Anmerkung 12 zu Seite 355:
Daß Alexander die _Hyparchen des baktrischen Landes_ zu einem Syllogos
beruft, gibt einen Einblick in die persischen Verfassungsverhältnisse. Die
Erklärung des Wortes +syllogos+ gibt Xenophon (#Oec.# IV, 6 und #Cyr.# VI,
2, 11); es ist die jährliche Musterung der +misthophorôn kai tôn allôn hois
hôplisthai prostetaktai+ mit Ausschluß der Besatzungen in den Akropolen.
Der +syllogos+ für Kleinasien war bei Kastelos (#Xen. An.# I, 1, 2), und
Bessos wird demnächst nach Ekbatana geführt +hôs ekei en tô Mêdôn te kai
Persôn syllogô apothanoumenos+ #Arr.# IV, 7, 3, Ekbatana (Ha-gma-tâna) ist
nach Spiegel (Die Keilinschriften, S. 195 u. 221) wörtlich
Zusammen-kunfts-ort. Ein solcher Syllogos war es, in dem die Perser vor der
Schlacht am Granikos berieten (#Arr.# I, 12, 10). Bemerkenswert ist, daß
Dareios I. in der Inschrift von Behistan II, 13 angibt, er habe Fravartes
den Meder, der sich in Medien empört, in der Gegend von Ragâ besiegt:
»Fravartes wurde ergriffen und zu mir geführt, ich schnitt ihm Nase, Ohren
und Zunge ab, ich führte sein .... an meinem Hof (wörtlich Pforte oder Tür)
wurde er gefesselt gehalten, alles Volk sah ihn, dann ließ ich ihn in
Hangmatana kreuzigen.« Ein anderer Empörer in Persien (III, 5) wird mit
seinen Anhängern in einer Stadt Persiens gekreuzigt; einen dritten aus der
Landschaft Açagarta (Sagartien, II, 14) besiegt der gegen ihn Gesandte:
»und führte ihn her zu mir, drauf schnitt ich ihm die Nase und die Ohren ab
und führte sein ... an meinem Hof wurde er gefesselt gehalten, alle Leute
sahen ihn, dann kreuzigte ich ihn in Abira.« In Arbela ist also wohl der
+syllogos+ für Sagartien oder vielleicht ganz Assyrien. -- Was sich Arrian
unter dem Wort Hyparch denkt, das er in diesen baktrischen Vorgängen
mehrfach braucht, ergibt sich aus IV, 21, 1, wo Chorienes der Herr einer
Felsenburg genannt wird +kai alloi tôn hyparchôn ouk oligoi+ und IV, 21, 9,
wo Alexander dem Chorienes seine Burg zurückgibt +kai hyparchos einai
hosônper kai proteros+.
Anmerkung 13 zu Seite 397:
Die _Stärke des Heeres_ beim Beginn der Fahrt den Indus hinab gibt Arrian
(#Ind.# 19) an. -- Arrian nennt Reiter aus Arachosien und den Paropamisaden
(V, 12, 7), baktrische, sogdianische, skythische Reiter, Daer als
Bogenschützen zu Pferd. Im indischen Feldzuge kommen folgende Taxeis mit
Namen vor: einmal die alten, Koinos (IV, 25, 6), Polysperchon (IV, 25, 6),
Meleagros (IV, 22, 7); die des Krateros wird zuletzt in der letzten
baktrischen Expedition (IV, 22, 1) genannt und ist entweder in Baktrien
geblieben oder infolge einer höheren Stellung, die Krateros erhielt, an
einen anderen Strategen gegeben; sodann die schon im baktrischen Feldzuge
genannten: Philotas (IV, 24, 1), Alketas (IV, 22, 7), Attalos (IV, 24, 1),
Gorgias (IV, 22, 7), Kleitos (IV, 22, 7 wohl der weiße Kleitos), Balakros
(IV, 24, 10); endlich noch Philippos (IV, 24, 10), Peithon (IV, 6, 1),
Antigenes (V, 16, 3; VI, 17, 3). Da Antigenes in der Diadochenzeit
wiederholt als Führer der Hypaspisten genannt wird, so ergibt sich aus V,
16, 3: +tôn pezôn tên phalanga Seleukô kai Antigenei kai Taurôni+, daß die
Taxis des Antigenes nicht schweres Fußvolk, keine sogenannte Phalanx war.
Philippos, des Machatas Sohn, ist bereits vor der Schlacht am Hydaspes zum
Satrapen in Indien bestellt, und wenn derselbe Philippos der Strateg jener
Taxis war, so hat sie dann wohl einen anderen Strategen erhalten;
vielleicht Peithon des Krateuas Sohn (VI, 6, 1: +tôn pezetairôn poloumenôn
tên Peithônos taxin+). -- Die Formation der makedonischen Ritterschaften
der Hetären hat sich seit 330 mehr und mehr erweitert; nach Arrian (VI, 22,
7) zählt das Heer außer dem Agema der Ritterschaft acht Hipparchien, von
deren Führern fünf gelegentlich genannt werden: Hephaistion, Perdikkas,
Demetrios (V, 12, 2), Kleitos (VI, 6, 4), Krateros (V, 11, 3). Das Agema
führt Koinos (V, 16, 3). Die Stärke dieser Hyparchien läßt sich aus der
Schlacht am Hydaspes so weit bestimmen, daß deren vier mit den sogdischen,
baktrischen, skythischen Reitern und den 1000 dahischen Bogenschützen zu
Pferd (#Arr.# V, 16, 4) 5000 waren (V, 14, 1). Wenn in dieser Schlacht von
den Hetären 20, von den Barbaren 200 gefallen sind (#Arr.# V, 18, 4), so
gibt das natürlich kein Maß für die Stärke des einen und anderen Korps.
Anmerkung 14 zu Seite 400:
Der Feldzug Alexanders in dem _Gebirgslande auf der linken Seite des
Kabulflusses_ ist bei der unzulänglichen Kunde von diesen Gebieten noch
nicht hinlänglich aufzuklären, namentlich hat man für die Ansetzung der im
Lauf desselben erwähnten Städte und Festen keinerlei Anhalt. Nur eine
Stelle ist durch General Cunningham mit Sicherheit festgestellt, die der
Feste Aornos, der Tafelberg von Rani-gat, und nach der Schilderung, die Dr.
Bellew von den Trümmern auf diesem »Königstein« gibt, darf man in ihnen
wohl einen Neubau hellenistischer Architektur erkennen. -- Es wird nicht
überliefert, liegt aber wohl in der Natur der Sache, daß das Vorgehen
Alexanders in zwei Kolonnen im Norden und Süden des Kophen den im Text
angedeuteten Zweck hatte. Die Kurumpässe im Süden des Sefid-Kuh ließ der
König unberücksichtigt, da sie seine Bewegung exzentrisch gemacht haben
würden. Anders motiviert Strabo (XV, S. 697) Alexanders Operationen: »Er
hatte in Erfahrung gebracht, daß die Gegenden im Norden und in den Bergen
fruchtbar und wohl bevölkert seien, die südlichen dagegen ganz wasserlos
oder, wo Ströme flössen, von glühender Hitze und mehr für Tiere als für
Menschen passend; deshalb und weil er die Flüsse, ihren Quellen näher,
leichter passieren zu können meinte, ging er die nördlichsten Wege.«
Anmerkung 15 zu Seite 438:
Dieser _Sopeithes_, Fürst im Lande der Kathaier, wird in dem Açvapati König
der Kekaya wieder erkannt, der schon im #Çatap. Br.#, dann auch im
#Ramâyana# vorkommt, nicht ohne Erwähnung seiner vortrefflichen Hunde, der
Tigerhunde bei #Diod.# XVII, 92, der #nobiles ad venandum canes#, wie sie
#Curt.# IX, 1, 24 eingehend beschreibt. Jetzt ist von diesem Fürsten eine
Silberdrachme bekannt, die auf der Vorderseite den behelmten Kopf des
Königs Seleukos I. hat, auf der Rückseite einen Hahn, daneben einen
Hermesstab und die Beischrift +SÔPHYTOU+ (S. v. Sallet, Die Nachfolger
Alexanders in Baktrien und Indien, S. 87).