Und dann sprachen sie von ihren eigenen Sorgen. --

Die beiden Menschen aber gingen schweigend den Bergpfad hinab. Nach

einer Weile blieb die Liese stehen.

»Vater, ich will ins Kloster gehen!«

Er erschrak wie vor einem Blitz.

»Mädel!«

Sie klammerte sich an seinen Arm.

»Es ist nicht -- es ist ja nicht erst seit gestern -- es ist viel

länger, ich hab's schon immer gedacht, schon als Schulkind -- aber

jetzt -- Vater, ich will gern ins Kloster!«

»Nein, Liese! Auf keinen Fall! Das geb' ich nicht zu!«

Sie senkte den Kopf. Er aber schlang erschüttert den Arm um ihre

Schulter.

»Deswegen nich, Liese! Meine Einzige! Nein, eher will ich --« Die

Sprache versagte ihm.

»Es ist ja nicht bloß deswegen, Vater!«

»Ja! Ich weiß schon! Ich weiß genau! Nein, Liese, das geb' ich nich zu.

Eher ziehn wir weit fort! Du bist mir die Nächste. Das kann nich sein!

Deswegen nich!«

Stumm ging die Liese neben dem Vater her.

»Meinst Du, daß ich's nicht mehr wert bin?«

»Nich wert? Du, mei' frommes, goldenes Kind, Du! Aber mei' Tochter, 's

kann ja alles noch gut werden. 's is ja doch nischt weiter passiert, es

kann ja alles noch werden.«

Sie sah ihm hell in die Augen und schüttelte den Kopf. Dabei sagte sie

ruhig: »Nein, es ist vorbei!«

»Es is nich vorbei! Wieso denn?«

»Wenn a mich auch noch wollte -- jetzt wollt' ich nich mehr!«

Er sah sie erschüttert an.

»Wir sind nich füreinander! Ich weiß jetzt. Es war unrecht von mir,

daran zu denken, und ich will schon lange ins Kloster.«

»Liese, ich geb's nich zu!«

»Warum nicht, Vater? Ich hab's da ganz gut. Ich geh Kranke pflegen,

das tue ich gern. Da kann ich was nützen. Und ich bin vielleicht ganz

glücklich. Und so -- wenn ich in der Welt bleib'?«

Er sagte nichts mehr. Die stillen Frauen tauchten vor seiner Seele

auf, die Siegerinnen, die in sich die Welt überwunden haben. Es liegt

alles hinter ihnen, was die Menschenkinder erregt: sie wollen kein

Geld, keinen Ruhm, kein Vergnügen, keine Bequemlichkeit, keine irdische

Liebe. Sie wollen nur das Gute. Vielleicht, daß eine hie und da mit

sich kämpft; die meisten haben Frieden. Und gegen den Frieden ist doch

alles andere armer Tand.

Und wenn die Liese in der Welt blieb ohne Beruf, ohne Liebe, ohne

Frieden?

Vielleicht, daß es ihr gut wäre im Kloster, vielleicht!

Die Heimat: Roman aus den schlesischen Bergen · 第 14 / 30 题