blühende Bergbau ganz eingestellt; nur Halden, Pingen, Stollen zeugen
von einstigen unterirdischen Metallschätzen. Die am 4. Mai 1808
ausgebrochene Feuersbrunst legte 142 Häuser sammt dem Rathhause, der
Pfarrei und Schule in Asche. Dadurch verarmten viele Bewohner, die
überdies durch die grosse Theuerung i. J. 1817 viel Ungemach zu leiden
hatten. Nur die wohlthätige Unterstützung Böhmens rettete die Stadt vor
Hungersnoth. Bei dieser Gelegenheit erwarb sich der damalige Pfarrer
von Gottesgab, _Franz Wilhelm Tippmann_, später Weihbischof des Prager
Domcapitels, bedeutende, unvergessliche Verdienste. Derselbe stiftete
auch, durchdrungen von wahrer christlicher Nächstenliebe, ein Spital.
-- Gottesgab ist die Geburtsstätte mehrerer verdienter Deutschböhmen:
_Thaddäus Peithner_ war k. k. Hofrath, _Johann Theodor Anton Peithner
Ritter von Lichtenfels_ war Bergrath und Bergwerkshistoriker
(gest. 1792) und _Josef Köhler_ starb als General-Grossmeister des
Kreuzherrenordens zu Prag.
=*Besteigung des Keilberges.= (¾ St.) Etwa 300 Schritte oberhalb
des Zollschrankens zweigt von der Kaiserstrasse zu unserer Linken
eine Strasse über Sächs. Wiesenthal nach Annaberg in Sachsen ab.
Auf ersterer in südöstlicher Richtung weiterschreitend (falls man
nicht schon früher einen rechts von der Strasse führenden, sehr
empfehlenswerten _Wiesenweg_, der bis zu den Sonnenwirbelhäusern
leitet, gewählt hat), erblicken wir geradeaus die drei
Sonnenwirbelhäuser, die höchsten Wohnungen des Erzgebirges. Immer
bedeutender wird die Steigung der Strasse; nach ¼stündiger Wanderung
nähern wir uns dem Sonnenwirbel (so wird gewöhnlich die westliche
Kuppe des Keilberges genannt), dessen nördliche Abdachung nur mit
spärlichem Fichtenbestand bedeckt ist; nach unten zieht sich der
sog. _Kaltewintergrund_ hin, der wohl die traurigste Gegend des
Erzgebirges ist; denn auf der Mitternachtseite, wo selten oder nie
ein Sonnenstrahl in diese beinahe unheimliche Schlucht dringt,
liegt selbst im Juni noch Schnee. Und doch findet sich daselbst
eine Ansiedlung, der »_Kalte Winter_«, im Volksmunde »_Böhmisch
Sibirien_« genannt. Die Bewohner dieser Einschichte können bei
schrecklichen Schneestürmen oft acht Tage lang nicht aus dem Hause,
und es wäre fürwahr tollkühn, wenn sie sich aufs Geradewohl durch
die klafterhohen Schneemassen einen Weg bahnen wollten. Noch eine
kurze Strecke aufwärts und es entrollt sich vor unseren Blicken ein
überraschendes Panorama. Südlich vor uns breitet sich ein imposantes
Seitenthal aus, dessen schützende Lehnen mit stattlichen Wäldern
bedeckt sind. Hier in nächster Nähe fristet die verkrümmte Fichte, ja
sogar die sonst zähe Eberesche ein kümmerliches Dasein und dort unten
im Thale strecken Tannen, Lärchen, Birken und Buchen ihre Häupter
stolz empor. Welch ein Contrast! Den Hintergrund der herrlichen
Scenerie bildet das grossartige Gebäude der Joachimsthaler k. k.
Zigarrenfabrik. Nach einigen Minuten zeigt uns ein _Wegweiser_ mit
der Aufschrift »Zum Keilberg« an, dass wir die Strasse verlassen und
einen gut erhaltenen _Fahrweg_ betreten müssen, der uns bis _auf die
höchste Kuppe des Keilberges_ führt. »Dieser Höhenpunkt, der _höchste
im Erzgebirge_, bildet gewissermassen den _Hauptstock_ des ganzen
Gebirges; einen _Gebirgsknoten_, von welchem dasselbe in nordöstlicher
und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich
zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast _das Ansehen eines
Hochgebirges_ erhält.« Diese Bezeichnung kommt vorzugsweise dem steilen
südlichen Abfalle oder Joche des Keilberges zu, auf welchem sich
mehre Kuppen mit abfallender Höhe, am bedeutendsten der _Leerberg_,
die Kuppen bei Dornberg und bei Marletzgrün, dann die Berge bei
Hauenstein (der Hauensteiner _Schlossberg_, westlich von ihm der
_Maierrang_ und östlich der _Eichelberg_) hervorheben. Der Fuss dieses
Gebirgsjoches wird unmittelbar von der Thalebene (Egerthal) begrenzt,
aus welcher es plötzlich sehr schroff emporsteigt. Westlich ist es
durch das tief eingeschnittene _Weseritzthal_ begrenzt, in welches
einige enge, von hohen, steilen Gehängen eingefasste Seitenthäler
einmünden. Diese steilen Abhänge und hohen Gehänge der engen Thäler,
die Gruppirung ansehnlicher Kuppen, welche in ihrer Zusammensetzung
einander überragen, geben ihm hier mehr als an einer anderen Stelle
seiner Verbreitung das Ansehen eines »Hochgebirges.« Die bedeutendsten
Höhenpunkte, welche sich um den Keilberg gruppiren, sind: (im Norden)
der _Fichtelberg_ (jenseits der Landesgrenze), der _Gattersberg_
(zwischen Stolzenhahn und Wiesenthal), der _Hofberg_, der _Riegelberg_,
der _Grosse_ und _Kleine Wolfsberg_ (nordöstl. von Stolzenhahn) und der
_Blaselsberg_ (zwischen Stolzenhahn und Kupferberg); (im Osten) der
_Wirbelstein_ (nördlich vom Hauensteiner Forsthause), der _Eisenkopf_
und der _Buchberg_; (im Süden) die _hohe Wiese_, weiter abwärts der
_Schobert-_ oder _Schubertberg_ und westlich von diesen der _Hohe
Berg_ und der sagenreiche _Graue Stein_, von welchen beiden dann die
Gehänge dieser Bergmasse in Absätzen in das Thal abfallen; (im Westen)
der _Spitzberg_ (bei Gottesgab), der _Steinhübel_ (bei Irrgang), der
_Plattenberg_ (östl. von Platten), der _Buchberg_ (westl. von Platten);
(im Nordwesten) der _Kaffberg_ und der _Mückenberg_ (bei Goldenhöhe).
Den höchsten Punkt des Keilberges krönt ein 21 Fuss hohes, einfaches,
_aber sehr fest_ und _praktisch gebautes Aussichtsobject_, das der
Erzgebirgsverein in Joachimsthal im Jahre 1880 errichtet hat. Haben wir
die zweite Terrasse dieses Objectes bestiegen, so eröffnet sich uns
eine _umfassende, wahrhaft grossartige, überwältigende Rundsicht_, die
uns unwillkürlich an die vortrefflichen Worte _Karl Egon_ von _Eberts_,
des hochgefeierten Altmeisters der deutsch-böhmischen Dichter, erinnert:
»Ihr Berge, stolze Berge, du schwarze Wäldernacht,
Ihr golderfüllten Ströme, ihr Au'n in grüner Pracht,
Ihr sanft gewölbten Hügel im blumigen Gewand,
Euch nenn' ich freudig rufend, mein _schönes_ Vaterland!«
In nächster Nähe streben dicht an einander gereiht, wie Mastbäume die
schlank gewachsenen Fichten und Tannen des prächtigen _Schwarzwaldes_
(die ausgedehnten, herrlichen Waldungen, am Südabhange des Keilberges
führen diesen Namen) empor, an den sich weithin nach den verschiedenen
Richtungen die gewaltige Waldregion, ein förmliches Forstmeer, der
mannigfaltigen Höhenzüge mit ihren Kuppen anreiht; denn der Blick
schweift bei heiterem Himmel über das ganze (besonders das böhmische)
Erzgebirge vom Böhmerwalde und Fichtelgebirge bis an das Riesengebirge,
eine wundervolle Aussicht, wie sie in solchem Masse _kein_ zweiter
Punkt im ganzen Erzgebirge bietet. In südöstlicher Richtung sehen wir
die Städte: Saaz, Kaaden, Klösterle und viele grössere und kleinere
Ortschaften (mit einem guten Fernglase sieht man bei heiterem Himmel
sogar den historischen weissen Berg bei Prag); östlich gewahren wir
zunächst Kupferberg mit dem kegelförmigen Kupferhügel (letzterer
ist gegen unseren Standpunkt verschwindend klein) und in weiterer
Entfernung links Dörnsdorf, Reischdorf, die Kirchthurmspitze von
Pressnitz. Ganz im Hintergrunde erblicken wir die Kuppen des herrlichen
böhmischen Mittelgebirges mit dem Milleschauer. Gegen Norden verdecken
die beiden Fichtelberge die Aussicht nach Sachsen, doch ist diese
nach Nordost lohnend. (Schmiedeberg, Jöhstadt, Weipert, Annaberg);
der Bahnhof von Weipert, die Kirche von Annaberg und die imposante
Volksschule in Schmiedeberg sind mit freiem Auge sichtbar. Gegen Süden
bemerken wir das Duppauer Gebirge mit der Ruine Engelhaus, den Bahnhof
von Karlsbad, ferner Schlackenwerth und das liebliche, reizvolle
Egerthal, im Südwesten im Hintergrunde den Dillenberg bei Eger, den
Kaiserwald, im Westen das Fichtelgebirge mit dem Hainberge bei Asch.
Bei dieser Darlegung wurde nur das Wichtigste hervorgehoben, denn alle
einzelnen Punkte dieses _farbenprächtigen Panoramas_ zu schildern,
lässt der Raum des Buches nicht zu, zudem wir in anderer Beziehung des
Keilberges gedenken mussten. Erhaben und schön ist auf diesem Berge
die Beobachtung des _Sonnenaufganges_. (Der Botaniker findet Moose und
Vorboten subalpiner und selbst alpiner Pflanzen).
Um unsere beabsichtigte Tour zu vollenden, kehren wir wieder bis zum
bekannten Wegweiser zurück, wo wir die nach Weipert führende Strasse
weiter verfolgen; dieselbe zieht sich anfangs einige hundert Schritte
auf der Ebene dahin, senkt sich dann allmählig, und wir sehen plötzlich
bei einer Biegung ein malerisches Bild. Wie hingegossen liegt das
sächsische Städtchen _Oberwiesenthal_ vor uns, das bloss durch die Pöhl
von _Böhmisch-Wiesenthal_ getrennt ist. Man wird nicht satt, dieses
Bild zu betrachten, immer wieder zieht es das Auge des Touristen auf
sich. Wir steigen indess tiefer und gelangen zu den _Hofberghäusern_
mit dem anständigen Gasthof »_Hofberg_« (Hier biegt, rechts die Strasse
nach Kupferberg, links nach Böhmisch-Wiesenthal ab). Nachdem wir durch
eine kleine Erfrischung uns erquickt haben, schreiten wir auf der
Strasse bei kaum wahrnehmbarer Senkung zur rechten Seite des grossen
Dorfes _Stolzenhahn_ hin und erreichen nach einer ½stündigen Wanderung
durch eine zu beiden Seiten der Strasse liegende liebliche Waldung
_Böhmisch-Hammer_, wo sich _rechts_ die Strasse nach _Schmiedeberg_
abzweigt. (Gleich oberhalb des Dörfchens ist ein ansehnlicher _Viaduct_
der Buschtěhrader Zweigbahn Komotau-Weipert bemerkenswerth.) An der
Strasse selbst liegt der ansehnliche _Gasthof_ »_zum Schlössl_.« Immer
näher zieht sich dieselbe an der Landesgrenze auf der Ebene dahin
und wir erblicken bald auf böhmischem, bald auf sächsischem Boden
ein Gehöfte, eine Mahl- oder Papiermühle, ein Gasthaus u. dgl., was
uns eine annehmbare Abwechslung gewährt. Wir merken kaum, dass wir
uns schon _Weipert-Neugeschrei_, der Vorstadt Weiperts, nähern. Hier
liegen die Häuser einzeln gebaut, zu beiden Seiten der Strasse. Von
_Gottesgab_, noch besser von _Försterhäuser_ (siehe oben), können wir,
in Försterhäuser unweit des Forsthauses abbiegend, eine prächtige
Seitentour ausführen. Wir gehen auf einer guten, durch herrliche
Wälder führenden Strasse oder auf einem Fusswege am Goldenhöher
Forsthause vorüber in das idyllisch gelegene Dorf _*Goldenhöhe_,
dann nach der sogenannten _böhmischen Mühle_ und von da weiter nach
Sachsen. Dieser, zwei Stunden bis zur Grenze in Anspruch nehmende
Weg ist herrlich. Die schönen, wohlgepflegten Waldbestände erwecken
die Bewunderung jedes Touristen. Es ist eine ächte Gebirgswanderung.
Bei der genannten Mühle öffnet sich das Thal, vom reissenden
Pöhlbach durchbraust; wir überschreiten die Grenze, durchwandern das
industriereiche, an beiden Abhängen des erweiterten Thales romantisch
gelegene Dorf _Rittersgrün_ und kommen in ¾ Stunden in _*Globenstein_
an, wo die höchstinteressanten Felsgebilde unsere Aufmerksamkeit
erwecken. Fortsetzung der Tour über _Crandorf_ oder _Raschau_ nach
_*Schwarzenberg_. Herrliche Partie!
D. Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus.
Komotau.
=Gasthöfe=: Scherbers Hôtel (Nr. 98 in der Frohngasse).
Hôtel Reiter (Nr. 14, 15, Ringplatz).
Städtisches Schiesshaus inmitten des neuen, sehenswerthen
Stadtparkes (nördlich der Stadt) gelegen, sehr beliebter,
besonders im Sommer reich besuchter Ausflugsort der
Stadtbewohner.
Hôtel Adler Nr. 16 am Marktplatze, Eck der Steingasse.
Gasthof zum grünen Baum in der Bahnhofstrasse.
Städtischer Lagerkeller (Nr. 1 Weinberggasse), schön gelegen,
mit einem grossen Garten und herrlichen Blick auf die Stadt und
das Gebirge.
Güttler's Restauration (Schäfergasse Nr. 7) schöner Garten mit
Gartenhaus und gedeckter Kegelbahn.
=Restauration= am Bahnhofe.
Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der
Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse,
»Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos),
Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders
Weinhandlung« in der Herrengasse.
=Aemter=: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k.
k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das
k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der
k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k.
Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k.
k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8.
das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando;
10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das
Bürgermeisteramt.
=Lehranstalten=: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k.
k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische
Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die
Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom
hl. Kreuz mit Pensionat.
=Verkehrsanstalten.= 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer
Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die
k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner
Eisenbahn.
Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »=Casino=« b) das der
=Ressource=. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung
von A. _Stumpf_ am Marktplatz ertheilt allen Touristen über
den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2.
Buchhandlung von _Mändl_.
=Sehenswürdigkeiten.= 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau
stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor,
stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar
wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare
sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der
Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige,
künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt
durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. _Ignaziuskirche_ oder
Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste
und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17.
Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden
Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben
wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein
Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren.
Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das
Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt
den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die
zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681
verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen.
Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses
Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals
jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss,
jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der
Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden
Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das
Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal
u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch
Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383
wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung
gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt;
jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken.
Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche
oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein
kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter
steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche.
Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse.
7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte
der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an
die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt
gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte
im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in
das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich
und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit
der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude
der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule
mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach
englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu
den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer.
=Kurze Beschreibung der Stadt.= Die königliche (1605) Stadt Komotau
zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am
Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von
Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3
Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig
ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau.
Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder
Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung
nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher
Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt
durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die
Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger
Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung
nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung
nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten,
Kallich gegen die sächsische Grenze.
=Geschichtliches.= 1252 tritt der Name Comotov in den Urkunden auf;
jedenfalls war da Komotau ein Dorf, das sich um eine Veste gruppirte;
dieselbe stand an dem Orte, wo jetzt das Rathhaus und das Bräuhaus
steht; im selben Jahre wird der deutsche Ritterorden als Herr des
Marktes Komotau genannt. Von 1353 an erscheint Komotau als Stadt. Diese
litt 1418 durch eine Feuersbrunst grossen Schaden. Ein Schreckenstag
für Komotau war der 14. März 1421, an welchem die Stadt durch die
Hussiten erstürmt wurde; die gesammte katholische Bevölkerung wurde
grässlich hingemordet; nur 30 Einwohner wurden verschont, um ihre
todten Mitbürger zu begraben. Kaiser Sigismund belohnte später die
Lobkowitze mit Komotau. Bereits im Jahre 1456 wird Johann Czalta von
Steinsberg als Herr von Komotau genannt. Durch Erbrecht ging die Stadt
in den Besitz der Herren von Weitmühl über, wurde im Jahre 1560 an
Erzherzog Ferdinand, Gemahl der Philippine Welser, und von diesem im
Jahre 1571 an die Familie der Lobkowitze von Hassenstein verkauft. Zur
Zeit der Reformation fand die neue Lehre hier Eingang. Georg Popel von
Lobkowitz berief aber die Jesuiten zur Vertreibung des Protestantismus,
der auch schliesslich wieder unterging. Derselbe Herr von Komotau trug
sich auch mit dem Plane um, in Komotau eine Universität zu errichten;
er fiel aber beim Kaiser in Ungnade und endete als Gefangener 1606
durch das Henkerbeil sein Leben in Elbogen. Die Güter Georgs von
Lobkowitz gingen nun an den Staat über; dieser verkaufte ein Dritttheil
dieser Güter an die Komotauer Bürgerschaft, welche dadurch von aller
Oberherrschaft frei wurde. Der dreissigjährige Krieg machte sich in
seinen traurigen Folgen auch in Komotau und Umgebung bemerkbar; am
ärgsten hausten die Truppen des schwedischen Generals Pfühl in Komotau.
Es wird erzählt, dass viele angesehene Komotauer Bürger der Tortour
(Schwedentränkel) unterworfen wurden, um Geld von ihnen zu erpressen.
Es sollen 160 Wagenladungen geraubter Gegenstände von den Schweden
fortgeführt worden sein. Schon 1651 hatte sich der Wohlstand Komotaus
so weit gehoben, dass es seinen Grundbesitz vergrössern konnte. Unter
den höchsten gekrönten Häuptern, die Komotau im Laufe der Jahre mit
einem Besuche beehrten, seien genannt: 1703 der König Karl von Spanien;
derselbe übernachtete im Rathhause; 1771 der unvergessliche Josef II.;
1813 begaben sich die drei verbündeten Monarchen über Komotau nach
Leipzig, um die Völkerschlacht zu schlagen. In demselben Jahre wurde
in Komotau ein Haupt-Lazareth errichtet. In neuerer Zeit hat sich
Komotau dadurch, dass es Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien wurde,
sehr gehoben. Der vielen Schulanstalten wegen wird Komotau »Schulstadt«
Westböhmens genannt. Komotau ist der Geburtsort von bemerkenswerthen
Gelehrten und zwar: von Mathäus Goldhahn, einem berühmten Philologen,
bekannt unter dem latinisirten Namen Aurogallus, gestorben 1543; von
dem Historiker Franz Pubitschka, geboren 1722 und gestorben 1809; von
Franz Josef Ritter von Gerstner, geboren 1754 und gestorben 1832 als
k. k. Gubernialrath, Wasserbaudirector und Director der technischen
Lehranstalt zu Prag, von ganz Europa als einer der ersten Mathematiker
anerkannt.
Spaziergänge:
1. _Von Komotau auf die *Alaunhütte, auch Schweizerhütte genannt._
Wir gehen vom Ringplatze durch die Weinberggasse. Am Ende dieser
Gasse erhebt sich eine kleine Anhöhe, »Weinberg« genannt. Links
der Strasse zieht sich ein schmaler Fusssteig zum Endziele unseres
Spazierganges. Eine Tafel mit der Aufschrift: »Weg zur Alaunhütte«
macht den Touristen auf den Weg aufmerksam. In etwa ¼ Stunde sind wir
am Ziele. Die Alaunhütte, eine Restauration in romantischer Lage, ist
einer der beliebtesten Ausflugsorte für Komotau und Umgebung. Nächst
der Alaunhütte befindet sich der Alaunsee. Wer des Ruderns kundig ist,
miethet sich einen Kahn und befährt den See. Zur Winterszeit bietet der
Alaunsee mit seiner schönen Eisbahn einen mächtigen Anziehungspunkt
für Schlittschuhläufer. Ehemals war hier, wo sich jetzt der Alaunsee
ausbreitet, ein grosses Alaunbergwerk. Die rothe alaunhältige Erde,
welche rings um die Alaunhütte massenhaft zu sehen ist, erinnert an
den einstigen Bestand des Bergwerkes. In der Nähe der Alaunhütte
gedeihet die edle Kastanie in einer seltenen Grösse und Schönheit der
Frucht. Die mächtigen Stämme und Kronen dieses Baumes gewähren einen
herrlichen Anblick. Neben den Gastlocalitäten der »Hütte« ist auch
eine Badeanstalt mit warmen Bädern. Den Sonntag nach Anton im Juni
jedes Jahres begeht die Hüttenrestauration im Blätterschmucke mächtiger
Eichen im schönsten Frühlingskleide der Natur ihr Fest mit Concert und
Tanz.
2. _Nach dem Komotauer *Stadtpark und dem städtischen Schiesshause._
Wir gehen vom Marktplatze durch die Schiesshausgasse und kommen in ca.
10 Minuten bei der Komotauer Dampfmühle vorüber in den Park, der nach
englischer Art angelegt ist. Naturfreunden bereiten hier die schönen
Baumgruppirungen und Blumenpflanzungen einen wahren Genuss. Im Parke
befindet sich das im Jahre 1833 erbaute städtische Schiesshaus und in
dessen Nähe das aus Holz errichtete Sommertheater.
3. _Von Komotau auf den *Hutberg._ Durch die Schiesshausgasse gehend,
gelangen wir, von den Parkanlagen links ab, in einen Fahrweg, der uns
durch schöne Obstgärten in ca. ¾ Stunden auf den Hutberg führt. Die
Aussicht von demselben ist bezaubernd schön. Am Fusse des Hutberges
liegt in romantischer Lage das Dörfchen Pirken.
4. _Von Komotau nach dem *»Ruland«._ Die Plattner Strasse führt uns
direct auf eine Anhöhe, wo mitten von Obstgärten, Feldern und Wiesen
das schöne Wohn- und Wirthschaftsgebäude, genannt »Ruland«, malerisch
gelegen ist. Eine schöne Aussicht über Komotau und in's Gebirge lohnt
die Mühe des Touristen, welcher von den freundlichen Bewohnern des
Gehöftes »Ruland« mit Milch, Obst u. s. w. bewirthet wird. Die Anhöhe
»Ruland« wird häufig auch Galgenberg genannt, weil hier ehemals
Verbrecher gerichtet wurden.
5. _Von Komotau nach Eidlitz._ Wir wenden uns durch die Gerstnergasse
in die Prager Vorstadt und kommen bald auf die Komotau-Eidlitzer
Bezirksstrasse. Der Weg ist ungemein angenehm. In ¾ Stunden sind wir in
Eidlitz. Sehenswerth ist das Schloss und eine Zuckerfabrik.