M. _Unser Malachit_.

Ein smaragdgrünes, kohlensaures Kupferoxyd, meist seidenartig glänzend;

wenn es in festen, reinen, politurfähigen, grössern Stücken einbricht, so

kann es zu sehr geschätzten Zierathen und Geräthen verarbeitet werden, als

Schmuckstein dient der Malachit selten. Er findet sich in den

Kupferbergwerken, am schönsten nur in Siberien, hier wird er viel

verarbeitet. Uebrigens dient er als Kupfererz.

_dehne_ im Persischen, wo man nach der Farbe den

smaragd-knoblauch-basilicumgrünen, den dunkeln und hellen unterscheidet;

der reine heisst auch _schirin_, der unreinere _telch_;--_dehnedsch_ im

Arabischen, auch _dahnag, danadsch, dahanadsch_ (gemma similis smaragdo)

wird hierher gehören, nicht zum Flussspathe, wie Raineri meint. Taifaschi

sagt, dass er aus Kupfer entstanden sey, aus Kupferbergwerken komme und 4

Arten habe: a) efrandi, der schönste smaragdgrüne, b) indiani;--c)

kermani;--d) caraki;--_dana_ im Kurdischen, ist ein smaragdfarbener

Edelstein.

_[Greek: chalkosmaragdos]_ der Griechen;--_pseudosmaragdus_ der Römer,

smaragdus atticus, cyprius, medicus und calchedonius (aus den

Kupferbergwerken der Insel Demonesus gegenüber von Calchedon), der aus den

Kupferminen kam; hierher mag auch gehören der _tanos_ des Plin., wohl mit

dehne im Persischen zusammenhängend; auch mag _amphitane_ hierher gehören.

_Malachit_ im Russischen, Polnischen und den meisten neuern Sprachen (wohl

von molochites) (s. den folgenden §.), _malagita_ im

Italienischen;--_malachite_ im Französischen.

N. _Der Molochites der Alten_.

Der _Molochites_ der Römer (woher unser Name Malachit entlehnt seyn mag),

wird als eine smaragdgrüne, undurchsichtige Gemme characterisirt, die auch

zu Siegelringsteinen angewendet wurde; diese waren aber meist fein gravirt,

wozu der Malachit wohl nicht taugen mag; daher scheint es sehr zweifelhaft,

ob der molochites unser Malachit war; was er überhaupt für ein Stein war,

muss ganz dahin gestellt bleiben. Ein ähnlicher Name fehlt in der alten und

orientalischen Litteratur.

O. _Der Omphax der Alten_.

_Theophrast_ erwähnt den [Greek: omphax] als grünen Stein, der zu

Siegelringen diente (der Name wird zusammenhängen mit omphacium, d.i. Oehl

aus unreinen Oliven, oder Saft aus unreifen Weintrauben--onfak im

Arabischen). Was dies für ein Stein war, stehet zur Zeit nicht zu

ermitteln, da ein ähnlicher Name nicht weiter bekannt ist.

Von diesem omphax ist der Name omphacit in unserer Mineralogie entlehnt,

für einen körnigen Augit in Gemenge mit Granat u.s.w., der besonders im

Fichtelgebirge vorkommt, mit dem omphax gar keine Relation hat.

P. _Unsere Gattung Idocras oder Vesuvian_.

In den Laven des Vesuv kommen schöne grüne und braune Krystalle vor, die

eine ziemliche Politur annehmen und geschliffen den Namen vesuvianische

Edelsteine,--gemmes de Vesuv--auch Chrysolith, Hyacinth, Topas heissen.

Diese Gattung kommt in andern Gegenden, zum Theil noch schöner vor, so

vorzüglich in Siberien am Baikalsee u.s.w. Werner fixirte diese Gattung,

die man früher zum Hyacinth oder Schörl rechnete, nannte sie Vesuvian, Hauy

(1801) Idocrase, welcher Name in die neuern Sprachen überging; im

Russischen bezeichnet man den Stein meist als _Wiluit_ weil er sich am

Wilui in Kamtschatka findet.

Wahrscheinlich war der Stein schon dem Alterthume bekannt, wurde auch wohl

benutzt; aber wir wissen nicht, unter welchem Namen.

Q. _Unsere Gattung Epidot, Pistacit, Thallit_.

Ein kristallinisches grünes Fossil, zuweilen so schön gefärbt und

politurfähig, dass es als Schmuckstein dient. Es findet sich ziemlich

häufig in Europa, besonders in Schweden, auch in Indien, in Gesellschaft

von Korund. Es wurde früher zum Schörl gerechnet, Werner fixirte die

Gattung als Pistacit, Hauy nannte sie Epidot, auch gab man die Namen:

Arendalit, Akantikon, Delphinit, Thallit, Oisinit u.s.w. Dem Alterthume mag

die Gattung bekannt gewesen seyn, da sie auch in Indien vorkommt; aber wir

wissen nicht, unter welchem Namen.

R. _Unsere Gattung Augit oder Pyroxene_.

Ein sehr verbreitetes krystallinisches Mineral von schwarzer und grüner

Farbe, besonders häufig in den Basalten und Laven, wird aber technisch

nicht angewendet. Es wurde früher zum Schörl gerechnet; Werner fixirte die

Gattung als Augit, Hauy nannte sie pyroxène; sie hat viele Arten, die zum

Theil besondere Namen erhielten, als: Diopsid, Sahlit, Malacolith, Alalit,

Mussit, Kokkolith u.s.w.

Weil das Fossil in Italien sehr häufig ist, wird man es auch im Alterthume

beachtet haben. Den schwarzen, an Augiten sehr reichen Sand und Trass der

Gegend von Rom nannte man nach Vitruv: arena carbunculus; wahrscheinlich

rechnete man daher die Augite zur Gattung carbunculus, d.i. zu unsern

Granat.

Den Augites (woher der Name für unsern Augit entnommen) führt Plinius nur

beyläufig an, bemerkend: dass man ihn meist verschieden von callais halte;

er war daher unserm Türkis ähnlich, oder eine Abänderung desselben, hatte

daher mit unserm Augit gar keine Relation.

S. _Die Gattung Hornblende oder Amphibole_.

Vom Augit kaum wesentlich verschieden, ein Fossil von schwarzer oder grüner

Farbe, meist blättrich, auch strahlig, dann Strahlstein, Tremolith genannt.

Hat keine technische Anwendung. Die Krystalle sind häufig in den Laven und

Basalten. Die blättrige Hornblende erscheint häufig als Felsart, besonders

mit Feldspath, Quarz und Glimmer, bildet hier den Syenit (s. unten Marmor),

auch mit Feldstein den Diorit oder Grünstein, und wenn sie hier sehr

vorwaltend erscheint, das Hornblendgestein, Amphibolith oder Aphanit, von

fast schwarzer Farbe, das von den alten Aegyptiern vorzugsweise zu ihren

Götterstatuen angewendet wurde, der _basanites_ der Alten (basalte nero der

Italiener) war. Auch in Kaschmir findet sich diess zähe Gestein häufig zu

Bildwerken angewendet. Die labradorische Hornblende, auch Paulit und

Hypersten genannt (dwulitschnewaja obmana im Russischen, ipersteno im

Italienischen), von Labrador, aus Grönland u.s.w., zeichnet sich durch ein

eigenthümliches Schillern aus, war aber dem Alterthume und Oriente wohl

nicht bekannt, wurde 1789 von Werner characterisirt.

Die Hornblende wurde früher zur Gattung granatus und basaltes gerechnet,

die man später Schörl nannte (die höchst verschiedene Fossilien umfasste);

Wallerius nennt sie 1772 granatus vulgaris; Linné (1768), Borax

margodes;--Romé de l'Isle 1783: Schörls en masse;--der Name stammt wohl aus

dem Schwedischen, wo hornblände eigentlich Zinkblende bedeutet; in Schweden

nannte man aber unsere Hornblende früher meist corneus spatosus. Werner

fixirte die Gattung unter diesen Namen 1788, Hauy nannte sie amphibole

(schwankend).

_yu-tsing-chy_ ist der Tremolith im Chinesischen, auch _yang-ky-chy_ und

_pe-yang-chy_.--_tsillampo_ im Magyarischen;--_obmanka, rogowaja blenda_ im

Russischen, ist Hornblende, lutschistoi kamenj ist Strahlstein, _gimoraz,

jinoraz_ im Czechischen;--_hornblende_ in den neuern Sprachen.

T. _Die Gattung Diallage und Smaragdit, sonst auch prisme d'emeraude

genannt_.

Ein grünes, blättriges, meist in Serpentin eingewachsenes Fossil, mit einem

eigentümlichen Schillern, das für sich keine Anwendung hat. In dem Gemenge

mit Serpentin und Feldstein bildet es ganze Felsmassen unter den Namen

Euphotid, Gabbro, granito di gabbro, verde di Corsica, granito del

impruneta. Dieses Gestein dient zu Werken der Kunst, ist häufig in Italien,

wurde im Alterthume viel angewendet; aber wir wissen nicht, unter welchem

speciellen Namen, im Allgemeinen rechnete man es gewiss zum

Marmor.--Saussure hob die Gattung als Smaragdite heraus, Hauy nannte sie

Diallage, Werner rechnete sie zum Strahlstein.

* * * * *

#§. 5. Gelbe Gemmen und verwandte Gesteine#.

A. _Unsere Gattung Topas_.

Der Juwelier bezeichnet meist alle gelben Edelsteine mit dem Namen Topas,

wie gelben Korund, gelben Spinell u.s.w.; mineralogisch ist die Gattung

durch Krystallform, Härte, Schwere und chemischen Gehalt scharf begrenzt,

hat verschiedene Farben.

Ceylon, wie ganz Indien, so reich an allen andern Edelsteinen, hat

merkwürdiger Weise gar keine Topase, oder wenn sie sich hier finden

sollten, was hier und da behauptet wird, so erscheinen sie wenigstens als

höchste Seltenheit; was der Juwelier orientalischen Topas nennt, ist meist

gelber Korund, der sary jakut der Orientalen.

In Sachsen finden sich die schönen weingelben Topase (früher Chrysolith

genannt), die dem Oriente und Alterthume wohl fremd waren. In Brasilien

sind rothe, grüne und wasserhelle Topase ziemlich häufig, die im gemeinen

Leben oft als Rubin und Sapphir bezeichnet werden. In Siberien gewinnt man

in jüngster Zeit viel Topas, besonders im Ural bey Miask, der meist

wasserhell ist, und bey Mursinsk von meist bläulicher und grünlicher Farbe.

Diesen siberischen Topas wird das Alterthum gekannt haben, verband ihn

wahrscheinlich mit Smararagd oder Beryll, mit welchem letztern er häufig

zusammen vorkommt; da hier aber keine gelben Topase vorkommen, so wird das

Alterthum und der Orient schwerlich gelbe Edelsteine mit dem Namen Topas

bezeichnet haben. In Jekatharinenburg in Siberien, wo viel siberische

Topase geschliffen werden, nennt man diese--ich weiss nicht

weshalb--_tjeschelowes, tjejelowjesi_, was heissen soll: die

schwerwiegenden (von wjes das Gewicht und tjesolui schwer); als _topazi_

aber bezeichnet man die farbigen Abänderungen des Bergkrystalles.

In der Sanscrit-Litteratur ist ein Name für den gelben Topas (der

Mineralogen) gar nicht zu erwarten; wenn daher Wilson, Pott und Andere den

Namen von gelben Edelsteinen, wie: pita, pitasara, pitaspatica, pitamane

mit Topas übersetzen, so wird diess--mineralogisch genommen--unrichtig

seyn; diese Edelsteine werden zum gelben Korund oder einer andern

Mineralgattung gehören; dasselbe ist der Fall mit pitaçma und gomedaka im

Bengalischen, mit manikang, kunig, puresjeragan im Malaiischen, pusperajan

im Ceylonesischen u.s.w., die alle wohl irrthümlich mit Topas übersetzt

werden.

_tobadsch_ heisst im jetzigen Türkischen unser Topas, welches Wort aus den

europäischen Sprachen entlehnt seyn mag, obwohl top und adsch türkische

Sylben seyn können, was ich nicht weiss; auch soll man ihn sofja taschi und

sirtcha (welches Wort persischen Ursprunges seyn soll) nennen, auch kibris

elmasi (Diamant von Cypern) und kibris taschi (Stein von Cypern), die zum

Bergkrystall gehören werden.

Das Wort _topas_, das aus Aegypten stammen mag (wo es unsern Flussspath

bezeichnet haben mag), ist in alle europäischen Sprachen übergegangen;

topas im Englischen, Schwedischen, Magyarischen; topaas im Holländischen;

topazio im Spanischen und Italienischen; topass im Polnischen, Windischen,

Czechischen.

B. _Der topazion der Alten und der pitdan der Hebräer_.

_paz_ im Hebräischen wird mit topazion übersetzt. _tuphasjon_ im Syrischen.

_[Greek: pazon]_ (wie paz im Hebräischen), _[Greek: topazion]_ (wie

tuphasjon) im Griechischen, topazius der Römer. Ueber diesen Stein haben

wir durch griechische Schriftsteller verständige Nachrichten, sind nicht

allein auf den kritiklosen Plinius angewiesen.

Strabo 16, 198 sagt: der topazion von der Insel Ophiodes bey Aegypten ist

ein goldgelber ([Greek: chrysoeidês]), durchsichtiger Stein, welcher

derartig glänzt (leuchtet), dass man ihn am Tage nicht sehen

(unterscheiden) kann; nur während der Nacht wird er von den Einsammlern

bemerkt. Diodor. Siculus III. 3 sagt: der topazion ist glasartig ([Greek:

hyalô paremephrês]), goldgelb ([Greek: enchryson]), findet sich in Felsen;

wegen des Sonnenlichtes kann man ihn am Tage nicht sehen, _bey Nacht

leuchtet er im Dunkeln_. Agatharchides sagt dasselbe, nennt ihn einen

undurchsichtigen, glasartigen, gelben Stein; Orpheus de lapidibus

wiederholt das Gesagte, bemerkend: dass er zu magischen Zwecken diente.

Plin. 37. 32 führt aus dem Juba an: die Insel Topazon habe ihren Namen von

topazin, oder--wie ein Manuscript liest--opazum, was in der Sprache der

Trogloditen (d.i. in der ägyptischen) suchen heisse. Die Arsinoe, Gemahlin

des Ptolomaeus Philadelphus habe aus diesem Steine eine Statue von 4

cubitus Höhe (5' 7" rheinländisch) erhalten, die in dem delubrum

aufgestellt sey. Als Arten unterscheide man: den prasoides und chrysopteros

von lauchgrüner Farbe.

In der neuern Zeit hat Bruce (Reise nach den Quellen des Nils I. Pag. 255)

die Topasinsel (die in der Landessprache Jibbel siberget oder zumrud

heisst) besucht; er fand hier Stücke von einem grünen, adrigen, wolkigen,

zerbrechlichen Gestein, nicht so hart als Quarz, die siberget und bilur vom

Volke genannt wurden. Ob hier ein neuerer Reisender genauere Untersuchungen

gemacht hat, ist mir nicht bekannt geworden.

Der _[Greek: topazion]_ der in grossen Massen vorkam, glasartig und weicher

war, wie alle Gemmen, gelbe und grüne Farben hatte, zeichnete sich dadurch

aus: dass er, von der Sonne am Tage beschienen, in der Dunkelheit

leuchtete, d.i. phosphorescirte. Kein Fossil phosphorescirt so stark und so

leicht als der Flussspath in gewissen Abänderungen, besonders der meist

smaragdgrüne Chlorophan aus Siberien; liegt dieser im Sonnenlichte, und man

bringt ihn dann ins Dunkle, so leuchtet er so stark, dass man nahe

Gegenstände dabey erkennen kann.

Wohl ohne Zweifel war hiernach der topazion unser Flussspath, besonders

unser Chlorophan oder stark phosphorescirender Flussspath; dieser hiess

topazion, wenn er gelb war, chrysoprasius bey gelbgrüner Farbe (aus dem man

auch Gefasse [Gefässe] und grössere Gegenstände verfertigte), und bey

grüner Farbe pazion, prasion, prasoides.

Diese Namen sind allmählig auf ganz verschiedene Gesteine übertragen

worden; der topazion auf unsern Topas; der Chrysopras auf unsern

Chrysopras, einen politurfähigen grünen Quarz, und der prasion auf unsern

Prasem, einen grünen gröberen Quarz.

Sonderbarer Weise stehen Flussspath und Topas in einer gewissen innern

Relation, sie enthalten beide, wenn auch in verschiedenen Quantitäten,

Flusssäure und nach den Beobachtungen von Freisleben (geognostische

Arbeiten V. Pag. 232) gehen beide in einander über.

* * * * *

_pitdah_ im Hebräischen war einer der 12 Edelsteine im Schmucke des

Hohenpriesters bey den Juden, der im Griechischen mit _[Greek: topazion]_

übersetzt wird, im Syrischen mit sorjo, im Chaldäischen mit jarkan, jarukta

(d.i. grünlich), im Arabischen mit asphax. Braun (de vestitu sacerd.) sucht

zu zeigen: wie durch eine leichte, in den semitischen Sprachen häufige

Verwechselung der Buchstaben aus topaza, topza, topda, pitdah wird, welche

Etymologie ich ganz dahin gestellt seyn lasse. War der topazion der

Griechen unser Flussspath, so kann er nicht wohl der pitdah der Hebräer

gewesen seyn, denn ein Stück Flussspath würde sich neben den andern

kostbaren Edelsteinen im Schmucke des Hohenpriesters nicht gut ausgenommen

haben.

Ich sollte meinen: es möchte ein Zusammenhang Statt finden zwischen pitdah

im Hebräischen, mit _pita_ im Sanscrit und den indischen Sprachen, womit

man die gelben indischen Edelsteine bezeichnet, den gelben Korund, Spinell

u.s.w. (der Topas der Juweliere, nicht der Mineralogen), dafür spricht

auch: dass im Persischen der pitdah durch laal übersetzt wird, der unser

Spinell oder Zirkon war.

Mineralogia Polyglotta · 第 12 / 84 题