Krieg, Krieg und Krieg!

Und Greueltaten!

Kinder werfen auf speisende hungrige Helden, am Mittagstisch

neugierig sie umstehend, Handgranaten!

Krieg und Krieg!

Man sagt, die Welt hätte jetzt +andere+ Ziele!

Wenn ein Gewitter ist und es schlägt ein

(man glaubt direkt, die Welt geht unter),

blüht nicht das kleinste Gras dabei, hernach, wie eh und je?!

Man weiß nicht, wie es wird!?

Und immer wieder blüht das kleinste Gras nach seinen friedvollen

Geheimgesetzen! +Trotz+ allem!

Kunstdenkmäler werden zerstört -- -- --

Doch wozu braucht die Menschheit Kunstdenkmäler?! +Suppen+ braucht

sie!

Überflüssiges wird man im Pulverrauch +endlich+ als +Überflüssiges+

erkennen!

Und jedenfalls wird man in absehbarer Zeit doch „Werther“ wieder

lesen und über „Lotte“ weinen!

Und Schubertlieder anhören und Beethoven-Adagios!

Und wegen irgendeines gewöhnlichen Mädchens sich das Herz abhärmen,

weil, weil, weil -- -- -- weil sie, ha, ha, einen +anderen+ lieb

hat!

Heute lesen wir verzweifelt von siedendem Öle, das Mädchen auf

Verwundete heruntergießen; und morgen schon sind wir ebenso

aufgebracht, weil uns ein Knopf am linken Ärmel fehlt!

Krieg, Krieg! Und Krieg!

Führen wir doch endlich Krieg mit +unseren eigenen+ Miserabilitäten,

+unseren+ Schwächen und Unvernünftigkeiten!

Den Feind +in uns+, Stupidität, +Gewohnheit+, Luxus, Vorurteil,

innere Feigheit und Verlogenheit, müssen wir +bekriegen+!

Besonders die Gewohnheit, dieses

+Lotterbett der Seele+!

Sie erschlafft, lahmt und nimmt die Kraft, zu +Richtigerem

vorzudringen+!

Was ich gewohnt bin,

+fesselt mich an mich+!

Und +hindert+ mich, der +Welt+ anzugehören!

+Das+ ist der bittere Krieg, der +auszukämpfen+ ist im künftigen

+Frieden+! Und in uns!

Der Sieg +nach außen+ führe und geleite uns zum „+inneren+ Siege“!

Die Heilandslehre siege in den +Herzen+!

MEINE TRÄNEN

Lasset mich mich erinnern! Wann, wann habe ich wirklich bitterlich

geweint?! Wenn meine Mama abends ins Theater ging oder für Bälle sich

langsam frisierte. Aber damals war ich erst sieben Jahre alt. Das

gilt nichts. Als Maria Renard in der Oper „Werther“, als Lotte, den

Abschiedsbrief des Werther vorlas, vorsang, +in sich hineinsang+! Und

dieselbe in der Oper „Manon“, als sie in der Steppe verschmachtete,

sie, die doch einst, nun wie kann man es ändern?! Lasset mich mich

erinnern, wann ich noch wirklich weinte!? Über vieles, das +außerhalb+

und +ferne+ war von meinem Leben. Über +nichts+, was nah war und mir

sozusagen naheging. Da sieht man doch +zu genau+, daß es +nicht dafür

steht+!

QUOD LICET

Der berühmte Architekt führte seine geliebte junge Frau zu ihrer

Namenstagfeier, Bessie, in das Oratorium „Heilige Elisabeth“ von Franz

Liszt. Ich sagte ihr, sie würde dabei, trotz der +versteckten+ aber

nicht +offenbaren+ Schönheiten, vor Langweile krank werden! Sie sagte

ängstlich-befreit zu ihm: „Hörst du?!“ Nein, er hörte +nichts+. Nun

stelle ich es mir vor, wenn +ich+, um das „Heilige-Elisabeth-Oratorium“

zu hören, +meine+ Geliebte zu ihrem Namenstage hineinbrächte!

„Dieser schamlose Egoist Altenberg führt diese unglückliche Person

in dieses urlangweilige schreckliche Oratorium, noch dazu angeblich

zu ihrer Namenstagfeier, sie heißt nebbich Lisabeta, weil der Hund

selbst nämlich es gern hören will! Ah da schau her!“ Beim berühmten

Architekten hingegen jedoch sagen sie: „Was sagen Sie, was für ein

reizender zarter aufopfernder Mensch! Bringt seine Frau an ihrem

Namenstage zu dem herrlichen Oratorium „Heilige Elisabeth“ und scheut

keine Kosten!“

+Moral+: Non licet +Jovi+, quod licet +bovi+!

SIGNOR IO

Jetzt will ich ein bißchen, wie angenehm, über mich direkt mich äußern,

nicht versteckt in diskreten Gedichten. Also, selbst meine glühendsten

Verehrer werden paff sein, ich halte mich für den +Typus des normalen

Menschen+! Nämlich insoweit auch die Kremoneser Amati-Geige eigentlich

der Typus der Normalgeige ist! Daß sie auf Reize, Fingerdruck und

Bogenstreichen, zarter, intensiver, tiefer, anders reagiert als die

Marktgeige, die Herdengeige, ist selbstverständlich. Meine +fast+

pathologische, oder +ganz+ pathologische Reizbarkeit auf Eindrücke

des Lebens, Natur, Frau, Kind, Musik, Geld, macht mich zum Typus der

+Reizungsfähigkeiten+ aller Organe aller Menschen! Daß es bei ihnen

nicht so zum sichtbaren vernehmbaren Ausdruck kommt, ist ein Glück für

Alle; weil sie Marktgeigen, keine Kremoneser sind! Sie kratzen, und

ich töne, voilà tout! Der ganze Unterschied liegt in der mysteriösen

Konstruktion!

SPLITTER

Es ist eine große Kunst, Männer auf die Dauer zu +fesseln+! Eine

+größere+ Kunst wäre es, sie auf die Dauer +freizugeben+!

*

„Diesen Gedankensplitter verstehe ich nicht!“, sagte die +wunderschöne+

Mitzi Th. zu mir.

„Weil +Sie+ nie in diese Lage kommen werden! Ein jeder wird +gern+

hängen bleiben!“

AUSBLICKE

Es gibt nichts +Gemeineres+, nichts +Heimtückischeres+ als den Mann,

der, in seiner Herzensangst, seiner Frau, seiner Geliebten, +böse

erniedrigende+ Dinge sagt über +den+, der ihr zärtlichst, anbetend zu

Füßen sinkt!

Es gibt nur +eine+ richtige Methode: Der Freund +sogleich dessen+ zu

werden, der +ohne+ Besitzglück fast +dieselbe+ Zärtlichkeit aufbringt!

Wir wollen +gemeinsam+ ihr Leben verschönern, Fritz, +erleichtern+ vor

allem, +erleichtern+! Denn jede junge zarte schöne Frau lebt schwer mit

+einem+! Sie war verwöhnt, seit jeher, von Kinderfrauen, Stubenmädchen,

Köchinnen, Eltern, Brüdern, Onkeln, Besuchern, ja von der Schneiderin,

bei der sie anprobierte, und von dem Schuster, ihrer Füße wegen. Der

Handschuhmacher sogar sagte stets: „So zarte lange Finger, da wird kein

Handschuh passen, die kleinen sind zu kurz, die großen sind zu groß!“

Wie also willst du sie befriedigen, du Glücklicher, der du sie +ganz+

besitzest, das heißt also +weniger+ als +alle anderen+?! Schließe

doch +sogleich+ Freundschaft mit +dem Edlen+, der dir deine Aufgabe

+erleichtert+, sie glücklich, sie zufrieden zu machen! Und das willst

du ja doch vor allem, oder vielleicht nicht?!

Schau, es will sie dir ja keiner +wegnehmen+, man bringt ihr Blumen und

verehrt sie. Und schließlich, auf das bissel „Körper“ kommt es ja doch

nicht an!

Sie soll +zufrieden+ sein. +Das+ ist es +vor allem+. Laß dir doch dabei

ein bißchen +helfen+. +Allein+ bringst du es ja doch nicht zustande!

DILEMMA

Habe mir von einem großen modernen?!, hi hi hi hi, Künstler, durch

drei Jahre es sagen lassen müssen, daß jeder, der +Anspruch+ mache

auf das Wort „+kultiviert+“ (und welcher Ochs machte es +nicht+?!),

den +letzten+ Knopf an seinem Gilet, zu deutsch Weste, +offen+ lassen

müsse, weil der König von England es +auch so+ trage, wenn +auch

nur+ wegen seines großen Bauches. Endlich gab ich dem +Drängen+ des

großen modernen Künstlers nach, und +ich+, ich, der bisher nie Gilet

trug, sondern nach Art der unkultivierten Amerikaner, farbiges Hemd

mit Ledergürtel, ich begann, der Kultur mich +fügend+, +Gilet+ zu

tragen, um den letzten Knopf hierbei +offen+ lassen zu +können+, in der

kultivierten Lage mich befinden zu +dürfen+!

Was aber +nun+?! +Jetzt+, da ich mich daran +gewöhnt habe+, an die

Kultur der Weste und des offenen letzten Knopfes, +jetzt+, da der

Engländer nicht das +gehalten+ hat, was er +versprochen+ hat, er

hat ja nebbich überhaupt nie etwas versprochen als Sonntags die

Cafés zu sperren, jetzt soll ich +wieder+ die farbigen Hemden von

Wunderer am Kolmarkt hervorziehen, die ich überhaupt noch gar nicht

+bezahlt+ habe?! O großer moderner radikaler unerbittlicher! aber eben

deshalb +genialer+ Künstler, in welches +Dilemma+ hast du mich hinein

+getrieben+?!

ROMANTIK

Die dreizehnjährige +Rosa Zenoch+, die während der Schlacht bei

Rawaruska den Verwundeten Trinkwasser brachte und die verwundet wurde

und der der linke Fuß infolgedessen abgenommen werden mußte, wurde

von Damen im Spital befragt, was sie sich am +meisten+ erwünsche von

Geschenken?! „Taschentücher, Taschentücher, nur Taschentücher!“ sagte

sie, schon im voraus begeistert. Taschentücher! Sich wie eine vornehme

zarte Dame schneuzen können, so etwas ganz ganz Überflüssiges! Das!

Sich schneuzen dürfen in etwas, was Wert hat und sogar gewaschen werden

kann später!

(GOETHE!) HERMANN UND DOROTHEA

Extrakt

+Der Vater+

Rief ihm nach: „So gehe nur hin! Ich kenne den Trotzkopf!

Geh und führe fortan die Wirtschaft, daß ich nicht schelte;

aber denke nur nicht, du wolltest ein bäurisches Mädchen

je mir bringen ins Haus als Schwiegertochter, die Trulle!

Lange hab ich gelebt und weiß mit Menschen zu handeln,

weiß zu bewirten die Herren und Frauen, daß sie zufrieden

von mir weggehn; ich weiß den Fremden gefällig zu schmeicheln.

Aber so soll mir denn auch ein Schwiegertöchterchen endlich

wiederbegegnen und so mir die viele Mühe versüßen!

Spielen soll sie mir auch das Klavier, es sollen die schönsten,

besten Leute der Stadt sich mit Vergnügen versammeln,

wie es Sonntags geschieht im Hause des Nachbars.“ Da drückte

leise der Sohn auf die Klinke, und so verließ er die Stube.

+Die Mutter+:

„Wenn die Stunde nicht kommt, die rechte, wenn nicht das rechte

Mädchen zur Stunde sich zeigt, so bleibt das Wählen im Weiten,

und es wirket die Furcht, die Falsche zu greifen, am meisten.

Soll ich dir sagen, mein Sohn, so hast du, ich glaube, gewählet,

denn dein Herz ist getroffen und mehr als gewöhnlich empfindlich.

Sag es gerad nur heraus, denn mir schon sagt es die Seele:

Jenes Mädchen ist’s, das vertriebne, die du gewählt hast.“

FARBE

An -- -- --.

Der Mond schimmert mystisch-weiß auf die nächtlichen Wiesen

-- -- --.

In Karrara schimmern die riesigen Marmorblöcke, ausgehauen aus

Felsen für ewige Denkmäler -- -- --.

Weiß schimmert der Bergbach an der braunen Schleuse herunter

-- -- --.

Weiß schimmert das englische Batisthemd -- -- --.

Und der weiße Kandiszucker in Kinderhändchen -- -- --.

Weiß schimmern die Lämmerwölkchen am blauen Junihimmel -- -- --.

Weiß schimmert die Seele einer Heiligen -- -- --.

Aber +so+ weiß wie deine Knie schimmert +nichts+!

DIÄTETIK DER SEELE

Begehrenswerte Frauen haben ein fast geniales Gefühl +aller+ ihrer

Unzulänglichkeiten! +Infolgedessen+ verfallen sie entweder in

„+hysterische Melancholie+“, das heißt: „+Verzweiflung über sich

selbst+“, oder sie suchen sich +geschickt+ einen Idioten aus, der genug

+idiotisch+ ist, sie voll zu nehmen, sie +trotzdem+ anzubeten! Nachdem

es +unzählige+ solcher verbrecherischen Dummköpfe, Schwachköpfe,

Feiglinge, Sexual+tiere+ gibt, wären die Frauen direkt blöd, sich nicht

an +solche+ zu halten, die Messing für Gold nehmen! Es gibt genug

Männer, die sich der Frau „aufopfern“ wollen, im richtigen Instinkte,

der Welt und den Menschen sowieso nichts leisten zu können!

Ihre Komödie ihrer „Selbstlosigkeit“ ist die Tragödie ihrer eigenen

Nichtigkeit und Leere! Einer Frau „+dienen+“ heißt, sich von den

+heiligen Verpflichtungen+, die das Leben dem Manne in bezug auf

die +Menschheit+ auferlegt, mit „Senatorenfeigheit und -demut“

+loszukaufen+! „Ich hab sie halt gern“, heißt nur: „Ich hab +alle

anderen Menschen+ nicht gern!“ Wehe +allen denen+, +Schmach+ und

+Schande+ und +Verachtung+ über sie, die sich z. B. den treuen Blick

eines Hundeviehs täglich mit 20 Heller Leberwurst erkaufen! Bei

+Menschen+ müßten sie +mehr+ leisten. Aber das können, das +wollen+ sie

+nicht+!

SPLITTER

Zigarettenstopfen für Krieger, aber nicht „Mist,“ sondern

„Pursitschan,“ 100 Gramm 2 Kr. 60. Das, was +Du selbst+ noch gern

rauchst! +Das+, verstehst Du?!

*

Als ich heute von meiner neuen Zigarettenmaschine, 3 Kronen, schwärmte,

sagte mein Stubenmädchen zu mir: „Sie sind doch ein glücklicher

meschuggener Mensch!“

SCHULE DES LEBENS

Sie war eine „+freche Flietschen+,“ das heißt sie war es +gar nicht+,

sondern sie wartete +vergeblich+ und +enttäuscht+ auf die jedesmalige

Ohrfeige, die man ihr hätte +unbedingt+ geben +müssen+ für eine

jede ihrer Frechheiten! Aber man lachte, wurde nur verlegen, oder

+überhörte+ es. Denkt euch einmal ein Schulmädchen, dem der erste

Lehrer alles +absichtlich+ nachsieht, weil, weil, weil -- -- -- weil

sie ihm +sympathisch+ ist! „Der Anna g’schieht nix, die darf sich alles

erlauben bei unserm Herrn Klassenlehrer! Mir hätten schon tausendmal

etwas Fades abschreiben müssen! Aber die Anna ist ja der +Liebling+!“

Ja, der „Liebling“ ist ein +verlorenes+, +unglückseliges+, schamlos

+zugrund gerichtetes Wesen+! +Die+ haben es „am Gewissen“, die es

+lieb+ haben!

THEATER UND KRIEG

(+Viktor Arnold+ †.) Aus +Berlin+ wird uns telegraphiert: Das

ausgezeichnete Mitglied des Deutschen Theaters Viktor +Arnold+ ist

plötzlich +gestorben+. Dieser echte Menschendarsteller von tiefstem

Gemüte und schlichtester, beseelter Einfachheit brach unter den

+Eindrücken des Krieges+ zusammen. Seine Nerven konnten den Meldungen

von Schlachten und Tod nicht widerstehen. Die Ärzte schickten ihn

in Lahmanns Sanatorium, wo ihn der Tod ereilte. Die deutsche Bühne

erleidet mit seinem Hinscheiden einen großen Verlust.

P. A. Viktor Arnold war die Natur selbst, an Einfachheit, Tiefe,

Humor und schrecklicher simpler Wahrhaftigkeit! +Deshalb+ wurde für

ihn +nie+ das große „+Tamtam+“ geschlagen wie sonst für die Hamlets,

Romeos, Tassos, Mephistos, Macbeths! Er erschütterte +die+, die sowieso

erschüttert sind, auch +ohne Farce+!

PHILOSOPHIE

+Die Geliebte, in gesunden und in kranken Tagen, nämlich in unseren!+

In +gesunden+ Tagen fällt es uns +mehr+ oder +weniger+ leicht, ihr

es ununterbrochen zu +beweisen+, daß sie die +Sonne+ unseres Seins,

unser +Labsal+, unsere einzige +Stütze+, unsere +Errettung+ sei!

Aber in kranken Tagen +spießt es sich+, obzwar sie malheureuserweise

gerade +in diesen+ als Rettungsengel, Betreuerin, Helferin, ideale

Stütze eine +Rolle spielen möchte+! Gerade jetzt soll ihr, +muß+ ihr

der arme Kranke, der nur absolute +Ruhe+, +Schlaf+, +Darmfunktion+,

+Konzentration+ auf das +eigene+ geschwächte Ich brauchte, +beweisen+,

daß sie ihm +unentbehrlich sei+, und muß sich oft stundenlang vom

brechen und sch. zurückhalten; aus Angst sie zu +enttäuschen+!

Was +nützt+ es, daß sie bleich und selbstlos erklärt, sie wolle für ihn

die +niedrigsten Dienste+ verrichten?! Von ihr es +anzunehmen+ +stört+

ihn, +hindert+ ihn, +demütigt+ ihn, macht ihn unglückseliger, als er es

+so schon ist+!

Sie sitzt stundenlang an seinem Bette, betreut seinen Schlaf, macht

dabei hundert unwillkürliche und willkürliche Geräusche, die ihn

+aufschrecken+, jedenfalls die Tiefe des Schlummers, die absolute

Sorgenlosigkeit, das gänzliche regenerierende Versinken +beträchtlich

verhindern+! Ein Kavalier mit +Magen- und Darmkatarrh+ ist eine

Unmöglichkeit! Und +kein+ Kavalier sein, ist aber eine +ebensolche+

Unmöglichkeit! Uns es aber +erleichtern+ scheint eine noch größere

Unmöglichkeit zu sein für „+liebende Frauen+“!!!

DER LETZTE WILLE EINES DEUTSCHEN PRINZEN

+Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen nach seiner tödlichen Verwundung.+

+Berlin+, 14. September. (Privattelegramm.) Der jüngst gefallene Prinz

+Ernst+ von +Sachsen-Meiningen+ schrieb nach der tödlichen Verwundung,

die er erlitten, auf einen Notizblock:

„+Bestattet mich nicht in der Fürstengruft, sondern gemeinsam mit

tapferen Soldaten in der Stadt. Ein einfaches Kreuz darauf -- dies

genügt für Deutschlands Söhne.+“

BRIEFWECHSEL ZWEIER FREUNDINNEN

Liebe Freundin, wir Frauen haben etwas +Gemeinsames+ mit den Dichtern

und Denkern -- -- -- wir interessieren uns nämlich nicht für

+Lokalereignisse+ der Menschheit, sondern mehr für das Ganze! Unsere

Schwärmereien gehen ins Große, der Frühling, die Berge, die Menschheit.

Wir sind schwächliche Träumerinnen, folgen gerne ins Weite den

Propheten und Heiligen, den Vorausschauern in eine lichtere Zukunft!

Aber siehst du, manches Mal erwischt uns doch ein Lokalereignis bei

einem Zipfel unserer Seele! Zum Beispiel jetzt, wenn ich so nachdenke

in meinem Zimmer, weiß ich es genau, daß es in ganz Niederösterreich,

Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol kein Mädchen geben könne,

+unmöglich+, die auf verwundete Helden siedendes +Öl+ herabgießen

könnte! Sie +könnten+ es einfach +nicht+! Siehe, +das allein+ ist

Seelenkultur, etwas ganz Infames nicht leisten zu +können+, selbst

wenn man es sogar, +aufgestachelt+, tun möchte! Es nicht tun +können+,

sogar gegen seine Leidenschaft! Nicht lügen +können+, selbst wenn

einem das Wasser bis an den Mund geht, einen zu ertränken! Nicht

gemein sein +können+, selbst wenn es eine +Notwendigkeit wäre+; nicht

aus +moralischen Bedenken heraus+ nicht +unanständig+ sein können,

sondern aus der +Genialität+ heraus einer mysteriös +alles+ besiegenden

Naturheilkraft; da erst erweist sich die +Edelrassigkeit+ oder die

+Schäbigkeit+! Wir +könnten kein+ siedendes Öl herabgießen! Nein, +das+

könnten wir nicht, +Gott sei Dank+!

Deine Paula Sch.

AN DIE FRAUEN!

Anno Domini 1914.

+Wehe dem Luxus!+

Ich weiß es nicht, ob diese bedrängten Kriegszeiten euch noch helfen

können, Frauen! Ob ihr nicht durch diese feige schändliche +Verwöhnung+

durch die Männer, die von euch +irgendwie+ (!?) +abhängig+ sind, schon

endgültig in eurer +Psyche+ ruiniert, verkümmert, zerrüttet seid! Aber

wenn noch ein Funke „idealen Lebens“ in euch +Irregeleiteten+, durch

Mannes +Schwäche+ (angeblich +Kraft+), schlummert, so +beweist es

nun+, indem ihr euch +jegliches Unnötigen+ sogleich entäußert, und

es erfasset, daß ihr das Glück, die +Gnade+ der Selbstlosigkeit, die

+aller+ Religionen +einzig wertvoller+ Kern ist, jetzt wieder erringen

könnt, und, wenn auch mais un peu tard, +in Betätigung+ umsetzen

könnt! Eine richtig, zart, schmackhaft, billig gekochte, nahrhafte,

leichtverdauliche Suppe ist +wertvoller+ als +alles+, was ihr von

Dichtern und Künstlern +falsch aufgeschnappt+ habt! Ihr habt euch

geschmückt mit den, +wirklichen Geistern+ frech naseweis ausgerupften

Federn! Ihr habt es stets +ausgenützt+, daß der Mann euch +braucht+!

Aber +dienen+, +helfen+, +fördern+, +stärken+, habt ihr +nicht+

erlernt! Sondern +schwächen+!!! +Erlernt+?! Es liegt von jeher in euch!

Der Mann hat +nachgegeben, nachgegeben+, immer, immer, +man weiß

warum+! Und ihr, +angeblich+ Zartestes in der Welt, habt das nur

+ausgenützt+! +Ungezogen+, +frech+ und +unreligiös+!

Ein zart und besonders zubereitetes Gemüse ist +wertvoller+ als alle

eure feigen Träumereien, für die Welt! Für den +Mann+ vor allem,

diesen +Geist+, diese +Kraft+ des +Lebens+! Daß man +euch+ in dieser

Weltmaschine „Mann“ als Tonikum, als +Belebendes+, +braucht+, soll eure

+demütige sanfte Ehre+ sein! Nicht eure +freche Überhebung+! Jedes

zarte Rädchen in dieser kompliziert-genialen Maschinerie „+Mann+“

sei sich +seines Anteiles+ am Ganzen +froh-dankbar+ bewußt! Aber zu

+sagen+, zu +denken+, zu +empfinden+: etsch, wenn +ich+ stehen bleibe

und mich +versage+, ist der ganze Krempel +hin+ und +wertlos+

-- -- -- +das+ ist eine +Gemeinheit+! +Wehe+ dem Mann, der +wirklich

davon+ abhängt -- -- -- er +sterbe, als ein Unnötiger+! Als einer, der

seine +Pflicht+ als +Herr der Welt versäumt, verletzt+ hat!

SCHICKSALS TRAGISCHER ANFANG

Die Leiden des jungen Werther, von Goethe.

„Den 17. Mai.

-- -- --; noch einen braven Mann habe ich kennen gelernt, den

fürstlichen Amtmann Buff, einen offenen treuherzigen Menschen. Man

sagt, es soll eine Seelenfreude sein, ihn unter seinen Kindern zu

sehen, deren er neun hat; besonders macht man viel Wesens von seiner

ältesten Tochter Lotte.“

*

Um zwölf mittags starb er. Der Amtmann und seine Söhne folgten der

Leiche. Albert (Lottes Gatte) vermocht’s nicht. Man fürchtete für

Lottens Leben.

GEDICHT

Wie ich zu Tode quäle eine liebevolle Seele,

wenn ihre Hülle „Leib“ nicht meinem Ideal entspricht -- -- --!

Wie stell’ ich’s aber an, daß ich das „Edlere“ wähle?!?

Mein Wächter „Auge“ gestattet es mir nicht!

Er sagt: „Man täuschet dich; die beste Seele

Kann eben nur im besten Leib gedeihn!

Und nur weil Christus vollkommen schön gewesen,

konnt sich sein Herz der ganzen Menschheit weihn!

Voll innerer Sanftmut ist nur das schönste Wesen;

es dankt dem Schöpfer gleichsam ewig für seine Gnad’ auf Erden

-- -- --,

in ihrem verborgensten Blick kannst du es lesen:

‚Ich bin von Ihm +verpflichtet+ worden, +gut+ zu werden!‘

Gott ähnlich werden ist +jedem+ benommen,

der nicht +die Glieder+ dazu mitbekommen!

Nur vom +vollendet schönen+ Menschen fordre ich Hirn und Herz

-- -- --

Er fliege, gottbegnadet, himmelwärts!

Er sei gerecht, allgütig und allweise -- -- --

Und er allein stört mir nicht meine Kreise,

daß der Mensch engelrein werden könne in absehbarer Zeit!

Von den anderen aber verlang ich +nur+,

daß sie sich betrachten als mißlungene Exemplare der Ideale

erträumenden Natur!“

MAN ERMANNT SICH

„Jetzt hab ich’s aber einmal dem g’sagt!“, ist ein schrecklich blödes

und +kindlich-rührendes+ Auskunftsmittel, seine eigenen irritierten

Nerven zu beschwichtigen. Denn der, dem man’s „endlich einmal“ g’sagt

hat, der hat eine andere Ansicht darüber und denkt: „Jessas, hat der

sich jetzt ‚gift‘!“ Das heißt +wirklich+ „vergiftet“ durch Ärger!

+Jeder+ hat doch eben irgend einen +Panzer+ gegen +das+, was man ihm

sagt, um ihn +empfindlich zu treffen+! Man muß nur Frauen anschauen,

ihr Katzenantlitz, wenn man ihnen den Vorwurf der Koketterie macht!

„He, Dummer, kann ich etwas dafür, wenn ich +so vielen+ gefalle?!?“

Wirklich, soll sie sich denn das süße Gesichterl mit Ruß anstreichen,

sich die kleinen Brüste und den großen Popo abschneiden?! Niemandem,

siehe, hat man es „endlich einmal“ gesagt! Sondern man hat eine Kugel

+zielsicher+ abgeschossen, die +abprallt+ und nur +dich selbst+

verwundet!

+Sagen+ kann man nur etwas jemandem, der schon erbleicht und krank ist

vor +innerem Selbstvorwurf+, +ehe+ du es ihm +gesagt+ hast! Du kannst

jedem „+zu sich selbst+“ verhelfen, aber nicht „+zu dir+“! Will er

„+durch sich selbst+ hindurch“ +ernstlich+ zu dir, dann kannst du ihm

eventuell liebevoll die Rettungsleine werfen eines ernsten Wortes! Aber

„Dem hab ich’s einmal g’sagt!“ gibt es nicht.

PLAUDEREI

Melancholie, trüber Sinn (Trübsinn), schwarze Gedanken +übermüden+,

erschöpfen das +Gehirn+, gerade so wie Überturnen die Muskeln, das Herz!

Über etwas noch +hinüberkommen+ können, ist +Gesundheit+, über etwas

+nicht mehr+ hinüberkommen können, +Krankheit+! Endgültige Dinge sind

leichter zu überwinden als +Befürchtungen+! In den Seelen Liebevollster

steht’s ganz tief drinnen geheimnisvoll eingegraben: „Wenn’s nur schon

+aus+ wär, mit ihm, mit ihr!“

„Wird mich meine vergötterte Geliebte betrügen?!“ ist +viel

schrecklicher+ als: „Meine vergötterte Frau +hat+ mich betrogen!“

„Gott sei Dank, ich bin bei der +Matura+ gefallen!“ sagte +aufatmend+

der Abiturient, der von Oktober bis Juli gezittert hatte! Der

Verbrecher rennt oft leichtsinnig in sein eigenes Garn! Ja, sein

gequältes Gehirn zwingt ihn gleichsam, ein Ende zu machen mit den

Befürchtungen! +Leichtsinn+ des Spielers, des Trinkers, ist der

+genial-letzte+ Versuch eines gequälten Gehirnes, über +Trübsinn+

hinüberzukommen!

ANNA

„Was sprechen Sie also mit so einem Mädel wie die Anna?!“

„Selbstverständlich +nichts+. Mit einem Reh im Walde, mit einer

Gazelle, einer Antilope, führt man doch auch keine Konversation!“

„+Langweilen+ Sie sich nie mit ihr?!“

„Nein, +sie+ mit +mir+!“

*

Anna: „Peter, ich zahl dir eine Portion Kaviar, wenn du meinen neuen

Hut für hübsch erklärst!“

„Ich finde ihn reizend!“

*

„Peter, was ist los, bist schon wieder gekränkt, daß ich mit dem

Menschen weggeh?!? Hab ich dich deshalb +lieber+, wenn ich +bei dir

sitzen bleib+?! +Eher mehr+, wenn du mich +weggehn laßt+! Nur g’scheit

sein, nur ein bissel nachdenken über die Sachen! Wenn ich dableib,

langweil ich mich. Und wenn ich mich langweil, hab ich dich nicht mehr

so gern wie sonst!“

*

Baron T. fand bei ihr eines Tages einen kleinen Notizzettel:

„Ich muß für einen Moment hinaus heißt auf französisch: +je dois aller

faire pipi+. Der Peter sagt, die Französin mache kein +Geheimnis+

daraus, sie will dem Mann +nicht einreden+, sie sei ein +bedürfnisloser

Engel+! Aber auf deutsch trau ich mich doch nicht, also muß ich mir’s

jetzt französisch einlernen!“

*

„Siehst du, Peter, so bist du! Diese Dame hat zu dir jetzt gesagt, daß

du so etwas Schönes geschrieben hast: ‚+Tragisch+ muß ein Erlebnis erst

werden, dann hast du es erst +wirklich erlebt+‘!

Ich versteh das gar nicht. Aber +sie+ will dich auch nur einfangen, dir

schmeicheln damit. Und ich sag dir, +sie+ versteht’s +noch weniger+

als ich! Siehst du, wie dumm du bist, laßt dich einfangen von solchen

blöden Weibern!“

*

Man kauft ein kleines herrliches +Terrarium+, mit schwarzer Erde

und gelbem Sand, setzt eine smaragdschillernde Eidechse hinein, die

alle modernen Tänzerinnen durch edle selbstverständliche Agilität in

Schatten stellt, und dann fragen einen die Leute, +wozu+ man es habe?!

Zu welchem Zweck, und ob es einen wirklich glücklich mache?!?

*

Fechsung · 第 7 / 14 段