Der Bernstein, obwohl ein fossiles Baumharz, gehört doch zu den Mineralien,
und vorzugsweise zu den Schmucksteinen. Er ist von gelber Farbe, die sich
ins Weisse verliert, oft einen Stich ins Rothe hat; durchscheinend, oft
ganz durchsichtig und stark electrisch. Er findet sich zwar in vielen
Gegenden, am häufigsten, schönsten, und in grössten Stücken nur an der
Ostseeküste, vorzüglich an der preussischen und bey Palmünken, theils in
der Erde, meist als Auswurf des Meeres, hier ist er seit den allerältesten
Zeiten gewonnen, und auffallender Weise scheint seit Jahrtausenden eine
fast gleiche Quantität Bernstein ausgeworfen zu werden, der Ertrag sich
nicht zu mindern. Die kleinen, schlechten Stücke dienen, besonders im
Oriente, zu Räucherwerk; übrigens wird der Bernstein als Schmuck
verarbeitet, der jetzo, wie in ältester Zeit, im Orient und Occident ein
sehr gesuchter und verbreiteter Artikel ist. In den germanischen alten
Gräbern findet man sehr vielen und sehr schönen Bernstein, der bey den
Römern und bey den Griechen in allerältester Zeit sehr allgemein als
Schmuck diente. Der Bernsteinhandel war vorzüglich in den Händen der
Phönizier, die bis in die Ostsee schifften und dem ganzen Oriente diesen
gesuchten Artikel zuführten. Der Bernstein umschliesst nicht selten kleine
Insekten und Pflanzen, die sich auf das Vortrefflichste erhalten haben.
Schon im Alterthume beachtete man diese, wie die electrische Eigenschaft.
_pe_ im Chinesischen; mila-pe der gelbe, hue-pe und chu-pe der
röthliche;--_hupa_ im Mandschu, auch chupa und boissile;--_bhour-len,
burlem_ im Tibetanischen, auch wird spasa-schela hierher gehören.
Wie im Sanscrit der Bernstein heisst, habe ich nicht gehörig ermitteln
können; tailasphatica (d.i. Oehlkrystall) soll Bernstein seyn, dieser ist
aber nicht krystallinisch; auch tringrahin (d.i. Grasanzieher), was auch
Turmalin seyn kann; mir scheint es wahrscheinlich, dass man den Bernstein
unter pita begriffen hat, womit man gelbe Edelsteine bezeichnete.
_ivgit kajungar saet_ im Gröländischen;--_amber kerning_ im Malaiischen (ob
aus dem Englischen?);--_sath_ im Armenischen, auch kahribar (wohl aus dem
Persischen), pazmakoum wird mit electrum übersetzt;--_kawake_ im
Japanischen;--_kahruba, kuhroabo_, auch _kepur_ im Hindu (wohl aus dem
Persischen);--_kahrub, karabe, kahruba_ im Persischen (von kah und rubah,
d.i. der Räuber von Spreu, wegen der electrischen Anziehung);--amber ist
das wohlriechende Harz, der ambra ambrosiaca;--_karabe, kahrab, karabah_ im
Arabischen;--_kehribar_ im Türkischen;--_karaweh_ im
Georgischen;--_keherbai_ im Bucharischen;--_charbe_ im
Aethiopischen;--_prud_ im Alt-Slawischen;--_jantar, yantare_ im Russischen
und Serbischen;--_jantar_ im Polnischen, auch _bursztyn_;--_gantar_ im
Czechischen, auch _cistee, czistec, aksteyn_;--_giantaras_ im
Litthauischen;--_sihtars, dsinters_ im Lettischen;--_jantar_ im
Illyrischen, auch _kechribari_ (aus dem Wlachischen);--_gentar_ in der
ausgestorbenen Sprache der alten Preussen, die an der Ostsee wohnten, von
wo der Bernstein und mit ihm der Name in die entferntern Länder
ging;--_gyantar_ im Magyarischen, auch _sarga gyenta_;--_cistec_ im
Mährischen und Slavonischen.
_burzhen_ im Kärnthischen, auch _okstar_ (was mit jantar zusammenhängen
mag);--_bureen_ im Krainerischen und Windischen, auch _smolski
kamen_;--_burstin_ im Illyrischen, Bosnischen, Ragusanischen und
Croatischen, hier auch _burcham_ und _okstar_;--_börnstein_ im
Alt-Teutschen; gewöhnlich, vielleicht irrthümlich leitet man das Wort von
bernen, d.i. brennen ab; ein Zusammenhang mit den erwähnten slawischen
Wörtern scheint vorhanden, ob diese aber slawischen Ursprunges sind, lasse
ich dahin gestellt seyn.--Auch _agtsteen, aidstain_, was von aiten, d.i.
brennen herkommen soll;--_bornsteen, barnsteen, brandsteen_ im
Holländischen;--_bernstein_ im Dänischen, auch _rav_.
_raf_ im Lappländischen;--_reef, rief_ im Alt-Finnischen; _raf_ im
Schwedischen;--_gles, glys_ im Alt-Schwedischen;--_rafur, rafr, raf_ im
Isländischen; auch _glar_;--_rypte_ in der Edda.
_kichrimbar, chirimbaru, kirimbarjü_ im Walachischen;--_kechrembari_ im
Neu-Griechischen.
_glesum_ in der Sprache der alten germanischen Aestyer (nach Tacitus, Germ.
46), die an der Ostsee wohnten und der keltischen Nationalität angehörten.
Das Wort wird zusammenhängen mit glain im Wälschen, das Durchsichtige, das
Juwel, die Hals- und Rosenkranz-Perle oder Kugel (als Halsschmuck diente
der Bernstein vorzugsweise bey den keltischen Völkern);--_gles, glas,
glesum_ im Friesischen und längs der Ostseeküste;--_glaes, glaere, glayre,
glies_ im Angelsächsischen;--_glesum_ im Alt-Esthnischen, nach neuerer
Mundart: merre kiwwi d.i. Strandstein.
_goularz_ im Bretonischen;--_gwefer_ im Wälischen (von gwef, klar);--_omar_
im Gälischen, _ombra_ im Irischen;--_ambar, ambre_ im mittelalterlichen
Latein; _[Greek: amper, ampra]_ im mittelalterlichen Griechisch, damit
bezeichnete man vorzüglich den nordischen Bernstein (den von der Küste des
mittelländischen Meeres, mit [Greek: soukinon]);--_amber_ im
Englischen;--_amber jaune_, auch _succin_ im Französischen, früher auch
carabe (der arabische Name);--_ambar_, auch _succino, carabe_ im
Spanischen;--_ambra gialla_, auch _succino_ im Italienischen;--_alambre_,
auch _charabe_ und _electro_ im Portugiesischen.
_sakel_ im Alt-Aegyptischen, wie Plinius anführt;--_sakal_ im
Koptischen;--_sakal_ im Hebräischen, war ein Ingredienz zum Räucherwerk,
wohl ohne Zweifel Bernstein;--_tharschisch_ im Hebräischen, wird--wie
Bredow (historische Untersuchungen II.) auszuführen sucht, der Bernstein
(als Schmuckstein) gewesen seyn; auch könnte vielleicht der _schechlet_
hierher gehören.
Die jetzigen Bernsteinhändler sortiren ihre Waare nach der Grässe der
Stücke; die vierte Art, wo die Stücke klein sind, unter einem Lothe wiegen,
heisst cakon, sakon, tschakon, welche Namen Ähnlichkeit mit sakal haben; es
könnte diess eine alte germanische Bezeichnung seyn, die nach Aegypten
übertragen wäre.
_sachal_ im Syrischen, nach Plinius auch _harpax_.
_electro, ilectro_ im Phönizischen;--_[Greek: êlektron]_ im Griechischen,
wohl aus dem Phönizischen, da man durch die Phönizier den Bernstein
erhielt; man unterschied: leyk-chry-electron und subalternikon, den
weissen, gold- und feuergelben, [Greek: makatos] scheinen grosse
Bernstein-Klumpen gewesen zu seyn. Hiervon stammen unsere Namen:
electrisch, Electricität u.s.w.;--_electrum_ der Römer, auch _succinum_
(vielleicht von succus der Saft der Gewächse, weil der Bernstein ein
Baumharz ist), man unterschied den weissen (candidum), rothgelben (fulvus)
und hochrothen; der _myrmecites_ und _cantharius_, wird Bernstein mit
Insekten gewesen seyn.
_sacrium_ im Alt-Scythischen nach Plinius, aber wahrscheinlich ist dieser
Name nicht correct geschrieben, er könnte mit sakal zusammenhängen;
Schlözer schlägt vor satrium, was mit sihtars im Lettischen Aehnlichkeit
hat.
* * * * *
#§. 6. Blaue Gemmen und verwandte Gesteine#.
Die wichtigste blaue Gemme ist der Sapphir, die aber mineralogisch nur eine
Art des Korund ist (s. oben). Blaue Abänderungen haben auch andere
Edelsteine, als der Spinell, Zirkon, Turmalin u.s.w.
A. _Unsere Gattung Peliom_.
Ein blauer, krystallisirter Edelstein, zuweilen mit einem sternfarbigen
Lichtscheine, etwas weicher als Sapphir, diesem sonst höchst ähnlich und
erst neuerlichst mineralogisch von ihm getrennt. Bey den Juwelieren heisst
der hellere--Wassersapphir, der dunklere--Luchssapphir. Er findet sich in
Indien, Siberien, Spanien, Brasilien u.s.w., war den Alten und Orientalen
gewiss bekannt, aber nicht vom Sapphir unterschieden.
_peliom, dichroite, cordierite, iolite_ im Französischen und ähnlich in
allen neuern Sprachen.
B. _Die Gattung Lasurstein mit Ultramarin_.
Der Lasurstein ist ein, seit den ältesten Zeiten bekannter lasurblauer,
unkrystallisirter, undurchsichtiger Schmuckstein, der zum Theil in
bedeutenden Stücken einbricht, häufig krystallisirten Schwefelkies
eingemengt enthält, sich nur in der Bucharey, am Baikal-See, im Badakschan
findet. In den Mineralsystemen hat er einen sehr wechselnden Platz gehabt;
Guyton glaubte zuerst 1801, dass das geschwefelte Eisen der färbende Stoff
sey.
_tschingt-chan_ im Chinesischen, ist der dunkle, _zuisang_ der hellere.
_nilaa_ (d.i. der blaue) im Hindu;--_whidurga_ in Bengalen;--_vaidurga,
viduradscha_ im Sanscrit, auch nilopala (der blaue Edelstein), balaradscha,
balawajadscha, balasurga, gawarka, kaitawa, keturatna, abrahoha.
_lazuwerdi_ im Malaiischen, auch _godschasm_;--_ladwery_ im Türkischen
(latschmore ist Veilchenblau);--_ladschiwerd_ im Persischen, auch
_langswerd_ und _lazuard_, mit den Arten: a) bedadschi;--b) gurdschi;--c)
dermari;--d) kermar.--(_lazur_ ist das Ultramarin). Am Fundorte, in
Badakschan unterscheidet man 3 Arten: a) ladschword nili, den
indig-blauen;--b) -asmani den hellblauen;--c) suvsi, den
grünlichen;--_landschiwer_ im Arabischen, auch _asurad, zemech, zumelazuli_
(von azul, der Himmel), _alzagur, hagiar alzemar, maha_ (lazur ist
Ultramarin);--_lasrad_ im Syrischen, auch _satphiros_ (von saphilo, blau).
_samper_ im Aethiopischen, auch _sofor, sophor_;--_saphir_ im Chaldäischen,
auch _esphor_; schabsis wird mit sapphirus übersetzt;--_saphir_ im
Hebräischen; bey den Rabbinen auch sampurian, sampurina;--_[Greek:
sappheiros]_ der Griechen (daher unser Name Sapphir für einen ganz andern
Stein);--_sapphirus_ der Römer;--_[Greek: zaphirys]_ im Mittelalter, auch
[Greek: zêphyros, zaphêrê], cyaneus, lazur, lazurium, lapis
armenius;--_llasur_ im Wälschen, _azura_ im Gälischen;--_[Greek: petra
lazoulê]_ im Neu-Griechischen; _lapis lazuli_ im neuern Latein.
_iasurick_ im Russischen, auch lazourewoi kamene; _lazur_ im Polnischen;
_lasura_ im Windischen;--_sagasilje_ im Bosnischen;--_lazukö_ im
Magyarischen;--_azur_ im Französischen;--_azurstone_ im
Englischen;--_lazursteen_ im Holländischen, Dänischen, Schwedischen.
Anhang.
_Unser Ultramarin_.
Aus dem Lasursteine bereitet man die schönste, aber sehr kostbare blaue
Farbe--das Ultramarin--die bey den Chinesen schon längst, besonders in der
Porzellanmalerei angewendet wurde; die orientalischen Völker kannten sie,
auch wahrscheinlich die alten Griechen, die sie [Greek: lazourion] genannt
haben mögen; häufiger benutzte man ein blaues Kupferglas (s. unten Kupfer)
und die Smalte, d.i. Kobaltglas (s. dieses). In der neuern Zeit war es
Vanuccio Biringoccio, der 1545 die Bereitung des Ultramarin lehrte (den er
sehr von der azurra del Alemagno (Schmalte), unterschied).
_lazur_ im Arabischen;--_[Greek: lazourion, lazouri]_ der spätern
Griechen;--_lazurium_ im mittelalterlichen Latein, auch _color
graecus_;--_ultramaro_ im Spanischen;--_ultramarino_ im
Portugiesischen;--_outre-mer_ im Französischen;--_ultramarine_ im
Englischen, Schwedischen u.s.w.