3. _Zum Seilerweg._ Die früher genannte Aerarialstrasse benützend,

lenken wir von dieser beim sogenannten Badhause, jetzt Unger's

Färberei, ab und schlagen den Weg _rechts_ zu dem durch den

unvergesslichen Erzgebirgsfreund K. V. Ritter von _Hansgirg_

verschönerten _Friedhofe_ und zu der _Spital-_ oder _Todtenkirche_

mit mehreren guten Gemälden aus alter Zeit, ein. Beim Hauptthore

des Friedhofes eintretend, die _Grabdenktafel des Dechants P. Anton

Böhm_, des Verfassers einer Joachimsthaler Chronik, (gebor. 29.

Juni 1785, gestorben 14. Feb. 1862), nahezu in gleicher Richtung an

der gegenüberstehenden Mauer das einfache _Grabdenkmal des Dichters

Karl Victor R. von Hansgirg_, gesetzt von den Bezirksgemeinden. Auf

dem ebenen Seilerwege selbst entrollt sich vor unseren Augen ein

_prachtvolles, malerisch schönes Bild der Stadt_. Vor uns liegt der

ganze Marktplatz, durch dessen Mitte längs des Weseritzbaches sich

eine Allee Kastanienbäumchen windet. Dazu die die Stadt umfriedenden

Bergeslehnen mit ihren Wiesen, Feldern und Halden, das herrliche

Seitenthal der Cigarrenfabrik mit den prächtigen, dicht bewaldeten

Höhenzügen und den darauf idyllisch ruhenden Häuschen -- dies alles

gewährt wahrlich ein ebenso überwältigendes als seltenes Panorama!

4. _Zur Halde_ bei dem Einigkeitsschacht, oben sehr schöner, ebener Weg

mit herrlicher Aussicht auf die Stadt und Gebirgslandschaft.

5. _Zum Kaiser Josef-Schacht_ vom Einigkeitsschachte entlang der sog.

»Eisenbahn« dann den Weg links ab. Ist an heissen Sommernachmittagen

sehr empfehlenswerth, weil kühl und ebenfalls schöne Aussicht auf die

Stadt.

6. _Zur Johannis- und Prokopi-Kapelle._ Erstere liegt auf einer Anhöhe

an der Ostseite der Stadt und führt von ihr ein Weg zu der weiter

nordöstlich auf einem hohen Berge stehenden, weithin sichtbaren

_Prokopi-Kapelle_ mit _lohnendster_ Aussicht. Diese Kapelle, von

Feldern umgeben, ist unausgebaut geblieben und zeigt sich als Ruine.

7 _*Zum Graben und auf den Grauenstein._ Durch das Oberthal auf der

nach Gottesgab führenden Strasse aufwärts, schlagen wir, zur Rechten

eine Allee erblickend, den von derselben beschatteten Weg, »_Graben_«

genannt, ein, der uns eine _schöne_ Aussicht auf den gegenüber an der

westlichen Berglehne liegenden Einigkeitsschacht und die Halde sowie

auf die Stadt und die sie umrahmenden Bergeshöhen gewährt. Er zieht

sich um die sogen. »_Schwedenschanze_« herum. Wir schreiten weiter,

gelangen zum städt. Forsthaus »_Hut_«, wo _gute_ Aussicht auf Theile

des Mittelgebirges, betreten links den prächtigen Fichtenwald und

kommen zur _Reichen-Geschieb-Zeche_ am Widergebirge. Rechts von der

»_Hut_« über »_Rauschererb_« auf den sagenreichen »_Grauenstein_«, wo

wir eine _herrliche_ Aussicht auf die umliegende _Gebirgslandschaft_

geniessen (die schön gelegene Einschicht _Schönerz_, auch _Oelbecken_

genannt, in ihrer Thalschlucht von Wiesen umgeben, die _Cigarrenfabrik_

und _Schmelzhütte_, die _Neustadt_, das _Spitzbergel_ bei Pfaffengrün).

Rückweg durch das Thal der Cigarrenfabrik. (Vom Grauenstein aus kann

man auch weiter den _Keilberg_ besteigen. Man geht bis zur »_grünen_

Kohlstätte«, wo sich rechts der Weg nach Oelbecken, _links_ zum Press

zweigt, von wo man auf die sog. Sonnenwirbler Strasse gelangt.)

Ausflüge.

8. _*Mariasorg_ ¾ St. westsüdwestlich von Joachimsthal. Dorf mit einem

_Kapuzinerkloster_, dessen Kirche mit Gnadenbild ein _vielbesuchter

Gnadenort_ ist; ein sehr beliebter Ausflugsort der Joachimsthaler.

_Wagners Gasthaus._ -- Von dem Einigkeitsschachte führt eine steile

Gemeindestrasse südwestlich zu der Höhe hinan (»_Neustadt_«), links

liegt _Freudenstein_. Auf dem Wege einen Blick rückwärts werfend,

liegt in überraschender Tiefe Joachimsthal, während man ganz auf

der Höhe, der sog. _Mariasorger-Höhe_, eine _bezaubernde Fernsicht_

auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine

_Engelhaus_, auf das Mittelgebirge vom Königswarter Kaiserwald bis

gegen das Duppauer Gebirge, ferner einen Theil des Egergebietes erhält;

rechts streckt der _Plessberg_, links der _Koboldstein_ sein Haupt

empor. Ist unstreitig _eine der schönsten und lohnendsten Partien im

Erzgebirge_.

9. _Koboldstein._ Von der Mariasorger Höhe gelangt man südlich in

gerader Richtung zum _Koboldstein_ bei Pfaffengrün. Die Aussicht

ist zwar etwas beschränkter, wie auf der Mariasorger Höhe, aber

_deutlicher_. (Zettlitz-Karlsbader Bahnhof.)

10. _Ullersgrün_ 1½ St. (über Mariasorg s. 8). Oberhalb von Wagners

Gasthause wandern wir auf dem angenehmen Wege waldeinwärts südlich

durch den mit den schönsten Waldungen geschmückten _Wolfsberg_, die

würzigste Luft einathmend, bis zu dem schön zwischen Feldern und Wiesen

auf einem Plateau des Hahnberges gelegenen Dörfchen _Ullersgrün_. Vor

unseren Blicken entrollt sich eine _wahrhaft köstliche Rundschau_. (Von

Ullersgrün abwärts kommt man in ½ St. nach Lichtenstadt.)

11. _Spitzbergel bei Pfaffengrün_ (1 St.) Wir gehen zum

Friedhofskirchlein (siehe 3), bei dem nahe liegenden Häuschen biegt

rechts der Weg ab, von da den steilen Berg hinan, geht man dann -- die

Hauptrichtung ist südlich -- durch den Wald und sieht aus der Ferne

das mit einem Kreuze gezierte _Spitzbergel_, wo sich eine _schöne_

Aussicht bietet. (_Schönwald_, _Permesgrün_, _Ober-_ und _Unterbrand_,

_Schlackenwerth_, _Lichtenstadt_, _Zettlitz_.)

12. _*Hauenstein_ (2 St.). _a_) _Gebirgstour._ Der Fussweg nach dem

»wundersam lieblichen Hauenstein«, einem der lohnendsten Ausflugsorte

der Umgebung, führt über den sog. _Galgenberg_ nach _Arletzgrün_,

_Honnersgrün_, _Holzbach_ über _Schönwald_ nach _Hauenstein_. _b_)

_Ueber Oberbrand_, _Weidmesgrün_, _Marletzgrün_, sog. untere Holzbacher

Mühle, _Schönwald_, _Hauenstein_.

Das Schloss gleichen Namens -- von den Burgen des Egerthales ganz

allein nur bis heute bewohnbar -- ruht höchst malerisch auf einem fast

senkrecht abfallenden Basaltfelsen, dem Hauensteiner _Schlossberg_,

welcher zwischen zwei Bächen, dem Gerinne und dem Zwiesebache, aus

dem Thale sich emporhebt. »Da liegt es«, sagt _Theodor Reinwald_

(_Therese v. Hansgirg_) so poetischschön, »in's Grün gebettet, auf

Skargen und Terrassen aufsteigend, waldumgürtet, buschumweht, aus

reicher Blättermasse traut herüberwinkend, ein anspruchloses _Schloss_

im alten Gebirgsstyl, mit Riegelwänden und hohen Giebeln, über denen

sich trotzig, mit wahrhaft feudaler Grösse der alte steinerne Rundthurm

erhebt, im Volksmund der »_Bürgermeister_« genannt. Er schaut so

kühn herunter, als gehöre er einer mittelalterlichen Veste an. --

Die modernen Wirthschaftsgebäude und Beamtenwohnungen ergänzen das

Gesammtbild.« Die ganze Umgebung des Schlosses, das in neuester Zeit

durch einen Neubau vergrössert wurde, hat die frühere Grundherrin,

_Gabriele Gräfin von Bouquoi_, mit herrlichen, parkartigen Anlagen

und bequemen Wegen verschönert und in der That zu »einem Eldorado

des Egerthales« umgeschaffen. Auf dem höher gelegenen Berge thront

im gothischen Style die _Kapelle_, die der berühmte Architekt und

Professor B. _Grueber_ gebaut und der heimische Bildhauer _Max_ mit

künstlicher Steinmetzarbeit ausgestattet hat. Hier entrollt sich

dem Naturfreunde ein bezauberndes Landschaftsbild. Zu der »_Koppe_«

des östlich vom Schlossberge aufsteigenden _Eichelberges_, dessen

Waldung über 50 Baumarten enthält, gelangt man auf sehr bequemen,

serpentinartig angelegten Pfaden in ½ Stunde. »Es ist geradezu

ein Tempel voll gigantischer Säulen, unter dessen hochgewölbtem

Dach man hinanstrebt.« Von der »Koppe« erschliesst sich ein

_überwältigendes, wahrhaft malerisches Panorama_. Am Fusse des Berges

weithin das lachende, fruchtbare, mit Ortschaften gezierte, von der

Eger durchschlängelte Thal, westlich das Fichtelgebirge, östlich

Komotau, nördlich Schönwald und der Keilberg, der gigantische König

des Erzgebirges; dazu winken vier alte Ritterburgen; links das

nahe _Hauenstein_, nordöstlich auf schroffen, zerklüfteten Felsen

_Himmelstein_, südlich das hochragende, sagenreiche _Engelhaus_ und

stromabwärts _Schönburg_. Rückwärts kehrt man über den »_Seeteich_«

oder die »steile Wand« in das »_Fremdenhaus_« zurück. Dasselbe ist

im Schweizerstyl erbaut, enthält eine Restauration und gewährt vom

Balkon des Sommersalons eine herrliche Aussicht. Empfehlenswerth ist

die schattige Promenade am »_Meierrang_«, wohin man auf wohlgepflegten

Wegen gelangt. Von Hauenstein aus wird ein Abstecher auf der Strasse

in südöstlicher Richtung, dann weiter nordöstlich längs der Bahn in

dem herrlichen Egerthale nach dem Orte »*Krondorf« mit dem bekannten

Sauerbrunn allen Touristen empfohlen. Die Landschaftsbilder sind

hier sehr mannigfaltig und von überraschender Schönheit. Die hier

liegende Eisenbahnstation Wickwitz-Welchau, sowie die Station Neudau

sind Absteigestationen für den Besuch von Giesshübel-Puchstein. Für

Hauenstein selbst ist Absteigestation Hauenstein-Warta, so dass diese

Partie in bequemer Weise von Schlackenwerth oder Klösterle mit der

Bahn zu machen ist. Dann können wir den Weg in bekannter Weise nach

Joachimsthal fortsetzen.

=Geschichtliches.= Die Burg _Hauenstein_ taucht urkundlich zuerst

zu König Johanns Zeiten auf, wo sie der Ritter _Nikolaus Winkler_

lehensweise besass, der sie an das Prämonstratenser-Nonnenkloster zu

Doxan verkaufte. Dieses vertauschte 1336 die Burg an König Johann,

der sie wieder verpfändete. Hauenstein, das rasch seine Besitzer aus

verschiedenen Geschlechtern wechselte, kam endlich 1528 an Heinrich

II. Schlick von Holicz, Grafen von Passaun, und blieb bei dessen

Nachkommenschaft bis 1664, in welchem Jahre Franz Ernst Schlick das Gut

an Heinrich Julius von Sachsen-Lauenburg verkaufte, der dasselbe mit

der Herrschaft Schlackenwerth vereinigte. Seitdem erfuhr Hauenstein

mit dieser alle Besitzveränderungen. 1811 wurden die Herrschaften von

einander getrennt. Hauenstein blieb Eigenthum der k. k. Kammer und

wurde nebst Kupferberg 1836 an die kunstsinnige Gräfin Gabriele von

Bouquoi, einer Wohlthäterin des Erzgebirges, verkauft, die es ihrem

Sohne, dem Grafen Georg von Bouquoi, vererbte.

13. _Zum *Keilberg._ Indem wir auf die Tour _Joachimsthal-Gottesgab_

verweisen, von wo der Keilberg am _bequemsten_ bestiegen werden kann,

halten wir es für unsere Pflicht, die Touristen auf zwei _kürzere_,

freilich etwas steiler führende _Waldwege_ aufmerksam zu machen.

1. Vom Forsthause _Hut_ (Siehe Joachimsthaler Spaziergänge 7) nach

der _Pfarrwiese_ unterhalb der _Reichen-Geschieb-Zeche_, über's

_Pfarrknöchel_ zum _Press_ und von da auf die sog. Sonnenwirbeler

Strasse. 2. Vom Pfarrknöchel zum ärarischen _Wassergraben_ bis zum

_Unruhstollen_, von da über die _Maderwiese_ zu den _Unruhhäusern_ und

weiter zum _Keilberg_. (Man nehme einen _Führer_.)

14. _Zum Spitzberg._ Haben wir denselben erstiegen, so breitet sich

ringsum ein _reiches_ Panorama aus. Man hat im Osten vor sich das

Riesenhaupt des Keilberges, der, von unserem Standpunkte betrachtet,

wegen seiner imposanten, keilförmigen Ausdehnung nach Südost so recht

seinen Namen rechtfertigt, weiter links den Fichtelberg in Sachsen

und zwischen den beiden Giganten des Erzgebirges ganz im Vordergrunde

»auf tiefverlass'ner stiller Bergeshaide« das Städtchen Gottesgab mit

seinem Territorium. Nach Norden hin sehen wir ausgedehnte, endlose

Waldungen, nach Nordwest die Gegend bei Johanngeorgenstadt, Eibenstock

und immer westlicher die deutlichen Conturen des Fichtelgebirges. Die

_schönste_ Aussicht aber bietet sich dem Beschauer nach Süden und

Südwesten; denn der Spitzberg beherrscht beinahe die Hälfte des Egerer

Kreises. Vor uns liegen der kahle Plessberg bei Abertham, die dürre

Haide bei Wölfling und andere Punkte der Erzgebirgswelt; das Duppauer-

und Tepler-Gebirge, sowie der Kaiserwald bilden den Hintergrund des

herrlichen Landschaftsgemäldes, aus dem ein Theil von Schlackenwerth,

die nächste Umgebung Lichtenstadt's, der Grossteich, der Karlsbader

Bahnhof, die Ruine Engelhaus, Giesshübel, Tüppelsgrün und in blauer

Ferne die Gegend bei Maria-Kulm bis in die nächste Umgegend von Eger

hervortreten; ausserdem gewahrt man die Umgebung von Einsiedl und

Marienbad.

Tour:

Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten-Breitenbach-Johanngeorgenstadt.

Wir gehen auf derselben Strasse, die wir auf unserer Reise nach

Gottesgab benützten (siehe Tour Joachimsthal-Gottesgab), bei der

Dekanalkirche durch das Oberthal, wo die Berge ziemlich nahe

zusammentreten, stets bergan und treten bald oberhalb des links im

Thale einsam stehenden _Nadelhäusel's_ bei den _Gneis-Steinbrüchen_

in den herrlichen Fichtenwald, der zu beiden Seiten der Strasse uns

begleitet. Dieselbe macht kurz darauf eine Biegung nach Westen,

und wir kommen dann zu jener Stelle, wo bei einer steinernen, die

Fahrwege markirenden Säule links von der Reichsstrasse die Strasse

nach Abertham abbiegt. Wir betreten letztere, die bei allmählicher

Steigung erst eine nordwestliche, nach einer abermaligen Biegung aber

eine südwestliche Richtung einschlägt und schreiten nach ¾stündiger

Wanderung an dem rechts von der Strasse am Fusse des Werlsberges

liegenden, zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen Orte _Werlsberg_

vorbei. Schattige Nadelwaldungen erquicken noch immer Auge und

Herz. Auf der Höhe angekommen, tritt zur Linken der Wald zurück und

öffnet uns die Aussicht auf die angrenzende Wiesenflur und den etwas

entfernteren Plessberg, während er zur Rechten längs der immer mehr

sich senkenden Strasse uns noch kurze Zeit das Geleite gibt, um uns

bei seinem Scheiden den freien Blick auf das grosse, krippenartig

zerstreute Dorf _Hengstererben_, das zur Gemeinde Abertham gehört, zu

gewähren. Wir überschreiten unterhalb Abertham's eine über die rothe

Wistritz führende Brücke und erblicken links den sog. _Modersgrund_,

ein Seitenthal, das von genanntem Wässerlein durcheilt wird und sich

in mehreren Krümmungen südlich gegen Salmthal zieht, wo es in das

Wistritzthal mündet. Noch einen steilen Abhang empor, und wir sind nach

1½stündiger Tour in _Abertham_, das uns schon von der Höhe aus durch

seine Lage erfreut hat. (Wir wollen hier besonders bemerken, dass von

Joachimsthal nach Abertham ein kürzerer, freilich etwas steiler, sonst

aber empfehlenswerther Fussweg führt. Man geht zur _Neustadt_ (siehe

Joachimsthaler Ausflüge 8), schlägt daselbst bei der Kapelle den Weg

rechts ein, der hinter den Häusern sich in eine Strasse verwandelt, die

längs den _Schweizerhalden_ über den Kamm nach der _Eliaszeche_ führt;

von dort leitet ein Weg nach Werlsberg, der in die von Joachimsthal

nach Abertham führende Strasse mündet.)

Abertham.

=Gasthöfe=: »_Hôtel zur Stadt Wien_« und »_Gasthaus zur Stadt

Berlin_«.

=Postamt.= _Bürgermeisteramt._

Abertham liegt an einem kleinen Bache, der Rothen Wistritz unweit am

Fusse des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Plessberges auf einem

rauhen Hochplateau, »auf welchem man an einem Abhange gleich einem

_Bethlehem_ des alten Bergstädtchens gewahr wird, dessen nette, aber

meist hölzerne Häuser krippenspielartig gelagert sind und mit dem dazu

gehörigen Orte _Hengstererben_ sich einigen.« Die Bevölkerung nährt

sich durch Viehzucht, Spitzenklöppelei und Handschuhfabrication. Auch

hier werden, wie in Bärringen, junge Gimpel aufgezogen und mit ihnen

passende Melodien eingeübt, was den Züchtern jährlich ein hübsches

Geldsümmchen einbringt.

=Sehenswürdigkeiten.= _Handschuhfabrik_ des Alois Chiba. Die St.

_Mauriz-Zinn-Zeche_ (bei Hengstererben). Abertham, das seine Entstehung

dem 1529 hier beginnenden Bergbau verdankte, gehörte zu Joachimsthal

und theilte mit dieser Stadt bis in's XVII. Jahrhundert Gutes und

Böses. Am ergiebigsten war die Silberausbeute in den Jahren von

1531--1558. Die St. Lorenz-Fundgrube soll bis 1562 allein für 209.992

Goldgulden Ausbeute an Silber geliefert haben.

=Besteigung des Plessberges.= Dieser Berg, der wegen seiner

_herrlichen_ Aussicht des Besuches werth ist, hat eine Höhe von 1025 m.

Er liegt südöstlich von Abertham und kann von einem rüstigen Fussgänger

in ¾ Stunden erreicht werden. Sein Plateau ist ziemlich eben, mit einer

_Triangulirungspyramide_ versehen und von drei Seiten zugänglich,

und zwar: von Seite des sog. _Mühlberges bei Abertham_ (dies ist der

_kürzeste_ Weg, doch _verweichlichten_ Touristen wegen vieler nassen

Wiesen nicht zu empfehlen), _durch den Modersgrund über Oberkaff_ (Kaff

liegt am Gehänge des Plessberges, gegen das Wistritzthal) (dies ist

der beste Weg) und über die sogenannte _weite Wiese_ (diese liegt in

joachimsthaler städt. Waldungen und befindet sich unweit Werlsberg ein

Hegerhaus.)

Wir erblicken gegen Norden und Nordwesten: Abertham mit Hengstererben,

die Kirchthürme und einige höher gelegene Häuser von Bärringen

und Platten. (Die Aussicht in weitere Ferne wird durch bewaldete

Berge gehemmt); gegen Nordosten und Osten bietet sich dem Auge ein

coupirtes, mit Waldungen bedecktes Terrain dar, aus dem einzelne

Häuser von Werlsberg, Werlsgrün und Mariasorg wunderschön hervorlugen;

der Spitzberg (rechts davon der Kirchthurm von Gottesgab) und der

Keilberg schliessen die weitere Aussicht ab. Die reichste und

lohnendste Fernsicht ist gegen Südost und Süden, denn in diesen

Richtungen erschliesst sich ein prachtvolles Landschaftsbild bis auf

5 Meilen Entfernung. Deutlich sichtbar ist: Kaff, Lindig, Ullersgrün,

Pfaffengrün, Schlackenwerth mit den umliegenden Dörfern (Liditzau,

Müritschau, Permesgrün, Neudau, Elm, Haid, Langgrün und Gfell),

weiterhin Karlsbad mit den Dörfern (Zettlitz, Dallwitz, Hohenhof),

dann die reichbewaldete Berglehne zwischen Karlsbad und Puchstein

(Giesshübler Sauerbrunn) mit der Ruine Engelhaus. Bei reinem Wetter

oder nach einem Gewitterregen kann man mit einem halbwegs bewaffneten

Auge die Fenster des Schlosses zu Giesshübel zählen und sieht in

weitester Ferne Gabhorn (bei Petschau) und eine Menge umliegender

Dörfer, darüber hinaus das Tepler Gebirge mit dem branischauer Berge

bei Theusing, dem prohomuter Berge, der wie eine Brille sieht, der

Stenzka zwischen Neumarkt und Tepel und dem Podhorn bei Marienbad,

ferner viele zerstreut liegende Ortschaften gegen Duppau. Die Fernsicht

gegen Prag zu hemmt der Oedschlossberg bei Duppau, die _höchste Kuppe

des Buchwaldes_, und der Gross(Heu)berg bei Jokes. Leider beschränkt

der Glasberg mit den wöflinger Waldungen die Aussicht gegen Westen und

Südwesten gänzlich, bei hellem Horizonte aber sind bewaldete Kuppen

bemerkbar, die wohl höher gelegene Berge bei Königsberg oder auch

Theile des Fichtelgebirges sein mögen.

Oberhalb der Stadt Abertham, der sich fast unmittelbar der Ort

_Ober-Fischbach_ anreiht, führt die Strasse auf dem öden, rauhen

Plateau zwischen Wiesen, Hutweiden und Mooslagern, senkt sich

dann, und wir gelangen in ½ Stunde nach _Bärringen_. (Siehe Tour

Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.)

Von Bärringen nimmt die Strasse bei mässiger Steigung eine nördliche

Richtung, wir durchschreiten bald einen Wald, an dessen Saume wir bei

der sog. Plattner Säule die Anhöhe erreichen. Von hier erblicken wir

die Stadt _Platten_, die wir bei allmählicher Senkung der Strasse nach

½stündiger Tour betreten. (Denjenigen Touristen, die Bärringen bereits

kennen, sei der von Abertham direct nach Platten zwischen Wiesen und

Feldern führende Fussweg der Kürze wegen besonders empfohlen; er

zweigt in Abertham rechts von der Strasse ab und mündet unterhalb der

Plattersäule wieder in die Strasse. Siehe Tour Neudek-Platten.)

Durch die Kaisergasse in Platten geht die Strasse westlich, wendet

sich bald mehr nordwestlich und führt in mehreren Windungen durch ein

schönes, anmuthendes Waldthal, das der Breitenbach durchfliesst, nach

dem Dorfe _Breitenbach_ (¾ St.). Auf dem Wege dahin sehen wir die sog.

_Heinrichssteinfelsen_, 3 Mühlen und 2 Holzschleifereien des Friedrich

Karl _Richter_ und _Weizmann_ (Hahns Gasthaus zur Sonne).

Seiten-Tour Joachimsthal-Spitzberg-Seifen-Irrgang-Zwittermühl-

Jungenhengst-Wittigsthal.

Man geht auf der Strasse nach Abertham bis zum Wegweiser, der uns die

_rechts_ zum _Spitzberge_ (1½ St.) und von da nach _Försterhäuser_ (¼

St.) und nach _Seifen_ (¼ St.) führende Strasse angibt. Letzterer Ort

liegt am Wassergraben (siehe Platten). Nun geht man entweder direct

nach _Zwittermühl_ (½ St.), das am Schwarzwasser liegt, oder betritt

die über _Irrgang_ (Eisenwerk) dorthin leitende Bezirksstrasse. Von

Zwittermühl führt die Strasse durch das *_reizende Schwarzwasserthal_

nach _Jungenhengst_, _Brettmühl_ und Wittigsthal (Sachsen).

Tour Joachimsthal-Gottesgab-Weipert.

Von Joachimsthal führt über Gottesgab nach Weipert eine gute Strasse.

(4 St.) Wir schlagen entweder die rechts bei der Dekanalkirche

vorüberleitende Strasse ein, oder gehen an der links davon befindlichen

Häuserreihe den Weg durch das Oberthal aufwärts, der sich bei den

letzten Häusern mit der Strasse vereinigt. Diese geht nur noch eine

kleine Strecke thalauf (der Fussgänger verfolge den Thalweg bis

zur Strasse weiter), erklimmt in zwei Windungen die Berglehne und

führt durch prächtige Waldungen auf den rauhen, moorreichen Kamm

des Gebirges; wir schneiden aber kurz nach Eintritt in den Wald

die vielfachen Krümmungen der Strasse ab, indem wir den rechts

abzweigenden, stark betretenen, aber etwas steil ansteigenden Fussweg

wählen, der auf dem Plateau am Ende des Waldes in die Strasse mündet,

die uns endlich nach einstündiger Tour nach Gottesgab bringt.

Gottesgab.

=Gasthöfe=: »_Zum grünen Haus_« und »_Zur Stadt Berlin_«.

(Beide an der Strasse, ersterer zur Linken, letzterer zur

Rechten).

=Postamt= (an der Strasse).

=Aemter=: _Bürgermeisteramt_ (am Marktplatze). _Zollamt._

Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Die kön. Bergstadt Gottesgab liegt auf einem überaus stiefmütterlich

ausgestatteten, unwirthbaren und frostig-rauhen Moor-Plateau hart an

der sächsischen Grenze, 1015 Meter ü. M., und ist die höchstgelegene

Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Auf dieser baumlosen,

öden Hochfläche, auf welcher nur ein dürftiger, doch sicherer Graswuchs

fortkommt, wird der Hafer selten reif, und der Kartoffelbau, der in

manchen Jahren ganz misslungen ist, lohnt kaum die Saat und Pflege;

daher beschränkt sich die Landwirthschaft fast ausnahmslos auf die

_Viehzucht_. Das Städtchen, welches sehr regelmässig angelegt ist und

einen grossen, quadratischen Marktplatz besitzt, zählt 1600 Einwohner,

die grösstentheils auf Hausindustrie angewiesen sind. Die weibliche

Bevölkerung beschäftigt sich hauptsächlich mit Spitzenklöppeln,

Weissnäherei u. dgl., auf die männliche aber, von der ein Theil

Weissstickerei betreibt, lässt sich Schiller's Wort: »Der Mann muss

hinaus in's feindliche Leben« im weitesten Sinne anwenden; sie zieht

hinaus in die Welt, um durch Musik und Handel das Brot zu verdienen.

»Fahrende« Musikkünstler aus Gottesgab sind in aller Herren Ländern

zu finden. Ursprünglich hiess das Städtchen _Wintersgrün_, erhielt

aber seiner reichlichen Silbererze wegen von frommen und dankbaren

Bergleuten den bedeutungsvollen Namen Gottes Gabe. Der Sage nach soll

dieser Namen von Johann Friedrich, Churfürsten von Sachsen, herrühren,

dem man bei einem Besuche einen aus einer Silberstufe ausgehauenen

Sessel zum Niedersetzen vorgesetzt habe. Der fromme Churfürst habe

aber dieses Anerbieten mit den Worten abgewiesen: »Das sei Gottes

Gabe, und so soll die Stadt hinfüro genannt werden.« _Sehenswerth_

sind: »_Die Klöppelschule_«, gegründet von dem thatkräftigen

»Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhm. Erz-

und Riesengebirgsbewohner«, und _zwei Maschinenstickerei-Fabriken_ des

_Karl Günther_ und _Günther und Schönfelder_. Seine Entstehung verdankt

Gottesgab dem Silberbergbau; ein Herr von Tetau soll es im Anfange des

XVI. Jahrhunderts angelegt haben. Im Jahre 1532 begann der Bergbau auf

Silber. Der Churfürst Johann Friedrich von Sachsen gab der Stadt 1534

eine Bergfreiheit und 1546 das Privilegium als eine freie Bergstadt.

Kraft eines im Jahre 1556 mit Moriz von Sachsen abgeschlossenen

Vertrages kam Gottesgab an Böhmen.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 13 / 27 段