Herrschaft Schwarzenberg, welche aber König Georg von Poděbrad, als
seine Tochter sich 1459 mit dem Herzog Albrecht von Sachsen vermählte,
diesem als Mitgift gab. Herzog Albrecht verkaufte die Herrschaft an die
Herren von Tessau, und von dieser Familie ging sie 1532 kaufweise an
den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen über. Ohne Zweifel wurde
schon vor genanntem Jahre in dieser Gegend an mehreren Puncten, wie
bei den jetzigen Ortschaften Irrgang, Zwittermühl, Breitenbach u. a.,
Bergbau auf Eisen und Zinn getrieben. Als 1532 auf dem Plattenberge
»höfliche« (hoffnungsreiche) Zinngruben aufgefunden wurden, kamen
immer mehr Bergleute aus der Umgegend, namentlich von Schneeberg,
herbei, liessen sich hier nieder und gründeten Platten. Gleichzeitig
fand die Gründung von Gottesgab statt. Der Bergbau machte in Platten
bedeutende Fortschritte, viele neue Zechen wurden aufgenommen und
auch einige Silbergänge erschürft: deshalb erliess der Kurfürst eine
gedruckte Bergordnung und räumte der Bevölkerung die Befugnisse des
Backens, Bierbräuens etc. ein. Im Jahre 1544 besass Platten bereits 8
Schmelzhütten und mehrere Eisengruben. Im schmalkaldischen Kriege hatte
die churfürstliche Bergstadt, überhaupt die ganze Gegend bis an das
Egerthal herab, viele Bedrängnisse zu erdulden. Christof von Gendorf
zog im October 1546 mit zwei Fähnlein gegen Platten und erschreckte mit
fünf grossen Stückbüchsen die dort befindliche sächsische Mannschaft
so, dass sie die Flucht ergriff und die Stadt von kaiserlichen Truppen
besetzt wurde. Aber im April 1547 kam die Stadt wieder in den Besitz
des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. Derselbe wurde bekanntlich
vom Kaiser Karl V. in die Reichsacht erklärt und verlor sein Land,
welches sein Vetter Moriz, der sich mit dem Kaiser verbunden hatte,
erhielt. Am 14. October 1546 schloss König Ferdinand von Böhmen mit dem
Herzog Moriz von Sachsen einen Vertrag ab, kraft dessen die südliche
Hälfte der Herrschaft Schwarzenberg mit Platten und Gottesgab sammt
den Wäldern an Böhmen mit der Bedingung abgetreten wurde, dass dem
Herzog die freie Jagd und der Genuss des Bergwerks-Zehnten blieb. Ein
zweiter, im Jahre 1556 zu Schneeberg abgeschlossener Vertrag änderte
erwähnten Vorbehalt dahin ab, dass der Zehnte zur Hälfte getheilt, aber
auch der Gehalt der Beamten von jedem Theile zur Hälfte gezahlt werden
sollte. Im Laufe der Zeit erhielt die Stadt von den Kaisern Ferdinand
I., Maximilian II., Rudolf II., Mathias und Ferdinand III. mehrere
Privilegien, hauptsächlich zur Förderung des Bergbaues. So verlieh K.
Ferdinand I. am 30. Juli 1555 der Stadt neue Bergfreiheiten, gestattete
den Einwohnern, aus abgetriebenen Waldstrecken Felder anzulegen, und
ein Stadtwappen zu führen, das ausser dem österreichischen Schild
und dem halben böhmischen Löwen eine Seifengabel und eine Keilhaue
darstellte.
Die bis 1617 gemachten neuen Anstrengungen, den Bergbau zu heben,
wurden durch den dreissigjährigen Krieg, der seine blutigen Wellen
auch über die Bergrücken des Erzgebirges wälzte, unterbrochen. Und als
1653 diejenigen protestantischen Bewohner Platten's, welche nicht zum
katholischen Glauben übertreten wollten, nach Sachsen auswanderten
und auf dem Fastenberge die Stadt Johanngeorgenstadt gründeten, ging
der Bergbau dem gänzlichen Verfalle entgegen. Nur 1739 trat eine neue
günstige Epoche ein. Der Grenzzoll-Einnehmer Hessler machte in diesem
Jahre auf der Zinngrube St. Conrad einen überaus glücklichen Anbruch.
Sie lieferte 1740 eine Ausbeute im Werthe von 200.000 fl., die sich
später auf das Vierfache erhöhte. Ebenso glücklich war Hessler mit zwei
Silberzechen, dem Gottholds-Stollen und am Rosenhof. Dieser reiche
Bergsegen bildete leider nur eine Ausnahme.
Spaziergänge und Ausflüge.
1. _Zum *Plattenberg, nach Auerhahnl_ (Irrgang). Eine gute Strasse
führt in nordöstlicher Richtung über den _Plattenberg_ (1038 m), von
dem man eine schöne Aussicht über Platten und Bärringen hat. Bei der
auf der Höhe steigenden Säule zweigt sich links ein Waldweg ab, auf dem
man zu einer Triangulirungspyramide kommt, von der man eine _reizende
Aussicht_ über einen Theil von Sachsen und Böhmen geniesst.
Zur Säule zurückkehrend, kommen wir auf schöner Strasse in stiller
Waldeinsamkeit nach _Irrgang_, wo dem Spaziergänger das kleine, aber
durch seine reinlichen Gastleute bekannte sog. _Auerhahnl_ zu einem
frischen Trunk und stärkenden Imbiss einladet. Links von diesem
Gasthause sehen wir ein _Eisenwerk_ (Hilfgotteseisenzeche). Rechts
unterhalb dieses Eisenwerkes liegt das sog. _Schneebergl_, ein mit
Jungholz bewaldeter Scheitel, wo sich mehrere Verritzungen, von altem
Bergbau herrührend, finden, in deren Tiefe immerwährender Schnee
sichtbar ist.
2. _Zur Wolfs- und Eispinge._ Bei der Kolb und Kerl'schen Löffelfabrik
theilt sich der Fussweg. In nördlicher Richtung führt er bei dem aus
den Zeiten des Bergbaues herrührenden _Pulverthurme_ und der ehemaligen
Papiermühle vorbei. In dem niederen Fichtenstande, in den der Weg
eintritt, theilt er sich von neuem. Wir halten uns rechts und kommen
zu der vom Steige rechts sich befindlichen _Wolfspinge_. Dieselbe ist
ein alter Tagbau, der nun als riesiges Felsennest von der primitiven
Abbauung der Erze vor dreihundert Jahren Zeugniss gibt; die Annalen
erzählen, dass man darin centnerschwere Zinngraupen gefunden hat.
Etwas nördlicher kommen wir, das Augenmerk ängstlich auf unsere Füsse
richtend, zur sog. _Eispinge_. Risse und Spalten in die Erde, die der
Fuss zu überschreiten vermag, und die mit Gestrüpp überwachsen sind,
verhindern den Zutritt des Sonnenlichtes in die gähnende Schlucht, in
welcher ewiges Eis in mächtigen Stalagmiten, die Wände emporstrebend,
sich befindet. Bemerkt sei, dass es auf dem Plattenberg ausser den
beiden genannten Zeugen alten Bergbaues noch andere offene Stollen und
Höhlen gibt (bei Irrgang die Schneepinge).
3. _Nach *Ziegenschacht_ (1 St.). Von der oben genannten Löffelfabrik
betreten wir links den Wiesensteig. Zur Rechten und Linken breiten
sich im schönsten Farbenschmucke prangende Wiesen aus. Wir gehen gegen
Norden und kommen nach kurzer Strecke in eine Fichtenjugend, in welcher
zwei Waldwege führen, die sich aber wieder vereinigen. Hat man die
abgeholzte Richtung erreicht, so hält man sich links. Der Weg führt
wieder in einen Fichtenbestand hinein, aus dem er erst in Ziegenschacht
heraustritt. Die schöne Waldeinsamkeit, der duftige Harzgeruch und
brennende Meiler machen diesen Spaziergang zu dem angenehmsten in
Plattens Umgebung. Gasthaus im Ziegenschacht.
Tour Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.
Die vom Bahnhofe aus nach Schlackenwerth führende Aerarialstrasse
verfolgend, betreten wir die auf der sog. _Weheditzer-Zettlitzer_
Höhe links sich abzweigende und durch den Ort _Ottowitz_ führende
Bezirksstrasse, die sich zwischen gutbebauten und ergiebigen Fluren
dahinzieht, deren Inneres auch reiche Kohlenlager birgt. Man geniesst
eine _hübsche Aussicht_ nach Zettlitz, Altrohlau. An der sog.
_Widitzmühle_, dem _Widitzhofe_ und einigen Häusern der Gemeinde
_Halmgrün_ vorbei leitet die Strasse durch einen grossherzoglich
Toskanischen Fichten- und Föhrenwald und bringt uns nach 1¾stündiger
Tour in das Dorf _Grossenteich_ (liegt 1 St. sw. von Schlackenwerth)
mit dem nördlich am Dorfe gelegenen, einem kleinen See gleichenden
_Grossteich_ von 110⅓ J. Area. Hier bietet sich ein _schöne Rundsicht_;
man erblickt westlich die Dörfer Ruppelsgrün und Edersgrün, gegen
Norden und Nordwesten das Erzgebirge mit dem Wölfling, gegen Osten und
Süden das Duppauer Gebirge. Wir wandern auf der Strasse noch ¼ Stunde
weiter und erreichen _Lichtenstadt_, wo sich uns gleichfalls eine _gute
Rundsicht_ erschliesst.
Lichtenstadt.
=Gasthöfe=: _Zum Rathhaus. Zur Sonne._
=Postamt.= Bürgermeisteramt (im städt. Rathhaus).
=Sehenswürdigkeiten=: _Eisengiesserei-Fabrik_ des _Heinrich Reichel_ (5
Minuten oberhalb der Stadt). Lichtenstadt gehörte i. J. 1217 dem Wladik
Hroznada, welcher es dem von ihm gegründeten Stifte Tepl vermachte.
Diese Schenkung bestätigte Karl IV. am 3. Mai 1350 und ertheilte
zugleich die Erlaubniss, in dem an Lichtenstadt anliegenden Walde oder
auf anderen, dem Stifte gehörigen Gütern Mühlen und Eisenbergwerke
anzulegen. Die Geistlichen zogen fleissige deutsche Ansiedler in die
Gegend, welche in den öden Waldstrecken viele Ortschaften anlegten. Zur
Zeit des Husitenkrieges kam das Gut an die königl. Kammer, bis Kaiser
Sigmund 1437 es nebst anderen Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick
zum Geschenk machte. In älterer Zeit wurde hier Bergbau auf Silber
und Zinn betrieben, der aber im Husitenkrieg einging. Unter Kaiser
Ferdinand I. erblühte der Bergbau von neuem, allein der 30jährige
Krieg vernichtete ihn. In den Jahren 1770 und 1785 stellte man neue
Bergbauversuche an, erzielte aber keine Erfolge.
=Besteigung des *Wölfling.= In der unmittelbaren Nähe von der
Reichel'schen Fabrik erhebt sich rechts der sog. _Hohenberg_, an dessen
Fusse der israelitische Friedhof gelegen ist; links »der ausgedehnte
und hohe _Glasberg_, welcher mit seinen Abhängen bis an den Fuss des
Gebirges (Erzgebirges) abdacht und sich als ausgebreitetes Gebirgsjoch
von seiner sich steil erhebenden ansehnlichen Kuppe in nordwestlicher
Richtung bis auf den Hauptkamm des Gebirges hinzieht. Der höchste Punct
dieses Gebirgsjoches ist der _Trausnitzberg_, westlich von Salmthal.
Durch die südlichen ausgedehnten Gipfel des Glasberges wird diese
weiter nordwestlich liegende Kuppe, sowie der höhere Hauptkamm des
Gebirges, verdeckt.« Einer der südlichen Gipfel heisst _*Wölfling_
und gewährt wegen seiner frei vorspringenden Lage eine _umfassende,
prachtvolle Aussicht_, wie sie nur _wenige_ Puncte des Erzgebirges
gewähren. Fast ausnahmslos in den bezüglichen Reise-Führern ignorirt,
lässt sich auf dem Wölfling nur hie und da ein Tourist sehen. Wir
können die Besteigung dieses Berges, obgleich die dahin führenden
Wege manches zu wünschen übrig lassen, allen Erzgebirgstouristen
auf das _wärmste_ empfehlen. Wir besteigen in einer Stunde den
Wölfling von Lichtenstadt aus, passiren den sog. »Kirchsteig«, der
beim lichtenstädter Schiesshause seinen Anfang nimmt und durch die
Waldung oberhalb des Dorfes _Edersgrün_ führt. (Mit _Wagen_ kommt
man auf der Bezirksstrasse über _Merkelsgrün_, _Salmthal_ in 1¼
St. nach _Bärringen_, von wo südlich der gewöhnliche Weg, das sog.
»Bärringer Strass'l« durch die grossherzogliche Waldung in 1 Stunde
nach Wölfling führt, oder man fährt auf der vor der Reichel'schen
Fabrik abzweigenden, über Edersgrün, Tüppelsgrün bis Neudek leitenden
Bezirksstrasse bloss bis _Tüppelsgrün_, von wo sich in nordwestlicher
Richtung ein Waldweg nach _Kammersgrün_ schlängelt; der nicht gar
gute Verbindungsweg zieht sich in einer sanften Anhöhe nach Wölfling
und kann ebenfalls in 1 Stunde zurückgelegt werden. Ist man am Gipfel
des Berges angekommen, so sieht man das _Forsthaus_ und noch ein
einzelnes Haus. Beide bilden das »_Vorder-Wölfling_«. Von da bietet
sich dem Beschauer ein _wahrhaft entzückender und seltener Anblick_
von einem bunten Gemische von Waldungen, Feldern, Wiesen und Teichen,
Städten und Dörfern, Bergen und Thälern, dass demselben, überwältigt
von dem herrlichen, farbenprächtigen Bilde, unwillkürlich ein »Ach«
entfällt. Lässt man das Auge gegen den Fuss des Berges schweifen, so
erblickt man südlich und südwestlich an dem Abhange kleine Vorberge
und Thäler, welche reizend aussehen; namentlich nimmt sich das Dorf
_Tüppelsgrün_, am Tüppelsgrüner Bache gelegen, sehr schön aus.
Verfolgt man die Ebene südöstlich, so sieht man viele Ortschaften,
darunter Schlackenwerth, die Gegend von Buchau, Giesshübl, die Ruine
Engelhaus; südlich die Gebirgskette von Tepl, die Stadt Karlsbad
mit ihren Ausflugsorten, z. B. Bahnhof, Waldschloss, Dreikreuzberg,
Hirschensprung und Antonienshöhe, ferner Donitz, Fischern, Dallwitz,
Aich, Altrohlau, Zettlitz u. a., den Grossteich und mehrere kleinere,
zu Tüppelsgrün gehörige Teiche (Wiesenteich, Haideteich); südwestlich
Neurohlau mit seinem grossen Teich, Chodau mit mehreren umliegenden
Ortschaften, Elbogen, Altsattel, Neusattel, Falkenau und Umgebung,
Maria-Kulm, die Gegend von Eger und Franzensbad. Ueberdies wird die
lachende, herrliche Landschaft -- das Egerthal -- von dem Silberbande
der Eger durchzogen. Einen unvergleichlich schönen, köstlichen Anblick
geniesst man hier kurz vor Sonnenuntergang durch das Blitzen der
vielen Teichspiegel, das Brennen der Fabriks-Essen von Dallwitz,
Aich, Fischern, Altrohlau und Chodau. Von Wölfling gelangt man in
nordwestlicher Richtung zu dem sog. »_Hohen Hau_« (zu Kammersgrün
gehörig), woselbst ein _Gloriett_ errichtet ist zur besseren Aussicht
auf das Egerland. -- Die Strasse, welche sich nördlich am rechten Ufer
des forellenreichen Wistritzbaches zwischen Wiesen im reizend schönen,
romantischen Wistritzthale dahinzieht, führt nach ½stündiger Wanderung
durch das Dorf _Merkelsgrün_, welches am Wistritzbache gelegen, rechts
von Feldern, links von Wiesen umgeben ist. Beim Wirthshause führt
rechts von der Bezirksstrasse eine Strasse zur _Porzellanfabrik_. Wir
schreiten auf der nun am linken Ufer des Wistritzbaches führenden
Strasse entlang weiter und gelangen nach dem an Merkelsgrün
unmittelbar sich anschliessenden Orte _Salmthal_, das 1 Stunde nw.
von Lichtenstadt an den Thalgehängen des Glasberges und Plessberges
liegt. (_Holzschleifereien_ des Wilhelm _Schreiter_, Heinrich _Kluge
u. Comp._ und Johann _Geutner_.) (Erwähnenswerth ist, dass hier hinter
dem Gasthause »zum grünen Thal« durch ein enges Seitenthal, den
sog. Modersgrund, ein guter Waldweg nach _Abertham_ führt.) Weiter
thalaufwärts steigend, kommen wir nach ½ Stunde in _Bärringen_ an.
Bärringen.
=Gasthöfe=: _Rathhaus_ und _Stadt Leipzig_.
=Post- u. Telegrafenamt.= Bürgermeisteramt.
Die Bergstadt Bärringen mit 2360 Einwohnern liegt hoch im Gebirge an
der Schwarzen Wistritz. Die Haupterwerbsquellen sind Rindviehzucht,
Stickerei und Spitzenklöppelei. Erwähnenswerth ist wohl hier die
_Gimpelzucht_, die den Züchtern jährlich einige hundert Gulden abwirft.
Die jungen Gimpel werden nämlich aus dem Neste genommen, zu Hause
erzogen und gelehrt, indem man ihnen das einzuübende Liedchen bloss mit
dem Munde rein und immer gleichmässig vorpfeift. In jüngster Zeit wurde
hier durch Vermittelung des Herrn Ritters von Dotzauer auch die Harzer
Kanarienvogelzucht eingeführt.
=Sehenswürdigkeiten=: _Die grossen Stickerei-Etablissements_ von _A.
Meinls Erben_, _Gebrüder Pfob_ und _J. T. Poppenberger_.
Das Städtchen verdankt seinen Ursprung dem Bergbau, welcher hier 1532
begann. Der Sage nach soll ein Bär durch Scharren seines Lagers in der
Gegend des sogenannten Schwarzen Teiches das Erz entblösst haben, und
so die Lagerstätte von Zinnerz erschürft worden sein; darauf soll auch
das Wappen des Städtchens deuten, welches einen Bären vorstellt, der
einen Ring in der Pfote hält. In der grössten Blüthe war der Bergbau,
der schon längst erloschen ist, unter der Regierung Kaiser Ferdinands
I., denn nicht weniger als 72 Pochwerke waren damals hier in Betrieb.
Im Jahre 1559 wurde Bärringen zur Stadt erhoben.
Tour: Karlsbad-Schlackenwerth-Joachimsthal.
Von Karlsbad gelangen wir, wenn wir die Tour auf der schönen
Reichsstrasse machen, in 2 Stunden (zu Wagen in 1 Stunde) nach
Schlackenwerth, oder wir fahren zu dieser Stadt pr. Buschtěhrader Bahn
in ½ Stunde.
Wir wählen die Fusstour. Unterhalb des Karlsbader Bahnhofes, wo sich
die nach Schlackenwerth führende Strasse rechts zweigt, erblicken
wir sogleich zur Linken das Dorf _Zettlitz_, zur Rechten _Karlsbad_,
_Drahowitz_, den _Egerfluss_, _Weheditz_. Die Strasse führt durch
Felder; wir schreiten bei einer grossartigen _Dampfziegelei_ vorüber
und erreichen die sog. _Weheditzer-Zettlitzer_ Höhe, wo wir eine
_schöne Aussicht_ geniessen (Siehe Tour Karlsbad-Lichtenstadt). (Auf
dieser Höhe zweigt linksab die Strasse nach Lichtenstadt, etwas weiter
entfernt rechtsab die Strasse nach Dallwitz.) Die in nordöstlicher
Richtung dahinziehende Strasse weiter verfolgend, gelangen wir
unterhalb _Sodau_ zu einem Theil dieses Dorfes mit 2 Gasthäusern,
nähern uns dann dem rechts liegenden Dorfe _Lessau_, wandern links
an dem Orte _Fuchsloch_ (½ St. sw. von Schlackenwerth) und dem
Dorfe _Grasengrün_ (Teiche; der _Peinteich_ zwischen Grasengrün und
Hauptstrasse) vorbei und kommen endlich nach _Schlackenwerth_. Links
von der Strasse sehen wir den _Friedhof_ und den grossherzoglich
toskanischen _Park_, rechts das _Actienbräuhaus_.
Schlackenwerth.
=Gasthöfe=: _Zum Renthaus_, am Marktplatze, _Schwarzer Adler_.
=Post- und Telegrafenamt= im erstgenannten Gebäude.
=Postverbindung= nach dem Bahnhofe »Schlackenwerth«.
" " Joachimsthal täglich 3mal.
=Aemter=: _Bürgermeisteramt_. _Spar-_ und _Vorschusskassa_.
Beschreibung und Geschichte der Stadt.
Schlackenwerth, der Hauptort der gleichnamigen, dem Grossherzog von
Toskana gehörigen Herrschaft, liegt am Fusse des Erzgebirges an der
Wistritz und an der Buschtiehrader Bahn in einer schönen und reizenden
Ebene, welche nördlich von den gewaltigen, waldbekrönten Bergketten
des Erzgebirges, westlich von dessen milderen Ausläufern, südlich von
den Karlsbader Hügelketten und östlich von dem kegelartig gestalteten
Egergebirge eingeschlossen wird. Dieser sehr fruchtbare, an Aeckern
und Wiesen reiche Basalt-Kessel wird vom Wistritz- und Weseritz-Bache
durchfurcht. Ersterer nimmt, bevor er Schlackenwerth erreicht,
den Weseritzbach auf. Die Stadt zählt 2000 Einwohner, welche sich
hauptsächlich mit der Landwirthschaft beschäftigen.
=Sehenswürdigkeiten.= _Das grossherzoglich Toskanische Schloss_, in
einfachem Renaissancestyl erbaut, ist in jüngster Zeit durch zwei
Seitenflügel und einen rückwärtigen Trakt vergrössert worden. Dasselbe
besitzt einen _grossartigen Rococo-Park_ mit hundertjährigen Eschen
und Linden, stattlichen Erlen, Ahornen, Weiden, Cirpisbäumen und
hohen Tannen, sowie mit anmuthig angelegten Spaziergängen. Mitten im
Parke, der in den Sommermonaten von Karlsbader Curgästen und Touristen
sehr häufig besucht wird, steht das im Rococostyle erbaute herrliche
_Gartenhaus_, ein octogones, barockes Gebäude mit _Restauration_.
(Geschichtliches siehe bei der Geschichte der Stadt.)
_Die Pfarrkirche_, im gothischen Styl erbaut und neu renovirt, hat
ausser dem imposanten Hauptaltar noch 6 Seitenaltäre. Das Altarbild des
ersteren stellt die Grabbestattung Jesu vor und ist ein Meisterwerk des
berühmten böhmischen Malers _Karl Skreta_. _Das Piaristen-Collegium_
mit einem durch den letzten Gymnasialdirector P. Ernst _Miebes_, einen
geborenen Schlackenwerther, _trefflich angelegten, reichhaltigen
Lehrmittel-Cabinet_, mit einer werthvollen _Bibliothek_, im grossen,
schönen Archivsaale, an dessen Wänden nebst den Ahnenbildern der
_Lauenburger_ auch die Bildnisse der kaiserlichen Hoheiten _Leopold_
II. und _Maria Antonia_ in Lebensgrösse prangen. Für den Archäologen
und Bibliographen ein Unicum: Der _Manuskript-Pergamentcodex vom Jahre
1353_, welcher die Legende der hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, und
vier Homilien des hl. Bernhard enthält.
=Geschichtliches.= Das Piaristen-Collegium wurde von _Anna Magdalena
Popelia_, der Gemahlin des Herzogs Julius Heinrich von Lauenburg,
1666 gestiftet; das Gymnasium, 1780 in eine Normalhauptschule
verwandelt, wurde 1804 abermals eröffnet und bestand bis zum Jahre
1820, in welchem die beiden Humanitätsklassen aufgehoben wurden,
so dass nur die 4 Grammatikalklassen blieben, die aber 1852 sammt
der Hauptschule geschlossen wurden. Durch die wahrhaft fürstliche
Munificenz der durchlauchtigsten Frau _Grossherzogin Maria Antonia_
und des edlen _Grossherzogs Leopold_ II. konnte am 1. Okt. 1863 das
Piaristen-Untergymnasium wieder eröffnet werden, das aber leider
mit dem Schuljahre aufhörte. -- In der Piaristenkirche, welche
1674 eingeweiht worden ist, befindet sich auf dem Hochaltare die
_Muttergottesstatue Maria-Treu_, wohin nicht nur Schlackenwerther,
sondern auch Katholiken aus der ganzen Umgegend ihre Zuflucht nehmen.
_Porzellanfabrik von Pfeiffer und Löwenstein._ (Rechts von der Strasse
zum Bahnhofe.) -- _Actienbräuhaus._ (Links an der Karlsbader Strasse.)