Marmor bezeichnete und bezeichnet noch jetzo im gemeinen Leben alle
politurfähigen Steinmassen, die zu Bauwerken, Statuen, Mosaikarbeiten
verwendet werden; mineralogisch beschränkt man den Ausdruck nur auf
politurfähigen kohlensauren Kalkstein. Die politurfähigen Steine wurden im
Alterthume in den grossartigsten Brüchen und sehr rationell gewonnen; diese
Steinbruchskunst hiess [Greek: lithourgikê] (woher unser Name Lithurgik,
der einen weitern Begriff hat), die Kunst der weitern Bearbeitung hiess
[Greek: lithotribikê].
a) Marmor im Allgemeinen.
_pandu kambula_ im Sanscrit;--_maramara_ im Bengalischen;--_mocrano_ im
Hindu und andern indischen Sprachen, von dem Orte mocrano, wo er gewonnen
wird.
_ara-ka, araga, arca_ im Tibetanischen;--_pualam, batopoan_ im
Malaiischen;--_alha-ouche_ (bunter Stein) im Mandschu;--_okesiksak_ im
Grönländischen.
_kidsch, marmarion_ im Armenischen;--_marmar_ im Kurdischen;--_mermer_ im
Türkischen;--_mermer_ im Persischen (der balghami ist eigentlich der
Tuffkalk von Schiramin);--_mermer, balant, butcham_ im Arabischen, auch
_rokham_ (eigentlich harter Stein, daher rokham alabiad der persische
Tuffkalk oder orientalische Alabaster);--_rucham_ ist weisser
Marmor;--_ream, reom_ im Maltesischen, wohl von rucham im Arabischen.
_balak_ im Abessinischen;--_ketak, ktak_ im Syrischen, ist eine gewisse Art
Marmor;--_schajich_ im Hebräischen, auch _schesch, shaich_, meist mit
Marmor übersetzt, wird auch auf Onyx angewendet seyn (s. oben). Als
Marmorsteine, zur Verzierung des Fussbodens (wohl Mosaikarbeit) werden in
der Bibel noch angeführt: 1) _bahat_, meist mit smaragdus übersetzt,
scheint mit dem eben erwähnten balant im Arabischen Aehnlichkeit zu haben;
2) _dar_, übersetzt mit perlartiger Stein, ist vielleicht das chaldäische
dur, übersetzt mit lapis pretiosus; 3) _socherth_ oder _sochareth_,
wahrscheinlich bunter Stein.
_marmar, marmer, marmira_, auch _pudra, pidra_ (wohe [woher] vielleicht
[Greek: petros] im Griechischen), im Chaldäischen; _schajisch, schajercha_,
mit Marmor übersetzt kann auch Onyx gewesen seyn (s. diesen).
_[Greek: marmaros]_ im Griechischen ([Greek: psephis] sind die Steine zur
Mosaikarbeit);--_[Greek: marmaron]_ im Neugriechischen;--im Mittelalter war
[Greek: dokiminon] (der Marmor von der Stadt Docimeum in Phrygien) der
gewöhnliche Name für Marmor;--_recha_ der Alchemiker.
_marmore_ im Walachischen;--_marmari_ im Albanischen;--_maen-mynor, mynor,
marmawr_ im Wälischen;--_mein-marbre_ [or: _meinmarbre_] im
Bretonischen;--_marmor, marmur, marbyr_ im Gälischen;--_marmor_ im
Lateinischen;--_marble_ im Englischen;--_marbre_ im Französischen;--_marmo_
im Italienischen;--_marmol_ im Spanischen;--_marmore_ im
Portugiesischen;--_marmor_ im Schwedischen und Dänischen;--_marmel_ im
Holländischen;--_marmul_ im Alt-Hochteutschen;--_marmara_ im
Isländischen;--_marmari_ im Norwegischen;--_marm_ im
Angelsächsischen;--_marmor_ im Russischen und den meisten slawischen
Dialecten;--_mramor_ im Böhmischen;--_marmur_ im Polnischen;--_marbel_ im
Krain;--_marvany_ im Magyarischen;--_marmoras_ im Litthauischen.
b) Die bekanntesten, wahren, aus kohlensaurem Kalk bestehenden Marmorarten
der Griechen und Römer.
_marmor parius_, auch _lychnites_ und _lychdinus_, war ein schöner weisser
Stein aus dem Gneisgebirge der Insel Paros (jetzo Paris), einer der
Cycladen, der von den Griechen sehr geschätzt wurde. Die alten Brüche
liegen jetzo unbenutzt, die jetzigen Künstler nennen den Stein marmora
graeca duro.
_marm. thasios_, von der Insel Thasos, jetzo Tasso, im ägäischen Meere bey
Thrazien, ausserordentlich weiss, fein und schön, war ein Hauptmaterial der
alten griechischen Künstler.
_marm. lebsius_, von der Insel Lesbos, jetzo Metellino im ägäischen Meere,
dem vorigen sehr ähnlich, etwas bläulicher,
_marm. pentelicus_, vom Berge Penteles bey Athen, wo die grossen
unterirdischen Brüche noch vorhanden sind. Der marmor graeco fino der
Archäologen, ein zarter, weisser Marmor. Aus demselben bestehen viele
Statuen, auch sind das Parthenon und viele Prachtgebäude daraus erbauet. Er
hat öfter grüne Stellen, heisst dann Cipolino (Zwiebelmarmor).
_marm. lunensis_, von den Künstlern jetzo bardiglio oder bigio di Carara
genannt, ist der jetzo allbekannte Marmor von Carara in Toscana (sonst Luna
in Hetrurien), der durch ganz Europa verführt wird, der im alten Rom zu
Statuen und Prachtbauten vorzugsweise verwendet wurde.
_marm. hymettus_, vom Berge gleiches Namens, ohnweit Athen, ein weisser und
grauer grossschuppiger Marmor, der beym Reiben etwas stinkt, jetzo marmo
cipolla der Künstler.
_marm. proconensis_ und _cyziscecum_ von der Insel Proconensis im
Hellespont, der Stadt Cyzicus gegenüber, das heutige marmora, weiss mit
grauen und blauen Adern, wurde sehr allgemein in den griechischen Städten
zu Säulen und Prachtbauten verwendet, wird jetzo wenig gebrochen.
_marm. ephesius_, ein blendend weisser Marmor von Ephesus in Ionien
(Kleinasien), vorzüglich verwendet zu dem berühmten Tempel der Diana
daselbst, mit Säulen von 160' Höhe. Unterirdische, unendlich ausgedehnte
Steinbrüche sind noch vorhanden.
_marm. phrygius, synadicus, docimenum, [Greek: dokimeus]_, ein sehr schöner
weisser, auch roth- und blauadriger Marmor, von Docimeum und Synada,
ohnweit Nicaea in Phrygien; die ausgedehntesten alten Brüche findet man
noch jetzo bey Eski-kara-Hissar (dem alten Synada), wo Blöcke über 100'
Höhe gewonnen wurden. Er ging viel nach Griechenland, später besonders nach
Rom, wurde so häufig angewendet, dass im Mittelalter der Marmor überhaupt
[Greek: dokiminon] genannt wurde.
_marm. coralliticus_, wahrscheinlich aus Phrygien, war auch sehr weiss.
_marm. tyrius_, von Tyrus in Syrien, war weiss, aus ihm bestehen die Tempel
in Tyrus, Jerusalem, überhaupt in Syrien.
_marm. caristaeus_, von Karisto auf Euboea (Negroponte), war von graugrüner
Farbe mit grasgrünen Adern (ein marmo cipolino der Künstler), die alten
Brüche werden noch jetzo betrieben.
_marm. numidicus_, von Berge Maurasido in Numidien, wird gelb gewesen seyn,
bildet den Giallo antico der Künstler.
_marm. chius_ von der Insel Chios, der schwarz gefleckt ist, und der
_--lucullus_ aus Aegypten, waren schwarz, sind der nero antico der
Künstler.
_marm. taenarius_ aus Lacedaemon war schwarz, vermuthlich aber kein Marmor.
_marm_. oder _lapis megarensis_, auch _porinus,[Greek: lithos konchitês],
conchites_, war nicht eigentlich politurfähiger Marmor, sondern der, an
Petrefacten reiche tertiäre Kalkstein, der bey Megara, wie in vielen
Gegenden Griechenlands vorkommt, sehr häufig als Baustein diente, was auch
noch jetzo der Fall ist; bey den jetzigen Griechen heisst er [Greek:
poros].
c. Nicht aus Kalkstein bestehende, politurfähige Gesteine, die zum Marmor
gezählt wurden, und hieran sich schliessende Gebirgsarten.