Südlich von der Eger haben wir im Westen die letzten Ausläufer des

Böhmerwaldes. Durch den ziemlich weiten Pass oder tiefen Einschnitt bei

Sandau, wo sich der Gebirgsrücken nur wenig über die Flächen erhebt,

welche sich im Westen und Osten an seinem Fusse verbreiten, ist das

genannte Gebirge vom Kaiserwalde geschieden. Am meisten ragt unter

den Bergen im Süden des Egerlandes der =Dillenberg= durch Ausdehnung

und Höhe hervor; es ist die nördlichste und ansehnlichste Kuppe des

Waldgebirges, welches mit demselben den Zug seiner Verbreitung in

Böhmen schliesst; er erreicht 963 m Meereshöhe, ragt daher beiläufig

540 m über die Fläche des Egerlandes hervor. Die Gestalt ist die eines

steil ansteigenden, sanft gebogenen Rückens mit einigen sattelförmigen

seichten Einbiegungen.

Der weitere, nordwestlich verlaufende Zug wird gewöhnlich das Tepler

Gebirge genannt; er bildet einen ausgebreiteten Rücken mit ziemlich

gleichförmigen Verhältnissen seiner Abdachungen. Der westlich vom

Teplthale gelegene Theil dieses Gebirges ist durch mehrere kleinere

Thäler eingeschnitten, ohne dass sich jedoch die Theile als eigene

Züge besonders hervorheben. Der höchste Theil desselben ist der

südwestliche unter dem Namen Kaiserwald mit =der hohen Glatze= 973·5 m.

Von da verläuft mit abnehmender Höhe der westliche Gebirgsabhang als

natürliche Begrenzung des Egerlandes zwischen dem Roda-Bache und dem

Liebau-Bache bis Königsberg, wo sein steiler Abfall das nördliche

Gehänge des engen Thales bildet, welches ihn vom letzten Joche des

Erzgebirges, dem Leibitsch-Kamme, trennt. Sanfter ist der Abfall des

zweiten Theiles zwischen dem Liebau-Bache und Lobs-Bache, wo am Fusse

des Gebirges die Thalfläche von Falkenau, das Falkenauer Land, sich

ausbreitet und sich bis zum Fusse des Erzgebirges in einer Breite von

11·3 Kilom. ausdehnt. Den dritten Theil bildet der Abfall des Gebirges

zwischen dem Lobsbache und dem Zechthale mit dem =Spitzberg= 821 m

zwischen Lauterbach und Schönfeld und dem =Crudum= 830 m nördlich

von Kohling, welche beide mächtig hervorragen. Die Gehänge dieses

Gebirgstheiles fallen steil und stellenweise als schroffe Felswände

in die beiden genannten Seitenthäler und in das Hauptthal bei Elbogen

ab. Der vierte Theil verläuft zwischen dem Zechthale und der Tepl und

wird überragt von der =Buchenhöhe= 728 m nördlich von Poschitzau und

dem =Aberg= 609 m südöstlich von Aich. Derselbe gewährt eine treffliche

Aussicht über den Gebirgsrücken und auf das Erzgebirge.

Der östliche Theil des Tepler Gebirges rechts vom Tepelthale ist mehr

ausgebreitet als der westliche, erreicht aber nicht dessen Höhe; er

hat mehr das Ansehen eines ausgedehnten Plateaus, auf welchem sich

einzelne, zum Theile mehr ausgedehnte als hohe Kuppen hervorheben. Der

südliche Abhang führt zum grossen Theile den Namen Buchauer Gebirge.

Gegen Osten und Nordosten geht die Platte in ein aus Kuppen und

höheren Rücken zusammengesetztes Gebirge über und führt zum Theil den

Namen Duppauer Gebirge. Der Abfall ins Tepelthal ist schroff. Ueber

das Plateau bei Engelhaus ragt der weitsichtbare und jedem Touristen

bekannte =Schlossberg= empor. Dieses Gebirge erhebt sich auch steil aus

dem Haupt-Thale, sowie ihm gegenüber das Erzgebirge.

Das Mittelgebirge.

Dieses Gebirge wird von der Elbe durchschnitten und in zwei nahezu

gleiche Theile, einen westlichen und einen östlichen, geschieden.

Der westliche Theil wird nördlich von dem Eulauer, nordwestlich von

dem Teplitzer Thale, westlich von der schönen, fruchtbaren Saazer

Ebene und südlich von dem Egerthale und der Ebene, in welches

sich dieses verläuft, begrenzt. An seinem nördlichen Abhange wird

dieser Gebirgstheil in nordöstlicher Richtung von dem Bielathale

durchschnitten, und gewöhnlich wird nur der Strich zwischen dem Eger-

und Bielethale das Mittelgebirge genannt, wiewohl das nordwärts der

Biela liegende Gebirge bis zu den bezeichneten Grenzen, sowie das

an der Ostseite der Elbe liegende Gebirgsland mit demselben ein

geognostisches Ganzes bildet, von welchem das eigentliche sogenannte

Mittelgebirge einen Haupttheil ausmacht.

Während dem östlichen Theile theilweise ein kettenartiger Zusammenhang

nicht abgesprochen werden kann, fehlt dieser dem westlichen ganz,

und besteht aus einer Anhäufung von mehr oder weniger vollkommen

kegelförmigen, theils spitzigen, theils abgestumpften oder an dem

Gipfel abgerundeten glockenförmigen Bergen, zwischen welchen hie und

da kahle, zum Theile mächtige, klippige Felskolosse hervorragen. Die

Berge stehen, besonders an den Ausläufern oder am Rande des Gebirges,

wo es sich aus der Ebene hervorhebt, vereinzelt, versammeln sich dann

weiterhin in kleineren und grösseren Gruppen, welche dann an den

beiden Gehängen des Gebirgszuges sich sehr gedrängt gehäuft finden und

in der Mitte desselben als die höchsten Berge hervorragen, worunter

im eigentlichen Mittelgebirge der =Donnersberg= oder =Milleschauer=

mit 815 m über der Nordsee den höchsten Punkt dieses ganzen Gebirges

erreicht. Das ist der König des Mittelgebirges, ein steiler, isolierter

Bergkegel aus Klingstein.

Im östlichen Mittelgebirge liegen die höchsten Berge nicht in der

Mitte, sondern zumeist am Rande desselben. Die Grenzen dieses Gebirges

sind: Südlich die Ebene an der Elbe, über welche sich dasselbe

theils plötzlich mit grosser Steilheit erhebt, theils allmählich von

derselben ansteigt und so den Fuss des eigentlichen steileren Gebirges

bildet. An der Ostseite zerstreuen sich die Gebirgsmassen in einzelne

Kegelberge, welche sowie nordöstlich, endlich als zusammenhängender

Gebirgszug gegen das Gebiet von Bunzlau fortlaufen. Nördlich wird das

Mittelgebirge durch das Granitgebirge begrenzt, und von diesem durch

das Thal des Grundbaches bei Obergrund und Georgenthal geschieden,

hängt jedoch damit durch den Gebirgsrücken bei Schönlinde zusammen,

und seine Felsmassen finden sich auch noch in einzelnen Bergkegeln

zerstreut auf dem Granitgebirge vor. Die nordwestliche Grenze bildet

das Sandsteingebirge an der Elbe, wo sich auch die Felsmassen in

zerstreuten Bergen im Gebiete des Sandsteingebirges vorfinden, sowie

sich die des letzteren mit denen des Mittelgebirges vermengen und diese

durchflechten.

Das östliche Mittelgebirge erhält verschiedene Benennungen nach

einzelnen Gegenden, Ortschaften und Bergen.

In geognostischer Beziehung gehört dieses Gebirge zur vulkanischen

Trappformation und ist eines der ausgedehntesten und ausgezeichnetsten

dieser Art in Europa. Basalt und Klingstein bilden die Hauptmassen des

Gebirges, von denen der erstere die meisten Berge, der letztere die

höchsten Punkte und mächtigsten Felsmassen zusammensetzt. Der Basalt

ist meistens dicht, oft auch blasig und mandelsteinartig und zuweilen

in ein thoniges Gestein oder sogenannte Wakke übergehend; häufig

trifft man ihn schön säulenförmig an, mit Olivin eingesprengt, oder

porphyrartig durch eingewachsene Krystalle von Augit, Hornblende oder

Glimmer. Auch der Klingstein hat mancherlei Abänderungen. Ausser diesen

beiden eigentlichen vulkanischen Trappfelsarten erscheint auch Porphyr

in einigen Gegenden und etwas seltener eine Art Grünstein, welche mit

dem Basalt sehr nahe verwandt ist. Die Felsarten des Urgebirges kommen

nur in einigen Gegenden in den tieferen Theilen zum Vorscheine, so im

Bielathale bei Bilin und im Elbthale bei Tschernosek der Gneis.

=Das Elbgebirge=, auch wohl Sandsteingebirge an der Elbe, das

böhmisch-sächsische Sandsteingebirge, und wegen seiner eigenthümlichen

schroffen Formen und romantischen Thäler, die böhmisch-sächsische

Schweiz genannt, erstreckt sich von den oben angegebenen Grenzen

des Mittelgebirges, nämlich dem Eulauer Thale, dem Losdorfer- und

Olischbache, dann dem Gebirge zwischen Kamnitz und Kreibitz, bis zum

nördlichen Granitgebirge jenseits des Körnschtbaches, und über die

Grenze Böhmens nach Sachsen; es wird von dem Elbthale durchschnitten

und in zwei Theile getheilt. Der Theil an der linken Seite der Elbe

wird fast bloss, soweit das Gebirge Böhmen angehört, vom hohen

=Schneeberge= und dessen Vorbergen gebildet und erhebt sich an

demselben zu seiner grössten Höhe, von welcher es sich nach dem Rücken

des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswalde nur wenig, nach seiner

nördlichen Verflachung sanft abdacht, gegen das Eulauer Thal und das

Elbthal aber sehr steil abstürzt. Viel niedriger gestaltet sich der

Theil desselben an der rechten Seite der Elbe, und bildet ein aus dem

Elbthale sich gleichfalls mit grosser Steilheit bis zu einer Höhe von

ungefähr 379 m erhebendes Plateau, welches sich nach Osten und Süden

sanft gegen das sich aus demselben erhebende Mittelgebirge verflacht,

eine wellenförmige Oberfläche mit einzelnen grössern Erhöhungen

zeigt, und sich an der nördlichen Landesgrenze, am Winterberge und

den Thorwänden, abermals plötzlich gleich einem Walle erhebt. Die

Thäler, welche dieses Plateau durchschneiden und an den Abhängen

des Schneeberges tiefe Einrisse bilden, haben einen eigenthümlichen

Charakter; die Gehänge derselben sind steile, oft senkrecht

aufsteigende zerrissene Felsenwände, welche sich zuweilen gleichsam

in mehreren Stockwerken über einander erheben und deren einzelne, oft

von der Hauptmasse losgerissene, sowohl senk- als wagrecht zerklüftete

Pfeiler sich zu grotesken, oft abenteuerlichen Gebirgsformen gestalten,

von welchen der böhmische Theil dieses Gebirges ebenso reich, als der

deshalb von Lustreisenden so häufig besuchte sächsische Theil desselben

ist.

Die herrschende Felsart dieses Gebirges ist der Quadersandstein, eine

der jüngsten aus der Reihe der sekundären Flötzformationen. Derselbe

zeigt sich bei seinem Beginn am Erzgebirge sichtbar auf dem Gneis

desselben, sowie an seiner Begrenzung am nördlichen Granitgebirge

auf diese Felsart aufgelagert, und Granit zeigt sich auch unter

dem Quadersandsteine an einer merkwürdigen Stelle im Elbthale; an

einer andern kommt auch Thonschiefer als untere Felsart vor. Von den

Felsarten des angrenzenden vulkanischen Trappgebirges findet sich im

Bezirke des Sandsteingebirges ein majestätischer einzelner Basaltberg,

=der Rosenberg=, welcher sich über das Plateau dieses Gebirges am

rechten Elbufer 299 m und überhaupt bis zu 588 m Meereshöhe erhebt.

Flüsse.

Die bedeutendsten Flüsse unseres Reisegebietes sind die =Elbe=, die

=Eger= und die =Biela=.

Wir betrachten die Elbe von Raudnitz an; hier schlägt sie die nördliche

Richtung ein und bewegt sich grösstentheils im flachen Lande und an dem

sanften, hügeligen Gehänge, welches den unteren Fuss des Mittelgebirges

an der linken Seite bildet; von Krzemusch bis Lobositz läuft sie wieder

westwärts, wendet sich aber bei letzterem Orte wieder plötzlich nach

Norden und tritt hier in eine Gebirgsspalte ein. In diesem engen, zu

beiden Seiten von den Felsmassen des Mittelgebirges eingeschlossenen

Thale, welches sich bei Libochowan auf eine kurze Strecke kesselförmig

erweitert, fliesst der Strom, mit einigen Krümmungen in nördlicher

Richtung bis Aussig, wendet sich daselbst nordöstlich und nimmt bei

Kleinpriesen allmählig wieder die nördliche Richtung an, welche er bis

zu seinem Austritte aus unserem Vaterlande beibehält. Das Stromthal

geht auf dieser ganzen Strecke fortwährend zwischen Gebirgen, welche

von Rongstock bis Tichlowitz an, besonders an der rechten Seite, etwas

zurücktreten und so bis Tetschen dasselbe etwas erweitern; unterhalb

dieser Stadt tritt der Strom in das Gebiet des »Elbsandsteingebirges«

ein; das Thal wird sehr enge, die Abhänge steil, zum Theil aus

senkrechten hochaufgethürmten Felsmassen und Wänden bestehend. Die Elbe

verlässt Böhmen mit ihrem linken Ufer ¼ Stunde oberhalb Herrnskretschen

und mit ihrem rechten Ufer ¼ Stunde unterhalb dieses Ortes. Das

Gefälle des Stromes durch diesen Gebirgsweg beträgt von Leitmeritz bis

Herrnskretschen (8⅜ Meilen oder 6·376 Myriameter) 28 m.

In diesem Hauptstrome Böhmens sammeln sich bei weitem die meisten

Gewässer des Landes, und so gehören auch die unseres Reisegebietes

nahezu alle zu dessen Flussgebiete und fliessen grösstentheils

innerhalb desselben in diesen Strom. Der wichtigste darunter ist die

=Eger=, welche auf dem Fichtelgebirge in Baiern und zwar am nördlichen

Abhange des Schneeberges 701 m über der Meeresfläche entspringt. Den

Namen Eger erhält sie erst bei Weissenstadt in Baiern; sie tritt bei

dem baierischen Grenzorte Somerau an die Landesgrenze, durchschneidet

das Egerland in östlicher Richtung in vielen Krümmungen, tritt aus

dem Gebirge östlich von der Stadt Eger in die Thalfläche, verlässt

diese bei Königsberg und durchschneidet den Gebirgskamm, welcher das

Egerland im Osten begrenzt, in einem engen Thale und tritt bei Kloben

in die weite Thalfläche zwischen dem Erzgebirge und Tepler Gebirge,

hält sich jedoch mit ihrem Laufe mehr am Fusse des letzteren, welchen

sie von Altsattel in einem engen felsigen Thale durchschneidet.

Unterhalb Karlsbad verlässt sie die Thalfläche gänzlich und setzt

ihren Weg in nordöstlicher Richtung zwischen dem Tepler Gebirge und

dem Erzgebirge fort. Im weiteren Lauf bei Wartha wird das Rinnsal

fast zur Schlucht eingeengt und verbleibt so bis Klösterle, wo sich

das Thal erweitert. Auf dieser ganzen Strecke sind die Gehänge des

Flussthals grösstentheils felsig und oft fallen die Felsmassen bis in

das Flussbett steil ab. Unterhalb Kaaden tritt sie in das Flachland;

die Gehänge des Flussthales werden allmählig niedriger und sanfter

und das Thal wird weiter und verliert sich unterhalb Saaz ganz in

die Ebene. Die Eger verfolgt nun ihren Weg in östlicher Richtung in

kleinen Krümmungen und tritt in ein nicht sehr tiefes, in den Fuss

des Mittelgebirges eingeschnittenes Thal und kommt aus demselben

bei =Hostenitz= in die Ebene, um sich nach kurzem, nunmehr nördlich

gerichtetem Laufe unterhalb Theresienstadt, gegenüber von Leitmeritz,

mit der Elbe zu vereinigen.

Die Eger ist sehr zu Ueberschwemmungen geneigt und überführt dabei oft

die Niederungen ihres Ufers mit Schutt und Gerölle.

In die Eger ergiessen sich an der linken Seite: der =Liebensteiner=

Bach bei Fischern; der =Schladabach= bei Tirschnitz; der =Fleissenbach=

mit dem =Sirmitzbach= bei Nebanitz; der =Leibitschbach= bei Leibitsch;

die =Zwodau= bei Falkenau; sie entspringt in Sachsen, betritt

unterhalb Klingenthal unseren heimatlichen Boden, verstärkt sich

links in Graslitz durch den =Schwaderbach=, bei Weitzengrün durch den

=Rothaubach= und fliesst bei Falkenau in die Eger; der =Chodaubach=

bei Maierhöfen; der =Rohlaubach= bei Fischern; der =Tippelsgrüner

Bach= bei Dalwitz; die =Wistritz=, verstärkt durch die =Weseritz=,

bei Wistritz, unterhalb Schlackenwerth; die reissenden Gewässer: der

=Holzbach= unterhalb Damitz; der =Mühlbach= bei Austein; der =breite

Bach= bei Klösterle, welche in engen tiefen Thälern am Gehänge des

Gebirges herabfliessen; der =Wernersdorfer Bach=, an der Reischhöhe

entspringend, erreicht in Oberwernersdorf die Reischhöhe, fliesst

durch Nickelsdorf und dann in die Eger; der =Brandbach= bei Kaaden;

der Saubach, anfangs Höllenbach genannt, entspringt aus kleinen

Gewässern bei Wisset und Krima, erreicht die Ebene bei Hagensdorf, in

welcher er durch Deutsch-Kralupp, Priesen, Horatitz und Schisselitz

und dann unterhalb Saaz in die Eger fliesst; der =Assig-= oder =Sau-=,

auch =Komotauer Bach=, entsteht aus dem Assigbach und dem Komotauer

Flössgraben westlich von Sebastiansberg unweit der Landesgrenze und

nimmt den =Rothenhauser Flössbach= auf. Nach Vereinigung dieser Bäche

in der Grundmühle bei Dörnthal fliesst dieser schon ansehnliche Bach

durch den romantischen, ungemein anmuthigen Komotauer Grund nach

Oberdorf herab, dann durch die Stadt Komotau, wo er in's flache Land

eintritt, hier seinen Weg in einem seichten Thale in ostsüdlicher

Richtung durch eine Menge Ortschaften nimmt und unterhalb Postelberg in

die Eger fällt. Sein reissendes Gewässer führt eine Menge Rollsteine

vom Gebirge in das Flachland herab, welche sich bis in die Gegend

zwischen Komotau und Eidlitz verbreiten. Hervorragende und die

Aufmerksamkeit der Touristen besonders erweckende Zuflüsse am rechten

Ufer der Eger sind:

=Die Wondreb=, deren Quelle zahlreiche Riesel an dem südlichen Abhange

des Dillenberges bilden, und welche sich bei Mähring in Baiern zu

einem kleinen Bache vereinigen. Dieser umfliesst in einem weiten Bogen

die südwestlichen Ausläufer des Dillenberges und verstärkt sich durch

die davon abfliessenden Gewässer, sowie durch einige Zuflüsse aus den

Ausläufern des Fichtelgebirges, tritt unterhalb Waldsassen in Böhmen

ein, wo ihm an seiner linken Seite der die Landesgrenze bezeichnende

=Hundsbach= zufliesst.

Der bedeutendste Zufluss links ist die =Tepel=, am Podhornberge

entspringend; sie wendet sich von der Stadt Tepel nördlich und verfolgt

diese Richtung in einem allmählig tiefer und enger werdenden Thale

bis zu ihrem Ausflusse in Karlsbad. Erwähnenswerth sind auch: der

=Flutbach=, von seinem Ursprunge bei Sangerberg der =Flössgraben=

genannt, nimmt in Schlaggenwald den =Röthlinger Bach= auf und fliesst

durch das felsige Zechthal nach Elbogen; der =Lobsbach= entspringt

nördlich von Sangerberg und mündet bei Falkenau in die Eger; der

=Aubach= bei Libotschan; der =Goldbach=, in seinem weiteren Verlaufe

auch =Flöhauerbach=, bei Tyrnowan.

=Die Biela= entspringt auf dem Rücken des Erzgebirges in der Waldgegend

östlich von Neuhaus. Der kleine Bach verstärkt sich noch auf dem

Gebirge durch mehrere Bächlein und nimmt auf seinem Wege in einer

Schlucht an dem Gebirgsgehänge herab den Uris'ner, Göttersdorfer,

Rodenauer, Quinauer Bach und am Fusse des Gebirges den von Platten

herabkommenden Pirkner Bach auf, tritt westlich von Görkau in die

Ebene, durchfliesst diese Stadt und läuft dann in der Niederung in

östlicher Richtung gegen Neundorf, wendet sich hier nordöstlich gegen

Seestadtl, durchfliesst die ganze ebene Fläche in dieser Richtung bis

zum Einflusse des Grundbaches, nimmt dann die südöstliche Richtung

dieses Baches an und fliesst bei Tschausch und Brüx vorüber, tritt

hier in das Mittelgebirge ein, durchfliesst dasselbe in nordöstlicher

Richtung und fällt bei Aussig in die Elbe.

Am linken Ufer nimmt die Elbe noch den =Eulauer Bach= auf. Derselbe

sammelt sich aus kleinen Gewässern, welche an den Gehängen des

Schneeberges und im Mittelgebirge entspringen, und scheidet diese

beiden Gebirge von einander.

Von den Gewässern, welche, zum Flussgebiete der Elbe gehörend, erst im

Auslande sich mit ihr vereinigen, sind nur wenige, welche in der Folge

zu bedeutenden Bächen und kleinen Flüssen anwachsen; die meisten sind

bloss unbedeutende Gebirgsbäche, welche nach kurzem Laufe dem Strome

zueilen. Unter den ersten sind zu merken: die =Mulde=, welche ihre

Quelle bei Graupen hat und sich als östliche oder freiberger Mulde mit

der westlichen oder zwickauer bei Kolditz in Sachsen vereinigt; die

=Weisseritz= und die =Müglitz=.

Erwähnenswerth sind auf der Nordabdachung noch folgende Gewässer: =Der

Schweinitzbach=, fliesst zwischen Böhmisch- und Deutsch-Einsiedel,

zwischen Gebirgs- und Deutsch-Neudorf, wendet sich hier nordwestlich

bei Katharinaberg vorüber nach Brandau zu. Bei Grünthal vereinigt er

sich mit dem =Natschungbach=; dieser entspringt südwestlich von dem

Dorfe Natschung, bildet von da bis Grünthal die Landesgrenze, nimmt den

Kallich-Töltsch-Brandauer-Bach auf und bildet mit der Schweinitz die

=Flöhe=.

Der =Schwarzwasser-Bach= entspringt an der Ostseite des Hassberges,

fliesst in nord-nordöstlicher Richtung längs der Landesgrenze

durch Ulmbach, Reizenhain, Kühnheyde (Kienhaide) nach Sachsen. Der

=Pressnitz-Bach= hat seine Quelle an der Nordseite der Reischhöhe,

fliesst durch Reischdorf, Pressnitz und Christofhammer und bezeichnet

auf einer kurzen Strecke die Grenze. Bei Pressnitz verstärkt sich das

Wasser mit dem Dörnsdorfer Bache.

Der =Schwarz-= oder =Pleil-Wasserbach= entspringt unweit des Keilberges

in der Gemeinde Stolzenhan, erreicht im Südwesten die Gemeinde

Schmiedeberg, durchfliesst die Schmiedeberger Thalmulde von Südwest

nach Nordost, tritt dann unter dem Namen Pleilwasserbach in die

Gemeinde Pleil und dann nach Sachsen über.

Der =Gränzbach=, an der Nordseite des Keilberges entspringend und mit

seinem Laufe bei Wiesenthal und Weipert auf einer Strecke von mehr

als zwei Meilen die Landesgrenze bezeichnend, fliesst unter dem Namen

=Pöhlbach= gegen Wolkenstein in die Zschoppau; das =Schwarz-Wasser=

entspringt am Fichtelberge, fliesst bei Försterhäuser und Seifen vorbei

und vereinigt sich bei Johann-Georgenstadt mit einem von Platten

kommenden Bache und ergiesst sich, ein herrliches Thal bildend, in die

Zwickauer Mulde. In Böhmen entspringt noch die =weisse Elster=, welche

in nördlicher Richtung das Land verlässt und erst im Nachbarlande an

Bedeutung gewinnt.

_Klima._ Das Klima ist feucht, regenreich, mässig kühl und

gleichmässig. Die Niederschläge und Luftfeuchtigkeit unterliegen

grösseren Schwankungen als im Böhmerwalde, weil die Massenerhebung der

Berge nicht bedeutend genug ist, um ein ganz selbstständiges, von den

wechselnden Einflüssen der baierischen Hochebene im Südwesten und des

norddeutschen Tieflandes unabhängiges Klima zu erzeugen. Der Winter ist

sehr lang, sieben bis acht Monate in den oberen Höhen dauernd. Die vier

bis fünf Sommermonate tragen ganz das Gepräge des Frühlings. Die Luft

ist -- wenige, besonders schwüle Tage im Juli und August ausgenommen

-- selbst während der Mittagsstunden und bei sonst schönem Wetter

angenehm kühl. Von allen Seiten strömt uns der Wohlgeruch von duftenden

Kräutern und von den harztriefenden Fichten und Tannen entgegen,

welche die reine Gebirgsluft so stark würzen, dass wir tiefathmend die

Lungen wie durstige Trinker anfüllen, von der Natur getrieben, die uns

anreizt, hier unser Blut zu erfrischen. Der Boden ist theils wegen

der Grundfeuchtigkeit vom Winter her, theils wegen seiner schwammigen

Beschaffenheit, mittelst welcher er die Feuchtigkeit der Atmosphäre

so leicht an sich saugt, vielfach nass und sumpfig. Die Bergbäche

sind daher reich und schwellend; dazu der bunte Schmelz der blühenden

Pflanzen, die in verschiedener Aufeinanderfolge hervorbrechen und

wieder verschwinden, und die ausserordentlich üppige Vegetation an den

Abhängen der Berge und in den Thälern: das alles begünstigt die Idee

eines im Vergleich mit dem Unterlande viel längeren und wonnereicheren

Frühlings. Während im Monate August im Innern unseres Heimatslandes

alles grösstentheils vergilbt ist, steht im Erzgebirge alles noch in

der schönsten und üppigsten Fülle.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 2 / 27 段