Das _erste_ schriftliche Zeugnis über die grosse Heilkraft dieser

Thermen liefert der Dichter _Bohuslav von Lobkowitz_ in seiner schönen

lateinischen Ode: In thermas Caroli IV., die er vor dem Jahre 1510

verfasste. Bis zum Jahre 1520 hat man die Karlsbader Quellen nur zu

Bädern benützt. Um diese Zeit führte man auf Anrathen des Dr. _Payer_,

der i. J. 1522 die _erste_ medicinische Abhandlung über Karlsbad

erscheinen liess, auch die _Trink-Kuren ein_. Die erste richtige

_physikalisch-chemische_ Untersuchung der Karlsbader Mineral-Quellen

wurde durch den berühmten Dr. _David Becher_ i. J. 1766 angestellt.

Obgleich die Stadt von mancherlei Unglücksfällen betroffen wurde -- wir

nennen blos die grosse Überschwemmung i. J. 1582 und die schreckliche

Feuersbrunst am 13. August 1604, wodurch die Stadt bis auf drei

Häuser zerstört wurde -- so steigerte sich ihr Wohlstand derartig,

dass sie benachbarte Herrschaften kaufen konnte. Im Jahre 1554 wurden

die Bewohner von Karlsbad lutherisch und blieben es, bis der letzte

Pastor Johann Rebhun am 24. August 1628 mit allen Einwohnern, welche

nicht zur katholischen Lehre zurückkehren wollten, die Stadt verlassen

musste. Der unheilvolle dreissigjährige Krieg verschonte auch Karlsbad

nicht, das viel durch Einquartierungen, Brandschatzungen u. dgl. zu

leiden hatte. Erwähnenswerth ist, dass Kaiser Josef I. i. J. 1707

Karlsbad zu einer königlichen freien Stadt erhob, und dass Kaiser

Karl VI. bei seinem Aufenthalte in der Stadt 1732 der Bürgerschaft

15.000 fl. Quartiergeld und 1000 Ducaten zum Baue einer neuen Kirche

schenkte. Trotz aller Drangsale, die Karlsbad seit der zweiten Hälfte

des 18. Jahrhunderts theils durch Ueberschwemmungen (1735, 1784,

1806, 1821, 1867, 1870, 1872 und 1876), theils durch Kriegsereignisse

(1741 und 1742, 1757 und 1762, 1809 und 1813, 1866), theils durch

Sprudelausbrüche (1713, 1727, 1824, 1832, 1834, 1835, 1838, 1845, 1855,

1856 und 1878), theils durch Brände (1759) betroffen, blühte die Stadt

durch immer grössere Frequenz, sowie durch treffliche Einrichtungen

und Entdeckungen zu einem weltberühmten Heilbade empor. Karlsbad

war noch im Jahre 1650 ein kleines Landstädtchen mit Holzhäusern

und Riegelwandgebäuden; erst seit dem Jahre 1827 zeigte sich das

Streben, die Stadt zu verschönern. Wahrhaft _Grossartiges_ geschah in

dieser Beziehung in den letzten Jahren; denn _Karlsbad ist jetzt eine

Stadt von Palästen_. Es ist, wie Dr. _Eduard Hlawaček_, der überaus

verdienstvolle Schriftsteller über Karlsbad, ganz zutreffend bemerkt,

gegenwärtig sowohl in Betreff seiner Trink- und Badeanstalten, als

auch der Wohngebäude, öffentlichen Promenaden und Belustigungslocale

unstreitig einer der grössten und comfortabelsten Trink- und Badeorte,

und sein Ruf als _Heilort_ ist nicht bloss ein europäischer, sondern

ein fast über die bekannte Erde verbreiteter. Karlsbad wird daher oft

die _Königin_ der Curorte genannt, eine Benennung, die es nicht bloss

wegen der Ausdehnung der Stadt, der grossen Frequenz, besonders auch

wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Umgebungen, vor allem

aber wegen der unbestrittenen grossen Heilkraft seiner Quellen und des

imposanten Naturschauspieles seines heissen Sprudels wohl mit Recht

verdient! -- Es ist das »Nobelbad« par excellence; als solches zählte

es von jeher unter seinen Curgästen nicht nur _gekrönte_ Häupter,

sondern auch Minister und Feldherren, Dichter, Künstler und Gelehrte

oder sonst wie hervorragende Persönlichkeiten. Wir nennen nur: Czar

Peter den Grossen, Kaiser Karl VI., Kaiser Josef II., Kaiserin Maria

Ludovika, Kaiser Franz I. von Oesterreich mit seiner Tochter, Königin

Maria Louise von Frankreich, König Friedrich Wilhelm III., König

Wilhelm von Preussen, jetzigen Kaiser von Deutschland, das Kaiserpaar

von Brasilien; Bohuslaw von Lobkowitz, Ferdinand, Erzherzog von

Oesterreich mit seiner Gemahlin, der »schönen Welserin«; Albrecht von

Waldstein, Prinz Eugen, Laudon, Fürst Karl Schwarzenberg und Fürst

Blücher; Gellert, Herder, Goethe, Schiller, Theodor Körner; Beethoven,

den Violinvirtuosen Polledro; Fürst Metternich. -- (Aus neuer und

neuester Zeit) Laube, Geibel, Auerbach, Ad. Stifter, K. E. Ebert, Fr.

Halm, Erzbischof Pyrker, David Strauss; Fürst Bismarck und Moltke.

Mit Recht sagt der Schriftsteller _Anton August Naaff_: »In und um

Karlsbad ist fast jedes Fleckchen Erde historisch, und selten hat die

politische, die Cultur- und Personalgeschichte an einem anderen Orte

so viele und grosse Merkzeichen ihres Waltens eingeschrieben, wie

bei Karlsbad. Auf Schritt und Tritt stossen wir auf die Spuren eines

grossen Namens der berühmtesten Männer ihrer Zeit.«

Karlsbad ist der Geburtsort folgender hervorragender Männer:

_Fabian Summer_, Dr. der Medicin. Dr. _David Becher_, Karlsbader

Hippokrates genannt. (Schon erwähnt.) _Leopold Stöhr_, geb. den 22.

Mai 1769, gest. am 26. März 1834 als Dechant zu Karlsbad, verdient mit

vollem Rechte den Namen des »Historiographen« von Karlsbad. _Franz

Pittrof_, geb. 1738 und starb als Grossmeister des Kreuzherrenordens

zu Prag. Der Thiermaler _Peter_, geb. 1745, gest. 1829 zu Rom.

Der Musikdirector _Josef Labitzky_. Der Orientalist Dr. _August

Pfitzmeier_, geb. 16. März 1808. Dr. _Eduard Hlawaczek_ (gest. 1880).

Dr. _Anton Bermann_ (gest. 1878). Dr. _Franz Damm_ (gest. 1870) u. a. m.

Spaziergänge:

Die Umgebung von Karlsbad, eine wahrhaft romantische, paradiesische

Gebirgsgegend, besitzt zahlreiche, vortrefflich angelegte Spaziergänge

mit schönen abwechslungsvollen Aussichtspunkten, geschmackvollen

Monumenten, Gedächtniss- und Ruheplätzen und gleicht einem

prachtvollen, im grossartigen Style angelegten englischen Parke.

1. Die _*alte Wiese_ mit dem Marktplatze. Den Marktplatz zum

Ausgangspunkte nehmend, gehen wir auf der _alten Wiese_ entweder

im Schatten der Kastanienbäume auf dem schönen, glasbedeckten

Steinfusssteige vor den Boutiquen, oder an der Häuserreihe auf

ebenfalls sehr gutem Steinfusssteige bis zur Allee hinter dem

böhmischen Saale auf und ab. _Dieser Spaziergang gewährt unstreitig

die meiste, abwechslungsvollste Unterhaltung._ Zu beiden Seiten _viele_

Kaufläden mit den _verschiedensten_ Artikeln aus der Heimat und

fremden, fernen Ländern; weshalb dieser Stadttheil den vollberechtigten

Namen »_Bazar_ von Karlsbad« verdient. Ueberdies versammelt sich hier

das Publikum zweimal des Tages (Vormittags nach dem Brunn, Abends

zwischen 6 und 9 Uhr) und spielt das Labitzky'sche Musikchor öffentlich

in der Woche: Sonntag, Dienstag und Donnerstag Nachmittags von 4 bis

6 Uhr auf dem Platze vor dem Pupp'schen (früher _böhmischen_ Saal

genannt) und Mittwoch und Freitag (im Hochsommer) Abends von ½8 bis

9 Uhr auf dem Götheplatze vor dem sächsischen Saale die herrlichsten

Weisen. Die Wiese kann also in dieser Beziehung auch »der _Salon_ von

Karlsbad« genannt werden.

2. _Zum *Posthof_ (½ St.), _Freundschaftssaal_ (¾ St.) und

_Kaiserpark_. Dies ist der _angenehmste, daher auch der besuchteste

Spaziergang_, weil er ohne Steigung auszuführen ist und prachtvolle

Landschaftsbilder bietet. Am Ende der alten Wiese wandelt man,

Pupp's grossartiges Etablissement rechts lassend, in die _Pupp'sche

Allee_, der sich der sehr belebte _Kiesweg_ anschliesst. Dieser

erstreckt sich bis zur Karlsbrücke und ist rechts von Felswänden,

die mit Inschriften bedeckt sind, begrenzt. Ueber einer Felsengrotte

erhebt sich der _Rasumovska-Sitz_, links dicht am jenseitigen Ufer

bemerkt man einen _Wasserthurm_; eine kurze Strecke weiter gelangt

man rechts auf einer kleinen Erhöhung zu einem mit einem Eisentisch

und Eisenbänken ausgestatteten Plätzchen, dem _Fürst Rohan-Sitz_.

Gleich daneben der _Kaiserin-Sitz_, dem Andenken der Kaiserin Maria

Ludovika (1810) gewidmet. Nicht weit davon gelangt man zur Restauration

»_Sanssouci_«. Wir schreiten weiter und sehen auf einem Felsvorsprunge

den _Paulinen-Sitz_. Von hier Anblick in das enge Teplthal. Die

_Karlsbrücke_ links lassend, wandeln wir eine kleine Viertelstunde

weit und langen am _Posthofe_, einer Restauration mit schönen

Gartenanlagen an, wo Montag und Freitag Nachmittags von 4--6 Uhr das

Labitzky'sche Orchester spielt. Vom Posthofe aus führt etwas bergan

eine Obstallee zum Fürst _Schwarzenberg-Denkmal_, einem, dem berühmten

Sieger bei Leipzig errichteten Obelisk. Weiter die Fahrstrasse

entlang wandernd, zeigt sich _links_ die sogen. _Plobenbrücke_, nach

dem _Plobenberg_ führend, _rechts_ die _Antonsruh_ und dann der

sehr beliebte _Freundschaftssaal_ (Restauration und Café). Davon in

geringer Entfernung liegt der _Sitz der Freude_. Wir gehen über den

Steg an das jenseitige Flussufer und gelangen, die Strasse verfolgend,

nach ¼ Stunde zu der herrlich gelegenen und elegant eingerichteten

Café-Restauration, welche _Kaiserpark_ heisst.

3. _Nach dem *Hirschensprung._ Vom Markte aus gelangt man einige

Schritte hinter dem Schlossbrunn links über einige Stufen in die

Hirschensprunggasse. Am Ende der Häuser führt neben dem Hause »Zur

Zufriedenheit« der Weg. An der zweiten Krümmung sind drei Wege:

_rechts_ der _Jubiläumsweg_, der zu dem einsamen Plätzchen: »_Himmel

auf Erden_« führt, der _mittlere_ leitet uns zur _Gemse_, weiter zu

_Mayers Gloriett_; _links_ steigen wir in einigen Windungen auf den

Bergrücken des _Hirschensprunges_, dessen äusserste Spitze mit einem

Kreuze geziert ist. Hier _wunderschöne Aussicht_ auf den grössten Theil

der Stadt, den Helenenhof, die Prager Kunststrasse, den Dreikreuzberg,

sowie auf das Erzgebirge und in's Egerthal. An der Rückseite des

Felsens ist eine schwarze Marmorplatte eingemauert, auf welcher mit

goldenen Buchstaben die Namen jener Notabilitäten prangen, die Karlsbad

besucht haben. Oberhalb der Inschrift _Peters des Grossen_ ist dessen

Büste aufgestellt, gemeisselt und der Stadt geschenkt von dem Bildhauer

Prof. Seidan aus Prag. Das Plätzchen vor der Marmortafel heisst auch

_Petershöhe_. Etwas tiefer gewahren wir eine Steinpyramide mit einem

Plätzchen, der _Theresienhöhe_.

4. _Zum Findlaters- oder Mylords-Tempel._ Ausgangspunkt wie in Nr.

3. Von der Hirschensprunggasse aus betreten wir den sog. _neuen Weg_

hinter den Häusern der alten Wiese und kommen zu einem, mit einem

_Kreuze_ geschmückten _Felsenvorsprung_, der einen guten Ueberblick

der alten Wiese bietet. Gleich daneben stehen an einer Felswand die

Worte: »Plus être que paraître«; das Plätzchen heisst _Mariannen-Ruhe_.

Der breite Fussweg rechts, der _Buturlin-Weg_ genannt, führt uns im

Walde bergan zur _Hammerkapelle_. Hier steht ein _Wegweiser_ zur

Orientirung. Wir betreten den nach dem _Findlaters-Tempel_ zeigenden

Arm und langen in wenigen Minuten daselbst an, wo wir in das Hammerthal

auf die Anlagen des Kaiserparkes blicken. Von dem Tempel führt ein Weg

in Windungen bergab unmittelbar zum Freundschaftssaal; wir können aber

auch, um zur Stadt zurückzukehren, den geraden Weg fortsetzen und dann

den _Chotek_schen Weg einschlagen.

5. _Die Vieruhrpromenade._ Am Ende des Kiesweges (siehe 2) wenden

wir uns _rechts_ und betreten genannte Promenade. Wir gelangen zu

einem Plätzchen, _dem Fürstinnenstein_, dann nach ¼ Stunde zur sogen.

_Dichterbank_; in nächster Nähe Theilung des Weges. Der _rechte_ Arm

leitet nach dem Findlaters-Tempel, der _linke_ bergab zu der schönen,

nahe an der Strasse gelegenen _Stahls-Buche_. Auf der Fahrstrasse zur

Stadt zurück.

6. _Zur *Freundschafts-Anhöhe_ und zum Friedrich Wilhelm-Platze. Den

Schlossberg hinansteigend, verfolgt man die Hauptstrasse bis zum

_Jägerhause Kaiser Karl's_ IV. _Vor_ dem Hause schlagen wir den _links_

bergab leitenden Fussweg ein und kommen zur _Findlaters-Pyramide_

mit schöner Aussicht in's Teplthal und nach dem Erzgebirge.

Unterhalb dieser Pyramide ist das _Helenen_-Plätzchen. Auf dem

weiter bergan führenden Weg langen wir in Schlangenwindungen bei der

_Freundschaftshöhe_ an, wo wir eine _schöne_ Aussicht auf einen Theil

der Stadt, das Egergebiet und das Erzgebirge geniessen. Weiter bergan

erreicht man die _Vogelhütte_. Von der Freundschaftshöhe immer _links_

bergab schreitend, erreichen wir den _Friedrich Wilhelm-Platz_, wo wir

eine der _schönsten Hauptansichten_ von Karlsbad haben. Abstieg in

mehreren Wegschlingungen zur _Marienkapelle_.

7. _Zum *Belvedere._ Durch das Marien-Gässchen zum Friedrich

Wilhelm-Platz steigen wir dann bergan, wenden uns auf dem Wege des

Bergrückens rechts, gehen bei der _Durchhaubank_ vorbei, nehmen stets

die _linke_ Wegrichtung und gelangen zum _Katharinen-Plätzchen_. Den

Weg fortsetzend, schlagen wir bei der Wegkreuzung den Pfad _links_ ein,

der uns in einigen Minuten zum _Belvedere_ führt, wo wir eine _schöne

Aussicht_ auf das Teplthal, den Freundschaftssaal und auf die Ruinen

von Engelhaus geniessen. Ein schöner Waldweg leitet uns in vielen

Krümmungen in ¼ Stunde zurück auf den _Faulenzerweg_ und dieser führt

auf die Marienbader Strasse.

8. _Zur *Kaiser Franz-Josefs-Höhe._ Den Weg der vorhergehenden

Promenade einschlagend, gelangen wir zur _Marienkapelle_; einige

Schritte weiter geht rechts bergan ein Weg, der sich theilt; wir wählen

den _linken_ Arm und kommen zu einer merkwürdigen, interessanten

Vegetationserscheinung, der sog. _Buchen- und Tannenehe_. (Durch den

Stamm einer Tanne ist der Ast einer nahen Buche gewachsen.) Wir kehren

zur Marienkapelle zurück, steigen von hier, uns immer links haltend,

bergan und sehen die Hammerkapelle, wo wir links einem bequemen Weg

folgen, der uns aufwärts auf den höchsten Punkt des Hammerberges

führt. Dieser Platz, der zu Ehren des Kaisers von Oesterreich _Franz

Josefs-Höhe_ genannt wurde, ist mit einem schönen Gloriett geschmückt

und gewährt unstreitig die _prachtvollste und mannigfaltigste Aussicht

in der ganzen Karlsbader Umgegend_; denn man blickt in ein nach

Hammer reichendes, mit bewaldeten Bergen begrenztes Thal, geniesst

einen Ueberblick über den _grössten_ Theil der Stadt und sieht das

ferne Erzgebirge. Abstieg auf der anderen Seite des Hammerberges; wir

verfolgen den Pfad zum Findlaters-Tempel, von wo wir bereits bekannte

Wege betreten können, oder wenden uns zuerst nach links, dann wieder

nach rechts und erreichen den _Parnassfels_. Von hier gelangen wir

rechts zum _Sommertheater_, zur _Wanderersäule_ und zur Restauration

Sanssouci.

9. _Zum *Aberg_ (1½ St.). Beginn der Promenade über den Schlossberg

oder durch das Mariengässchen nach dem Friedrich Wilhelm-Platz und

dem Katharinen-Plätzchen (siehe 7). Wir schlagen bei der Wegkreuzung

den _rechts_ zum _Bilde_ führenden Weg ein, wandeln geradeaus etwa ¼

Stunde weiter und erreichen den _Aberg_ mit einem Thurme, der eine

_der schönsten Rundansichten_ bietet (über die Karlsbader Berge,

das Erzgebirge mit Sonnenwirbel, Engelhaus, Maria-Kulm und viele

Ortschaften der Umgebung). Von hier führt ein Fussweg in ¼ St. zur

_Ziegelhütte_ herab. Wir setzen den Weg fort, bemerken eine Kapelle,

hinter der sich (etwa 40 Schritte) die Ruinen der Kirche des ehemaligen

Dorfes _Thiergarten_ befinden, dessen Bewohner wahrscheinlich die

ersten Ansiedler von Karlsbad waren. Wir kommen dann zu einer Fichte

(mit »_Echo_« markirt), wo ein 4- bis 5-silbiges Echo zu vernehmen ist,

endlich zum Jägerhaus Kaiser Karls IV.

10. _Nach dem Russelsitz._ Wir betreten den 9. beschriebenen _Rückweg_

zur Stadt und wandern an der Kegelbahn beim Kaiser Karl's IV. Jägerhaus

vorbei in den Wald, oder wir wählen den Weg nach der Restauration

»_Klein-Versailles_«, gehen auf dem linken Fusswege am Waldessaume,

betreten dann den links leitenden Waldweg, kommen zu einer Lichtung und

erreichen von da links aufwärts in circa 18 Minuten den _Russelsitz_

mit _schöner_ Aussicht auf das Erzgebirge. Von diesem Plätzchen uns

links wendend, kommen wir in ¼ Stunde auf den schon bekannten Abergweg.

11. Zum _*Maria-Sophienweg_, _weissen Kreuze_ und _Schützenpark_ oder

zum _Kreuz_ im _Walde_ (_Rohankreuz_). Ueber den Schlossberg oder

durch die Parkstrasse hinter dem Militärbadehause auf den Weg nach:

_Klein-Versailles._ Diese Restauration rechts lassend, schreiten wir

links am Waldsaume fort, gehen durch Wiesengründe, betreten den rechts

in den Wald biegenden _Maria-Sophienweg_ und kommen in einigen Minuten

zum sog. _weissen Kreuze_, einer Felsengruppe mit einem Kreuze, von wo

eine _schöne_ Aussicht sich erschliesst. Den Weg fortsetzend, verfolgen

wir eine kurze Strecke einen Waldfahrweg, schlagen hierauf zuerst eine

_linke_, dann eine rechte Richtung ein und bemerken _plötzlich_ eine

prachtvolle Scenerie: das _schöne, weite Egerthal_. Vom Bergrücken

absteigend, gelangen wir auf die Bahnhofstrasse und promeniren, diese

überschreitend, auf dem Allee-Wege, der zum _Schützenparke_ führt.

Durch die _Gartenzeile_ treten wir den Rückweg zur Stadt an. -- Lenken

wir auf dem »vom weissen Kreuze« betretenen Fahrweg nach _rechts_ ab,

so kommen wir, nach kurzer Strecke uns wieder links abwendend, zu _dem

Kreuz im Walde_ oder zur _Fürst Rohan's Höhe_, wo wir eine _herrliche

Aussicht_ geniessen. Dieselbe Strecke ist auch rückwärts zurückzulegen.

12. _Zur *Stephanshöhe_, _zum Panorama_, _zur Villa Lützow_, _zur

Statue Karl's_ IV. und _nach dem Bellevue-Tempel_. Vom Kirchenplatze

aus durch die Schulgasse erreichen wir nach sanftem Aufstieg bald

die _Stephanshöhe_, so genannt zu Ehren des Erzherzogs _Stephan_.

_Schöne_ Aussicht auf den grössten Theil der Stadt. Auf dem Fusswege

links kommen wir zum _Panorama_, einem sehr besuchten Restaurations-

und Belustigungsorte mit _prachtvoller_ Aussicht auf die Stadt. Vor

demselben ist die _Villa Lützow_. Dieser gegenüber erhebt sich im

_Stadtgarten_ eine Säule mit der _Statue Kaiser Karl's_ IV., errichtet

zur 500jährigen Feier der Gründung von Karlsbad (Sept. 1858). Vom

Panorama aus wandern wir eine Strecke auf der Prager Strasse und

schlagen dann den Weg rechts ein, der zur Restauration »_Waldschloss_«

führt. Von hier aus gehen wir oberhalb der Strasse im Walde nach dem

_Bellevue-Tempel_, der einen _wunderschönen_ Anblick namentlich beim

Sonnenuntergang gewährt.

13. _Zur *Camera obscura, zum Dreikreuzberg und zur König Otto's

Höhe._ Ausgangspuncte: die Schulgasse über das Panorama, oder die

Andreasgasse, oder die Eger- und dann Prager Strasse. Der links bergan

meist durch Buchenwald leitende Weg bringt uns nach etwa ½ Stunde

zur _Camera obscura_, von wo wir eine _herrliche_ Aussicht auf das

Egerthal und die Stadt haben. Weiter hinauf führt der Weg in 5 Minuten

zum _Dreikreuzberg_. Derselbe ist zweifelsohne nebst der Franz Josef's

Höhe der _herrlichste_ Aussichtspunct von Karlsbad. Vor uns liegt die

Stadt mit ihren Palästen, zur rechten breitet sich das flurenreiche,

mit blühenden Ortschaften dicht besäete Egerthal aus, durchzogen von

dem Silberbande der Eger; im Hintergründe zeigen sich die Anfänge des

Fichtelgebirges und die schlanken Thürme von Maria Kulm; seitwärts

ragt der Gebirgswall des waldgekrönten Erzgebirges empor! Fürwahr ein

zaubervolles Bild, das sich dem Auge hier entrollt! Durch den Wald

weiter bergan erreichen wir die _König Otto's-Höhe_ mit gleichfalls

_überaus herrlicher Rundaussicht_.

14. _Zu *dem Dorotheentempel, Böhmischen Sitz, Wiener Sitz, Helenenhof

und zur Laurenz-Kapelle._ Ausgangspunct: die Marienbader Strasse.

Unweit der protestantischen Kirche befindet sich eine steile Felswand

mit Inschriften. Wir schreiten etwa 15 Schritte vorwärts, drehen uns

um und geniessen den Anblick einer wirklich _malerischen Landschaft_;

wie denn diese Gegend, die _Dorotheenau_, schöne Landschaftsbilder

darbietet. Den von der _Karls_brücke aufwärts führenden Weg wählend,

kommen wir zum _Dorotheentempel_, von da weiter links bergan steigend

zum _Böhmischen Sitz_. Von hier aus steigt der Weg immer höher am Berge

hinauf und theilt sich oben; links führt er zur _Laurenzkapelle_,

_rechts_ bis zur Anhöhe hinauf zum _Wiener Sitz_, wo wir eine

_wunderschöne Rundansicht_ in's Teplthal und auf's Erzgebirge

geniessen. Von diesem Aussichtspuncte sehen wir einen spitzigen,

sesselförmigen Granitblock, _Deutschlandsfels_ genannt. Unterhalb vom

Wiener Sitz führt eine Allee zum _Helenenhof_ mit Gartenanlagen. Die

Helenenstrasse führt rechts auf die Prager Kunststrasse, links bei der

_Laurenzkapelle_ vorbei in die Stadt hinab.

15. _Zu *dem Säuerling, dem Schweizerhofe, nach Schönbrunn und dem

Schwindelweg._ Dieselbe Strecke wie 14. bis zum Dorotheentempel, von

hier rechts zu dem _Säuerling_; vor diesem geht ein Weg bergauf zu der

freundlichen Café-Restauration »_Schweizerhof_«. In linker Richtung vom

Säuerling bergab kommen wir zu der stark besuchten Café-Restauration

»Park Schönbrunn«. Von da führt am Bergeshange in den Wald ein Weg,

_Schwindelweg_ genannt, der treffliche Waldpartien bietet. Rückweg über

die Plobenbrücke auf die Marienbader Strasse.

16. _Zu *den Friederikenfelsen und zum Bergwirthshaus._ Von Schönbrunn

(siehe 15.) auf ungebahntem Wege aufwärts kletternd, kommen wir zu

Granitfelsen, »_Friederikenfelsen_« genannt. Bequemer kommen wir

zu denselben, wenn wir den nach dem Schweizerhofe leitenden Weg

betreten, bis in die Nähe der Stadt Lemberg steigen, wo ein gebahnter

Weg zu den Friederikenfelsen führt. Von da wieder nach demselben Weg

aufsteigend, gehen wir gerade aus fort bis zur Chaussée, welche bis zum

_Bergwirthshause_ führt. Diese _Kunststrasse_ ist ein _Meisterstück_

der Baukunst (der Bau wurde 1809 vollendet) und bietet in Folge der

schlangenförmigen Windungen die _schönsten_, _überraschendsten_

Aussichtspuncte. Mit Recht sagt die Schriftstellerin Schopenhauer:

»Wahrlich, es verlohnt sich der Mühe, alle Jahre nach Karlsbad zu

reisen, _einzig_, um darin anzukommen!« Vom Bergwirthshause wählt man

die kürzere alte Prager Strasse, welche rechts von der neuen sich am

Bergrücken hinzieht. Der höchste Gipfel dieses Bergrückens heisst _das

ewige Leben_ und gewährt eine _schöne_ Aussicht.

17. _Ueber den Ploben zum Veitsberg._ Wir gehen zum »Schwindelweg«

(siehe 15.), biegen dann nach der _ersten_ Wegabzweigung links zu

einem Waldfahrweg ab, der in 1 Stunde bis zu dem höchsten Puncte des

Bergrückens, dem _Veitsberg_, führt. Derselbe bietet eine _herrliche

Aussicht_ auf einen Theil der Stadt, den Hammerberg, Hirschensprung und

Dreikreuzberg, auf Engelhaus, sowie in's Erzgebirge. Den Weg auf dem

Bergrücken fortsetzend, betreten wir bergab einen Holzfahrweg, der zum

Schwindelweg leitet.

Ausflüge:

_Nach Dallwitz_ (¾ St. n. von Karlsbad). Wir spazieren auf der

Egerstrasse nach dem Dorfe Drahwitz, wo wir bei der Ueberfuhr auf

einem Kahne die Eger übersetzen, wandeln rechts den durch Wiesen

führenden Fussweg fort und langen in einer Viertelstunde beim Dorfe

_Dallwitz_ an. -- _Sehenswürdigkeiten_: _Schloss_, _Porzellan-_ und

_Steingutfabrik_ der _Riedl v. Riedenstein_. _Theodor Körner's Eichen_

(an dem westl. Eingange des Dorfes), deren stärkste 9·4 m. im Umfange

hat und von 5 erwachsenen Personen kaum umspannt werden kann. Eine

dieser fünf uralten berühmten Eichen ist vor zwei Jahren abgebrannt.

Schon im dreissigjährigen Kriege erliess Kaiser _Ferdinand_ III. zur

Schonung der ehrwürdigen Bäume einen eigenen Befehl an die Soldaten. --

_Karl Egon Ebert's Linde._

_Nach Zettlitz_ (¾ St.). Von der Schlackenwerther Strasse führt eine

hinter dem Bahnhofe linksab gehende Strasse über die Zettlitzer Anhöhe,

von wo sich eine schöne Rundaussicht eröffnet. Empfehlenswerth ist

das Gasthaus »zum goldenen Engel«. Zettlitz selbst ist ein Dorf mit

circa 40 Häusern und hat eine geräumige _Pfarrkirche zur hl. Anna_,

die eine der ältesten Kirchen in der ganzen Gegend ist, denn sie wurde

schon 1293 geweiht. Ehemals war Karlsbad nach Zettlitz eingepfarrt.

Auf einem Seitenaltare der Kirche ist ein _Gnadenbild_, _Maria Hilf_,

sehenswerth. In früheren Zeiten war Zettlitz ein stark besuchter

Wallfahrtsort, gegenwärtig finden sich nur am Kirchenfeste (26. Juli)

Processionen ein. In der Nähe des Ortes wird _Porzellanerde_ gegraben.

Zurück kann man über _Fischern_ und von da an der Eger stromabwärts

gehen.

_Nach Fischern_ (¾ St. nordwestl. von Karlsbad). Dieses Dorf liegt am

Rohlaubache, der sich hier in die Eger ergiesst und führt dahin ein

sehr guter Fussweg über Wiesen hinter der Franz Josefs-Brücke links am

Egerufer aufwärts. -- _Sehenswürdigkeiten_: Grosse _Porzellanfabrik_

(Karl Knoll), _Kunstmühle_ und _Dampfbrauerei_.

_Nach *Aich_ (1½ St. südwestl. von Karlsbad) _nebst der Partie zum Hans

Heiling-Felsen._ Nach Aich verkehrt _täglich_ zweimal ein Omnibus. (1.

_Abf._ v. Angers Hotel auf der Neuen Wiese in Karlsbad 2 Uhr Nachm.

Ank. in Aich 2¾ Uhr Nachm. _Rückf._ 5 Uhr Nachm. Ank. in Karlsbad 5¾

Uhr Nachm. -- 2. _Abf._ v. Karlsbad 3½ Uhr Nachm. Ank. in Aich 4½

Uhr Nachm. _Rückf._ 7 Uhr Abends.) Dahin führen auch sehr angenehme

_Fusswege_. _a_) Beim _Jägerhause_ oder bei _Klein-Versailles_

vorüber, schlagen wir den Fussweg _rechts_ in den Wald ein. _b_)

_Von der Ziegelhütte aus_: Hinter derselben geht der Weg zuerst im

Walde, dann zwischen Feldern bergab. _c_) Hinter dem _Mauthschranken_

auf der Strasse nach Aich biegt _links_ ein gerader Weg ab, der am

Waldessaume sich bis nach Aich fortzieht. Dieses Dorf zählt 100 Häuser.

_Sehenswürdigkeiten_: Grossartige _Porzellanfabrik_ des A. C. Anger.

_Schloss_ mit Restauration und Parkanlagen, auf einem steilen Felsen

am rechten Egerufer sehr anmuthig gelegen, bietet eine _hübsche_

Aussicht und zeigt Spuren von alter Bauart und ehemaliger Befestigung;

es soll gleichzeitig mit dem Schlosse in Elbogen erbaut worden sein.

-- Von Aich eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich in romantischer

Lage am linken Ufer der Eger eine interessante, groteske Felsengruppe,

_Hans Heiling-Felsen_ genannt, in welcher die Phantasie des Volkes

die versteinerten Gestalten eines Hochzeitszuges: das Brautpaar, den

Mönch, die Gäste und Musikanten erblickt. Die betreffende Sage ist

von Dichtern und Schriftstellern mehrfach behandelt worden. Dem Hans

Heiling-Fels gegenüber liegt eine _Sommer-Restauration_.

_Nach Pirkenhammer_, gewöhnlich auch _Hammer_ genannt. Es verkehren

_täglich mehrmals_ Omnibusse dahin. (_Abf._ vom Theaterplatz in

Karlsbad um 1½, 2, 3 und 3½ Uhr Nachm. _Abf._ von Pirkenhammer

von der Kaffee-Restauration des A. Leibold um 5½, 6, 6½ und 7 Uhr

Abends.) Pirkenhammer liegt an der Karlsbad-Marienbader Strasse und

rechts an der Tepl. Seine Einwohner sind grösstentheils Gewerbsleute;

speciell die _Kunsttischlerei_ hat hier einen hohen, vervollkommneten

Aufschwung aufzuweisen, und verdient die Werkstatt des Kunsttischlers

_Günther_ mit ihren eleganten und soliden Erzeugnissen eine besondere

Hervorhebung. _Gasthäuser_: »_Zum Mühlengrunde_« (am Beginn des

Dorfes) und »_Habsburg_« (im Dorfe). Eine Viertelstunde weiter ist

die bekannte _Porzellanfabrik_ von _Fischer & Mieg_, in welcher die

schönsten Fabrikate zum Kaufe anlocken. Unmittelbar hinter der Fabrik

führt ein guter Fussweg zur _Meczery-Höhe_ mit weiter Rundsicht.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 9 / 27 段