_Nach *Engelhaus, dem Schloss Giesshübel und dem Schömnitzstein._

Auf der schönen Prager Strasse kommt man in zwei Stunden nach den

imposanten Ruinen _Engelhaus_ mit dem Marktflecken gleichen Namens. Die

Trümmer dieser Burg, die man von den höheren Aussichtspunkten Karlsbads

und des Erzgebirges erblickt, thronen auf einem kegelförmigen,

aus Klingstein bestehenden 78 Klafter hohen Felsen, der aus dem

umliegenden Plateau steil sich emporhebt. Mittelst einer hölzernen

Leitertreppe erreichen wir den alten Fahrweg, der rechts zum _ersten_,

noch erhaltenen Burgthore, und von da gerade aus zum _zweiten_ Thore

führt. Südlich vom ersten Thor schliessen sich die halbrunde Bastion

und starke Ringmauern mit Schiessscharten an. Der ehemalige Zwinger,

der sich bis zum zweiten thurmartigen Thore zog, ist jetzt offen und

mit Rasen bewachsen. Dieses selbst war ein viereckiges Gebäude, zwei

Stockwerke enthaltend, mit regelmässigen Fensteröffnungen und hat dem

Zahne der Zeit ziemlich Widerstand geleistet. Der Burghof ist uneben

und wird links von einer Ringmauer umgeben, an die sich östlich ein

zwei Stockwerke hohes unförmliches Gebäude, die ehemalige Wohnung

des Burgherrn, anschliesst. In seinem Innern sieht man noch Reste

von Mauern und verfallene Keller. An der Südseite des Berges steht

isolirt ein viereckiges, einstöckiges Gebäude mit unregelmässigen

Fensterreihen, das vom Grafen Hermann Černin nach der Zertrümmerung

der Burg im 17. Jahrhunderte erbaut worden ist. Aus den Fenstern

dieses Gebäudes hat man eine _weite, wunderschöne Rundsicht_. Westlich

schweift das spähende Auge in die Gegend von Falkenau, Elbogen,

Schlaggenwald bis gegen Graslitz und das Egerland, nördlich auf das

erzgebirgische Hochplateau mit seinen dichtbewaldeten Häuptern und

wildromantischen Schluchten; durch das Egerthal den Blick gegen

Klösterle werfend, sehen wir die Ruine Himmelstein.

_Geschichtliches._ Die Burg Engelhaus, welche zur Herrschaft

Giesshübel gehört, wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des

XIII. Jahrhunderts von einem der Herren von Riesenburg erbaut, die ja

die Orte Schlaggenwald, Schönfeld und Schlackenwerth gründeten und

Petschau, Hartenstein, Buchau, Luditz und Ossegg besassen. Urkundlich

erscheint 1326 Boršo von Riesenburg als Herr auf Engelsburg, 1434

verpfändete Kaiser Sigmund das Schloss Engelhaus nebst anderen

Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick, der es bald den Herren von

Plauen verkaufte. Im Jahre 1468 wurde Schloss Engelhaus von König

Georg von Poděbrad belagert, erobert und zerstört, doch später durch

die Herren von Plauen wieder aufgebaut. Der letzte dieses Geschlechtes

war Heinrich von Plauen, nach dessen Tode Engelhaus an den Grafen

Christof von Schlick kam. Als dessen Tochter Anna Karoline sich mit

dem Freiherrn Kaspar Colonna von Fels vermählte, ging das Schloss 1575

in den Besitz dieses Geschlechtes über. Leonhard Colonna, Freiherr

von Fels, betheiligte sich als Protestant an dem böhmischen Aufstand,

seine Güter wurden 1621 eingezogen und Engelhaus mit Giesshübel an den

Feldmarschall Hermann, Freiherrn (später Grafen) Černin von Chudenitz,

verkauft. Im 30jährigen Kriege wurde das Schloss Engelhaus 1635 von den

Schweden zerstört. Graf Hermann Černin liess zwar um die Hälfte des 17.

Jahrhunderts wieder ein neues Gebäude mit einem Tanzsaale aufführen,

doch brannte es im J. 1718 mit dem Marktflecken ab. Nach 1639 wurde als

Hauptort der Herrschaft immer nur Giesshübel genannt. Diese kam später

(1829) an die Ritter von Neuberg und neuestens an den Grafen Hermann

von Černin.

Kurz vor Engelhaus lenkt von der Prager Strasse links ein Fussweg ab,

den wir verfolgen; er führt uns zu dem _Schömnitzstein_, der aber ¼

Stunde jenseits von der Fahrstrasse liegt. Von dieser steilen, aus

Porphyrschiefer bestehenden Felswand geniesst man eine _wahrhaft

entzückende Aussicht_ in's Egerthal und auf das Erzgebirge.

_Zum Curort Giesshübel-Puchstein_ (Giesshübler Sauerbrunn), _König

Ottos Quelle_ genannt. Dahin verkehren _täglich Omnibusse_ (_Abf._

v. Karlsbad vom Becherplatz 11 Uhr Vorm. und 1½ Uhr Nachm. _Rückf._

gegen Abend). Die Strasse führt durch die Dörfer: Drahwitz,

Satteles, Schömnitz und Eichenhof und bietet schöne Waldpartien. Das

_Curhaus_ liegt anmuthig im Egerthale und ist von schönbewaldeten

Berghängen eingeschlossen, durch die sich nach den verschiedensten

Richtungen Spaziergänge mit herrlichen Aussichtspunkten ziehen.

Die »_Otto-Quelle_«, im Jahre 1862 zu Ehren des Königs Otto von

Griechenland so benannt, quillt circa 20 Klafter hoch am Rücken

des Berges aus dem Granitfels hervor und ist von _Parkanlagen_,

zwischen denen sich das _Badehaus_ befindet, umgeben. Nach Dr.

Eduard Hlawaček besitzt der Sauerbrunn einen sehr angenehmen,

prickelnd säuerlichen Geschmack und gehört zu den alkalisch-erdigen

Säuerlingen. Er besitzt viel Kohlensäure, übrigens nur wenig

mineralische Bestandtheile und dient theils zu _diätetischem Zwecke_

als vortreffliches, erfrischendes Getränk, und zwar mit oder ohne

Zusatz von Zucker, etwas Himbeersaft oder von etwas weissem Wein und

Zucker, wodurch man ein äusserst angenehmes, moussirendes Getränk

erhält; -- theils zu _medicinischem Zwecke_; als reizminderndes, den

Aufsaugungsprocess belebendes, die Blutbereitung gelind verbesserndes

Mittel, bei chronischen, reizlosen Brustleiden u. dgl. Unter dem Namen

»Giesshübler« wird er jährlich in einer Anzahl von über drei Millionen

Flaschen in die verschiedensten Länder der Welt versendet.[2]

[2] Siehe die ausgezeichnete medicinische Monographie über

den Sauerbrunn von Med. Dr. Freiherr Josef von _Löschner_

(Preis --.50 kr.) und »Album der König Otto-Quelle«.

Sein rasches Aufblühen verdankt der herrlich gelegene Curort seinem

gegenwärtigen Besitzer, dem kais. Rath _Heinrich Mattoni_, der ihn zu

einem Bade- und Molkencurort umgestaltet hat. Giesshübl-Puchstein ist

mit vollstem Rechte ein sehr beliebter, fesselnder Anziehungspunct für

Karlsbader Curgäste und Touristen.

Von genanntem Curorte kann man in sieben Viertelstunden eine

genussreiche Fusspartie zur Station _Welchau-Wickwitz_ machen. Der

Weg leitet fast immer im Walde der Eger entlang an stattlichen

Felsengruppen vorbei und berührt _Rodisfort_ und _Welchau_.

Touren:

Karlsbad-Neudek.

Von Karlsbad führt die Kaiserstrasse über Fischern, Voigtsgrün, Neudek,

Neuhammer, Hirschenstand nach Eibenstock in Sachsen und bildet einen

Pass über das Erzgebirge. Wir machen unsere Tour bloss bis Neudek (3½

Stunden). Die weltberühmte Curstadt Karlsbad liegt bald im Rücken,

und wir wandern, noch freudig erregt von den erhaltenen Eindrücken,

unserem gesetzten Ziele zu. Wir gehen über die gewölbte, steinerne

Tepl-Brücke der Bahnhofstrasse entlang zur eisernen Egerbrücke gegen

_Neufischern_ zu. Hier befindet sich der _grossartige Bahnhof_ von

Karlsbad. Weiter westlich wandernd, kommen wir nach _Fischern_. (Siehe

Karlsbader Ausflüge 20.) Hier zweigt die eine Strasse westlich nach

Elbogen-Falkenau-Eger und die andere nördlich nach Neudek ab. Wir

wählen letztere und erreichen in ½ Stunde _Altrohlau_, welches Dorf

eine Steingut- und Porzellanfabrik besitzt. In dieser Gegend sehen wir

riesige Essen rauchen, denn wir schreiten durch das Gebiet reicher

Kohlenlager und der Thonwaarenindustrie. Von Altrohlau nimmt die

Gegend allmählig den Gebirgscharakter an; wir gehen auf der Strasse

zwischen Feldern und Wiesen durch die Einschichte _Taschen_ oder

_Taschenhäusel_, dann weiter bei _Sittmesgrün_ vorüber, Tüppelsgrün

rechts liegen lassend, müssen gegen _Voigtsgrün_, das wir in 1

Stunde erreichen, allmählig bergan steigen und langen auf der Höhe

beim Gasthause dieses Dorfes an, wo sich vor unseren Blicken eine

reizende Aussicht eröffnet. Die Ortschaften liegen zu unseren Füssen

wie hingesäet. Von da schreiten wir auf ebener Strasse dem rechts an

derselben gelegenen Orte _Giebacht_ zu, erblicken links das Rohlauthal

mit dem am Bergeshange liegenden Dorfe _Thierbach_ und kurz darauf den

im Osten der Stadt _Neudek_ sich erhebenden Kreuzberg.

Neudek.

=Gasthöfe=: _Das Rathhaus. Gasthof zum Herrenhaus. Gasthof zur

Post._

=Post- u. Telegrafenamt.=

=Postverbindung= nach Platten täglich 1mal.

" Hirschenstand " "

" Heinrichsgrün " "

=Aemter=: Bezirksgericht, Steuer- und Grundbuchsamt,

Bürgermeisteramt, Sparkassa, Notariat, Finanzwachekommissariat.

Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Neudek liegt an dem Flüsschen Rohla (Rohlau), das hier den Rodisbach,

Schmelzbach und Limnitzbach aufnimmt, in einem Thale, welches im

Osten von dem Kreuzberge, im Westen vom Hochtannenberge, im Norden

vom Paulusberge und den Abhängen des Peintlberges und im Süden von

mehreren Höhen begrenzt wird. Die Lage des Städtchens, das mehrere

Gassen besitzt, ist sehr schön. Der Marktplatz ist lang und schmal.

Der grösste Theil der 367 Häuser liegt am rechten Ufer der Rohlau, nur

die Häuser der Karlsbader Gasse, das gräflich Asseburg'sche Schloss

mit einigen anderen Gebäuden und noch ein kleiner Stadttheil, den man

gewöhnlich »Winkel« nennt, erheben sich am linken Ufer dieses Baches.

Durch die Kaiserstrasse steht Neudek mit Karlsbad und durch

Bezirksstrassen auch mit Elbogen und Heinrichsgrün und von Neuhammer

aus durch eine solche mit Platten in Verbindung. Nach Karlsbad,

Elbogen, Graslitz, Joachimsthal und Schlackenwerth rechnet man 4,

nach Heinrichsgrün und Platten zwei Stunden. In neuester Zeit ist man

im Baue einer Eisenbahn begriffen, welche Neudek mit der 2 Stunden

entfernten Station Chodau, beziehungsweise mit der Buschtěhrader

Eisenbahn verbindet.

Das sehr industrielle Neudek zählt ungefähr 4000 Einwohner, die sich

hauptsächlich mit Industrie, Handel und Oekonomie beschäftigen.

Ausser der Spitzen- und Handschuhfabrication wird hier besonders

die Metallindustrie, und zwar die Eisenblechindustrie und die

Löffelfabrication betrieben. Die Landwirthschaft erzeugt die

gewöhnlichen Feldfrüchte, als Roggen, Hafer, Erdäpfel; an den sonnigen

Abhängen auch etwas Weizen. Die Umgegend ist reichlich mit Waldungen

versehen, die meist Eigenthum der Gräfin von der Asseburg sind.

=Sehenswürdigkeiten=: _Wollspinnfabrik_ mit _Wollwäscherei_ des

_Lahusen_ (beschäftigt gegen 450 Arbeiter). _Spitzenfabrik_

des _Karl Kunzmann_ (Filiale der Firma _Gottschald u. Comp._).

_Spitzenfabrik_ des _Adolf Ullmann_. _Stickerei_ des _Franz Reitzner_.

_Löffelschmiederei_ des _J. F. Schneider_. _Blechlöffelerzeugung_ des

_Eduard Erhardt_. _Löffelschmiede_ des _Karl Neudert_.

_Das grossartige Blechwalzwerk_ (oberhalb Neudek an der

Aerarialstrasse) mit der etwas entfernten _Eisengiesserei_,

_Eisendreherei_ und _Blechverzinnerei_ beschäftigt gegen 500 Arbeiter.

Dieses Etablissement ist Eigenthum der _Gräfin Anna von der Asseburg_,

gegenwärtig an _Petzold u. Comp._ verpachtet. _Holzschleiferei_ des

_Ignaz Fuchs_ (¾ Stunden von Neudek entfernt). Das _Volksschulgebäude_.

Der sogenannte _Thurmbergfels_. Er besteht aus mehreren über einander

liegenden Granitblöcken, von denen die zwei obersten über die unten an

der Rohlau dahinführende Strasse hervorragen. Auf diesem Felsen erhebt

sich der Glockenthurm; die Mauern desselben bilden ein vierseitiges

Prisma, dessen vier Kanten von der Südseite aus zugleich bemerkt werden

können, da der Grundriss die Form eines Trapezes hat.

Ueber die Entstehung Neudeks ist nichts Näheres bekannt, da durch

den Brand des Rathhauses im Jahre 1731 alle Urkunden ein Raub der

Flammen geworden sind. Jedenfalls wurde die Stadt schon im Mittelalter

von Bergleuten gegründet, welche sich des Zinnbergbaues und des

Zinnseifnens wegen in dieser Gegend zuerst niedergelassen haben.

Die alte Zinnschmelzhütte, welche noch vor wenigen Jahren am linken

Ufer der Rohlau im »Winkel« stand, aber wegen Baufälligkeit und aus

Sanitätsrücksichten demolirt werden musste, soll das erste Gebäude in

Neudek gewesen sein. Ueber die Entstehung des Namens Neudek erzählt die

Sage Folgendes: Ein Jäger verirrte sich im Walde und kam auf den sog.

Hochtannenberg (westl. von Neudek), stieg dort, um sich in der Gegend

auszukennen, auf einen hohen Baum, nämlich auf eine hohe Tanne (wovon

der Berg den Namen haben soll) und sah östlich im Thale ein Gebäude

stehen, welches neu eingedeckt war, ging dann auf dasselbe zu und

fand daselbst den noch bestehenden alten Thurm, neben dem ein Häuschen

stand, in welchem ein Schmied wohnte, der den Namen Waldesel führte.

Dieser Jäger soll nun dem Thurm sammt den anderen Gebäuden den Namen

_Neudeckt_ (gegenwärtig _Neudek_) deshalb gegeben haben, weil er durch

die neue Dacheindeckung zur Auffindung dieser Gebäude gelangte.

Spaziergänge und Ausflüge:

1. _Zum Kreuzberg._ Derselbe erhebt sich im Osten der Stadt an dem Ufer

der Rohlau. Auf dem Gipfel dieses Berges erhebt sich ein Kirchlein.

Der Weg schlingt sich in mehreren Serpentinen um den westlichen und

theilweise um den östlichen Abhang herum und ist ein sehr beliebter

Spaziergang der Neudeker. Von hier aus erblickt man die in den

südöstlich gelegenen Gegenden sich erhebenden Punkte nahe bis an die

Gegend von Buchau (z. B. den Engelhäuser Berg). In der Nähe des Hauses

Nr. 318 erblickt man in der Tiefe die Stadt Neudek in _wunderhübscher_

Lage.

2. _Zum *Peintlberg._ Er erhebt sich nördlich von Neudek und ist

ungefähr 970 m hoch. Bei Besteigung desselben wird gewöhnlich der

durch das Dorf Eibenberg (_Sitts_ Gasthaus) führende Weg benützt,

der ungefähr 1¼ Stunde beträgt. (Oberhalb der Stadt zweigt von der

Strasse zwischen zwei Bierschänken ein Weg nach genanntem Orte ab.)

Von diesem Dorfe geht der Weg steil aufwärts bis zu einem Walde, wo er

dann in mehr ebener Richtung bis zum Berge hinführt, auf dessen Gipfel

sich einige Felsen erheben, um welche grosse Steinmassen gelagert

sind. Die Besteigung wird durch die _herrlichste Fernsicht_ belohnt.

(Triangulirungspyramide.) Nach Norden und Nordosten haben wir wohl

nur geringe Aussicht, dafür ist sie lohnender in östlicher, südlicher

und südwestlicher Richtung; denn wir erblicken den Keilberg und

Spitzberg bei Gottesgab, viele Teiche in der Nähe von Schlackenwerth,

Lichtenstadt und Chodau, die Curstadt Karlsbad, die Ruine Engelhaus,

den sagenreichen Crudum, den Kaiserwald, die Städte Schönfeld und

Schlaggenwald, den Böhmerwald mit dem Dillenberge, den St. Annaberg bei

Eger. In der Nähe des Peintlberges werden wir auch durch ein schönes

Echo, entstanden durch einen neuangelegten Holzschlag, überrascht.

3. _Zur *Thierbacher Kapelle_ (½ St.). Gehen wir auf dem Wege gegen

Thierbach zu, so gelangen wir eine kurze Strecke westlich von diesem

Dorfe zu dieser Kapelle. Obwohl die Aussicht von hier nicht so

weit ist als wie die vom Gipfel des Peintlberges, so ist sie doch

eine herrliche zu nennen. Wir erblicken die Häuser von Giebacht,

Hohenstollen, Allersloh, Eibenberg, zum Theile von Oberau und Hochofen;

nach Osten zu sehen wir Fischern und Karlsbad, während in nördlicher

Richtung der Peintl seine Kuppe mächtig emporhebt. Wunderschön, wie

eine Krippe im grösseren Massstabe, liegen auf den grünen Wiesen und an

den Bergabhängen die Häuser der zunächst gelegenen Ortschaften umher.

4. _Zu den sogenannten Felshäusern_ (1½ St.). Wir gehen durch das

Limnitzthal nach Ullersloh an _Pecher's Restauration_ vorbei, von wo

wir nach ¾stündiger Wanderung zu den sog. Felshäusern gelangen. Die

_Fernsicht_ von denselben ist eine _lohnende_, wenn auch nicht so

grossartige, wie vom Peintlberg aus; doch bemerken wir die meisten

Puncte, die wir von letztgenanntem Berge aus gewahren können. Die

Felshäuser selbst sind gleichsam zwischen Felsgruppen eingebaut; ihr

Aeusseres ist recht reinlich und mit Ranken von wildem Wein und anderen

Schlingpflanzen geziert. Besonders schön ist von diesen Häusern aus

die Aussicht auf die unten liegenden Gelände, welche sich gleichsam

stufenartig gegen das Innere zu erniedrigen.

5. _Zum *Kammersberg oder Hohenau_ (1¾ St.). Wir wandern von Neudek aus

auf der Aerarialstrasse bis zu jener Stelle, wo sich hinter dem Dorfe

_Giebacht_ der Weg nach dem Dorfe _Kammersgrün_ abzweigt. Derselbe

führt in mehrfachen Krümmungen bis nahe zu dem letztgenannten Dorfe,

das sich am Südabhange des Kammerberges und im Thale ausbreitet. Von

diesem Berge gewahren wir bei heiterem Himmel Karlsbad und Elbogen,

die Berge in der Umgegend von Buchau, einzelne Höhen um Duppau und die

meisten Puncte, die wir vom Gipfel des Peintlberges gesehen. Die Kuppe

des Kammerberges ist kahl und mit einer Orientirungshöhe versehen, die

der Besitzer dieser Umgegend, _Karl Stöhr_, errichten liess.

6. _Zum *Hochtannenberg_ oder _Steinberg_ (¾ St. westlich von Neudek)

_und zum sog. Wächterhau_. Zu demselben gelangen wir am bequemsten,

wenn wir den nach _Ober-Bernau_ leitenden Weg benutzen. Von der Kuppe

dieses Berges erblicken wir nach Südost das Rohlauthal, Fischern und

Karlsbad, weiterhin Engelhaus, Giesshübel, die Kirche von Pergles bei

Buchau, nach Süden mehrere Dörfer zwischen Karlsbad und Elbogen, die

Stadt Elbogen mit dem alten Schlosse, auch einzelne Hopfengärten in der

Nähe von Falkenau. -- Eine halbe Stunde westlich vom Hochtannenberge

ist der sog. _Wächterhau_, auf welchem sich eine Orientirungshöhe

befindet, von welcher wir bis in die Gegend um Duppau, Karlsbad,

Elbogen bis Eger sehen können.

Tour Neudek-Neuhammer-Platten.

Dem reinlichen Städtchen Neudek Ade sagend, wandern wir auf der

Reichsstrasse in mässiger Steigung weiter nördlich durch das reizende,

sehr anziehende, tiefeingeschnittene Rolauthal. Zu beiden Seiten

desselben erheben sich theils anmuthig bewaldete, theils waldlose,

der Landwirthschaft zugängig gemachte Hügel- und Bergreihen mit

gleichförmig ausgedehnten breiten Rücken und abgerundeten Kuppen.

Zu unserer Rechten rauscht die Rohla. Dicht an Neudek erblicken

wir rechts das »_Schiesshaus_«, einen beliebten Sommeraufenthalt

für Einheimische und Fremde, links das grosse _Eisenwerk_ (Siehe

Sehenswürdigkeiten Neudek's). Nach kurzer Strecke sehen wir rechts

ein »_Gusseisenwerk_« (Hochofen) (Siehe Sehenswürdigkeiten Neudek's),

nach einer Biegung links das »_Feigl'sche Einkehrhaus_«. Gegenüber

bemerken wir einzelne »_Felsstücke_«, die wie eine kleine Festung aus

niederem Gebüsch hervorlugen. Beim »_gemüthlichen Bergmann_« (vulgo

»beim Preussen«) zweigt am Fusse des sog. Preussenwaldes der Weg links

nach Hochofen und Trinksaifen ab. In der Hauptstrasse weiter wandernd,

kommen wir zur »_Fuchs'schen Holzschleiferei_« (Siehe Sehensw. N.);

beim sog. »Hammerl« (Schmiede) überschreiten wir eine Brücke, welche

die Grenzscheide zwischen Neudek, Hochofen und Neuhammer bildet. Von

da biegt die Rohlau zu unserer Linken ab. An der herrsch. Bret- und

Knochenmühle, dem Eiskeller vorbei erreichen wir »Hassmann's Gasthaus

zur grünen Wiese«. Von da steigen wir westwärts auf den _Fritzenberg_,

der eine schöne Aussicht über das Weichbild von _Neuhammer_ bietet.

Von letztgenanntem Gasthause benützen wir die Bezirksstrasse

Neuhammer-Platten, welche sich durch das ganze Thal von _Neuhammer_,

durch den sog. »Grund« zuerst am linken, dann am rechten Ufer des

Weissbaches windet.

Das Dorf _Neuhammer_, 1 Stunde nördl. von Neudek, 1¼ St. südwestl.

von _Platten_ und 1 St. westl. von Bärringen, liegt auf mässig

ansteigenden, einander gegenüberliegenden Bergen (Fritzenberg, Hofberg

oder Eulenhof, Faunzberg, Fladererberg und oberen Neuhammer) und

in den dazwischen liegenden Thälern (Rohla- und Weissbachthal) und

zählt 210 Häuser mit 2200 Einwohnern, die sich von Spitzenklöppelei,

Löffelfabrication, Handschuh-, Tüll- und Mullnähen, Viehzucht ernähren.

=Geschichtliches.= Wahrscheinlich hat Neuhammer mit der Entstehung

des Bergbaues von Neudek und Umgebung gleichen Ursprung. Dass auch in

Neuhammer der Bergbau betrieben wurde, beweisen die vielen Zechen- und

Seifenhalden.

Weitere _schöne Aussichten_ gewähren: der _Hofberg_ (westl. von der

Kirche), der _Fladererberg_, der _Peintlberg_ (Siehe Ausflüge v. Neudek

2). (Eine _Fernsicht_ in's flache Land ist uns auf der ganzen Partie

Neudek-Neuhammer-Platten leider _nicht_ gegönnt.)

Haben wir Altvater Peintl unseren Gruss zugewinkt, und das letzte

Häuschen von Neuhammer im Rücken, so winken uns höhere Gebirgskuppen,

und ernster Fichtenwald nimmt uns auf. Die Strasse windet sich in

vielfach gebogenen Zickzacklinien etwas steiler durch den dunkeln

_Vierfels_ (rechts), den hochbewaldeten _Kaiserbuchwald_ (links). Die

Berge treten näher und näher heran, das sanfte Rauschen des zur Linken

fliessenden, forellenreichen Weissbächleins gewährt eine interessante

Unterbrechung der Waldeinsamkeit. Dort, wo sich die Strasse stark nach

Rechts wendet, verlässt uns unser traute Begleiter und versteckt sich

am Fusse des sich hinter uns erhebenden kahlen Berges »_Kohlhau_«,

wo er sein Quellchen hat. Die Strasse wird etwas steiler, und die

Höhe, vom Volksmunde »_das Abg'span_« genannt, ist erreicht, eine

steinerne Säule markirt dieselbe. (Links zweigt ein Fussweg, der sog.

Buttersteig, ab und führt nach _Breitenbach_ und _Johanngeorgenstadt_.)

Den Schlusstheil unserer Wanderung bildet das Zurücktreten des

Waldes, an dessen Saume wir ein anmuthiges Forsthaus begrüssen; noch

ein Viertelstündchen, und wir sind in _Platten_, dem Ziele unserer

Wanderung.

Platten.

=Gasthöfe=: _Waldhütter's Gasthaus_ (an der Ecke des

Marktplatzes). _Rathhaus._

=Post- u. Telegrafenamt= am Marktplatz.

=Postverbindung= nach Joachimsthal täglich 1mal.

" Neudek " 1 "

" Karlsbad " 2 "

" Johanngeorgenstadt " 2 "

=Aemter=: Bezirksgericht. Steueramt. Bürgermeisteramt (im

städt. Rathhause).

Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Die k. Bergstadt Platten liegt an der Südwestseite des Plattenberges

auf dem Kamme des Gebirges, welches dicht nordwestlich an der Stadt

allmählig nach der sächsischen Seite, im Süden aber mehr steil

nach Böhmen abfällt. Die Stadt ist sehr regelmässig gebaut und

zählt 2500 Einwohner, die Viehzucht, Blechlöffel- (aus Eisenblech

und aus Stabeisen), Blechspiegel- und Blechfeuerzeuge-Fabrication,

Spitzenklöppelei, Handschuhnäherei und Korkschneiderei betreiben. Nicht

weniger als eine halbe Million Dutzend Löffel, und zwar beiläufig 30

verschiedene Sorten, werden von Grosshändlern in Platten und Neudek

jährlich nach allen Richtungen versendet. Der Gesammtwerth der in

Platten erzeugten Blechspiegel wird auf ungefähr 40.000 fl. geschätzt.

=Sehenswürdigkeiten=: Grosse _Löffelfabrik_ von Kolb und Kerl. Die

_Stöpselfabrik_ des Vincenz Gerber. -- Zu erwähnen ist der durch

die Stadt fliessende sog. _Stadtgraben_, ein Bach, der nördlich von

Gottesgab entspringt und schon in alter Zeit von der Stadtgemeinde

durch die Waldungen zum Betrieb der Berg- und Pochwerke, Mühlen und

Schmelzhütten hieher geleitet worden ist und noch immer erhalten wird.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 10 / 27 段