alte Pfarrkirche mit einem grossen Theile der Stadt in Flammen
aufgegangen war, begonnen, und war in wenigen Jahren vollendet.
Feierlich eingeweiht wurde sie aber erst am 22. Mai 1594 durch den
Prager Erzbischof Zbyněk von Duba und Lipa, nachdem sie bereits durch
den Brand von 1578 grossen Schaden im Innern und auch am äusseren Bau
erlitten. Der Erbauer der Kirche ist Beneš von Laun, Hofbaumeister
des Königs Wladislav. Die Brüxer Stadtkirche ist sein letztes und
Meister-Werk. Der Baustyl ist die spätere, sogenannte Wladislav'sche
Gothik, wie sie bereits in den romanischen Styl überzugehen beginnt.
Die innere Länge beträgt 73, die Breite 37 und die Höhe 24 m. Sie
bildet ein langes Viereck, nur das Presbyterium endet in ein Sechseck.
Das Aeussere ist mächtig und imposant durch seine ungeheure Breite,
zu der die zwei Anbauten, die auf beiden Seiten eine Art Kreuzschiff
oder Kreuzkuppel bilden, und im Innern oben Gallerien, unten Kapellen
fassen, viel beitragen. Eine Beeinträchtigung erleidet der imposante
Bau nur durch das unverhältnissmässige, niedere Kirchendach. Das 1578
abgebrannte, kupfergedeckte Dach hatte sicher diesen Mangel nicht.
Das Innere der Kirche weist ein Gewölbe mit drei gothischen Kuppeln
auf, eine Eigenthümlichkeit des Meisters Beneš. Die Gürtel und Rippen
derselben laufen aus schwachen, schlanken Säulen, 16 an der Zahl,
aus, und haben eine künstlerische Verwebung. Merkwürdig sind auch
die Stützen der Kirche, welche kuppelähnliche Räume bilden, in denen
Kapellräume sich befinden. -- Der Hochaltar, im Style der Renaissance,
also durchaus der Bauart des Hauses nicht entsprechend, wurde erst
1773 aufgestellt. Der Altartisch sammt dem auf ihm ruhenden Säulenbau
ist von natürlichem Marmor, die freistehende Rückwand eine Imitation.
Rings an den Brüstungen der Gallerie befinden sich in Stein gehauene
biblische Darstellungen, im Geiste des 13. Jahrhundertes gehalten.
Gleich hier müssen wir der einfachen und der Doppelwendeltreppe
erwähnen, die zu den Emporien führend, und ohne alle Stütze gebaut, von
jedem Sachverständigen als Meisterwerke der Baukunst gerühmt werden.
Von Gemälden nennen wir vor allem die in einer Seitenkapelle nahe dem
Hochaltar befindlichen, auf Holz gemalten Bilder der hl. Katharina und
Barbara. Es sind dies zwei Flügel eines leider verloren gegangenen
Bilderschreines, die unbeachtet im Depositorium der Kirche lagen, bis
Gubernialrath Janko auf sie aufmerksam machte. Kandler verfertigte
1837 die erste Zeichnung. Sct. Barbara ist von geringerer Schönheit,
aber eigenthümlich in der Auffassung und grossartiger im Faltenwurf,
der an die schönsten Gewandmotive Dürers erinnert; Sct. Katharina
zeigt die altdeutsche Auffassung jungfräulicher Schönheit, wie sie der
Kölner Schule eigen ist und in Holbein's hl. Frauen den eigentlichen
Typus gefunden. Beide Flügel sind Werke deutscher Kunst aus dem 16.
Jahrhunderte. -- Ausserdem sind noch in den Seitenkapellen eine
ziemliche Anzahl von Ueberresten solcher Bilderschreine angebracht, die
nicht ohne Werth sind. Von Altarbildern sind als Meisterwerke bekannt:
Der hl. Josef, Anbetung der drei Weisen, Tod des hl. Franziskus. Von
Schnitzwerk bewundern wir die beiden Altäre der Kreuzigung und der
Auferstehung; erstere besonders entzückt bei eingehender Betrachtung
durch Plastik und Figurenreichthum. In diesen beiden Kapellen erregen
noch unsere Aufmerksamkeit die kunstvoll geschnitzten, alterthümlichen
Bänke. -- Der Thurm soll nach Meinung aller Sachverständigen älter
als die Kirche sein. Von seiner Gallerie aus geniesst man eine schöne
Aussicht weit hinaus über die Stadt und ihr Weichbild in's Erzgebirge.
Unweit der Kirche befindet sich der Glockenthurm für die beiden grossen
Glocken, welche ein harmonisches, wundervolles Geläute geben.
Sonstige Denkwürdigkeiten finden wir noch in der _Piaristenkirche_,
jetzt der Stadt gehörig. Der Hochaltar enthält ein herrliches Altarbild
von Raab: eine freie Nachbildung der in der Dresdner Gallerie
befindlichen hl. Nacht von Corregio. Auch die Bilder der beiden
vorderen Seitenaltäre, der hl. Johann von Nepomuk, von Amalia Gräfin
von Waldstein, und der hl. Josef von Calasanz von Vogel sind werthvoll.
Sehenswerth sind noch: das Gymnasial- und Bürgerschulgebäude, beide mit
reichhaltigen Lehrmittelsammlungen ausgestattet, ersteres am 3. Platz,
letzteres in der Schulgasse.
Spaziergänge:
Gestatten wir uns noch eine kleine Ausschau in die allernächste
Umgegend der Stadt, so werden wir auf das südlich etwa 15 Minuten
entfernte Saras und das dahinter gelegene Resselgebirge aufmerksam
gemacht. Das Wort »_*Saras_« leitet der Chronist aus dem Böhmischen
ab und bezeichnet damit einen Ort hinter dem Damme (za hrázem), indem
nach Balbinus Saras gegen den unweit (jedenfalls östlich) befindlichen
Teich durch einen Damm geschützt gewesen sei. Die Gründung von Saras
vollzog sich bereits vor nahezu 600 Jahren, als König Wenzel II.
unter'm 21. November 1283 das Kloster Saras stiftete und dasselbe reich
dotirt den Jungfrauen vom Orden der hl. Maria Magdalena verlieh. Wenn
auch die Ordensfrauen der strengen Disciplin anhingen, so kamen sie
doch genügsam in Verkehr mit den Stadtbewohnern und wurden hoch in
Ehren gehalten, denn »die Bürger gaben ihre Töchter dahin, damit sie
in jungfräulicher Arbeit, Gottesfurcht und guten Sitten unterwiesen
würden.« 1421 wurde das Kloster von den Husiten niedergebrannt, die
zurückgebliebenen sieben Nonnen vor dem Altare der Klosterkirche
niedergemacht. Zwar erstand das Kloster wieder, aber die bewegten
Zeitläufte und besonders die Bitten der Bürger bewogen die Ordensfrauen
zur Uebersiedelung in die Stadt im Jahre 1515. Die Saraser Kirche
selbst blieb geöffnet, da sie lange schon den Ruf einer berühmten
Wallfahrtskirche genoss. 1782 wurde das Kloster von Kaiser Josef II.
aufgehoben, 1786 auch die Saraser Kirche geschlossen. Kirche und
Kloster in der Stadt wurden den Vätern der frommen Schulen eingeräumt,
die den Ordensfrauen gehörigen Höfe Saras, Oberpriesen und Seidowitz
kaufte drei Jahre später die Stadt von der königlichen Kammer. -- Die
dort eingerichtete Restauration mit grossem Garten, die annehmliche
Lage, gesunde, frische Luft, und der gut gehaltene Promenadenweg machen
Saras zu einem beliebten Ausflugsorte der Brüxer.
Gleiche Anziehungskraft übt im Sommer »_*der Ressel_« auf Vereine und
Gesellschaften aus. Seine zwei Thäler, Fuchsgrund und Schiefergrund,
sind durch ihre einfache Naturschönheit wie geschaffen als Ruhepunkte
bei kleineren Excursionen. Eine angenehme Fernsicht, besonders nach
Osten und Süden in's Flachland, und auf die Erzgebirgskette im Norden,
bietet das Plateau hinter dem Schlosshofe, letzterer so genannt, weil
er einst zum Schlosse gehörte.
Dem oberwähnten _*Schlossberge_ müssen wir noch an dieser Stelle mehr
Aufmerksamkeit widmen. Derselbe liegt im Westen der Stadt und kann auf
zahlreichen, gut erhaltenen Wegen erstiegen werden. Wir empfehlen allen
Touristen den über Saras und bemerken, dass von da aus die Spitze des
Berges in 20 Min. ohne Anstrengung erreicht werden kann. Schon während
der Besteigung geniessen wir herrliche Blicke in das Mittelgebirge
und in die von dem Erzgebirge umrahmte Saazer Ebene. Die überall
angelegten Pflanzungen interessiren uns in hohem Grade, da wir uns über
das Gedeihen und die von Jahr zu Jahr wachsende Ausdehnung derselben
ungemein freuen. Den unermüdlichen Bemühungen des Stadtrathes und
Kaufmannes in Brüx, Herrn A. Zein und dem Eingreifen der Stadtgemeinde
haben wir es zu danken, dass sich auf der Spitze des Berges ein
Schweizerhaus mit einer gut bestellten Restauration und ein Thurm mit
einer camera obscura befindet. Der Schlossberg ist ein Aussichtspunkt
1. Ranges, was malerische Schönheit des Panoramas anbetrifft. Im Norden
und Westen dehnen sich die Abhänge des herrlichen Erzgebirges hin und
längs derselben breitet sich die Saazer Ebene »der Garten Böhmens«
aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen
grossartigen Eindruck macht. Gegen Süden und Osten lassen wir unsere
Blicke über das merkwürdige böhmische Mittelgebirge schweifen und sehen
Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene Bořen bei Bilin
und der König der Berge, der Milleschauer unweit von Teplitz, überragen.
Der Schlossberg besteht aus Klingstein; an seinem nördlichen
und nordöstlichen Fusse finden sich die thonigen Gebilde der
Braunkohlenformation; sonst ist letztere in der Umgebung der Stadt von
aufgeschwemmtem Lande bedeckt. Die ganze Stadt, sowie die Umgebung
ruht auf einem einzigen grossen Braunkohlen-Fletz, welches sich in der
Richtung von Südwesten nach Nordosten bis gegen Aussig erstreckt.
In Brüx und Umgebung wird sehr viel Landwirthschaft betrieben. Sowohl
das Klima als auch der Boden sind derselben in hohem Grade günstig.
Das Klima ist in Folge der durch das Gebirge gegen die herrschenden
Winde geschützten Lage wärmer, als man der geografischen Breite der
Stadt zufolge erwarten sollte. Der Boden gehört zu dem fruchtbarsten
im weiten Umkreise; einzelne Strecken sind ungemein humusreich. Die
Wiesen längs der Biela und des Weissbachs sind mit den herrlichsten
natürlichen Futterkräutern bewachsen. Obst wird in Menge gewonnen, und
ist von ausgezeichneter Güte. Der Weinbau erfreut sich in jüngster Zeit
grösserer Aufmerksamkeit und Pflege. Man will den alten Ruf wieder
herstellen. In früherer Zeit gab es in der Umgebung der Stadt über 500
Weiner (Winzer). Sie bildeten eine eigene Zunft, von welcher noch eine
Fahne und ein Weinerbuch vorhanden ist.
Touren.
_Brüx-Brüxer Sprudel-Ober-Georgenthal._ (Von da über Niklasdorf nach
Katharinaberg-Brandau-Grünthal-Teltschthal-Kallich-Göttersdorf-
Rothenhaus-Görkau, also in umgekehrter Richtung -- siehe Bereisung von
Görkau aus.) Wir gehen auf der Kaiserstrasse in westlicher Richtung,
biegen vor dem Orte Kommern rechts ab und langen nun auf einem Sandwege
bei dem neuentdeckten Sprudel an, dessen mächtiger Wasserstrahl
die Verwunderung jedes Touristen erwecken muss. Von da setzen wir
unseren Weg in nördlicher Richtung fort, wandern durch üppige Wiesen
und fruchtbare Felder, das herrliche Erzgebirge mit dem malerisch
gelegenen Schlosse Eisenberg und dem sich in der Ferne prächtig
erhebenden Rothenhaus vor sich, über Nieder-Georgenthal (vulgo Gärten)
und Vierzehnhöfen auf einer guten Bezirksstrasse nach dem romantisch
gelegenen, freundlichen Ober-Georgenthal, welchen Weg man in 2 Stunden
bequem zurücklegt. Hier ist eine grosse Spinnfabrik, Marienthal
genannt, herrlich im Walde an der Strasse gelegen und der Firma Gustav
Tetzner in Görkau gehörig; eine Spielwaarenfabrik der Firma Kaaden
und Weigel und eine Vereins-Parquetfabrik. Die Kirche, in der Nähe
der Bahn gelegen, ist ein schönes, majestätisches Gebäude. In den
Gasthöfen zum »_schwarzen Adler_« und zur »_frohen Aussicht_« findet
man gute Unterkunft und hier, sowie noch in 8 Restaurationen bekommt
man vorzügliche Biere und nach vorheriger Bestellung gute Speisen. Nach
Ober-Georgenthal kommt von Niklasdorf ein Bach, der bis zur Grundmühle
»_Grundbach_«, von da bis zum Ende des Dorfes »Dorfbach« und dann
»_Ruttenbach_« heisst.
Von Ober-Georgenthal wird _Eisenberg_ in 25 Minuten und
_Hammer-Johnsdorf_ in 30 Minuten erreicht -- zu beiden Orten führen
prachtvolle Waldwege (siehe _für Eisenberg Bereisung_ von Görkau und
für _Hammer_ von Oberleutensdorf aus).
_Brüx-Kopitz-*Rosenthal-Lindau-Oberleutensdorf._ (1¾ St.) Diese Tour
hat das Angenehme, dass wir das herrliche Erzgebirge fortwährend
vor uns liegen haben, durch zahlreiche Ortschaften und fast ohne
Unterbrechung durch schöne Obstbaumanlagen wandern. Wir erreichen in
nördlicher Richtung auf guter Strasse zuerst das Dorf Kopitz, dann
_Rosenthal_, welches wie Kopitz am Goldflusse oder Weissbache gelegen
ist. Aus einer benachbarten Quelle wird durch hölzerne Röhren auf einer
Strecke von 5251 m das Wasser nach Brüx in den grossen Behälter auf dem
Hauptplatze geleitet. Nach kurzer Wanderung erreichen wir, den Goldbach
aufwärts, die schön gelegenen Orte Lindau und Niederleutensdorf,
überschreiten die Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn und kommen endlich
in dem industriereichen, herrlich gelegenen, sich von dem reich
bewaldeten Erzgebirge malerisch abhebenden Oberleutensdorf an (siehe
Besuch von Dux-Oberleutensdorf aus).
_Brüx-*Püllna_ in südlicher Richtung auf der prächtigen Saazer Strasse;
in einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Anhöhe, von welcher
wir einen köstlichen Rückblick auf Brüx und einen grossen Theil des
Erzgebirges geniessen. Der Besuch des freundlichen Ortes Püllna
empfiehlt sich wegen Besichtigung der Quellen, welche das berühmte
Püllnaer Bitterwasser liefern. Sie befinden sich auf einer etwa 20
Acker betragenden Flur, die eine ebene Wiesentrift bildet und von
Fruchtfeldern umgeben ist. Aus diesem Wasser wurden von der Gemeinde
schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts Massen von Bittersalz gewonnen,
ohne derselben als Besitzerin der Quellen einen grossen Gewinn
abzuwerfen. Da lenkte mit dem Beginn unseres Jahrhunderts der Brüxer
Bürger und Kaufmann _Adalbert Ulbrich_ die Aufmerksamkeit von Männern
der Wissenschaft auf diese der leidenden Menschheit zum Heile dienenden
Wässer. Er übernahm den Verschleiss derselben und es gelang seinem
rastlosen Eifer, dass im J. 1801 von dem Professor der Chemie Dr.
Gottfried Mikan die erste Untersuchung vorgenommen wurde; dieser folgte
im J. 1819 eine zweite durch Professor J. B. Tromsdorff in Erfurt und
Professor J. Steinmann in Prag, worauf die nöthigen Wirthschaftsgebäude
nebst einem stattlichen Wohnhause errichtet wurden. Mit der Anerkennung
des Püllnaer Bitterwassers durch medicinische Autoritäten vermehrte
sich dessen Verbreitung. Adalbert Ulbrich ruhte nicht; er liess als
Pächter der Quellen das Wasser neuerdings chemisch untersuchen und
zwar im Jahre 1821 von Professor Pleischl, im Jahre 1826 von Struve
in Dresden, im Jahre 1829 von dem Chemiker Barruel in Paris und im J.
1837 von Ficinus in Dresden, was zur Verbreitung des Wassers nicht nur
in ganz Europa, sondern auch jenseits des Oceans wesentlich beitrug.
Durch seinen rastlosen Fleiss erwarb er sich Vermögen, vergass aber
der Gemeinde nicht, in welcher er eine so erspriessliche Thätigkeit
entwickeln konnte. Er vermachte derselben testamentarisch ein Legat von
20.000 fl. C.-M. zum Baue einer Kapelle und einer Schule. Nach seinem
Tode übernahm dessen ältester Sohn _Adalbert_ die Versendung auf eigene
Rechnung und seit 1863 als Brunnendirector und wirkt in bester Weise
für die Verbreitung des Wassers, unterstützt von seinem trefflichen,
mehrere Sprachen sprechenden Sohne _Konstantin_, in erfolgreicher Weise
fort.
Der Boden des Bitterwassergrundes und die angrenzenden Felder
zeigen mächtige Lager von vulkanisch-ausgebranntem Thon bis hin zum
Serpina-Thale und den Nachbarbitterwässern von Sedlitz und Saidschütz
(östlich von Püllna). Die ganze Gegend ringsherum bis an die Eger ist
braunkohlenhältig. In geringer Tiefe unterhalb der Bodenfläche ist ein
reichhaltiges Lager von tertiärem Mergel, der zahlreiche Krystalle
von schwefligen Gebilden und schwefelsauren Salzen, sowie von Basalt
enthält. Diese Bildungen sind die Werkstätte des Bitterwassers; aus
ihnen wird es durch den Zutritt des Wassers von der Oberfläche (des
atmosphärischen Wassers) erzeugt. Es sind daher die Bitterwässer
Seihewässer, kommen nicht aus grosser Tiefe, sondern von den Seiten bis
zu einer gewissen Abtiefung und sind durch das genannte Mergellager
bedingt. Deshalb dürfen die Brunnen nur bis zu einem gewissen
bestimmten Masse abgeteuft werden. In Püllna beträgt es 1·8 bis 2·8 m.
Das Püllnaer Bitterwasser ist ein helles, klares Wasser von etwas
gelbgrünlicher Farbe, das überhaupt geruchlos ist, jedoch in den
Frühstunden im Brunnengebäude einen angenehmen, veilchenartigen Geruch
wahrnehmen lässt, der wohl von einem besonderen Naphtha-Oele herrühren
mag. Der Geschmack dieses Wassers ist salzig und bitter, ohne dabei
die Zunge und den Gaumen unangenehm zu berühren. Es ist ein gelinder
Weise, doch kräftig auflösendes und abführendes Mineralwasser, das,
abgesehen von den bewirkten Entleerungen, Secretionen, namentlich
der Verdauungsorgane bethätigt, den Stoffwechsel beschleunigt, die
organische Säftemasse verdünnt und den gesammten Digestionsprocess
anregt.
_Brüx-Kollosoruk-Kosel_ (2 Stunden). Durch das Biela- und Serpina-Thal
kommen wir auf der Launer Strasse nach Kollosoruk mit einem prächtigen
Schlosse, umgeben von schönen Anlagen und dem Herrn Richter in Prag
eigenthümlich, erblicken links das sich auf einer Anhöhe malerisch
abhebende Luschitz und schliessen unsere Tour mit Kosel ab, wo sich der
Hořenzer Berg mit den hier vorfindlichen Aragoniten erhebt. (Retour
nach Brüx von Obernitz mit der Bahn.)
_Brüx-*Sauerbrunn-Bilin_ (2 Stunden zu Fuss oder mit der
Aussig-Teplitzer Bahn nach Preschen und von da nach Bilin und
Sauerbrunn oder mit der Prag-Duxer Bahn über Obernitz nach
Sauerbrunn-Bilin). Wir gehen in südöstlicher Richtung durch das
Bielathal, berühren Rudelsdorf und Kahn und wenden uns hier mit
der Biela nach Nordosten, kommen nach Obernitz, Böhmisch-Zlatnik,
betrachten hier die rechts stehenden, äusserst interessanten Kuppeln
des Böhmisch-Zlatniker 517 m und Sellnitzer Berges, gehen an dem Dorfe
Sellnitz vorbei, berühren weiter in dem immer schöner und interessanter
werdenden Thale Liebschitz, sehen nun den imposanten, durch seine
zerrissene Gestalt eigenthümlichen und 535 m hohen Bořen vor uns, und
gelangen nach kurzer Wanderung zu unserem Ziele, dem jüngsten Badeorte
des nordwestlichen Böhmen, zum _Sauerbrunn_.
Dieser aufstrebende Curort (Station der Prag-Duxer Bahn, daher von
Dux, Teplitz und Brüx leicht erreichbar), hat jetzt ein grossartiges
Curhaus, welches glänzend eingerichtet ist und allen Comfort bietet.
Seine Lage ist eine herrliche. Von der Terrasse des Curhauses sehen
wir den merkwürdig gestalteten Bořen vor uns und lassen unsere Blicke
über einen grossen Theil des böhmischen Mittelgebirges schweifen.
Im Souterrain des Curhauses befinden sich allen Anforderungen
entsprechende gewöhnliche und Dampfbäder, und der im Parterre
hergestellte geräumige Lese- und Conversationssaal befriedigt alle
Ansprüche, selbst der verwöhnten Besucher der nordwestböhmischen
Bäder. Die das Curhaus umgebenden Anlagen sind herrlich und verleihen
dem Curorte, der sich von Jahr zu Jahr hebt, einen besonderen Reiz.
Der Aufenthalt daselbst ist nicht kostspielig. Das schönste, mit
aller Bequemlichkeit ausgestattete Zimmer kostet _nur zwölf_ Gulden
in der Woche, ein kleineres und ganz entsprechend eingerichtetes 6
bis 8 fl. Eben so mässig sind die Preise der Speisen in der eigenen
Restauration, welche vom 1. Jänner dieses Jahres von einem tüchtigen
Wirthe in Pacht genommen wurde. Der Brunnen liefert aus 4 Quellen
ein kohlensaures Wasser. Sie liegen am nordöstlichen Abhange des
Ganghofer Berges. Es ist nicht bekannt, zu welcher Zeit sie entdeckt
worden sind. Ein bleibendes Augenmerk erhielten sie erst zu Anfang
des achtzehnten Jahrhunderts, wo die Fürstin Eleonore von Lobkowitz
Besitzerin der Herrschaft wurde. Die _Josefs-_ und _Caroline-Quellen_
sind so ergiebig, dass sie allein den ganzen Bedarf decken. Das Wasser
wird theils an Ort und Stelle, besonders von Touristen, Curgästen
aus Teplitz und Besuchern aus der nächsten reichen Umgebung, unter
deren angenehmste Ausflüge eine Fahrt oder ein Spaziergang nach dem
»Biliner Sauerbrunn« gehört, getrunken, theils und zwar grösstentheils
so bedeutend versendet, dass heute über _eine_ Million Glasflaschen
in die Welt geht. Das Wasser ist ein hervorragender Repräsentant
der alkalischen Säuerlinge, zeichnet sich in der Wirkung als
säurebindendes, die Alkalessenz des Blutes erhöhendes Mittel vor
allen anderen aus, leistet daher bei Sodbrennen, Magenkrampf, chron.
Magenkatarrh, bei sogenannter Harnsäure, Nierensteinen, Gicht, chron.
Rheumatismus, chron. Blasen- und Lungenkatarrh, bei Gallensteinbildung,
Fettleber und Scrophulose die erspriesslichsten Dienste. Auch bietet
der Biliner Sauerbrunn ein vortreffliches, dietätisches -- mit Wein-
oder Citronensaft und pulverisirtem Zucker versetzt -- vermöge seines
grossen Kohlensäuregehaltes, hochschäumendes, erfrischendes Getränk und
ist dann, insbesondere während der heissen Sommermonate zu empfehlen.
Ueberdies gewinnt man durch Abdampfen des Wassers in einem eigenen
Laboratorium kohlensaures Natron (Biliner Pastillen).
Grosses Interesse wendet der Tourist dem Bořen, auch Biliner Stein
genannt, zu. Er ist ein Klingsteinfelsen und wird von den Botanikern
wegen seines Reichthums an seltenen Pflanzen viel besucht. Aus der
Ferne betrachtet, präsentirt sich der steile und schroffe Fels, dessen
Basis von Feldern und Obstgärten umgeben ist, als eine riesige,
compacte Masse, weist aber in der Nähe eine Menge von Rissen und
Zerklüftungen auf, so dass er durch sein abenteuerliches Zickzack das
Staunen des Besuchers erregt und durch diese seine pittoreske Gestalt
an den Säntis bei St. Gallen in der Schweiz, von Lindau oder Bregenz
aus betrachtet, erinnert. Der Anstieg ist höchst schwierig und nur
auf der westlichen Seite möglich. Ein Führer ist nicht nöthig, da
der Weg durch weisse Striche an Steinen und Bäumen bezeichnet ist.
Vom »Sauerbrunn« erreichen wir die Spitze in _einer_ Stunde. Wir
überschreiten bei der Station die Bahn, gehen auf dem Wege einige
hundert Schritte fort, lenken in den nach links sich abzweigenden Weg
ein und folgen nun den oberwähnten Strichen. Da das Steingeröll leicht
nachgibt, so ist beim Anstieg alle Vorsicht zu gebrauchen. Unter den
Höhlungen ist die _Michelshöhle_ die hervorragendste. An ihrem Eingänge
ist die gewaltige Basaltsäule beachtenswerth. Diese Felsart finden wir
längs der östlichen und südlichen Seite des Bořen. Dieser Berg ist
überhaupt eine der ersten Zierden des an malerischen Schönheiten und
geognostischen Merkwürdigkeiten so überaus reichen Mittelgebirges, er
ist der Stolz der Gegend.
Die Aussicht vom Bořen ist überraschend schön; wir übersehen die
westliche Seite des Teplitzer Thales mit den prächtig bewaldeten,
schluchtenreichen Abhängen des Erzgebirges. Im Norden sehen wir
zu unseren Füssen das freundliche Städtchen Bilin und den reizend
gelegenen »Sauerbrunn«, weiter links Dux mit seinem stattlichen
Kirchthurme, dem gräflich Waldstein'schen Schlosse sammt Park, dann
weiter am Fusse des Erzgebirges das romantisch gelegene Stift Ossegg.
Aus der Teplitzer Ebene ragt der Schlossberg empor und erweckt unsere
Aufmerksamkeit, rechts davon sehen wir die Ruine Kostenblatt, noch
weiter rechts, gerade in östlicher Richtung die Klotzberge, den
Radelstein, der Milleschauer ist verdeckt. Im Süden erblicken wir
den Millayer Berg 504 m, weiter den Hoblik von derselben Höhe und
schliesslich die Launer Berge, im Westen den Böhmisch-Zlatniker Berg,
Brüx mit dem prächtigen Schlossberge, im Nordwesten hebt sich Eisenberg
aus dem Grün der Tannen und Buchen hervor, und weiterhin verfolgt das
Auge den Rücken des Erzgebirges.
Eine eben so schöne Aussicht bietet der _Ganghofer Berg_, dessen
Gesteine deutlich die Verwandtschaft des Klingsteins mit gewissen
Prophyr-Abänderungen zeigen. Er erhebt sich westlich über dem
»Sauerbrunn«, ist leicht zu besteigen, da nahezu bis zum Gipfel schön
angelegte Promenadenwege führen.
Ein bequemer Fahrweg führt in 20 Minuten langsamen Gehens zu dem
niedlichen Städtchen _Bilin_.
Bilin.
=Gasthöfe=: »Hohes Haus,« »Weisser Löwe«, beide am Marktplatz.
=Post- und Telegrafenamt= (ersteres Lange Gasse, letzteres
Wenzelsplatz). _Aussig-Teplitzer Bahn_ mit dem Bahnhof
Preschen, 10 Minuten entfernt; _Prag-Duxer Bahn_ mit den
Stationen Sauerbrunn und Bilin. _Bielathalbahn_, Verbindung mit
Aussig.
=Fahrgelegenheiten=: _Postomnibus_ zum Bahnhof in Preschen.
Die Stadt zählt beiläufig 5000 Einwohner, liegt an der Biela, welche
die Stadt selbst von der Brüxer Vorstadt trennt und hier den von
Südosten kommenden Zischken-Bach aufnimmt. Im Süden erhebt sich der
Bořen, im Westen der Ganghofer Berg, im Norden, hinter der Teplitzer
Vorstadt, der grosse Chlum, im Osten der Schlossberg, dessen
Fortsetzung der Hradischt heisst.