Was ihre Entlassung betrift, antwortete die schöne /Mirabella/, die

können sie sich selbst geben, denn sie wissen, daß ich sie nicht

geruffen habe. Wenn sie aber meinen Schutz verlangen, so kan ich ihnen

nicht bergen, daß ihr Glück von ihrer eigenen Aufführung abhangt.

Wenn sie so fortfahren, so wird der Schutz aller Feen der ganzen Welt

an ihnen verlohren seyn. Hat man jemals einen Liebhaber gesehen, wie

sie sind? Sie ziehen den ganzen Tag in der Welt herum, ihre Geliebte

zu suchen, und bringen die ganze Nacht in den Armen einer andern zu;

den folgenden Morgen geht ihre Liebe wieder an, und den Abend drauf

ihre Untreue. Was wollen sie, daß aus einer solchen Aufführung endlich

werden soll? Ihre Schäferin müßte ausserordentlich gedultig seyn,

wenn sie sich diese neue Art zu lieben gefallen lassen wollte ----

Wahrhaftig! rief der Prinz, es steht ihnen recht wohl an, mir Vorwürfe

von dieser Art zu machen! Ich mag nicht reden -- Aber glauben sie mir,

ihr moralisiren fangt mir an beschwerlich zu werden, so eine grosse

Meisterin sie immer darinn seyn mögen. Sagen sie mir lieber, wie ich

meine geliebte /Galactine/ aus den Händen des verfluchten Riesen

befreyen kan, der sie gestern davon führte. ----

Bekümmern sie sich nicht um den Riesen, sagte die Fee; ein Nebenbuler,

der sich die Zähne mit einem Zaunpfahl ausstochert, ist nicht halb so

fürchterlich, als sie sich einbilden, und ich kenne einen gewissen

Gnomen, der ihnen, so klein er ist, mehr Eintrag thun könnte als

/Caraculiamborix/, wenn er gleich noch etliche hundert Ellen länger

wäre als er ist. Kurz, sorgen sie für nichts, als wie sie ihre

Schäferin wieder besänftigen wollen, das übrige wird sich von selbst

geben; und sollten sie ja in Umstände kommen, wo sie meiner Hülfe

benöthiget wären, so zerbrechen sie nur dieses Straussen-Ey, das ich

ihnen gebe; es wird ihnen, auf mein Wort, keine geringere Dienste thun

als die Erbsen-Schotte der Fee /Cristalline/.

Kaum hatte /Mirabella/ das letzte Wort ausgesprochen, so verschwand

sie, das Cabinet und der Pallast, und /Biribinker/ befand sich, ohne

zu wissen, wie es zugieng, an dem nehmlichen Orte, wo ihn der Riese

Caraculiamborix bey seiner Schäferin überfallen hatte. Man kan nicht

erstaunter seyn, als er es über die seltsame Dinge war, die ihm seit

seiner Flucht aus dem grossen Bienenkorbe begegnet waren. Er rieb

sich die Augen, kneipte sich in die Arme, zog sich bey der Nase, und

hätte gerne gefragt, ob er oder ein anderer der Prinz /Biribinker/

sey, wenn er jemand hätte fragen können. Je mehr er nachdachte, desto

wahrscheinlicher kam es ihm vor, daß alles nur ein Traum gewesen sey;

und er fieng schon an, sich in dieser Meynung zu bestärken, als er

eine /Jägerin/ aus dem Gebüsch hervor kommen sahe, die an Gestalt

und Anstand nichts geringers als /Diana/ selbst zu seyn schien. Ihr

grünes Gewand, mit goldnen Bienen durchwürkt, war bis an die Knie

aufgeschürzt, und unter ihrem Busen mit einem Gürtel von Diamanten

gebunden; ein Theil ihrer schönen Haare war mit einer Perlenschnur

in einen Knoten geknüpft, der Rest flatterte in kleinen Locken um

ihre weisse Schultern. In der Hand trug sie einen Jagdspieß, und ein

goldner Köcher klang auf ihrem Rücken. Dißmal, dachte /Biribinker/,

weiß ich es doch gewiß, daß ich nicht träume, und indem er das dachte,

kam ihm die Jägerin so nahe, daß er seine geliebte /Galactine/ in ihr

erkannte. Noch niemals war sie ihm so bezaubernd vorgekommen, als in

diesem Aufzug, der ihr das Ansehen einer Göttin gab. Er vergaß auf

einmal der Cristallinen und Mirabellen, die ihn vor kurzem so sehr

bezaubert hatten, und indem er sich zu ihren Füssen warf, bezeugte

er sein Vergnügen, sie wieder gefunden zu haben, in so lebhaften

Ausdrücken, daß es der getreueste unter allen Liebhabern nicht besser

hätte machen können. Allein die schöne Galactine wußte mehr von seinen

Begebenheiten, als er sich einbildete. Wie? sagte sie, indem sie ihr

anmuthiges Gesicht mit einem Unwillen, der ihm nur neue Reitzungen

gab, von ihm wegwandte; unterstehst du dich noch, vor meine Augen

zu kommen, nachdem du dich durch wiederhohlte Beleidigungen der

Gnade verlustig gemacht, die ich dir schon einmal wiederfahren ließ?

Göttliche Galactine, antwortete ihr /Biribinker/, zürnen sie nicht mit

mir, wenden sie ihre Augen nicht so von mir ab, wenn sie nicht wollen,

daß ich auf der Stelle zu ihren Füssen sterben soll. Weg mit diesem

Unsinn, sagte die schöne Jägerin, den du gewohnt bist an eine jede

zu verschwenden, die dir in den Weg kommt; du hast mich nie geliebt,

wankelmüthiger; wer alle liebt, liebt keine.

Niemals, rief /Biribinker/, mit thränenden Augen, niemals hab ich eine

andere geliebt als sie; und das ist so wahr, daß ich darauf schwören

wollte, daß alles nur ein Traum war, was mir in einem gewissen Schlosse

begegnet ist. Wenigstens versichere ich ihnen, daß die Zerstreuungen,

die sie mir so übel auslegen, ein blosses Spiel der Sinnen waren, woran

mein Herz nicht den geringsten Antheil hatte. Eine feine Distinction,

erwiederte die Jägerin; Zerstreuungen nennen sie das? ich sage

ihnen, daß ich keinen Liebhaber verlange, der solchen Zerstreuungen

unterworfen ist. Ich habe die Philosophie des Averroes nie studirt, und

ich bin eine so materielle Creatur, daß ich nicht begreiffen kan, wie

das Herz meines Liebhabers unschuldig seyn kan, wenn mir seine Sinnen

untreu sind ----

Vergeben sie mir nur noch dieses einzige mal, sagte /Biribinker/

schluchzend -- Ich, ihnen vergeben? unterbrach ihn die schöne

/Galactine/; und warum sollte ich ihnen vergeben? Sehen sie mich einmal

an; ist man vielleicht mit einem Gesicht, wie das meinige, zum Vergeben

genöthigt? Oder meynen sie, daß ich, um Liebhaber zu haben, wenn ich

ihrer haben will, so gedultig seyn müsse, als sie mich gerne finden

möchten? Glauben sie mir, es liegt nur an mir, unter zwanzig andern zu

wählen, die den Werth eines Herzens, das sie so muthwillig von sich

werfen, besser zu schätzen wissen.

Diese Worte, ob sie gleich mit einem Blick begleitet waren, der

ihre Strenge zum wenigsten um die Hälfte milderte, brachten den

armen /Biribinker/ vollends zur Verzweiflung. Was hör ich, rief er,

Grausame? So wollen sie dann meinen Tod? Können meine Thränen sie

nicht erweichen? Nein, bey allen Göttern! ehe ich zugeben werde, daß

ein anderer als Biribinker -- O! verhaßtestes unter allen Ungeheuern,

rief die ergrimmte /Galactine/, lassest du mich noch einmal diesen

abscheulichen Namen hören, der mir schon zweymal die Seele durchbohrt

hat? Flieh auf ewig aus meinen Augen, oder erwarte das ärgste von dem

immerwährenden Haß, den ich dir und deinem unseligen Namen geschworen

habe.

/Biribinker/ zitterte an allen Nerven, wie er seine Schöne auf

einmal in eine so heftige Wuth ausbrechen sah; er verfluchte im

Uebermaß seines Schmerzes den Namen /Biribinker/, und denjenigen,

der ihm denselben gegeben hatte; und er würde vielleicht (denn für

gewiß will ich es eben nicht sagen,) mit dem Kopf wider die nächste

Eiche angeloffen seyn, wenn er nicht in eben dem Augenblicke sechs

wilde Männer erblickt hätte, die in vollem Lauf aus dem Wald hervor

stürmten, und vor seinen Augen sich der schönen Jägerin bemächtigten.

Diese Wilden hatten eine mehr als menschliche Statur, um das Haupt

und die Lenden waren sie mit Eichen-Zweigen bekränzt, auf der linken

Schulter trugen sie eine stählerne Keule, und /Biribinker/ fand

sie in diesem Aufzug so fürchterlich, daß er, seiner angebohrnen

Tapferkeit ungeachtet, allen Muth verlohr, seine Geliebte aus ihren

Händen zu retten. In dieser dringenden Noth erinnerte er sich an das

Straussen-Ey, das ihm die Fee Mirabella gegeben hatte; er zerbrach

es mit bebender Hand, und erstaunte, wie man denken kan, so sehr als

jemals, da er eine unendliche Menge von kleinen Nymphen, Tritonen und

Delphinen heraus wimmeln sah, die sich augenblicklich in Lebens-Grösse

ausdehnten, und die einen aus ihren Wasser-Krügen, die andern aus

ihren Naslöchern eine so ungeheure Menge Wassers ausgossen, daß in

weniger als einer Minute ein See um ihn her entstund, der den ganzen

Horizont erfüllte. Er selbst befand sich auf dem Rücken eines Delphins,

der so sanft mit ihm davon schwamm, daß er keine Bewegung spürte,

und die Nymphen und Tritonen, die um ihn her plätscherten, bemühten

sich, ihm durch Musik und muthwillige Spiele eine Lust zu machen. Aber

/Biribinker/ sahe nur nach dem Orte, wo er seine geliebte Galactine

den Wilden hatte überlassen müssen, und da er, so weit sein schärfster

Blick reichte, um und um nichts als Wasser sahe, betrübte er sich so

herzlich, daß er sich etliche mal in die See stürzen wollte. Er würde

es auch gewiß gethan haben, wenn er nicht besorgt hätte, einer von

den Nymphen, die um seinen Delphin schwammen, in die Arme zu fallen;

welches ihn, (wie er sehr weißlich davor hielt,) leicht in eine

Versuchung hätte setzen können, worinn die ewige Treue, die er seiner

Schönen nunmehr angelobt hatte, in Gefahr gekommen wäre. Er trieb

dißmal die Vorsichtigkeit so weit, daß er sich ein seidenes Schnupftuch

um die Augen band, aus Furcht, von den Schönheiten zu sehr gerührt

zu werden, die durch tausend verführerische Bewegungen seinen Augen

nachstellten.

Auf diese Weise war er ohne den geringsten widrigen Zufall schon ein

paar Stunden fort geschwommen, als er es endlich wagte, das Schnupftuch

ein wenig wegzuschieben, um zu sehen, wo er wäre. Er fand zu seiner

grossen Beruhigung, daß die Nymphen verschwunden waren; hingegen

gewahrete er in der Ferne etwas, das wie der Rücken eines grossen

Gebürges über die Wellen hervor ragte; er merkte auch, daß die See

ausserordentlich ungestümm wurde, und bald darauf erhub sich ein so

entsetzlicher Sturmwind mit so gewaltigen Regengüssen, daß es nicht

anders war, als ob ein ganzer Ocean aus der Luft herab stürzte.

Der Urheber dieses Unwesens war ein Wallfisch, aber ein Wallfisch,

dergleichen man nicht alle Tag sieht; denn diejenigen, die man an

den Grönländischen Küsten zu fangen pflegt, waren in Vergleichung

mit ihm nicht viel grösser als die winzigen Thierchen, die man durch

Vergrösserungs-Gläser bey vielen tausenden in einem Tropfen Wassers

herum schwimmen sieht. So oft er schnaubte, welches gemeiniglich alle

vier Stunden geschah, so entstund ein Sturmwind, und die Wasserströme,

die er aus seinen Naslöchern ausspritzte, verursachten Platzregen und

Wolkenbrüche auf fünfzig Meilen in die Runde. Die Bewegung des Meers

war so heftig, daß /Biribinker/ sich nicht länger auf seinem Delphin

erhalten konnte, sondern sich den Wellen überlassen mußte, die ihn wie

einen Ball herum schleuderten, bis er zuletzt von der Luft, die der

Wallfisch einathmete, wie von einem Wirbelwind ergriffen, und durch

eines von den Naslöchern des Ungeheuers hinab gezogen wurde. Er fiel

ein paar Stunden lang in einem fort, ohne daß er in der Betäubung

wußte, wie ihm geschah; endlich aber merkte er, daß er in ein grosses

Gewässer fiel, womit eine Höle im Bauch des Wallfisches angefüllt war.

Es war ein kleiner See, der etwan fünf bis sechs deutsche Meilen im

Umkreiß hatte; und vermutlich würde /Biribinker/ das Ende aller seiner

Abentheuer darinn gefunden haben, wenn er nicht zu gutem Glück sich so

nah am Ufer einer Insel oder Halbinsel gesehen hätte, daß er kaum zwey

hundert Schritte zu schwimmen hatte, um auf dem Trocknen zu seyn.

Die Noth, die Erfinderin aller Künste, lehrte ihn dißmal schwimmen,

ob es gleich das erstemal in seinem Leben war. Er kam glücklich ans

Ufer, und nachdem er sich auf einem Felsen, der zwar wie andere Felsen

von Stein, aber so weich wie ein Polster war, zurecht gesetzt hatte,

erquickte er sich, indeß daß seine Kleider an der Sonne trockneten,

an den lieblichen Gerüchen, die ihm ein kühler Landwind aus einem

Wald von Zimmet-Stauden, der das Ufer bekränzte, entgegen wehte. Weil

er aber begierig war, das Land in Augenschein zu nehmen, und sich zu

erkundigen, ob und von wem es bewohnt sey, so stieg er, so bald er sich

in etwas erhohlt hatte, von seinem Felsen herab, und strich eine halbe

Stunde lang im Wald herum, bis er endlich in einen grossen Lustgarten

kam, worinn alle mögliche Bäume, Stauden, Gewächse, Blumen und Kräuter

des ganzen Erdbodens in der anmuthigsten Unordnung durch einander

geworfen waren. Die Kunst war in der Anlegung desselben so versteckt,

daß alles ein blosses Spiel der Natur zu seyn schien. Hier und da sahe

er Nymphen von blendender Schönheit unter Gebüschen oder in Grotten

liegen, und kleine Bäche aus ihren Urnen giessen, die den Garten

durchschlängelten, an vielen Orten in allerley Figuren in die Höhe

spielten, an andern Wasserfälle machten, oder in marmorne Becken sich

sammelten. Diese Brunnen wimmelten von allen Arten von Fischen, welche,

wider die Gewohnheit der Geschöpfe von ihrer Gattung, so lieblich

sangen, daß /Biribinker/ ganz davon bezaubert wurde. Insonderheit

bewunderte er einen gewissen Karpfen, der die schönste Discant-Stimme

von der Welt hatte, und einen Triller schlug, der dem besten Castraten

Ehre gemacht hätte. Der Prinz hörte ihm eine geraume Weile mit gröstem

Vergnügen zu; da ihn aber alle diese Wunderdinge nur desto begieriger

machten, zu erfahren, wem diese bezauberte Insel gehöre, und ob er sich

würklich, wie er glaubte, in der unterirrdischen Welt befinde, so that

er deßwegen verschiedene Fragen an die besagten Fische; denn er dachte,

weil sie so schön sängen, so würden sie vermutlich auch reden können.

Allein die Fische sangen immer fort, ohne ihm zu antworten, oder nur

Acht darauf zu geben, was er sagte.

Er gab es also endlich auf, und gieng immer weiter fort, bis er

in einen grossen Krautgarten kam, der mit allen Arten von Salat,

Wurzel-Werk, Schotten- und Ranken-Gewächsen besetzt war, die, dem

Ansehen nach, ohne Pflege, wiewohl so schön als nur möglich ist, in

regellosem Ueberfluß hervor wuchsen. Indem er sich nun so gut er

konnte, einen Weg durch diese Wildniß machte, stieß er von ungefehr

mit dem rechten Fuß an einen grossen Kürbis, der so ziemlich dem Wanst

eines schinesischen Mandarins gleich sahe, und den er unter seinen

breiten Blättern nicht gleich wahrgenommen hatte.

Herr, /Biribinker/, rief ihm der Kürbis zu, ein andermal seyn sie so

gut, und schauen ein wenig unter ihre Füsse, eh sie einem ehrlichen

Kürbis auf den Nabel treten. Ich bitte sehr um Vergebung, Herr Kürbis,

sagte /Biribinker/; es geschah in der That nicht aus Vorsatz, und ich

würde mich gewiß besser vorgesehen haben, wenn ich hätte vermuthen

können, daß die Kürbisse in dieser Insel so wichtige Personen sind,

als ich nun sehe. Indeß bin ich doch erfreut, daß mir dieser kleine

Zufall das Vergnügen verschaft hat, mit ihnen Bekanntschaft zu machen;

denn ich hoffe, sie werden mir die Gefälligkeit nicht versagen, mich zu

belehren, wo ich bin, und was ich aus allem machen soll, was ich hier

sehe und höre?

Prinz /Biribinker/, antwortete der Kürbis, ihre Gegenwart ist mir

allzu angenehm, als daß ich mir nicht das gröste Vergnügen daraus

machen sollte, ihnen alle die kleinen Dienste zu leisten, die von mir

abhangen. Sie befinden sich im Bauch eines Wallfisches, und diese

Insel -- Im Bauch eines Wallfisches, rief /Biribinker/, indem er ihn

unterbrach -- das übertrift noch alles, was mir bisher begegnet ist.

Nun schwöre ich ihnen, Herr Kürbis, daß ich mich in meinem Leben

über nichts mehr verwundern will. Wahrhaftig! wenn es im Bauch eines

Wallfisches Luft und Wasser, Inseln und Lustgärten, ja wie ich merke,

Sonne, Mond und Sterne gibt, wenn die Felsen darinn so weich wie

Polster sind, die Fische singen, und die Kürbisse reden -- Was diesen

Punct betrift, unterbrach ihn der Kürbis gleichfalls, so belieben sie

sich sagen zu lassen, daß ich hierinn einen Vorzug vor allen andern

Kürbissen, Gurken und Melonen in diesem Garten habe; sie hätten hundert

andere mit Füssen treten können, ohne nur einen Ton von ihnen heraus zu

bringen ----

Ich bitte sie nochmals um Vergebung, erwiederte der Prinz -- das haben

sie gar nicht nöthig, sagte der Kürbis; ich versichere ihnen, es wäre

mir leyd, wenn es mir nicht begegnet wäre; ich warte hier schon so

lange auf ihre Ankunft, und die Zeit wurde mir endso lange, daß ich

schon zu verzweiffeln anfieng, diese glückliche Begebenheit jemals zu

erleben. Glauben sie mir für einen, der nicht dazu gebohren ist, ist

es eine verdrießliche Sache, hundert Jahre lang ein Kürbis zu seyn,

zumal wenn man die Conversation liebt und gute Gesellschaft gewohnt

ist. Aber die Zeit ist nun gekommen, da sie mich an dem verfluchten

/Padmanaba/ rächen werden. Was sagen sie mir von /Padmanaba/? rief

Biribinker; meynen sie den Zauberer, der die schöne Cristalline

in einen Nacht-Topf verwandelte, und die noch schönere Mirabella

verurtheilte, ein Crocodill zu werden, so oft sie ihre Tugend auf die

Probe setzen wollte? Diese Frage, erwiederte der Kürbis, versichert

mich, daß ich mich nicht betrogen habe, da ich sie für den Prinzen

/Biribinker/ hielt; ich sehe daraus, daß die Helfte der Bezauberungen

des alten Gecken schon vernichtet sind, und daß der Augenblick meiner

Befreyung da ist. ---- Haben sie sich also auch über ihn zu beklagen,

fragte /Biribinker/?

Nehmen sie mir nicht übel, antwortete der Kürbis, wenn mich diese Frage

zu lachen macht, (und in der That lachte er so laut, daß er wegen

seines kurzen Athems, der eine Folge seines gewaltigen Schmeerbauchs

war, eine gute Weile keuchen und husten mußte, bis er wieder reden

konnte.) Merken sie dann nicht, fuhr er fort, daß ich etwas bessers

seyn muß, als ich aussehe? Hat ihnen die schöne /Mirabella/ nicht von

einem gewissen Salamander gesagt, der das Glück hatte in gewissen

Umständen von dem alten /Padmanaba/ überrascht zu werden -- Ja wohl,

sagte /Biribinker/, sie sprach mir von einem gewissen geistigen

Liebhaber, der ihre Seele mit den Geheimnissen der Philosophie des

Averroes unterhielt, damit sie die kleinen Experimente nicht beobachten

möchte, die er indessen -- Sachte, sachte, rief der Kürbis, ich sehe,

daß sie mehr von mir wissen, als sie allenfalls nöthig gehabt hätten;

ich bin dieser Salamander, dieser /Flox/, der, wie ich sagte, und

wie sie schon wußten, so glücklich war, die schöne Mirabella wegen

der frostigen Nächte zu entschädigen, die sie mit dem alten Zauberer

zuzubringen genöthiget war. Die vorerwähnte Scene, wobey er die

Thorheit hatte, einen ungebetenen Zuschauer abzugeben, setzte ihn

in eine Art von Verzweiflung, ohne ihn von der Liebes-Krankheit zu

heilen, womit er lächerlicher Weise behaftet war. Sein Pallast, ja ein

jeder anderer Aufenthalt, den er, in welchem Element er gewollt hätte,

wählen konnte, wurde ihm verhaßt; er traute weder Sterblichen noch

Unsterblichen; Gnomen und Sylphen, Tritonen und Salamander waren ihm

alle gleich verdächtig; und er hielt sich nirgends sicher als in einer

gänzlichen und unzugangbaren Einsamkeit. Nach vielen andern Projecten,

die er eben so bald verwarf als machte, fiel ihm endlich ein, sich in

den Bauch des Wallfisches zurück zu ziehen, wo ihn, dacht er, gewiß

niemand suchen würde. Er ließ sich durch eine Anzahl Salamander einen

Pallast darinn erbauen, und damit sie ihn nicht verrathen könnten,

so verwandelte er sie, nebst mir, in eben so viele Kürbisse, mit der

Bedingung es so lange zu bleiben, bis der Prinz /Biribinker/ uns unsere

erste Gestalt wieder geben würde. Ich war der einzige von allen, dem er

den Gebrauch der Vernunft und der Sprache ließ, wovon die erste, wie er

glaubte, mir zu nichts nützen konnte, als mich durch die Erinnerungen

meiner verlohrenen Glückseligkeit zu peinigen, und die andere zu nichts

als manchem eiteln Ach! und O! oder Gesprächen, worinn ich die Mühe

nehmen müßte, mir die Antworten selbst zu geben. Allein in diesem

Stück betrog sich der weise Mann ein wenig, denn so ungünstig auch

immer die Figur und Organisation eines Kürbis zu Beobachtungen seyn

mag, so geschickt ist sie hingegen zu Betrachtungen _à priori_; und

mit alle dem entdeckt man doch in hundert Jahren nach und nach eines

oder anders, was entweder unsere schon gefaßte Hypothesen bestättiget,

oder uns auf die Spur einer neuen bringt. Kurz, ich bin der kleinen

Angelegenheiten des Herrn /Padmanaba/ so unkundig nicht als er

vielleicht denkt, und ich hoffe ihnen Anleitungen zu geben, wodurch

sie in den Stand gesetzt werden sollen, alle seine Vorsichtigkeit zu

vereiteln.

Ich würde ihnen sehr dafür verbunden seyn, erwiederte der Prinz; ich

weiß nicht was für einen sonderbaren Beruf ich in mir spüre, dem guten

/Padmanaba/ Streiche zu spielen; vermuthlich ist es der Einfluß meines

Gestirns, der mich dazu dahin reißt; denn ich wüßte nicht, daß er

mich jemals in seinem Leben persönlich beleidiget haben sollte. Ist

es nicht Beleidigung genug, sagte der Kürbis, daß er Ursache ist, daß

ihnen der grosse /Caramussal/, der auf der Spitze des Berges Atlas

wohnt, den Namen /Biribinker/ gegeben hat? einen Namen, der ihnen

bey ihrem geliebten Milchmädchen schon dreymal so fatal gewesen ist?

-- So ist also der alte Padmanaba schuld daran, daß ich Biribinker

heisse? fragte der Prinz voller Verwunderung; erklären sie mir doch ein

wenig, wie diese Dinge zusammen hangen; denn ich gestehe ihnen, daß

ich mir den Kopf schon oft vergeblich zerbrochen habe, um hinter das

Geheimniß meines Namens zu kommen, welchem ich, wie es scheint, alle

meine seltsame Begebenheiten zu danken habe. Insonderheit möchte ich

doch wissen, wie es zugeht, daß jedermann, wo ich hinkomme, bis auf die

Kürbisse, mich gleich bey meinem Namen nennt, und von allen Umständen

meiner Geschichte so gut benachrichtiget ist, als ob sie mir an der

Stirne geschrieben stünden.

Es ist mir noch nicht erlaubt, antwortete der Kürbis, ihre Neugier

über diesen Punct zu befriedigen; genug, daß es nur von ihnen abhängt,

sich vielleicht nach dieser Abrede ins Klare zu setzen. Die gröste

Schwierigkeit ist nun einmal überstanden; /Padmanaba/ dachte wohl

nicht, daß sie ihn im Bauch seines Wallfisches finden würden. Ich

bekenne ihnen aufrichtig, unterbrach ihn /Biribinker/, daß ich noch

weniger daran dachte, und sie werden gestehen müssen, daß er wenigstens

alles gethan hat, was möglich war, um seinem Schicksal zu entgehen.

Aber sie erwähnten eines Pallasts, den sich ihr Alter von Salamandern

in dieser Insel habe bauen lassen; ich denke wir sind hier in den

Gärten, die dazu gehören, warum sehe ich denn nirgends keinen Pallast?

Die Ursache ist ganz natürlich, antwortete der Kürbis; sie würden

ihn unfehlbar sehen, wenn er nicht unsichtbar wäre. Unsichtbar, rief

/Biribinker/; so wird er doch nicht unfühlbar seyn, hoffe ich? Das

nicht, antwortete /Flox/, aber da er aus gediegenen Flammen erbaut ist

----

Sie sagen mir von einem seltsamen Pallast, unterbrach ihn /Biribinker/

abermal; aber wenn er aus Flammen erbaut ist, wie kan er denn

unsichtbar seyn? Darinn besteht eben das wunderbare von der Sache,

antwortete der Kürbis; es mag nun möglich oder unmöglich seyn, so ist

es nicht anders; sie können den Pallast nicht sehen, wenigstens nicht

in dem Stande, worinn sie jetzt sind; aber gehen sie nur ungefehr zwey

hundert Schritte gerade fort, so wird die Hitze, die sie empfinden

werden, sie bald genug überzeugen, daß ich ihnen die Wahrheit sage.

Die ausserordentliche Dinge, welche /Biribinker/ bereits im Bauche

des Wallfisches gesehen hatte, (und was kan man auch im Bauch eines

Wallfisches anders erwarten als ausserordentliche Dinge?) hätten ihn

billig geneigt machen sollen, alles glaubwürdig zu finden, was man

ihm sagte; dem ungeachtet war er dißmal so eigensinnig, daß er nur

sich selbst glauben wollte. Er gieng also auf den unsichtbaren Pallast

zu; aber kaum war er hundert Schritte fortgegangen, so spürte er

bereits einen merklichen Grad von Hitze, die ihm mit einem gewissen

unsichtbaren Glanz, der ihm die Augen übergehen machte, entgegen kam.

Die Wärme und der Glanz nahmen immer zu, je weiter er fortgieng,

bis beyde in kurzem so durchdringend wurden, daß es nicht länger

auszustehen war. Er gieng also wieder zurück, und suchte seinen Freund,

den Kürbis, der ihm, so bald er ihn wieder kommen hörte, entgegen rief:

Nun, Prinz /Biribinker/, werden sie mir künftig glauben, wenn ich ihnen

etwas sage? Wenigstens begreiffen sie doch, hoffe ich, daß nichts

natürlichers seyn kan, als daß ein Pallast von gediegenen Flammen vor

Hitze unzugangbar, und vor lauter Glanz und Schimmer unsichtbar ist.

Geschichte des Prinzen Biribinker · 第 4 / 6 段