Mehrere Sagen gehen über den Ort. Abgesehen von der Sage (zu haben bei

dem dortigen Messner Ferd. Ehmer) über das wunderthätige Gnadenbild

Mariens erzählt man sich auch noch von Räubern, die in grauen Zeiten

in der Umgebung gehaust. (Gleichfalls bei Ferd. Ehmer zu haben.) Die

Sage von den »Räubern auf Maria Kulm« ist ja übrigens auch dramatisirt

worden als »vaterländisches Ritterschauspiel«. Dasselbe, ehedem

auch auf grösseren Bühnen aufgeführt, wird gegenwärtig nur noch von

herumziehenden Schauspieltruppen in jener Gegend zur Belustigung der

»Räuber-Epigonen« aufgeführt. Eine Scene aus diesem vaterländischen

Ritterschauspiel ist auch aufgenommen in das Decorationsspiel »Tausend

und eine Nacht«! Der »Kulmer Berg« war der Zufluchtsort dieser

höllischen Brüder. Von der »grossen Glocke« mit den reinen Tönen

erzählt man, dass sie, so wie sie ist, auf einer nahen Hutweide von --

Schweinen ausgewühlt worden sei.

Herrlich ist die Aussicht, welche man vom Kulmer Berge und namentlich

vom Thurme aus geniesst, der nach allen vier Weltgegenden den

Ausblick ermöglicht. Auf der einen Seite erscheint dem nach Westen

gewandten Blicke, über das schöne Egerthal hinweg, mit dem schwarzen

Fichtelgebirge im Hintergrunde (von den Egerländern kurzweg »d'Stod«

d. i. die Stadt genannt), die Stadt Eger, welche mit ihren finsteren,

altersgrauen Thürmen den Mittelpunkt des Egerlandes bildet, während

zur Rechten der schwarze Wall des Erzgebirges als Grenzdamm Böhmens

gegen Sachsen hin nebelfarbig sich hinzieht, und zur Linken das reich

bewaldete Tepler Gebirge und die hohen Rücken des Kaiser-Waldes

romantisch sich abheben. Auf der anderen Seite reicht des Beschauers

nach Osten gewandter Blick weithin durch das gleichfalls von Bergen

umschlossene, sogenannte »Unterland«, das Falkenau zum Mittelpunkte

hat. Und in dunkler Ferne erscheinen im Hintergrunde, den Abschluss

des Gesichtskreises bildend, die hohen Kämme, aus deren Schoosse die

weltberühmten Thermen Karls IV. hervorquellen. (An klaren Tagen kann

man auch von dem als Ausflugsort Karlsbads bekannten »Aberge« die

Thürme der Maria Kulmer Kirche noch genau unterscheiden.)

Am Südfusse des Berges führt zum grossen Theile dem linken Egerufer

entlang die Buštěhrader Eisenbahn aus der Richtung von Karlsbad nach

Eger. Von zwei Stationen aus kann man Maria Kulm erreichen, beide

Stationen sind ungefähr ½ Stunde von der Höhe entfernt. Der für

Fussgänger bequemere Weg führt von der Station Dassnitz aus den Berg

hinauf, beschwerlicher hingegen ist der Aufstieg von der Station

Königsberg-Maria Kulm. (Name der am rechten Egerufer, Maria Kulm

gegenüberliegenden Stadt. Diese Station enthält auch eine grössere

Restauration, die wir auf der ersteren Station ganz vermissen). Will

man von letzterer Station mittelst Fahrgelegenheit den Berg erreichen,

muss man einen kleinen Umweg auf der längs des Westfusses des Berges

nach Katzengrün (Dorf mit einem prächtigen Schlosse, das in der Sage

von den »Kulmer Räubern« vielfach genannt wird; auch befindet sich hier

ein zum Schlosse gehöriges grösseres Bräuhaus) hinführenden Chaussee

machen, von welchem Orte aus eine breit angelegte, überdiess von einer

für Fussgänger bestimmten Allee begleitete Strasse nach Maria Kulm

hinauf führt. Ausserdem führen noch auf der dem Erzgebirge zugewendeten

Seite mehrere Strassen den Berg hinauf, unter welchen diejenige die

bedeutendste ist, welche Maria Kulm mit Falkenau verbindet. Hier

vereint sich alles, um dem Besucher des Ortes den Aufenthalt so

angenehm als nur möglich zu machen. Und wer immer, auch nur einmal,

selbst wenige Stunden auf des Kulmer Berges luftiger Höhe verlebt,

der wird die verbrachten Stunden sicherlich nicht zu den verlorenen

seines Lebens zählen, er wird immer wieder sich zurücksehnen oder

wenigstens in froher Erinnerung und voll innerer Befriedigung denken

der segensvollen, von alten Sagen geheimnisvoll umrauschten Stätte.

(Entweder retour mit der Bahn nach Franzensbad oder Fortsetzung der

Tour mit der Bahn oder zu Fuss (herrliche Wanderung auf der durch

Waldungen führenden Kaiserstrasse) nach Falkenau -- siehe dieses).

Franzensbad-Schönbach.

=Schönbach= nord-nordöstlich von Franzensbad gelegen.

=Gasthof=: Meyer's, Sander's Gasthof, Herrenhaus.

=Postverbindung= über Gossengrün mit Bahnstation Hartenberg und

über Wildstein mit Bahnhof Voitersreuth.

=Musikschule=, die Vorzügliches leistet und auf die Hebung der

Musikinstrumentenfabrikation von grösstem Einflusse ist.

=Schönbach= verdankt seine Entstehung dem Bergbau und wurde die erste

Besiedelung des Sconenbaches, eines klaren Trinkwassers, mit Erbauung

eines Wartthurmes ausgeführt. Dieser Wartthurm, gebaut (ein Lug in's

Land) an der Grenze Böhmens, welcher durch Anbau der Kirche im J. 1188

zum Kirchthurm umgeschaffen wurde, zeigt noch heute im Innern den

Charakter deutscher Wartburgen. Beachtenswerth ist das gute Altarblatt,

den gekreuzigten Erlöser darstellend.

Die Stadt ist heute einer der gewerbthätigsten Orte des böhmischen

Nordwestens, Haupterzeugungsplatz für Saitenmusikinstrumente, besonders

Violinen. Dieser Industriezweig, welcher heute mehr als dreiviertel der

Bevölkerung beschäftigt, gelangte die letzten 25 Jahre hier zu früher

nie geahnter Entwicklung, und es dürfte diese Hausindustrie jeden

Fremden lebhaft interessiren.

Schönbach ist im streng geografischen Sinne der Scheidepunkt zwischen

dem Erz- und Fichtelgebirge; denn westlich sehen wir die als

Elstergebirge benannten letzten Ausläufer des Fichtelgebirges, während

im Osten das Erzgebirge aufzusteigen beginnt; es ist auch zugleich

die Scheidegrenze des egerländer und des sächsischen Dialekts. Die

Stadt zeigt noch vielfach ihren alterthümlichen Charakter und hatte

früher Mauern, von denen heute jedoch wenige Spuren mehr aufzudecken

sind. Als Merkwürdigkeit aus alter Zeit gelten die Mauerreste der

gräflich Schlick'schen Schlossgebäude, heute nur noch im Hause NC. 140

vorhanden, während dieselben den Raum umfassten, wo jetzt die Häuser

NC. 139, 140, 141 stehen; Nr. 139 soll die Münzstätte gewesen sein.

Bei der Pfarrkirche ist ein in Stein gehauenes Schlick'sches Wappen

eingemauert.

=Ausflüge=: Zum »_*hohen Stein_«. Derselbe hat eine Höhe von 767 m

über der See, liegt noch auf böhmischer Seite und gehört zu den

wunderlichsten Felsbildungen nicht bloss des Vogtlandes, sondern

des gesammten Erzgebirges. Während diese Thonschiefergebilde auf

dem bewaldeten Höhenrücken von der Ferne den Ruinen einer mächtigen

Burg oder Bergfeste gleichen, nehmen die einzelnen Theile in der

Nähe bestimmte Gestalten an, und die Phantasie hat leichtes Spiel,

diesen passende Namen zu geben: das Schiff, das Gesicht (eine höchst

charakteristische Figur), der Schnabel, das Thor (zwei sehr nahe

stehende Felsen, die das Ansehen zweier Thorpfeiler haben). Der höchste

Punkt des Felsens ist durch eine Stange bezeichnet; nach dem alten

Markstein zu urtheilen, der auf der einen Seite die Inschrift trägt:

»Regn. Imp. Franc. Pr.«, auf der anderen: »Oper. Astr. Trigo. 1808«

muss der hohe Stein Vermessungsstation gewesen sein.

Die Aussicht ist eine vortreffliche, nur wird sie durch den Umstand

beeinträchtigt, dass der hohe Stein nicht unmittelbar zum Egerthale

abfällt, wie diess beispielsweise bei dem Kapellenberg der Fall ist.

Hinter den nahen böhmischen Dörfern _Ursprung_, _Stein_ und _Kirchberg_

erheben sich die steilen Höhen der böhmischen Terrasse und weiter nach

Süden zu öffnet sich das gesegnete Egerland mit seinen zahlreichen

Ortschaften, Kirchen und Kapellen. Gegen Südwesten und Westen

schliessen die Berge des Fichtelgebirges den Horizont ab; vorzüglich

präsentirt sich der Kapellenberg. Nach Nordwesten zu sehen wir einen

grossen Theil des Vogtlandes, in geringer Entfernung _Landwüst_ und

_Wernitzgrün_, in nächster Nähe aber _Cubabrunn_ mit Rittergut, tief

unten _Markneukirchen_, _Siebenbrunn_ und _Adorf_ und zu unseren Füssen

_Erlbach_.

An der Ostseite des Felsens, wo Steine gebrochen werden, ist eine

»fliegende Restauration.«

Werfen wir vor unserem Abstieg nach Erlbach nochmals einen Blick

auf die interessante Landschaft, die lebhaft an das Hochgebirge

erinnert, namentlich auf die interessanten Felszacken und auf die in

einsam stiller Höhe errichtete Gebetsstätte (Kapelle), so kann sich

das empfängliche Gemüth eines tiefen Eindruckes nicht erwehren, und

wir finden es begreiflich, dass die Phantasie des Volkes mächtig

angeregt wurde und verschiedene Sagen der wunderlichsten Art bildete.

Neben den Sagen von einer verwünschten und versunkenen Ritterburg,

von Gespenster- und Spukgestalten sind es namentlich solche von

unterirdischen Schätzen, mit denen das arme Volk sich über die Mühsale

des Lebens hinwegträumt. Von Erlbach gehen wir nach _Markneukirchen_ (1

St. siehe Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus), fahren dann mit der

Bahn nach Adorf und zurück über Elster, Voitersreuth nach Franzensbad.

Nennenswerth ist eine zweite Tour in das _romantische_ Leibitschthal,

von Schönbach nach Leibitschgrund (1 St.), wo sich eine aufstrebende

Spinnfabrik in schöner Waldgegend befindet. Weiter im Leibitschthale

kommt _Glashütte_ mit Hohlglaserzeugung und Leopoldshammer. Von dort

rechts ab, die Strasse meidend, gelangen wir längs des Leibitschbaches

in ein schönes Waldthal, dessen südlicher Punkt Nonnengrün ist. Die

Waldthalschänken bieten frisches Bier. (Retour-Weg nach Schönbach.)

Franzensbad-Asch

(mit der Bahn).

=Asch=: =Gasthöfe=: zur Post, zum goldenen Adler; als

Belustigungsort gilt das =Schiesshaus=.

=Post-Telegrafenamt=; =k. k. Bezirkshauptmannschaft=;

=Eisenbahnverbindung= nach Franzensbad und über Oberkotzau: 1.

nach Hof, Plauen; 2. nach Neuenmarkt, Bamberg; 3. Neuenmarkt,

Baireuth.

Die Stadt liegt 637 m über dem Meeresspiegel und hat über 10.000

Einwohner. Asch ist zu beiden Seiten des Aschbaches gebaut und

Hauptort des 2·5 Quad.-Meil. oder 3·16 Quad.-Myriameter grossen

Bezirkes mit 27.911 (1870 Volkszählung) meist protestantischen

Einwohnern. Hauptbeschäftigung ist die Weberei. Im ganzen Bezirke mit

dem Mittelpunkte Asch herrscht ein reges, industrielles Leben. Die

protestantische und katholische Kirche sehenswerth.

»Alle urkundlichen Nachweise über Geschichte und frühere Zustände des

Ortes Asch und Umgebung sind zufolge der Brände 1683 und 1814 verloren

gegangen.«

Die bis in die neueste Zeit erhalten gewesene Sonderstellung des

Bezirkes, der übrigens zu wiederholten Malen Bestandtheil des

Vogtlandes war, datirt vom J. 1331, als nämlich der damalige Besitzer

Albert von Neydberg sein Besitzthum dem Könige Johann von Böhmen

zu Lehen antrug; der Lehensherr bestimmte, dass Asch für immer der

Entrichtung von Steuern entbunden sein solle und somit auch durch kein

Majestätsgebot zur Steuerzahlung verhalten werden könne.

Auffallend ist es jedenfalls, dass die Bewohner dieses nordwestlichen

Theiles von Böhmen bei dem protestantischen Glauben belassen wurden.

Mit der Einführung der Reformation in Sachsen fand nämlich diese auch

im Gebiete von Asch Eingang. Wohl wurden die Bewohner bei Durchführung

der Gegenreformation in Böhmen durch Ferdinand den II. bedrängt,

aber zufolge des kräftigen Schutzes, den der Markgraf Albrecht von

Brandenburg-Bayreuth, sowie auch der Kurfürst Johann Georg von Sachsen,

der damals noch das jus circa sacra des Gebietes ausübte, weil die

sächsischen Kurfürsten das Vogtland und die Rechte der Vögte desselben

erworben hatten, dem Gebiete angedeihen liessen, wie auch ferner

zufolge des zähen Widerstandes der Bevölkerung gegen das Aufdringen des

Katholicismus wurde eine Gegenreformation des Gebietes unmöglich. Im

J. 1771 wurden durch Cabinetsordre von der Kaiserin Maria Theresia die

Rechte und Freiheiten des Gebietes bestätigt.

Franzensbad-*Königswart-Sangerberg-*Marienbad.

(Von Franzensbad mit der Bahn über Eger nach Königswart Stationen:

Sandau-Königswart.)

Vom Bahnhofe aus statten wir dem in der Nähe gelegenen _*Schlosse_

und _Parke_ des Fürsten Metternich einen Besuch ab. Die Parkanlagen

sind schön, die Museen des Schlosses reichhaltig. Im Parke erblicken

wir auf der Strasse gegen Sandau einen schönen Obelisk mit einem

ruhenden Löwen. Etwa 20 Minuten vom Schlosse befindet sich auf dem

Mailberge gegen Altwasser zu die Wallfahrtskirche zum hl. Kreuz. Wir

verweilen mit Vergnügen bei der interessanten _Münz-_, _Waffen-_,

_Gemälde-_, _Mineralien-_ und _Geweih-Sammlung_, _Bibliothek_. Wir

finden hier historische Raritäten, wie einen _Degen_ Ludwig's XVI.,

ein _Waschbecken_ Napoleons I., einen _Schreibtisch_ des berühmten

österreichischen Staatskanzlers Metternich, einen Ring der Agnes

Sorel, das Portrait des Herzogs von Reichsstadt, Locken Lamartine's

und Duma's, ein Autograf des dritten Napoleon, eine von diesem selbst

verfasste Uebersetzung der Verse Göthe's: »Meine Ruh' ist hin, mein

Herz ist schwer, ich finde sie nimmer, ach nimmermehr«, u. s. w. Es

ist ein Genuss, die Sammlungen zu besichtigen. Die Fauna und Flora der

nächsten Umgebung sind da ebenso vollzählig vertreten, wie die Münzen

und Banknoten aus aller Herren Ländern. Das Prachtstück der Bibliothek

ist ein in rothen Sammt gebundener, 1542 in Venedig auf Pergament

gedruckter, reich mit Prachtfarbenbildern ausgestatteter, auf 16.000

Francs geschätzter »_Rasender Roland_.« Ein Curiosum von noch grösserem

Werthe ist der erste Chronometer, für welchen Ludwig XVI. 24.000 Francs

bezahlt hat.

Als Custos fungirte hier zuerst ein gewisser Huss. Diesen Namen führte

eine weitverzweigte Scharfrichter-Familie in Eger und Brüx. Der Brüxer

Huss liess seinen Sohn Carl studiren; doch die Söhne der Brüxer Bürger

wollten nicht mit ihm auf einer Bank sitzen und wurden sogar von ihrem

Lehrer unterstützt. Carl Huss konnte die ihm angethanen Unbilden

nicht länger ertragen und sah sich genöthigt, in die Fussstapfen

seines Vaters zu treten. Er assistirte im J. 1776 zum ersten Male bei

einer Hinrichtung und fungirte bei einer solchen zwei Jahre später

in Teplitz, worauf er behufs weiterer Vervollkommnung nach Dresden

ging und nach seiner Rückkehr sein Meisterstück in Eger ablegte. Er

übernahm daselbst den Posten nach seinem Oheim, betrieb daneben die

Quacksalberei und erwarb sich so viel Vertrauen, dass er oft nach

Sachsen und Bayern gerufen wurde. Bis zum J. 1788, wo Kaiser Josef II.

die Todesstrafe aufhob, und worauf Huss als Scharfrichter entbehrlich

wurde, fing man an, ihn zu verfolgen. Man confiscirte einmal alles, was

man bei ihm an Utensilien für die Quacksalberei vorfand, und verbot ihm

die Praxis. Er half sich aus der Klemme, indem er die Kranken scheinbar

unentgeltlich zu behandeln begann. Huss liess sich als Honorar alte

Münzen verabreichen und brachte in einigen Jahren eine Sammlung

zusammen, die einen Werth von mehr als zwölftausend Gulden hatte. Dann

sammelte er alles, was ihm unter die Hände kam, stopfte Vögel aus und

brandmarkte verurtheilte Uebelthäter auf der sogenannten Schandbühne,

da er indessen vom Magistrat mit diesem Geschäfte betraut wurde. Jetzt

kam er in den Ruf eines wohlhabenden Mannes und practicirte fort.

Fremde traten bei ihm zur Besichtigung seiner reichhaltigen Sammlung

ein, Gelehrte correspondirten mit ihm und besuchten ihn. Als sogar

Göthe einst zu ihm gekommen, stieg sein Ansehen und verbreitete sich

dessen Ruf immer mehr. Fürst Metternich leitete eine Unterhandlung

durch den Egerer Magistratsrath Grüner wegen Verkaufes der Sammlung

mit ihm ein, erwarb sie auch und liess sie im Schlosse Königswart

aufstellen. Huss erhielt eine Leibrente von 300 fl. und wurde Custos

derselben. Auf diese Weise wurde der Grund zu der reichhaltigen und

werthvollen Sammlung im Königswarter Schlosse gelegt. Erwähnung

verdient auch die *Schlosskapelle mit ihrem schönen Marmoraltar. Der

hiezu verwendete Marmor entstammt der durch den Brand vernichteten

Pauluskirche zu Rom und wurde vom Papste Gregor XVI. dem Fürsten

Metternich geschenkt. Von da begeben wir uns zu dem etwa 20 Minuten

nordöstlich gelegenen Städtchen _Königswart_ am Fusse des Glatzberges.

=Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«, »schwarzer Bär«. _Casino_

Fremden zugänglich.

Der junge, aufstrebende Curort

*Königswart

liegt auf der Südwestseite eines weitgestreckten, über 948 m hohen, mit

Nadel- und Laubholz leicht bewaldeten Gebirgszuges, des sogenannten

Königswarter Gebirges, das sich halbmondförmig fünf Stunden lang von

Südost gegen Norden und Nordwest ausdehnt.

=Gasthöfe=: »Hôtel Buberl«, »Hôtel Ott«. Während der Saison:

Brunnen-Musik.

=Post- und Telegrafen-Amt.=

=Eisenbahn.=

Um den Curort ziehen sich, zum grossen Theile in schattige

Waldpromenaden auslaufende Anlagen; sie sind durchaus mit Geschmack

und Geschick arrangirt. Der Ort liegt in einer Höhe, in der

Lungenschwindsucht zu den Seltenheiten gehört, ist also auch als

klimatischer Curort zu empfehlen. Die 6 Quellen gehören mit Ausnahme

der metallfreien _Richards-Quelle_ zur Gruppe der eisenhaltigen

Natronsäuerlinge, beziehungsweise zur Unterabtheilung der sog.

Stahlquellen, unter welchen sie unmittelbar neben Schwalbach und

Pyrmont zu setzen sind. Die Königswarter Quellen liegen 680 m über

dem Meeresspiegel der Nordsee, sie sind demnach die höchst gelegenen

Stahlquellen nicht bloss in Böhmen, sondern auch in Deutschland,

indem sie die von Steben in Oberfranken, welche bisher bei ihrer Höhe

von 633 m als die höchsten daselbst angesehen wurden, noch um ein

Bedeutendes überragen.

Das Firmament ist in den Sommer- und Herbstmonaten gewöhnlich heiter,

Gewitter kommen verhältnissmässig selten und Nebel nur im Spätherbste

vor.

_Stahl-_, _Moor-_, _Fichtennadel-_, _Douche-_ und _Dampfbäder_,

Eigenthum des Fürsten Metternich. _Curhaus_, von dem aus man die

herrlichste Fernsicht geniesst. Man sieht links den Arber und den

Osser, rechts bis Eger. Der etwa 3 Stunden entfernte Dillenberg,

äusserster Ausläufer des Böhmerwaldes, sei hier wegen seiner Granaten

und Egerane erwähnt. Das Curhaus bildet den Ausgangspunct mehrerer,

sehr schöner und gut erhaltener, mit Ruhebänken und Wegweisern

versehener Spaziergänge, die nach den verschiedensten Richtungen

hinführen und allenthalben die schönste Aussicht gewähren. Etwa eine

viertel Stunde davon liegt die Ruine _Würschengrün_.

=Königswart-*Sangerberg= (1½ Stunde). In nordöstlicher Richtung von

Königswart gelangen wir auf einer guten Strasse nach Bad Sangerberg,

das, nur einige hundert Schritte von dem gleichnamigen, durch seinen

Hopfenhandel bekannten Städtchen gelegen, sich als das jüngste aller

nordwestböhmischen Bäder zu entwickeln beginnt. Dasselbe liegt auf dem

Plateau des »_Kaiserwaldes_«, eines von Marienbad bis Schlaggenwald

sich erstreckenden, reich bewaldeten Höhenzuges. Ausgiebige

Eisensäuerlinge -- salinische Moorlager. -- Elegantes Curhaus mit

hübschen Veranden. -- Das Klima des Kurortes ist besonders in den

Sommermonaten ein verwaltend mildes und angenehmes, da der Curort in

einem von Nord und Ost durch sanft aufsteigende Berge vollkommen gegen

rauhere Luftströmungen geschützten Thalkessel liegt. Wegen seiner

Gebirgslage, seiner gesunden, reinen, von harziger Waldluft gewürzten

Atmosphäre hat Sangerberg auch den Charakter eines klimatischen

Gebirgscurortes.

Sangerberg liegt im Gerichtsbezirke Petschau, in der

Bezirkshauptmannschaft Karlsbad, und ist Sitz eines Telegrafen- und

Postamtes, welch letzteres täglich eine zweimalige Verbindung mit der

zwei Stunden entfernten Eisenbahnstation Königswart unterhält.

=Königswart-*Marienbad.= Von Königswart gehen wir dem Thiergarten zu

und erreichen vom Parkgitter an nach einem einstündigen Spaziergange

auf der sich durch den Thiergarten hinziehenden Hauptstrasse den Curort

Marienbad, »das Schmuckkästchen unter den böhmischen Badeorten.«

Marienbad liegt 605 m über der Nordsee in einer von herrlichen

Wäldern eingeschlossenen Thalmulde. Die Luft ist hier immer frisch,

sauerstoffreich, würzig, daher der Gesundheitszustand im ganzen Orte

immer ungemein günstig.

=Gasthöfe=: Hôtel Klinger. -- Englischer Hof. -- Neptun. --

Stadt Hamburg. -- Stadt Weimar. -- Stadt Leipzig. -- Stadt

Warschau. -- Hôtel Stern.

Ausser der Stadt: Pensionat »Casino«, herrliche Lage. Für

israelitische Badegäste sind die Koscher-Restaurationen: Hôtel

Newyork, Delphin, Erhart's Restauration, Blauer Schlüssel.

=Restaurationen und Café's= in der Stadt: Kursaal, Schloss

Windsor, Tepler Haus, Stadt München, Café zur Waldschlucht.

=Post- und Telegrafenamt= -- Eisenbahnstation 20 Minuten

entfernt. --

=Theater.= Brunnenmusik (Morgens 6 Uhr und Abends 6 Uhr beim

Kreuzbrunnen, Mittags 11½ Uhr bei der Waldquelle, Concerte

und Tanzreunionen im Cursaal; Zeitungslesecabinet, offener

Eintritt gegen Erlag von fl. 2.80 kr. für die Saison. -- 2

Buchhandlungen mit Leihbibliotheken. -- 2 Wochenblätter.

=Quellen=: Kreuzbrunnen und noch intensiver wirkend Ferdinandsbrunnen

-- beide sind reich an Natronsalzen (an schwefelsaurem Natron,

Chlornatrium und doppelkohlensaurem Natron), dazu Eisengehalt als

blutbildender Faktor. Ihnen zunächst steht die Waldquelle. Bei der

Rudolphs- und der Wiesenquelle treten kohlensaurer Kalk und kohlensaure

Magnesia in den Vordergrund; der Ambrosius- und Carolinenbrunnen

zeichnen sich dagegen durch ihren Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul

aus. Die _Marienquelle_ ist ein Säuerling. Ausser diesen Quellen gibt

es noch mehr als hundert in der Umgegend Marienbads.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 5 / 27 段