Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch
Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses
Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs
wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt.
Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies
nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der
Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten
die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's
Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur
Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges
bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um
die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen.
-- Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das
Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald-
und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer
nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung
stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es
liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende
Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt
auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt _Sonnenberg_. Gneis und
Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern
zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit
Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes.
Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung
der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine
Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von
Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst
sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200
Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder
Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel
mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter.
Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre
regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe
laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach
allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann.
=Gast-= und =Einkehrhäuser= sind: Gasthaus zur »Sonne«
am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's
Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in
der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der
Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und
Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann _Stocklöw_ und Josef
_Puschack_.
=K. k. Postamt.=
Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das
Kirchenschiff hat eine Länge von 35 m und eine Breite von 20 m. Das
Presbyterium ist 10 m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in
6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen
Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und
Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss).
Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die
achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers
Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um
den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste
29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der
Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die
hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer
Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches
interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land
schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt
jährlich viele hunderte von Touristen hieher um -- wie die Sachsen
sagen -- »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens
finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die
Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur
Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt
den Touristen wieder zurück in seine Heimath.
5. _*Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg._
Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach
ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal,
dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur
ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der
betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach
Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die
zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt.
Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von
hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde
entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen.
Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts
von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem
freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von
der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal-
oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der
mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und
der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal,
Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit
schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod
unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle
in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine
wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts
verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links
aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die
Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern.
Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem
Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian
von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer
und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt.
Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner
beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei.
=Gasthäuser=: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus«
in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum
schwarzen Adler« am Ring.
Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k.
Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-,
Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte
Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute
_Stadtkirche_ und das im J. 1879 errichtete _Kriegerdenkmal_ am
Marktplätze.
Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der
Kaiserstrasse ist der nach _*Reitzenhain_ (Eisenbahnstation) dem
beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch
ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten
derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt.
Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche
Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man
blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns
der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden
Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht
wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem
Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft
finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter
und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich,
die Waldpartie nach _*Marienberg_ in Sachsen, (2 Stunden), nach
_*Ulmbach_, _*Kienhaide_ und _*Natschung-Kallich_ auf guten Wegen sind
von seltener Schönheit.
6. _Von Sebastiansberg nach Komotau zurück._ Der müde Tourist kann dies
erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus,
wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in
Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach
Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf
der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf.
In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf,
dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch
die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes
treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über
Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir
lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen
Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63
Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit,
als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier
reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und
grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen
können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard
Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche
Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man
auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen.
Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der
Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung
führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links
sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse
ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer
Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle
unterhalb Schönlind, von hier aus _*prächtige Ausblicke_ in's Land
gewährend -- durch Oberdorf nach Komotau.
7. _Von Komotau nach *Kaaden._ Die Tour wird mit der Buschtěhrader
Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das
Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist
Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in
einer halben Stunde in die Stadt befördern.
Kaaden.
Die Stadt zählt 5052 Einwohner und liegt an der Eger.
=Gasthöfe=: »Zur Sonne« am Marktplatz; »zum grünen Baum«; »zum
goldenen Hirschen«.
=Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft; k. k. Bezirksgericht;
k. k. Post- und Telegraphenamt.
=Verkehrsanstalten=: Buschtěhrader Eisenbahn westwärts gegen
Karlsbad-Eger und ostwärts gegen Komotau und von da einerseits
nach Aussig-Bodenbach, andererseits nach Prag.
=Schulanstalten=: Ober-Gymnasium, Ackerbauschule, Bürgerschule.
=Sehenswürdigkeiten=: _Die Dreifaltigkeitssäule_ auf dem Ring; dieselbe
wurde im J. 1761 errichtet. _Das Rathhaus_; es bestand schon zu Anfang
des 15. Jahrh. und ist nach dem Brande 1811 neu wieder hergestellt
worden. An der Vorderseite des Gebäudes sieht man die Wappen des Hauses
Oesterreich, der Königreiche Ungarn und Böhmen und der Stadt Kaaden.
Das Kloster der Elisabethinerinnen in der unteren Vorstadt am Einflusse
des Brunnersdorfer Baches in die Eger, gestiftet im J. 1748. Die Kirche
zu _Mariä-Verkündigung_ nebst der darin befindlichen _Kapelle_ zu den
heil. 14 Nothhelfern und einem Franziskanerkloster ausserhalb der
Stadt, ¼ St. nordwestlich am linken Ufer der Eger. Die Kapelle bestand
als Wallfahrtsort schon im 14. und 15. Jahrh. und 1473 stiftete auf
Anregung des Herrn Niklas von Lobkowitz die Stadtgemeinde das Kloster,
dessen, sowie der Kirche vollständiger Ausbau aber erst 1662 zu Stande
kam.
=Geschichtliches=. Der Name der Stadt rührt von einer Burg her, welche
der böhmische Feldherr _Kadan_ angeblich auf dem Felsen, wo jetzt die
Kaserne steht, schon im J. 821 errichtete und nach sich benannte.
Unter seinem Schutze entstanden allmählig Ansiedelungen und eine
Stadt, welche im J. 1128 durch Herzog Sobieslaw mit Mauern umgeben
wurde. Sonach zählt der Ort zu den ältesten Städten des Egerthales.
König Přemysl Ottokar II. erhob sie zu einer königlichen Stadt. Kaiser
Karl IV. verlieh ihr verschiedene Privilegien. Im J. 1421 wurde
sie von den Taboriten überfallen und furchtbar verheert. Weil die
Stadt im Schmalkaldischen Kriege 1547 an der Widersetzlichkeit gegen
Ferdinand mit theilgenommen, wurden ihr alle Privilegien und Freiheiten
bestätigt, welche ihr früher verliehen worden. Während des 30jährigen
Krieges wurde Kaaden zweimal von den Schweden und zwar 1642 unter
General Torstensohn und 1648 unter General Königsmark eingenommen.
Grosses Unglück traf sie am 1. October 1811, an welchem Tage sie
von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde. Das Rathhaus, die
Dechantei, die Schulgebäude und 243 Häuser sammt Nebengebäuden wurden
von dem entfesselten Elemente eingeäschert.
Die Umgebung der Stadt ist reizend und besuchenswerth. Die Abhänge
des Egerthales sind von Warta aus bis Klösterle, ja selbst bis Kaaden
grösstentheils felsig, und oft fallen die Felsmassen bis in das
Flussbett steil ab und erfreuen den Touristen durch ihre mannigfaltige
Gestaltung und dadurch bedingten häufigen, sehr angenehmen Wechsel der
Landschaftsbilder.
Touren:
Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und
weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss
hin. Es ist: _Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum
Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation
Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden
über Hauenstein-Warta-Klösterle_ (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden
südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in
derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau
ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken,
aus welchem sich die Bergspitze _Burgstadel_ 925 m erhebt, welche
einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur
noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges
sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei
reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen
Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen
Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des
Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide,
welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit
zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der _*Oedschlossberg_
917 m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der
Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen
Kopfes befinden, welche vom Volke _die Zwerglöcher_ genannt werden,
weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen.
Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von
Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria
Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von
Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von
demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche
wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten
gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses
Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem
Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch
ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die
bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens.
Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an
der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach
Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn.
=Giesshübler Sauerbrunn= (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in
nördlicher Richtung nach _Welchau_ am rechten Ufer der Eger in einem
von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer
des Gutes _Welchau_ ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner,
welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger
ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und
sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem
Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen
eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers
_Anton Hasch_ zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt
geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss
ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am
21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler
wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station
»Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden.
2. =Kaaden-*Leskau-*Schönburg=. In westlicher Richtung gehen wir von
Kaaden aus über Roschwitz zu dem nordwestlich von dem Dorfe _Leskau_
sich erhebenden _Leskauer Schlossberg_ mit der malerischen Ruine der
Burg Egerberg, auch Egerwerk und Egerburg genannt, über deren Erbauer
und früheren Besitzer nichts bekannt ist. Von da wandern wir in
westlicher Richtung gegen Kettwa fort, wo sich eine Ueberfuhr befindet,
und setzen auf das jenseitige Egerufer über, um in nördlicher Richtung
dem, aus dem Egerthale steil aufsteigenden Berge _Schönburg_ zuzueilen.
Auf dem Gipfel des mit Wald bedeckten Berges sind die ansehnlichen
Ruinen des Schlosses _Alt-Schönburg_. Wir geniessen von hier aus eine
herrliche Aussicht in die Saazer Ebene und das ferne Mittelgebirge. Die
Burg soll von den Eigenthümern ihrer Baufälligkeit wegen (sie ist von
Basaltblöcken erbaut) verlassen worden sein; sie erbauten am Fusse des
Berges ein neues Schloss und benannten sich auch nach diesem, Herren
auf _Neuschönburg_; von diesem sind sehr wenige Spuren noch vorhanden.
Retour nach Kaaden.
3. =Kaaden-Klösterle-Kupferberg-= (=*Sphinx= und =*Kupferhügel=)
=Schmiedeberg-Weipert-Pressnitz=. (Herrliche Partie für drei Tage.)
Wir treten unseren Weg an und kommen in westlicher Richtung nach dem
1¾ St. entfernten _Klösterle_. Wir haben eine Gebirgslandschaft vor
uns, welche durch das Thal der Eger in zwei Theile getrennt ist. An der
linken Seite ist es die steile Abdachung des Erzgebirges, welche das
Thalgehänge bildet, an der rechten Seite das Duppauer-Gebirge, hier
das Liesengebirge genannt, welches sich hier aus dem Thale erhebt. Das
Thal selbst ist fast durchaus enge, die Abhänge am Fusse fast überall
felsig; sie lassen nur stellenweise eine schmale Thalsohle übrig und
häufig steigen sie fast unmittelbar bald an der rechten, bald an der
linken, bald auch an beiden Seiten in schroffen Felswänden aus dem
Flusse auf. Ueber diesen Felsgehängen dachen sich die Gebirgsabhänge
bald mit grösserer, bald mit geringerer Steilheit ab.
=Klösterle=, Stadt, auf einer geneigten Anhöhe am linken Ufer der Eger.
=Gasthäuser=: Rathhaus am Markte, Restauration zum Bräuhaus,
herrliche Aussicht.
=Eisenbahnverbindung= einerseits gegen Eger, andererseits gegen
Komotau-Prag-Aussig-Bodenbach.
=Post- und Telegrafenamt.=
=Sehenswürdigkeiten=: Die Dreifaltigkeitskirche, ein schönes,
geräumiges Gebäude in neu-italienischem Styl im J. 1670 vom Grafen
Michel Oswald von Thun erbaut. Das schöne, herrschaftliche _Schloss_,
auf einem Felsen am Ufer der Eger, welche hier durch einen weiten Busen
das Ansehen eines beträchtlichen Stromes zeigt. Der Schlossgarten zeigt
herrliche Baumgruppen. (Von Klösterle aus kann man auch Leskau und
Schönburg besuchen, siehe Kaaden.)
Jetzt treten wir eine echte Gebirgspartie an. Wir kommen der höchsten
Masse des Erzgebirges immer näher. Von Klösterle gehen wir in
westlicher und nordwestlicher Richtung nach dem ¾ St. entfernten,
an einem Berge gelegenen _Haadorf_ und erreichen in einer halben
Stunde _Steingrün_, ein Dorf an der Hauptstrasse, grösstentheils
aber zerstreut an den Abhängen eines inneren Thales, in welchem ein
kleiner Bach nach Pürstein fliesst, gelegen. Von hier aus erreichen
wir, nördlich wandernd, wieder in einer halben Stunde _*Kupferberg_.
Diese Partie lässt sich noch über _Wenkau_, ein Dorf am südlichen
Gebirgsabhange in einem Thale zwischen Waldungen, zurücklegen. Beide
Partien zeichnen sich durch grossartigen Gebirgscharakter aus.
Ausdauernden Touristen empfehlen wir die _Fusstour_ von Klösterle aus
durch das wiederholt berührte, herrliche Egerthal auf der Kaiserstrasse
nach _Pürstein_ über Aubach nach _Wotsch_, von da nach _Warta_ und
endlich nordwestlich abbiegend, nach Hauenstein (siehe Bereisung von
Johannisthal aus). -- Retour nach Pürstein (zu Fuss und per Bahn), das
am Zusammenflusse von drei Bächen, im Ausgange eines engen Thales,
am Fusse des Erzgebirges in malerischer Gebirgsgegend gelegen ist.
Wir gehen nun nördlich und kommen zu dem Schlossberge mit einigen
Ueberresten der Burg Pürstenstein, auch Finkelstein, und setzen unseren
Weg steil aufwärts nach _Kleinthal_, dann nach Steingrün fort und
erreichen endlich _Kupferberg_. Dieser Aufstieg wird den Touristen
wegen der reichen Abwechslung der wildromantischen Gegend besonders
empfohlen. Zuvor statten wir der, an der Strasse gelegenen herrlichen
Felspartie einen Besuch ab und erfreuen uns über den prachtvollen
Einblick in das Egerthal. Der berühmte Landschaftsmaler Slowikowski,
der gegenwärtig mit der Aufnahme von Bildern im Erzgebirge beschäftigt
ist, entdeckte hier im J. 1880 eine schöne Sphinx und entwarf eine
correcte Zeichnung davon, deren Abdruck sammt dem von ihm verfassten
Gedichte nächstens in der Erzgebirgszeitung erscheinen wird.
=Kupferberg=, eine Bergstadt, auf dem Rücken des Erzgebirges 834 m
über dem Meere gelegen. Die Kirche wurde in den Jahren 1803 bis 1814
neuerbaut und die alte, ganz baufällige abgetragen; sie hat einen Thurm
mit einem harmonischen Geläute von 5 Glocken, welche noch von der alten
Kirche herrühren. Das Städtchen ist regelmässig angelegt, die Häuser
fassen einen grossen, quadratischen Platz ein.
=Gasthäuser=: Rathhaus, Deutsches Haus, Post.
=Eisenbahnstation= (20 Minuten von der Stadt, Verbindung mit
Komotau-Weipert).
=Postamt=.
Der an der Nordseite der Stadt sich erhebende _*Kupferhügel_ (in 12
Min. ohne Anstrengung zu erreichen) ist vom Bergbau ganz unterwühlt,
eine Menge Halden an seinem Abhange und in seiner Umgebung sind die
Reste der seit vielen Jahren erloschenen unterirdischen Thätigkeit. Auf
dem Gipfel steht eine Kapelle, welche von Einheimischen und Fremden
häufig der Andacht und auch der herrlichen Aussicht wegen besucht
wird. Diese ist eine der merkwürdigsten und schönsten in Böhmen; gegen
Nordwest, Nord und Nordost ist sie zwar durch die höheren bewaldeten
Rücken und Kuppen des Gebirges beschränkt, aber in anderen Richtungen
erstreckt sie sich in unbegrenzte Ferne, besonders gegen Süd und
Südosten. Wir sehen bis in die Gegend von Prag, wo dann die Hochebene
des mittleren Böhmen den Horizont bildet, und dann weit in die Gegend
von Elbogen und Pilsen. Unterhalb der Kapelle befindet sich das
bekannte »Gasthaus am Kupferhügel.« (Erscheinungen siehe _Klima_.)