Wolfstein_ zu

kommen, verfolge man diese Strasse von Kosten aus fort immer gerade

aus. Nach einer ½ St. erreicht man das in Waldeseinsamkeit versteckte

Forsthaus Fuchshütte oder Fuchswarte, wo Erfrischungen zu haben sind.

Bisher können Wägen fahren. Wenn man auf einem ziemlich steilen Wege

etwa 20--30 Min. aufwärts gestiegen ist, achte man auf einen links

abgehenden schmalen, aber ausgetretenen Pfad. Schon nach wenigen

Minuten hat man die merkwürdige Porphyrformation des Wolfssteines vor

sich.

Eine kleine Holzhütte bietet Ruhe und Erholung.

Die Aussicht von hier wird von Vielen jener vom Mückenthürmchen

gleichgestellt. Man überblickt ein weites wechselvolles Panorama. Im

Norden und Osten ein herrlicher Wald, der sich stundenweit an den

Abhängen des Erzgebirges hinzieht, und den kein anderer Aussichtspunkt

in solcher Masse überblicken lässt. Gegen Süden und Westen die Ebene

mit allen ihren oft schon erwähnten Schönheiten, die den Blick auf sie

immer neu und immer reizend machen.

Darauf geht es zurück auf jenen Weg, der dann nach etwa ¼ Stunde auf

eine Strasse trifft. Geht man nun nach links, erreicht man in einer

halben Stunde Niklasberg, nach rechts führt die Waldstrasse in etwa 1

Stunde nach Eichwald.

Niklasberg ist eine auf einem Abhange gebaute Bergstadt, die ehemals,

als noch der Silberbergbau sich lohnte, sehr wohlhabend war. Heute

leben die Einwohner (etwa 600) zumeist von der Oekonomie. Das

vorzüglichste Gasthaus ist das zum Rathhaus mit guter Unterkunft.

Empfehlenswerthe weitere Touren von hier sind:

1. Nach _Zaunhaus und Rehefeld_ (königl. sächsisches Jagdschloss). Der

Weg, reich an landschaftlichen Schönheiten, geht rechts von der aus

Niklasberg nach Neustadt über die Grenze -- nächster grösserer Ort in

Sachsen ist Frauenstein (3 St.) -- führenden Strasse. Man steigt unweit

der Stadt (keine Viertelstunde) rechts auf den Hügel an der Strasse.

Die Partie über Rehefeld nach Altenberg oder Geising (beides sächsische

Städte mit guter Unterkunft) beträgt etwa 3 St.

2. Zum _Jagdschloss nach *Eichwald_ (2 St.). Der Weg dahin ist eine

etwa 20 Min. steil aufsteigende, zerfahrene Waldstrasse. Später bietet

sie eine grossartige Aussicht über den waldigen Abhang in die Ebene.

3. Nach _Klostergrab und Kosten_ durch den sogenannten _Hüttengrund_.

Es ist das ein sehr anmuthiger, von einem starken Bache durchrauschter

Thalweg.

An seinem Ende eine gute Restauration. Von Niklasberg nach Kosten etwa

1½ St., so dass die ganze Tour über den Wolfsstein sich bequem in 4

Stunden machen lässt.

II. Nach Eichwald-Doppelburg-Zinnwald.

Von Teplitz führt nach Eichwald eine gute Strasse in 1 Stunde an

Zuckmantel vorbei, dessen Bessemerstahlwerk besichtigenswerth.

Auch zahlreiche Omnibusse stellen die Verbindung her mit diesem

aufstrebenden klimatischen Kurorte. Ein anderer, etwas längerer Weg,

der mehr Abwechslung bietet, führt durch die Orte Weisskirchlitz (auch

über Turn) und Wistritz an mehreren grossen Industrie-Etablissements

vorbei.

_Eichwald_ -- der lohnendste und beliebteste Ausflugsort von Teplitz

aus -- erstreckt sich mit seinem oberen Theile tief in das Erzgebirge

hinein. Einen besonderen Reiz gewähren die zahlreichen Aussichtspunkte,

die immer wechselnde Bilder zeigen, sowie die sich weit hinziehenden

wenig oder nur sanft ansteigenden Spaziergänge durch die schattigen und

duftenden Waldungen, wo man eine würzige und kräftigende Luft athmet.

Die Zahl der zur Aufnahme von Kurgästen vollkommen eingerichteten

Kurhäuser und der geschmackvollen Villen im steten Zunehmen begriffen.

Kuranstalten sind die von Dr. Brecher vorzüglich geleitete

Kaltwasserheilanstalt und das im Jahre 1879 erbaute grossartige,

musterhaft eingerichtete Theresienbad. Beide bieten verschiedenartige

Bäder nach medicinischen Vorschriften.

=Restaurationen= und =Gasthöfe=: Das Waldschlösschen,

Waldesruhe, Dankbarkeit und Theresienbad. Besonders kann das

letzte eine grosse Zahl Fremder aufnehmen. Die Preise sind im

Ganzen dieselben, wie in Teplitz. Die Kurtaxe beträgt 2 fl. per

Person.

Ein =Post- und Telegraphenamt= ist ebenfalls im Orte.

Besuch von Kurgästen (bis über 600 oft aus weiter Ferne) sowie

der Touristenverkehr sind im steten Aufsteigen begriffen.

Um die Hebung des Ortes hat sich besonders verdient gemacht der

bekannte Industrielle Anton Tschinkel aus Lobositz, der auch im unteren

Theile des Ortes eine grosse Siderolithwaarenfabrik besitzt.

Partien von Eichwald aus.

In der unmittelbaren Umgebung, östlich von der Hauptstrasse:

1. _Der Mühlberg_ mit einem »Tempel«, der eine grossartige Fernsicht

bietet.

2. _Der Vogelherd_ (auch Schlichtelberg), dessen Aussicht deswegen

interessant ist, weil man keine Häuser, sondern nur weite Bergrücken

mit prachtvollen Waldungen überblickt.

3. _Der Parapluieberg_ (nur ein kleiner Hügel), ein angenehmer

Ruhepunkt.

Westlich von der Strasse auf _den Rehberg_.

4. _Die Manfredterrasse_, von der man das ganze Eichwalder Thal mit

seinen Villen und Wohnhäusern übersieht.

5. Die _Franz Josef-Terrasse_ (Restauration) mit einem weiten Ausblick

in die Ebene.

Weitere Touren sind:

_a_) _*Doppelburg_ (½ St.), ein 1703 im chinesischem Geschmacke

erbautes Jagdschloss in der Form eines achteckigen Sternes, dessen

Spitzen ebensoviel in den Wald gehauenen Alleen entsprechen. Die

Restauration unter hohen Bäumen vor einer Wiese. In ihrer Nähe immer

einige Hirsche, die durch Gewohnheit so zahm geworden sind, dass sie

sich dargereichtes Brod aus der Hand holen.

_b_) _*Schweissjäger_ (20 Min.), ein mitten im Walde gelegenes

Försterhaus mit prachtvoller Fernsicht (Restauration).

_c_) Das fürstliche _Lobkowitz'sche Jagdschloss_, auch _Jagdhaus_

genannt (1½ St.). Man geht auf der Strasse von Eichwald gegen Zinnwald

bis zu der Lobkowitz'schen Brettmühle, von hier geht links eine Strasse

ab, die hinauf führt. Das Forsthaus liegt sehr hübsch, die Aussicht

lohnend. Der eigentliche Aussichtspunkt liegt etwa ¼ St. weiter, dürfte

aber gegenwärtig verwachsen sein.

_d_) _Der *Seegrund_, eine angenehme Waldpartie, die für den Geologen,

Naturforscher und Forsttechniker manches Interessante haben wird. Man

geht auf der Zinnwalderstrasse bis zur Försterei Seegrund (auch eine

Mühle und Restauration) (von Eichwald 1½ St.) hier links ab durch

einen Durchschlag bis zu dem Moorgrund (gegen 2 St. Umfang), wo die

Mooskiefer in dem Torf- und Moosboden gedeihlich wächst.

Dass solche Moore kolossale Wasserreservoire sind, sei als bekannt hier

nur erwähnt.

_e_) _Zinnwald_, ein ausgedehntes Dorf, das in Böhmisch- und

Sächsisch-Zinnwald zerfällt. Von Eichwald etwa 2 St. entfernt.

Fussgänger mögen vor der Seegrundmühle oder gleich nach ihr die Strasse

rechtsab verlassen, um die letzte Serpentine zu vermeiden.

Es liegt auf dem Kamme des Erzgebirges und hat den grössten Theil

des Jahres ein sehr rauhes Klima, das meist nur die Kartoffel

aufkommen lässt. Das Getreide wird selten reif, es muss oft noch

unter Schneewehen gemäht und kann dann nur als Viehfutter verwendet

werden. Wer da hinaufkommt, staunt über den klimatischen Contrast, den

schon eine Entfernung von 2 Stunden bewirkt. Wenn unten im Flachlande

drückende Hitze herrscht, ist hier oben eine kühlende Frische. In den

Sommermonaten ist daher ein Spaziergang hinauf sehr angenehm.

Von Gasthäusern für längeren Aufenthalt und Nachtherberge sind

empfehlenswerth: »Zur Saxonia«, »Biliner Bierhalle« und »Der sächsische

Reiter.«

Sehenswerth sind folgende Punkte:

Auf der Strasse unweit vom österr. Zollamt bei einer alten Eiche ist

eine hübsche Aussicht auf den Schneeberg, den König- und _Lilienstein_;

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 22 / 27 段