der Kreuzbrunnen mit einer Kuppelrotunde und daran sich schliessenden
Säulenhallen und mit dem Denkmal Dr. Nehr's, durch dessen eifrige und
unablässige Bemühungen Anstalten zur Austrocknung der sumpfigen Gegend
um diesen Brunnen und zum Schutze dieser Quelle vor wilden Wässern
getroffen, 1807 ein zur Aufnahme von Curgästen eingerichtetes Haus und
das Jahr darauf ein Badehaus gebaut und das ärztliche Publikum auf
Marienbad aufmerksam gemacht wurde. Seitdem ist der Ort in Folge der
starken Frequenz und durch die liberale Unterstützung, mit welcher
das Stift Tepl für denselben eintrat, von Jahr zu Jahr vergrössert
und verschönert worden. Vom Kreuzbrunnen gehen wir an reichhaltigen
Läden vorüber und gelangen durch die Allee nach rechts zur Colonade
des Karolinenbrunnens, wo auch die Röhrenleitung einmündet, welche
das Mineralwasser des eine viertel Stunde weiter südlich am Abhange
des Hamelikaberges gelegenen Ferdinandsbrunnens zur Stadt leitet. Der
Weg zu dem bereits am Ausgange der Marienbader Thalmulde mit schönen
Pavillons und Säulengängen sich erhebenden Ferdinandsbrunnens selbst
zählt zu den anmuthigsten Partien. Wir können dahin entweder auf dem
Pfade über die Höhen des Kreuzberges und des Hamelika am _Göthesitze_,
an dem durch seine herrliche Aussicht bemerkenswerthen Kaffee-Panorama
und am _Schweizerhofe_ (Restauration) vorbei gelangen, oder wir wählen
den bequemeren Weg längs der Thalsohle durch die Ferdinandsstrasse
über das _Bellevue_ (Restauration). Wenige Schritte von der
Karolinenquelle entfernt erblicken wir den kleinen gothischen Tempel
des _Ambrosiusbrunnens_, links davon das _alte Badehaus_ (Mariaquell-,
Moor- und Gasbäder) und rechts das imposante neue Badehaus (Stahlbäder
aus dem Ambrosiusbrunnen und der Carolinenquelle, Bäder aus der
Ferdinandsquelle). Die _*Waldquelle_, der beliebteste Sammelplatz der
Curgäste um die Mittagsstunden, liegt nordwestlich vom Kreuzbrunnen in
stiller, lauschiger Waldschlucht, am linken Ufer des Schneidbaches, und
ist sowohl durch die Waldbrunnstrasse als auch auf dem noch kürzeren,
unmittelbar vom Kreuzbrunnen durch die Alleestrasse und weiter
durch eine herrliche Laubholzallee in wenigen Minuten zu erreichen.
In der entgegengesetzten Richtung wird der Rayon der zur Zeit in
Verwendung stehenden Quellen durch die in den Wiesgründen unweit
der Ferdinandsquelle entspringenden _Rudolfs-_ und _Wiesenquelle_
abgeschlossen.
Dem Tepler Abte Reitenberger, der sich um die Versendung der
Marienbader Wässer hochverdient gemacht, wurde in jüngster Zeit ein
Denkmal gesetzt.
=Sehenswürdigkeiten=: Die _Kirche_, 8eckiger Bau, reich geschmücktes
Innere, Totaleindruck sehr günstig. In der Promenade vor der Front des
neuen Badehauses mit dem Conversationssaal das _Heidlerdenkmal_, ein
Obelisk mit lateinischer Inschrift.
Spaziergänge:
1. Vom Ferdinandsbrunnen aus zur _*Ferdinandsmühle_ (Café Kroha). Hier
bietet sich dem Besucher ein herrliches Bild.
2. Zurück zum Ferdinandsbrunnen und von da auf dem Pfade durch die
üppigen Wiesengelände, welche die Abhänge des Hamelika von jenen des
Darnberges trennen, in gerader westlicher Richtung auf _Schönau_ zu,
um von da an der Restauration zur »_Stadt Versailles_«, am »_deutschen
Kaiser_« und an den schönen Anlagen und Villen des Casinoparkes vorbei
den Rückweg durch die Kaiserstrasse einzuschlagen.
3. _*Höhendorfer Höhe_ (1 St.). Auf dem Pfade oberhalb des Panoramas in
östlicher Richtung. Ein herrliches Panorama! Von der Café-Restauration
auf der Höhe übersehen wir die reizende Umgebung Marienbads und lassen
unsere Blicke bis zu den im blauen Nebel verschwimmenden höchsten
Kuppen des Böhmerwaldes und des Erzgebirges schweifen. Rückkehr nach
Marienbad entweder auf dem über die Waldschlucht thaleinwärts führenden
Promenadenwege oder auf der Karlsbader Strasse.
4. Zur »_König Otto's Höhe_« im Südosten des Darnberges, welcher von
dem Hamelika durch die Mühlgasse und die Wiesengründe des Schneidbaches
getrennt und von zahlreichen Spaziergängen durchschnitten ist, gelegen.
Von der »_Königin Carola's Ruhe_« am Nordostabhange des Darnberges
haben wir einen schönen Ueberblick über Marienbad. Von da in einigen
Minuten über den sogenannten Schneiderrang zum _Försterhause_ am Fürst
Metternich'schen Tiergarten (Restauration). Wir steigen nun auf dem
an dem Försterhause nach Osten führenden Fusswege herab, um an die
oberhalb Marienbads nur eine schmale Thalspalte füllenden Wiesgelände
des Schneidbaches zu gelangen, an welchen, wenige Schritte abwärts,
die Restauration »zur _Waldmühle_« ein trauliches Plätzchen zum Ruhen
bietet.
Touren:
1. _Marienbad-*Podhorn-*Tepl_ (2½ St.) Wir gelangen auf den östlich
von Marienbad gelegenen _Podhornberg_ (838 m ü. d. M.) über die
Hohendorfer Höhe (1½ St.) oder durch das Dorf Abaschin. Der Berg zeigt
in seiner Kegelform und in seiner basaltischen, von lavaähnlichen
Bildungen umlagerten Gesteinsmasse das Gepräge seines vulkanischen
Ursprungs. Er ist in zwei Gipfel gespalten, deren einer die mächtig
aufstrebende, spitz zulaufende Phonolitmasse trägt, während der andere
terrassenförmig mit einem Haine besetzt ist. Im Schatten dieser Bäume
gibt es tempelförmige Pavillons und Ruheplätze. Prachtvolle Aussicht
über die Höhen des Böhmerwaldes, Erz- und Fichtelgebirges. Restauration
im Sommer. Von hier über Ober-Gramling nach Stift _Tepl_, 20 Minuten
von der gleichnamigen Stadt entfernt. Das weitläufige Kloster mit
hübscher Kirche, grosser Orgel, sehenswerther Bibliothek, Brauerei
und grossen Wirthschaftsgebäuden, ist eines der reichsten Klöster
der Monarchie. Unter den daselbst aufbewahrten Raritäten finden
der Becher, woraus Göthe stets den Kreuzbrunnen trank, die von ihm
angelegte und zusammengestellte interessante Mineraliensammlung und
die Originalbriefe Göthes an den trefflichen Uebersetzer der Iliade,
Gymn.-Prof. Zauper, rege Beachtung. Neben dem Kloster ein Gasthof mit
Veranda. Wagen zur Rückfahrt nach Marienbad.
2. _Marienbad-Petschau._ (4 St. zu Fuss.) Ueber Einsiedl (Kloster
und Mädchenpensionat) durch ein herrliches Waldthal mit zahlreichen,
höchst interessanten Felspartien auf der windungsreichen Kaiserstrasse
zur Restauration _Grünberg_, mitten im Walde und an der Tepl reizend
gelegen, und von da in einer halben Stunde nach Petschau.
=Gasthöfe=: Zur Krone, zur Post.
=Post- und Telegrafenamt.= =Postverbindung= mit Karlsbad,
Marienbad, Pilsen, Elbogen.
Die Stadt liegt an der Tepl in einem herrlichen Thale; die Strassen
von Marienbad, Karlsbad und Pilsen laufen hier zusammen. Auf einem
mächtigen, gegen die Tepel zu steil abfallenden Felsen liegt reizend
das Schloss des Herzogs Beaufort. Oberhalb desselben erhebt sich
malerisch das alte Schloss, welches ursprünglich Slawko von Riesenberg
gegründet, später aber Johann Pflug von Rabenstein, wie sein Wappen
und eine Inschrift zeigt, überbaut und Kaspar Pflug noch bewohnt hat.
Von den angeblich sonst bestandenen vier Stockwerken sind nur zwei
vorhanden. Gegenwärtig ist es von den herzogl. Beaufort'schen Beamten
bewohnt. Es enthält eine ziemlich erhaltene Kapelle mit prachtvollen
Gemälden. Die Stadt wurde während der Hussitenkriege fast ganz
verwüstet und durch Joh. Pflug von Rabenstein unterstützt und wieder
emporgebracht. Am 2. Februar 1621 und 17. Juli 1760 legten grosse
Feuersbrünste die Stadt in Asche. Der in Schönfeld, zwischen Petschau
und Schlaggenwald gelegen, im J. 1802 gebürtige namhafte Violinist
und fruchtbare Komponist Josef Labitzki bildete sich unter Karl Veit
in Petschau im Klavier- und Violinspiel und in der Harmonielehre aus.
Die Umgebung der Stadt ist höchst interessant. Südwestlich vom Orte
_Neudorf_ (1¼ St. von Petschau) sind _Sauerbrunnen_, von welchen
der eine fast alle Eigenschaften des Marienbader Kreuzbrunnens hat.
Bemerkenswerthe Berge sind der _Koppenstein_, der _Galgenberg_ und der
_Huritzberg_. Die Felsarten sind an den beiden Gehängen des Tepelthales
und an den Bergen östlich bis Gängerhäusel, nördlich bis gegen
Millersgrün und westlich bis Tiefenbach _Granit_. Bei diesen Orten wird
der Granit von _Gneis_ begrenzt, welcher sich über das weite Gebiet
des Dominiums erstreckt. Im nördlichen Theile, von Gabhorn, Drosau und
Tepeles anfangend, herrscht wieder _Granit_.
B. Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus.
Falkenau.
=Gasthöfe=: Anker, Stadt Prag, Stadt Karlsbad, Herrenhaus,
Krone, 3 Staffeln, Hufeisen, Restauration am Schiesshause.
=Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht.
=Eisenbahn=: Knotenpunkt gegen Eger, Karlsbad, Graslitz. Der
Ort kann also von Eger oder Karlsbad aus leicht erreicht und
zum Standorte für Touren in's Erzgebirge gewählt werden.
Wenn der Tourist mit der Bahn von Eger kommt und die Thalenge zwischen
Königsberg und Dassnitz passirt hat, so eröffnet sich nach letzterer
Station seinen Blicken allmählig eine anmuthige, kleine Ebene, umsäumt
von Bergrücken in einer Höhe von nahezu 948 m. Inmitten dieser Ebene,
»das _Falkenauer Land_« genannt, liegt:
_Falkenau_ -- Stadt mit 6000 Einwohnern, an der Mündung des
Zwodaubaches in die Eger gelegen und von der Karlsbad-Egerer Strasse
durchschnitten; der Ort besteht aus der eigentlichen Stadt und einer
Vorstadt. Das Schloss ist ein ansehnliches, schon vom Grafen Nikolaus
Schlick im Jahre 1480 gegründetes, aber erst von seinen Nachfolgern
vollendetes, ein regelmässiges Viereck bildendes Gebäude, mit einem
geräumigen Hofe und einer Kapelle. An jeder der vier Ecken des Gebäudes
erhebt sich ein Thurm. Bei dem Schlosse befindet sich ein schöner Park.
Am 23. Juni 1874 wurde die Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst
heimgesucht, Welche von den vorhandenen 280 Häusern über die Hälfte
in Asche legte. Heute steht die Stadt freundlicher als je da; breite,
gepflasterte, mit Trottoir versehene Strassen und neue schöne Häuser
entstanden an Stelle der alten, winkligen, engen Gässchen und der
unansehnlichen Häuser mit den russgeschwärzten Schindeldächern. Alles
wird überragt von dem neuen, schlanken Thurme. Am östlichen Ende
der Stadt führt eine neue 132·3 m lange Eisenbrücke auf das linke
Ufer der Eger zum Bahnhofe und Vororte Schönwerth. Das Lobs- und
Zwodauthal sind romantische Gebirgsthäler mit malerischen Fels- und
Waldpartien und laden den Touristen zu lohnenden Streifzügen durch
dieselben ein. Die dichtbevölkerte Umgebung Falkenau's mit den vielen
Dörfern, Kohlenwerken, Glashütten, Spinnereien usw. bietet jedermann
sehr viel Interessantes und Lehrreiches. Aus allem geht hervor,
dass das Gebiet ein lebhafter Industriebezirk, und dass die Stadt
mit ihrer Umgebung in entschiedenem Aufschwung begriffen ist. Der
landschaftliche Reiz hat aber dadurch keine Einbusse erlitten, und es
erscheint Falkenau als Centralpunkt eines bedeutenden Strassennetzes
mit drei Bahnlinien nach westlicher, östlicher und nördlicher Richtung
dem Touristen als ein vortrefflicher Ausgangspunkt für sehr viele
lohnende Spaziergänge und Ausflüge. Eine besondere Zierde der Umgebung
der Stadt ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der
Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der
Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne. Diesen Hopfenbau
besang der Naturdichter _Anton Fürnstein_, welcher ein Krüppel war
und hier lebte, über Veranlassung unseres Dichterfürsten Wolfgang von
Göthe. Als dieser im Jahre 1822 über Eibenstock und Falkenau nach
Karlsbad fuhr, traf er mit Fürnstein zusammen und gab ihm den Stoff
zur Bearbeitung. Göthe schreibt über diese Zusammenkunft: »Ich fand
ihn in seinem Sesselwägelchen zusammengekrümmt, ein herzergreifender
Anblick; denn gekauzt, wie er war, hätte man ihn mit einem mässigen
Cubus bedecken können. Er begrüsste mich freundlich, deutete auf sein
Elend und bezeugte guten Muth, indessen ich ihn kaum anzusehen wagte.
Bei flüchtigem Blick musst' ich gar bald erkennen, wie auf diesem
entstellten Körper sich ein Cerebralsystem ausgebildet hatte, womit
eine regelmässige Gestalt gar wohl hätte zufrieden sein können.«
Ueber die Naturdichter überhaupt sagt Göthe: »Unsere Naturpoeten
sind gewöhnlich mehr mit rhythmischen als dichterischen Fähigkeiten
geboren; man gesteht ihnen zu, dass sie die nächste Umgebung treulich
auffassen, landesübliche Charaktere, Gewohnheiten und Sitten mit
grosser Heiterkeit genau zu schildern verstehen, wobei sich denn
ihre Produktion, wie alle poetischen Anfänge, gegen das Didaktische,
Belehrende, Sittenverbessernde gar löblich hinneigt.« Von Fürnstein
fügt er noch hinzu: »Alle seine Produktionen schmückt eine gewisse
Anmuth, die das unternommene Ganze zu beleben weiss; da ist Gegenwart
der offenen Natur, Behagen sich beschränkender Geselligkeit, Genuss und
Hoffnung, und bei allem ein menschlicher, edler Ernst, dem eine reine
Gottesverehrung gar wohl ansteht.« Das Gedicht »Der Hopfenbau« ist
Fürnstein ganz gelungen. Göthe schreibt darüber: »Wie er die Aufgabe
gelöst, wie er thätig beginnt und alles, was zu thun ist, eins nach
dem andern einschärft, dabei ein sittliches Wort mit einschlingt und
immer so fortfährt und diese Reben den Weinreben anzunähern versteht,
bedarf keiner Auslegung; das Ganze liegt hellheiter und unter sonnigem,
günstigem Himmel und wird von einem jeden an Ort und Stelle, besonders
zu recht thätiger Arbeitszeit, gewiss mit dem grössten Interesse
empfunden werden. Ich möchte diese Gedichte die aufsteigenden nennen;
sie schweben noch am Boden, verlassen ihn nicht, gleiten aber sanft
darüber hin.« Wenn man diese günstigen Urtheile Göthes und die
Schwierigkeiten, unter welchen sich Fürnstein die Mittel zu seiner
Fortbildung verschafft, in's Auge fasst, so muss man zu dem Urtheile
kommen, dass er eine nicht unbedeutende Persönlichkeit und einer
Erinnerung werth ist.
Spaziergänge:
_Falkenau-*Hartenberg._ Wir gehen von Falkenau auf der
Heinrichsgrün-Graslitzer Strasse in das 20 Min. entfernte Dorf Zwodau.
Von hier aus können wir verschiedene Wege nach Hartenberg einschlagen.
Zunächst führt die Gossengrüner Bezirksstrasse dahin. Fünf Minuten
hinter Zwodau liegt das zu diesem Orte gehörende _Davidsthal_ mit den
Kohlenwerken und der Glashütte des Barons David von Starck. In etwa
20 Minuten gelangen wir auf der Strasse, welche fortwährend sanft
ansteigt, nach _Josefsdorf_, oberhalb welches Dorfes eine Seitenstrasse
rechts zum Schlosse und Dorfe _Hartenberg_ abbiegt.
Ein viel angenehmerer Weg ist der durch den _Theinwald_. Wir gehen
von Zwodau in der Richtung gegen Lanz an dem Peter'schen Kohlenwerke
vorüber zum Walde, durch welchen ein sanft ansteigender Weg führt.
Hierauf schreiten wir über eine weite, zum Dorfe Thein gelegene
Lichtung (einen sandigen Feldcomplex) in den Theinwald und gelangen,
dem breiten Waldwege folgend, zu einer im Querthale gelegenen Mühle,
von welcher aus links ein Fussweg durch dasselbe an die Zwodau führt,
welche wir bei der _Herrenmühle_ auf einem Stege übersetzen. In fünf
Minuten gelangen wir in der Richtung nach Falkenau -- also zurückgehend
-- auf den Bahnhof _Hartenberg_.
Ein dritter Weg führt an der Schmieger'schen Schafwollspinnerei in
Zwodau vorüber über den Steinberg durch die kleinen, aber schön
gelegenen Orte _Sandhäuser_ und _Wörth_, wo die Zwodau überschritten
wird, und schliesslich an der Bahnstrecke bis Hartenberg. Die Eisenbahn
kann auch zu diesem Ausfluge benützt werden. Selbe überschreitet die
Zwodau gleich hinter dem Falkenauer Stationsplatze, hat bei Zwodau die
Station Zwodau-Davidsthal, tritt unweit des Stationsplatzes wieder
an das linke Zwodauufer, bald hierauf an das rechte und fährt fast
unmittelbar am Zwodauflusse in dem schönen Zwodauthale an dem Orte
Wörth vorüber nach Hartenberg.
Vom Hartenberger Bahnhofe führt eine Strasse an dem unteren Gasthause
»zum Schlossberge« in einem Seitenthale aufwärts. Am rechten
Bergrücken kommen wir zur _Götheruhe_, wo der grosse Dichter seinen
siebzigsten Geburtstag feierte; von dieser präsentirt sich das gräflich
Auersperg'sche Schloss am schönsten. Die romantische Lage dieses auf
einem Felskegel stehenden alten Schlosses mit einem zwar kleinen, aber
reizenden Schlossgarten, die prächtigen, sorgfältig gepflegten Laub-
und Nadelholzwaldungen, die herrliche, reine Gebirgsluft, der tiefe
Friede in den Seitenthälern und die historischen Erinnerungen, die
sich an diesen schönen Erdenwinkel knüpfen, machen Hartenberg zu dem
beliebtesten und besuchtesten Ausflugsorte der Umgebung. An einer Birke
ist die Aufschrift zu lesen: »Unter dieser Birke pflegte der grosse
Dichter Joh. Wolfgang von Göthe während seines Aufenthaltes im Schlosse
Hartenberg öfters zu ruhen.« Von da führt die Strasse nun am Bräuhause
vorüber in einer scharfen Biegung auf den Schlossberg mit dem Dorfe
Hartenberg und dem Schlosse, dessen Theile aus verschiedenen Zeiten
zu stammen scheinen. Sehenswerth ist die Schlosskapelle, der kleine,
terrassenförmig angelegte Garten und der unweit des Schlosses angelegte
Gemüsegarten als schöner Aussichtspunkt.
Von Hartenberg aus führt ein Weg auf den _Pichlberg_, an dessen
südwestlichem Abhange das Dorf gleichen Namens liegt. Hier haben wir
eine schöne Fernsicht nach allen Seiten.
_Falkenau-Lobsthal._ Wir gehen von Falkenau entweder auf der am
Schlosse vorüberführenden Lauterbacher Bezirksstrasse in südöstlicher
Richtung oder auf dem Fusswege längs des Lobsbaches zum Dorfe
_Schäferei_, von wo aus die Strasse durch das an beiden Seiten des
Lobsbaches gelegene Dorf _Wudingrün_, an dessen Ende, aber bereits im
engen, theilweise schöne Felsenpartien bergenden Thale, das romantisch
gelegene Gasthaus »zum Eisenhammer« sich befindet.
Von _Falkenau nach Königswerth, über Teschwitz, *das Schiesshaus_ und
zurück (1¼ St.)
In nordöstlicher Richtung führt am linken Egerufer ein Weg an dem
Vororte Schönwerth (mit Obst- und Gemüsebau) vorüber nach dem Orte
_Königswerth_ (mit Obstbau); von da setzen wir auf einem Kahne
über die Eger in das gegenüberliegende Teschwitz (mit Obstanlagen),
spazieren auf einem schönen Feldwege am _Klingerwäldchen_ vorbei
zum Schiesshause mit schönen Anlagen. Auf einem Felsen oberhalb des
herrlich gelegenen Schiesshauses finden wir ein _Gloriett_. Prächtige
Rundsicht!
Touren:
_Falkenau-*Sangerberg._ Diese südliche Tour empfiehlt sich zu Wagen
durch das _Lobsthal_ nach _Lauterbach_ und von da nach dem neu
aufstrebenden Curorte _Sangerberg_. (Für Fussgänger ½ Tag.)
_Falkenau-Crudum._ Am besten besteigen wir den sagenhaften Crudum 830 m
vom Lobsthale aus, indem wir die Strasse nach Lauterbach oberhalb der
gräflich Nostitz'schen _Brettsäge_ verlassen und links den Weg, der
zum Dorfe Kohling hinaufführt, einschlagen. In diesem Dorfe führt uns
jedes Kind zum Triangulirungspunkte (im Volksmunde »zur Lärmstange«).
Der Ausblick ist um so überraschender, als der Weg fast bis zur Spitze
durch Wald führt, und die Aussicht erst kurz vor dem Gipfel des Berges
frei wird.
_Falkenau-Schwanderberg_ (735 m). Der Schwanderberg ist der Nachbar des
Crudum; wir besteigen ihn auf der anderen Seite des Lobsthales über
_Wudingrün_, _Grün_ und _Schwand_.
_Falkenau-*Kapellenberg_ rechts und *Rabenstein links von Steinbach.
Eine noch schönere und umfassendere Aussicht, als die zwei Berge der
voranstehenden Partien bieten, geniessen wir auf das Fichtelgebirge,
das Egerland, das Vogtland, das in Terrassen aufsteigende Erzgebirge
mit dem Sonnenwirbel und die Gebirge hinter Karlsbad von dem
_Kapellenberge_ rechts von Steinbach und in noch grossartigerer
Weise vom _Rabenstein_ links von Steinbach. Der Weg nach Steinbach
führt von Falkenau über _Reichenau_ und _Prösau_, wo es gerathen
ist, sich den nächsten Weg auf den Kapellenberg zeigen zu lassen. In
dem Dorfe Steinbach befindet sich ein Jagdschloss des Grafen Nostitz
mit einer Sammlung von ausgestopften, von dem Grafen oder dessen
Forstbediensteten geschossenen Thieren. Von hier aus können wir
auch einen Abstecher in das noch 30 Minuten entfernte _Kirchenbirg_
machen und daselbst das Schloss des Barons Henneberg mit Orangerie,
Obstanlagen und Bräuerei besichtigen. Rückweg über _Reichenau_, wo sich
grossartige Braunkohlenwerke und Tafelglashütten des Barons David von
Starck, Radler's Kohlenwerke und eine Wachsfabrik des Dr. Pilz befinden.
_Falkenau-Maria-Kulm_ in westlicher Richtung mit der Bahn über
Dassnitz. Schöner Rückweg zu Fuss über das Dorf _Haselbach_, von wo
aus wir einen hübschen Blick in's Eger- und Zwodauthal geniessen.
Maria-Kulm (siehe Franzensbad-Maria-Kulm).
_Falkenau-Mostau_ ist eine Fortsetzung der früheren Tour, wenn wir den
Rückweg nicht zu Fuss zurücklegen und von Königsberg mit der Bahn nach
Mostau-Nebanitz fahren. In Mostau empfiehlt sich die Besichtigung der
Musterwirthschaft des Gutsbesitzers Ritter von Komers. Grosser, schöner
Park. Rückweg mit der Bahn.
_Falkenau-*Elbogen._ Unterhalb Falkenau nahe dem Dorfe Königswerth
verengt sich das Egerthal wieder, und Fussgänger lieben es, durch diese
Thalenge nach Altsattel und Elbogen zu wandern.
=Elbogen=, königliche Stadt, nach der Volkszählung im Jahre 1869 mit
3257 Einwohnern.
=Gasthäuser=: Rother Hirsch, Weisses Ross, beide am Marktplatz;
Scherbaums Gasthaus bei der Kettenbrücke.
=Eisenbahn=: Buschtiehrader, verbunden mit der Stadt und der
Station Neusattel durch die Elbogner Localbahn.
=Postverbindung=: Schlaggenwald, Schönfeld (Eilfahrt) und von
da nach Petschan (Botenfahrt).
=Aemter=: K. k. Bezirksgericht. -- Revierbergamt.
=Schulen=: Oberrealschule, Volksschule.
=Post- und Telegrafenamt.=
Die Stadt liegt auf einem steil gegen die Eger abfallenden Felsen
am linken Ufer des Flusses, welcher sie in Gestalt eines Elbogens,
daher der Name, umfliesst. Sie besteht aus der inneren Stadt und den
beiden Vorstädten _Rabitsch_ und _Littmitz_. Hier befindet sich die
zweitälteste Kettenbrücke in Deutschland und Oesterreich (die älteste
ist die zu Freiburg). Der Grundstein zu derselben wurde am 18. Juli
1834 gelegt. Ihre Höhe über dem Wasserspiegel beträgt 12·7 m. Das
Mauerwerk dabei ist von Granit, die Eisenbestandtheile wurden auf
den Eisenwerken der Herrschaft Rothenhaus erzeugt. Die Localbahn,
welche durch das reizende Grünlasthal an den reichen Kohlenlagern
des Vincenzi- und Helenenschachtes, an der Siemen'schen Glasfabrik,
einer Ziegelei und einer chemisch-technischen Fabrik vorbeifährt, ist
die erste in Oesterreich. Das Consortium, welches die Bozen-Meraner
Bahn in Südtirol baute, führte diese Bahn, welche Elbogen dem grossen
Weltverkehre wieder etwas näher gebracht, auf seine Rechnung aus, und
der Ingenieur, der den Bau leitete, führt einen berühmten Namen. Er
heisst _Schwind_ und ist der Sohn des berühmten Malers, dem die »Schöne
Melusine« und die »Sieben Raben« ihren Ursprung verdanken. Ingenieur
Schwind hat sich in einer der Villen am Fusse der Stadt und in der Nähe
der Eger angesiedelt.
Auf dem Rathhause wird eine merkwürdige Masse von _Meteoreisen_
aufbewahrt, welche seit Jahrhunderten unter dem Namen des »verwünschten
Burggrafen« bekannt gewesen ist. Der Volkssage nach soll nämlich im
Mittelalter ein königlicher Burggraf zu Elbogen die Unterthanen mit
grosser Härte behandelt haben, deshalb öfters von diesen verwünscht
worden, und diese Verwünschung eines Tages in Erfüllung gegangen
sein. Als nämlich der Burggraf die Frohnpflichtigen mit der Glocke
zur Arbeit rufen wollte, sei er plötzlich durch einen vom Himmel
herabfahrenden Blitz getödtet und in jene Metallmasse verwandelt
worden. Der Aberglaube schrieb ehemals dieser Masse, die in einem
Gewölbe des Schlosses lag, sogar Zauberkräfte zu, und man behauptete,
dass sie zu gewissen Zeiten leichter, zu anderen wieder schwerer würde,
dass sie, wenn sie in den 41·7 m tiefen Schlossbrunnen geworfen würde,
immer wieder zum Vorscheine komme u. dgl. m. Der k. k. General Johann
von Werth liess, um sich davon zu überzeugen, im 30jährigen Kriege den
Klumpen in den Schlossbrunnen werfen, aus welchem er jedoch später
wieder herausgezogen und in's Schloss gebracht wurde. Im J. 1742 warfen
die Franzosen die Masse abermals in den Schlossbrunnen und hier blieb
sie bis 1776, wo sie wieder heraufgeholt und nunmehr auf dem Rathhause
aufbewahrt wurde. Im J. 1811 kam der damalige Professor der Chemie am
ständischen technischen Institute zu Prag, K. A. Neumann, nach Elbogen,
liess sich ein Stückchen von der Masse zu chemischen Untersuchungen
mittheilen und erkannte durch dieselbe, dass sie Meteoreisen sei, was
auch bald darauf durch den Chemiker von Klaproth und den Physiker Dr.
Chladni bestätigt wurde. Später wurde die Masse in zwei ungleich grosse
Stücke zertheilt, von welchen das grössere, etwa 150 Pfund schwere, an
das k. k. Naturalien-Cabinet in Wien abgeliefert wurde, das kleinere
aber von 40 Pfd. sich noch auf dem Rathhause befindet.
Das _Schloss_, von seiner felsigen Lage ehemals Stein-Elbogen genannt,
soll ursprünglich schon um das Jahr 870 von den mit den Herzogen von
Bayern verwandt gewesenen Markgrafen von Vohburg gegründet worden sein,
denen bis in's XII. Jahrhundert der ganze Egerische und Elbogner Bezirk
gehörte.