Torfgewinnung beobachten und, wie Prof. Laube sagt, die Verwandlung
der lebenden Pflanzen bis zur Bildung des reinen braunglänzenden
Specktorfes Schritt für Schritt verfolgen.
_Frühbuss_, Stadt, 1400 Einwohner, welche Bobbinet-Stickerei und
Spitzenklöppelei treiben.
=Gasthäuser=: Städtisches Gasthaus, Franz Baumgartls und
Leander Baumgartls Gasthaus.
=Aussichtspunct=: Hartenberg (20 Minuten entfernt), bietet eine
herrliche Aussicht im Osten gegen den Sonnenwirbel, nach Südost bis
Engelhaus über Falkenau und Karlsbad, nach Südwest über das Egerland
bis Franzensbad, nach Nordwest bis Bayern und Sachsen, und nach Nord
erblickt das Auge noch Auersberg in Sachsen.
Wer zu Wagen kommt, wird von Frühbuss aus über Schönlind und Rothau
nach Graslitz zurückkehren; wer sich aber für Basaltberge interessirt,
wird in Unter-Rothau halten und den _Flössberg_ und _Illmesberg_
besuchen, wo der Basalt in schönen Säulen ansteht, beim ersteren Berge
auch in sphäroidischer Absonderung gefunden wird.
C. Besuch des böhmischen Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von
Karlsbad aus.
Karlsbad.
=Gasthöfe.= Karlsbad besitzt zahlreiche, comfortabel
eingerichtete Hôtels: Hôtel »_goldenes Schild_« mit den dazu
gehörigen Gebäuden: »_Erzherzog Stephan_«, »_zwei deutsche
Monarchen_« und »_Gartenhaus_«; »_Hôtel Anger_«, nahe dem
Theater, Hôtel »_zum österreichischen Hof_« (Neue Wiese);
»_Hôtel Hannover_« (Markt); »_Hôtel drei Fasanen_« und »_Hôtel
Erzherzog Karl_« (Kirchengasse); »_Hôtel Hopfenstock_«, »_Hôtel
Loib_« und »_Rheinischer Hof_« (Geweidiggasse); Gasthof
»_zum goldenen Schwan_« (Kreuzgasse); »_Hôtel Paradies_«,
»_Hôtel Morgenstern_« (Kaiserstrasse); Wiesingers »_Hôtel
National_« (Gartenzeile); »_Hôtel Donau_« (Parkstrasse);
»_Hôtel baierischer Hof_« (Egerstrasse); »_Hôtel Lyon_«
(Bahnhofstrasse).
=Restaurationen= u. =Speisehäuser=. »_Curhaus_« (Quai), »_Salle
de Saxe_« (Alte Wiese), »_Restauration Pupp_« (Pupp'scher
Park), »_Sanssouci_« (am Kiesweg), »_Blauer Stern_« (Prager
Gasse), »_Römer_«, »_Stadt Leipzig_« und »_Rother Ochs_«
(Geweidiggasse), »_am Rhein_« (Andreasgasse), »_Bellona_«
(Schlossplatz), »_Schützenhaus_«, »_Friedrich-Wilhelmsthal_«
(hinter der alten Wiese), »_Königshof_« (Wiesenberg),
»_Liederhalle_« (Schulgasse), »_Elisium_« (Panoramastrasse).
=Caféhäuser= (die beliebtesten): »_Café Elefant_« (auf der
Alten Wiese), »_Pupp's Café-Salon_«, »_Zur Stadt Hamburg_«
(Kreuzgasse), im »_Panorama_«.
=Postamt= am Markte. =Telegraphenamt= mit Nachtdienst (im
Postgebäude).
=Haupt-Zollamt= (Egerstrasse).
=Photographische Ansichten= von Karlsbad und Umgebung in den
Buchhandlungen von Hans _Feller_ (Mitte der alten Wiese zur
»Eiche«, und Mühlbadgasse zu »3 gold. Sterne«).
=Zeitungslese-Salon= im Curhause.
=Directe Eisenbahn-Verbindungen= mit dem ganzen Continente.
Karlsbad ist Station der Buschtiehrader Eisenbahn (Böhmische
Nordwestbahn). Nach einer Reihe grösserer Städte verkehren ab
Karlsbad _directe_ Wagen.
=Lohnfuhrwerke.= _Omnibusse_: Vom Bahnhof in die Stadt 40 kr.,
Handgepäck frei. _Droschken_ (Einspänner): Vom Bahnhof in die
Stadt 1 fl. 20 kr., (50 Kilo Gepäck frei). Vor 6 Uhr Morgens u.
nach 9 Uhr Abends sind die Taxen etwas höher. Für Lohnfuhrwerke
besteht eine besondere behördlich genehmigte Taxordnung.
Dieselbe ist abgedruckt im »Karlsbad im Portemonnaie.« Pr. 20
kr.
=Omnibusfahrten= (täglich) nach _Pirkenhammer_, _Aich_,
_Dallwitz_ u. »Giesshübler Sauerbrunn«.
=Postverbindung= nach Petschau täglich 1mal
" Buchau " 1 "
" Bärringen " 1 "
" Neudek " 2 "
=Privatwohnungen.= Diese sind durchwegs mit Comfort
eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so
grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt
herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel.
=Aemter.= Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II.
Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock),
Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus,
Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro.
4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai),
Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«).
=Beschreibung und Geschichte der Stadt.= Die weltberühmte Curstadt
_Karlsbad_, oder _Kaiser-Karlsbad_ (Karlovy Vary, Thermae Carolinae),
in älteren Urkunden auch _Warmbad_, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl.
Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über
der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch
zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen
am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am
rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in
die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener
Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen
Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind
2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern
versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die
Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen
berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz
für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die
Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der
beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen
umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. -- _Die
schönsten Stadttheile sind_: Die _alte Wiese_ mit dem daranstossenden
_Goetheplatze_ und das _Puppsche Etablissement_, die _Marienbader
Strasse_ mit der damit zusammenhängenden _neuen Wiese_ und dem Dr.
_Becherplatze_, ferner der _Marktplatz_, der _Schlossberg_, die
_Parkstrasse_ und die _Gartenzeile_. -- Alle Hauptstrassen haben sehr
gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von
welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und
Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit
ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick.
-- Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz
über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht
mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu
verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe
diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich
als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist
der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen.
Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die
hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung
dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in
der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher _heisse_,
_warme_ und _kühle Quellen_. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne
charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird
sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die _Bäder_ werden mit
oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten
Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch _Dampfbäder_,
kalte und warme _Douchen_ (Mineraldouchen), _Süsswasserbäder_, ferner
_Moorbäder_ (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager
der Stadt), _Eisenbäder_ aus der Karlsbader Eisenquelle, _kohlensaure
Wasser- und Gasbäder_ von dem sogenannten Sauerbrunn. _Ziegenmolken_
werden an den Quellen verabreicht. -- Die _Mineralwässer_ sowie die
Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können
bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch
die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen
werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen
der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für
Karlsbad anzusehen. Krankheiten des _Magens_: Chronischer Magenkatarrh,
Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung;
des _Darmes_: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle
Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der _Milz_:
Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie
sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten);
der _Leber_: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des
Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine;
der _Nieren und Harnorgane_: Chronischer Katarrh derselben, Nieren-
und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach
Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von
Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren);
der _Prostata_: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen
im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der
Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; _Gicht_: Skrophulose, Asthma,
wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im
Herzen bedingt ist; _Fettleibigkeit_, Unterleibsplethora; _Diabetes
mellitus_ (Zuckerharnruhr). _Alle jene Krankheiten, welche als Folge
von Blutstockungen im Unterleibe auftreten_ (wenn diese nicht in
Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet
sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für
Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation
befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie
vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend;
sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und
Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde.
Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer
einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten
Raume entspringen. 1. Der _Sprudel_, am rechten Ufer der Tepel, mitten
in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die
älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich
durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen
brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5
Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale
senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen
Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in
ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren
Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die
Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende
Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten
werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte
_Colonnade_ und _Quellenhalle_ nach Plänen der Wiener Architekten
_Fellner_ und _Hellmer_ vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko
mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade
repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei
welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender
architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur
Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit
26 Badelogen an. 2. Die _Hygieensquelle_ (58·2° R.), in der Nähe des
Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die _Hygea-Statue_, ein Werk
des berühmten Bildhauers _Fernkorn_. 3. Der Sprudelsäuerling (25°
R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden
sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser _Karls_ IV. Quelle
(34·7° R.); 5. der _Marktbrunn_, beide am Marktplatze; der Reihe nach
stromabwärts folgen: 6. der _Mühlbrunn_, am Ende der Mühlbadgasse,
wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof.
_Zitek_ aus Prag) vollendeten griechischen _Säulenhalle_, der sog.
_neuen Mühlbrunnencolonnade_ verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler
Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der _Neubrunn_
(49·3° R.), 8. Der _Bernardsbrunn_, 9. die _Elisabethquelle_ (35·5°
R.), 10. die _Felsenquelle_, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6°
R.), 11. der _Curhausbrunn_ (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die
Dr. _Hochbergerquelle_ (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der
_Kaiserbrunn_ (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die _Spitalquelle_
(28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der _Theresienbrunn_ (48·3° R.)
oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria
Theresia; rechts davon das _Körner-Denkmal_; 16. der _Schlossbrunn_
(44·6° R.) am Schlossberg, 17. die _Quelle zur russischen Krone_ (28°
R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst.
Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner
Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer
Eigenthümlichkeit »_Karlsbader Industrie_« genannt wird. Zu dieser
gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung
mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln,
Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden
die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet.
Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus
Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens
die Fabrication von Blumenbouquets.
=Sehenswürdigkeiten.= _Kirchen und Andachtsstätten_: Die _St.
Magdalenenkirche_ oder _Dechanteikirche_ (auf dem Kirchenplatz) wurde
von dem böhmischen Baumeister _Dienzenhofer_ in den Jahren 1732--1736
auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser
Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen
alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria
Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern.
-- Die _Kirche zum hl. Andreas_ (in der Andreasgasse) mit einem
werthvollen, dem berühmten _Leonardo da Vinci_ zugeschriebenen
_Altarbild_, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche
befindlichen _Gottesacker_ stehen mehrere denkwürdige _Grabsteine_,
von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten _Dr. David
Becher_ (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des _Musikers
und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart_ (gest. am 30. Juli 1844),
des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. -- Die
_Marienkapelle_ (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet
1700 vom Grafen Sternberg. -- Die _protestantische Kirche_ und das
_griechische Bethaus_ (in der Marienbader Strasse). Die _anglikanische
Kirche_ (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue _Synagoge_ (in der
Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau
derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe _Wolf_ aus
Stuttgart gefertigten Plane vollendet.
=Oeffentliche Gebäude=: _Stadthaus_, bis vor kurzem Mühlbadgebäude
genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl
der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende _Stadtthurm_,
welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV.
erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das _Bezirksamtsgebäude_,
das _Post-_ und _Telegraphenamt_, das _Hauptzollamtsgebäude_ (wurden
schon an anderen Stellen erwähnt). Das _Theater_ (an der neuen Wiese).
Die _Volksschule_ (in der Schulgasse). Die _zweite Volksschule_
(an der Egerstrasse). Die _Bürgerschule_ (am Schillerplatze). Die
_Sprudelcolonnade_ und die _Mühlbrunnencolonnade_ (wurden bereits
an anderer Stelle erwähnt). Die _Marktbrunnhalle_. Die _Trinkhalle_
am Schlossbrunnen. Das grossartige _Curhaus_ mit 75 Badelogen, 8
Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem
Curhause gegenüber erbaute _Neubad_. Das _Militär-Badehaus_ (am Quai)
mit sehenswerther _Kapelle_ und sehenswerthem _Speisesaale_. Erstere
enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler
_Kandler_ und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem
Marmor von dem Bildhauer _Wenzel Lewy_ in Rom; im Speisesaal ziehen
das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein
grosses Oelgemälde von _Kandler_, die Entdeckung Karlsbads vorstellend,
dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere
Aufmerksamkeit auf sich. Das _Fremden-Hospital_ (am Quai).
»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im
Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen
selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den
sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog.
Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden
ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses
steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der
Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger,
in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.«
Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer
Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem
Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen
Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen
»Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal
hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im
heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger
herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben
soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines
Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und
1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des
Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad
herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen
und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse
dafür, _dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand_ und
wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts
durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet
worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt,
und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte
Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei
kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals
bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von
dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen
findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort _Wary_
vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter
welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich
genannt wird.
Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert
vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben
muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum
vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV.,
Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl
IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der
_Mäcenas_ von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob
mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt,
verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte
wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen
grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh
König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde
durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen
Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren
das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in
Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky
sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf
Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I.
zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone
Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet.