6. _Von Komotau nach *Görkau_ (1 Stunde). _a_) Auf der Strasse. Von

Komotau durch die Weinberggasse führt die Strasse über den Weinberg

durch schöne Obstgärten und Felder nach dem Kirchdorfe Udwitz mit

seinen Kohlenbrüchen. Von hier kommen wir in ½ Stunde nach Görkau.

(Siehe Görkau.) _b_) Auf dem Fusssteige. Von Komotau gehen wir durch

die Weinberggasse nach der Alaunhütte. Von hier führt ein Fusssteig

nach den sogenannten Kohlenhäuseln. Wir gelangen auf demselben zur

»Tempis-Kapelle«, welche ein Schlosskaplan von Rothenhaus, Hans

von Tempis, vor vielen Jahren wegen seiner glücklichen Rettung aus

Räubershänden an dieser Stelle erbauen liess. Der Fusssteig führt uns

jetzt direct in ca. ¼ Stunde nach Görkau.

7. _Von Komotau nach dem Gebirgsdorfe *Platten._ Auf der Plattner

Strasse, ziemlich steil ansteigend, kommen wir in ca. 1½ Stunde nach

Platten mit seiner zu Ende des 14. Jahrhundertes bereits bestehenden

Kirche und seinem Schlosse, das als Jagdschloss des Besitzers von

Rothenhaus einst bessere Zeiten gesehen hat. Unweit Platten ist der

viel besuchte Wallfahrtsort Quinau. Die Aussicht beim Schulhause in's

Böhmerland ist prachtvoll! (Siehe Bereisung von Görkau aus.)

Touren.

1. _Von Komotau bis zur *Grundmühle, nach Domina, Troschig und

Tschernowitz._ Von Komotau gehen wir an dem Assigbache hinauf

nach Oberdorf. Oberhalb der Oberdorfer Hammermühle beginnt das

überaus freundliche Assigbachthal mit üppigen Wiesen und bewaldeten

Thalgehängen. Wir wandern hier ohne alle Anstrengung und erreichen in

1 Stunde die erste Grundmühle, auch »Kleinmühle« genannt. Hier können

wir einen kleinen Imbiss nehmen und uns an einem Trunke Bier oder Milch

erquicken. Von hier nehmen wir den Weg rechts an der Thalwand hinauf

gegen Domina. Der Weg ist ziemlich gut. Der Ort lässt sich von der

Grundmühle aus in 1 Stunde bequem erreichen. Doch ist es nicht nöthig,

bis in das genannte Dorf zu gehen; wir verlassen deshalb denselben,

wenden uns rechts dem Dörnthaler Weg zu. Nördlich von Dörnthal sehen

wir schon den Troschiger- oder Klingerberg ansteigen, das vorläufige

Ziel unserer Reise. In 1½ Stunde ist die erste Höhe erreicht. Die

Aussicht ist hier lohnend; am westlichen Gehänge schlängelt sich die

Strasse über Sebastiansberg zur Landesgrenze, dort unten östlich

bricht die Bahnlinie aus Felsen hervor. Oestlich und südlich haben

wir die Gegenden von Brüx und Saaz und östlich verfolgen wir den

Erzgebirgszug bis Eisenberg und noch weiter, und westlich hebt

sich Terrasse um Terrasse im schönen Wechsel von Wald und Flur zum

Horizonte. Wir steigen den westlichen Abhang hinunter, treffen hier das

an der Komotau-Sebastiansberger Strasse liegende Gasthaus »g. Hübel.«

In 5 Minuten haben wir auch das südlich gelegene Dörfchen Troschig

erreicht. Auf einem kleinen Plateau gebaut, ist es das kleinste

unter den 4 Strassendörfern: Schönlind, Domina, Krima und Neudorf.

Die Bevölkerung treibt Oekonomie und besorgte früher den Vorspann

über die Berge. Weiter südlich wandernd, treffen wir einen schönen

Wald; es ist dies das Troschiger Revier, der Komotauer Stadtgemeinde

gehörig, die hier einen Förster angestellt hat. Der links des Weges

sich erhebende »Tennich« ist der höchste Berg dieser Kette. Er ist

prächtig bewaldet und daher als Aussichtspunct weniger zu empfehlen.

Wir empfehlen daher den Weg, der von Troschig dem südlich laufenden

Gebirgszuge folgt, behalten rechts das Höllenthal und sehen nach einer

Stunde gemüthlichen Wanderns, die Buschtěhrader Bahn überschreitend,

den _kl. Purberg_. Weit in's Land vorgeschoben und sich langsam

erhebend, ist dies ein mächtiger Stock von Steinmassen, gleichsam ein

Knoten, mit dem der Gebirgszug abhebt. Bald haben wir denselben ohne

Anstrengung bestiegen. Die Aussicht nach 3 Seiten ist herrlich: Die

Gegend von Komotau, theilweise auch die Stadt, speciell der Bahnhof,

die Dörfer Tschernowitz, Sporitz, Körbitz, Malkau, Sosau, Grün und

das Städtchen Kralupp liegen zu unseren Füssen. Dort westlich, wo die

Eger in die Ebene bricht, liegt Kaaden, von Bergen umstellt, östlich

sind die Brüxer Berge. Ringsum siehst du Strassenzüge, Eisenbahnen,

Felder, Fluren, Teiche und Obstgärten. Der Berg selbst bildet oben

ein Plateau, das so wie sein Abhang mit Eichen- und Birkengestrüpp

bewachsen ist. Auch erfrischendes Wasser befindet sich oben. Von allen

Seiten fallen seine Granitmassen steil ab mit oft wunderlichen Klüften,

worin heute noch der immer seltener werdende Dachs zu Hause ist. Von

unten gesehen gleicht der Berg einer Ruine, so täuschend thürmen sich

hier die Steinmassen. Die Gemeinde Tschernowitz, welcher der Berg

mit den Abhängen gehört, nimmt von ihm das Material zu gewöhnlichen

Steinmetzarbeiten. Die siebenziger Jahre haben den Berg in Fesseln

gelegt, weil seit jener Zeit die Buschtěhrader Gebirgsbahn ihren

Weg rings um denselben genommen. Merkwürdig ist der Fall, dass hier

Sporitzer Felder 6mal von der Bahn durchschnitten werden. Der Purberg

hat seine Geschichte, und das deutsche Volk ringsum bis weit in's Land

kennt ihn und umwebt denselben mit dem Gewande der Sage. So erzählt

man, dass alte Jungfrauen berufen seien, den Berg abzutragen. Es sollen

ferner schlechte Zeiten hereinbrechen, wenn der Berg mit Eisen belegt

sein wird. Auf der östlich angrenzenden Tschernowitzer Haide soll einst

der Schlussact eines grossen Völkerkampfes stattfinden, worauf erst

wieder bessere Zeiten zu erwarten seien u. s. w. Den östlichen Abhang

hinab führt ein Fahrweg und dieser bringt uns bald nach dem nahen

Tschernowitz. Schon der kurze Weg dahin zeigt Halden, Steinbrüche,

gearbeitete und rohe Steine, den Gewerbefleiss der Ortsbevölkerung

deutend. Strauss, Dietz und Bertl sind bekannte Steinmetzer und die

Güte des hier gefundenen Materials macht ihre Arbeit gesucht. Der Ort

selbst mit 54 Häusern und 440 Einwohnern hat vorzügliches Trinkwasser

und viel Obstbau. Gasthäuser sind da. Die Strasse führt in ¾ Stunden

nach Komotau zurück.

2. _*Von Komotau über Domina nach Glieden, *Wisset, Schweiger,

Hohentann, *Hassenstein, *Platzer Grund, Zollhaus, Neudorf und retour._

Dies ist eine starke Tour und erheischt ein zeitliches Verlassen

der Lagerstätte. Unser Weg führt vorerst auf der Kaiserstrasse

nach Oberdorf. Hier sehen wir im Vorbeigehen das grosse Bräuhaus

von Philipp. Die alterthümliche unvollendete Kirche stammt von dem

unglücklichen Labketz, der unter dem Henkerbeile verblutete. Hier

haben wir zwei Wege vor uns. Den ersten, die Strasse, vermeiden

wir, denn sie führt steil über das Gebirge. Der grosse Kaiser Josef

liess sie anlegen und das Volk erzählt sich, dass, als er später die

Gegend bereiste, die steile Anlage sah und den Bauleiter zur strengen

Rechenschaft zog. Wir wenden uns dem Landwege zu, an dem Oberdorfer

Friedhofe vorbei. Bald haben wir die Vorberge erreicht. Diese tragen

Obstgärten. In kurzer Zeit haben wir das kleine, mit Erlengebüsch

besäumte Hatschkabächlein erreicht, das die Sporitzer Wiesen bewässert

und auf den Troschiger und Schönlindner Wiesen entspringt. Dem

steigen wir nach und kommen in die sogenannte »Ranz.« Später theilt

sich der Weg, der rechts führt nach Schönlind, der links durch das

Troschiger Revier nach dem Dörfchen Troschig. Von hier wenden wir

uns nach Glieden. Dazu stehen uns zwei Wege offen. Der eine führt

über Nokowitz und ist ein Fahrweg, geht anfangs nördlich der Strasse

zu, wendet sich alsdann westlich und in ½ Stunde haben wir Nokowitz

erreicht, das an der linken Lehne des Höllenthales ½ Stunde südlich

von Krima liegt. Der Ort hat nur Getreidebau und Holzhandel, 23

Häuser und 152 Einwohner. Der zweite Weg ist ein Fusssteig und führt

von Troschig westlich auf der linken Lehne des Höllenthales hinunter

durch einen Eichenbusch. Unten angekommen, finden wir die schönsten

Wiesen und ein kleines Bächlein, den Höllenbach, der auf der Krimaer

und Wisseter Heide sich sammelt und mit dem Thale einem südöstlichen

Laufe folgt, sich später westlich wendet, eingeschlossen und beengt von

dichtbewaldeten Thallehnen. Bei Malkau tritt er in die Ebene und bildet

mit dem Grüner und Plassdorfer Bächlein den sogenannten Saubach. Der

Weg durch's Höllenthal ist oft beschwerlich. Bei einer Einschichte,

links vorbei, gelangen wir an der Berglehne hinauf nach Glieden. Die

Ortschaft hat 16 Häuser mit 117 Einwohnern, die Oekonomie treiben. Die

Lage des Oertchens ist überaus freundlich. Vom Nordsturme durch den

Gliednerberg geschützt, ist das Klima schon so mild, dass hier Obst

gedeiht. Die nach allen Richtungen hin sehr beschwerliche Communication

ist freilich den Einheimischen nicht auffällig. Südlich von Glieden,

½ St., finden wir den _*Höllenstein_, der eine Wand des Höllenthals

bildet. Pittoresk geformt, mit einer schönen Aussicht auf demselben und

schauerlicher Tiefe zu den Füssen, ist es für den Touristen lohnend,

ihn zu besuchen. Wir gehen von Glieden auf einem Fusssteige nach

Wisset. Der Ort hat 29 Häuser mit 232 Einwohnern. Wisset liegt auf der

ersten Terrasse des hier aufsteigenden Gebirges, der Wisseter Platte.

Die Lage der Ortschaft ist freundlich, die Communication per Wagen

überaus beschwerlich. Der nördlich und nordöstlich sich hinziehende

Höhenzug hat den Namen »Ziegenrück.« Er ist theilweise urbar, doch

reift hier das Getreide 2 bis 3 Wochen später. Wisset selbst hat zwei

Wirthshäuser. Jedem Touristen gewährt die Aussicht vom »Obern Berg«

aus in's Saazer Land einen grossen Genuss. Wir verfolgen jetzt den

Weg nach _Hohentann_, der westwärts durch die Wisseter Flur führt.

Kurz vor dem Walde (ein Kreuz in der Nähe) theilt sich der Weg. Der

rechts führt uns zur »Schweiger-Höhe«, der links abbiegende an der

südlichen Schweigerlehne durch dichten Nadelwald nach *Hohentann. Wir

verfolgen den erstgenannten und haben in ca. ½ Stunde den Höhepunkt

»_*Schweiger_« erreicht. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast

bis zu seinem Scheitel urbar, fällt er südlich, westlich und östlich

gäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht bereitend. Das

Biela- und Egergebiet, die Höhen des Duppauer Gebirges und fast der

ganze Erzgebirgszug repräsentiren sich in ihrer Schönheit. Dort die

alte Ruine Hassenstein, die Stadt Sonnenberg zu unseren Füssen,

nördlich Sebastiansberg und die vielen Ortschaften bis gegen Eisenberg.

Der Name Schweiger soll daher kommen, dass der Sage nach hier einst

ein Sprosse der Hassensteine als Einsiedler seine Zelle hatte und

schweigend seine Lebtage zubrachte. Südöstlich, den ersten besten Weg

abwärts, kommen wir nach Hohentann. Dieses Dorf hat 29 Häuser und 180

Einwohner, die Oekonomie und Holzhandel treiben. Im Winter halten

sich Weib und Kinder an die Spitzenklöppelei. Dort bei der kleinen

Ortskapelle vorbei führt der Weg westwärts. Nicht weit vom Dorfe

theilt er sich. Wir verfolgen den Weg links, lassen die Hohentanner

Hügel zwischen Hohentann und Platz ebenfalls links, kommen zu einem

Holzkreuze (am Kreuzwege), finden auf einer Wiesentrift den Fusssteig

zum Platzer Forsthause und können hier den Fahrweg verfolgen zur Ruine

Hassenstein. Der Tourist wendet sich auf dem Rückwege beim Forsthause

nordwestlich, behält den mit Kiefern bewachsenen Lerchenberg seitwärts

des Forsthauses rechts, die »Kalkofenhöhe« links und sieht bald in

das tiefe »Grundthal«. Hier wendet er sich dem Wistritzbach, der

dieses Waldthal durchfliesst, entgegen. Dort, wo der Weg die Thalsohle

erreicht, liegt rechts das Grundwirthshaus. Hier ist jederzeit frisches

Bier und ein Imbiss zu haben. Wir erreichen jetzt das schattige --

oft wildromantische Grundmühlthal oder Wistritzbachthal, das sich

aufwärts immer mehr verengt und später zur Schlucht wird, kaum einen

Fuhrweg lassend. Das Wasser des Baches ist hier spiegelhell; es würde

bei normaler Körpertemperatur ein wohlthuendes Bad geben. Jetzt müssen

wir darauf verzichten. Von dem Forellenreichthume früherer Zeit ist

jetzt bei dem herrschenden Raubsystem wenig zu merken. Nach 1½stündiger

Wanderung erweitert sich oben genanntes Thal, wir sehen die Holzmühle

an der Komotau-Pressnitzer Strasse, gehen rechts die Strasse hinauf

über's Zollhaus zum Bahnhofgebäude Krima-Neudorf. Hier pflegen wir

unsere Glieder, stärken uns mit Speise und Trank und erwarten in Geduld

den um 9 Uhr Abends nach Komotau abgehenden Zug, der uns um 10 Uhr nach

Komotau bringt.

3. _*Von Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, Plassdorf, *Platz,

*Hassenstein und Brunnersdorf. (Bahnstation.)_ Wir verfolgen die

Bahnhofstrasse, lassen den Bahnhof links, treffen hier die sogenannte

Kaadner Kapelle (ehemals Wallfahrtsort mit Kreuzweg) und gehen auf

der Kaadner Strasse bis unweit Tschernowitz. Hier biegen wir bei

einer kleinen Restauration rechts in einen Fusssteig ab, gehen durch

die Tschernowitzer Steinbrüche am Fusse des südlichen Abhanges des

Purberges. Unser Fussweg führt uns in ca. ½ Stunde nach dem Dörfchen

Malkau mit 22 Häusern und 143 Einwohnern. Die Bewohner von Malkau

sind durchgehends Oekonomen und verwenden einen regen Fleiss auf die

Obstbaumzucht. Das Dörfchen Malkau hatte sich im Anfang der 70er Jahre

der Naturforscher Dr. Martius zu seinem Domicil erwählt. In jener Zeit

hat es wohl mehr Fremde gesehen, als gegenwärtig. Doch wir verfolgen

nach dieser Abschweifung unseren Wegweiser. Dort, wo am nördlichen Ende

des Dörfchens die »Höllenmühle« steht, führt der Weg nach dem ¼ Stunde

entfernten Nachbardorfe Grün. (27 Häuser mit 168 Einwohnern.) Zwischen

Grün und Malkau befindet sich eine kahle Anhöhe der »Lerchenberg«.

Der bequeme Aufstieg ist der Fernsicht halber lohnend. Der Fusssteig

nach Grün ist, um Irrungen zu vermeiden, wohl zu beachten. Wir

betreten bei der kleinen Ortskapelle das freundliche Dörfchen. Grün

ist unter den »Birndörfern« (von den nahen Gebirgsbewohnern der

reichen Obstkultur halber so genannt) das grösste. In Grün befinden

sich 2 Einkehrhäuser. Am Fusse des aufsteigenden Gebirges führt uns

der Fusssteig westwärts in ½ Stunde nach Plassdorf (25 Häuser, 134

Einw.), welches an der Südlehne des Schweigers wie angeklebt ist. Die

Bewohner von Plassdorf sind grosse Freunde des Obstbaues, vorzüglich

aber verwenden sie auf die Cultur der Kirschen grosse Mühe. Das einzige

Wirthshaus schliesst das Dorf südlich ab. Weiter südlich erhebt sich

eine Anhöhe, genannt »Kralupper Berg«, mit Eichen und Birken besetzt.

Von Plassdorf führt uns der Weg ½ Stunde durch eine Thalschlucht

aufwärts an den Südabhang des Salberges dem Städtchen Platz (mit 400

Einw.) zu. Dieses Städtchen verdankt seine Entstehung den Burgherren

des nahen Hassenstein. Die Einwohner beschäftigen sich theilweise mit

Oekonomie, theilweise sind es Handwerker, vornehmlich Maurer. Die

Spitzenklöppelei wird von dem weiblichen Theil der Bevölkerung ziemlich

stark betrieben. Zwei Gasthäuser bieten dem Touristen die nöthige

Unterkunft und Erfrischung. Zur Zeit des Zunftwesens war Platz das

»Mekka« der Handwerker von den nahen Dörfern, selbst vom Flachlande;

hier wurde der Lehrling zum Gesellen, der Gesell zum Meister befördert.

Das Städtchen Platz bietet vom Kirchenplatze aus eine prächtige

Fernsicht in die Saazer Gegend. Die meiste Anziehungskraft für die

Touristen aber hat die ca. 10 Minuten westlich von Platz gelegene

Ruine _Hassenstein_, welche noch heute in ihren Trümmern auf ihre

vormalige Grossartigkeit schliessen lässt. Die Stätte selbst ist, wie

die Nachgrabungen zu Anfang der dreissiger Jahre vermuthen lassen,

schon in heidnischer Vorzeit bewohnt gewesen und zu gottesdienstlichen

Zwecken oder als Begräbniss- auch Opfer-Platz benutzt worden. Man

hat nämlich mehrmals Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste gefunden.

Wann und von wem die Burg Hassenstein erbaut wurde, ist unbekannt. Zu

Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Brüder Friedrich und Theodor

von Schönburg als Herren von Hassenstein, das damals ein Kronlehen

war. Im Jahre 1418 war der damalige Besitzer in eine Verschwörung

gegen König Wenzel IV. verwickelt, und der Monarch übertrug die

Bestrafung dem Oberst-Landschreiber Niklas von Lobkowitz, welcher

das Schloss Hassenstein eroberte und dasselbe als Eigenthum erhielt.

Diese Schenkung wurde ihm 1421 von Sigmund und seinem Sohne Niklas

von Lobkowitz 1457 vom König Ladislaw auf immerwährende Zeiten

bestätigt. In Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein feiert das Haus

seinen glänzendsten Namen, die klassisch-humanistische Bildung des

16. Jahrhunderts eine ihrer ersten Grössen. Unter ihm glich die Burg

Hassenstein einem kleinen Musenhof. Er war durch Gelehrsamkeit,

Dichtergenie und Erhabenheit des Charakters ausgezeichnet. Zwei

andere Lobkowitze auf Hassenstein, die Herren Sebastian und Bohuslav

Felix, erwarben sich grosse Verdienste um den erzgebirgischen Bergbau

damaliger Zeit. Gegen das Ende des 16. Jahrh. kam Popel von Lobkowitz

in den Besitz von Hassenstein. Der letzte Lobkowitz auf Hassenstein

war Christof. Im Jahre 1606 ging die Burg Hassenstein in den Besitz

des Herrn Leonhard von Stampach über. Unter demselben, der seine

lutherische Gesinnung mit 2 Dritttheilen seines Vermögens büssen

musste, ging Hassenstein seinem Verfalle entgegen. Herr Jaroslav

Bořita von Martinitz erwarb die halbverfallene Burg sodann für ein

Billiges. Später bekam die Ruine mit dem dazu gehörigen Grundbesitz die

Nebenlinie Martinitz-Hagensdorf. Durch die erbliche Nachfolge dieser

Linie kam Hassenstein in den Besitz der Grafen Wolkenstein-Trostburg.

1880 verkaufte Engelhardt von Wolkenstein sein Erbe und mit ihm

Hassenstein an den Grossindustriellen Preidl.

Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im

Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt

nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab.

Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr

erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm

mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut

erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters

von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter

Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu

finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche

tragi-komische Geschichte erfahren.

Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald

hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer

dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des

Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches

liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den

Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner

von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den

Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die

Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des

Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen

zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter

westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn,

andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen.

4. _Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das

*Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg._ Wir beeilen uns zum

1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das

Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon

im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen

Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist.

Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl.

Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von

Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale

entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst,

in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile

gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo

die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der

Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf

zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist

das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit

einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in

den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge

hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge

Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein

ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen

Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen

Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen

Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp

und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort

und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der

Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie

für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge.

An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster

gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von

den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten

Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe

den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche,

der Gutsherrschaft gehörig. -- Wir wenden uns nun westwärts dem

Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem

Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die

Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der

im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert

wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig

ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten

die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit

zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel

bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts

Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der

es nicht scheut, den nördlich gelegenen _Saustein_ zu besteigen. An

schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend

vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher

Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches.

Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal

den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne,

links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein

melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt

Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich

westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme

in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung

eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände

heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg

Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein

Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu

sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte

Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke

zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von

Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch

Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch

finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am

rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines

Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich

wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von

dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche

Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 15 / 27 段