Gegen _Frühbuss_ (1 St. südwestlich von Hirschenstand) können wir die

Torfgewinnung beobachten und, wie Prof. Laube sagt, die Verwandlung

der lebenden Pflanzen bis zur Bildung des reinen braunglänzenden

Specktorfes Schritt für Schritt verfolgen.

_Frühbuss_, Stadt, 1400 Einwohner, welche Bobbinet-Stickerei und

Spitzenklöppelei treiben.

=Gasthäuser=: Städtisches Gasthaus, Franz Baumgartls und

Leander Baumgartls Gasthaus.

=Aussichtspunct=: Hartenberg (20 Minuten entfernt), bietet eine

herrliche Aussicht im Osten gegen den Sonnenwirbel, nach Südost bis

Engelhaus über Falkenau und Karlsbad, nach Südwest über das Egerland

bis Franzensbad, nach Nordwest bis Bayern und Sachsen, und nach Nord

erblickt das Auge noch Auersberg in Sachsen.

Wer zu Wagen kommt, wird von Frühbuss aus über Schönlind und Rothau

nach Graslitz zurückkehren; wer sich aber für Basaltberge interessirt,

wird in Unter-Rothau halten und den _Flössberg_ und _Illmesberg_

besuchen, wo der Basalt in schönen Säulen ansteht, beim ersteren Berge

auch in sphäroidischer Absonderung gefunden wird.

C. Besuch des böhmischen Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von

Karlsbad aus.

Karlsbad.

=Gasthöfe.= Karlsbad besitzt zahlreiche, comfortabel

eingerichtete Hôtels: Hôtel »_goldenes Schild_« mit den dazu

gehörigen Gebäuden: »_Erzherzog Stephan_«, »_zwei deutsche

Monarchen_« und »_Gartenhaus_«; »_Hôtel Anger_«, nahe dem

Theater, Hôtel »_zum österreichischen Hof_« (Neue Wiese);

»_Hôtel Hannover_« (Markt); »_Hôtel drei Fasanen_« und »_Hôtel

Erzherzog Karl_« (Kirchengasse); »_Hôtel Hopfenstock_«, »_Hôtel

Loib_« und »_Rheinischer Hof_« (Geweidiggasse); Gasthof

»_zum goldenen Schwan_« (Kreuzgasse); »_Hôtel Paradies_«,

»_Hôtel Morgenstern_« (Kaiserstrasse); Wiesingers »_Hôtel

National_« (Gartenzeile); »_Hôtel Donau_« (Parkstrasse);

»_Hôtel baierischer Hof_« (Egerstrasse); »_Hôtel Lyon_«

(Bahnhofstrasse).

=Restaurationen= u. =Speisehäuser=. »_Curhaus_« (Quai), »_Salle

de Saxe_« (Alte Wiese), »_Restauration Pupp_« (Pupp'scher

Park), »_Sanssouci_« (am Kiesweg), »_Blauer Stern_« (Prager

Gasse), »_Römer_«, »_Stadt Leipzig_« und »_Rother Ochs_«

(Geweidiggasse), »_am Rhein_« (Andreasgasse), »_Bellona_«

(Schlossplatz), »_Schützenhaus_«, »_Friedrich-Wilhelmsthal_«

(hinter der alten Wiese), »_Königshof_« (Wiesenberg),

»_Liederhalle_« (Schulgasse), »_Elisium_« (Panoramastrasse).

=Caféhäuser= (die beliebtesten): »_Café Elefant_« (auf der

Alten Wiese), »_Pupp's Café-Salon_«, »_Zur Stadt Hamburg_«

(Kreuzgasse), im »_Panorama_«.

=Postamt= am Markte. =Telegraphenamt= mit Nachtdienst (im

Postgebäude).

=Haupt-Zollamt= (Egerstrasse).

=Photographische Ansichten= von Karlsbad und Umgebung in den

Buchhandlungen von Hans _Feller_ (Mitte der alten Wiese zur

»Eiche«, und Mühlbadgasse zu »3 gold. Sterne«).

=Zeitungslese-Salon= im Curhause.

=Directe Eisenbahn-Verbindungen= mit dem ganzen Continente.

Karlsbad ist Station der Buschtiehrader Eisenbahn (Böhmische

Nordwestbahn). Nach einer Reihe grösserer Städte verkehren ab

Karlsbad _directe_ Wagen.

=Lohnfuhrwerke.= _Omnibusse_: Vom Bahnhof in die Stadt 40 kr.,

Handgepäck frei. _Droschken_ (Einspänner): Vom Bahnhof in die

Stadt 1 fl. 20 kr., (50 Kilo Gepäck frei). Vor 6 Uhr Morgens u.

nach 9 Uhr Abends sind die Taxen etwas höher. Für Lohnfuhrwerke

besteht eine besondere behördlich genehmigte Taxordnung.

Dieselbe ist abgedruckt im »Karlsbad im Portemonnaie.« Pr. 20

kr.

=Omnibusfahrten= (täglich) nach _Pirkenhammer_, _Aich_,

_Dallwitz_ u. »Giesshübler Sauerbrunn«.

=Postverbindung= nach Petschau täglich 1mal

" Buchau " 1 "

" Bärringen " 1 "

" Neudek " 2 "

=Privatwohnungen.= Diese sind durchwegs mit Comfort

eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so

grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt

herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel.

=Aemter.= Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II.

Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock),

Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus,

Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro.

4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai),

Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«).

=Beschreibung und Geschichte der Stadt.= Die weltberühmte Curstadt

_Karlsbad_, oder _Kaiser-Karlsbad_ (Karlovy Vary, Thermae Carolinae),

in älteren Urkunden auch _Warmbad_, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl.

Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über

der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch

zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen

am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am

rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in

die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener

Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen

Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind

2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern

versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die

Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen

berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz

für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die

Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der

beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen

umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. -- _Die

schönsten Stadttheile sind_: Die _alte Wiese_ mit dem daranstossenden

_Goetheplatze_ und das _Puppsche Etablissement_, die _Marienbader

Strasse_ mit der damit zusammenhängenden _neuen Wiese_ und dem Dr.

_Becherplatze_, ferner der _Marktplatz_, der _Schlossberg_, die

_Parkstrasse_ und die _Gartenzeile_. -- Alle Hauptstrassen haben sehr

gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von

welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und

Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit

ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick.

-- Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz

über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht

mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu

verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe

diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich

als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist

der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen.

Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die

hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung

dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in

der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher _heisse_,

_warme_ und _kühle Quellen_. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne

charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird

sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die _Bäder_ werden mit

oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten

Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch _Dampfbäder_,

kalte und warme _Douchen_ (Mineraldouchen), _Süsswasserbäder_, ferner

_Moorbäder_ (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager

der Stadt), _Eisenbäder_ aus der Karlsbader Eisenquelle, _kohlensaure

Wasser- und Gasbäder_ von dem sogenannten Sauerbrunn. _Ziegenmolken_

werden an den Quellen verabreicht. -- Die _Mineralwässer_ sowie die

Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können

bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch

die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen

werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen

der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für

Karlsbad anzusehen. Krankheiten des _Magens_: Chronischer Magenkatarrh,

Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung;

des _Darmes_: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle

Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der _Milz_:

Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie

sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten);

der _Leber_: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des

Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine;

der _Nieren und Harnorgane_: Chronischer Katarrh derselben, Nieren-

und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach

Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von

Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren);

der _Prostata_: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen

im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der

Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; _Gicht_: Skrophulose, Asthma,

wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im

Herzen bedingt ist; _Fettleibigkeit_, Unterleibsplethora; _Diabetes

mellitus_ (Zuckerharnruhr). _Alle jene Krankheiten, welche als Folge

von Blutstockungen im Unterleibe auftreten_ (wenn diese nicht in

Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet

sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für

Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation

befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie

vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend;

sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und

Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde.

Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer

einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten

Raume entspringen. 1. Der _Sprudel_, am rechten Ufer der Tepel, mitten

in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die

älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich

durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen

brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5

Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale

senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen

Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in

ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren

Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die

Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende

Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten

werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte

_Colonnade_ und _Quellenhalle_ nach Plänen der Wiener Architekten

_Fellner_ und _Hellmer_ vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko

mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade

repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei

welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender

architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur

Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit

26 Badelogen an. 2. Die _Hygieensquelle_ (58·2° R.), in der Nähe des

Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die _Hygea-Statue_, ein Werk

des berühmten Bildhauers _Fernkorn_. 3. Der Sprudelsäuerling (25°

R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden

sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser _Karls_ IV. Quelle

(34·7° R.); 5. der _Marktbrunn_, beide am Marktplatze; der Reihe nach

stromabwärts folgen: 6. der _Mühlbrunn_, am Ende der Mühlbadgasse,

wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof.

_Zitek_ aus Prag) vollendeten griechischen _Säulenhalle_, der sog.

_neuen Mühlbrunnencolonnade_ verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler

Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der _Neubrunn_

(49·3° R.), 8. Der _Bernardsbrunn_, 9. die _Elisabethquelle_ (35·5°

R.), 10. die _Felsenquelle_, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6°

R.), 11. der _Curhausbrunn_ (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die

Dr. _Hochbergerquelle_ (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der

_Kaiserbrunn_ (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die _Spitalquelle_

(28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der _Theresienbrunn_ (48·3° R.)

oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria

Theresia; rechts davon das _Körner-Denkmal_; 16. der _Schlossbrunn_

(44·6° R.) am Schlossberg, 17. die _Quelle zur russischen Krone_ (28°

R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst.

Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner

Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer

Eigenthümlichkeit »_Karlsbader Industrie_« genannt wird. Zu dieser

gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung

mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln,

Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden

die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet.

Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus

Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens

die Fabrication von Blumenbouquets.

=Sehenswürdigkeiten.= _Kirchen und Andachtsstätten_: Die _St.

Magdalenenkirche_ oder _Dechanteikirche_ (auf dem Kirchenplatz) wurde

von dem böhmischen Baumeister _Dienzenhofer_ in den Jahren 1732--1736

auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser

Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen

alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria

Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern.

-- Die _Kirche zum hl. Andreas_ (in der Andreasgasse) mit einem

werthvollen, dem berühmten _Leonardo da Vinci_ zugeschriebenen

_Altarbild_, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche

befindlichen _Gottesacker_ stehen mehrere denkwürdige _Grabsteine_,

von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten _Dr. David

Becher_ (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des _Musikers

und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart_ (gest. am 30. Juli 1844),

des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. -- Die

_Marienkapelle_ (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet

1700 vom Grafen Sternberg. -- Die _protestantische Kirche_ und das

_griechische Bethaus_ (in der Marienbader Strasse). Die _anglikanische

Kirche_ (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue _Synagoge_ (in der

Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau

derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe _Wolf_ aus

Stuttgart gefertigten Plane vollendet.

=Oeffentliche Gebäude=: _Stadthaus_, bis vor kurzem Mühlbadgebäude

genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl

der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende _Stadtthurm_,

welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV.

erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das _Bezirksamtsgebäude_,

das _Post-_ und _Telegraphenamt_, das _Hauptzollamtsgebäude_ (wurden

schon an anderen Stellen erwähnt). Das _Theater_ (an der neuen Wiese).

Die _Volksschule_ (in der Schulgasse). Die _zweite Volksschule_

(an der Egerstrasse). Die _Bürgerschule_ (am Schillerplatze). Die

_Sprudelcolonnade_ und die _Mühlbrunnencolonnade_ (wurden bereits

an anderer Stelle erwähnt). Die _Marktbrunnhalle_. Die _Trinkhalle_

am Schlossbrunnen. Das grossartige _Curhaus_ mit 75 Badelogen, 8

Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem

Curhause gegenüber erbaute _Neubad_. Das _Militär-Badehaus_ (am Quai)

mit sehenswerther _Kapelle_ und sehenswerthem _Speisesaale_. Erstere

enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler

_Kandler_ und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem

Marmor von dem Bildhauer _Wenzel Lewy_ in Rom; im Speisesaal ziehen

das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein

grosses Oelgemälde von _Kandler_, die Entdeckung Karlsbads vorstellend,

dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere

Aufmerksamkeit auf sich. Das _Fremden-Hospital_ (am Quai).

»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im

Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen

selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den

sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog.

Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden

ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses

steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der

Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger,

in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.«

Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer

Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem

Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen

Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen

»Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal

hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im

heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger

herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben

soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines

Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und

1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des

Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad

herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen

und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse

dafür, _dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand_ und

wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts

durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet

worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt,

und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte

Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei

kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals

bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von

dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen

findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort _Wary_

vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter

welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich

genannt wird.

Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert

vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben

muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum

vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV.,

Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl

IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der

_Mäcenas_ von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob

mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt,

verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte

wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen

grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh

König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde

durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen

Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren

das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in

Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky

sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf

Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I.

zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone

Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 8 / 27 段