während des reizvollen Sommers, gewährt dem Touristen, der um diese
Zeit die heiteren Höhen und saftig-grünen Thäler durchwandert, den
Vortheil, seine Tage auf die höchstmögliche Benützung zu bringen. Etwa
fünf Wochen vor und nach der Sommersonnenwende hat sowohl die Abend-
als auch die Morgendämmerung eine grosse Dauer, was die Wanderungen
auf den Höhen des Erzgebirges ungemein erleichtert und angenehm
macht. Auch die =Morgen-= und =Abendröthe= ist auf den Spitzen immer
heiterer und schöner als unter gleichen Umständen bei wolkenfreiem
Horizont im Innern des Landes. An dieser Stelle machen wir auf zwei
Erscheinungen unseres Gebirges besonders aufmerksam und bezeichnen die
geeignete Zeit und den besten Ort, wo sie gewöhnlich eintreten. Es ist
der Kupferhügel bei Kupferberg und der Hochsommer an Tagen, wo über
dem Flachlande Gewitter hängen. Man darf nicht sorgen, dass sie auf
das Gebirge heraufsteigen, wenn sie auch der Südwind gegen die Berge
herantreibt. Die schwarzen Wolkenmassen schwimmen dann bis nach Kaaden
oder Brunnersdorf heran und dringen auch in das Egerthal bis Klösterle
oder Pürstein herein; hier aber stauen sie sich an die hohen Berge und
entladen in stundenlangen Gewittern ihre Blitze mit fern rollendem
Donner. Der Zuschauer auf dem Kupferhügel steht im Sonnenschein, den
reinen blauen Himmel über seinem Haupte, und kann mit voller Seelenruhe
auf die leuchtenden Wolken hinabsehen, deren Oberfläche mit den
einzelnen Kuppen noch immer tiefer liegt, als der Rand des Gebirges,
und die tief unter seinen Füssen ihre Blitze von Wolkenballen zu
Wolkenballen aussenden, bis sich ihre Elektricitäten entladen haben
und die erschöpften Wolken wieder zerreissen und zerflattern und
das durchnässte Land im dunklen frischen Blau durchscheinen lassen.
Dieses Schauspiel wird vielleicht nur noch von einer Naturerscheinung
überboten, die im Frühlinge, bei lang anhaltenden Märznebeln, oder auch
im Herbste stattfinden kann, und die öfter schon beobachtet wurde. Wie
bekannt, sind die Gebirge mehr oder öfter mit Nebeln verschleiert als
die Niederungen und Thäler. Es kann aber auch geschehen, dass sich
die Nebel sehr dicht über das Tiefland lagern, und dann reicht die
Nebelschichte meist nur bis an den Rand des Gebirgskammes und oben ist
heller Sonnenschein und warmes, trockenes, schönes Wetter. Der Nebel
selbst liegt weithin über das ganze Tiefland wie eine Meeresfläche
gebreitet, unter welcher das ganze Land versunken und verschwunden
scheint. Es ist aber doch nicht ganz versunken; hier rechts ragen
aus dem glatten Meeresspiegel, über dem das helle, sonnige, blaue
Himmelsgewölbe gespannt ist, einige Kuppen des Teplergebirges heraus
wie blaue Inseln, an welchen die dunstig dünnen Wellen des Nebels
aufschäumen; dort links in der Gegend von Dux und Teplitz tauchen
wieder Inseln heraus, an welchen wir den =Bořen= und den =Donnersberg=
zu erkennen glauben. Alles andere wogt langsam in breiten Wellen von
nur geringer Höhe, ein täuschender Meeresspiegel von 14 Meilen Länge
und Breite, der ganz an den Anblick über die Adria erinnert, von den
Höhen des Karstes aus gesehen. Und welches Spiel der Wellen nahe zu
unseren Füssen! Vom Fusse des Kupferhügels gegen Osten breitet sich
eine Platte aus, meist Blumenwiesen, die gegen Klösterle mit einem
steilen Rand abfallen. Die Nebelschichte füllt das Tiefland genau bis
zu diesem Rande. Da treibt ein leiser Ostwind den oberen Schaum des
Nebels über den Rand, und eine duftig zarte Woge schlägt über und wälzt
sich über die grüne Platte. Sie ist aber von der strahlenden Sonne
beschienen und erwärmt, und die Schaumwelle des Nebels zerfliesst
und zerflattert. In kurzer Zeit kommt eine zweite brandende Welle
und wiederholt das anziehende Spiel. Wir erfreuen uns längere Zeit
an dem Spiele eines brandenden Nebelmeeres, da streift unser Blick
wieder das Tepler Inselland. Die blauen Inseln sind grösser, breiter
geworden, das Meer sinkt, es trocknet ein, und das feste Land steigt
aus den Fluten im Zauber einer neuen Schöpfung. Auch wurde schon
wiederholt eine Art =Alpenglühen= beobachtet: Man sah am frühen Morgen
schneereicher Wintertage die rothglühenden Gipfel des Gebirges aus
der nebeligen Dämmerung des Morgens aufleuchten. Auch hat man auf
mehreren Gipfeln unseres Gebirges das berühmte »=Brockengespenst=«
gesehen. Es wird auf dem Brocken beobachtet, wenn an einem Sommertage
rings um das Brockenhaus schwerer, feuchter Nebel liegt, oder wenn an
den Flanken des Berges sausende Wolkengeschwader ziehen und sich zu
seltsamen Gestalten ballen, worauf sich bei besonderem Stande der Sonne
der vergrösserte Schatten des Wanderers auf einer gegenüberliegenden
Wolkenwand zeigt. Der Uebergang aus dem ungefähr 4½ Monate langen Lenz
in den Winter ist indess auch wieder viel schneller als im tiefen
Lande. Nach einigen wolken- und schneefreien und andauernd schönen
Octobertagen, deren sich die Erzgebirgsbewohner gewöhnlich zu erfreuen
haben, tritt der Winter mit allen seinen Unannehmlichkeiten und
Schrecken sofort ein.
Im allgemeinen muss das Klima wegen der Leichtigkeit und Reinheit
der Luft als ein ganz gesundes bezeichnet werden. Brustkrankheiten
kommen hier trotz der oft dürftigen Verhältnisse der Bewohner
äusserst selten vor, daher werden viele Orte als Schwindsuchtsasyle
ganz besonders empfohlen, wie Eichwald, Ossegg, Hammer, Rothenhaus,
Einsiedl, Reizenhain u. s. w. Als Merkmal der günstigen klimatischen
Verhältnisse gilt der Umstand, dass man bis zu einer Höhe von 650 m
Roggen und Weizen erntet; auf dem rauhen Gebirgskamme bei Gottesgab
müssen sich die Bewohner mit Hafer und Kartoffeln zufriedenstellen,
und auch dieser Anbau sollte unterbleiben. Der Graswuchs ist hier
sehr üppig, und die Natur zeichnet den Bewohnern den Weg, den sie
gehen sollen, deutlich vor. Sie sollen sich ganz der Viehzucht widmen,
und die daraus resultirende Erwerbsthätigkeit durch Gründung von
Milch- und Käserei-Genossenschaften heben. Erwähnenswerth ist noch,
dass das prächtige Edelweis in Krima ganz gut gedeiht, daher von den
Gebirgsvereinen auf dem Sonnenwirbel, wo sich Vorboten der subalpinen
und selbst der alpinen Flora vorfinden, in grösserem Masse angepflanzt
und dann verwerthet werden sollte.
Einwohnerzahl, Character der Bewohner.
Die Ansiedelung auf dem Erzgebirge weist die Merkwürdigkeit auf, dass
sie zu den höchst gelegenen auf der ganzen Erde und insbesondere von
Europa gehört. Es gibt wohl höher gelegene Orte; sie sind aber nur
Herbergen für die Reisenden oder Heilanstalten, oder es sind Gasthäuser
für Touristen. Nur einzelne Ansiedelungen, wie Le Locle 996 m und La
Chaux de Fonds 976 m hoch, jenes mit 9000, dieses mit 17.000 Einwohnern
(Uhrmacherfamilien), bilden eine Ausnahme und zeigen von einer dichten,
sesshaften Bevölkerung in ungewöhnlicher Gebirgshöhe. In den Alpen
steigen die Bewohner gegen den Winter zu in die Thäler hinab. Im
Böhmerwalde gibt es nur zwei Ortschaften: Aussengefield und Eisenstrass
mit 2000 Einwohnern, dieses 850, jenes 1077 m hoch. Auf allen Gebirgen
Deutschlands, wie auf dem Harz, dem Schwarzwalde, im Thüringerwalde u.
s. w. nimmt die Dichtigkeit der Bevölkerung auf der Höhenlage rasch
ab. Allein auf dem Erzgebirge nimmt die Dichte der Bevölkerung mit
der Höhe zu, und auf der böhmischen Seite des Kammes wohnen nach der
Zählung von 1857 auf 20·7 Quadrat-Myriametern (36 Quad.-Meilen) 111.180
Menschen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung übersteigt daher 5370 Seelen
auf ein Quad.-Myriameter (über 3000 auf eine Quad.-Meile). Auf der
sächsischen, weniger steil abfallenden Seite erreicht sie sogar die
Zahl von 17.000 Seelen auf ein Quadrat-Myriameter. Diese Dichtigkeit
der Bevölkerung und die Gründung der Städte in der Höhe von 440 bis
632 m: Wolkenstein, Thum, Zschoppau, Geyer, Zöblitz, Marienberg,
Buchholz, Elster, Schwarzenberg, Marienkirchen, Adorf, Falkenstein,
Schneeberg, Auerbach, Oelsnitz, Zwönitz und Schellenberg; zwischen
532--790 m: Altenberg, Frauenstein, Seyda, Annaberg, Scheibenberg,
Elterlein, Grünhain, Johann-Georgenstadt, Eibenstock, Schöneck,
Heinrichsgrün, Katharinaberg, Bärringen, Hengstererben, Hirschenstand,
Frühbuss, Platten, Abertham, Sächsisch- und Böhm.-Wiesenthal; über
948 m ausser mehreren kleineren Ortschaften das Städtchen Gottesgab
1172 m, noch 72 m über der höchsten Spitze des Harzes, über dem Brocken
und 224 m über dem Beerberg, der grössten Höhe im Thüringerwalde,
-- diese zwei Umstände lassen sich nur unter Zuhilfenahme eines
geschichtlichen Ereignisses erklären. Es ist diess die Entdeckung
der Silbergruben bei Freiberg (1163) und bei Konradsgrün, wo jetzt
Joachimsthal steht, im J. 1471. In einem Zeitraum von ungefähr 55
Jahren wurden 11 neue Bergstädte gegründet, nämlich: Schneeberg 1477,
Annaberg 1496, Buchholz 1504, Joachimsthal 1516, Gottesgab, Eibenstock
und Hochstadt 1517, Marienberg 1521, Scheibenberg 1522, Wiesenthal 1526
und Platten 1532. Bergbauunternehmer und Arbeiter strömten herbei;
denn sie konnten nicht nur reiche Ausbeute und guten Lohn finden, die
erlassene Bergordnung machte auch die Leibeigenen =frei=, sobald sie
als Knappen aufgenommen wurden. Auf den Höhen des Erzgebirges wohnte
die Freiheit. Noch nicht genug daran wurden die Bürger der Bergstädte
von den Kaisern mit ausgedehnten Privilegien begnadigt. Diese Umstände
genügen wohl, die rasche Ansiedelung auf einem rauhen Gebirge mitten
im Urwalde zu erklären. Der Bergbau hat abgenommen, der Werth des
Silbers ist sehr gesunken, und die Bevölkerung blieb aber doch auf
den Bergen zurück. Das kann überraschen, denn es bildet eine Ausnahme
von der Regel, welche wir aus den Beobachtungen ähnlicher Vorgänge
an anderen Orten ableiten können. In Nordamerika verlief sich die
Bevölkerung nach Ausbeute der Naphtaquellen und liess Dörfer und Städte
leer stehen und die Häuser verfallen. In Peru und Chili beobachtete
man eine ähnliche Erscheinung. Aus noch früherer Zeit lässt sich
der ähnliche Vorgang in Spanien nachweisen. Auf den unwirthbaren
Höhen des Erzgebirges blieb aber die dichte Ansiedelung zurück. Sie
überdauerte alle Wechselfälle und ertrug schwere Zeiten der Noth.
Sie musste wiederholt von einer Beschäftigung zur anderen übergehen.
Nach Erschöpfung der Silbergruben warfen sich die Unternehmer und
Arbeiter auf den Eisensteinbergbau und das Eisenhüttenwesen. Sie bauten
Drahtmühlen, Blechhämmer, machten verzinnte Eisenlöffel, Nägel und
Stifte. Als auch diese Gewerbe die Arbeit nicht mehr lohnten, wurde
das Spitzenklöppeln eingeführt, und als alle Gewerbe stockten, zogen
die musikkundigen Erzgebirgsbewohner aus und stellten Musikbanden
für die Badeorte zusammen. Und so hausen sie auf den rauhen Höhen
und bauen zu den alten Häusern aus Riegelwänden noch neue, festere
Häuser aus Stein und Werkstätten und Fabriken und lassen sich von den
rauhen Stürmen nicht fortwehen und von der Noth nicht wegdrängen.
Was sie nur so festhält? =Der Zug der Natur=, welcher die Forelle in
dem kristallhellen Gebirgsbache zurückhält und nicht in das trübe
Flusswasser der Ebene herabschwimmen lässt. Das Heimweh allein ist's
nicht. Die gesammte Bevölkerung zeichnet sich durch eine besondere
Beweglichkeit des Geistes und eine vortreffliche Flinkheit und
Eilfertigkeit des Leibes aus, was sie zu allen Künsten, zu allen
Handwerken und Gewerben geschickt macht. In Folge dessen sind auf
dem Erzgebirge eine ganze Reihe von Industrien im Schwunge: Bergbau,
Eisengewerke, Gewehrfabrication, Löffel- und Messerschmiederei,
Stahlwaarenerzeugung, Nadlerei, Porzellanfabrication, Spitzenklöppelei,
Weiss- und Buntstickerei, Posamentierarbeiten, Handschuhmacherei,
Strohflechterei, Musikinstrumentenfabrication, Spielwaarenerzeugung,
Arbeiten in Papiermaché, Cartonerie, Chamotwaarenerzeugung u. s. w.
Kaum eine zweite Gebirgsbevölkerung wechselt so leicht und anstellig
die Arbeit und eignet sich das neue so leicht an, wie auf diesen
Bergen, und dieser Anbequemung an die geänderten Verhältnisse haben
sie es zu danken, dass sie die vielen Wechselfälle ihrer Geschichte in
ungeschwächter Kraft auf den Bergen aushielten, an denen sie festhängen
als ihrer geliebten Heimat, und zu welchen sie von ihren oft sehr
weiten Flügen in die Fremde immer wieder sehnsüchtig zurückkehren.
»Bi weit rim kumma schie mei Labestoch,
Ich wor in Dorf und Stoodt, wass moncha Gegend za hassen,
ho viel gesah, wos 's Harz erfraia moch,
Mei Arzgebirg, mei Hamet ho ich net vergassen!«
Die Geschichte hat uns an diesen Bewohnern gezeigt, wie die Menschen
zwölfhundert Meter über dem Meeresniveau wachsen und gedeihen.
Allgemein bekannt ist es auch, dass der Erzgebirger höflich, gefällig
und sehr genügsam ist. Seine Wohnung ist einfach und noch einfacher
die Kost. Frohsinn, Verträglichkeit und grosse Liebe zur Reinlichkeit
finden wir überall, was den Touristen ungemein anmuthet.
Das Mineralreich.
_Das Mineralreich_ bietet auf dem Erzgebirge eine grössere
Mannigfaltigkeit von Vorkommnissen als in den meisten anderen Gegenden
Böhmens und Deutschlands. Wenn auch der Reichthum dieser Producte gegen
den, welchen sie in vergangenen Jahrhunderten durch den Betrieb eines
grossartig ausgedehnten Bergbaues spendeten, fast unbedeutend geworden
ist, gegenwärtig grossentheils nur die historischen Erinnerungen und
zahlreiche Halden, Pingen und andere verfallene Grubengebäude übrig
sind: so ist doch das Vorhandene immer noch von hohem Interesse für die
Wissenschaft.
Der ältere Bergbau war hauptsächlich auf Gewinnung von Silber und
dann zunächst auf Kupfer, Zinn, Eisen und Blei gerichtet; erst später
lernte man auch Kobalt und Wismuth kennen und benützen; die Verwendung
des Braunsteines, des Nickels und des Urans gehört erst der neuesten
Zeit an, welcher wahrscheinlich bei dem raschen Fortschritte der
Naturwissenschaft und der Technik noch die Nutzbarmachung manches
anderen Minerals vorbehalten ist, das jetzt unbeachtet auf den Halden
liegt.
Von grösserer Wichtigkeit als der Gewinn an den genannten Metallen
ist gegenwärtig der Kohlenbergbau, die Zugutemachung der Eisenkiese
auf Schwefel, Vitriol und Schwefelsäure, und von besonderer Bedeutung
auch die Benützung der Porzellanerde und des Feldspathes, welche hier
mehrere der wichtigsten Industrie-Anstalten des Landes in's Leben
gerufen haben.
Silberzechen finden sich zu Joachimsthal, Abertham, Holzbach,
Arletzgrün, Breitenbach, Pechöfen, Streitseifen, Brettmühl,
Zwittermühl, Gottesgab, Seifen und Weipert, dann bei Sangerberg am
Tepler Gebirge.
Kupferbau wird am Eibenberge auf der Herrschaft Graslitz betrieben.
Bleierzzechen bestanden bei Brünles, Liebenau, Horn, Hartenberg,
Schlesnitz, Grün, Bleistadt, Reichenbach, Pichlberg, Silberbach,
Silbergrün und Weipert.
Zinnerzzechen zu Abertham, Streitseifen, Goldenhöhe, Hirschenstand,
Schönfeld, Schlaggenwald, Silberbach und Königswarth.
Eisenerzzechen zu Maria-Sorg, Pfaffengrün, Hauenstein, Schönwald,
Lessau, Irrgang, Neu-Hammer, Littmitz, Kodau (Chodau), Unterkodau,
Putschirn, Wintersgrün, Berghaus, Neusattel, Holzbach, Ullersgrün,
Granesau, Poschitzau, Grossschad, Sangerberg, Weipert, Ziditz, Thein,
Unterneugrün und Graset.
Braunstein wurde am Hirschberge bei Platten und bei Frühbuss gewonnen.
Eisenkiese (Vitriol und Alaunerze) werden zum Theile noch bei
Habersbirk, Char, Sorg, Mühlbach, Münchhof, Littmitz, Theim, Altsattel,
Zwodau und Maierhöfen gegraben.
Braunkohlenzechen finden sich bei Janesen, Putschirn, Münchhof,
Grünlas, Chodau, Unterkodau, Taschwitz, Neusattel, Zettlitz, Granesau,
Littmitz, Hanschgrün, Berghaus, Grün, Russ, Graset, Wintersgrün,
Motschidl, Bruckhof, Doglasgrün, Aich, Steinhof, Habersbirk, Char,
Davidsthal, Lauterbach, Robertsgrün, Boden, Neukirchen, Falkenau,
Zwodau, Unterreichenau, Bukwa, Theisau, Maierhöfen, Kittlitz, Lang,
Haselbach, dann bei Lessau, Sodau, Premlowitz, Ottowitz, Schenkau,
Rosnitz, Drahowitz, Stolzengrün, Dalwitz.
Die Gruben auf Porzellanerde, sowie die auf Feldspath bieten
treffliches Material für den Betrieb der Fabriken in Massen, welche
keine Erschöpfung besorgen lassen.
An trefflichen Bausteinen und Material für Steinmetzarbeiten hat
das Gebiet einen Ueberfluss in der weitverbreiteten Granitbildung
und den Sandsteinablagerungen; bei Graslitz wird auch etwas
Dachschiefer gebrochen, ebenso fehlt es nicht an Thon für Töpfereien
und Lehm für Ziegelbrennereien. Im Egerischen Gebiete werden
nebst gewöhnlichem Töpfergeschirr auch das sogenannte Steinzeug,
hauptsächlich Mineralwasserflaschen, dann besonders gute Ziegel
erzeugt. In geringerer Menge findet sich Kalkstein. Die grosse
Mannigfaltigkeit der Mineralgattungen, welche theils einen Gegenstand
des Bergbaues ausmachen, theils bloss den Mineralogen interessiren,
zeigt folgendes Verzeichnis mit Angabe der vorzüglichsten Fundorte;
die mit »ausschliesslich« bezeichneten Gattungen sind bisher von
andern Orten noch gar nicht bekannt; die als stetige Gemengtheile der
Gebirgsgesteine vorkommenden Gattungen sind dabei übergangen.
Arseniksäure, zu Joachimsthal.
Glaubersalz, im Moor bei Franzensbad und in der Soos.
Melanterit, oder Eisenvitriol, im Moor bei Franzensbad.
Johannit, ausschliesslich zu Joachimsthal, höchst selten.
Gyps, krystallisirt zu Schlaggenwald.
Pharmakolith, zu Joachimsthal.
Haidingerit, zu Joachimsthal, höchst selten.
Erythrin oder Kobaltblüte, zu Joachimsthal, Platten.
Vivianit oder blaue Eisenerde, im Moor bei Franzensbad.
Skorodit, zu Schlaggenwald, sehr selten.
Flussspath, zu Schlaggenwald, ausgezeichnete Krystalle dunkelviolblau,
dann zu Weipert gelb und grün.
Apatit, ausgezeichnet in sehr mannigfaltigen Krystall- und
Farbenvarietäten zu Schlaggenwald, Schönfeld, ferner zu Neudeck, jedoch
sehr selten.
Aragonit zu Waltsch, Nester im Basalt; die sogenannte Eisenblüte
als Seltenheit zu Bleistadt; dann die zu dieser Spezies gehörigen
mannigfaltigen Abänderungen der Producte der Karlsbader Thermen, als
Kalksinter und Erbsenstein.
Kalkspath, schöne Krystallvarietäten, vorzüglich der sogenannte
Papierspath zu Joachimsthal.
Braunspath, sehr ausgezeichnet zu Joachimsthal, dann zu Schlaggenwald.
Spatheisenstein, zu Schlaggenwald, als Seltenheit; thoniger
Sphärosiderit zu Konradsgrün, bei Lessau und an mehren Orten im
Braunkohlengebirge.
Scheelit oder Schwerstein, zu Schlaggenwald, höchst ausgezeichnet.
Cerussit oder Weissbleierz, zu Bleistadt, ebendort auch die sogenannte
Bleierde.
Pyromorphit oder Braunbleierz, ausgezeichnet zu Bleistadt.
Olivenit (Olivenerz), zu Schlaggenwald.
Lasur (Kupferlasur), zu Schlaggenwald, Seltenheit.
Uranit, oder Uranglimmer, zu Schlaggenwald, sehr ausgezeichnet; zu
Schönficht.
Urangrün, ausschliesslich zu Joachimsthal.
Uranblüte desgleichen.
Nickelocher, zu Joachimsthal.
Ganomatit oder Gänseköthigerz, zu Joachimsthal.
Eisensinter, sehr ausgezeichnet zu Platten und Bleistadt.
Kupfermangan, ausschliesslich zu Schlaggenwald, sehr selten.
Speckstein, zu Schlaggenwald, Schönfeld.
Chlorit, nierenförmig zu Schlaggenwald.
Kyanyt, breitschalig, ausgezeichnet am Gangerhäusel bei Petschau.
Phillipsit, am Hauensteiner Schlossberge im Klingstein, bei Unterlamitz
im Basalt.
Mesolith, Comptonit, sehr ausgezeichnet am Hauensteiner Schlossberge.
Feldspath, orthotomer, Gegend von Elbogen, Karlsbad.
Periklin, bei Haslau.
Albit, zu Schlaggenwald, selten.
Augit, kleine Krystalle im Basalt an mehren Orten; Sahlit bei Haslau.
Amphibol im Basalttuff bei Rodisfort.
Tremolit, bei Haslau im Kalkstein.
Epidot, am Kupferhügel bei Kupferberg.
Karpholit, ausschliesslich zu Schlaggenwald.
Andalusit im Glimmerschiefer bei Alt-Albenreut, ausgezeichnet.
Korund, am Gängerhäusel bei Petschau, selten.
Topas, nette Krystallabänderungen, zu Schlaggenwald, dann Geschiebe von
meergrüner Farbe in den Seifenhalden bei Frühbuss.
Berill, zu Schlaggenwald und als Seltenheit im Granit bei Neuhammer.
Quarz, schöne krystallisirte Varietäten, durchsichtig, weiss und braun,
hauptsächlich zu Schlaggenwald, sogenannter Milchquarz und Rosenquarz
zu Schlaggenwald und Königswarth.
Amethyst am Crudum bei Elbogen, bei Hartmannsgrün.
Opal, zu Bleistadt im Bleiglanz, zu Heinrichsgrün, Frühbuss, bei
Haslau; der sogenannte Hyalith höchst ausgezeichnet bei Waltsch auf
Basalt.
Kieselsinter oder schaliger Opal bei Grottensee.
Chrysolith (Olivin), im Basalt bei Duppau und an mehren Orten.
Turmalin, schwarz bei Schlaggenwald, Karlsbad, Zettlitz und an mehren
Orten.
Idokras (Egeran), bei Haslau, sehr ausgezeichnet.
Granat, kleine nette Krystalle am Dillenberge, dann undurchsichtige
Körner und Krystalle bei Hartenberg; im Kalkstein und Quarz bei Haslau,
am Kupferhügel, bei Neudeck.
Rutil, am Gängerhäusel.
Zinnerz, höchst ausgezeichnet zu Schlaggenwald, Schönfeld; derb und
eingesprengt bei Abertham und andern Orten.
Wolfram, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.
Uranerz, Eliaszeche bei Joachimsthal, dort auch der Uranocher.
Magneteisenstein, bei Platten, Neudeck.
Rotheisenstein, rother Glaskopf, höchst ausgezeichnet auf dem Irrgange;
Thoneisenstein bei Lessau, Fuchsloch und an mehren Orten.
Philomelan, oder dichtes Manganerz, dann
Pyrolusit, sehr ausgezeichnet, und
Polianit oder Hartmanganerz, bei Platten.
Arsenik, zu Joachimsthal.
Wismuth, zu Joachimsthal und als Seltenheit in Schlaggenwald.
Silber, zu Joachimsthal, Weipert.
Kupfer, als Seltenheit zu Schlaggenwald.
Nickelkies, Kupfernickel, zu Joachimsthal.
Arsenikkies, zu Schlaggenwald.
Weisser Speiskobalt, krystallisirt und gestrickt zu Joachimsthal;
grauer Speiskobalt zu Joachimsthal.
Eisenkies, hexaedrischer, bei Littmitz, Joachimsthal.
Eisenkies, prismatischer, sogenannter Speerkies, höchst ausgezeichnet
bei Littmitz, Altsattel, sogenannter Leberkies zu Joachimsthal.
Merkwürdig ist die Bildung von Eisenkies in den Moorlagern bei
Franzensbrunn; er entsteht aus den Vitriol haltenden Gewässern
durch einen Reductionsprocess, welcher durch die Vegetation
herbeigeführt wird, zeigt die Gestalten von verflochtenen Wurzeln und
Pflanzenstengeln, auf welchen der Kies sich niedergeschlagen hat,
während die Pflanzensubstanz zerstört wurde, so dass an ihrer Stelle
eine Höhlung zurückgeblieben ist.
Millerit (Haarkies), zu Joachimsthal, ausgezeichnet.
Kupferkies, ausgezeichnet zu Schlaggenwald, dann bei Graslitz.
Bornit (Buntkupfererz), als Seltenheit zu Schlaggenwald.
Silberglanz, oder Glaserz, Joachimsthal, Weipert.
Bleiglanz, bei Bleistadt, Reichenberg, Schossenreut, Frohnau; selten zu
Joachimsthal.
Molybdänglanz, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.
Sternbergit, Joachimsthal, ausschliesslich, sehr selten.
Polybasit, zu Joachimsthal.
Stefanit, zu Joachimsthal.
Blende, ausgezeichnet in Schlaggenwald, dann in Bleistadt.
Rothgiltigerz, dunkles und lichtes, höchst ausgezeichnet, vorzüglich
das letztere zu Joachimsthal.
Zinnober, bei Schönbach.
Realgar, zu Joachimsthal.
Retinit, bei Habersbirk.
Steinkohle, Braunkohle, an sehr vielen Orten.
Specieller Theil.
A. Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von
Franzensbad aus.
Franzensbad.
=Gasthöfe=: Post in der Kaiserstrasse; Hôtel Hübner,
Kaiserstrasse; Kaiser von Oesterreich, Ferdinandsstrasse;
Britisch Hôtel, Parkstrasse; Brandenburger Thor, Karlsstrasse;
Goldenes Kreuz, Hôtel Holzer, Stadt Leipzig, Kulmerstrasse;
Müllers Hôtel, Salzquellstrasse; Gisela, Bahnhofstrasse.
Preise: 1 fl. -- 1 fl. 50 kr.; Licht und Service 40 kr.; Suppe
12 kr., Braten 40 bis 80 kr., Kaffee im Geschirr 24 kr., --
gutes Bier und vortreffliche Weine zu mässigen Preisen.
Privatlogis sind in etwa 150 meist neu und elegant
eingerichteten Wohnhäusern jederzeit zu bekommen; nur zur
Hochsaison d. i. vom 20. Juni bis Ende Juli tritt wegen
grossen Andranges Wohnungsmangel ein und empfiehlt es sich,
sich die Wohnung im voraus zu bestellen. Für Salons zahlt man
wöchentlich in der Hochsaison 20 bis 40 fl., doch kann man
auch gut eingerichtete Zimmer mit prächtigen Betten um 5 bis
8 fl. bekommen. Das Bürgermeisteramt und die Brunnenärzte
sind jederzeit zu Auskünften bereit. Die an den Häusern
angebrachten Tafeln mit dem Worte »Logis« zeigen jedermann an,
wo Wohnungen zu vermiethen sind; man kann daher zudringliche
Wohnungsanbieter jederzeit zurückweisen.
Im =Cursaal=, nächst der Franzensquelle, sowie in den
obgenannten Hôtels speist man vortrefflich entweder à la carte
oder Table d'hôte -- das Couvert 1 fl. 30 kr. Curgästen werden
auch Speisen in die Wohnhäuser verabreicht.