dahin, ¾ Stund.; oder aber besser zum Forsthaus »Rothe Grube« und von
da der Aufstieg, 1½ St. Prachtvolle Aussicht auf einen grossen Theil
von Sachsen bis Augustusburg, gegen die Elbe und Eger, nach Prag,
Teplitz, Brüx, Saaz, das Erz- und vorliegende Mittelgebirge. (Siehe von
Görkau aus!)
F. Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über Oberleutensdorf.
*Dux.
(Von Eger-Karlsbad und von Aussig mit der Bahn leicht zu erreichen.)
=Gasthöfe.= Hôtel »zur Krone«, »Herrschaftlicher Gasthof«,
Gasthof »zum weissen Ross«, »Zum Tobisch«.
=Post- und Telegrafenamt.=
=Bahnhof= der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Bahn.
=Dux=, Stadt 213 m (4000 E.) mit mehrfachen gewerblichen Anlagen:
Zuckerfabrik, Glasfabrik, Syderolithwaarenfabrik, Kohlenwerke u. s. w.
=Sehenswürdigkeiten=: Neben der Kirche (kostbares Tabernakel und
Altarbild) das Schloss, dem Grafen Waldstein, Nachkommen eines
Nebenzweiges der Familie des berühmten Friedländers, gehörig; es
enthält 4 Säle, 60 Zimmer und besitzt einen berühmten Garten. Im
Schlosse ist besonders sehenswerth: 1. Der grosse Familiensaal mit
Bildnissen aus der Familie Waldstein und dem höchst imposanten
Deckengemälde von Reiner, welches die Scene darstellt, wie Heinrich
Waldstein 1254 dem Könige Ottokar seine 24 Söhne nebst 24 Knappen,
sämmtlich zu Ross, vorführt. 2. Die Bildergallerie, in 8 Zimmern,
wo sich auch das Portrait des Herzogs von Friedland von van Deyk
befindet. 3. Der Waffensaal, der unter den verschiedensten Armaturen
auch Waffenstücke des grossen Friedländers aufzuweisen hat. 4.
Das Porzellan-Cabinet mit seinen japanesischen und chinesischen
Vasen, Pyramiden und Figuren. 5. Das Kunst- und Antiken-Cabinet
mit Antiquitäten aus Herkulanum und Pompeji, Fayence-Malereien,
Mosaiktafeln, Bronce-Gruppen, Modellen u. s. w. 6. Die Bibliothek
mit ca. 12.000 Bänden, darunter viele alte Manuscripte, Prachtwerke,
Kupferstichsammlungen u. s. w. 7. Das Naturaliencabinet enthält eine
reiche Sammlung von Mineralien, Seegewächsen, Conchilien, Fischen und
Vögeln.
Im Schloss-Vorhofe ein Wasserbehälter aus Geschützen verfertigt, die
der Friedländer erobert hatte.
=Geschichtliches.= Stadt und Herrschaft gehörte zu Anfang des 16.
Jahrhunderts Joh. Kapiřz von Sulewitz, welcher sie 1530 an Dippold v.
Lobkowitz verkaufte. Bei dieser Familie verblieb sie bis 1618. Bald
darauf aber gelangte sie durch Kauf an den Grafen von Waldstein; Johann
Friedrich Graf von Waldstein, Erzbischof zu Prag, erhob 1680 Dux und
Oberleutensdorf zu einem Fideicommiss und vererbte sie 1694 an Johann
Grafen von Waldstein-Wartenberg, nachmaligen Landesmarschall von Böhmen.
Spaziergänge.
_Zur Riesenquelle, auch Grünze_ genannt, 20 Minuten an der Strasse
nach Teplitz mit Fremdenzimmern, Gartenanlagen; enthält zugleich
Gesundheitsbäder durch die in der Nähe befindliche Quelle.
_Nach Ossegg_ ¾ Stunden. Der Weg führt unterhalb der Kirche an der
Schlossgartenmauer, dann längs des Baches sehr angenehm.
=*Ossegg=, 1100 E., Marktflecken am Fusse des Erzgebirges.
=Gasthöfe=: Hôtel »zum Kaiser von Oesterreich« mit
Garten-Restauration; Gasthof »zur Weilburg«.
=Bahnhof= der Dux-Bodenbacher und der Dux-Prager Bahn.
Ossegg kommt als Sommeraufenthaltsort immer mehr in Aufnahme.
=Sehenswürdigkeiten=: Die _*Stiftskirche_ des Cistercienserstiftes.
Die Errichtung dieses Stiftes reicht in das Jahr 1196 zurück, in
welchem Slavko von Riesenberg (od. eigentlich Riesenburg), der damalige
Besitzer der hiesigen Gegend, die schon im Jahre 1193 durch Johann
Milgost aus Waldsassen in Baiern nach dessen Besitzung Maschau bei
Kaaden berufenen Geistlichen des Cistercienser-Ordens, welche daselbst
durch häufige Ueberfälle von Räubern sehr beunruhigt und zur Verlegung
ihres Sitzes gezwungen wurden, bei sich aufnahm, ihnen die bereits
früher hier bestandene Marienkirche abtrat und die neue Niederlassung
durch mehrere Dörfer und andere Geschenke so reich dotirte, dass sie
dadurch für den Verlust ihrer früheren Besitzungen zu Maschau, welche
ihnen Milgost, aus Verdruss darüber, dass sie ohne sein Vorwissen
ihren Sitz verändert hatten, wieder entzog, schadlos gehalten wurden.
König Přemysl Ottokar I. bestätigte 1203 die neue Stiftung, nahm
sie in seinen königl. Schutz und beschenkte sie mit neuen Gütern und
Vorrechten. Aber schon 1249 überfiel Přemysl Ottokar, Markgraf von
Mähren, das Kloster, welches sich auf die Seite seines Vaters Wenzel I.
von Böhmen geschlagen hatte, jagte sämmtliche Geistliche weg und gab
das Kloster den Soldaten preis. Zwar entschädigte er, nachdem er selbst
König von Böhmen geworden, dasselbe in reichem Masse für die erlittenen
Verluste, aber nach seinem Tode (1278) wurde es neuerdings durch die
Truppen Rudolfs von Habsburg zerstört und ausgeplündert. Kaum wieder
hergestellt, gerieth es 1341 neuerdings in Brand, bis es 1421 von den
Pragern und 1429 von den Taboriten dergestalt zerstört und verwüstet
wurde, dass es lange Zeit ganz verödet blieb. Erst vom Jahre 1626 an
begann es wieder aufzuleben; es wurden jetzt Kloster und Kirche in
ihrer gegenwärtigen Pracht erbaut.
Spaziergänge:
_*Zur Salesiushöhe_ ¼ St.; auf der Strasse nach Langewiese, von der
Säule links in den Wald 10 Min. Schönes Panorama über das Bielathal.
Ihre Entstehung verdankt sie der Verehrung der Stiftsbrüder zu ihrem
Prälaten Salesius Krügner. Von der Salesiushöhe zurück bis zur
Strasse; jenseits derselben Fussweg 5 Min. zum _Kroatenloch_; alter
Bergwerksstollen. Fussweg fortsetzen nach _Riesenberg_.
Ausflüge:
1. _*Riesenburg_ ½ Stunde, dem Domainenbesitzer von Dux gehörig, eine
der ältesten Burgen Böhmens, im 9. Jahrhunderte von dem böhmischen
Ritter Slawko erbaut, gerieth ebenfalls durch die Husiten in Trümmer.
Vom Wartthurme aus herrliche Aussicht.
2. _Nach Klostergrab_ 1 St., Bergstadt, 1500 Einw.
=Gasthof=: »Zum Rathhaus«.
=Endstation= der Prag-Duxer Bahn; nord-nordöstlich von Ossegg
gelegen.
Der Silberbergbau war einst in grösster Blüthe; denn schon im Jahre
1082 standen 600 Bergleute in Arbeit, die in einem Vierteljahre 13 Ctr.
(728 Kgr.) geschmolzenes Silber producirten. Diese Bergleute sind durch
ihre Ansiedelungen in der Nähe der Gruben als die Gründer des Ortes zu
betrachten.
Klostergrab ist nebst Braunau der geschichtlich merkwürdige Ort, wo die
ersten Funken der Religionsunruhen hervorbrachen, indem die daselbst
befindliche protestantische Kirche 1616 auf Befehl des Kaisers Mathias
zerstört wurde.
Merkwürdigkeiten:
Das Schützencorps besitzt einen aus Klostergraber Silber gearbeiteten
Schmuck für den jeweiligen Schützenkönig.
Spaziergänge:
Oberhalb Klostergrab der _*Königshügel_; bietet eine herrliche
Fernsicht über das Teplitzer Thal und die ganze Umgegend. Im Sommer
auch Restauration.
3. Von Ossegg über die Riesenburg nach Langewiese (1 St), schöne
Aussicht, und nach der Porphyrkuppe des _*Wieselstein's_ (1 St.) 944 m
hoch. Von hier übersieht man das Bielathal, das Mittelgebirge, die
Gegend bei Saaz und Kaaden.
Weiter nach dem gräfl. Waldstein'schen Jagdschlosse _Lichtenwald_;
bietet nichts Bemerkenswerthes, wurde im Jahre 1760 erbaut. Dann nach
_Georgshöhe_, einem einsam gelegenen Forsthause, und dem Höllengrund
in das schöne Rauschengrunder Thal nach Oberleutensdorf (siehe
Katharinaberg).
4. Von Ossegg über Ladung nach _Oberleutensdorf_ 1¼ St. Zuerst auf der
Strasse gegen Langewiese -- schöner Rückblick --; wo die Strasse eine
scharfe Biegung nach rechts macht, auf den Fussweg links in den Wald.
Beim Heraustreten aus demselben prachtvolles Bild. Durch Ladung bei der
Brettsäge rechts Fahrweg -- nicht zu fehlen.
Oberleutensdorf.
=Gasthöfe=: »Drei Linden«, »Weisses Ross«, »Rathhaus«, »Kaiser
von Oesterreich«.
=Post- und Telegraphenamt.=
=Bahnhof= der Dux-Bodenbacher, Prag-Duxer und 1 Stunde
entfernt: Aussig-Teplitzer Bahn.
=Oberleutensdorf=, Stadt, 3300 E., 320 m; Mittelpunkt der
Spielwaarenindustrie, hat ferner eine Filztuch-, Garn- und Möbelfabrik,
ein dem Grafen Waldstein gehöriges Schloss, ein stark eisenhaltiges Bad.
=Geschichtliches.= Oberleutensdorf war vor dem Jahre 1715 ein
unbedeutendes Dörfchen und wurde in diesem Jahre von Karl VI. zu
einem »Stadtl« erhoben; der Ort wuchs, besonders seit der 1715
in's Leben getretenen Tuchfabrication durch die aus Nah und Fern
herbeiströmenden Arbeiter. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges
schuf die eingeführte Strumpfwirkerei, noch mehr aber die seit 1822
für Oberleutensdorf so wichtige Erzeugung von Spielwaaren einen neuen
Erwerbszweig. (Siehe: Geschichtliches über Dux.)
=Sehenswürdigkeiten=: 1. Das vom Grafen Johann Josef von Waldstein im
J. 1732 erbaute Schloss mit dem neu angelegten schönen Park;
2. die Pfarrkirche mit einem schönen Altarblatt von _Skreta_;
3. auf dem Friedhofe die gräfliche Todtenkapelle mit der
Todtengruft, worin der am 23. Mai 1823 verstorbene Franz Adam Graf
von Waldstein-Wartenberg begraben liegt. Die Kapelle enthält ein
meisterhaftes Denkmal des Verstorbenen;
4. das prächtige Bürgerschulgebäude, in herrlicher Lage auf einer
kleinen Anhöhe.
Spaziergänge:
1. _Zum *Schiesshaus_; prächtige Lage am Saume des Waldes mit schöner
Aussicht auf das ganze Mittelgebirge.
2. _Nach *Rauschengrund_ ½ St. Vor dem Eingange in das Thal links von
der Strasse neue, schön gelegene Restauration; weiter die Villa des
Fabriksbesitzers Hrn. Riecken, dann die Baumwollspinnerei desselben.
Einkehrhaus des Prokop Loos (siehe Katharinaberg).
3. _Nach Sandel_ ½ St. durch den Wald sanft ansteigend mit schöner
Aussicht; Gasthaus.
4. _Nach *Hammer-Johnsdorf_ ¾ St., schön zwischen Obstgärten gelegen,
als Sommeraufenthaltsort ziemlich besucht, reine, gesunde Waldluft,
gegen Ost- und Nordstürme ganz geschützt. Weber's Hôtel zunächst
der Haltestation der Dux-Bodenbacher Bahn, elegante Einrichtung,
aufmerksame Bedienung. -- Mildner's Gasthaus »zur deutschen
Bruderhalle« mit einer prachtvollen Aussicht. Oberhalb der Bruderhalle
am Saume des Waldes das im eleganten Schweizerstyl neuerbaute _Curhaus_
des Med. Dr. Tschuschner mit entzückender Aussicht über das böhmische
Erz- und Mittelgebirge. Griessel's Gasthaus. Hammergrundthal (siehe
Bereisung von Katharinaberg).
5. _Nach dem Gebirgsdorfe Schönbach_ ¾ St.; Gasthaus Fritsch, einfach,
aber gut.
Ausflüge:
1. _Nach dem Wieselstein_ über Schönbach 3 St., nur mit Führer
(im Gasthause zu drei Linden beigestellt); von hier entweder über
Langewiese, Riesenberg nach Ossegg (Siehe dieses), oder nach
Lichtenwald in's Rauschengrunder Thal.
2. _Nach Oberdorf_ ½ St., Göhren 1 St., böhm. Einsiedl ¾ St., Bad
Einsiedl (sächsisch) 20 Min. (Siehe Seite 154).
3. _Nach Eisenberg_ mit der Dux-Bodenbacher Bahn ½ St., prächtiges
Schloss, grossartige Gartenanlagen.
4. _Nach Obergeorgenthal_, Nickelsdorf, von da auf den _Bernstein_
-- einem der höchsten und schönsten Aussichtspunkte der hiesigen
Gegend --; von dort über Ladung nach Katharinaberg. (2, 3, 4 siehe
Bereisung von Katharinaberg aus.)
G. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Brüx-Bilin aus.
Stadt und Schloss Brüx.
=Gasthöfe=: »Hotel Ross«, »Zum Löwen«, »Zum schwarzen Adler«,
»Zum Hirschen«, alle am 1. Platz; »Zum blauen Stern« am 3. oder
Gymnasium-Platz, Siegl's Gasthof am Bahnhof.
=Restaurationen=: »Zum Suk«, »Bielarestauration«,
»Schiesshaus«, »Saras«.
=Caféhaus= Bahnhofstrasse.
=Post- u. Telegrafenamt= Wassergasse in der Nähe des 1. oder
Marktplatzes.
=Postfahrten= nach Hawran, Nieder- und Ober-Georgenthal.
=Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ gegen Komotau-Karlsbad-Eger
und Teplitz-Aussig-Bodenbach; _Prag-Duxer_ gegen
Ossegg-Klostergrab, gegen Obernitz-Prag, Obernitz-Sauerbrunn,
Bilin; _Pilsen-Priesener_ gegen Pilsen-Eisenstein.
=Omnibusse= (3) zu jedem Zuge; Droschken, Zweispänner nach
allen Richtungen.
=Zeitungslese-Cabinet= im Casino. Einführung von Gästen durch
Mitglieder gestattet.
=Photographische Ansichten= von Brüx und Umgebung in den
Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am
Marktplatz.
=Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht,
beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela;
Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse.
=Bank- und Wechselgeschäft=, Wassergasse.
=Zwei Dienstmänner-Institute= (roth und grün).
Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht
die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang
durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt
sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr
stetig zunimmt.
Die Chronisten setzen sie _unter die ältesten Städte_ Böhmens. Die
ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung
ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den
Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger
Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das _erstemal Erwähnung_, da
sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig
an jenen ergab. -- Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen,
in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager
aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3
Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse
legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen,
und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen
Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die _feste Landeswarta_ zu
bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden
mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken,
die über die zahlreichen Gewässer führten, den _Namen_, den sie
bislang führt: _Brüx_, _Most_, _Pontum_ oder _Pons_. -- Um 1200
gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen
Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte.
Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender
gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx
testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine
Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb
1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der
grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach,
die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen.
Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da
auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des
päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. -- Im Kriege
Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss
Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und
Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November
1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen.
Das erste grosse _Privileg_, das _des Meilenrechtes_, erhielt die Stadt
unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde
wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. -- Im
Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft
über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss
Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das
Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die
genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte
Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch
im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem
Tage ist Brüx _ununterbrochen königliche Stadt_ geblieben, wenn es auch
in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle
folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens
und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus,
oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte.
Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der
_Hussitenkriege_. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten
entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und
Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt
nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre
1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss
unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte
Stadt bitten sollte.
Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie
an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung
der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die
Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421
vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur
Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses
begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition
zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber
Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5.
August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche,
vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher
Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der
Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche
Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet
mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft
abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten
schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des
Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen
Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von
Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht
beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten
das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine
Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die
Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung
zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit
das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen,
getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit
seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit,
den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu
stärken.
Von jetzt an kamen auf langehin für die Brüxer trübe Tage. Einigemale
noch waren sie bedroht von den Kelchnern, mehrere furchtbare
Feuersbrünste, Orkane, andere Elementarereignisse, und endlich die
Pest (1582 und 1680) verwüsteten die arme Stadt. Dazu kam noch, dass
die Stadt von Georg von Poděbrad nach einem verheerenden Brande (1455)
eingenommen und besetzt ward, während die Burg sächsische Besatzung
hatte, und die fortwährenden Friedensbrüche immer nur der Stadt Schaden
brachten. -- 1595 _kauften die Brüxer_ von Rudolf II. _die Burg_ sammt
den zugehörenden Gütern um 81.060 fl. rhein., und übernahmen damit
die Verpflichtung, die Besatzung des Schlosses zu erhalten. Allein
die Ehre, Burgherren zu sein, kam den Bürgern theuer zu stehen. Die
Burg zog stets jeden Feind an, und die Stadt hatte mit zu leiden unter
den Belagerungen. Dreimal ward die Burg von den Schweden belagert,
und zwar 1639, 1645 und 1646. Das letztemal mussten die Brüxer wegen
Wassernoth, wegen der geringen Zahl der Vertheidiger, 200 Bürger
gegenüber einem Heere von 30.000 Schweden unter General Wrangel, und
wegen des schlechten Zustandes der Befestigungswerke das Schloss nach
dreitägiger Belagerung am 16. Jänner übergeben. Solch' schwere Wunden
hatte der dreissigjährige Krieg der Stadt geschlagen, dass sie, als die
schwedische Besatzung zu Ende des Krieges 1648 abzog, keinen einzigen
ansässigen Bürger mehr hatte. So ward es erklärlich, dass Ferdinand
III., den inständigen Bitten der Bewohner nachgebend, 1651 die
Demolirung der Burg bewilligte. Wenige in der letzten Zeit blossgelegte
Mauerreste sind noch die Ueberbleibsel dieser Landesgrenzveste.
Nunmehr genoss die Stadt, abgerechnet einige Ueberfälle seitens der
Sachsen und Preussen, die wenig Nachtheil brachten, ziemliche Ruhe; ihr
Wohlstand hob sich, besonders da sie zu Beginn des 18. Jahrhundertes
viele Güter durch günstige Käufe von den umliegenden Adeligen an sich
brachte. So ist sie heute unter den reichsten Städten Böhmens in erste
Reihe mit zu setzen.
Im Jahre 1813 beherbergte Brüx, das eine Zeit der Mittelpunkt des
Lagers war, die drei alliirten Monarchen. Wenige Jahre darauf
sollte Brüx fast ganz untergehen. Am 21. April 1820 verzehrte eine
Feuersbrunst alle öffentlichen Gebäude bis auf die Stadtkirche und das
Stadthaus. Der Schaden belief sich nach damaligen Werthverhältnissen
auf 700.000 fl. W. W. Der abgebrannten Stadt ward durch ein
staatliches Anlehen und die Unterstützung der Umwohner Hilfe. Die Folge
der vielen Brände und besonders dieses ist, dass die Stadt, regelmässig
gebaut, ein freundliches Aussehen hat, und mit wenigen Ausnahmen keine
alten Gebäude besitzt.
Zu diesen gehören _Rathhaus_ und _Stadtkirche_, beide noch
bemerkenswerth auch durch ihre Bauart. Das Jahr der Entstehung des
ersteren Gebäudes ist nicht bekannt; es gehört überdies in seiner
heutigen Gestalt mehreren Perioden an. Der Thurm ist jedenfalls ein
Baudenkmal des 14. Jahrhundertes, und nicht viel jünger ist der an
selben anstossende Vorbau, während das übrige Gebäude das Gepräge des
16. Jahrhundertes trägt. Es war jedenfalls früher zweistöckig, und
ist nach dem Brande von 1515, der auch das Rathhaus schwer schädigte,
unausgebaut geblieben. Die Stylrichtung ist die nachgothische. Die
Vorderfront wird durch mächtige Wölbungen und vorstehende Pfeiler, 7
an der Zahl, getragen. Der mittlere trägt den kaiserl. Adler, je zwei
zu beiden Seiten tragen vier, die Elemente symbolisirende Statuen,
die beiden äussersten aber Wappenträger mit dem böhmischen Löwen
und dem Stadtwappen. Die Felder zwischen den Fenstern, wie auch die
Brustwände unter den Fenstern sind bemalt mit allegorischen Figuren,
das Gesimse mit Schlachtendarstellungen. Dem projectirten Bau eines
Kreisgerichtsgebäudes wird das Rathhaus zum Opfer fallen. Höchstens der
Thurm dürfte erhalten bleiben.