+Märzprogramm.+ Vor allem meine +Bewunderung+ für +Gussy Holl+,

Diseuse. Gleich bei der ersten Strophe der Bauernparodie, weiß, spürt

man sogleich, daß man eine ganz echte und leichte, also +graziöse+,

mühelose Könnerin vor sich hat, die dem Publikum nichts +abtrotzt+,

sondern +von selbst+ alle sogleich zu +dankbaren Freunden+ hat! Ihre

Komik ist komisch, ihre Talente sind +nicht enderschöpft+ in ihren

Darbietungen, sondern +dahinter steckt+ gleichsam ein noch gänzlich

unausgeschöpftes Repertoir sämtlicher +lustigen+ und +tragischen+

Lieder des herrlichen Hannes Ruch, der natürlich seit Marya Delvard in

Wien +entschwunden+ ist. Seine einst von Mella Mars gesungene herrliche

parodistische Tarantella wäre so ein Schlager für Gussy Holl. Sie

kann nämlich noch viel mehr als sie kann, das ist das +Befreiende+ bei

ihren Vorträgen, daß sie nicht immer nur „ein Letztes, Mühseliges“

mühselig +herauspreßt+, wie viele, die ich +leider+ nicht nenne.

Kunst muß leicht, lächelnd, kindlich, mühelos sein. Wunderbar ist

ihre Parodie der Japanerin „Hanako“, ein +tragisches Äffchen+! Sarah

Bernhardt mit der Spukarie aus „Kameliendame“ sollte sie auslassen.

Das ist zu billig. Die Bernhardt muß sie in ihrem übertriebenen

französischen Racine-et-Corneille-Pathos parodieren! Reizend macht sie

den „Damenimitator“, und als Zugabe: „Fritz Grünbaum“. Ein herziges

Kunstwerkchen sind allein schon ihre zierlich-kindischen Verbeugungen,

und überhaupt alles an ihr, jede Bewegung haucht „Persönlichkeit“

aus, für die sie nichts kann. Man ist direkt dankbar, daß sie da

ist, was man nicht von allen behaupten kann, die uns mit Liedern

und Rezitation +be--glücken+! Möge Gussy Holl, die +Könnerin+, ihr

Repertoir ausdehnen bis zu +tragischen Balladen+! Eine herrliche

Sensation ist die amerikanische Keulenschwingertruppe The five

Morton. Ein Abend im Parke eines Sportklubs: Wirklich spielen und

singen diese „+körperlichen Hocharistokraten+“ nur gleichsam für

sich selbst und werden nur +zufällig+ von Direktor Ben Tieber dafür

bezahlt. Man glaubt es fast gar nicht, daß sie für Gage spielen. So

etwas kann man auch eigentlich nicht bezahlen. Klothilde v. +Derp+

tanzt mit einem Partner idealisierte Bauerntänze zu Chopin, Opus

69 Nr. 2 und Opus 34 Nr. 1. Jedenfalls +ist+ sie und +tanzt+ sie

überaus lieblich. Ob es Chopin ist, weiß ich nicht, es ist „Tanz“ mit

Musikbegleitung. Mit den +Haxen+ kann man nicht +denken+! Und mit dem

+Gehirn+ kann man nicht +tanzen+! Die drei Clowne „+Alvaretta+“ sind

+unübertrefflich+. Mit neun Tönen a la +Kikeriki+ bringt der eine alle

Lustigkeiten herbei, und der andere mit einer unverständlichen Anrede

an das Publikum. Lustig wirken, mit geringen Mitteln, heißt „große

Mittel“ haben! Die +Alvarettas+ sind mustergültig! Sehr gut ist das

+Nachtigallen-Liebesduett+, Parodie aus der Vogelwelt, von Robert und

Bertrand. Bei McLeans sind die +allerherrlichsten rostroten Haare+

der hübschen Tänzerin allein schon ein Kunstgenuß, obzwar sie echt

sind! Diese rostrote Mähne so zu schütteln ist wunderbar. Da sieht

man wieder, daß es +nur einen Hauptschmuck+ gibt der schönen Frau,

ihre +Haare+, und nicht ekelhaft teure Hüte mit unglückseligen Tieren

ausgerupften Federn! Der Sketch mit Charlé, Brand, Bachrich, Brenneis

ist sehr lustig. Fragt mich nicht nach dem Inhalt, denn das Erröten

steht mir nicht gut! Die zwei „+Spaniels+“ der Gaudsmith haben mehr

Verve und Freudigkeiten als die meisten +menschlichen+ Akrobaten. Ihre

Lust, sich zu produzieren, ein +hündischer+, aber diesmal +edler+

Ehrgeiz, ist rührend!

SPLITTER

Zum Singen gehört die heilige +Trinität+: ein feines Ohr, eine feine

Seele, ein feiner Geist! Die meisten haben höchstens ein feines Ohr.

Und +das+ haben sie meistens nicht!

*

Es ist angenehmer, mit Frauen zu verkehren als mit Männern! Die Frau

denkt: „+Ich+ versteh einmal +gar nichts+. Er versteht vielleicht +auch

nicht viel+. Aber +mehr als ich+ versteht er jedenfalls!“

*

Eine Dame sagte zu mir: „Wissen Sie, was mir an Ihnen am meisten

imponiert hat?! Daß Sie wissen, was eine ‚+legierte Suppe+‘ ist! Das

weiß der Hofmannsthal nicht und der Dehmel nicht und der George nicht.

Der Shaw +weiß es+ vielleicht, aber er wird uns zum Narren halten

und uns erklären, daß es eine Suppe sei, in die uneheliche Kinder

hineingesprudelt werden!“

*

„La forme littéraire de son esprit était -- -- -- la +lettre+!“

La forme littéraire de son esprit était: la conversation!

La forme littéraire de son esprit était, de mettre la main tendrement

sur les genoux d’une dame pendant le souper!

*

Es ist eine Bestialität, bei Tag und bei Nacht auf der eigenen

+Loblauer+ zu liegen!

*

„Eine Dame läßt man nicht warten,“ ist von Anno 1870, zur Zeit des

Börsenkrachs.

*

Attachements an Frauen werden immer bestraft. Selbstverständlich.

Solche horrende Stupiditäten können gar nicht genug bestraft werden.

*

Es gibt +dreierlei+ Menschen, die +kein Geld+ haben: die Verschwender,

die Geizigen und die Armen.

*

Man muß wenigstens der +Leithammel+ seiner eigenen Schafherde werden

können!

*

An der Frau erlebt man nicht nur +die+ Enttäuschungen, die +sie+ uns

bereitet, sondern auch jene, die +wir ihr+ bereiten!

*

Ein glückliches Paar: +Er+ tut, was +sie+ will -- -- -- und +sie+ tut,

was +sie+ will.

*

Es ist traurig, eine +Ausnahme+ zu sein. Aber noch trauriger ist es,

+keine+ zu sein.

*

Bekehren?! Man kann einen Vogel nicht dazu bekehren, daß unter Wasser

zu atmen leichter, angenehmer und gesunder sei! +Dazu+ kann man nur

einen +Fisch+ bekehren!

*

Bei der Auswahl eines japanischen Papierkorbes kamen sie ganz

auseinander. Sie sagte: „Wie gut, daß es nicht erst im Bett geschehen

ist!“

*

Die Französin:

„J’ai vu dans un +certain+ théâtre un +certain+ Girardi, qui m’a fait

une +certaine+ impression dans une ville qui m’en a fait +aucune+!“

*

Im Augenblick, da man eine Frau „+sein eigen+“ nennt, ist sie es +schon

nicht+!

*

Auch der Hund ist +nur+ wertvoll, weil er sich nach uns +sehnt+, wenn

wir nicht da sind. Ein Hund, der sich nicht nach uns sehnt, ist ein

+Hund+!

*

Es ist nicht wahr, daß man eine geliebte Frau +sein+ eigen nennen will,

man will vor allem nicht, daß der +andere+ sie so nenne!

*

„Aber Peter, deine Angeschwärmte macht sich doch lustig über dich!“

„Ich würde mich schämen, so wenig kompliziert zu sein, um von der Dame

verstanden zu werden! Außerdem habe ich eine Glatze und kein Geld.“

*

„Langweilen Sie sich nie mit dieser Person, Herr Peter?!“

„Nein, +sie+ mit +mir+!“

*

Das Publikum ist für +sein+ Geld gern reserviert, ohne Stimmung. Ich

bin für das Geld +von anderen+ gern stimmungs-voll!

*

Hedi Weingartner, Mademoiselle Morvay, Elsa Török, Paula Hein und eine

goldrote Fremde sind die besten Tänzerinnen im Saale! Ist das ein

Aphorismus?! Nein, aber wahr ist es!

*

Die maurische Tänzerin tanzt mit den langen graubraunen Händen und

Fingern anmutiger als viele andere mit den langen weißen Beinen!

*

„Was spricht man mit so einem Mädchen den ganzen Abend?!“

„Dasselbe, was man mit der Antilope, der Gazelle und dem Kolibri

spricht! Man bewundert sie!“

„Und +das+ genügt Ihnen?!“ sagen immer diejenigen, denen etwas +noch

viel weniger+ Wichtiges genügt!

*

Paula Hein tanzt +unübertrefflich+ Tango! Wenn sie noch dazu ein

Kollier von erbsengroßen Perlen eines Grafen umhätte, würde das

Publikum ihre Kunst +anerkennen+!

*

Heute, Sonntag abend, treten +Esthère+ und +Hélène+ zum erstenmal auf.

Es ist, wie wenn man sagte: „Punkt elf Einzug der +Göttin Anmut+!“

*

Die russische Truppe Glazeroff ist „ein feuriger Wirbelsturm“. Mancher

könnte von ihnen +Elan+ lernen! Aber „Elan“ erlernt man nicht!

*

Die lange, edel gebaute Engländerin Deeley tanzt in einer weiten,

langen, himbeerfarbigen Samthose (Herrenhose) und mit gelben

Holzpantinen. Wenn ich denke, wie Frau Kl........ erst darin ausschauen

würde! Aber sie trägt leider „+Paquin-Modelle+“!

*

Frauen haben nicht nur +fünf+ Sinne mitbekommen, sondern auch einen

+sechsten+ und +sogar+ einen siebenten Sinn für +alle+ Lächerlichkeiten

und Eitelkeiten des Mannes, der sie verehrt! +Er+ aber glaubt alles

+ausgleichen+ zu können mit seinem -- -- -- Geiste!

*

+Hedi Weingartner+ ist im Apollosaal unbedingt die ideale

Repräsentantin der +Wiener+ Tänzerin: Eine riesige +Verve+, gutmütig,

ein edel-süßes Gesichterl, bescheiden, lebenslustig und dabei doch

innerlich ganz traurig. Worüber? Fragen Sie doch Franz Schubert und

Hugo Wolf!

*

Von der Idee, daß es einer Rose im Glase vielleicht weh tut, wenn sie

an eine andere zu nahe angepreßt ist und sich nicht entfalten kann, bis

zu +der+ Idee, daß es jemandem, der einen liebhat, vielleicht weh tut,

wenn man -- -- --, ist ja nur +ein+ Weg, der +Weg des Herzens+!

*

Tanzen: Zuerst tanzt man +zu wenig+; hernach tanzt man +zu viel+,

und bis man’s +kann+, tanzt man weder zu wenig noch zu viel, sondern

+gerade recht+! Ist es mit +allem+ so?! Ja, mit +allem+!

*

+Würde+! Würde ist nichts anderes als so viel zu können, daß man’s

nicht mehr nötig hat, es zu zeigen!

*

Wenn eine Frau einen +sehr, sehr+ gern hat, so bemerkt man +dennoch+,

das heißt, man bemerkt natürlich +nicht+, daß sie neben einem, ganz

neben einem, hinwelkt, matt wird, ganz matt wird und stillschweigend

verkommt! Woher, meine Herren, kommt das?! Wissen Sie, was Sauerstoff

ist und Verbrennung, Stoff+wechsel+?!

Es entsteht durch Anregungen, durch +Anregungen+ mancherlei Art. +Nur+

durch Anregungen, +von selbst nie+, nie! +Verstanden?!+

*

Wenn wir eifersüchtig sind, entsteht gerade +jene Spannung+, die die

Frau +braucht+, um den anderen interessant zu werden. Wie sollte sie

also darauf verzichten können? Wenn sie uns unseren Frieden läßt, macht

sie ein schlechtes Geschäft. Vorläufig hat sie noch uns +und+ die

anderen. Später, wieder ein gutes Geschäft, +nur+ mehr die anderen!

*

Frauen nehmen uns drei Viertel unserer Lebensenergien weg. Wenn wir

sie aber +nicht+ hätten, hätten wir +überhaupt keine+ Lebensenergien.

Freilich, es gibt noch andere Stimulantien unserer Maschinerie:

Eitelkeitsbefriedigungen, Ehrgeiz und Geldsucht. Aber das sind

Phantome. Der Leib der Frau ist leider eine Tatsache!

*

Der Mörder.

Wenn mein herziges Kanarienvogerl seine ihm notwendige Freiheit

durchs Fenster nimmt, so habe ich zu warten, ob das unvernünftige

leichtsinnige Tierl ein grauslicher Kater frißt oder ob es in sein

+Käfigerl+ „reuig“ (ein schönes und blödes Wort!) zurückkommen werde!

In +keinem Falle+ habe ich mit der Browning nach ihm zu schießen! Auch

dann nicht, wenn ich ein fescher Tangotänzer bin! Verstanden, Sie, Herr

von Mörder?!

*

Moderne Schauspielerin:

„Ich will auf der Bühne nicht mehr schreien und weinen, ich will

Gedankenstriche laut und deutlich +nicht sprechen+!“

*

Hausfrau und Gast:

„Bei uns ist es langweilig, aber man ißt gut.“

„Dann ist es doch nicht +langweilig+!“

*

Man kann mit einer „Gefallenen“ beisammensitzen, selbstverständlich.

Nur mit einer +Mätresse+ kann man es nicht, dieser +Gefallenen+ eines

Einzelnen!

*

Waldspaziergang im Herbstnebel:

„Hier, hier ist es friedvoll, hier kann einen nichts stören und

irritieren als höchstens eine geliebte Frau!“

*

A la Pschütt-Karikaturen:

Weshalb verzögern uns die geliebten Frauen die letzte Gnade?! Weil sie

wissen, daß es ihre +letzte+ ist!

*

Wenn eine Dame über jemanden sagt: „Es ist +nichts+ zwischen uns, man

kann nur so gut mit ihm über alles reden!,“ dann kann sie eben auch

so gut mit ihm +darüber+ reden, wann man mit ihm wird -- -- -- wieder

reden können!

*

Viele Mädchen, die zum Geschirrabwaschen bestimmt waren, gehen später

auf die Fasanenjagd. Sie haben ihren +Beruf+ verfehlt!

*

Der „Tango“ ist eine +ethische+ Angelegenheit: er ist der Ausgleich für

alles, was der Mann der Frau schuldig geblieben ist! Ihre Verzweiflung

heißt: Tango! Irgendwo muß sie sich +anständig+ austoben!

*

Der +edle+ Tango ist eine +Platonisierung+ der Sexualität durch schöne

rhythmische Bewegung!

*

Ein Handkuß kann eine letzte +Ehrerbietung+ sein oder eine erste

+körperliche Berührung+!

*

Jeder tanzt den Tango, so wie er selbst +ist+! Die meisten daher

+hundsordinär+!

*

„Esthère, du wirst nie wissen, was du mir gewesen bist!“

„O ja, aber erst, wenn es für mich einen Seltenheitswert bekommen hat.“

*

„Weißt du, daß das Drehen deines Köpfchens beim Tanzen und das

Schütteln deiner Locken mich seliger machen als die ganze Gnade jeder

andern?!“

„Mein Freund, ich weiß es. Deshalb solltest du mir auch ein ganz

besonders schönes Weihnachtsgeschenk machen!“

*

Naturschutzpark:

Gegenden „jungfräulich“ erhalten wollen?! Schwer aber verdienstlich!

*

Wenn einem Manne, der +selbst+ unglücklich geliebt hat, ein anderer

sich +anvertraut+ in seiner unglücklichen Liebesangelegenheit, hat er

das +Glück+, ihm +dieselben+ stupiden weisen Ratschläge zu geben, die

ihm selbst einst gegeben wurden und die ihm in nichts genützt haben,

sondern ihn nur weiter +hineingerissen+ haben!

*

Tränen eines Mannes wirken +nicht+, weil die Frau sie nach +ihren

eigenen+ billigen taxiert!

*

Das Eheglück:

Wenn +alles+ glatt geht, dann geht’s +erst recht schief+!

*

Wenn ein +Wertvoller+ sich umbringt, erfährt man es nie, +weshalb+?!

Weil die +Wertlosen+, die es +veranlaßt+ haben, es vertuschen!

*

„Peter, der Gervaiskäse, den du mir als Souper angeraten hast, hat mir

+nicht gut+ getan!“

„Wahrscheinlich hast du dich im Laufe des Tages über irgend etwas

‚gegiftet‘!“

„Ja. Aber wie kommt +das+ zum Gervais?!“

„Selbst Gervais wird +dadurch+ unverdaulich!“

„Ja, Peter, Gervais, und sich +nicht+ über Tag giften, +so+ schön und

einfach +ist+ das Leben nicht!“

*

„Machen Sie sie mit einer anderen eifersüchtig!“ ist ein perfid-blöder

Rat. Denn wenn man sie nicht +so+ gern hat, daß man ihr eben +das+

nicht +antun+ kann, dann hat man sie +überhaupt+ nicht gern!

*

„Alles zu +seiner+ Zeit“ ist ein großartiges Sprichwort. Die Frauen

möchten es +gern+ befolgen! Aber die Männer lassen sich nicht Zeit zu

„seiner Zeit“!

*

Zeige mir deine Fingernägel, und ich werde dir sagen, ob du dich an mir

+rächen+ wirst! Wofür?! Daß meine +schöner+ sind! Ist es mit dem Rücken

und den Beinen ebenso?! Nein, denn man +sieht sie nicht+. Aber auf dem

+Lido+?! +Ja, dort+ ist es +ebenso+!

*

Die +einzige+ Art, den Haß gegen +besser+ Ausgestattete zu besiegen,

ist die Bewunderung! +Künstler sein+ ist, das Bessere +bewundern+ zu

können, statt es zu +hassen+!

SEMMERING-PHOTOGRAVÜREN

+Lebens-Leitmotiv+:

„Wer die Natur +liebhat+, die schönen Wälder, die schönen Berge, die

schönen Almen, die schönen Bäche, die schönen Primeln, die schönen

Frauen, die schönen Kinder, die schönen Pferde, die schönen Hunde, die

schönen Katzen, dem kann nicht viel Böses passieren in diesem +sonst+

ziemlich dürftigen und belanglosen Erdentale! Die schönen Austern, den

schönen Kaviar nicht zu vergessen!“

+Semmeringlandschaft beim Orthof+:

Man +verliert+ sein Herz an so vieles, da kann man es doch auch einmal

an etwas +gewinnen+!

+Gloggnitz+:

Gloggnitz, ich kenne dich nicht! Aber soll mich +das+ hindern, über

dich etwas Feines zu sagen?! Keineswegs. Auf deiner Station spürt,

riecht man schon Bergluft. Hier wird die Berglokomotive angehängt.

Und Mädchen rufen dir zu: „Schneerosen gefällig, ein Büscherl zwanzig

Heller?!“ „Bald werde ich sie mir selber pflücken,“ denkt man und

verläßt stolz Gloggnitz, ohne Geldausgaben!

+Partie aus Schlagl+:

Schlagl, du bist der +einsamste+ Ort auf der ganzen Strecke, +also+ der

beneidenswerteste!

+Am Schwarzakai in Payerbach+:

Siehst du Forellen?! Nein, aber ich +ahne+ sie -- --. Dort wo sie zu

Hunderten +sind+, sind sie nicht +schöner+!

+Der Schwarzaviadukt+:

Dem Semmering zu! Um +diese+ Gefühle könnt ihr mich wirklich alle

beneiden! Aber wenn man +das+ kann, ist man ja +selber schon+

beneidenswert!

+Reichenau. Am Schwarzakai im Herbst+:

Zu +meiner+ Zeit war diese liebe herzige Brücke, die ins +Paradies+

„Talhof“ führt, noch aus grauem morschem sonn-duftendem Holz! Jetzt ist

sie prächtiger, doch nicht mehr so +prächtig+!

+Der Talhof in Reichenau gegen die Eng+:

Hier verbrachte ich die Jahre (Sommer) von 1869 bis 1880. Ich liebte

hier alles, alles fanatisch, inklusive die Talhofherrin Olga!

+Im Kurpark von Reichenau+:

Gehört Courmachen auch zur Kur?! Das +ist doch+ die Kur!

+In der Eng+:

Immer ahnte, befürchtete man, erhoffte man +Kreuzottern+, diese

schönen Teufelinnen -- -- -- -- nie kamen sie! O ja, in +anderer+

Form! Und ebenso schön von der Natur ausstaffiert! Kreuzottern kann

man +geschickt+ packen, daß sie einem nichts tun können! Und wenn sie

beißen, kann man es durch Alkoholrausch unschädlich machen!

+Die Waißnixmühle in Reichenau+:

Dieser +Mehlduft+ war uns +wunderbar+! Parfümfabrik der Natur!

+Holzarbeit+:

Auch das Holz duftete wunderbar in der düsteren Holzkammer, wo ich die

Vierzehnjährige -- -- -- -- küßte!

+Kaiserbrunn+:

In blankem Blechbecher an langer Holzstange schöpfte man uns Kindern

in eiskaltem Schneebergloch das grüne Wasser, das einst die Großstadt

beglücken sollte. 1869! Jetzt trinken es alle, Millionen. Es hat seine

Romantik verloren, +also+ einen Teil seiner Gesundheit!

+Kind im Hühnerhof+:

Erwachsene Frauen haben selten so graziöse Bewegungen! Sie füttern aber

auch nicht liebevoll Hühner, sondern +lassen+ sich füttern -- -- -- von

+Ochsen+!

+Auf dem Krummbachstein+:

Da steht einer und +vergißt+! Und -- -- -- +erinnert+ sich -- -- --.

Ich verstehe, daß man steigt, um +fern+ zu sein. Aber daß man steigt,

um zu steigen, das verstehe ich nicht! Man +steigt+ ja doch nicht!

+Das Schneebergplateau vom Herminensteig+:

Zirbelkiefer, du +Zwergmärchenwald+ meiner Kinderzeit!

+Das Baumgartnerhaus auf dem Schneeberg gegen die Raxalpe+:

Baumgartnerhaus, +Märchengasthof+ meiner Kinderjahre! In finsterer

feuchter Nacht wurde man aus dem Schlaf gerissen, der blutroten

Sonnenkugel, auf dem Kaiserstein, entgegen! Sturm brauste, Kühe

schliefen auf schwarzen Almen, und in uns ächzte der unausgeschlafene

Schlaf!

+Der Tiefblick vom Schneeberg auf das Puchberger Tal+:

Zirbelholz, Zerben, Knieholz, Latschenkiefer, Sturmgebogenes aber

+Elastisches+ im Kampf ums Dasein, ich liebe dich!

+Im oberen Höllental+:

Schwarzawasser, ich kannte jeden deiner Gurgellaute, dein Brausen,

dein Lärmen, dein Schweigen; besonders dein dunkelgrünes Schweigen in

Felsenbuchten!

+Das Raxplateau mit den Lechnermauern im Winter+:

Ich kenne das nicht. Aber meine Schwester Gretl, die Bergsteigerin,

sagte immer: „Wie kann man heiraten, wenn man +so etwas+ hat?!?“

+Das Erzherzog-Karl-Ludwig-Schutzhaus auf der Raxalpe+:

Die Menschen, die +hier+ sind, sind hier wegen +echter wirklicher+

Angelegenheiten, wegen Schneefeldern, Zirbelholz und Bergsturm!

+Die Preiner Wand mit der Preiner Schütt auf der Raxalpe+:

Hier werden keine kleinen Kinder malträtiert, hier wünscht niemand

Hofrat zu werden, hier fällt Regen, bläst Wind, hier fällt Schnee,

braust Sturm!

+Der Viadukt über den Gamperlgraben+:

Der Gamperlgraben! Selbst das Wort „Gamperl“ kann romantisch wirken!

Wie wenn eine junge Schönheit dir es mitteilt: „Je vais faire +pipi+!“

+Bahnwächter+:

Bahnwächter?! Bist du nicht abgestumpft durch deinen schweren Beruf?!

„Woll, woll! Aber +schöner+ is schon als in der Großstadt! Dort wär man

+noch mehr+ abgestumpft!“

+Das Große Höllental an der Raxalpe+:

„+Wild-romantisch+,“ sagen die Reisehandbücher. „+Friedlich-einsam+,“

sagt das Herz.

+Die Kahlmäuer von der Zikafahnleralm auf der Raxalpe+:

Die „+Rax+“ kenne ich nicht, aber meine Schwester Gretel, eine

berühmte Rax-Kletterin, sagte mir, daß auf den „Zikafahnlern“ ganze

Strauchwälder von wilden Himbeeren wüchsen! Und es dufte da droben wie

kalifornisches eingemachtes Kompott. Meine Schwester Gretl hat nicht

geheiratet. Mit den „Zikafahnlern“ können Männer nicht konkurrieren!

Womit überhaupt, bitte?!

+In der Kirche von Maria-Schutz+:

Klara Panhans, meine Tränen sollen dich +begleiten+, da Lächeln mir

+nicht beschieden+ ward!

Hier betete ich oft für meine kleine Heilige, die damals zwölfjährige

+Klara Panhans+, dort wo der Bergquell dem Altar entspringt! Eine

englische Dame sagte gestern zu mir: „Peter, wieso kommt es, daß man

erst nach acht Jahren Ihre Briefe, Ihre Tränen, Ihre Verzweiflung

versteht?!“ Ich erwiderte: „+Gut Ding braucht Weile!+“

+Partie bei Klamm im Frühling+:

Im Frühling ist alles grün -- lila -- rosig -- duftig. Mehr kann man

nicht aussagen darüber. Weshalb also reimen und dichten?!

+Einfahrt in den Pollerostunnel+:

Wenn man „Indianergeschichten“ ängstlich las, hatte man ähnliche

Stimmungen! Besonders bei der Ausfahrt. Chingachguk wurde also Gott sei

Dank doch +nicht+ skalpiert!

+Semmeringlandschaft vom Eselstein+:

„Hier kenne ich jeden Steig!“ sagte der Turist. „Hier kenne ich jeden

Grashalm!“ sagte der Dichter.

+Gefräßiges Volk; Ziegen+:

Ziegenkäse war mein Lieblingskäse. +Molkenkäs+ auf dem Lakaboden. Er

ist verschwunden aus der Welt. Er war zu +einfach+, zu +billig+, zu

+gesund+!

+Orthofstraße gegen den Feuchter+:

Sie gingen selbander. Er sagte: „+Jetzt erst+ liebe ich dich +ganz+!“

Sie erwiderte: „+Jetzt erst+ liebe ich die Natur +ganz+!“

+Auf der Straße zum Semmering+:

Da +fahren+ sie, die Reichen, fliegen dahin, 45 HP! Und die Armen

+reden es sich ein+, daß „Fußwanderung“ einen +größeren+ Genuß biete!

+Die Kaltwasserheilanstalt Semmering+:

Kaltes Wasser als Heilmittel! +Sporen+ und +Peitsche+ für ein

+ermüdetes+ Pferd! Ja, es lauft dann +frischer+, aber +auf Kosten+

seiner eigenen erschöpften Kräfte! Ich bin mehr für laues Wasser, es

wird weniger +mißbraucht+, weil es nicht so +unselig prompt+ wirkt! Die

Menschen wollen sich eben +keine Zeit+ lassen, um gesund zu werden! +Um

sich krank zu machen+, da hatten sie +jahrelang+ Zeit!

+Auf dem Semmeringpaß+:

Semmeringpaß, schon als Kind erschauerte ich, an der markierten Grenze

zweier Provinzen mich zu befinden!

+Der Talhof+:

Auch ein „Talhof“. Aber nicht der Talhof meiner geliebten

„+Talhofherrin+“! Also ein ganz gewöhnlicher Talhof! +Ohne+ Olga W.!

+Bei der Bobbahn auf dem Semmering+:

Hier frieren „Aristokraten“ stundenlang, zum Pläsier! Leider bekommen

sie keine Frostbeulen! Sie genießen sogar die Kälte! Schade!

+Zuschauer+:

Überall gibt es +Zuschauer+. Das heißt Leute, die sich für etwas

interessieren, wofür sie sich gar nicht interessieren!

+Bob in voller Fahrt+:

+Dersteßt+ euch! Ihr, die ihr +keine Zeit habt+, den Winterwald

anzustaunen!

+Auf dem Gipfel des Stuhlecks+:

Sie war auf dem „Stuhleck“, +mit ihm+! Man könnte ebenso sagen: „Sie

war in der Rotenturmstraße, +mit ihm+! Wegen dem bissel Schnee?!?!“

+Das Palace-Hotel im Winter+:

Wenn ich nur den Unterschied wüßte zwischen Winter und Sommer, auf dem

Semmering!? Im Winter trägt Klara Panhans Winterloden und im Sommer

Sommerloden! Alles andere ist doch +gleichgültig+!

+Straße in Spital+:

+Auch hier+ gibt es vielleicht alle Laster der Großstadt! Aber man

macht kein solches „Geserres“ damit! No, malheur, daß mir kane Engel

noch nicht sind!

+Auf der Kampalpe+:

+Diese+ Kühe stören mich nicht! Sie suchen sich ihr +Fressen+ selber!

+Briefträger+:

„In +Wien+ Briefe austragen muß +schrecklich+ sein! Da hat man +nicht

einmal+ auf den anstrengenden Wegen die erfreuende +Bergluft+!“

+Mürzzuschlag gegen die Schneealpe+:

Die „+Beauté+“ des Dorfes, Josefa! Aber sie fühlt nicht: „Lieber +hier+

die +erste+ als in +Wien+ die +letzte+!“ Sie fühlt: „Lieber in Wien die

+erste+!“

Hier sah ich noch eine rothaarige Wunderbare, die nach der Großstadt

sich sehnt und der die Berge +nichts+ sind, weil sie ihr nicht sagen:

„+Du+ bist +noch schöner+ als wir!“

+Gemse+:

Wenn man sie irgendwo im Geröll an den Felsmauern erschaut, fühlt man:

„+Die, die+ hat die +Freiheit+!“ Pumps, schießt sie einer tot und

prunkt noch mit dem langen straffen Rückenhaar. „Edelweiß soll man

nicht mehr +pflücken+, Gemsen soll man nicht mehr +schießen+, ja da

freut mich die ganze Bergwelt nimmer!“ sagte ein Naturfreund. Wie wenn

man sagte: „Kinder soll man nicht mehr +prügeln+?! Ja, da freut mich ja

das ganze +Familienleben+ nicht mehr!“ „+Mehr+ Geld ausgeben als man

hat, +soll+ man +nicht+?! Ja, da freut einen ja das +ganze Geld+ nicht

mehr!“ Gemse, ich erschaute dich freudig auf Geröllhalde, senkrecht

stehend! Welches Vergnügen, einen schweren anmutlosen Kadaver aber dann

herabkollern zu sehn?!?

SPLITTER

Das Dümmste ist der von lüsternen Weibchen gezüchtete Größenwahn eines

mittelmäßigen hübschen Mannes!

*

Es gibt keinen größeren Gegensatz als die Beurteilung einer

Liebesangelegenheit von Seiten des Beteiligten und von Seiten des

Unbeteiligten. Der eine hat die +Gerechtigkeit+ des Herzens, der andere

die +Ungerechtigkeit+ objektiver Beurteilung.

*

Wenn eine Dame, die man liebhat, sogleich fragt: „Weshalb ist Herr

L. nicht mitgekommen?!“ so gibt es nur drei Entschuldigungen: Sie

liebt ihn, sie „fliegt“ auf ihn, oder er macht Präsente. Nun wird man

mir prompt erwidern, es könne doch auch +bloß+ eine konventionelle

„Liebenswürdigkeit“ sein! Eine konventionelle Liebenswürdigkeit, die

einem andern eine +Qual+ bereitet, ist aber ein +gemeines Verbrechen+!

BRIEF AN EINE JUNGE BRASILIANERIN

Chère Lyska,

Fechsung · 第 5 / 14 段