Ich sagte: »Landwirt.«

»Na, dann können wir dich ja gleich zum Oberinspektor machen.« Der

Steuermann bedeutete mir, ihm zu folgen. Ich war sehr neugierig, was das

für eine Würde wäre. Dann hielten wir am Schweinestall.

»Gewiß, das kann ich machen.«

»Und dann bist du ferner noch Direktor der Steuerbord- und

Backbord-Apotheke.«

Darunter versteht man, wie ich bald erfuhr, einen Ort, den sich jeder

allein denken mag.

[Illustration: Wie eine Takelage von Deck aussieht.]

Ich hatte mich dort mit der Kanalisierung vertraut zu machen, daß die

immer klar wäre. Die Schweine durfte ich nicht herauslassen, sondern

mußte zu ihnen hinein. Das eine Schwein schubberte sich stets an meiner

Seite ab, wenn ich mit Eimer und Schrubber einstieg, um Reinlichkeit zu

verbreiten. Das Schmutzwasser lief beim Scheuern in die Stiefel. Ich sah

schlimmer aus, als die Schweine selbst. Seife und Wasser mußten gespart

werden. Zwei Paar Beinkleider hatte ich nur zum Wechseln. Jeder gab mir

einen Fußtritt, weil ich so wie ein Schwein aussah. Dazu die »Apotheke«!

Kurz, ich war mir selbst übel.

Nach dem Mast wagte ich mich nicht hinauf, machte höchstens die ersten

Versuche zum Mars. Ich klammerte mich auf jeder Stufe fest, glaubte,

obwohl es gar nicht hoch war, in schwindelnder Höhe zu stehen, und rief,

sie sollten mal gucken, was ich für ein couragierter Kerl wäre! Aber das

Klettern machte wenig Fortschritte, bis einst ein Matrose mir sagte:

»Was du kannst, kann auch eine alte Köchin.«

Das verletzte meinen Ehrgeiz. Lieber »von oben kommen«,[4] als das noch

einmal hören!

Dazu sah ich, wie die anderen Jungs oben herumwippten. Wir lagen vor

Cuxhaven vor Anker und warteten auf günstigen Wind. So hatte ich noch

Gelegenheit, mich bei ruhigem Wetter an die Masten zu gewöhnen, und

zwang mich mit aller Gewalt: »Rauf.«

[Illustration: »... und zwang mich mit aller Gewalt: >Rauf<.«]

Wenn ich abends Wache an Deck ging, 4 Stunden Wache und 4 Stunden Schlaf

abwechselnd, und ich sah in Cuxhavens Straßen die Kinder spielen, dann

überkam mich das Heimweh. War ich selbst doch noch ein halbes Kind. Kein

Mensch, der mich verstand, und mit dem ich mich aussprechen konnte. Ich

fühlte mich verlassen, und der abgeschüttelte Druck der Schule ward

vergessen über der verlorenen Schönheit des Elternhauses.

Endlich kam guter Wind, die Segel wurden gesetzt, und wir nahmen Kurs

auf Australien. Zehn Tage, nachdem ich von zu Hause weg war, verließen

wir die deutsche Heimat. Bald hatten wir den Kanal hinter uns und

schwammen auf dem Atlantik, und die guten Eltern glaubten immer noch,

ich verlebte meine berechtigten Ferien bei den Verwandten.

Das war ein hartes Schiff, was ich unter den Füßen hatte; viel Keile

gab's und wenig Brot. Die Speisekarte des »Fürsten Bismarck« fand ich

nirgends vor. An Stelle des Frühstückskaffees gab es Wutki; darin wurde

das Hartbrot aufgeweicht. An das scharfe Salpeterfleisch habe ich mich

auch nur langsam gewöhnt.

Allmählich verwuchs ich mit meinem Beruf und mit dem Schiff und lernte

einiges von der Sprache der Besatzung. Der Steuermann war mir

wohlgesinnt, der Kapitän aber mein Feind, der Feind aller Deutschen.

Trotzdem war ich bestrebt, auch ihn für mich zu gewinnen.

[Illustration: Äquatortaufe auf »Seeadler«.]

Ein wichtiger Einschnitt im Leben des Seemannes ist die Äquatortaufe,

die jeder, der zum erstenmal den Trennungsstrich der beiden Erdhälften

überfährt, empfängt. Am Abend vorher künden bereits große Vorbereitungen

die Wichtigkeit dieses Ereignisses an. Am Bug des Schiffes, wo eine

Plattform gelegt ist, kommen graue Gestalten herauf und rufen: »Schip

ahoi! Wie heet dat Schip?« »Niobe.« Der Kapitän ruft hinüber: »Kommt mal

her!« In ihrem Meereskostüm klettern die Gestalten an Seilen hoch, als

wenn sie aus dem Meer tauchten. Es ist Neptun mit seinen Gesandten und

Kundschaftern, durch die er feststellen läßt, wer das Schiff ist und wie

die Täuflinge heißen, die schmutzig von der Nordseehälfte zum erstenmal

in seine Gewässer kommen. Eine Liste wird ihm überreicht; er dankt und

geht mit seiner Gefolgschaft wieder in die Tiefe bis zum nächsten Tag.

Da kommt er wieder, um die Taufe zu überwachen, weißbärtig, mit

Dreimastszepter, in einem Talar, der von Meerschlinggewächsen

überwuchert ist, hinter ihm seine Frau in prächtiger Aufmachung und dann

der Pastor, der Friseur, der die Täuflinge rasiert, da er den

Erdenschmutz von ihnen abkratzen soll. Ihm folgt der Einseifer mit einer

Rasierquaste und einem Teerpott. Zuletzt kommt die Polizei in Gestalt

von Negern. Aufs würdigste wird Neptun von dem Kapitän begrüßt. Die

Täuflinge müssen Aufstellung nehmen und an ihm vorbeiziehen, damit er

prüfen kann, ob sich keiner versteckt hat, und noch einmal untersucht

die schwarze Polizei gründlich das Schiff. Eine Riesenbalge steht an

Deck, das sogenannte Taufbecken, mit einem langen Sitzbrett darauf.

Einzeln werden die Täuflinge herangeführt; der Pastor liest jedem eine

Epistel vor über das, was geschieht, und fragt sie, ob sie die

Taufgelübde halten wollen. Beim jedesmaligen »Ja« wird dem Täufling die

Teerquaste durch den Mund gezogen und dann mit den großen

Rasierholzmessern der Teer abgekratzt. Darauf zieht man das Sitzbrett

plötzlich unter ihm los, und der Täufling fällt hinterrücks in die

Balge, wo er noch sechsmal untergetaucht wird. Damit ist der Taufakt

beendet, über den ein Schein ausgestellt wird, und der nächste Täufling

steht zur selben Prozedur bereit.

Den ganz naiven Jungs gibt man auch noch ein Fernrohr, über dessen Glas

ein Haar gezogen ist, das sie dann, wenn sie hindurchsehen, für den

Äquator halten.

In früheren Jahren soll die Taufzeremonie in dem sogenannten »Kielholen«

bestanden haben. Mit einem Tau wurden dem Täufling die Füße

zusammengebunden, ein Tauende wurde um seine Arme geschlungen, das

andere um das Schiff herumgenommen und der Täufling unter dem

Schiffskiel hindurchgezogen, zuweilen drei- bis viermal. Diese grausame

Prozedur, bei welcher mancher Täufling durch Haie den Tod fand, ist, wie

mir die Kameraden erzählten, mit der Zeit zu der jetzigen Form der

Äquatortaufe abgemildert worden.

Neptun hat aber bei mir offenbar eine gründlichere Taufe für nützlich

gehalten.

Eines Tages, als wir schweren Sturm gehabt hatten, auf welchen starke

Dünung folgte, war alles, bis auf Sturmsegel festgemacht, und die

Obermarssegel sollten gesetzt werden, damit das Schiff ruhiger läge.

Ich wollte dem Kapitän zeigen, wie schnell ich das könnte und begab mich

nach oben, das Segel loszumachen. Da vergaß ich das Wort des alten

Pedder: »Eine Hand fürs Schiff und eine Hand für dich,« das Segel

schießt infolge eines Windstoßes los wie ein Ballon, ich verliere den

Halt, falle hintenüber, will mich halten, an dem halb aufgeschossenen

Seising. Das Tau saust mir durch die Hände, verbrennt sie, und ich falle

über Bord, dicht an der Bordwand entlang, an welcher ich also um ein

Haar zerschmettert wäre. Meine Mütze fiel noch auf Deck.

[Illustration: Wer kennt die Taue?]

Das Schiff sauste mit acht Meilen Fahrt davon. Ich komme am Heck hoch,

im Kielwasser, das mich umdreht, sehe eine mir nachgeworfene

Rettungsboje und höre noch den Ruf: »Mann über Bord«, dann verschwand

ich im Wassertal und sah nichts mehr von dem Schiff.

Als ich nach Minuten, die einer Ewigkeit glichen, wieder hochgeworfen

wurde, erblickte ich das Schiff weitab. »Das Schiff kriegst du nicht

wieder, aber vielleicht kommt ein anderes.« In solch unbegreiflichen

Hoffnungen wiegte einen der liebe Wunsch zu leben. Als ob gerade auf dem

weiten Ozean ein Schiff da entlang kommen müßte, wo ich ins Wasser

gefallen war.

Um mich her flatterten die Albatrosse, jene riesigen Seevögel, die immer

des Glaubens sind, alles, was im Wasser liegt, sei für sie zum Fressen

da. Sie stießen auf mich zu, einer, der dicht an mir vorbeistrich,

kriegt mich mit dem Schnabel an der ausgestreckten Hand zu fassen, ich

will ihn festhalten ... in der Angst des Ertrinkens klammert man sich an

allem fest, sogar an einem Vogel ... da hackt er mir jene tiefe Wunde,

deren Narbe ich noch als Andenken an jenen Kampf im Wasser trage, in die

Hand.

Ich löste die Stiefel und das Ölzeug von mir; der Sweater aber, der sich

vollgesogen hatte, ging nicht ab. Da fielen mir die Worte meiner Mutter

ein, die einmal, als ich von meiner Neigung zur See sprach, gesagt

hatte: »Da hast du dir den richtigen Beruf erwählt; du wirst nichts

weiter werden als Haifischfutter.« Als mir jetzt beim Wassertreten diese

Worte durch den Sinn gingen, stieß ich zufällig mit dem einen Fuß gegen

den andern. Mich durchzuckte die Vorstellung, das wäre ein Hai, der mich

faßte. Das traf mich wie ein Nervenschlag. Ich wußte nicht mehr, wie mir

geschah und was vor sich ging, bis ich plötzlich auf einem Wellenkopf

hoch über mir ein Boot sah, das im gleichen Augenblick schon tief unter

mir vorbeiglitt. Ich schrie: »Hier, hier.« Es war der Steuermann.

Bald saß ich zitternd im Bug des Bootes, und die stämmigen Matrosen

ruderten zum Schiff zurück. Blutüberströmt von meiner Wunde erzählte ich

dem Steuermann den Zweikampf im Wasser. Da meinte er, den Albatrossen

hätte ich mein Leben zu verdanken, denn sie allein hätten ihm angegeben,

wo ich war. Man hatte zuerst den Rettungsgürtel gefunden, dann mich.

Die Matrosen waren sichtbar erfreut, mich gerettet zu haben, und selbst

dachte ich bei mir, wie wird sich erst der Kapitän freuen, daß er mich

wieder hat. Er geht auf dem Achterdeck hin und her, siedend vor Wut. Er

schreit mir entgegen: »Du verfluchter Deutscher, ich wollte, du wärest

versoffen. Sieh, wie die Segel kaputtgegangen sind durch deine

Untauglichkeit.«

Wir kamen längsseit des Schiffes, aber jetzt begann erst die

Hauptaufgabe, das Boot wieder an Bord zu bringen. Wenn das Schiff

herunterstampfte, wurde das Boot hochgedrückt, und wenn das Schiff

hochging, wurde das Boot nach unten gezogen. So tanzte es immer hin und

her, und man bemühte sich vergebens, die Bootstaljen hineinzubekommen.

Ich war so aufgeregt, daß ich, wie das Boot höher als die Reeling stand,

hinübersprang auf Deck und bewußtlos zusammenbrach.

[Illustration: Schwere See.]

Den Seeleuten gelang es nicht, an Bord zu kommen. Das Boot wurde

zertrümmert, die Mannschaft sprang ins Wasser und kletterte an

zugeworfenen Tauen an Bord.

Der Kapitän nahm eine Flasche Wutki, preßte sie mir zwischen die Zähne

und rief: »Hier sauf, du deutscher Hund.« Am nächsten Tage war ich beim

Aufwachen ganz benommen und habe von diesem Schreckenstag noch heute

einen leichten Tatterich. Der Kapitän, als er mich am andern Morgen noch

in der Koje fand, haute mich heraus mit den Worten: »Ob ich zum Fressen

und Schlafen an Bord sei,« obwohl ich kaum aufrecht stehen konnte.

Mir wurde erzählt, als ich über Bord fiel, hätte der Steuermann gerufen:

»Freiwillige ins Boot.« Aber der Kapitän hätte mich nicht retten lassen

wollen; er hatte das auch nicht nötig, denn nach den Bestimmungen

braucht er von sich aus kein Boot auszusetzen, wenn er glaubt, daß dabei

andere gefährdet werden. Er hatte mit einer Harpune dagestanden und den

Steuermann bedroht: »Wenn du das Boot herunterlässest, stoße ich dir die

Harpune in den Bauch.« Aber der hatte sich einfach umgedreht: »Ich habe

meine Freiwilligen, stoß zu,« und fuhr ab. Das hatte die Wut des

Kapitäns noch gesteigert.

Der Kurs ging um das Kap der Guten Hoffnung, und endlich kamen wir nach

Australien. Meine erste Seereise war vollendet. Ein harter Anfang. Aber

zurück zur Schule? Nein. Ist man schon ein Lausbub, soll man nicht

andern zur Last fallen. Lieber zusehen, was sich eben mit eigener Kraft

aus dem Leben machen ließ.

[1] Aus der Seemannssprache in Landdeutsch übersetzt: er paddelte mit

einem Ruder (Riemen = Ruder), hinten im Boot stehend, durch

schraubenähnliche Bewegung.

[2] Lohn.

[3] D. h.: Wenn du oben in der Takelage arbeitest, halte dich immer mit

der einen Hand fest.

[4] Seemännischer Ausdruck für Abstürzen.

Zweites Kapitel.

Auf der Suche nach einem passenden Beruf.

In Freemantle ging ich viel an Land und bereitete mich zu einem

Fluchtplan vor. Geld verdiente ich ja keins. Auch hatte ich mir

Australien interessanter vorgestellt, lauter Neger mit Pfeil und Bogen

und Palmen dort erwartet. Der Anblick einer kahlen, langreihigen Stadt

wie Freemantle enttäuschte mich.

Ich sah auch ein deutsches Schiff dort und hörte, wie gut es die Leute

darauf hätten. Es tat mir wohl, mich wieder mit Deutschen unterhalten zu

können. Die Landsleute luden mich gelegentlich ins Hotel Royal ein. Dort

schüttete ich der Tochter des Hauses mein Herz aus: Ich wäre ein freier

Mann und wollte von dem abscheulichen Russen ausreißen, ihr Vater sollte

mir helfen.

Der Vater sagte: Ja, ich könnte aber höchstens als Tellerwäscher

bleiben.

Ich antwortete, auf dem Schiff hätte ich so vielerlei gemacht und auch

das. Ich würde bleiben.

Ich erhielt ½ Schilling am Tag, freie Station und Kleidung.

Deutsche Kameraden halfen mir, meine Seekiste von Bord zu schmuggeln

gerade am Tag, bevor die »Niobe« in See ging. Die Flucht gelang. Der

russische Kapitän übte sein Recht, mich durch die Polizei suchen zu

lassen, nicht aus.

Nun war ich in meinem neuen Beruf. Ich merkte aber bald, daß er nicht

für mich war.

Das Seemännische sagte mir doch mehr zu.

Meine Feierabendstunden benutzte ich dazu, die Heilsarmee aufzusuchen.

Selten hat mich etwas so überrascht und angezogen, wie ihre Gesänge.

Auf ihrer Station besaß die Heilsarmee ein Grammophon, das ich nie

vorher gesehen hatte.

Ich komme hierher nach Australien, um ein Land mit wilden Menschen zu

sehen, und finde ein solches zivilisiertes Teufelsding. Ich denke immer,

da sitzt doch einer darunter, der den Kopf im Kasten hat, denn das

Grammophon stand auf einem Tisch.

Ich muß ausfindig machen, wer da spricht, und wie er das machte, gucke

wie verrückt darauf. Nun zeigt es sich, daß, wenn man von der Heilsarmee

als »Seele« aufgenommen wird, man auf die vorderste Bank zu sitzen

kommt, während die bloßen Zuschauer die hinteren Reihen füllen. Ich

lasse mich also mit einem Kameraden vom deutschen Schiff zusammen als

Seele aufnehmen. Ich überzeuge mich dann, daß niemand unter dem

Grammophon saß. Bei der Aufnahme versprach ich natürlich auch, keinen

Alkohol zu trinken.

Die ganze Geschichte gefiel mir aber so, daß ich meinen Beruf als

Tellerwäscher aufgab und zur Heilsarmee überging. Da ich nun frommen

Boden betrat, glaubte ich die Wahrheit sagen zu müssen und gab an, ich

wäre ein Graf. Da benutzte man mich gleich als Reklameartikel.

Es hieß nun: »_We saved a German count. Before he came here, he drank

whisky like a fish water._« (Wir haben einen deutschen Grafen gerettet.

Bevor er hierher kam, hat er Schnaps getrunken, wie ein Fisch Wasser.)

Da kamen die Leute aus der Stadt und wollten den Grafen sehen.

Ich mußte zuerst mit Mottenpulver arbeiten und die durch wohltätige

Leute geschenkten Kleider einmotten.

Da ich rasch Englisch lernte, erhielt ich dann eine höhere Aufgabe. Ich

hatte die für die verschiedenen Staaten Australiens einzeln gedruckten

»Kriegsrufe« nach ihrem Erscheinen durchzuarbeiten und herauszusuchen,

wieviele Seelen Kapitän Soundso gerettet hatte usw. Nach sechs Wochen

bekam ich eine Uniform und verkaufte »Kriegsrufe«, die ich glänzend los

wurde. Ich dachte: »Hier kannst du ja auch Kapitän werden von der

Heilsarmee!« Die Menschen waren gut zu mir. Den Alkohol, den ich kaum

kannte, zu entbehren, wurde mir auch nicht schwer. Aber ich wurde

furchtbar in Versuchung geführt mit Limonade. Kaum betrat ich mit meinem

»Kriegsruf« eine Wirtschaft, so riefen die Leute: »_Halloh, count! Do you

like a ginger-ale?_« (Graf, nehmen Sie eine Ingwer-Limonade?) Ich

antwortete: »_Yes, behind the bar._« (Ja, aber hinter dem Schenktisch),

denn ich glaubte irrigerweise, es wäre Alkohol, da es so gut schmeckte.

Und so machte ich den Leuten großen Spaß, ohne recht zu wissen wodurch.

Es kam aber die Zeit, da ich mir sagte, das ist doch nichts solch ein

frommer Kapitän oder Leutnant; du willst doch lieber Seemann werden. Ich

legte das den guten Leuten dar, und sie waren auch einverstanden. Da ich

aber noch so jung wäre, bemühten sie sich, für mich etwas Verwandtes zu

finden. Und wirklich! Nach drei Tagen war ich Leuchtturmwärterassistent

auf Cape Lewien.

Assistent, das klang ganz fein. Und Leuchtturm? Auf einem Leuchtturm

sitzen, wenn die Schiffe in tosendem Sturm vorbeifliegen, das war mein

Ideal.

Ich wußte ja, wie es dann an Bord aussah.

Also die Heilsarmee tat ihr Bestes und rüstete mich noch rührend aus mit

tadellosen Anzügen, Wäsche und dergleichen.

Ich fuhr mit einer Postkutsche von Freemantle nach Port Augusta. In Cape

Lewien wurde ich auf das herzlichste empfangen.

Jeder der drei Leuchtturmwächter bewohnte ein Häuschen an der Klippe,

die hundert Meter hoch war und steil abfiel zum brausenden Meer. Der

Leuchtturm hatte sein Fundament dicht über Wasser, aber das Licht stand

in Höhe der Klippe, damit man es bei diesigem Wetter besser sehen

konnte.

Ich bewunderte alles, und meine Pflichten wurden mir mitgeteilt. »Das

Fensterputzen, das ist ein bißchen langweilig, und dann wird das

Gewichtaufwinden deine Aufgabe sein. Am Tage kannst du oben sitzen und

Nachricht geben, wenn ein Schiff signalisiert.«

Mir wurde ein kleines Zimmer angewiesen, sauber und nett. Jeder Wärter

bezahlte 3 Pence für mich, zusammen also 9 Pence, das war mehr, als ich

bisher verdient hatte. Ich war nicht wenig erstaunt, als ich die vielen

Scheinwerfer sah, die Tausende von geschliffenen Gläsern des Reflektors.

Da hatte ich nun allerdings beim Putzen fast den ganzen Vormittag zu

tun, und nachts mußte ich alle 4 Stunden hinauf, um das Gewicht 80 Meter

hoch zwanzig Minuten lang ohne Unterbrechung heraufzukurbeln. Mit der

Zeit gewöhnte ich mich auch daran. Meine Lieblingsstunden waren es, wenn

ich am Tage die Wärter oben ablösen durfte, um mit dem Kieker in der

Hand über das Meer zu schauen. Wie schön war es dort oben, wenn der

Sturm tobte! Eigentlich nahm ich den Leuten für die 9 Pence ihre ganze

Arbeit ab.

Es gefiel mir aber sehr. Besonders gut gefiel mir die Tochter des einen

Wärters. Eva hieß sie dazu. Wir haben uns schließlich einmal ganz

harmlos ein bißchen geküßt. Dies geschah, da auf kahler Klippe weit und

breit kein lauschiges Plätzchen war, an einem vielleicht nicht ganz

passenden, verschließbaren Ort, der nach außen offen über den Felsen

vorragte, dort, wo unten bei Flut das Wasser bis an die Klippe

heranspülte. Da saß einer der Wärter unten beim Fischefangen, sah uns

oben und benachrichtigte seinen Kollegen. Auf einmal wurde an der Tür

gerüttelt. Aber wir machten nicht auf, denn ich schämte mich doch.

Draußen wuchs die Wut. Die Drohungen wurden immer kräftiger. Ich sagte

mir: ein kurzer Entschluß ist der beste, also die Türe auf und weg!

Gesagt, getan. Der Leuchtturmwärter flog zur Seite, ich war weg und habe

mich nie wieder sehen lassen. Nur am Abend schlich ich mich noch einmal

zurück, um mir eines von den Pferden zu holen, die ich so gern leiden

mochte, und die damals dort höchstens dreißig Mark das Stück kosteten.

Dafür ließ ich meine ganze sonstige Ausrüstung in Cape Lewien und ritt

los in die Welt.

In Port Augusta befand sich ein Sägewerk. Dort fing ich an, in der

Holzmühle zu arbeiten. Als Tagelohn wurden 20 Mark geboten. Doch das war

ein Locklohn, denn erstens war es zu schwere Arbeit, das Holz zu

schleppen, und zweitens waren die Preise dort so hoch (sogar das Wasser

mußte man bezahlen), daß man kaum einige Mark täglich übrig behielt.

Aussichtsvoll war die Bezahlung eigentlich nur für die Chinesen, die

dort arbeiten, bei deren genügsamer Lebensweise.

In vierzehn Tagen, die ich dort blieb, hatte ich etwa sechzig Mark

erspart. Dann hielt ich es nicht mehr aus und zog weiter.

Als ich auf der Landungsbrücke sitze, um auf den Wochendampfer zu

warten, der mich zum nächsten großen Hafen und dort zu einem Segelschiff

bringen sollte, sitzt neben mir ein Jäger, ein langer Norweger, mit

einem Martini-Henry und vielen Patronen. Er erzählte mir, daß er

Känguruhs und Volopies gejagt und genug Felle davon verkauft hätte. Ich

fragte ihn, was er für seinen Martini haben wollte. Er antwortete fünf

Pfund.

Soviel besaß ich nicht. Aber ich gab ihm all mein Geld und dazu meine

Uhr, ein gutes Stück. Er war sofort einverstanden.

Wie ich nun das Gewehr hatte, regte sich die Weidmannslust in mir und

ich ging in das Innere auf Känguruhjagd.

Aber der Norweger hatte übertrieben. Es gab höchstens ein paar kleine

Volopies. Ich holte mir Rat bei einem dortigen Lotsen, einem Deutschen,

der gab mir Bescheid, wohin ich gehen sollte. Auf dem Wege fand ich eine

verlassene Farm, dort kampierte ich mich ein.

Aber die Einsamkeit bedrückte mich bald. Ich gab das Weidwerk wieder

auf, kehrte nach Port Augusta zurück und verkaufte mein Gewehr. Als ich

im Hafen ankam, wurde gerade ein Dampfer gelöscht, dem eine indische

Fakirgesellschaft entstieg. Man fragte mich, was ich wäre. Ich sagte

»Seemann«. Da meinten die Fakire, so einen könnten sie gerade gut

gebrauchen zum Aufschlagen der großen Zelte und Pferdeputzen und

dergleichen. Sie erklärten, sie wären eigentlich so ziemlich dasselbe

wie Seeleute, nur daß sie auf dem Land umherzögen. Das lockte mich. Dazu

kam, daß eine Anzahl dunkeläugiger Hindumädels dabei war. Die zogen mich

auch an. Ich wurde also Fakirgehilfe.

Als wir nun durch Australien reisten, baute ich überall auf den Plätzen

die Schaubuden und Zelte auf. Mit der Leinewand umzugehen, das erinnerte

so an die Seefahrt.

Als wir in Freemantle waren, und ich die Reklamezettel austrug, ging es

auf einmal an: »_Halloh, count, no more Salvation Army?_« (Nicht mehr bei

der Heilsarmee?) Meine Anwesenheit steigerte sofort den Zuspruch der

Leute.

Ich versuchte es mit allen Listen, mir die Fähigkeiten der Fakire

anzueignen. Aber sie hielten ihre Wissenschaft streng geheim. Ich kam

hinter nichts. Schließlich dachte ich bei mir, du mußt es anders

anfangen, und bändelte mit einer kleinen Malaiin an. Anfänglich war sie

sehr zurückhaltend, aber nach vierzehn Tagen kam sie mir schon etwas

entgegen, und ich erfuhr den Hergang einiger Kunststücke. Nun wurde es

mir leichter, meinen Brotherren selbst etwas abzugucken. Wenn ich auch

nur Pferdeputzer war, so bekam ich jetzt doch nach und nach eine

Schlagseite vom Fakir. Freilich, die eigentlichen virtuosen Fakirkünste

zu erlernen, dürfte für einen Europäer so gut wie unmöglich sein. Die

alten Meister dieser Kunst, gewohnt, von der Menge angestaunt und als

sozusagen übernatürliche Wesen verehrt zu werden, verhalten sich auch

ihren Angestellten gegenüber unnahbar. Die zwei Oberhäupter unserer

Truppe machten mit ihren langen Bärten und ihrer durch langjährige

Schulung der Willenskraft durchgebildeten Haltung einen erhabenen

Eindruck. Unter ihren Leistungen war besonders überraschend das Wachsen

eines Mangobaumes. Der Fakir hatte einen Kern, den er in die Erde

steckte. In kurzer Zeit sieht man, wie die Erde bricht und ein Blatt

zum Vorschein kommt und ein kleiner Stiel. Der Fakir deckt ein Tuch

darüber und spricht einige Worte. Auf einmal ist der Mangobaum ein Meter

groß. Das Tuch wird wieder darüber gedeckt und der Mangobaum wächst

weiter und bekommt 3-4 Blätter. Ich selber habe beim Wegräumen nicht

entdecken können, daß irgend etwas in Vorbereitung war.

Irgendein Zuschauer kommt und der Fakir fragt ihn: »Was haben Sie denn

da für einen Ring, der ist sehr wertvoll, den dürfen Sie nicht

verlieren. Aber Sie haben ihn ja schon verloren. Sehen Sie, ich habe ihn

hier,« und der Fakir hat den Ring an seiner Hand. Ich habe dies oft mit

angesehen und genau darauf geachtet, aber es ist unmöglich, sich zu

erklären, wie es gemacht wird, welche geheimnisvolle Kraft den Leuten

das ermöglicht. Man würde Hypochonder werden, wenn man darüber

nachgrübelte. Sie haben als Apparat eigentlich nichts weiter als den

Wagen, mit dem sie sich fortbewegen.

[Illustration:

»... Man würde Hypochonder, wenn man darüber nachgrübelte.«]

Ganz besonders hat mich folgendes überrascht. Eine große Schale mit

Wasser wird gebracht, die zeigt der Fakir dem Publikum. Der Fakir setzt

sich so, daß die Schale mit Wasser nicht zu sehen ist. Nach einer Weile

tritt er zurück und die Schale ist voll lebender Goldfische.

Meine Herren kletterten außerdem an Tauen in die Luft. Das Tau hatten

sie in der Hand und warfen es hoch, und dort blieb es in der Luft

stehen, trotzdem kein Balken oder ähnliches da war. Dann kletterten sie

an dem Tau in die Höhe. Doch ich will mich hierüber nicht weiter

verbreiten, denn das Zaubern ist nur unterhaltend, wenn man es mit

ansehen kann. Auch die Kunststückchen, die ich damals mir aneignen

konnte, würden dem freundlichen Leser nur Vergnügen bereiten, wenn ich

einmal den Vorzug haben sollte, ihn persönlich in diese kleinen

Geheimnisse einzuweihen.

Die Fahrt mit den Fakiren ging durch das ganze australische

Staatengebiet. Aber in Brisbane mochte ich nicht mehr mitmachen, wollte

wieder auf ein Schiff, Seemann werden und nicht meinen Beruf verfehlen.

Ich komme auf eine englische Bark und sitze da eines Sonntagsmorgens am

Strand und wasche mein Zeug. Da kommen drei Herren auf mich zu; meine

Muskulatur bewundernd, fragen sie nach meinem Alter. Ich sage

»fünfzehn«.

Ob ich Lust hätte, das Boxen zu lernen?

Ja, dazu hätte ich Lust. Wenn man boxen kann, kriegt man nicht so leicht

Prügel.

So ging ich nach Feierabend in die Boxschule, um mich prüfen zu lassen.

Nach genauer Untersuchung wurde mir angeboten, ich sollte sechs Pfund

Sterling erhalten und ausgebildet werden, mich dafür aber verpflichten,

nur für Queensland zu schlagen. Die Australier geben sich alle Mühe,

wenn sie einen Menschen gefunden haben, dessen Körper etwas verspricht,

ihn zum Preisboxer auszubilden. Mit allen möglichen Apparaten erhielt

ich nun eine hervorragende Pflege. Nachdem der Körper ein Vierteljahr

mit allem durchgebildet war, durfte ich zum erstenmal Schlagbewegungen

ausführen. Ehe man Schläge austeilt, wird man aber selbst geschlagen,

damit die Partien des Körpers, besonders die Brust, abgehärtet werden.

Es gefiel mir dort ausgezeichnet. Ich sollte bald nach San Franzisko

geschickt werden, um dort weitere Grundlagen zu gewinnen. Als ich aber

soweit war und als Boxer überall hätte auftreten können, hatte ich den

»Preisboxer für Queensland« genug und wollte wieder zur See.

Wo immer ich war, welche Ablenkung sich mir bot, die Sehnsucht nach dem

Schiff kam stets zurück.

[Illustration: »... die Sehnsucht nach dem Schiff kam stets zurück.«]

Ich strebte diesmal nach einem amerikanischen Schiff und kam auf die

»Golden Shore«, einen Viermastschoner, der von hier nach Honolulu und

später die Route San Franzisko-Vancouver-Honolulu fuhr, die eine Fahrt

mit Zucker, die andere mit Holz.

Es war eine ideale Zeit. Ich wurde gut bezahlt, 45 Dollar den Monat, und

gleich als Vollmatrose angenommen. Eigentlich geht das nicht so schnell.

Die regelmäßige Laufbahn führt vom Schiffsjungen über den Jungmann und

Leichtmatrosen zum Vollmatrosen. Es gab harte und schwere Arbeit,

namentlich beim Laden und Löschen, während auf einem Schoner seemännisch

leichtere Arbeit an Deck ist wie auf einem Rahschiff.

An Bord des Schoners war mein besonderer Freund ein Deutscher, Namens

Nauke, ein verkrachter Geigenmacher, der als Kajütsjunge an Bord war.

Eines Tages, als wir in Honolulu ankern, fordert mich Nauke auf, mit an

Land zu gehen, und bringt mir gleich eine Dose kondensierte Milch aus

der Kajüte mit, weil ich die so gern mochte. Wir sahen uns dann den

König an, der im Park eines ihm von Amerika gebauten Palastes in einem

bequemen Rohrsessel, umgeben von zwei oder drei Weibern, beim Tee saß,

und erprobten darauf die Eßbarkeit der Roßkastanien, die vor des Königs

Parkgitter wuchsen, in der Annahme, auf Hawaii wäre alles eßbar. Da

kommt ein besser gekleideter Herr auf uns zu und fragt auf Englisch:

»Was treiben Sie hier?«

»Wir sehen uns den König an.«

»Ach was, König, ihr solltet den Hulla-Hulla-Tanz sehen.«

»Hast du Lust, Nauke?«

»Ja, wenn nette Mädels dabei sind,« antwortete Nauke.

Da fragt der Herr auf einmal, ob wir keine besseren Anzüge hätten? Ich

sage: »Nein, wir haben nichts Besseres.«

»Na,« war die Antwort, »dann ist das gleichgültig, dann bekommt ihr

einen Anzug von mir.«

Wir steigen nun zusammen den Schloßberg hinunter und wurden eingeladen,

in einem vierspännigen Eselwagen Platz zu nehmen. Ich sagte zu Nauke,

das schiene ja ein recht wohlhabender Mann zu sein. Da drehte sich der

Herr um und rief: »Sie müssen sich nicht so viel mit Ihrem Freund

unterhalten, ich kann auch deutsch.«

Als wir in die Zuckerplantagen außerhalb des Ortes gelangt sind, gibt

der Herr dem Kutscher das Zeichen zu halten. Wir gehen durch einen

Feldweg in die Plantage hinein und kommen zuletzt an ein vornehmes

Europäerhaus. In einer Einzäunung weideten junge Fohlen. Wie ich durch

die Riesenfenster der vornehmen Villa ins Innere blicke, bemerke ich

eine Reihe großer schwarzer Tische wie in einem Kollegsaal. Während ich

neugierig hineinschaue, bietet der Mann Nauke ein Stück Pudding an und

ersucht ihn, vor dem Hause zu warten. Ich warne ihn noch, er möchte

nicht weggehen.

Wie ich nun eintrete, wird mir sonderbar zumute. Der Mann führt mich in

einen Raum neben dem Saal mit den vielen Tischen. Dieser Raum hatte drei

Fenster und enthielt einen großen Tisch. Der Mann will die Tür

abschließen. Ich sage: »Nein, nicht schließen.«

Am Kopfende des Tisches war seltsamerweise ein Moskitonetz gespannt,

darunter lagen zwei Kopfkissen. Eine Seitentür führte zu einer Treppe,

die nach der Mansardenwohnung hinaufging.

Der Mann wollte nun ein Metermaß holen, wie er sagte, zum Anmessen des

neuen Anzugs. _Allright,_ sage ich.

Er geht die Treppe hinauf und ich setze mich neben die Tür auf einen

Koffer. Wie ich sitze, da gewahre ich unter dem Tisch zwei lange Kisten,

groß und schmal mit starken Verschlüssen auf beiden Seiten. Ich sage

mir: »Menschenskind, das kommt mir unheimlich vor. Wenn du nur nicht in

eine solche Kiste gerätst.« Ich verließ mich aber auf meine Kräfte,

hatte ja auch boxen gelernt. Da kam der Fremde wieder herunter, hatte

ein Maß, sprach mit mir und fing an, am Arm zu messen, seltsamerweise

von unten nach oben, und sagte: »_Thirty_«. Wiederholte es, murmelte noch

einmal Zahlen, drehte mich herum, klappte mir den Rock über den Rücken

herunter, so daß meine Arme behindert waren. Er sagt, die Beleuchtung

wäre ungünstig, und schiebt mich so, daß ich mit dem Rücken gegen die

äußere Tür stehe. Ich höre aber am Knirschen des Sandes, daß sich da

einer hinter der Tür bewegt.

In diesem Augenblick sehe ich am Fußende des Tisches auf dem Boden eine

Menge altes Zeug liegen, das Seeleuten gehören mochte, unordentlich

hingeworfen. Da kriege ich wieder Mut und denke: es mag doch mit dem

Anzug stimmen.

Er nimmt wieder Maß und schnallt dabei den Gürtel auf, legt ihn zusammen

mit meiner leeren Messerscheide auf den Tisch. Ich denke: du hast doch

ein Messer darin gehabt, hast noch dem Koch Kartoffeln schälen helfen;

solltest du es haben liegen lassen? Wie ich noch umhersehe, gewahre ich

auf dem Fensterbrett zwischen leeren Flaschen zu meinem Entsetzen einen

abgeschnittenen menschlichen Daumen, an dem noch eine lange Sehne hing.

Gerade habe ich noch Zeit zum Luftholen, der Mann wollte mir eben das

Beinkleid öffnen, dann hätte ich mich nicht mehr rühren können. Ich

schiebe den Rock wieder hoch, ergreife meine Milchdose und Messerscheide

vom Tisch, werfe den Kerl mit einem wuchtigen Stoße beiseite, gebe der

ersten besten Tür einen Tritt, daß sie aufspringt, und rufe draußen aus

Leibeskräften: »Nauke!«

Nauke kommt kauend an, ich kriege ihn zu fassen, laufe in die Plantage

und werfe mich mit ihm zwischen die Rohre.

Seeteufel: Abenteuer aus meinem Leben · 第 12 / 32 题