Von Kupferberg aus gehen wir (auf dem Plateau wird doch niemand die

Bahn benützen wollen) in der herrlichen Waldluft auf der Strasse in

westlicher Richtung nach Oberhals (¾ St.), einem zerstreut am südlichen

schroffen Rande des Gebirgsrückens in ebener Gegend liegenden Dorfe,

biegen hinter demselben rechts ab und kommen in dem langgestreckten

Orte _Schmiedeberg_ an. Das Dorf hat eine Eisenbahnstation der

Buschtiehrader Eisenbahn von Komotau nach Weipert her und ist

Absteigestation für die herrlichen _Aussichtspunkte_: _Keilberg_,

_Fichtelberg_, _Spitzberg_ bei Gottesgab, _Halsberg_ bei Pressnitz,

_Kupferhügel_ und _Bärenstein_ bei Weipert (siehe oben Bereis. des

Erzgebirges von Joachimsthal und Kaaden aus!). Hervorragende Gebäude

sind die Kirche und das Schulhaus.

=Gasthöfe=: Schneeberg, Ross.

Von Schmiedeberg gelangen wir in je 1¼ St. in nordöstlicher Richtung

nach Pressnitz, in südöstlicher nach Kupferberg, in nordwestlicher nach

Weipert und in südwestlicher nach Böhmisch-Wiesenthal (siehe Bereisung

von Joachimsthal aus!). Nach Pressnitz führt von Schmiedeberg die

Pressnitz-Schmiedeberger Bezirksstrasse. Der Weg ist sehr angenehm.

=Pressnitz=, Bergstadt, mit 3000 Einwohnern, auf der nördlichen sanften

Abdachung.

=Gasthäuser=: »Herrenhaus«, »Rössel«.

=Aemter=: K. k. _Bezirksgericht_, _Post-_ und _Telegrafenamt_.

=Eisenbahnstation= der Buschtiehrader Bahn einerseits gegen

Weipert, andererseits gegen Komotau.

=Geschichtliches=: Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem

Silberbergbau. Hier ist bereits zur Zeit der Regierung des Königs Georg

von Poděbrad Silber gegraben und dem Herrn Niklas von Lobkowitz auf

Hassenstein eine unbeschränkte Bergfreiheit zum Abbau aller Metalle

drei Meilen rings um sein Stammschloss Hassenstein verliehen worden.

Diese wurde vom Könige Wladislaw den Gliedern dieses Adelsstammes im J.

1473, 1490, 1500 und 1514 fortwährend weiter zugestanden. Unter König

Mathias wurde, um den Bergbau zu heben, ein Vertrag geschlossen, der

aber leider kein Heil mehr brachte, weil gleich darnach der 30jährige

Krieg ausbrach. Er wurde zwar auch von allen späteren Monarchen gleich

den anderen Privilegien bestätigt, ohne aber den erwarteten Erfolg zu

haben.

Seit dem grossen Brande am 1. August 1811 sind die Pressnitzer mehr

in der Welt bekannt geworden. Seitdem gehen junge Mädchen, mit der

Harfe die entferntesten Gegenden besuchend, zum Theile von den Vätern,

welche die Geige oder Flöte spielen, begleitet, einem oft nicht

unbeträchtlichen Erwerbe nach, mit dem sie zur Unterstützung ihrer

Eltern und Geschwister zeitweilig nach Hause kehren. Von Pressnitz

aus gelangen wir auf einer guten Strasse durch das weitläufige Dorf

_Reischdorf_ über den _Reischberg_ 457 m nach Sonnenberg (1¾ St. --

siehe Bereisung von Komotau aus).

E. Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus.

Görkau.

=Görkau=, eine Stadt mit mehr als 4000 Einwohnern, 15 Minuten südlich

vom Fusse des Erzgebirges gelegen, von der Biela und dem Aubach

durchflossen. Die Umgebung der Stadt bilden zahlreiche geschlossene

Obstgärten, worin Birnen, Aepfel, Nüsse, Kirschen und Zwetschken

gezogen werden. Die Stadt hat schöne Waldungen (über 2000 Joch), welche

hoch im Gebirge zwischen den Waldungen der Herrschaft Rothenhaus, den

fürstlich Lobkowitz'schen von Eisenberg-Neudorf und den Katharinaberger

liegen. In jüngster Zeit hat die Stadtgemeinde auch die schöne Graf

Wolkenstein'sche Waldherrschaft Göttersdorf angekauft.

=Gasthöfe=: Hôtel »_Schorsch_« -- Garten, eigene Gelegenheit

zur Bahn und zu anderweitigen Fahrten, zu Gebirgstouren;

»_Weisses Ross_« -- Garten und Gelegenheit mit der Post zur

Bahn; beide in der Kaiserstrasse gelegen;

»_Zum rothen Hirschen_« und »_Zum Stern_« am Ring gelegen;

dann »_Zum Nussbaum_« ausserhalb der Bahnhofstrasse; grosse

Gartenrestaurants: »_Am Büschel_« mit grossem Saale und Veranda

-- nebenan die Schiessstätte; »_Zur Hütte_« mit Billard;

»_Zum goldenen Kreuz_« und »_Am Rothenhäuser Keller_«; ferner

ein Mineralbad mit Restauration. Führer zu Gebirgstouren und

Auskünfte in den 2 erstgenannten Gasthäusern.

=Eisenbahn-Stationen=: »_Udwitz-Görkau_« der Aussig-Teplitzer

Bahn; »_Görkau_« der Dux-Bodenbacher Bahn; diese 10 Minuten,

jene 25 Minuten vom der Stadt entfernt; zu jedem Zuge

Gelegenheiten nach Udwitz.

In die Stadt führende Strassen:

a) von Teplitz über Dux, Brüx, Seestadtl;

b) von Teplitz über Ossegg, Oberleutensdorf, Obergeorgenthal,

Eisenberg;

c) von Karlsbad über Schlackenwerth, Klösterle, Kaaden, Kralupp,

Komotau;

d) von Saaz über Eidlitz oder Komotau;

e) von Postelberg über Komotau oder Eidlitz;

f) von der sächsischen Grenze über Kallich, Göttersdorf, Rothenhaus;

g) von der sächsischen Grenze über Grünthal, Brandau, Gabrielahütte,

Göttersdorf, Rothenhaus;

h) von der sächsischen Grenze über Katharinaberg, Neuhaus,

Göttersdorf, Rothenhaus;

i) von der sächsischen Grenze über Kallich, Bernau, Gersdorf,

Platten, Pirken.

=Gebäude und Institute=: 2 katholische Kirchen mit Dechantei,

1 protestantische Kirche mit Pfarrei, 1 jüdischer Tempel,

1 fünfklassige Volksschule für Knaben und Mädchen mit 10

Lehrsälen, 1 Kindergarten, 1 städtisches Krankenhaus, 1

städtische Sparkasse, 1 Bürgerversorgungshaus, 1 Apotheke. --

(3 Doktoren der Medizin, 2 Thierärzte.)

=Aemter und Behörden=: ein k. k. Notariat, ein Stadthaus mit

den Gemeindeämtern, ein k. k. Bezirksgericht, ein k. k. Steuer-

und Grundbuchsamt, ein k. k. Post- u. Telegraphenamt, ein

Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.

=Industrielle Etablissements= in der Stadt und deren nächster

Nähe: 7 Baumwollspinnereien und Zwirnfabriken, 1 Papierfabrik,

4 Dampfmühlen, 9 Getreide- und Brettmühlen mit Wasserbetrieb,

2 Bierbrauereien, 2 Eisenhämmer, 1 Metallfabrik mit Dampf, 1

Holzdreherei mit Wasserkraft, 3 Färbereien, 1 photographisches

Atelier, 1 Wechselstube, viele solide Handlungen.

Eine grosse Merkwürdigkeit Görkaus ist ein in weichen Sandstein

gehauener Keller, der sich weit unter der Stadt hinzieht und

ursprünglich 150 Abtheilungen hatte, wovon jetzt noch ca. 100 erhalten

sind, da eine Anzahl durch Bauten kassiert worden ist und mehrere

verfielen. Diese Kellerabtheilungen gehören zu den brauberechtigten

Bürgerhäusern, wurden zur Zeit, als noch die Reihenbrauerei ausgeübt

wurde, als Gährkeller benützt und danken diesem Umstande ihre

Entstehung.

=Geschichtliches.= Die Dekanalkirche war schon 1384 als Pfarrkirche

vorhanden. Ueber ihr Schicksal fehlt es an Nachrichten. Sie enthält das

Grabmal des am 5. Jänner 1578 verstorbenen Besitzers von Rothenhaus,

Christof von Karlowitz. Auf dem Rathhause bewahrt man mehrere

Privilegien von den Monarchen Ladislaus, Ferdinand III., Maximilian

II. und Rudolf II., welch letzterer der Stadt ein Wappen im Jahre

1588 verlieh, bestehend aus einem in zwei Hälften quer getheilten

Schild. Die untere Hälfte zeigt eine Stadtmauer mit halboffenem Thore

und Fallgatter, die obere drei rothe Herzen im goldenen Felde. Ueber

dem Schilde ist ein Stechhelm und ein silberner Flügel mit drei

Kleeblättern.

Kleine Spaziergänge.

1. Zum »_*Buschel_«, Restauration mit Saal und Veranda; der Anstieg

auf der mit Obstbäumen bepflanzten Strasse ist kaum merkbar; ¼ Stunde.

2. Zum _Weingarten_ in nordwestlicher Richtung, 25 Minuten; sanfter

Anstieg zwischen Obstbaumpflanzungen; Gasthaus des Anton Proksch. 3.

Die innerhalb 1 Stunde und ohne grosse Mühe zu erreichenden Berge:

_Ziegenberg_ bei Görkau, _Breitenstein_, _Galgenberg_, _Wachhübel_,

_Spitzberg_ bei Hannersdorf, _Georgshöhe_, _Hänselberg_, _Katzenhübel_,

_*Hutberg_ bei Pirken. Diese Berge bieten insgesammt eine schöne

Aussicht auf die mit Städten und Dörfern übersäete Fläche von Komotau

bis in die Gegend von Bilin mit den als südöstliche Begrenzung

aufsteigenden Kegeln des Mittelgebirges. 4. _*Das gräflich Bouquoi'sche

Schloss Rothenhaus_, 25 Minuten, auf einer mit Kastanienbäumen

bepflanzten Strasse in nördlicher Richtung erreichbar. Rothenhaus

liegt am Vorgebirge mit gegen Süden und Westen gewendeter offener

Front; das grossartige Schloss steht mitten im Parke, umgeben von

prächtigen Gartenanlagen, Glashäusern mit den seltensten einheimischen

und exotischen Gewächsen. Es gehört unter die schönsten Gebäude dieser

Art in ganz Böhmen und gewährt bei seiner hohen und freien Lage eine

reizende Aussicht auf das innere Land und das Mittelgebirge. Im oberen

eingefriedeten Parke Hirsch- und Rehstand, im unteren Parke ein

Pferdegestüt edler Racen; auch Fluss-, Teich- und Forellenfischerei.

Der Park ist dem Publikum an Sonn- und Feiertagen, sonst aber nach

erbetener Erlaubniss, zugänglich.

=Lohnende Ausflüge von grösserer Entfernung=: 1. Ueber Pirken, Schergau

nach dem Pfarrorte _*Platten_, auf guter Strasse in zwei Stunden, mit

einem überraschend schönen Ueberblicke der Komotauer und Saazer Gegend,

des Mittelgebirges bis weit in das Innere unseres Heimathslandes, der

Gebirgsbahnen nach Weipert und Reizenhain. Von Platten 15 Minuten

entfernt der Wallfahrtsort _Quinau_ mit schöner Wallfahrtskirche.

Von Platten führt eine Strasse über Rodenau, Gersdorf nach Bernau

und zum _Gaisberg_, auf welchem die Biela entspringt -- nicht weit

davon _der Beerhübel_ 889 m über der Ostsee; auf der Strasse weiter

zu dem Pfarrorte _Kallich_ mit einem Post- und Grenz-Zollamte, einem

Eisenguss- und Walzwerke und gutem Gasthofe. Bei Kallich finden wir

Lager von Urkalkstein, während die Felsarten in diesem Reisebezirke im

Erzgebirge fast durchgängig Gneisabänderungen sind. Bei Rudelsdorf und

Kleinhan finden sich Granitkuppen und bei Brandau einige Basaltkuppen.

Hier wird Anthracitkohle gewonnen. Am Fusse des Erzgebirges kommen hie

und da die sandigen und thonigen Gesteine der Braunkohlenformation

zum Vorscheine. Von Görkau bis dahin 3 Stunden. _Das ist eine echte

Gebirgspartie theilweise durch schöne ausgedehnte Wälder._

2. Nach der Ruine _*Neustein_, fortwährend auf schattiger Strasse durch

das herrliche Teltschthal, der Biela entgegen, an Fabriken, Mühlen,

Eisenhämmern und einer Holzdreherei vorüber, bis zum Fusse des Berges,

auf dessen Gipfel die von Bäumen umsäumte Ruine; 1½ Stunde; einige

Minuten davon eine Rothenhäuser Försterei.

3. Durch das Teltschthal, Uhrissen, Gersdorf nach _*Bernau_, immer an

der Biela, bis Uhrissen gute Strasse, dann Feldweg; 2 Stunden; von der

Schule in Gersdorf eine wundervolle Aussicht in das Innere Böhmens.

4. Durch das schattige Tiefenthal nach _Hannersdorf_, stark steigender

Weg; 1 Stunde.

5. *Durch den Ort Rothenhaus, Göttersdorf mit Pfarrei und guten

Restaurationen, Forst, Ochsenstall nach _Kallich_, fortwährend Strasse

durch Hochwald, 3 Stunden, prächtige Waldpartie; schöne Rückblicke,

namentlich bei Göttersdorf in das Innere Böhmens.

6. Ueber Göttersdorf, Neuhaus mit dem Görkauer Forstamt, nach _Ladung_

mit einer Eisenberger Försterei, 2½ St., von letzterer eine lohnende

Fernsicht; unweit der Berg _Hübladung_ 796 m; bis Neuhaus Strasse, dann

Waldweg.

7. *Ueber Göttersdorf, Kallich, Gabrielahütte durch ein zwei Stunden

langes, bewässertes, tiefgrünes Thal mit dichtgereihten Hammer-

und Blechwalzwerken, Mühlen und anderen Industrien nach _*Brandau

und *Grünthal_, immer Strasse, 5½ St.; hier die nahen Berge:

_Töltschberg_, _Katzenrücken_ und _Zechenberg_. Diese Partie gehört zu

den schönsten im Erzgebirge und kann sich in Bezug auf Grossartigkeit

und Pracht, sowie Mannigfaltigkeit der Scenerie mit den herrlichsten

Alpenlandschaften messen. Der schönste Theil derselben ist von Kallich

auf guter Strasse durch ausgedehnte Buchen- und Nadelwälder über

Gabrielahütten durch das Teltschthal (zu unterscheiden von dem bei

Görkau) nach Brandau und Grünthal. Der Ort Gabrielahütten wurde im

Jahre 1778, gleichzeitig mit dem Eisenwerke, vom Grafen Heinrich von

Rothenhan errichtet und seiner Tochter, der edlen Gabriela Maria,

verehelichten Gräfin von Bouquoi, Sternkreuzordensdame und Dame du

Palais, welche die Herrschaft nach dem im Jahre 1809 erfolgten Tode

ihres Vaters als Erbschaft erhalten hat, zu Ehren benannt. Der Ort hat

eine Schule und eine im schweizer Styl erbaute Restauration. Das Thal

wird von dem Teltschbach, der sich in den schäumenden Natschungbach

ergiesst, durchbraust. Das Thal ist einsam und voll würziger,

erfrischender Waldluft. Es verengt sich oft, die hohen Thalwände werden

wiederholt von schroffen Felswänden unterbrochen, und die vielfachen

Windungen verändern von Strecke zu Strecke das Bild und bewirken eine

reiche Scenerie der Landschaft. Nach 3½stündiger Wanderung kommen wir

in eine von herrlichen Waldungen umrahmte Landschaft, in deren Mitte

sich das Dorf Brandau befindet und treffen nach einer halben Stunde

in _*Grünthal_ ein, unserer Endstation, einem reizend, unmittelbar an

der Grenze gelegenen Orte mit grossartigem Hôtel. Fortsetzung der Tour

längs der Flöha nach Olbernhau in Sachsen.

8. Ueber Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan mit Pfarre nach

_Katharinaberg_, immer Strasse, 4 St.

9. Ueber Rothenhaus beim Gestüte vorbei nach der Aubachmühle, ferner

auf stark steigendem Wege über Stolzenhan nach _Ladung_, 2½ St.

10. Durch den unteren Rothenhäuser Park und über Türmaul zum

_Silberstollen_, durch ein schönes saftig grünes Thal, 1 Stunde lang,

immer fahrbar; das Silberwerk ist gegenwärtig ausser Betrieb.

11. Auf der Strasse zum Forsthause in Hohenofen, dann im Walde auf

den _*Tannichberg_ 847 m hoch, mit prachtvoller Rundschau, zum

Forsthause »Rothe Grube«, 3¼ St.; von hier in 15 Minuten auf den

_*Bernstein_ mit einem von Oesterreich und Sachsen gemeinschaftlich

erbauten Aussichtsthurme, 917 m hoch, unstreitig einer der schönsten

Fernsichtspunkte im ganzen Erzgebirge. Man übersieht von demselben

einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, von Böhmen gegen

die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz und das Erz- und

vorliegende Mittelgebirge.

12. Zum Forsthause Hohenofen, auf der Waldstrasse zum _*Theresiensitz_

mit einem Tempel und schöner Fernsicht, _auf den *Seeberg_ mit einem

Felsenlabyrinthe und dem _Johannisfeuerberg_; beide durch eine tiefe

Schlucht von einander getrennt, mit der gleichen Höhe von 631 m, bieten

sie eine ausgedehnte Fernsicht bis Prag, auf das Mittelgebirge und in's

Land; 3 St. Vom Theresiensitz in ¾ St. zum Forsthause »Rothe Grube« und

in abermals ¾ St. zum Hegerhaus im _Flachsgrund_. Hier ist ein Local,

dessen sämmtliche Möbel kunstvoll aus Hirschgeweihen zusammengesetzt

sind, sehenswerth.

13. Durch den unteren Rothenhäuser Park, Türmaul, Forsthaus Hohenofen,

durch den Thiergarten nach _*Eisenberg_, 1½ St., schattige Strasse.

Schloss Eisenberg, dem Fürsten Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz gehörig,

ist ein im jüngsten Renaissancestyl erbauter herrlicher Edelsitz,

historisch berühmt als einstiger Aufenthalt des Prinzenräubers Kunz von

Kaufungen, auf einem Bergvorsprunge im Süden des Erzgebirges, mit einem

wundervollen Panorama. Gegen Nordosten die Abhänge des Erzgebirges,

gegen Osten und Südosten das böhmische Mittelgebirge, Hügel an Hügel,

Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene, pittoresk gestaltete Bořen bei

Bilin mächtig überragt. Gegen Süden breitet sich die Saazer Ebene,

»der Garten Böhmens«, aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie

besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Nach Südwesten ist

der Horizont durch das Karlsbader und Duppauer Gebirge abgegrenzt.

Die Park- und Garten-Anlagen, sowie die Glashäuser des Schlosses sind

grossartig. In einer prunklosen, zur Andacht stimmenden Waldkapelle

befindet sich ein Kreuz von grosser Dimension am Altare, das in einem

Stücke aus einem Eichbaume geschnitten ist, bei dessen Fällung ein

Graf Lobkowitz vor 156 Jahren den Tod fand. Er hatte die Warnung der

Holzschläger, sich zu entfernen, nicht beachtet, der Baum fiel auf

ihn und erschlug ihn. In der Schlosskapelle ferner ist ein Dorn unter

Glas und Rahmen aufbewahrt, welchen die Kreuzritter aus Palästina

mitgebracht und welcher aus der Dornenkrone des Heilandes entnommen

ist. Diese Reliquie wird jedes Jahr vor Ostern eine Woche in der

Kirche zu Neundorf und einen Tag in Seestadtl zur Verehrung ausgesetzt

und zieht viele Wallfahrer an. Die Herren von Lobkowitz legen dem

»heiligen Dorn« einen hohen Werth bei und soll einmal ein fürstliches

Familienglied bei der Erbtheilung denselben einer Herrschaft vorgezogen

haben.

14. Mit der Eisenbahn nach Eisenberg, dann auf der Gebirgsstrasse

nach _Nikelsdorf_, _Böhmisch-Einsiedel_, _Deutsch-Einsiedel_ und

_Bad *Einsiedel_, einem reizend gelegenen, von sächsischer Seite mit

Vorliebe besuchten Luft-Curort mit Naturbädern; 4 St.

15. Mit der Eisenbahn nach _Obergeorgenthal_, über _Marienthal_ (mit

einer Baumwollspinnerei) auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf und

Einsiedel; 3½ St. (Siehe Oberleutensdorf.)

16. Mit der Eisenbahn _nach Johnsdorf_; daselbst an der Strasse

das *Hôtel Weber, das durch sein luxuriöses Ameublement und seine

kunst- und geschmackvollen Malereien an den Wänden und Decken die

Beschauer zur Bewunderung hinreisst. Von da erreicht man durch

Obstgärten in 15 Minuten den Ort _*Hammer_ mit schöner Fernsicht und

vielbesuchter Restauration »_*Zur deutschen Bruderhalle_«; weiter

auf stark steigender Gebirgsstrasse nach _Kreuzweg_, in der Nähe

der _Kampelberg_, und nach Einsiedel, unweit der Göhrenberg. (S.

Oberleutensdorf.)

Die Stadt _*Katharinaberg_ erreichen wir von Görkau über Göttersdorf,

Neuhaus, Kleinhan und den Grund auf guten Wegen durch ausgedehnte,

herrliche Wälder -- eine echte Gebirgspartie, oder wir fahren mit

der Dux-Bodenbacher Bahn nach Obergeorgenthal und gehen von da über

Marienthal und Nikelsdorf nach Katharinaberg, ebenfalls eine herrliche

Gebirgspartie. Katharinaberg, eine Bergstadt mit über 2200 Einwohnern,

liegt, von Görkau ca. 4 St. entfernt, auf einem schmalen, mässig hohen,

aber steil abfallenden Bergrücken. Dazu gehört das Pachendörfel, eine

südöstlich gelegene Gruppe von Häusern, und der Grund, eine in dem vom

Zobelbach durchflossenen Thale gelegene doppelte Häuserreihe.

=Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«; »Kronprinz Rudolf«; beide

am Marktplatz gelegen; »Zur Herrenschänke«, hart an der Grenze

im »Grund« gelegen.

In die Stadt führende =Strassen=:

1. Von Brüx über Nieder- und Obergeorgenthal, Marienthal,

Nikelsdorf.

2. Von Oberleutensdorf über Johnsdorf, Obergeorgenthal,

Marienthal, Nikelsdorf.

3. Von Görkau über Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan.

4. Von Kallich über Gabrielahütten, Brandau.

5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau.

=Gebäude und Institute=: Eine katholische Kirche mit

Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke -- (2

Medizin-Doktoren).

=Aemter und Behörden=: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein

k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein _Postamt_, ein

Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.

=Industrielle Etablissements=: Wirkwaaren-Industrie,

Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen,

Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei.

Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des

Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die

Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits

zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt

von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu

siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer

mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und

Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals

alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren

Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen

Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor

namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft.

=Kleiner Spaziergang.= Zum _Gasthaus »zum grünen Baum«_, ¼ St., Fahrweg

dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen.

Ausflüge von grösserer Dauer.

1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach

_*Brandau_ und _*Grünthal_; gute, zum Theil durch Hochwald führende

Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am

Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha

gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine

und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus;

in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal

sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes

»Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus

Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe Seite 150.)

2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach _*Gabrielahütten_ in dem

prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren

Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und

Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke

in Betrieb setzt. 2½ St. -- (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft

Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten

bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit

Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil

abfallende _Habichts-_ oder _Stösserfelsen_ mit herrlicher Aussicht.

-- (Siehe oben Seite 150.)

3. Im Flöhathale der sächsischen Grenze entlang über Ober- und

Niederlochmühle durch ein herrliches Thal auf schöner Strasse nach

_Seifen_ und von da nach _Bad *Einsiedel_ (sächsisch), das nicht

allein durch seine Schwefelbäder, sondern auch durch seine romantische

Lage den hier weilenden Curgästen Erquickung und Heilung gewährt.

Restauration mit Garten und herrlichen Spaziergängen. 2½ Stunden.

(Siehe Görkau Seite 152.)

4. Ueber Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach _Bad Einsiedel_. Bis »zum

grünen Baum« Fahrweg, dann schöne, von Waldungen beschattete Strasse; 2

Stunden. In 25 Minuten von da nach Einsiedel (böhmisch) schöne Strasse.

5. Ueber Gebirgs-Neudorf, oder auf sächsischer Seite über

Deutsch-Neudorf, Brüderwiese _nach Einsiedel_ (_der Haselstein_ mit

schöner Fernsicht bis in die Aussiger, Schlaner und Komotauer Gegend,

und der _Käsherdberg_), Göhren (der Farbenhügel, der Göhrenberg, der

Krummschuss), Zettel (der Falkenberg und der Nitschenberg) _durch

*Rauschengrund nach *Oberleutensdorf_. In Rauschengrund zwei Fabriken

der Herren Marbach und Riecken, Baumwollgarn- und Kattunerzeugung;

Brettsägen und Mühlen. Grösstentheils Waldweg, 4 Stunden. Prächtige

Gebirgspartie!

6. Ueber Gebirgs-Neudorf. Einsiedel, Kreuzweg (der Flösselberg, der

Hellwikstein, der Kampfberg und der Pflasterberg) durch den herrlichen

_*Hammergrund_ nach _*Johnsdorf_; von Einsiedel bis Johnsdorf schöne

Strasse; 2½ St.

7. Ueber Nikelsdorf (Wachhübel mit schöner Fernsicht) durch ein

herrliches Thal nach Marienthal mit einer Baumwollspinnfabrik (der

_Weinberg_ mit einem prächtigen Ueberblick der ganzen Kesselgegend

gegen Osten, Süden und Westen) und Obergeorgenthal (Dux-Bodenbacher

Bahnstation); schöne grossentheils schattige Strasse, 2½ Stunden.

8. Ueber Kleinhan, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus nach _Görkau_;

immer schöne Strasse, 4 Stunden. Vor Göttersdorf öffnet sich der

Ausblick auf die Komotauer und Brüxer Gegend.

=Bergbesteigungen.= 1. _*Steinl_ mit herrlicher Aussicht bis zum

Sonnenwirbel bei Gottesgab und in das Flöha- oder Fleythal bis nach

Augustusburg in Sachsen; an der Herrnschänke vorbei, ein Waldweg, 1

Stunde, oder besser über Kleinhan, 1½ St.

2. _*Hübladung_ bei Kleinhan, schöne Strasse, 1 St.; herrliche

Aussicht in das Flöhathal, in die Gegend von Saida und bis nach

Augustusburg.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 17 / 27 段