/Biribinker/ warf nur einen flüchtigen Blick auf dieses majestätische

Schauspiel, denn er gewahrte am Ende des Gartens einen Pavillion, in

welchem er seine schöne Salamandrin zu finden hofte. Er flog dahin,

und die Thüre öfnete sich abermal von selbst, um ihn durch einen

grossen Saal in ein Cabinet einzulassen, wo er niemand sah als einen

Greisen von majestätischem Ansehen, mit einem langen schneeweissen

Bart, der auf einem Ruhebette in tiefem Schlafe zu liegen schien. Er

zweiffelte nicht, daß es der alte /Padmanaba/ sey, und ob er gleich

versichert war, daß er keine Gewaltthätigkeit von ihm zu besorgen

hatte, so konnte er sich doch nicht erwehren, ein wenig zu zittern, da

er sich, mit den Absichten, die er hatte, so nah bey diesem Zauberer

und an einem Orte sah, wo alles demselben zu Gebot stund. Doch der

Gedanke, daß ihn das Schicksal nun einmal dazu ausersehen habe, die

Bezauberungen des Padmanaba zu zerstören, und das Verlangen, die schöne

Salamandrin zu sehen, gaben ihm in wenig Augenblicken seinen ganzen

Muth wieder. Er war im Begriff sich dem Ruhebette zu nähern, um sich

eines Säbels zu bemächtigen, der neben dem Alten auf einem Küssen lag,

als er merkte, daß er mit dem Fuß an etwas stieß, ob er gleich nicht

sahe, was es seyn könnte. Er stutzte, und da er die Hände zu Hülfe

nahm, so fühlte er den artigsten kleinen Fuß, der je gewesen ist, auf

einem Polster ausgestreckt. Eine so unverhofte Entdeckung machte ihn

neugierig, das Bein kennen zu lernen, dem ein so artiger Fuß zugehörte;

denn /Biribinker/ schloß in diesem Falle wie Sanct Thomas von Aquino

selbst geschlossen haben würde, nehmlich, daß, wo man einen Fuß finde,

man nach dem ordentlichen Lauf der Natur berechtiget sey ein Bein

zu erwarten. Er setzte also seine Beobachtungen fort, und entdeckte

endlich von Schönheit zu Schönheit in der unsichtbaren Figur, die er

vor sich hatte, ein junges Frauenzimmer, die in einem tiefen Schlaf

versenkt zu seyn schien, und (nach dem Zeugniß des einzigen Sinnes, der

ihm ihr Daseyn verrathen hatte, zu urtheilen) von einer so vollkommenen

Schönheit war, daß sie nichts geringers als entweder Venus oder die

schöne Salamandrin selbst seyn konnte. In dem nehmlichen Augenblick,

da er diese Entdeckung machte, ließ sich eine muntere Symphonie von

allen möglichen Instrumenten hören, ohne daß man weder Instrumente noch

Musicanten sah.

/Biribinker/ erschrack und bebte von der schönen Unsichtbaren zurück,

denn sein erster Gedanke war, daß dieses Getöse den schlafenden

Zauberer aufwecken würde; aber er entsetzte sich noch weit mehr, da er

sah, daß /Padmanaba/ verschwunden war.

Dieser Zauberer war alt genug um klug zu seyn; er wußte schon lange,

wie gefährlich ihm /Biribinker/ einst seyn würde, und die Furcht

vor einem Prinzen, der dazu gebohren schien, seine Bezauberungen

aufzulösen, war der stärkste Beweggrund gewesen, warum er seine

Residenz in des Wallfisches Bauch aufgeschlagen hatte. Allein auch

in dieser Freystatt hielt er sich und seine schöne Salamandrin, die

nun der einzige Gegenstand seiner Sorgen war, nicht für sicher genug;

und da ihm eine geheime Ahnung vorher sagte, daß ihn /Biribinker/ bis

in des Wallfisches Bauch verfolgen würde, so glaubte er nicht genug

Vorsicht gebrauchen zu können, um das Unglück zu verhüten, womit ihn

die überraschende Erscheinung eines so furchtbaren Gegners bedräute.

In dieser Absicht hatte er seine Geliebte mit einem geheimnisvollen

Talisman bewafnet, der die gedoppelte Eigenschaft hatte, sie allen

andern Augen als den seinigen unsichtbar zu machen, und so bald

er berührt wurde, eine zauberische Musik hervor zu bringen. Käme

auch Biribinker, (dachte der alte Padmanaba) aller Schwierigkeiten

ungeachtet, in den Bauch des Wallfisches, ja selbst in den unsichtbaren

Pallast, so würde ihm doch die schöne Salamandrin unsichtbar seyn;

und entdeckte er sie auch, trotz ihrer Unsichtbarkeit, so würde

doch, so bald er den Talisman berührte, das musicalische Getöse sein

Daseyn verrathen, und ihn /Padmanaba/ noch zeitig genug in den

Stand setzen, seinem Unstern zuvor zu kommen. Diese Vorsicht war

desto nöthiger, da der gute Alte seit mehrern Jahren mit einer Art

von Schlafsucht behaftet war, die ihn nöthigte, alle Tage wenigstens

sechszehen Stunden von vier und zwanzig zu verschlafen. Das geringe

Zutrauen, das ihm seine vorige Liebste zu ihrem ganzen Geschlecht übrig

gelassen hatte, bewog ihn, die schöne Salamandrin während der ganzen

Zeit seines Schlummers in einen bezauberten Schlaf zu versenken, aus

welchem niemand als er sie erwecken konnte. Der einzige /Biribinker/

würde unter gewissen Umständen und Bedingungen, die nehmliche Macht

gehabt haben, und /Padmanaba/, (so wollt es das Schicksal!) würde in

eben demselben Augenblick die seinige, wenigstens über die schöne

Salamandrin gänzlich verlohren haben; und da alles dieses während

daß der Alte schlief, gar leicht hätte begegnen können, so hatte

er den Talisman, der ihn erwecken sollte, so weißlich angebracht,

daß /Biribinker/, (in so fern man ihm auch nur eine mittelmäßige

Neugierigkeit zutrauen konnte) ihn nothwendig finden mußte.

Kaum hatte /Biribinker/, in dem nehmlichen Augenblick, da er entdeckte,

daß der schöne Fuß (der zu diesem Abentheuer Anlaß gegeben) einem eben

so schönen jungen Frauenzimmer zugehöre, den fatalen Talisman berührt,

so fieng, wie schon gemeldet worden, der Talisman zu musiciren an, und

/Padmanaba/ erwachte. Er warf, wie leicht zu erachten ist, keinen sehr

freundlichen Blick auf unsern Prinzen; allein, da er mit Gewalt nichts

gegen ihn vermochte, so blieb ihm nichts übrig, als sich auf der Stelle

unsichtbar zu machen, und mit aller nur möglichen Eilfertigkeit auf die

Verhinderung des Vorhabens bedacht zu seyn, welches er, ohne in einem

übertriebenen Grad argwöhnisch zu seyn, bey /Biribinker/ voraus setzen

konnte.

Inzwischen hatte sich dieser Prinz, dem es bey Gelegenheit nicht an

Muth fehlte, wieder aus der ersten Bestürzung erhohlt, worein ihn das

unsichtbare Concert und die Verschwindung des /Padmanaba/ gesetzt

hatten. So gefährlich als es ihm schien, in einem solchen Ort gar zu

neugierig zu seyn, so wollte er doch wissen, was aus dem alten Zauberer

geworden sey. Er suchte ihn also im Garten so wohl als in allen

Zimmern und Winkeln des Schlosses, nachdem er die Vorsicht gebraucht

hatte, sich vorher mit dem Säbel zu bewafnen, den /Padmanaba/ zurück

gelassen hatte, und auf dessen beyden Seiten er so viel talismannische

Figuren eingegraben fand, daß er sich mit diesem Gewehr vor dem

Zauberer /Merlin/ selbst nicht gefürchtet hätte. Da er aber weder den

Alten noch jemand andern finden konnte, so zweiffelte er nun nicht

länger, daß /Padmanaba/ entflohen sey, und ihm seinen Pallast und

seine Schöne zur Beute überlassen habe. In diesen Gedancken kehrte er

triumphirend zurück, warf seinen Säbel auf das Ruhebette, und sich

selbst zu den Füssen der liebenswürdigen Unsichtbaren, die er zu

seiner unbeschreiblichen Freude noch immer schlafend fand, ungeachtet

die Musik des berührten Talismans mit der angenehmsten Abwechslung

von Allegro und Andante immer fort daurte. Man weißt nicht, ob es den

zauberischen Einflüssen eines von diesen Andante, (welches in der

That nicht zärtlicher hätte seyn können, wenn es von /Jomelli/ selbst

gesetzt gewesen wäre) oder einem Zweifel, der (wie es zu gehen pflegt)

bey ihm entstund, ob er auch dem Zeugniß eines einzigen Sinnes glauben

dürfe, und ob nicht diese unvergleichliche Schöne, die er auf dem

Sopha gefunden zu haben glaubte, ein blosses Blendwerk seyn möchte,

dergleichen in bezauberten Pallästen nicht ungewöhnlich sind -- Man

weiß nicht, sage ich, ob es der einen oder der andern von diesen

Ursachen zuzuschreiben war, daß /Biribinker/ durch neue Beobachtungen

sich der Wahrheit eines so ausserordentlichen Phänomenons zu versichern

anfieng. In kurzem fügte er auch noch Versuche hinzu, und beydes so

wohl, als die heftigste Symptomen einer Leidenschaft, die in kurzem

bis zum äussersten Grad der Schwärmerey und des Taumels stieg, liessen

ihm endlich keinen Zweiffel mehr übrig, daß er würklich die schöne

Salamandrin in seinen Armen habe, deren sichtbare Gestalt ihn in den

Zimmern des Pallasts so sehr entzückt hatte. Dieser Gedanke, und das

bezaubernde Colorit, womit sein Gedächtniß die Unvollkommenheit des

fünften Sinnes ergänzte, dessen er sich alleine bedienen konnte, setzte

ihn zu sehr ausser sich selbst, als daß er sich in diesen Augenblicken

seines geliebten Milchmädchens, seiner Entschliessungen, und der

Warnungen des Kürbis hätte erinnern können. Kurz, er wurde immer

kühner, und die zunehmende Dunkelheit des Zimmers, die er für eine

Aufmunterung seiner Unternehmungen hielt, mit der Musik des Talismans,

welche immer zärtlicher wurde, war in der That nicht geschickt, seine

Entzückung auf einen mäßigern Grad herab zu stimmen. Es findet sich

hier eine abermalige kleine Lücke in dem Original dieser merkwürdigen

Geschichte, deren Ausfüllung wir den /Bentleys/ und /Scribleris/

unserer Zeit überlassen wollen, ohne uns auch nur mit Vermuthungen über

den Innhalt derselben aufzuhalten. /Biribinker/, fährt die Geschichte

fort, erwachte eben aus einer Betäubung, welche gewissen Indianischen

Philosophen so angenehm zu seyn scheint, daß sie in eine immerwährende

Dauer derselbigen den höchsten Grad der Glückseligkeit setzen, als

er gewahr wurde, daß die schöne Unsichtbare alle seine Liebkosungen

mit ungemeiner Lebhaftigkeit erwiederte. Er schloß hieraus, daß

sie erwacht seyn müsse, und unterließ nicht, ihr in der erhabenen

Sprache, die er sich im Bienenstock der Fee /Melisotte/ angewöhnt

hatte, alle die zärtlichen Sachen vorzusagen, welche Cristalline und

Mirabella in ähnlichen Umständen von ihm gehört hatten. Die Unsichtbare

beantwortete diese schönen Erklärungen, Lobsprüche, Ausruffungen und

Betheurungen mit Seufzern, Verkleinerung ihrer Reitzungen und Zweiffeln

an seiner Beständigkeit, die ein weniger entzückter Liebhaber als es

/Biribinker/ war, hätte unzeitig und im Mund einer so liebenswürdigen

Person unnatürlich finden können. Allein der Prinz, der in diesen

Augenblicken gar nicht aufgelegt war Schlüsse zu machen, begnügte

sich bloß, in dem gewöhnlichen Wege, wie man dergleichen Zweiffel zu

zerstreuen pflegt, die Beweise seiner Zärtlichkeit zu verdoppeln.

Sie gab ihm alle Aufmerksamkeit, die er nur immer wünschen konnte,

ohne desto besser überzeugt zu seyn. Haben sie nicht, sagte sie ihm,

Mirabellen und Cristallinen eben so geliebt wie mich? Haben sie nicht

einer jeden von ihnen eben so viel zärtliches vorgesagt, eben so viel

Betheurungen gemacht, eben so viele Beweise gegeben, ohne daß weder

die eine noch die andere, so reitzend sie ihnen auch in der ersten

Berauschung ihrer Sinnen vorkamen, fähig war, über das Milchmädchen,

das sie sich in den Kopf gesetzt haben, nur einen einzigen Tag lang

die Oberhand zu behalten. Ach! /Biribinker!/ das Schicksal meiner

Vorgängerinnen sagt mir nur allzu deutlich, was das meinige seyn

wird; und wie können sie verlangen, daß ich bey einer so traurigen

Gewißheit, sie in wenigen Stunden wieder zu verlieren, gleichgültig

bleiben soll? /Biribinker/ antwortete ihr hierauf mit den lebhaftesten

und feyerlichsten Versicherungen einer ewigen und eben so unbegrenzten

Liebe, als es ihre Reitzungen seyen. Er behauptete, daß sie sich

selbst beleidige, indem sie sich mit den beyden Feen vergleiche, die,

wie er sagte, nicht liebenswürdig genug gewesen waren, ihm etwas mehr

als einen flüchtigen Geschmack beyzubringen, und schwur ihr bey allen

Liebesgöttern, daß von dem Augenblick an, da er das Glück gehabt habe,

ihr Bild im grossen Saal zu erblicken, das Milchmädchen, welches sie

in so unnöthige Besorgnisse setze, nicht mehr Gewalt über sein Herz

gehabt habe, als ein jedes anders Milchmädchen in der Welt. Diese

Versicherungen beruhigten die schöne Unsichtbare nur schwach, und

/Biribinker/ sahe sich genöthigt alle seine Figuren zu erschöpfen, um

die Hartnäckigkeit ihres Unglaubens zu überwinden. O! rief er, schönste

Unsichtbare, warum kan ich nicht den ganzen Erdkreiß und alle vier

Elemente mit ihren Bewohnern auf einmal zu Zeugen der unveränderlichen

Treue machen, die ich ihnen schwöre! -- Wir alle sind Zeugen, rief eine

Menge von weiblichen und männlichen Stimmen, die ihm von Personen, die

um ihn herum stunden, in die Ohren schallten. /Biribinker/, der wohl

nicht vermuthet hatte, daß man ihn beym Wort nehmen würde, fuhr mit

einiger Bestürzung auf, und wollte sehen, woher diese Stimmen kämen;

aber o! Himmel! welche Zunge könnte beredt genug seyn, die Bestürzung

und das Entsetzen auszudrücken, worein ihn der Anblick setzte, den eine

plötzliche Erheiterung des Zimmers seinen weit ofnen Augen darstellte?

Er sah, o! Wunder! o! Abentheuer! o! schreckenvoller Anblick! er sahe

sich in eben dem Cabinet, welches schon zweymal ein Zeuge seiner

treulosen Unbeständigkeit gewesen war; an statt der schönen Salamandrin

fand er sich in die Arme der häßlichen /Gnomide/ verwickelt, welcher

er vor etlichen Stunden den Preiß zuerkannt hatte; und was seine

Beschämung und seinen Schmerz hätte tödlich machen mögen, er sah sich

um und um von allen denjenigen umgeben, die er sich am wenigsten zu

Zuschauern wünschen konnte, und sie waren grausam genug, in eben dem

Augenblick, da er sich mit grauemvollem Eckel aus den Armen seiner

mißgeschafnen Schönen loß wickeln wollte, in ein so lautes Gelächter

auszubrechen, daß der ganze Pallast davon wiederhallte. Zur Rechten des

Ruhbettes sahe er (o! wie gern hätte er sich in diesem Augenblick blind

und unsichtbar zu seyn gewünscht!) die Fee /Cristalline/, welche den

kleinen /Grigri/ an der Hand hatte; zur Linken die schöne /Mirabella/

mit ihrem geliebten /Flox/, der in der That als Salamander eine bessere

Mine hatte als in der Gestalt eines dicken Kürbis; aber was die Qual

des unglücklichen /Biribinkers/ auf den äussersten Grad vermehrte, war

der Anblick der Fee /Caprosine/ mit seinem schönen /Milchmädchen/, und

des alten /Padmanaba/ mit der schönen /Salamandrin/ an der Hand; welche

beyderseits auf einer goldfarbigen Wolke, die von kleinen Sylphen

getragen wurde, sassen, und mit höhnischem Lächeln auf ihn hinunter

sahen. Glück zu! Prinz /Biribinker/, sagte die Fee /Cristalline/;

in der That, nun vergebe ich ihnen, daß sie so ungedultig von mir

wegeilten; wer einer solchen Eroberung zueilt, kan sich nicht genug

beschleunigen. Sie erinnern sich noch wohl, Prinz /Biribinker/, nahm

jetzt /Grigri/ das Wort, daß ich eben keine Ursache habe mich ihnen

verpflichtet zu glauben; denn wenn es an ihnen gelegen wäre, so möchte

ich wohl ewig eine Hummel geblieben seyn; aber es wäre zu grausam,

ihrer in den Umständen, worinn sie sind, noch zu spotten. Sehen sie

selbige als eine Strafe an, die sie in mehr als einer Betrachtung

verdient haben. Wenn auch die Schöne, bey der wir sie auf eine so

unvermuthete Art überraschten, ihrer nicht von allen Seiten so würdig

wäre, als sie ist, fuhr /Mirabella/ mit einer boßhaften Mine fort, so

haben sie wenigstens den Vortheil, daß sie keine /Preciöse/ ist. Was

mich betrift, setzte der /gewesene Kürbis/ hinzu, so könnte ich zwar

bedauren, daß ich meine wieder erlangte Gestalt und den Besitz der

schönen /Mirabella/ ihrem Unglück zu danken habe; allein nachdem ich

als Kürbis großmüthig genug gewesen war, sie vor den Folgen einer neuen

Untreue zu warnen, so werden sie mich nicht verdenken können, wenn ich

mich als Salamander erfreue, daß sie meine Warnungen verachtet haben.

Siehe, unglücklicher, aber mit Recht bestrafter /Biribinker/, meckerte

jetzt die Fee /Caprosine/, wiewohl dich /Caramussal/ gegen meinen Zorn

geschützt hat. Siehe hier die liebenswürdige Princeßin /Galactine/,

die du als Milchmädchen liebtest, und deren Besitz ein allzu günstiges

Schicksal, alles meines Hasses ungeachtet, dir zugedacht hatte, wenn

du durch eine dreymal wiederhohlte Untreue dich ihrer nicht selbst

unwürdig gemacht hättest. Wenn Mitleiden dir helfen könnte, armer

Prinz, sagte das schöne Milchmädchen, so würdest du, so wenig du es

auch von mir verdient haben magst, weniger unglücklich seyn; denn ich

sehe wohl, daß deine Strafe härter ist als dein Verbrechen, und daß

die Feen und Zauberer wenigstens eben so viel Schuld an deinem Unfall

haben, als du selbst.

Bey diesen Worten sahe der allzu unglückliche /Biribinker/ auf, heftete

einen Blick voll unbeschreiblicher Empfindungen auf sein geliebtes

Milchmädchen, und sank mit einem Seufzer, worinn er seine Seele

auszuhauchen schien, wieder zurück, ohne das Vermögen zu haben, nur

ein Wort hervor zu bringen. Lerne, rief ihm der alte /Padmanaba/ von

der andern Seite zu, lerne, bewundernswürdiger /Biribinker/, seltnes

Muster der Weißheit und der Beständigkeit, daß der alte /Padmanaba/

nicht alt genug ist, deine Verwegenheit unbestraft zu lassen; und möge

deine Geschichte, in immerwährender Zeitfolge von einer Amme der andern

überliefert, der späten Nachwelt zum Beispiel dienen, wie gefährlich es

ist, den grossen /Caramussal/ um sein Schicksal zu befragen, und vor

seinem achtzehnten Jahr ein Milchmädchen zu sehen.

Kaum hatte /Padmanaba/ den Mund wieder zugethan, so hörte man auf

einmal ein fürchterliches Donnern, mit Sturmwind und Blitzen begleitet,

wodurch der ganze Pallast, wie in einem Erdbeben erschüttert, und die

ganze Gesellschaft, den einzigen verzweiflungsvollen /Biribinker/

ausgenommen, in Furcht gesetzt wurde! Denn selbst der alte Padmanaba

merkte, daß dieses Ungewitter von einer Macht herkomme, die der

seinigen überlegen war. Auf einmal flog die Decke des Zimmers und

das ganze Dach des Pallasts hinweg, und man sah, unter Donnern und

Blitzen, den grossen /Caramussal/, auf einem Hippogryfen sitzend,

herab steigen, und zwischen der Fee Caprosine und dem alten Padmanaba

seinen Platz auf einer Wolke nehmen. Der Prinz /Biribinker/ ist genug

gestraft, rief /Caramussal/ mit majestätischer Stimme; das Schicksal

ist befriediget, und ich nehme ihn in meinen Schutz. Verschwinde,

nichtswürdiger Wechselbalg, fuhr er fort, indem er die /Gnomide/ mit

seinem Stab berührte, und sie, Prinz Biribinker, wählen sie unter

diesen vier Schönen, welche sie wollen; die Salamandrin, die Sylphide,

die Ondine, oder die Sterbliche; diejenige, so ihr Herz wählen wird,

soll ihre Gemahlin seyn, und sie von der Unbeständigkeit heilen, die

bisher, wie man gestehen muß, ihr Fehler gewesen ist -- /Padmanaba/

würde, vor Verdruß über eine so unerwartete Entwicklung, gerne mit den

Zähnen geknirscht haben, wenn er welche gehabt hätte. Was die Schönen

betrift, so hatten sie alle ihre Augen mit Erwartung auf den Prinzen

geheftet, und besonders sahe man der jungen Salamandrin, die noch kein

Wort gesprochen hatte, ganz deutlich an, daß sie lieber gesehen hätte,

wenn der alte /Padmanaba/, an statt die garstige Gnomide an ihren Platz

zu schieben, ihr erlaubt hätte, ihre eigene Stelle selbst zu vertreten.

Aber /Biribinker/, der in einem Augenblick von dem äussersten Grad der

Schaam und der Verzweiflung auf den höchsten Grad der Glückseligkeit

übergieng, bedachte sich keinen Augenblick, wie er wählen wollte. Ob

gleich die elementarischen Damen sein Milchmädchen an Schönheit weit

hinter sich zurück liessen, so konnten doch alle ihre Reitzungen in

Gegenwart seiner geliebten Galactine mehr nicht als einen flüchtigen

Blick von ihm erhalten. Er warf sich vor dieser anmuthsvollen Creatur

nieder, und bat mit den Ausdrücken einer so aufrichtigen Reue, einer

so wahren Liebe um die Vergebung seiner Schuld, daß sie nicht so

unbarmherzig seyn konnte, ihm nicht wenigstens die Hofnung, daß sie

sich noch erbitten lassen werde, zu erlauben. /Caramussal/, dem er sich

gleichfalls zu Füssen warf, hob ihn auf, nahm ihn bey der Hand, und

führte ihn der Princeßin Galactine zu.

Empfangen sie hier, liebenswürdige Princeßin, den Prinzen /Cacamiello/

von meiner Hand, denn dieses ist nunmehr sein Name, da die Absichten,

warum ich ihm den andern geben ließ, erfüllt sind; /Biribinker/ und

/Milchmädchen/ sind nun nicht mehr, und nachdem beyde dem Eigensinn

ihres Gestirns genug gethan, und der Feerey ihre Gebühr bezahlt haben,

so bleibt mir nichts übrig, als den Prinzen /Cacamiello/ seinen

königlichen Eltern zurück zu geben, und durch ein ewiges Band mit der

Prinzeßin /Galactine/ zu vereinigen.

Ihr, schöne Feen, fuhr er fort, indem er sich zu Cristallinen und

Mirabellen wandte, habt, wie ich hoffe, Ursache mit mir vergnügt zu

seyn, da ihr durch meine Veranstaltung eure Gestalt und eure Liebhaber

wieder erhalten habt; weil es aber unbillig wäre, daß ich allein leer

ausgienge, so entlade ich hier den alten /Padmanaba/ aller seiner

Sorgen, indem ich die schöne Salamandrin, die bey ihm nichts zu thun

hat, als unsichtbar zu seyn und zu schlafen, zur Belohnung meiner Mühe,

für mich selbst behalte.

Mit diesen Worten schlug der grosse /Caramussal/ mit seinem Stabe

dreymal in die Luft, und auf einmal befand er sich mit dem Prinzen und

der Princeßin im Cabinet des Königs, der, wie man denken kan, eine

grosse Freude hatte, seinen Sohn und Erben so groß und schön mit einer

so schönen Princeßin und mit einem so schönen Namen wieder zu sehen.

Bald darauf wurde das Beylager mit grosser Feyerlichkeit und Pracht

vollzogen; das neue Ehepaar liebte sich so lange als es konnte, und

zeugete Söhne und Töchter; und nachdem endlich der alte König in

die /neunzehnte Welt/ abgereißt war, so regierte König /Cacamiello/

so weißlich an seiner statt, daß die Unterthanen keinen Unterschied

spürten.

Er machte seinen Freund /Flox/, zur Belohnung der guten Dienste, die er

ihm als Kürbis geleistet hatte, zu seinem ersten Vezier, und die schöne

/Mirabella/ nebst der Fee /Cristalline/ unterliessen niemals bey Hofe

zu erscheinen, so oft die Königin in die Wochen kam.

Sie brachten jedesmal den kleinen /Grigri/ mit, welcher, ungeachtet

seiner Häßlichkeit, bey den meisten Hof-Damen einen Beyfall erhielt,

der ihren Liebhabern nicht gleichgültig war.

Das muß man gestehen, sagten sie alle aus

einem Munde, daß /Grigri/ mit aller

seiner Häßlichkeit der kurzweiligste

Gesellschafter von der

Welt ist!

[Illustration: Ende]

Geschichte des Prinzen Biribinker · 第 6 / 6 段