Privathäusern.
Mehrere ausgezeichnete Conditoreien in der Kaiserstrasse. --
Kaffee in der nächsten Umgebung: =Ludwigshöhe=, =Antonienhöhe=,
Miramonte, Stöckermühle, Schlada, Bahnhofrestauration u. s. w.
=Lesecabinet= im Franzensbader Curhause, von 8 Uhr Morgens bis
7 Uhr Abends geöffnet; es sind über 60 Zeitschriften in den
Hauptsprachen und Curlisten aller bedeutenden Curorte vorhanden.
=Post- und Telegrafenamt.= (Neugasse.)
=Gewöhnliche, Dampf-, russisch-, türkische Bäder.=
=Photographische Ansichten in den Buchhandlungen.=
=Musik und Theater=:
Die rühmlichst bekannte Badecapelle unter Leitung des
Capellmeisters Tomaschek spielt an jedem Morgen:
1) an der Salzquelle von 6--7 Uhr;
2) in der Franzensquelle von 7--8 Uhr, und
3) im Park von ½5 bis ½7 Uhr Nachmittag.
Im Theater wird nur im Sommer von einer reisenden Truppe
gespielt.
=Franzensbad= ist einer der berühmtesten Badeorte in
Oesterreich-Ungarn, liegt in einem Thalkessel 493 m über dem Meere und
wurde 1793 zum Badeorte erhoben und nach Kaiser Franz I., dem in den
Parkanlagen eine Erzstatue errichtet worden, benannt. Der Ort wird im
Norden vom Park, im Westen von Loimanns Anlagen, im Süden u. Osten von
den neuen Anlagen umgeben. Touristen, welche binnen wenigen Stunden die
interessantesten Puncte des Curortes kennen lernen wollen, ist =ein
Rundgang= durch die Stadt zu empfehlen. Sie gehen vom Bahnhofe durch
die Parkstrasse und Karlsstrasse in den Park zum Franzens-Monument und
von da in die Kaiserstrasse, wo sie Dr. Loimanns bekanntes und elegant
eingerichtetes Badehaus mit der Louisenquelle, dem kalten Sprudel,
dem Moorlager und den herrlichen Anlagen besichtigen. Zu diesem
grossartigen Badeetablissement legte im Jahre 1827 der Hausbesitzer und
Burgverwalter Loimann, der Vater des gegenwärtigen Besitzers Med. Dr.
Loimann, den Grund, indem er auf eigene Kosten ein allgemeines Badehaus
erbaute. Die Louisenquelle wurde 1807 gefasst, 1808 zum Gebrauche
eingerichtet und der damaligen dritten Gemahlin Sr. Majestät des
Kaisers Franz, Maria Ludowika, zu Ehren =die Louisenquelle= genannt.
Nur wenige Schritte davon bricht mit Heftigkeit der sogenannte =kalte
Sprudel= hervor. Von da begeben sie sich zur Franzensquelle, sehen
hier das Stadt-Egerer Badehaus, und dann weiter in einer herrlichen
Allee zur Neu-, Salz- und Wiesenquelle und nehmen auf diesem Wege die
grossartigen Badehäuser von Hofrath Dr. Cartellieri und von Singer
wahr. Durch die Salzquelle, welche schon 1817 entdeckt war, erhielt
Franzensbad seit 1819 einen ganz neuen Aufschwung. Seit dem J. 1837 ist
die nahe liegende Wiesenquelle als heilkräftig erprobt und 1840 mit der
Salzquelle unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht worden.
Nun wird der Rückweg durch die herrliche Morgenzeile zur Kirche und
zum Parke angetreten. Der aufmerksam beobachtende und in seinem
Urtheile unparteiische Tourist wird finden, dass es Architect und
Gärtner verstanden haben, Franzensbad und die nächste Umgebung
zu einem eleganten Curorte zu erheben. Die 10 Mineralquellen,
alkalisch-salinische Eisensäuerlinge mit bedeutendem Gehalt an
Glaubersalz und freier Kohlensäure, denen _eminente_ Heilwirkungen
zugeschrieben werden, eine Kohlensäuregasquelle (schon seit 1545
bekannt, aber erst seit 1810 als Heilmittel gebührend anerkannt) und
ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor, das auf Sand ruht,
namentlich aber die vorzüglichen Anlagen mit reizenden Promenadenwegen,
die grossstädtischen Strassen, Hôtels und Villen, die prächtigen
Kirchen und Denkmäler, vor allen Dingen aber die höchst elegant und
luxuriös ausgestatteten Wohnungs- und Vergnügungsräume, die mancherlei
Einrichtungen für Unterhaltung, Genuss und allerlei kostspielige
Vergnügungen und Liebhabereien, das Zusammenströmen der feinen Welt,
die während des Aufenthaltes in der »_europäischen Sommerresidenz_«
(den nordböhmischen Bädern) gewöhnlich die Nachcur hier geniesst, alle
diese Umstände erheben Franzensbad zu einem Bad I. Ranges.
=Sehenswürdigkeit=: Ausser den im Rundgange angeführten: Die Rotunde
bei der Franzensquelle mit der Inschrift: »1793 unter Franz I.
gegründet zum Wohle der Menschheit«; die Colonade mit zahlreichen
Kaufläden, das Monument der Sachsenstiftung unweit der Rotunde mit der
Aufschrift:
Herrlicher Quell,
Göttliche Gabe,
Bleibe kräftig und hell,
Stärke, labe
Durch verminderten Körperschmerz
Auch das ermattete kranke Herz,
Bis die letzten Frommen
Zum Urquell ewiger Genesung kommen.
Die katholische Kirche mit einigen werthvollen Gemälden, die im
romanischen Styl erbaute protestantische Kirche, die Synagoge im
orientalischen Styl und vor allem der Cursaal, das stattlichste
öffentliche Gebäude, ein geschmackvoller, brillant ausgestatteter
Renaissancebau. Unter den Privathäusern erweckt die Villa Imperial
durch ihre freie herrliche Lage inmitten des herrlichsten Parks und
nahe der Salzquellpromenade, sowie durch die Pracht der Ausschmückung
von Aussen und im Innern die Aufmerksamkeit jedes Besuchers.
Spaziergänge:
Sehr beliebter Spaziergang zur _Antonienhöhe_ in nordöstlicher Richtung
(¾ St.), Weg gut, aber nicht schattig. Aufenthalt im Wald sehr angenehm
-- prächtiger Rundblick über das Egerland.
Nach _Miramonte_ südlich auf der Strasse nach Eger, dann in einer
viertel Stunde rechts in einen Promenadenweg abzweigend. Beliebte
Restauration, wo man in einem Spiegel die ganze umliegende Landschaft
erblickt.
Von Miramonte führt der Weg in westlicher Richtung zum _*Kammerbühl_,
einem erloschenen Vulcan (¼ Stunde). Er gehört unstreitig zu den
interessantesten geologischen Erscheinungen und ist vorzugsweise aus
vulcanischen Tufen aufgebaut. Die Lagerung dieser Eruptionsproducte
lässt sich in ausgezeichneter Weise in dem grossen Bruche hinter der
Restauration zum »Kammerbühl« beobachten. In Folge der isolirten Lage
bietet der Kammerbühl eine vorzügliche Rundsicht über das Egerland mit
seinen zahlreichen Städten und Dörfern, Schlössern und Ruinen, Kirchen
und Kapellen, die von den dunkelbewaldeten Bergen des westlichen
Erzgebirges oder Kaiserwaldes und des Fichtelgebirges umsäumt werden.
_*Siechenhaus._ Dieser Spaziergang kann vom Kammerbühl fortgesetzt
werden. Gut gepflegte Wege führen von demselben ab nach dem Dorfe
_Stein_ und zum Egerfluss, den man an einer romantischen Stelle des
Thales mittelst eines Holzsteges überschreitet. (Der am Flussufer
hinlaufende Fusspfad führt direct nach Eger.) Der ansteigende,
schattige Weg leitet zur Chaussée von Eger nach Wunsiedel und
zum _Siechenhaus_ (¾ St.), dem beliebtesten Vergnügungsort der
Franzensbader Curgäste und der Bewohner von Eger. Es besteht aus
einer Oberförsterei, einem Armenhaus (Versorgungsanstalt) und einer
guten Restauration. Schöner Garten inmitten eines herrlichen Waldes,
angenehmer Aufenthalt, malerische Aussicht auf Eger und Umgebung.
Empfehlenswerth ist auch der Besuch der eine halbe Stunde weiter
entfernten _St. Annakirche_ (608 m), ehemals Franziskanerkloster,
theils wegen der Kirche selbst, die colossale Schnitzwerke eines
unbekannten, altdeutschen Meisters enthält, und in welcher Friedrich
Barbarossa 1149 mit Adelhaid von Vohburg getraut worden sein soll
(nach andern in der Kapelle des Rathhauses), theils wegen der
vorzüglichen Aussicht (namentlich vom _Grünberg_ 656 m) auf das
Egerland, besonders auf die Gegend von Franzensbad, Maria-Kulm und in
fast entgegengesetzter Richtung auf die wichtigsten Berggipfel des
Fichtelgebirges.
Auf dem Weiterwege nach _*Eger_ vermeiden wir die Landstrasse und
benützen den schönen, nicht zu fehlenden _*Promenadenweg_ durch
schattigen Wald und durch das herrliche Egerthal.
Eger.
=Gasthäuser=: Zwei Erzherzoge am Stadtplatz, Erzherzog
Stefan mit schönem Garten an der Eger, Kronprinz Rudolf
(Göthe-Denkmal), Bahnhofstrasse. Wetzel oder Kaiser Wilhelm,
beim Bahnhofe.
=Restaurationen=: Karg's Bastei, Krämlings Bastei, unweit der
Burg, schönste Aussicht in's Egerthal, Adlers Restauration,
Schustersprung im Egerthale, vorzügliche Fische, namentlich
Karpfen.
=Café=: Pistorius am Ringplatz.
K. k. Post-, Telegrafen-, Hauptzollamt, Kreisgericht,
Bezirkshauptmannschaft.
=Eisenbahn= nach Baiern, Sachsen, gegen Carlsbad und Marienbad.
Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen.
=Volksfest=: Vinzenzifest.
=Dienstmanninstitut.=
Eger ist die Hauptstadt des »gesegneten« Egerlandes, wie das Gebiet an
der oberen Eger in Böhmen genannt wird, und war auch der Hauptort des
ehemaligen Egerer Kreises. Die Stadt liegt 413 m über der See, hat über
16.000 Einwohner und liegt zumeist auf dem rechten, etwas ansteigenden
Ufer des gleichnamigen Flusses.
Die Lage an einem uralten Strassenzug und unmittelbar vor dem
Eingange zum Norden Deutschlands erhob Eger schon in alter Zeit zu
einem wichtigen Handelsplatz, namentlich aber zu einer militärisch
wichtigen Position, zu einem Mittel- und Ausgangspunct kriegerischer
Unternehmungen, in neuester Zeit aber zu einem Centralpunct von
5 Schienenwegen. Hauptbeschäftigung der Bewohner: Gerberei,
Schuhmacherei, Bierbrauerei.
Die altehrwürdige Stadt Eger, die sich in jüngster Zeit in der Richtung
nach dem Bahnhof und auf dem sogenannten Rahmberg, sowie durch
Auflassung des Friedhofes und Verlegung desselben ausser der Stadt sehr
erweitert und verschönert hat, bietet =Sehenswürdigkeiten= aus alter
und neuerer Zeit.
1. Die _*Burg_ -- Kaiserburg -- (Eintrittsgeld nach Belieben). Diese
imposanten, am nordwestlichen Ende der Stadt emporragenden Ruinen
auf felsigem Grunde bestehen ausser den Resten der Festungswerke aus
mehreren beachtenswerthen Bauten, welche sind:
_a_) Die 4 Umfassungsmauern mit zum Theil eingestürzten
Fensterwölbungen; das Gemäuer aus Thonschiefer, die Säulen aus
fränkischem Marmor.
_b_) Der schwarze Thurm -- 23 m hoch -- ist aus Lavastücken vom
Kammerbühl erbaut und stammt aus dem 10. Jahrh. (nach andern aus der
Römerzeit, daher »Heidenthurm«).
_c_) Die Doppelkapelle steht im Burghof und ist aus dunkelgrünem
Schieferbruchstein erbaut. Sie besteht aus der unteren oder
Erhardskapelle und der oberen oder Martinskapelle. Das Ganze stammt
aus der Blüthezeit des Rundbogenstyls. Das Innere der ersteren liegt
mehrere Fuss tiefer als der Burghof und wird von 4 Fenstern erleuchtet;
das feste Gewölbe tragen 4 Granitsäulen. In der letzteren, zu der
eine neue Treppe führt, wird das Gewölbe von vielen geschmackvollen
Marmorsäulen getragen. Ein Gang verband die Kapelle mit dem Palast.
_d_) Der ehemalige Rittersaal ist noch an den vorhandenen Bogenfenstern
zu erkennen. Dieser war Zeuge von der Schreckensscene am 25. Februar
1634; den Getreuen Wallensteins, Illo, Terzky, Kinsky und Neumann,
wurde hier durch Verrath ein blutiges Ende bereitet.
Die Veranlassung dieses blutigen Auftrittes müssen wir als bekannt
voraussetzen. (Siehe übrigens unter Stadthaus!) Die Vertrauten
Wallensteins waren von dem durch die Kaiserlichen gewonnenen
Commandanten Gordon zum Abendessen in die Citadelle geladen worden.
Kurz nach ihrer Ankunft und nachdem die Bedienten entfernt und
eingeschlossen waren, trat der Hauptmann Geraldin mit Dragonern in den
Saal, welche auf die vier Gäste einhieben und sie niedermetzelten.
Auf dem gegenüberliegenden Egerufer stand die 1295 erbaute
_Wenzelsburg_, die mit der Kaiserburg durch eine hölzerne Brücke
verbunden war. Im Hofe der Burg befinden sich gegenwärtig schöne
Anlagen; der Staat sorgt für Erhaltung dieser interessanten Ueberreste.
Sehr schön ist der Ausblick auf das Egerthal, namentlich auch auf
Siechenhaus und St. Anna.
Die ehedem sehr starken Festungswerke stammen jedenfalls aus dem 10.
Jahrhundert, als die Grafen von Vohburg zu Markgrafen über die Umgegend
bestellt wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa, der in Eger viele
Hoflager abhielt, und 1149 Adelheid von Vohburg heiratete (Trauung in
der Kapelle des Rathhauses, nach anderen in der Kirche auf St. Anna)
legte die neue, schöne Kaiserburg an; am 2. Dezember 1805 wurde sie von
den Franzosen bis auf die noch jetzt vorhandenen Ueberreste zerstört.
2. =Das Stadthaus= (hier löst man sich eine Eintrittskarte für 20 kr.)
am Ring d. i. Marktplatz. Kein Tourist verlässt Eger, ohne dieses
denkwürdige Haus besucht zu haben, in dem der mächtige Wallenstein am
25. Februar 1634 sein blutiges Ende fand.
Die vom Herzog von Friedland bewohnt gewesenen Räume befinden sich
noch in ihrem ursprünglichen Zustande und enthalten ein Album mit
interessanten Autographien, Wallensteins Bildnis und zwei auf
seine Ermordung bezügliche Gemälde, zwei Schränke mit zahlreichen
Gegenständen, die auf das blutige Ereignis Bezug haben, so die
Hellebarde, mit der Wallenstein (hinten im Schlafzimmer) den Todesstoss
empfing u. a.
Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges findet der mächtige
und gefürchtete kaiserliche Generalissimus sein tragisches Ende.
Buttler, der Obrist eines irischen Reiterregiments, hatte den
Auftrag übernommen, den Herzog von Friedland lebendig zu fangen
oder zu ermorden. Während des Blutbades auf der Burg hatte sich
Wallenstein ermüdet zu Bette begeben. Abends 10 Uhr begaben sich die
Verschworenen Leslie, Geraldin, Buttler und Deveroux mit 30 Dragonern
von der Burg in die Stadt. Während Leslie die Hauptwache, Buttler
die Hauptthür, Geraldin die Hinterthür des von Wallenstein bewohnten
Palastes besetzten, stürmten Deveroux und mehrere Dragoner die Treppe
hinauf, metzelten 2 Kammerdiener nieder, sprengten die Thür und
fanden Wallenstein, am Fenster stehend. »Du bist der Schelm«, rief
Deveroux, »der das kaiserliche Volk zum Feinde überführen und Sr.
kaiserl. Majestät die Krone vom Haupte reissen will! Du musst sterben!«
Wallenstein warf ihm einen ernsten, kalten Blick zu und sprach kein
Wort. »Du musst sterben!«, rief Deveroux abermals, und mit diesen
Worten stiess er dem Herzog die Hellebarde mit solcher Gewalt in die
Brust, dass sie durch und durch ging. Lautlos stürzte der mächtige
Friedländer zu Boden. -- Albrecht von Waldstein oder Wallenstein war
1583 zu Hermanic in Böhmen geboren; er zählte somit kaum 52 Jahre. »Der
Act der Gerechtigkeit, welcher Wallenstein im Grund verfallen war,
bekam durch die Art der Vollziehung derselben die Form eines feigen
Justizmordes.«
In den daran stossenden Räumen befindet sich das interessante und
sehenswerthe »_Egerländer Museum_.«
3. =Die Stadtkirche St. Niclas=; sie zeigt romanische und gothische
Bauform und enthält sehenswerthe Malereien und Sculpturarbeiten.
(Sehenswerth ist auch die im J. 1872 im gothischen Styl erbaute
evangelische Kirche.)
4. Ausserdem sind noch besuchenswerth: _Das Rathhaus_ mit schönem
Treppenhaus, die Turnhalle, das »_Rudolphinum_«, Centralschulgebäude,
das »Schillerhaus« Nr. 17 am Marktplatz mit der Gedenktafel: »In
diesem Hause wohnte im J. 1791 Friedrich von Schiller behufs
seiner Studien zur Wallensteintrilogie«, das »Göthehaus« Nr. 38,
die _Franciskanerkirche_, mit der ein Kloster verbunden ist! Die
dreischiffige Kirche ist im reinsten gothischen Styl erbaut und macht
einen herrlichen Eindruck. Am Ring fällt dem Touristen das Riedel'sche
Haus, ein ehemaliges Patricierhaus, mit seinem schön durchbrochenen
Giebel auf.
Die Gründung der Stadt Eger (Cheb) wird in das 10. Jahrhundert verlegt
und den Grafen von Vohburg zugeschrieben, die damals von den deutschen
Kaisern als Markgrafen über die Umgegend bestellt worden waren. Eger
war Hauptort der Markgrafschaft Eger und Eigenthum der Markgrafen von
Vohburg. Durch Heirath (1149) kam Eger an Friedrich Barbarossa, der
es vor nun 700 Jahren, nämlich 1149, zur deutschen Reichsstadt erhob.
Später war Eger lange Zeit der Zankapfel zwischen Böhmen und Bayern;
nachdem es aber Kaiser Ludwig der Bayer 1315 an Böhmen verpfändet,
blieb es bis heute bei Böhmen. Grosse Drangsale im Hussiten- und
30jährigen Kriege hatte die Stadt zu bestehen; die ganze Gegend glich
zu wiederholten Malen einem einzigen grossen Kriegslager.
=Anmerkung=: Wer über längere Zeit verfügt, dem ist von Eger aus ein
Ausflug (per Bahn 20 Minuten, zu Fuss 2 Stunden) nach dem baierischen
Markt _Waldsassen_ anzuempfehlen. (Wohlrabs Restauration.) Dieser
Ort ist bekannt und berühmt durch seine 1133 gestiftete, 1803
säcularisirte, ehemals sehr reiche Cistercienserabtei. In dem
Conventgebäude ein Mädchenpensionat der Cistercienserinnen. Die im
17. Jahrhundert erbaute Klosterkirche ist ein prächtiger Bau im
italienischen Prunkstyl -- überladen -- und bewirkt einen grossartigen
Totaleindruck.
=Franzensbad-Seeberg.= (1 Stunde.) Spaziergang über Unterlohma, von
da westwärts nach _Höflas_ und Schloss _Seeberg_, Eigenthum der Stadt
Eger. Wilde Klippen und Buschwerk bilden die nächste Umgebung des
Schlosses. Dazwischen bricht sich der in die Eger mündende Seebach
Bahn und bildet ein wildromantisches Thal. Vom Schlosse aus lohnende
Aussicht auf die Umgegend von Franzensbad. Nach genommener Erfrischung
in der Seeberger Restauration wird der Rückweg angetreten.
=Franzensbad-*Kapellenberg= über Schönberg (mit der Bahn nach
Voitersreuth und von da zu Fuss noch 1 Stunde.) Ueber dem sächsischen
Dorfe Schönberg erhebt sich der waldreiche »Kapellenberg«, der 764 m
hoch ist. Er besteht aus Granit, wird zwar von zahlreichen Bergen
unserer heimatlichen Landschaft an Höhe übertroffen; aber die Lage am
Südfusse des Gebirgskammes, das unmittelbare Aufsteigen aus dem breiten
Egerthal, der Mangel an ebenbürtigen Nachbarn erheben ihn nicht nur
zu einem ansehnlichen Grenzpfeiler Sachsens und des deutschen Reiches
gegen Böhmen, sondern auch zu dem vorzüglichsten Aussichtspunkt des
Vogtlandes. -- Es ist nicht nöthig, das Holzgerüste zu besteigen; die
niedrigen Holzbestände hindern die Rundsicht keineswegs. Das malerische
Landschaftsgemälde entzückt das Auge nicht blos durch die schönen
Formen und durch die Ferne, bis wohin der Blick reicht, auch nicht blos
durch den Vorzug, dass das Hauptpanorama dem Beschauer unmittelbar
zu Füssen liegt, wodurch ein Verlieren des Blickes in verschwommene
Fernen verhütet wird, sondern vor allen Dingen durch die zahlreichen
Wasserspiegel, die als lichte Punkte oder Silberstreifen aus dem
reichgesegneten Egerland hervortreten und das Ganze ausserordentlich
beleben.
Der Blick haftet zunächst an dem freundlichen, fast genau in südlicher
Richtung liegenden Dorfe Schönberg, dem südlichsten des Sachsenlandes,
und an der schnurgeraden Strasse, die die Lage von Ober-Lohma,
Franzensbad und Eger trifft. Wenig rechts davon erhebt sich der
erloschene Vulcan Kammerbühl und in grösserer Ferne die jenseits der
Stadt Eger aufsteigende Höhe mit der St. Anna-Kapelle. Nun folgt nach
rechts eine grosse Zahl von grösseren und kleineren Ortschaften --
Haslau, Liebenstein, Selb u. a. --, hinter denen sich das Massengebirge
des Fichtelgebirges mit Kösseine, Schneeberg, Waldstein vor allem
imposant darstellt; daran reihen sich der grosse Kornberg, der
Döbraberg im Frankenwald und der Hainberg bei Asch. Weniger wechselvoll
ist die Landschaft im Norden, wo ein weites Waldrevier die Höhen des
Elstergebirges bedeckt. Wenig rechts davon, fast genau im Norden,
erscheint nun das weitschauende Schöneck am Horizont, desgleichen
der unverkennbare Kirchthurm von Landwüst, der hohe Stein mit seinen
scharf-zackigen Thonschiefergebilden und fast in derselben Richtung
der finstere Bergrücken des »Kiel.« Gegen Nordosten im Vordergrund
liegen die Orte Steingrub, Klinghard, Frauenreuth, Neukirchen, und
in den dahinter aufragenden Bergen wollen manche die Bergriesen des
Erzgebirges, den Auersberg, Fichtel- und Keilberg erkennen. Aus der
weithin vor unseren Blicken sich ausbreitenden Fruchtebene, die von
2 sehr naheliegenden Kegelbergen, dem Hirsch- und Scheibenberg,
unterbrochen wird, treten hinter und zwischen den glitzernden
Wasserspiegeln freundliche Städtchen und Dörfer hervor, wie Maria-Kulm
mit der imposanten Wallfahrtskirche, Königsberg, Wildstein, Altenteich
und wie sie alle heissen, zu denen die Berge des sogen. Kaiserwaldes
-- Steinbock, Glatze, Bärenbrand -- einen vortheilhaften Hintergrund
bilden. Mit dem nahen Voitersreuth schliesst das Rundgemälde, das jeder
Besucher mit hoher Befriedigung betrachtet.
Nach genossener Aussicht ist die Rückkehr in die Voitersreuther
Bahnhofrestauration zu empfehlen.
=Franzensbad-Wildstein.= Von Franzensbad aus in nördlicher Richtung
über Lohma (1 Stunde); diese Partie lässt sich auch mit der
vorangehenden verbinden, indem man von dem Orte Voitersreuth links nach
_Altentrich_ und dann in nordöstlicher Richtung weiter geht. Auf dem
_*Störlberge_ anmuthige Waldpartien, hübsche Aussicht, Kaffeehaus.
Touren.
=Franzensbad-*Wies= -- über Eger auf der Strasse in südlicher Richtung.
Der Ort liegt inmitten eines prächtigen Waldes, unmittelbar an der
Grenze, hat eine freundliche Kirche, ein Nebenzollamt und eine
Restauration zum »grünen Baum«. Der Aufenthalt in der würzigen Waldluft
und den reizenden Baumgruppen sehr angenehm.
=Franzensbad-Schloss Liebenstein.= Weg dahin auf der Franzensbad-Hofer
Strasse in westlicher Richtung (2½ St.) Das Schloss ist Eigenthum des
Grafen von Zedwitz. Der Ausflug ist wegen der schönen Waldpartien sehr
lohnend.
=Franzensbad-*Elster= (mit der sächsischen Staatsbahn über Voitersreuth
1 St. 11 Min.) (Gasthöfe: Wettiner Hof, Hôtel de Saxe, Hôtel Bauer,
Reichsverweser, Daheim.) Besuchtester Kurort Sachsens, 496 M.,
hat gute Badeeinrichtungen und schöne Anlagen. Am Brunnenplatze
befindet sich das königliche Badegebäude mit dem Maria-, Königs- und
Alberts-Parke. Die Salz- und Johannissquelle befinden sich unter einem
tempelartigen Überbau. Die Quellen gehören zu den alkalisch-salinischen
Eisenwässern und sind ihrer Wirkung nach den Franzensbadern ähnlich.
=Franzensbad-*Maria-Kulm= (mit der Bahn-Station: Königsberg-Maria-Kulm
der Buschtiehrader Eisenbahn).
Maria-Kulm.
=Gasthäuser=: Goldener Engel, schwarzer Adler, goldener Stern,
goldener Adler, deutsche Eiche, rother Ochs.
=Restaurationen.=
=K. k. Postamt.=
=Maria-Kulm= liegt am linken Ufer der Eger, auf einem der südlichsten
Ausläufer des Erzgebirges. Nur 3 Weges-Stunden von Eger entfernt,
erhebt sich der Berg wie zu einer natürlichen Veste, welche schirmend
über den grössten Theil des lieblichen Egerlandes hinwegschaut.
Maria Kulm ist ein Marktflecken mit über hundert Häusern, welcher
als Wallfahrtsort mit seiner imposanten, weithin sichtbaren Kirche
alljährlich zur Sommerszeit von Tausenden von Andächtigen besucht wird.
Aus allen Gegenden, aus Böhmen und aus Baiern, strömen Processionen
herbei, und die weiten Räume der Kirche und der für das Gnadenbild
Mariens eigens erbauten, an die Kirche anstossenden Kapelle vermögen
oft, namentlich zur Pfingstzeit, die ungeheuren Massen kaum zu fassen.
Die Kirche, von einem grossen Kreuzgange umgeben, ist ein Meisterwerk
bizantinischer Baukunst. Zahlreiche Thürme, welche gigantisch zum
Himmel streben, zieren den colossalen Bau und das harmonische
Geläute[1] ihrer Glocken dringt volltönend, wehmüthig und selig
erhebend zugleich fernhin und hinab in's herrliche Thal, das im reichen
Segensgewande an den Fuss des Berges sich anschmiegt.
[1] Als Ferdinand II. am Fusse des Kulmer Berges sein Heer
ordnete und von der Höhe herab den Klang der Glocken
vernahm, soll er ausgerufen haben: »Jede freie deutsche
Reichsstadt könnte stolz sein, ein solches Geläute zu
besitzen.« -- In die Glocken sind zahlreiche Namen von
Wallfahrern und Reisenden eingegraben.