pour votre personnalité tendre et exceptionelle, dont on ne pourrait
pas se rendre compte exactement, mais qui pourtant a l’effet de
+régions belles qu’on ne connaissait pas jusqu’alors+ -- -- --! Votre
voix mélodique, un peu sombre et chantante, vos yeux d’une profondeur
mélancolique, quelquefois comme les boules noires et anxieuses des
papillons de nuit percés d’une aiguille dans une boite, encore vivants,
votre manière d’être assise, d’écouter, et de marcher, tout à fait
infantille et gracieuse, m’+émuent plus+ que le désir +m’excite+
de jouir de vous! Votre +personnalité+ est plus grande que votre
+féminité+ -- -- --. Je voudrai vous caresser, comme une maman exaltée
et exagérée caresserait son bébé adoré, et mes baisers surtout sur
vos yeux adorés seraient d’une tendresse passionée et sobre tout à la
fois -- -- --. La peau de votre main aimée exhale un parfum surhumain;
comme les abricotiers en fruit, dorés et chauffés par le soleil! C’est
pourquoi un baiser sur votre main quand elle est un peu chaude, me rend
plus heureux que les autres hommes peut-être la possession entière de
votre corps merveilleux et d’ébène! Je bois ennivré le parfum de vos
mains! De tenir vos mains, vos doigts longs et bruns entre les miennes,
me procure un bonheur surhumain, de la tranquillité, de la paix! Et
j’oublie mon sort triste! Mais, hélas, que puis je vous donner en
récompense?!?
Peut-être +par moi et par mon exaltation+, votre +conscience+ de
votre don céleste de pouvoir faire heureux et paisible! Ce serait
alors peut-être la „Bonne Fée“, qui a la bonne volonté de guérir les
pauvres malades d’âme, les mendians de la vie quotidienne et triste et
ennuyeuse! Pouvoir être „Bonne Fée“, c’est une mission outre-terrestre
et fière! Vous avez reçu pour ces „sorcelleries“ votre personnalité
rayonnante et douce! En +l’acclamant+, je vous +récompense+!
J’aime votre bouche, vos yeux, votre teint pâle et mystérieux, votre
démarche enfantine et gracieuse, votre voix un peu sombre et mélodique,
comme les voix dans la nuit tombante, dans les prées, dans les forêts,
dans les eaux mortes -- -- --. Vous êtes autre que les autres. Ce n’est
pas un compliment banal et niais. Mais, Lyska, on vous regarde d’un
regard +plus ému+ que les autres jeunes filles attrayantes -- -- --!
Vous n’auriez qu’à +choisir+ entre les jeunes gens -- je vous bénis
-- -- -- le plus riche!
Peter.
SPLITTER
Brief:
„Liebwerter Kollega Fr. H., ich möchte es Ihnen gern sagen, daß ich
Ihr fünfzehnjähriges Töchterchen ‚Naemi‘, (der jüdische Name hat ihr
Gott sei Dank nicht geschadet!) für eine +edelste Vollkommenheit+
halte. Aber Sie gehören bestimmt zu den Vätern, die mir darauf prompt
erwidern werden: ‚Wenn sie nur +brav+ und +gesund+ bleibt!‘ Gerade zwei
Eigenschaften, auf die ich +nicht den geringsten Wert lege+!“
*
Eine Dame war unliebenswürdig gegen mich. Ich sagte: „Nehmen Sie einen
Suppenlöffel voll Cortex Rhamni Frangulae!“
„Wird es mir nützen?!“ sagte sie.
„Nein, +mir+!“
Der befreite Mensch ist +stets+ liebenswürdig, ja sogar +zu Gnaden+
geneigt. Der andere ist mißmutig, geizig, lieblos!
*
Anita hat mich verlassen, weil sie bemerkt hat, daß ich edlere Hände
und Füße, einen elastischeren Gang habe als sie! Sie hat sich einen
genommen -- -- -- nun, Sie können es sich daher denken, wie er
aussieht! Anita ist zu mir zurückgekehrt. Sie hat reuig gesagt: „Und
eine Glatze hat er aber auch, da bleibe ich doch gleich lieber bei dir!“
*
„Es ist sehr angenehm, einen Mann liebzuhaben, der eifersüchtig ist!
Man kann ihn gegebenenfalls gleich +loswerden+! Der +andere+, der
sich +alles+ gefallen läßt, bleibt +picken+, trotz allem! Vielleicht
+braucht man+ ihn aber doch wieder +später+, zu irgend etwas!“ Ja, man
muß +vorsichtig+ sein!
*
Zwei Welten:
„Da ich +leider+ nicht splitternackt herumgehen kann, so +muß+ ich ein
Kleid tragen, das +mindestens+ meine nackte Schönheit +andeutet+!“
„Da ich +Gott sei Dank+ nicht nackt zu gehen brauche, soll mein Kleid
+vor allem+ die anderen hinweg täuschen +darüber+, was +darunter+ ist!“
*
+Seide+ ist feiner als die +Haut+! sagte der Krätzige.
*
Solange man gesund ist, hat man keinen Grund, sich vor Krankheit +zu
schützen+! Außer der „+Voraussichtige+“! Der gilt aber als Narr und
Hypochonder. Man +gönnt+ es ihm +nicht+, daß er +rechtzeitig+ auf
Mohnstrudel verzichten kann!
*
Weshalb sind die Menschen so renitent gegen +Wahrheiten+?! Damit sie
nicht bei den vielen +Unwahrheiten+, die man ihnen als Wahrheiten
+auftischt+, Schaden leiden!
*
Als ich auf dem Pordoijoch-Paß ankam, wurde es mir ganz gleichgültig,
ob meine Emmy mit dem Herrn Karl -- -- -- unten in der Ebene spazieren
gehe! Ich war eben dem Himmel um 2500 m nähergerückt!
*
Eine Frau, die sich an Eifersuchtsqualen weidet, ist +ärger+ als ein
Fleischer, der absichtlich daneben sticht, um die Qual des Opfers zu
verlängern!
*
„Was wirst du tun, wenn du mich verlierst?!“
„Dann suche ich mir eine +Wertvollere+!“
„Da bleibe ich lieber bei dir!“
*
Ich glaube nicht an +Dauer+, ich glaube nur an +Augenblicke+! Und auch
an die glaub ich eigentlich nicht! Ich glaube an den +Rausch+, das
heißt, ich weiß, daß er ein infamer +Betrug+ ist!
*
Ich halte die Volkstracht der venezianischen Mädchen für das Ideal:
schwarzer Wollschal, schwarze Strümpfe, schwarze Pantoffel, kein Hut.
Man vermeidet dadurch Neid, Eifersucht, Sehnsucht in bezug auf die
„besseren“?! Stände. Man errichtet eine Barrikade, eröffnet einen
Abgrund, schließt sich aus von dem Unnötigen! Wird frei und stolz!
*
Sei schön +nackt+! Wie du sonst bist, ist doch +belanglos+!
*
Ich hätte die Welt regenerieren können mit meinen in Lehren umgesetzten
Erkenntnissen. Aber es fehlten mir dazu +zwei+ der wichtigsten
+Talente+: die Allüren eines +Hochstaplers+ und eines +Propheten+!
*
Philosophie: Er hielt so viel vom Wert des +Schlafes+ für die
menschliche Maschine, daß +wach zu sein+ ihm direkt als ein Verlust an
Lebenskraft dünkte! Also ein Esel seines besseren Wissens!
*
Die „+Kehrseite+ der Medaille“ ist falsch ausgedrückt. Es muß heißen:
„Die +andere+ Seite!“ Beide Seiten sind nämlich gleich wichtig!
*
Ich, zu meinem Lohndiener Peter: „Sie, Peter, das ist so aufmerksam
von Ihnen, so rücksichtsvoll, mir in diesen schweren Zeiten immer
alle Extrablätter so pünktlich zu besorgen und durch die Türspalte zu
schieben -- -- --.“
„Herr Peter, unsereins ist halt auch neugierig, was vorgeht! Und wir
können’s uns es nicht kaufen!“
*
Ich warf den ganz unverständlichen chinesischen alten Mystiker in den
Papierkorb.
Morgens um ½7 traf ich mein Stubenmädchen auf dem düsteren engen
Hotelgang bei der Lektüre dieses Buches. „Das ist doch ganz
unverständlich!“ sagte ich. „Aber spannend, Herr von Altenberg,
aufregend spannend, man kennt sich da Gott sei Dank gar nicht mehr
aus. +Was man versteht, ist doch so uninteressant!+ Nicht?! Das weiß
man ja sowieso.“
*
Einer sagte: „Sehen Sie, Peter, wie ich Ihre Lehren strikte befolge!“
Und ließ sich zwei Portionen +Gervais+ zum Souper geben. Er
vermischte sie mit dem schwerst verdaulichen Öl, Paprika und Senf!
„Sonst hat das öde Zeug ja gar keinen pikanten Geschmack!“ sagte er.
*
Ich verzeihe der Frau alles, nur nicht schwarze Poren auf der Nase! Vor
allem aber ist der Mann ein Verbrecher, der sie nicht lehrt, mit dem
stumpf kurz abgeschnittenen mittleren Fingernagel durch sanftes Pressen
sie zu reinigen!
*
Einer Frau sagen: „Sie haben einen unidealen Atem“, ist schwerer als
ihr zu sagen: „Du Kanaille!“
*
Geld und Sexualität sind die reellen +Mysterien des Lebens+! Eitelkeit
und Ehrgeiz die +unreellen+!
*
Wenn man von schönen Frauen nichts anderes erlebte, als daß sie den
Teint, diesen schimmernden +untrüglichen+ Verkünder von Schönheit und
Gesundheit, mit Puder vernichten und dumm-grausam schädigen, wüßte man
+schon genug über sie+!
*
Als ein Mann seine junge Frau brutal und zynisch behandelte, sagte
ihr der zu Hilfe gerufene Ochs, der +Nervenarzt+: „Das ist die
+sentimentale Verehrung+ ihres Gatten, nur pathologisch +gehemmt+
und daher ins +Umgekehrte+ umgeschlagen!“ +Dich+ sollte man auch
um--schlagen, daß du nicht mehr aufstehen und ordinieren kannst!
*
„Haben Sie denn so viele Erfahrungen?!“ sagte eine Dame schnippisch zu
mir. „Erfahrungen nicht, aber Erfahrung!“
*
+Dialog+:
„Weshalb, Peter, sitzt Herr L. so weit weg von mir?!“
„Vielleicht nicht +weit genug+!“
„Und wenn er am Ende der Welt säße, säße er mir noch immer näher als du
neben mir!“
„Ja, aber er könnte dann eben doch nicht deinen süßen Atem beim
Sprechen spüren!“
*
+Subjektivität+:
„Si +toutes+ les Françaises, Esthère, ont si peu de miséricorde que
vous pour un homme, +qui+ les adore tendrement -- -- -- alors, je
+méprise+ la France!“
*
Ein Arzt hat nicht die merkwürdigen Symptome einer seltenen
und ihm unverständlichen Krankheit in sein „gelehrtes Wissen“
+hineinzuzwängen+, sondern sich zu sagen: „Bisher war ich also
vielleicht doch ein +Ochs+!“
*
Eine Dame sagte: „Ich bin nur neugierig, ob Sie +mir+ zuliebe Ihre
schöne Autofahrt heute aufgeben werden!?“ Später sagte sie: „Tut es
Ihnen +nicht doch+ ein bißchen leid um Ihre schöne Autofahrt?!“ „O ja,
+sogar sehr+, aber zwei Geschäfte kann man eben leider nicht auf einmal
machen!“
*
Gesunde Politik: Die +englische+ Paradeissauce mit Curry „+Catsup+“
sollte den +französischen+ Senf als Fleischwürze vertreiben!
*
Wer seine körperlichen Kräfte übersteigt, ist ein +Dummkopf+, wer seine
sexuellen Kräfte übersteigt, ist ein +Narr+, wer seine ökonomischen
Kräfte übersteigt, ist ein +Verbrecher+!
*
„Ich bin ein +Bohemien+“ heißt meistens: „Ich habe, wie Sie sehen, in
meiner Kindheit +zu wenig+ feine noble Guvernanten gehabt!“
*
Man ist nicht immer aufgelegt, seine Geliebte als unmündiges krankes
+Kindchen+ zu taxieren! Man hat selber eben manchmal Bauchschmerzen!
*
Landpartie:
„In +deiner+ Gesellschaft gefällt mir die Königswiese, Vorderbrühl,
viel besser! Nein, eigentlich: +Du+ gefällst mir viel besser in der
+Gesellschaft der Königswiese+!“
*
„Jessas, dieser Peter hat mir mein ganzes schönes +Selbstbewußtsein+
geraubt! Wer bin ich +denn dann noch+?!“ +Eine+, die kein
Selbstbewußtsein mehr hat, also das Höchste, Bescheidenste,
Anständigste, Zarteste, Nobelste, Rücksichtsvollste, Adeligste, und
-- -- -- das +Glücklichste+!
*
Potenz ist, +nur+ das unternehmen, was man +kann+! Impotenz ist +nur+,
das +unternehmen+, was man +nicht+ kann!
Es gibt auch für den Magenkranken eine +Potenz+: Weichgekochter
Karolinenreis und Gervais mit Salz. Seine Impotenz ist: Rostbratl mit
Zwiefel! Ich bin +reich+, wenn ich +weniger+ ausgebe +als ich habe+!
*
„Der Gesunde sollte eigentlich +alles+ verdauen können!“ heißt: „Ein
guter Violinspieler sollte eigentlich auch gut Flöte blasen!“
*
+Bergsteiger+: „Ich hab eine Freud +an mir+! Daß ich so gut kraxeln
kann und so viel aushalt!“
+Bergfahrer+: „Ich hab eine Freud +an der Natur+!“
*
Bessie: „Meine berühmte man Dolf is Bohémian wo es ihm +paßt+, and
+like all+, wo es ihm auch wieder paßt. Peter is everywhere Bohémian,
auch wo es ihm und den anderen gar +nicht+ mehr paßt!“
*
Man sagt immer, daß der Tierbändiger mit dem Blick bändige. Wohl
möglich. Aber „aushungern“, „prügeln“, „Finsternis“ wirken sicherer!
Wirkung des Geistes, habe ich schon bei der „Marlitt“ gelesen, aber
eine Watschen wirkt prompter.
*
Auch eine Ohrfeige muß „geistig“ sein, d. h. eine symbolische Handlung
für „Verzweiflung, Kränkung, Trauer und tiefste Liebe!“
*
+Biblisch+:
So du die nahrhafte Soyabohne in deinen Mund nehmest und die
unverdaulichen Bohnenschalen nicht ausspuckest, sollst du verdammet
sein ewiglich!
*
Eine Frau verwöhnen, heißt +sich selbst auf ihre+ Kosten (zu ihrem
+Schaden+) ein teures Vergnügen bereiten!
*
Weshalb fährt nicht Jupiters oder Jehovas Blitz hernieder, wenn eine
Geliebte sagt: „Wannst’ mich gern hast, so kaufst mir auch so an Schal
wie die Finnerl einen hat! Wannst’ mich nämlich ernstlich gern hast!?“
*
Die Liebe.
Sehnsucht ist der Wunsch etwas zu haben, was man haben +möchte+ und
+nicht+ hat!
Gibt es denn auch eine Sehnsucht nach etwas, was man +bereits+ hat?!?
Ja, wenn man etwas so lieb hat, wie man es lieb +hätte+, wenn man sich
noch danach +sehnt+ und es noch +nicht+ hat!
*
Das Unglück ist, in der Kunst und im Leben, daß dumme Leute oft
+geschickter+ sind als die gescheiten! Der Gescheite glaubt es +nicht
nötig+ zu haben, +auch noch+ geschickt zu sein, der Dumme weiß, daß er
geschickt +sein muß+! Wenn man dem Gescheiten es +beibringen+ könnte
-- -- -- aber kann man einem Gescheiten etwas beibringen?! Er glaubt
doch, daß er +gescheit ist+!
*
+Gerechtigkeit+ ist ein +Talent+ wie ein anderes! Man +hat+ es oder man
hat es +nicht+. Es ist ein +religiöses+ Talent, gerecht sein zu wollen.
Zu +erlernen+ gibt es da nichts. Das kommt von +oben+, das heißt, von
+drinnen+!
*
Die größte Kunst ist es, über einen Graben +nicht+ zu springen, der zu
breit ist, um hinüberzukommen!
*
„+Memento mori!+“ sagte jemand zu jemandem, der zu Solokrebsen
aufmerksamst roch und sagte, er traue sich nicht, sie zu essen; no
probier’s, höchstens krepierst du!
*
Ich, zu meinem Lohndiener: „Sie, wie gefällt Ihnen denn meine neue
Freundin?!?“
„Herr von Altenberg, +ich+ bin nicht +maßgebend+. Aber unser +Portier+,
der doch ein +verheirateter+ Mann ist, hat g’sagt: ‚+Da+ saget i auch
net +nein+‘!“
*
„Pétère, Sie ärgern uns oft, aber +langweilig+ sind Sie +nie+! Die
anderen sind sehr +nett+ zu uns, aber +langweilig+!“
„Welche also würden Sie vorziehen?!“
„Die Netten!“
KRIEGSZEITEN
Ein Delikatessenhändler annoncierte an seinem herrlichen
Auslagefenster: „Von 3° Kälte abwärts an kann jeder vorübergehende
+wirklich Bedürftige+ für 40 Heller +Halbemmentaler+ und ein Stück
schwarzes +bestes+ Hausbrot abends zwischen 7-8 umsonst erhalten! Es
werden nur +50+ täglich beteilt. Jeder nicht gerade sehr +Hungrige+
nimmt es +daher+ dem anderen weg!“
Ein Dichter schrieb darüber, und alle anderen Delikatessenhändler
verpflichteten sich infolgedessen zu derselben Leistung. Es wurden
daher an jedem Abend, zwischen 7-8, tausend Hungrige gespeist. Weshalb
aber gerade Halbemmentaler?! Der Dichter hatte erklärt, er ersetze
vollkommen das Fleisch, für wirklich Hungrige nämlich, und sei billiger
als Ganzemmentaler. Und Dichter wissen +alles+ genauer als die anderen.
Insofern sie nämlich +echte+ Dichter sind.
SÜHNE
Sie hatte es sich mit ihm +für ewige Zeiten+ durch eine wirklich
unmenschlich grausame, vielleicht gar nicht +so bös+ gemeinte Bemerkung
verdorben! Trotzdem hing er an ihr, noch drei lange Jahre. Dann, beim
endgültigen Abschiede, sagte er ihr es. Er teilte ihr diese ewig
eiternde Wunde mit, die in der „Schlacht des Liebeslebens“ sie ihm
einst grundlos beigebracht hatte!
Da sagte sie ergeben: „+Damals+ hättest du mich schon entfernen sollen
aus deiner Nähe!“
„Die Zeit gibt uns +genau+ den Zeitpunkt an, wann wir zu rächen,
zu strafen, zu sühnen haben! Man darf seinem Herzen nicht voreilig
zuvorkommen!“
DORA 1
In tiefe Freundschaft, Rücksicht, Fürsorge, war ich eingebettet,
+eingelullt+; nein, eingekerkert!
Um als Undankbarer nicht zu gelten mußt ich kuschen!
Ein +Hund der Dankbarkeit+!
Nun drang mir in meine Kerkermauern ein heller Ruf: „Ich heiße
+Dora+! Und ich verdanke Ihren Büchern +alles+!“
Ich lauschte diesem adeligen Ruf,
der noch +so frei klang+ von dem Druck persönlichen Empfindens!
Sie gab noch nichts, sie wollte noch nichts geben,
und hatte schon +empfangen+ und +genossen+!
Sie war noch +unenttäuscht+! Sie hatte die Glatze noch nicht gesehn
und die verhärmten Züge -- -- --.
Sie wußte noch nicht, daß man wegen fünfzig Mark, die der
Simplizissimus einem als Monatsgage kürzlich entzogen hatte,
in sich zusammenstürzen könne und zerfallen, greisenhaft-zaghaft
werden könne über Nacht!
Sie konnte noch den +Rahm abschöpfen+ einer Menschenseele,
und die wässerig-fade Milch +wegschütten+!
Eine Lebens+künstlerin+!
Sie konnte noch +aus Fernen+ schreiben:
„Ich heiße +Dora+ und verdanke Ihren Büchern +alles+!“
Es klang ein heller fremder lichter Ruf
in meine Kerkermauern der +Alltäglichkeit+!
DORA 2
Seit Samstag vormittag, um ½12 gingst du weg,
habe ich mich nach dir gesehnt! Heute ist Mittwoch.
Weshalb kamst du +nicht mehr+?! Vielleicht +deshalb+! Eben
+deshalb+!
Du wußtest dich ja doch +bei mir+, zärtlich versteckt, +in+ mir, in
meiner trauernden, sehnsuchtsvollen Seele gut geborgen!
Was brauchst du noch zu kommen, wenn du sowieso +da+ bist!?
Die meisten Frauen wissen, was sie tun, noch besser aber, was sie
unterlassen dürfen,
um sich die Gnade unseres Herzens nicht mutwillig zu verscherzen!
Du wußtest es genau an meinem Blick:
„Ich brauch jetzt mindestens eine Woche lang nicht zu kommen!“
Ja, zu kommen brauchst du nicht, monatelang,
es wird dein Bild in meiner Seele nicht verblassen!
Doch +wenn+ du kommst,
wird eine Freude sein in mir,
daß es dich nicht gereuen wird, +daß+ du gekommen!
Was ich +erlebt+ an Sehnsucht und an Trauer in diesen öden Tagen,
werde ich kniend dir auf die Hände küssen!
DORA 3
Er hatte es sich endlich, schließlich vorgenommen, falls sie doch
noch wiederkommen sollte, +falls,
nicht+ von seinem japanischen Lehnsessel aufzustehen,
sondern nur in tiefster Ergriffenheit und Freude zu sagen:
„+Endlich+!“
Das hatte er sich vorgenommen,
in diese Rolle seines Herzens hatte
er sich eingelebt, man kann sagen bei Tag und Nacht,
ein idealer Schauspieler +seiner selbst+!
Nun werdet ihr wohl glauben, daß, als sie kam,
es doch ganz anders war natürlich
als man sich’s in Gedanken vorgenommen!
+Nein+, es war +ganz so+.
Auf die Gefahr, euch zu enttäuschen!
Er blieb sitzen, schaute sie lange an und sagte: „+Endlich+!“
Nun war sie gekommen und gegangen -- -- --.
Er sah sein +tiefes Unrecht+ ein an denen,
denen er +etwas Besonderes+ seit Jahren war in ihrem
zerstörten Leben, ein Lichtschein, ein Geleite, durch ihre
Wirrnisse!
Sie war gekommen und gegangen. +Und nichts+!
Langer Zeiten vielleicht hätte es bedurft, um sie
in jene Welten, sagen wir +hinauf+ zu führen,
in welche jene anderen von selbst, +kraft ihrer+ Seele, flogen, im
+ersten+ Augenblicke der Bekanntschaft -- -- --. Frauen +werden+
nicht, sie +sind+!
Es war besser so. Die Sehnsucht hatte mich entbrannt,
und brannte mir die Seele aus, bei Tag und Nacht.
Nun bin ich wieder, kühl, bei +denen+, die mich +schützen+!
ZUM HELDENTODE DES DR. FRANK
(+Die Einigkeit!+)
+Berlin+, 12. September.
Der Präsident des Reichstages Kämpf drückte der sozialdemokratischen
Fraktion die Teilnahme zu dem schweren Verluste aus, den die
sozialistische Fraktion und der Reichstag durch den Heldentod des
Abgeordneten Frank erlitten haben.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers, Dr. +Delbrück+, richtete an den
Präsidenten des Reichstages ein Beileidsschreiben, worin es heißt:
„Im Kampfe um Deutschlands Verteidigung fiel als erstes Mitglied
des Reichstages der Abgeordnete Ludwig Frank auf dem Felde der Ehre
und besiegelte damit die Gesinnung, die er durch den Eintritt als
Kriegsfreiwilliger bekundete, mit dem Tode.“
DER VORFRÜHLING
Plateau des Hoch-Schneeberges. 2° über Null.
Der Schnee fällt als Regen herab.
In den Bergföhren singt der Sturm.
Das Elisabethkirchlein leuchtet weiß.
Die grauen Schneehalden werden weich und schimmern naß. Ihr Ende ist
gekommen. Sie werden dahinschwinden, in das kurze Gras einsickern.
Man hämmert und klopft in den Schutzhütten.
Die Tragesel hiaaaen und die Hunde bellen freudiger.
Eine Lawine donnert zu Tal, wie der technische Ausdruck lautet.
Im Tale rinnen tausend Bächlein den Flüssen zu.
Kinder finden erste Frühlingsboten, und die Guvernanten fürchten sich
vor Husten und Schnupfen für ihre Lieblinge.
Im Hochgebirge ist noch tiefer Winter.
Der Bauer steht da, ängstlich und ergeben zugleich, erhofft sich ein
günstiges Schicksal!
Frau K. sagt zu dem Oberleutnant: „Fahren wir hinaus, in die Gelände,
ich glaube, es beginnt schön und warm zu werden ----.“
NATURLIEBE
In dem geheimnisvollen verschwiegenen Zauberurwalde, Zauberwirrnis
der Wiesengräser führen Hamster und Feldmaus ihr intelligentes
Familienleben. Der Mensch schlendert daneben auf dem Wiesenpfad,
peroriert, raucht und sieht nichts trotz seiner Naturfreundschaft!
Ein Hofmeister sagte zu seinem geliebten Knaben: „Wir wollen mal
den Hamster in seinem intimen Leben beobachten, diesen berüchtigten
Geizhals und Sparmeister!“
„Weshalb Geizhals?!“
„Weil er viel mehr Kornvorräte aufspeichert, als er zu seinem Leben
braucht!“
„Weshalb tut der Dumme das?!“
„Aus Geiz!“
„Verfolgt man ihn deshalb so unerbittlich mit Haß?!“
„Ja, mein geliebter Knabe, das +Notwendige+ würde man ihm eher
nachsehen!“
WITZ
Ein wirklich tiefer philosophischer und bedeutungsvoller +Witz+:
Nachdem schon Hunderttausende zu Krüppeln geschossen sind:
„Merkwürdig, und +gerade mich+ hat das Schicksal ausersehen und
aufgespart, um einen grausamen und ungerechten Weltkrieg noch erleben
zu müssen!?“
PLAUDEREI
Habt ihr das schon bemerkt, nein, ihr habt es nicht bemerkt?! Wenn eine
geliebte, scheinbar sanfte Frau sich frisiert, sich die Haare waschen
läßt, sich anzieht oder speist, bekommt sie einen +ganz anderen+
Gesichtsausdruck. Sie läßt sich gehen, die +Komödie+ hat ein Ende.
Selbst mit dem Arzt, dem Schneider, dem Schuhmacher, dem bedienenden
Kommis im Geschäfte, ist sie noch ein komödiantenhaftes Weibchen,
denn immerhin, es sind noch Männer, wenn auch nicht solche, die man
zu täuschen braucht! Aber beim Waschen, Essen, Haaremachen, Anziehen,
bricht die schamlose egoistische Bestie hervor und prägt dem Antlitz
seine +infernalen Siegel+ auf!
Man sollte sie bei +noch viel intimeren+ Beschäftigungen zu beobachten
die Gelegenheit haben, um es zu erfahren, wie +nichtig+ und +unwichtig+
sie eigentlich, unbeobachtet, sind!
KAROLINE
„Hochverehrter Meister!
Glauben Sie meiner Freundin, der Karoline, kein Wort! Sie hat sich
alles zusammengestellt, um Ihr edles Dichterherz zu täuschen! Sie ist
gar nicht beim ‚Roten Kreuz‘ als Abwaschmadl. Das will sie Ihnen nur
patzig vormachen! Auch weiß sie daher gar nicht, ob die verwundeten
Soldaten sich nach vielen Zigaretten sehnen. Das ist gemacht, um Ihnen,
verehrter Meister, Zigarettengeld herauszulocken! Wohin das Geld
marschieren wird, kann man sich denken. Bitte mir dieses Schreiben
nicht übelzunehmen. Aber einen Dichter wie Sie so anzuschmieren! Da
ließe ich mir eher die Hände abhacken.
Ergebenst Theresia.
p. s. können mir Herr Dichter bis übermorgen 5 Kronen borgen?!“
Kaum hatte ich diesen Brief gelesen, so erschien Karoline und erzählte
mir von ihrer Stellung als Abwaschmadl und von den nach Zigaretten
schmachtenden verwundeten Soldaten.
Ich schenkte ihr neun Kronen für dreihundert Sportzigaretten.
Dann zeigte ich ihr den Brief der Freundin.
Sie sagte: „So a Mistviech! Gönnt mir nicht die warme Jacken, jetzt wo
der Winter anfangt! Sagen’s aufrichtig, is dös nicht auch ein gutes
Werk?!“
„Gewiß!“ erwiderte ich unenttäuscht.
MEINE SCHWESTER GRETL
„Also, mit 69 Jahren warst du von allen Ärzten aufgegeben, Vater,
und ich habe dich doch noch durchgebracht bis auf 85! Ich habe für
dich gekocht, dich gewaschen, und für absoluten Frieden gesorgt.
Freilich, Geliebter, hast du nicht viel davon gehabt. Einige deiner
Lieblingsspeisen, deine sieben Trabukkos täglich, deine Ruhe,
Tamar Indien Grillon, deine Zeitungsblätter, und im Sommer Aussee,
Bauernhaus Nr. 73 im Bergwalde. Für einen zu alten Mann kann man nichts
besonderes mehr leisten. Aber du hast es stets gespürt, daß ich dich
liebhabe! +Das, das+ hast du Gott sei Dank immer gespürt, trotz deines
natürlichen und selbstverständlichen +Alteregoismus+!
Ich weine mir fortan die Augen heraus, daß ich dir, Vater, nicht mehr
dienen kann!“
KRIEG