Zum vierten Buch

Anmerkung 16 zu Seite 495:

Die _Chronologie der Fahrt Nearchs_ ist dadurch unsicher, daß bei Arrian

(#Ind.# 21) ein falscher Archont genannt und zugleich neben dem attischen

Monatstage (20. Boedromion) nicht das entsprechende makedonische Datum,

sondern nur das Jahr (11. Jahr Alexanders) angegeben ist. Aber die Angabe,

daß Nearch am 20. Boedromion vom Indus abgefahren ist, gewährt ein relativ

sicheres Datum; es ist, wenn man Idelers Berechnung des metonischen Zyklus

für die Ansetzung der entsprechenden julianischen Daten in konventioneller

Weise gelten läßt, der 21. September; die Fahrt vom Indus bis Harmozia ist

ziemlich überzeugend auf 80 Tage berechnet worden und danach die Daten S.

495 angesetzt.

Anmerkung 17 zu Seite 515:

In der neuen _Organisation der Ritterschaft der Hetairen_ fällt die Angabe,

daß eine fünfte Hipparchie gebildet worden sei, da es während des indischen

Feldzugs, wie aus Arrian (IV, 22, 7; 23, 1; 24, 1) geschlossen werden darf,

deren, das Agema ungerechnet, acht gab. Ob der Zug durch die Wüste so große

Verluste gebracht hatte, daß die Reste der Hetairen zu vier schwachen

Hipparchien zusammengezogen waren, muß dahingestellt bleiben. Jedenfalls

war der Zweck der neuen Formation zugleich, wie Arrian (VII, 29, 4) angibt,

die alten persischen +homotimoi+ in das Korps der Hetären einzureihen, wie

nicht minder die +mêlophoroi+ in die Taxeis. Anderer Art sind die 30 000

Perser (wohl überhaupt Asiaten), die nach makedonischer Art bewaffnet und

eingeübt von den Satrapen nach Babylon geführt wurden, und die Arrian

»Epigonen« nennt. Diese sind es, die Alexander auf Anlaß der Meuterei in

Opis in makedonischer Weise als Hetären, Hypaspisten, Pezetären usw.

formiert und an die Stelle der Makedonen treten läßt (#Arr.# VII, 11, 1).

Anmerkung 18 zu Seite 531:

Über die Wirkungen des Dekrets, das den _Verbannten die Rückkehr_ in ihre

Heimat gestattete, geben die Inschriften mehrerer Städte Andeutungen. Zwei

derselben sind Hellen. II{2}, 2, S. 361, 363 wiederabgedruckt worden. Von

besonderem Interesse ist die von Conze in Mytilene gefundene und in seiner

Reise nach Lesbos Taf. VIII, 2 mitgeteilte, die sich nach Blaß im Hermes

XIII, S. 384 als zu #C. I. Gr.# II, 2166 gehörig erweist und dieselbe

ergänzt. Der in den samischen Inschriften erwähnte _Gorgos_ von Jasos, der

sich, wie sie bezeugen, insbesondere bei Alexander darum bemüht hatte, daß

die seit dreißig und mehr Jahren von attischen Kleruchen besetzte Insel den

vertriebenen Samiern zurückgegeben werde, ist der Waffenmeister und

Metalleut Alexanders, von dem Strabo eine Schrift über die Salz- und

Bergwerke im Lande des Fürsten Sopeithes kannte. Es mag gestattet sein,

hier die Berichtigung eines Irrtums hinzuzufügen, der in der Korrektur der

letzten Ausgabe übersehen worden ist; Samos gehörte nicht, wie es S. 23

heißt, zum zweiten attischen Seebund in der Zeit, da die Athener die Samier

austrieben und die Insel an attische Kleruchen verteilten.

Anmerkung 19 zu Seite 566:

Mag die _Gesandtschaft der Römer an Alexander_ in den späteren

Alexandergeschichten des Aristos und Asklepiades (#Arr.# VII, 15, 5)

ausgeschmückt worden sein, daß Kleitarchos (Fragm. 23) nach dem Zeugnis des

Plinius (#H. N.# III § 57) sie erwähnt hat, ist für diesen Fall ein

ziemlich glaubwürdiges Zeugnis; denn Kleitarch schrieb zu einer Zeit, wo

der Name der Römer noch nicht eben Großes bedeutete. Aristoteles nennt --

abgesehen von einer kurzen Notiz über Sommerpflanzen (#de plant. 1. 7, p.

821b#) Rom nur in einem Fragment bei #Plut. Cam.# 22, und Plutarch

berichtigt ihn: +Aristotelês de to men halônai tên polin hypo Keltôn

akribôs dêlos estin akêkoôs, ton de sôsanta Leukion einai phêsin -- ên de

Markos, ou Leukios, ho Kamillos+ was verständigerweise nichts anderes

heißen kann, als daß Aristoteles dem Retter Roms einen falschen Vornamen

gegeben habe. Plinius (#H. N.# III, § 57) sagt: #Theophratus -- primus

externorum aliqua de Romanis diligentius scripsit, nam Theopompus, ante

quem nemo mentionem habuit, urbem dumtaxat a Gallis captam dicit,

Clitarchus ab eo proximus legationem tantum ad Alexandrum missam#; von dem

angeblichen Brande Roms wissen diese ältesten Zeugen nichts. Wenn #Liv.#

IX, 18 sagt: #Alexandrum ne fama quidem illis notum fuisse arbitror#, so

beweist das ebensowenig wie das Schweigen der römischen Annalisten über

eine solche Sendung (+oute tis Rhômaiôn hyper tês presbeias tautês mnêmên

epouêsato tina+, #Arr.# VII, 15, 6). Wenigstens das #interdictum mari

Antiati populo est# in den Friedensbedingungen von 338 v. Chr. #Liv.# VIII,

14 (wesentlich abweichend von den Bedingungen desselben Friedens, die

#Liv.# VIII, 11 zu lesen sind) beweist wohl nicht, daß der Name

antiatischer Piraten fortan von den Meeren verschwunden ist. Denn Livius'

Ausdruck: #Antium nova colonia missa ... navis inde longae abactae,

interdictum mari Antiati populo est et civitas data#, bietet, wie von

Zöller und anderen nachgewiesen, Konfusion in Menge: wenn sich zwanzig

Jahre später die Antiaten in Rom beschwerten, daß sie #sine legibus# und

#sine magistratibus# seien (#Liv.# IX, 20), so zeigt das deutlich, daß

nicht den Antiaten insgemein die #civitas#, noch das Recht, sich als

Kolonisten einzuschreiben, gegeben ist, daß vielmehr zwischen der dahin

deduzierten römischen Kolonie und dem #populus# weder ein gemeinsames

Recht, noch eine gemeinsame Behörde bestand.

Anmerkung 20 zu Seite 574:

Mit guten Gründen ist neuerer Zeit wahrscheinlich gemacht worden, daß

Diodors _Schilderung von Babylon_ (II, 7 ff.) aus Kleitarchos stammt. Daß

die Stadt mit ihren Bauwerken, daß das Kanalsystem und die Wasserbauten am

Euphrat bis Sippara und weiter hinauf, zu Alexanders Zeit im wesentlichen

noch erhalten waren, wird man kaum bezweifeln dürfen. Seit Nebukadnezar

hatte man die vier großen Kanäle, die zwischen Sippara und Babylon zum

Tigris hinüber führen, das große Bassin bei Sippara auf dem linken Ufer des

Euphrat zur Regulierung der Überschwemmungen des Stromes, die beiden großen

Kanäle auf der rechten Seite des Euphrat, den Naarsanes, der oberhalb, den

Pallakopas, der 800 Stadien unterhalb Babylon abgeleitet war. Daß Penteren

und Tetreren von Thapsakos herab auf dem Euphrat nach Babylon geführt

werden konnten, sowie die Fahrt des Nearchos mit der Flotte den Euphrat

aufwärts bis Babylon und die Fahrt von Trieren aus dem Euphrat (auf dem

Königskanal) nach dem Tigris zeigt, daß das große Kanalisationssystem, auf

dem der Handel, die Fruchtbarkeit, zum großen Teil die Bewohnbarkeit des

babylonischen Landes beruhte, noch keineswegs verkommen war. In diesem

Zusammenhang gewinnen die Anlagen, die Alexander hinzufügte, ihre

Bedeutung. Er befahl die Aushebung eines zweiten großen Bassins in der Nähe

von Babylon mit Schiffshäusern für tausend große Schiffe (#Arr.# VII, 19,

4); er veranlaßte die Umlegung der Stelle, wo der Pallakopas aus dem Strom

abgeleitet war, denn die bisherige Stelle, wo die Ufer niedrig und sumpfig

waren, gewährte nicht hinlängliche Schließung und setzte bei hohem Wasser

das niedrige Land dahinter weiten Überflutungen aus; Alexander fand eine

Meile weiter auf der rechten Seite des Stromes eine Stelle, die geeignet

war +hypo sterrhotêtos tês gês+ das Wasser sicher zu hemmen. Solches Ufer

»hoch und lehmig« sah Petermann aus seiner Fahrt von Babylon nach

Suq-esch-Schiuch bei Samwat, einer Stelle, die auch sonst bemerkenswert

genug ist und die Anlage einer Alexandreia, wie sie der König dort gründete

(VII, 21, 7), wohl rechtfertigt.

Anmerkung 21 zu Seite 582:

Der _Todestag Alexanders_ ist nach der völlig zuverlässigen Angabe der

Ephemeriden der 28., nach Aristobulos der 30. Daisios. Welcher julianische

Tag des Jahres 323 diesem Datum entspricht, ist nicht mit Sicherheit

festzustellen. Wenn Justin (XII, 16, 1) sagt: #decessit Alexander mense

Junio annos tres et XXX natus#, so ist diese für uns älteste Reduktion

derart, daß sie nach den sonstigen Kombinationen, die Alex. II. 2, S. 343

dargelegt sind, wohl richtig sein kann; wenigstens hat Jeep so den Text

gegeben; hat wirklich, wie neuerdings versichert worden, die

handschriftliche Überlieferung #mense uno#, so ist schwer zu sagen, was das

heißen könnte.

Geschichte Alexanders des Grossen · 第 38 / 50 题