Ich begreiffe das in der That viel besser, antwortete /Biribinker/,

als wie ich hinein kommen werde; denn das sag ich ihnen, ich spüre

eine unwiderstehliche Begierde in mir, in diesen Pallast hinein zu

gehen, und wenn es mir auch das Leben kosten sollte, so kan ich -- So

viel soll es sie nicht kosten, fiel ihm der Kürbis in die Rede. Wenn

sie sich gefallen lassen wollen, zu thun was ich ihnen sage, so wird

ihnen der Pallast sichtbar werden, und sie werden eben so sicher hinein

gehen können, als ob es eine Strohhütte wäre. Sie brauchen nur ein ganz

leichtes Mittel dazu, und das ihnen nicht mehr kosten wird als einen

einzigen kleinen Sprung -- Halten sie mich nicht lange mit Räthseln

auf, Herr Kürbis, sagte /Biribinker/; was ist zu thun? Es mag nun etwas

leichtes oder schweres seyn, so sehen sie mich bereit alles zu wagen,

um in ein Schloß zu kommen, das von lauter Glanz unsichtbar ist.

Ungefehr sechzig Schritte hinter jenen Granatbäumen, versetzte

der Kürbis, werden sie in einem kleinen Labyrinth von Jasmin und

Rosenhecken einen Brunnen finden, der sich von einem andern Brunnen

durch nichts unterscheidet, als daß er statt des Wassers mit Feuer

angefüllt ist. Gehen sie, Prinz, baden sie sich in diesem Brunnen, und

in einer Viertelstunde ungefehr kommen sie wieder, und sagen mir, wie

ihnen das Bad zugeschlagen hat.

Sonst nichts als das? sagte /Biribinker/, mit einer Mine, die mehr

verdrießlich als hönisch war; ich glaube, sie sind nicht klug, Herr

Kürbis -- ich soll mich in einem feurigen Brunnen baden, und hernach

wieder kommen, und ihnen sagen, wie mir das Bad bekommen hat? Hat

man auch jemals so was tolles gehört! -- Ereyfern sie sich nur nicht

so, versetzte der Kürbis, es steht ja bey ihnen, ob sie in den

unsichtbaren Pallast kommen wollen oder nicht, und wenn sie sich nicht

so entschlossen erklärt hätten, wie sie gethan haben, so wäre mirs in

der That nie eingefallen, ihnen einen solchen Antrag zu machen.

Kürbis, mein guter Freund, erwiederte /Biribinker/, ich merke, daß ihr

euch ein wenig lustig mit mir machen wollt, aber ich muß euch sagen,

daß ich jetzt nicht im Humor bin, Spaß zu verstehen. Ich verlange

nicht als eine abgeschiedene Seele in den Pallast zu kommen -- Das

sollen sie auch nicht, sagte der Kürbis! Das feurige Bad, das ich

ihnen vorschlage, ist nicht so gefährlich als sie sichs einbilden, und

/Padmanaba/ selbst bedient sich desselben alle drey Tage; sonst würde

er eben so wenig in einem Pallast von gediegenem Feuer wohnen können,

als sie. Denn ob er gleich, ausser dem grossen /Caramussal/, der auf

der Spitze des Berges Atlas wohnt, der gröste Zauberer in der ganzen

Welt ist, so ist er doch von eben so irrdischer Natur und Abkunft

als sie. Ja er würde, ohne den Gebrauch dieses Brunnens, der eines

der grösten Geheimnisse seiner Kunst ist, nicht einmal der kleinen

Glückseligkeit fähig seyn, die er jetzt bey der schönen Salamandrin,

die er in seinem Pallast eingeschlossen hält, genießt, oder doch zu

genießen glaubt; wenn anders der Gebrauch, den ein /Titon/ von seiner

/Aurora/ zu machen fähig ist, ein Genuß genennt zu werden verdient. Er

hat also eine schöne Salamandrin bey sich? fragte /Biribinker/. Warum

nicht, antwortete der Kürbis; meynen sie, daß man sich umsonst in den

Bauch eines Wallfisches verschließt?

Ist sie sehr schön, fuhr /Biribinker/ fort? -- Sie müssen wohl nie

keine Salamandrin gesehen haben, erwiederte der Kürbis, weil sie das

fragen können. Wissen sie denn nicht, daß die schönste Sterbliche gegen

die geringste von unsern Schönen nicht besser als wie ein Affenweibchen

aussehen würde? Es ist wahr, ich kenne eine /Ondine/, die vielleicht

der schönsten Salamandrin den Vorzug streitig machen könnte; allein es

ist unter allen Ondinen nur eine /Mirabella/ -- O! was das anbetrift,

unterbrach ihn /Biribinker/, wenn die Salamandrin des alten Padmanaba

nicht schöner als Mirabella ist, so hätten sie nicht nöthig gehabt die

sterblichen Schönen so weit unter sie herunter zu setzen. Ich gestehe,

daß sie reitzend ist, aber ich kenne ein gewisses Milchmädchen -- in

welches sie so verliebt sind, fiel ihm der Kürbis hönisch in die Rede,

daß sie der schönen Mirabella beym ersten Anblick schwuren, sie nie

gesehen zu haben. Die Würkung zeugt am besten von der Ursache, und wenn

man ihre Leidenschaft nach diesem Grundsatz beurtheilen wollte ----

O wahrhaftig! rief /Biribinker/ ungedultig, ich bin, glaube ich, nur

hieher gekommen, um einen Kürbis philosophiren zu hören. Sagen sie

mir lieber, wie ich in den unsichtbaren Pallast kommen kan, denn ich

sterbe vor Ungedult, wenn es nicht geschieht; ist denn kein anders

Mittel, als das verwünschte feurige Bad, worinn sie mich gerne zu einer

Carbonnade gemacht sehen möchten? Sie sind wunderlich, mit Erlaubniß,

antwortete der Kürbis; ich sagte ihnen ja schon, daß mir selbst alles

daran gelegen ist, daß sie in den unsichtbaren Pallast kommen, wo,

allen Umständen nach, eines der ausserordentlichsten Abentheuern auf

sie wartet. Meynen sie denn, daß ich für meinen Spaß ein Kürbis bin,

und daß ich mich nicht je bälder je lieber von diesem verfluchten

unbequemen Wanst befreyt sehen werde, der sich so übel für einen so

speculativen Geist schickt als ich bin? Ich sage ihnen noch einmal,

sie haben kein anders Mittel in den Pallast zu kommen, ohne von der

Glut desselben verzehrt zu werden, als das feurige Bad, welches ich

ihnen vorschlug. Ehe sie vor Ungedult sterben, wie sie sagen, könnten

sie es ja ein paar Minuten versuchen; kommen sie auch darinn um, wofür

ich ihnen doch gut stehe, so ist es nur eine Todesart für die andere,

und das kommt zuletzt auf Eines hinaus. Gut, sagte /Biribinker/, wir

wollen sehen was zu thun seyn wird! Vielleicht sollte ich nicht so viel

Zutrauen in sie setzen als ich thue; allein der Zug meines Schicksals

ist stärker als meine Vernunft; ich will gehen, und wenn sie binnen

einer Viertelstunde nichts von mir hören, so ergeben sie sich nur

gedultig darein, ein Kürbis zu bleiben, bis Padmanaba von sich selbst

entweder verliebt oder eyfersüchtig zu seyn aufhört.

Mit diesen Worten machte er dem Kürbis sein Compliment, und gieng dem

Labyrinth zu, wo der feurige Brunnen seyn sollte. Er fand ein grosses

rundes Becken, mit breiten Steinen von Diamant ausgemauert, und mit

einem Feuer angefüllt, welches, ohne von irgend einer sichtbaren

Materie genährt zu werden, in schlängelnden Blitzen empor loderte,

und unschädlich die dichten Büsche von Rosen leckte, die rings umher

über den Brunnen sich wölbten. Unzähliche Farben spielten mit der

anmuthigsten Abwechslung in diesen wundervollen Flammen, und statt des

Rauchs ergoß sich ein lauer unsichtbarer Dampf von den lieblichsten

Gerüchen umher. /Biribinker/ betrachtete dieses Wunder eine geraume

Zeit mit einer Unschlüßigkeit, die einem Feen-Helden wenig Ehre macht,

und er würde vielleicht noch immer am Rande des Brunnens stehen,

wenn ihn nicht, da er sichs am wenigsten versah, eine unsichtbare

Gewalt mitten in die Flammen geworfen hätte. Er erschrack so sehr,

daß er vor Angst nicht schreyen konnte; aber da er spürte, daß ihm

dieses Feuer kein Haar versengte, und an statt ihm nur den geringsten

Schmerz zu verursachen, sein ganzes Wesen mit einer wollüstigen Wärme

durchdrang, so faßte er sich bald wieder, und in kurzem gefiel es ihm

so wohl darinn, daß er in den feurigen Wellen herum plätscherte, wie

ein Fisch in frischem Wasser. Vielleicht würde er weit länger als die

vorgeschriebene Zeit in einem so angenehmen Bade zugebracht haben, wenn

ihn nicht die immer zunehmende Hitze zuletzt heraus getrieben hätte.

Er sprang also wieder heraus, aber wie sehr erstaunte er, da er sich

nicht nur so leicht und unkörperlich fühlte, daß er wie ein Zephyr über

dem Boden hin schwebte, sondern auf einmal einen Pallast erblickte,

dessen Glanz und Schönheit alles übertraf, was ein menschliches Auge

jemals gesehen hat. Er stund eine gute Weile wie ausser sich selbst,

und sein erster Gedanke, da er wieder denken konnte, war an die

Schönheit, die ein so herrlicher Pallast in sich schliessen müsse; denn

da Diamanten und Rubinen ihn nur Gassensteine gegen die Materialien

däuchten, woraus dieses Schloß erbaut war, so zweiffelte er nicht, daß

die schöne Salamandrin sich gegen die Schönen, die er bisher gekannt

hatte, zum wenigsten eben so verhalten würde, wie dieser Pallast gegen

die gewöhnlichen Feenschlösser, die man prächtig genug gebaut zu haben

glaubt, wenn man die Mauren von Diamanten oder Smaragden aufführt,

das Dach mit Rubinen deckt, den Fußboden mit Perlen einlegt, und was

dergleichen mehr ist, welches doch alles in Vergleichung mit diesem

feurigen Pallast nichts bessers als eine elende Hütte vorgestellt

hätte. Unter diesen Gedanken näherte er sich demselben unvermerkt, und

war schon durch den ersten Hof, dessen glänzende Pforte sich von selbst

vor ihm aufthat, hinein gegangen, als ihm einfiel, daß ihm der Kürbis

ausdrücklich gesagt hatte, er sollte nach dem Bad im feurigen Brunnen

wieder zu ihm kommen. Vermuthlich, dachte er, hat er mir Nachrichten

zu geben, ohne die es gefährlich seyn könnte, sich in ein solches

Schloß zu wagen, und da ich mich bisher bey seinen Anweisungen so wohl

befunden habe, so würde es weder klug noch dankbar seyn, wenn ich mir

einbilden wollte, daß ich seiner nicht mehr nöthig habe. Man sehe doch,

wie seltsam es kommen kan! Wer hätte jemals gedacht, daß ein Kürbis ein

Rathgeber eines Prinzen seyn würde!

/Biribinker/ schlich sich also, nicht ohne Furcht entdeckt zu werden,

zu seinem Kürbis zurück. Ha! rief ihm dieser auf zwanzig Schritte

entgegen, ich sehe, daß ihnen das Bad unvergleichlich wohl zugeschlagen

hat; sie sind ja zum bezaubern; ich schwöre ihnen bey der Tugend meiner

geliebten Mirabella, daß keine Salamandrin ist, die ihnen, so wie

sie jetzt aussehen, nur eine Minute widerstehen wird. Aber was wird

aus ihrer Treue gegen das Milchmädchen werden? -- Herr Kürbis, sagte

/Biribinker/, lassen sie sich mit aller der Achtung, die ich ihnen

übrigens schuldig bin, sagen, daß sie besser gethan hätten, mich in den

Umständen, worein mich ihr Bad gesetzt hat, mit dergleichen unzeitigen

Erinnerungen zu verschonen -- Ich bitte um Verzeyhung, antwortete der

Kürbis, ich wollte nur so viel sagen -- Gut, gut, unterbrach ihn der

Prinz, ich weiß wohl, was sie sagen wollten, und ich antworte ihnen

darauf, daß ich ohne ihre Warnungen, die ein beleidigendes Mißtrauen

in meine Standhaftigkeit setzen, durch die blosse Erinnerung an mein

himmlisches Milchmädchen gegen die vereinigten Reitzungen aller ihrer

feurigen Schönen so sicher zu seyn glaube, als ich es mitten unter

den häßlichsten Gnomiden seyn könnte. Es wird sich zeigen, sagte der

Kürbis, ob sie diese edle Gesinnungen zu behaupten wissen werden; ich

habe eine so gute Meynung von ihnen, als man, nach allem was in einem

gewissen Schloß vorgegangen ist, nur immer haben kan; aber bey alle

dem, kan ich doch nicht läugnen, daß ich ihre Treue in keine kleine

Gefahr gesetzt sehe, wenn sie in den Pallast hinein gehen. Es steht

noch bey ihnen, ob sie es wagen wollen, oder nicht; bedenken sie sich

wohl, oder ----

Mein lieber Herr Kürbis, unterbrach ihn /Biribinker/, ich sehe, daß

sie eine eben so verzweiffelte Wuth zum raisonniren haben, als die

tugendhafte und preciöse Mirabella, ihre Geliebte. Warum haben sie denn

verlangt, daß ich in dem feurigen Brunnen baden sollte, wenn ich nicht

in den Pallast hinein gehen darf? Noch einmal, mein lieber Freund,

sorgen sie nicht für meine Treue, und sagen sie mir lieber: wie ich

mich zu verhalten habe, wenn ich in den Pallast komme? Sie haben hiezu

wenig Unterricht nöthig, antwortete der Kürbis, denn sie werden nirgend

keinen Widerstand finden; alle Thüren werden sich ihnen von selbst

eröfnen, und wenn sie irgend etwas zu besorgen haben, so muß es nur

(wie ich schon gesagt, und wie sie sich so ungern sagen lassen) von

ihrem eigenen Herzen seyn. Aber was für eine Mine, denken sie, daß mir

der alte /Padmanaba/ machen werde, fragte der Prinz? So viel ich an der

Bewegung der Gestirne merke, erwiederte der Kürbis, so ist es bereits

um Mitternacht, um welche Zeit der Alte in tiefem Schlaf zu liegen

pflegt. Allein gesetzt auch, daß er aufwachen sollte, so haben sie von

seinem Zorn nichts zu besorgen; alle seine Macht vermag nichts gegen

die Zauber-Kraft ihres Namens, und nach den Vortheilen, die sie bisher

über ihn erhalten haben, zu urtheilen, können sie allerdings hoffen,

diesesmal nicht weniger glücklich zu seyn.

Es mag gehen wie es will, versetzte /Biribinker/, so bin ich

entschlossen das Abentheuer mit dem unsichtbaren Schloß zu bestehen;

denn es liesse sich doch sonst keine vernünftige Ursache angeben, warum

ich in des Wallfisches Bauch gekommen seyn sollte. Gute Nacht, Herr

Kürbis, bis wir uns wieder sehen.

Viel Glücks, tapferer und liebenswürdiger /Biribinker/, rief ihm

der wortreiche Kürbis nach; fahre wohl, du Blume und Zierde aller

Feen-Ritter, und möge das Abentheuer, dem du so muthig entgegen gehst,

einen Ausgang gewinnen, dergleichen noch kein Mährchen gehabt hat,

seitdem es Feen und Ammen in der Welt gibt. Gehe, weiser Königs-Sohn,

wohin dich dein Schicksal zieht; aber hüte dich die Warnungen eines

Kürbis zu verachten, der dein guter Freund ist, und vielleicht tieffere

Blicke in die Zukunft thut, als irgend ein Calender-Macher in der

Christenheit.

Der Kürbis merkte nicht, indem er diese schöne Abschieds-Rede hielt,

daß der Prinz schon durch den ersten Schloßhof gegangen war, ehe er

noch zu reden aufgehört hatte. /Biribinker/ war jetzt ganz und gar

von dem Abentheuer eingenommen, das er vor sich hatte, und seine

Einbildungs-Kraft, die in dem feurigen Bad einen ausserordentlichen

Schwung erhalten hatte, stellte ihm die schöne Salamandrin, die er bald

zu sehen hofte, mit so unwiderstehlichen Reitzungen vor, daß er sich

des Wunsches nicht enthalten konnte, seinem Milchmädchen nur dieses

einzige mal noch ungetreu seyn zu können. Unter diesen Gedanken kam

er durch den zweyten Hof in ein Vorhaus, aus welchem ihm ein grosses

Getümmel entgegen schallte. Er lauschte ein wenig, und vernahm, daß es

eine Menge von krächzenden Weiber-Stimmen waren, die in einem heftigen

Wortwechsel begriffen schienen. So neugierig als er von Kindheit auf

gewesen war, konnte er sich nicht enthalten, zu sehen, wem diese

anmuthigen Stimmen zugehörten. Er öfnete die Thür eines grossen und

überaus prächtigen Saals, und entsetzte sich nicht wenig, da er ihn mit

fünfzig oder sechzig der allerhäßlichsten kleinen Zwerginnen angefüllt

sah, die nur immer die bürleske Einbildung eines /Calot/ oder /Hogarth/

zu ersinnen fähig wäre.

Der arme /Biribinker/ glaubte beym ersten Anblick, daß er zu einem

Hexen-Sabbath gekommen sey, und er würde unfehlbar vor Abscheu in

Ohnmacht gefallen seyn, wenn er nicht zu gleicher Zeit vor Lachen über

so poßierliche Figuren hätte bersten mögen. Diese schönen Nymphen, die

in der That nichts geringers als junge Gnomiden waren, von denen die

jüngste kaum achtzig Jahre haben mochte, wurden seiner kaum gewahr,

so eilten sie alle auf ihn zu, so schnell als es ihre krummen Beine

zuliessen. Sie kommen eben recht, Prinz /Biribinker/, rief ihm eine

von den häßlichsten entgegen, einen Streit zu entscheiden, worüber

wir einander bey nahe in die Haare gekommen wären. Sie zanken sich

doch nicht, hoffe ich, welche unter ihnen die schönste sey? sagte

/Biribinker/. Und warum nicht? erwiederte die /Gnomide/; sie haben es

ersten Streichs errathen. Aber denken sie nur, mein schöner Prinz,

nachdem ich es würklich schon dahin gebracht habe, daß mir alle übrige

den Vorzug eingestehen, so untersteht sich dieses Fratzen-Gesicht,

diese kleine Pagode hier, mir den goldnen Apfel noch streitig zu

machen. O! mein angenehmster junger Prinz, schrie die Angeklagte, indem

sie ihn in die Waden kneipte, welches vermuthlich, ihrer Absicht nach,

eine Liebkosung seyn sollte; ich darf es kühnlich auf ihr Urtheil

ankommen lassen. Sehen sie uns beyde nur recht an, betrachten sie uns

Stück vor Stück, und thun sie den Ausspruch nach ihrem Gewissen, wofern

ich mir zu viel schmeichlen würde, wenn ich sagte nach ihrem Herzen.

Begreiffen sie, Prinz /Biribinker/, sagte die erste, wie man die

Unverschämtheit so weit treiben kan? Fürs erste, so ist sie kaum eines

Daumens Breite kleiner als ich, und sie werden gestehen, daß das keinen

Unterscheid macht; was ihren Buckel betrift, so hoffe ich, der meinige

darf sich noch immer neben dem ihren sehen lassen, und meine Füsse

sind, wie sie sehen, immer so breit und wohl um zwey gute Mannsdaumen

länger als die ihrige. Ich weiß wohl, daß sie sich sehr viel auf den

Umfang und die Schwärze ihres Busens zu gut thut, aber sie werden doch

bekennen müssen, fuhr sie fort, indem sie ihr Halstuch abnahm, daß der

meinige, wo nicht völlig so ansehnlich, doch ungleich schwärzer ist als

der ihrige. Mag er doch! rief die andere, einen so kleinen Vorzug kan

ich dir leicht eingestehen, da ich in allen andern Stücken den Vortheil

über dich habe.

Sie lachen, mein liebster Prinz /Biribinker/, und es kan in der That

nichts lächerlicher seyn, als die Eitelkeit dieser Meerkatze hier. Ich

schäme mich, daß ich genöthiget seyn soll, mich selbst zu loben, aber

sehen sie einmal, um wie viel meine Beine krümmer und stumpichter sind

als die ihrigen? Ich will von allem übrigen nichts sagen; man müßte

nur blind seyn, wenn man nicht beym ersten Anblick sehen sollte, daß

meine Augen kleiner und matter sind als die ihrigen, daß meine Backen

um die Helfte aufgedunsener sind, und meine Unter-Lippe viel weiter

herunter hangt; auch nichts von der ungleich grössern Länge meiner

Ohren zu gedenken, und daß ich wenigstens fünf oder sechs Warzen mehr

im Gesicht habe als sie, und daß die Haare an den meinigen länger sind;

wir wollen auf einen Augenblick das alles beyseite setzen, und nur

von der Nase reden. Es ist wahr, die ihrige ist eine von den grösten,

die man sehen mag, und man könnte in Versuchung gerathen, sie die

Schönste zu nennen, wenn man die meinige nicht gesehen hat: Aber man

braucht ja keinen Maaßstab, um zu finden, daß meine Nase wenigstens

einer halben Spanne lang weiter über den Mund herab hängt als die

ihrige. Die Schamhaftigkeit erlaubt mir nicht, setzte sie mit einem

entsetzlich zärtlichen Blick hinzu, von andern Schönheiten zu reden,

die nur einem glücklichen Liebhaber sichtbar werden dürfen; aber sie

können versichert seyn, daß ich in diesem Stück nicht weniger Ursache

habe, mich der Freygebigkeit der Natur zu berühmen, als in Absicht

dessen, was ihnen in die Augen fällt, und ich hoffe -- Mademoiselle,

rief /Biribinker/, so bald er vor Lachen reden konnte; ich unterstehe

mich eben nicht, mich für einen Kenner auszugeben; aber in der That, es

kan ihrer Freundin nicht Ernst seyn, wenn sie sich, was die Schönheit

betrift, mit ihnen in einen Wettstreit einlassen will; der Vorzug, den

sie in diesem Stück haben, ist augenscheinlich, und es ist unmöglich,

daß der gute Geschmack der Herren /Gnomen/ ihnen hierüber nicht

vollkommene Gerechtigkeit widerfahren lassen sollte.

Die erste /Gnomide/ schien durch diese Entscheidung nicht wenig

beleidiget zu seyn, allein /Biribinker/, der vor Ungedult brannte,

die schöne Salamandrin zu sehen, bekümmerte sich wenig um alles,

was sie zwischen ihren langen Zähnen murmelte, und zog sich wieder

zurück, nachdem er der ganzen liebreitzenden Gesellschaft eine gute

Nacht gewünscht hatte. Statt der Antwort schickten sie ihm ein lautes

Gelächter nach, um dessen Bedeutung er sich wenig bekümmerte, da er

jetzo den Pallast vor sich stehen sahe, dessen unbegreifliche Schönheit

seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Nachdem er ihn eine geraume

Weile voller Bewunderung betrachtet hatte, sahe er, daß die beyden

Flügel der Pforte sich aufthaten. Er konnte dieses nicht anders als

für ein Zeichen ansehen, daß seine Unternehmung mit dem glücklichsten

Ausgang bekrönt werden würde. Er gieng also mit hofnungsvollem Muth

hinein, und befand sich, nachdem er eine Treppe hinauf gestiegen war,

in einem grossen Vorsaal, aus dem er in eine Reyhe von Zimmern kam, von

deren Schimmer er, ungeachtet der Veränderung, die das Feuer-Bad in

seiner Natur hervor gebracht hatte, fast verblendet wurde.

Allein so mannigfaltig und ausserordentlich alle die schönen Dinge

waren, die von allen Seiten seinen Augen entgegen strahlten, so

vergaß er doch alles andere über den Gemählden einer unvergleichlich

schönen jungen Salamandrin, womit alle diese Zimmer behangen waren. Er

zweiffelte nicht, daß es die Geliebte des alten /Padmanaba/ seyn werde

und diese Copien, worein sie in allen nur ersinnlichen Stellungen,

Anzügen und Gesichtspuncten, bald wachend, bald schlafend, bald als

Diana, bald als Venus, Hebe, Flora, oder eine andere Göttin vorgestellt

war, gaben ihm eine solche Idee von dem Urbilde, daß er bey der

blossen Erwartung seiner bevorstehenden Glückseligkeit vor Entzückung

und Wonne hätte zerfliessen mögen. Ins besondere konnte er nicht

satt werden, eine grosse Tafel anzuschauen, worein sie in einem Bade

von Flammen saß, von Liebesgöttern bedient, die durch das Anschauen

ihrer überirrdischen Schönheit ausser sich selbst gesetzt schienen.

/Biribinker/ wußte nicht, ob er die Schönheit des Gegenstands, oder

die Kunst der Mahlerey am meisten bewundern sollte, und mußte sich

selbst gestehen, daß /Titian/ und /Guido/ gegen die Salamandrischen

Mahler in Absicht des Colorit nur Sudler seyen. Der Eindruck, den

dieses Gemählde auf ihn machte, war so lebhaft, daß er mit äusserster

Ungedult diejenige zu sehen wünschte, die in einem leblosen Nachbilde

schon so unwiderstehliche Begierden einflößte. Er durchsuchte also eine

Menge von Zimmern, ohne daß er jemand fand, er durchsuchte den ganzen

Pallast von oben bis unten, und wiederhohlte es zwey oder dreymal; aber

da war keine Seele zu hören noch zu sehen. Endlich ward er einer halb

geöfneten Thüre gewahr, die in den ausserordentlichsten Lustgarten

führte, den er jemals gesehen hatte. Alle Bäume, Gewächse und Blumen,

Alleen, Lauben und Springbrunnen in diesem Garten waren von lauterm

Feuer, jedes brannte in seiner natürlichen Farbe, mit einem eben so

anmuthigen als durchdringenden Glanz, und die Würkung, die das Ganze

machte, übertraf in der That alles, was sich die Einbildungs-Kraft

prächtiges vorstellen kan.

Geschichte des Prinzen Biribinker · 第 5 / 6 段