Jahrhunderts ohne männliche Erben, und das Elbogner Gebiet fiel nunmehr
an den Kaiser Friedrich I., welcher sich 1149 mit Adelheid, einer
Tochter des Verstorbenen, vermählt hatte. Als er aber 1153 sich von
dieser seiner Gemahlin durch die Kirchenversammlung zu Kostnitz hatte
scheiden lassen, nahmen die Verwandten derselben, die Herzoge von
Bayern, die hinterlassene Herrschaft Berchtholds in Anspruch, und es
gelang ihnen auch, zum Besitz derselben, namentlich von Elbogen und
Eger zu gelangen.
Unter Rudolph von Habsburg wurde es an die böhmische Krone verpfändet.
König Wenzel I. verlieh 1246 die von ihm neuerbaute Pfarrkirche zu
Elbogen sammt allen Einkünften dem neuen Orden der Kreuzherrn mit
dem rothen Sterne. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Elbogen ein
Eigenthum der Könige von Böhmen. König Johann von Luxemburg erhielt
die Kunde, dass ihm seine Gemahlin Elisabeth die Krone zu entreissen
trachte, und zog wuthentbrannt gegen das feste Schloss Elbogen, den
Aufenthalt der Königin, und liess es ohne weiters stürmen. Obgleich
sich herausgestellt, dass diese Anklage alles Grundes entbehrte und
nichts als eine schändliche Verleumdung war, wurde sie doch von ihren
Kindern gewaltsam getrennt und musste ihren Aufenthalt in Melnik
nehmen. Johanns Nachfolger, Karl IV., zeigte sich der Stadt Elbogen
stets sehr gewogen. Er erneuerte derselben im J. 1352 alle unter
seines Vaters Regierung verbrannten Urkunden und verlieh ihr die
Steuerfreiheit unter der Bedingung, dass ihm bei seiner Anwesenheit in
Elbogen jährlich einmal 5 Pfund schwäbische Heller in einem hölzernen
Becher überreicht werden müssen. Becher und Münzen sind heute noch im
Rathhause aufbewahrt.
Während der Hussitenkriege scheint Elbogen belagert, aber nicht
eingenommen worden zu sein.
Nach verschiedenen Streitigkeiten gelangte das unter Kaiser Sigmund
verpfändete Elbogen im J. 1547 wieder an die Krone Böhmens, und der
damalige Kaiser Ferdinand I. verlieh der Stadt die Erlaubniss, einen
Jahrmarkt zu halten.
In dem dreissigjährigen und dem österreichischen Erbfolge-Kriege hatte
Elbogen viele Drangsale zu bestehen.
Im Jahre 1725 legte eine verheerende Feuersbrunst die ganze Stadt bis
auf einige Häuser in Asche.
Auch die Kirche brannte nieder. Ihr Neubau erfolgte 1728. Das
prachtvolle Altarblatt, Ermordung des hl. Wenzel, ist vom berühmten
Maler Brandl gemalt.
Die St. _Johanneskirche_ bestand schon im 14. Jahrhunderte, wurde
aber baufällig und 1854--1857 neu erbaut. Der angrenzende Friedhof
wurde aufgelassen und 1877 ein neuer auf dem Goldberge angelegt. Die
St. _Annakapelle_ wurde 1742 in Folge eines Gelübdes gebaut. Der
französische General Armentiers belagerte in diesem Jahre die Stadt.
Die geängstigten Bewohner veranstalteten am 26. Juli eine Procession
und gelobten zugleich nach Rettung aus dieser Bedrängniss der hl. Anna
zu Ehren eine Kapelle zu bauen, was auch geschehen ist. Es kam zur
Capitulation; aber die Stadt wurde in keiner Weise geschädigt.
Wo derzeit die St. _Wolfgangskapelle_ steht, war vor alten Zeiten
eine Kirche, die von den Hussiten und Schweden zerstört wurde. Die
Muttergotteskapelle stammt aus neuerer Zeit.
Mitten am Ringplatze steht die schöne _Dreifaltigkeitsstatue_, 1719 vom
Stadtrathe errichtet.
Elbogen besitzt zwei schöne und geräumige Schulgebäude für eine
Oberrealschule, im J. 1840, und für eine Volksschule, im J. 1867 erbaut.
=Sehenswürdigkeiten=: _Das alte Schloss_, bestehend aus dem Wartthurm,
dem Schlossgebäude und dem Markgrafenhaus. Als es im J. 1792 in
ein Kriminal-Strafhaus umgewandelt wurde, fielen die hohen Thürme,
Spitzdächer und der grösste Theil des Mantelgebäudes des Wartthurmes
diesem Umbaue zum Opfer.
Das _Rathhaus_, 1685 erbaut. In demselben werden, wie aus dem
Voranstehenden hervorgeht, aufbewahrt:
_a_) Der steinerne Burggraf, ein Meteorstein.
_b_) Ein hölzerner, verzierter Becher und einige Münzen aus dem Jahre
1352.
Die _Porzellanfabrik_, im J. 1815 von Rudolph und Eugen Haidinger
gegründet.
Die _Spaziergänge_ um die Stadt an beiden Egerufern sind reizend.
Auf die bepflanzten und bewaldeten Höhen führen gut angelegte Wege.
Durch das Geyersbachthal zum neuen Schiesshause, in das felsige Zech-
und das oberwähnte Grünlasthal sind Spaziergänge wegen der sich hier
darbietenden Mannigfaltigkeit besonders zu empfehlen. Wenn man auf der
von Karlsbad steil abfallenden Strasse kommt und plötzlich Elbogen vor
sich sieht, glaubt man zu träumen. Das ist die reine Romantik, die
einem ganz unerwartet entgegentritt. Ganz Böhmen hat kein schöneres
Städtebild aufzuweisen. Der Fluss, die Kettenbrücke, die in fabelhafter
Höhe über ihn gespannt ist, die alte, schwarze Burg dahinter, die
Stadt, welche in Gestalt eines regelrechten Halbbogens sich zu Füssen
dieser Burg ausbreitet, mit ihren Gärten und Villen bis dicht an die
das ganze Bild in Ellenbogenform umspannende Eger vordringt, während
sich die waldbedeckten Berge jenseits der Strasse, welche die Stadt
parallel mit dem Flusse einrahmt, malerisch abheben -- das alles gibt
ein Bild, wie es nicht schöner gedacht werden kann. Darum wird der
Spaziergang gegen Horn allen denen, welche nicht von Karlsbad nach
Elbogen kommen, sich aber den herrlichen Anblick der Stadt von da aus
nicht versagen wollen, besonders empfohlen. Sehr lohnend ist auch der
Weg zum _Hansheiling_ am linken Egerufer oder über den Ziegenruck.
Empfehlenswerthe Aussichtspunkte sind:
_a_) Der Mühlacker;
_b_) der spitzige Stein;
_c_) der Robitschberg und
_d_) die Terrasse im Gasthause zum »weissen Ross«, von welcher
die, Elbogen südwestlich, südlich und südöstlich im engen Gürtel
umschliessenden Berge ein prachtvolles Panorama geben.
_Falkenau-Gossengrün_ (auf der Strasse in nordwestlicher Richtung gegen
Schönbach in 2 Stunden). Der Ort Gossengrün zählt etwa 2000 Einwohner,
welche sich von der Landwirthschaft und der Spitzenklöppelei ernähren.
=Gasthaus=: Philipp Locke's Gasthaus.
=Postverbindung=: Gossengrün-Hartenberg; Gossengrün-Schönbach.
Ausflug von Gossengrün nach Leopoldshammer im Leibitschthale (siehe
Schönbach-Leibitschthal).
_Falkenau-Bleistadt_ (mit der Bahn -- Entfernung etwas über 1 Meile).
=Gasthäuser=: Zum städtischen Rathhaus. -- Wilh. Gerstners
Restauration.
=Eisenbahnverbindung= mit Falkenau und Graslitz.
_Bleistadt_ ist eine alte Bergstadt und zählt 1400 Einwohner. Die Stadt
führt den Namen von dem hier früher betriebenen, nunmehr aufgelassenen
Blei-Bergbau. Gegenwärtig fristen die Bewohner ihr karges Dasein mit
Spitzenklöppeln. Auf den zahlreichen Halden findet der kundige Wanderer
bleihaltige Gesteine und sogar Stücke reinen Erzes.
=Sehenswürdigkeiten=: Nachstehende Privilegien: von den Kaisern
Rudolph II. 1524, Ferdinand 1558, Mathias 1613, Ferdinand III. 1652
und Joseph II. 1785. Auch ist in der im Jahre 1524 vom Kaiser Rudolph
II. gegründeten Kirche Sct. Michael ein Wappen in Farben an dem rechts
vom Hochaltare befindlichen Fenster von den Geheim-Brüdern Paulus,
Christof und Friedrich, Bürgern des Rathes der Reichsstadt Nürnberg,
zum Andenken »ai 1603« zu sehen.
=Aussicht=: Von dem Bergrücken bei Liebenau, Obergrünles und Neuhäuser
aus lässt sich grosse Umschau halten über das Erzgebirge bis gegen
Platten, dann gegen Karlsbad, die interessante Burgruine Engelhaus,
Lauterbach bei Einsiedel und über das Egerland.
_Falkenau-*Heinrichsgrün_ -- Gebirgsstadt, 2250 Einwohner.
=Gasthäuser=: Wilder Mann, grüner Heinrich.
=Post- und Telegrafenamt= -- Domainen- und Forstverwaltung des
Grafen Erwein Nostitz.
Von Falkenau aus erreichen wir Heinrichsgrün auf der Aerarialstrasse,
welche durch die Dörfer Lanz, Waldl und Unter-Neugrün sanft ansteigt
und von Neu-Grün an, auf beiden Seiten von den schönsten Wäldern
begrenzt, bis zur Stadt führt. Diese liegt auf einer kleinen
Gebirgsebene an einer Thalschlucht, welche sich in langen Zügen in's
Zwodauthal erstreckt und das Lochthal genannt wird. Hier blühte in
früherer Zeit der Bergbau. Der Tourist möge uns nun auf unserem Gange
begleiten. Wir statten zuerst der im Spitzbogenstyl erbauten Kirche
St. Martin einen Besuch ab; dann besichtigen wir die im J. 1877 auf
Veranlassung des hochverdienten Erzgebirgsfreundes Herrn Ritter von
Dotzauer von dem Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit
der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner in Prag errichtete
Spitzenschule, in welcher Idrianer Spitzen kunstgerecht erzeugt
werden. Nun gehen wir durch die Schlossgasse zu dem nördlich von der
Stadt gelegenen gräflich Erwein von Nostitz'schen Schlosse. In diesem
befinden sich zwei alte Bilder, welche Scenen aus dem Graslitzer
Bergbau darstellen. Auch finden wir hier ein Bild, genannt die grosse
Dame, von der die Sage erzählt, dass sie in einem der Eckthürme des
Schlosses lebendig eingemauert wurde. Sämmtliche gräfliche Zimmer
sind mit prachtvollen Hirschgeweihen ausgeschmückt. Nach einer kurzen
Wanderung durch den Park, der das Schloss umgibt, kommen wir in eine
schöne Allee, welche uns zum _gräflichen Thiergarten_ führt.
Kurz vor dem Thiergarten biegt eine Bezirksstrasse nach rechts ab,
zieht sich durch theilweise schöne Waldungen in auf- und absteigender
Linie ausserhalb desselben hin und führt bei dem an der Ausgangseite
des Gartens gelegenen Teiche, von welchem sich ein weiter unten
bezeichneter Weg nach Schindelwaldel und Rothau abzweigt, vorbei.
Am Eingange in den Thiergarten (mit Erlaubniss der Forstinspection
passirbar) stehen zwei Forsthäuser, und von diesen aus ziehen sich
schöne, wohlerhaltene Wege durch alle Theile des weiten Gartens.
Hier nehmen wir die herrlichsten und mannigfaltigsten Partien wahr.
Dichte Fichtenwaldungen wechseln mit den saftigsten Wiesen ab, auf
denen Heerden von Hochwild weiden. In der Mitte des Thiergartens
steht malerisch das Jagdschloss, der Sommeraufenthalt der gräflichen
Familie. Von den Fenstern des Hauptgemaches geniesst man die Aussicht
auf eine reizende Scenerie des Gartens. Nicht uninteressant ist
auch die Eremitage, von welcher sich eine schöne Aussicht in das
Rothauthal eröffnet. Vom Jagdschlosse aus führt eine Strasse nach
dem nördlichen Ausgange des Thiergartens und schliesst sich da an
die oberwähnte Bezirksstrasse nach Schindelwaldel und Rothau an. Die
grossen Eisenwerke daselbst sind sehenswerth. Das erste Werk, zu
dem wir gelangen, ist die Zinnerei. Im Thale, kurze Strecke weiter
abwärts, steht der Hochofen mit der Eisengiesserei und unweit davon
die Dreherei. Nach etwa einer Stunde kommen wir zur Neuhütte. Von
da aus gelangen wir nach kurzem Gange auf die Kaiserstrasse, die
von Heinrichsgrün nach Graslitz führt. Beiderseits von hohen Bergen
eingeschlossen führt uns die bequeme Strasse in das _Annathal_, wo
der Rothaubach in die aus Sachsen kommende Zwodau mündet. Am rechten
Ufer der Zwodau liegt der Bahnhof, nach welchem von Heinrichsgrün aus
zweimal täglich die Post verkehrt. Auf unserer Retour-Wanderung aus
dem Annathal nach Heinrichsgrün erblicken wir links einen Basaltkegel,
den _Kernberg_, von dem aus man den grössten Theil der gemachten
Wanderung übersehen kann. Erwähnenwerth ist noch das Dorf _Altengrün_,
südlich von Heinrichsgrün gelegen, von welchem aus sich dem Auge eine
prachtvolle Aussicht in's Egerland darbietet.
4. _Falkenau-*Graslitz_ (mit der Bahn oder zu Fuss über Bleistadt, von
da über Horn und Heinrichsgrün nach Graslitz).
_Graslitz_, eine freie Bergstadt, in welcher bereits im J. 1370 der
Bergbau auf Kupfer rege geworden. Im J. 1437 hat Caspar Schlick die
Herrschaft übernommen. Im J. 1527 ging solche an Hieronymus Grafen
Schlick durch Kauf über. Im J. 1570 gelangte diese Stadt mit ihren
bereits bestehenden und durch eine Schlick'sche Bergordnung geregelten
Bergbauen in den Besitz der gräflich Schönburg'schen Familie.
August Graf Schönburg erliess eine neue Bergordnung 1601, welche
grösstentheils der Joachimsthaler nachgebildet ist. Schon damals
waren 2000 Bergleute, 100 Steiger, beim Baue beschäftigt und eine aus
zahlreichen Bergbeamten bestehende Berghauptmannschaft aufgestellt. Von
der damaligen Grossartigkeit der Bergbaue geben die vielen Stollen und
Halden den besten Beweis. Der Abbau und die Schmelzung der Schliche zu
Schwarzkupfer geschah durch Gedingarbeit und wurden 3 bis 5% Kupfer aus
dem Centner Erz herausgebracht.
Graslitz ist jetzt eine bedeutende Industriestadt, zählt nach der
letzten Volkszählung vom J. 1870 6549 Einwohner. Die verschiedenen
Industriezweige sind: Musikinstrumenten-, Spitzenerzeugung,
Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenerzeugung, Bleicherei,
Färberei, Druckerei. Hervorragende Fabriken: Maschinen-Stickerei,
Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenfabrik, bedeutende Fabrication für
Musikblas- und theilweise Streich-Instrumente, Kindermusikinstrumenten,
Perlmutterknopf-Erzeugung und Fabrication von Mundharmonikas.
=Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht,
k. k. Haupt-Zollamt, k. k. Post- und Telegrafenamt;
Eisenbahn-Endstation der Buschtiehrader Bahn.
=Gasthäuser=: Kaiser von Oesterreich, Herrenhaus.
_Restaurationen:_ Räumermühle mit schönem Echo; Kaisergarten
und zwei an der Bahnhofstrasse.
=Sehenswürdigkeiten=: Die _Pfarrkirche_, in der Kanzel und Taufbecken
künstlerischen Werth haben. Das Altarbild »Abendmahl Jesu« ist von
Brandl. Das _Schulgebäude_ der Volks- und Bürgerschule mit dem
interessanten _*Museum_, Musikschule, welche sich eines bedeutenden
Rufes erfreut und zur Hebung der Musikinstrumentenfabrication
wesentlich beiträgt. _Armenhaus_, Spital, Friedhof.
Spaziergänge:
Nach dem Hausberg, lohnend wegen der schönen Aussicht. Dort ist die
_Richardshöhe_ mit einer Gedenktafel, so benannt nach Herrn Ritter von
Dotzauer, Handelskammerpräsidenten in Prag, einem geborenen Graslitzer,
der sich um seine Vaterstadt und das ganze Erzgebirge so verdient
gemacht, dass sein Name in den Blättern der Geschichte dieses Gebirges
für ewige Zeiten mit goldenen Lettern eingegraben bleiben wird. Gleich
darüber befindet sich auf der Sängerhöhe ein Obelisk und unweit davon
ein Gloriett, von dem aus wir einen herrlichen Ausblick über die
Umgebung geniessen.
Auf dem Hausberg stand einst ein Raubritterschloss, das im J. 1412 von
Tuchknappen und Metzgern aus Eger zerstört wurde. Ueberreste eines
Brunnens sind die letzten Spuren dieses Schlosses.
Auf dem Glasberge, welcher dem Hausberge gegenüber liegt, befinden sich
im »Holzhau« zwei auf einander liegende Granitblöcke, die Quarkquetsche
genannt, welche sich der Sage nach bei einem heftigen Sturme bewegt
haben. Nicht weit vom »Holzhau« befinden sich die Katzenfelsen,
zwei aus Granitsteinen aufgethürmte Hügel, und weiter in gerader
Linie kommen wir in die Nähe der Stadt und zum »Gesteinlicht«, einem
spitzigen Felsen, wo sich uns ein herrlicher Blick über die Stadt und
das Zwodauthal eröffnet.
Die Partie von Graslitz auf den _*Muckenbühl_ (¾ St.) 944 m hoch, ist
zu empfehlen; man erreicht seine 470 m über dem Zwodauthale liegende,
mit grossen Granitblöcken übersäete Kuppe ohne alle Anstrengung, da
seinerzeit der Herr Graf Nostitz von Heinrichsgrün Stufen einhauen
liess. Dieser interessante Berg gewährt eine hübsche Aussicht, die
nach Osten bis zum Sonnenwirbel, nach Südost über das nahe Schönlind
und Kohling hinweg nach Karlsbad reicht und darüber hinaus noch
den Phonolithberg Engelhaus mit der grossartigen, weit sichtbaren
Burgruine und das Giesshübler Schloss erkennen lässt.
Südwestlich von Graslitz (1 St.) liegt _Schönau_ mit der
Wallfahrtskirche zum hl. Jakob dem Grösseren. Ein im J. 1688 gedrucktes
und hier aufbewahrtes Gebetbuch gibt einen dunklen Aufschluss über
diesen Gnadenort. Interessant sind die um die Kirche gepflanzten, sehr
alten Linden.
Touren:
_Graslitz-*Klingenthal_, unmittelbar an der Grenze, wird durch das
Zwodauthal in ¾ St. erreicht.
_Klingenthal_ 576 m Seehöhe, hat 2700 Einwohner.
=Gasthöfe=: Brauner Hirsch, zum alten Schloss, zur Post, zum
heiteren Blick, vulgo das Lämpl, mit Aussicht, die Hacke
(originelles und stark besuchtes Local mit vorzüglichem
böhmischen Bier und Wein in unmittelbarer Nähe des sächsischen
Zollamts -- gehört zu Markhausen in Böhmen).
Klingenthal liegt am Zusammentreffen des Zwodau- und Brunndöbrathales
und unmittelbar an der böhmischen Grenze, ist in seinen Haupttheilen
stadtähnlich gebaut und macht mit seiner romantischen Umgebung einen
sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher. Es ist hochinteressant
durch seine eigenartige Industrie: Es fertigt jährlich Millionen von
Mundharmonikas, Accordions, Concertinos etc. und versendet sie in die
entferntesten Länder. Hauptfirmen: Dörfel, Steinfelser, C. G. Herold
und E. Leiterd in Brunndöbra.
Obwohl Klingenthal zweifellos ein Ort jüngeren Ursprungs ist, so lässt
sich doch die Zeit seiner Entstehung nicht nachweisen. Ursprünglich
war ein Eisenhammer hier, wegen der Lage in dem von steilen und
dunkel bewaldeten Bergen umgebenen Thalkessel »Höllenhammer« genannt,
wie überhaupt die ganze Thalsenke in früheren Zeiten mit dem Namen
»Hölle« bezeichnet wurde. Der Ort Klingenthal soll durch böhmische
Exulanten, die nach der Schlacht am Weissen Berge (1620) ihr Vaterland
verlassen mussten, entstanden und sowohl seinen Namen als auch sein
rasches Aufblühen einem Einwohner Namens Klinger zu verdanken haben.
Wahrscheinlich begründeten die Exulanten auch die heimische Industrie.
Von Klingenthal lässt sich bequem der _Aschberg_ besuchen. Der nächste
Weg ist die Auerbacher Strasse bis zur Postwartehalle in Brunndöbra.
Bei jeder neuen Biegung müssen wir den hochromantischen Charakter
der ganzen Landschaft bewundern. Hier zweigt nach rechts der sog.
Staffelweg ab nach dem Schloss Obersachsenberg im Dorfe gleichen
Namens. Die Häuser dieses Ortes liegen zerstreut auf sonniger Höhe,
sind klein und unscheinbar, aber bewohnt von einer arbeitsamen und
genügsamen Bevölkerung. Nicht selten sieht man an den kleinen Fenstern
der niedrigen Stübchen -- wie überhaupt im östlichen Vogtland -- den
Vogelbauer mit dem Hänfling oder Stieglitz oder mit dem unvermeidlichen
_Grünitz (Kreuzschnabel), der nach dem Glauben der Mütter die »Krämpfe
der Kinder anzieht.«_ Von Obersachsenberg ab ist der Weg nicht mehr
zu fehlen; das Ziel ist bereits sichtbar. _Der Aschberg, 925 m, liegt
hart an der Grenze auf böhmischer Seite und ist Station der königl.
sächsischen Triangulirung._ Das Steingerölle lässt uns die geologischen
Bestandtheile des Berges, den Granit erkennen. Die Aussicht ist
eine sehr umfassende und vorzügliche, nur sind die Hauptobjekte mit
Ausnahme des tief eingeschnittenen Zwodauthales mehr in die Ferne
gerückt. Unter den bewaldeten Höhen im Nordwesten ragt der langgezogene
Rücken des _Kiel_ (861 m) bei Friedrichsgrün hervor; in der im Norden
ausgebreiteten Waldregion tritt der obere Theil von Schönheida
deutlich heraus. Im Osten zeigen sich bewaldete Berge, im Süden viele
hochgelegene böhmische Orte, im Südwesten die vordere Gruppe des
Fichtelgebirges und ganz nahe das bereits erwähnte Zwodauthal.
Von _Klingenthal_ nach _Markneukirchen_ (mit der Bahn und dann retour).
_Markneukirchen_, Stadt, 504 m Seehöhe, 4600 Einwohner.
=Gasthöfe=: Zum Rathskeller, zur goldenen Krone, Restauration
von Paulus mit Gartenanlagen, Schützenhaus, Bahnhofrestauration.
=Eisenbahnverbindung=: gegen Klingenthal, Adorf, Elster, Eger
und nördlich gegen Leipzig.
_Markneukirchen_ ist die südlichste Stadt Sachsens und liegt zu beiden
Seiten des Schwarzbaches. Die Stadt ist Mittelpunkt der Vogtländischen
Blas- und Streichinstrumenten- und Darm-Saiten-Fabrication. Die Firmen:
Michael Schuster jun., Paulus & Schuster u. a. haben überseeische
Handelsverbindungen und ihre Waaren beherrschen trotz der französischen
und italienischen Concurrenz den Weltmarkt. Musikschule -- Badeanstalt.
Die Stadt hat nach dem Brande von 1840 ein ganz anderes schöneres
Gepräge erhalten. Der Ursprung derselben ist in völliges Dunkel
gehüllt. Der Ort, der erst aus 17, nach anderen nur aus 3 Häusern
bestanden haben soll, scheint ursprünglich nicht zum dobenauischen
Gebiet gehört zu haben, sondern es muss erst im 12. Jahrh. an die Vögte
gekommen sein. Ursprünglich soll es Nieweekirchen geheissen haben,
woraus dann Neukirchen und zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten
Mark- d. h. Grenz-Neukirchen entstanden sei. Eine andere Vermuthung
leitet den Namen von »Markt« ab.
Markneukirchen kommt zuerst 1357 als ein an die Markgrafen abgetretenes
Städtlein Neuenkirchen vor. Im Jahre 1360 erhalten die Kaufleute des
Ortes durch den Landgrafen Balthasar dieselben Rechte, wie die zu Adorf
und Oelsnitz, der Ort muss also schon von einiger Bedeutung gewesen
sein.
Das Bässe- und Geigenmachen soll 1580 durch böhmische Exulanten --
namentlich aus Schönbach und Graslitz -- nach Markneukirchen gebracht
worden sein.
_Graslitz-Schneckenstein-Schwaderbach_ und über Brunndöbra,
Sachsenberg, Klingenthal und Markhausen retour. Wer eine mineralogische
Merkwürdigkeit nicht unberührt lassen will, muss von Graslitz aus
den Schneckenstein besuchen. Derselbe gehört Sachsen an und liegt
2½ St. nördlich von Graslitz. Der Fussgänger mag seinen Weg über
Eibenberg nehmen, wo er die Bergwand mit riesigen Halden, den
Zeugen eines ehemals schwunghaften Baues auf Kupfererze, bedeckt
sieht und kann hinter Schwaderbach nebenbei den »_Aschberg_« (siehe
Klingenthal-Aschberg) besteigen. Von Schwaderbach über Ober-Sachsenberg
müsste er nach Steindöbra hinab, auf der nach Nord ziehenden Strasse
weiter, dann links ab in die Wälder, wo er _ohne Compass und Führer_
den versteckten _Schneckenstein_ gewiss nicht findet. Derselbe ist ein
Topasfels; in vielen Lehrbüchern der Mineralogie wird seiner gedacht,
und man soll etwas Aehnliches erst im Ural wiederfinden. Früher hat die
sächsische Regierung hier Topasse suchen lassen, jetzt kann sich jeder
nach Belieben ein Andenken aus dem Gestein herausklopfen und mitnehmen.
Auf dem Rückwege würde der Wanderer die sächsischen industriereichen
Ortschaften Brunndöbra, Sachsenberg und Klingenthal, auf böhmischer
Seite Markhausen berühren. Wer eine Fahrgelegenheit benützen will, kann
den grössten Theil des Weges auf guter Strasse zurücklegen.
_Graslitz-Forsthaus Nancy-Sauersack-*Kranichsee-Hirschenstand_ --
retour über Schönlind nach Graslitz.
Im Hochsommer bei trockener Zeit ist es eine eigenthümliche Lust, die
Moorgründe des höheren Gebirges zu besuchen und zwischen Knieholz
(Sumpfkiefer) über schwankenden Boden zu wandern.
Den Botaniker interessiren da die dem Torfmoore eigenthümlichen
Pflanzen. Von Graslitz führt eine gute Strasse das Thal des
Silberbaches aufwärts in einem hübschen Waldthalkessel zu der in
anmuthender Waldeinsamkeit gelegenen Försterei »Nancy« und von da
nach _Sauersack_. Von hier aus wäre ein _kundiger_ Führer mitzunehmen
und der _Kranichsee_ zu besuchen. Es ist kein echter See, sondern
eine grosse _Hochmoorfläche_, in deren Torf- und Moosboden das
Knieholz wuchert. Solche Moore sind grosse Wasserbehältnisse, da
ihr schwammiger Boden begierig die Feuchtigkeit einsaugt und nur
langsam wieder von sich gibt. Nach Delitsch enthält ein Moor, wie der
Kranichsee, vollständig mit Wasser gesättigt, so viel Wasser, dass
es _ein_ ganzes Jahr lang in jeder Secunde 10 Centner Wasser liefern
könnte, ehe es seinen Wasservorrath erschöpfte. Drei Bäche entfliessen
ihm.
In die Knieholzregion können wir auch leicht von Sauersack aus auf der
nach _Hirschenstand_ führenden guten Strasse kommen.
_Hirschenstand_, Dorf, 1200 Einwohner, welche sich mit Spitzenklöppeln
und der Buntstickerei beschäftigen.
=Ausflug=: Sehr empfehlenswerth ist die Besteigung des 1½ St.
entfernten, in Sachsen bei Wildenthal gelegenen _Auersberges_, 1021 m,
des zweithöchsten Berges in Sachsen, der eine majestätische Lage hat
und eine herrliche Aussicht in's Vogtland, in die Muldengegend, in das
sächsische Niederland und das Erzgebirge bietet.