(Zimmer.)
Ulrich, Hedwig.
Ulrich.
Mein schönes Fräulein, mein theure Freundin,
Sogleich eilt Albrecht her in Eure Arme,
Drum zürnet nicht, vergönnt ihm noch Erholung.
Hedwig.
O Gott! wie hab' ich diesen Augenblick gewünscht, --
Seht nur, ich kam fast ungeschmückt, mir war
Jedweder Augenblick, der unsre Trennung
Vermehrte, wie ein Tod, -- und nun, -- er liebt mich nicht,
Er hat mich wohl vergessen. --
Ulrich.
Keine Thränen
Geliebtes Kind, macht nicht die schönen Augen
Mit Weinen roth, -- er wird sogleich sich finden,
Ihm war nicht wohl, nun sitzt im Hof er drunten
Im Schatten jener Linde, schaut sich um,
Erinnert sich der alten guten Zeit
Und sammelt sein Gemüth.
Hedwig.
So laßt uns ihm
Entgegen eilen, daß ich dort ihn frage,
Daß ich ihm nur in seine Augen schaue,
Dann ist ja alles gut.
Ulrich.
Hier kommt er selbst.
Er geht ab. Albrecht tritt ein und sinkt stumm in die Arme der
Hedwig. Pause.
Hedwig.
Du weinst?
Albrecht.
O laß mich, laß mich, Süße, Dir
Zu Füßen hin in Thränen, Seufzern rinnen,
Es bricht mein Herz, -- o zu gewaltsam, -- Gott! --
Hedwig.
Wie ist Dir?
Albrecht.
Gut und wohl; -- da sind wir wieder,
Stehn wieder auf der alten Stelle! sieh doch
Die alten Sessel da, -- die Bank im Fenster,
Von wo wir oft das Thal hinab geschaut, --
Ha! noch der Einschnitt auf dem runden Tische,
Die eingeschlungnen Namen Hedwig, Albrecht, --
Gewiß, mein Herz, ich weiß nicht was ich sage, --
Mir geht das Zimmer rund, -- auch Du weinst, Hedwig?
Hedwig.
Ach, alles ist noch so, und Du, mein Albrecht, --
Ach lieber Gott, was soll der Mensch doch wünschen --
Ja, dieser Augenblick, er stand seit Jahren
Verklärt vor meiner Seele wie ein Himmel,
Da fliegst Du wie ein Engel her vom Himmel,
Nahmst mich in Deinen Arm, in mir der Himmel --
Und nun, -- wie dunkle Schwermuth, Angst und Furcht,
Welch Todesbangen zuckt durch meine Seele --
Ah, sieh, da hast Du noch den lieben Ring
An deinem Finger, hier die kleine goldne Kette,
Die ich an jenem Abend Dir geschenkt,
Als Du einmal so traurig warst, so fremd, --
Ha! weißt Du noch? -- Ach, liebster, liebster Albrecht!
Kennst Du mich denn, liebst Du mich denn, wie sonst?
Albrecht.
So senk' Dich denn mit aller Zärtlichkeit
In dieses kranke Herz, so blühe denn
In allen tiefen Schmerzen in mir auf,
Du Liebste, Einz'ge, -- lange war ich weg,
Nun bin ich da, nun wollen wir nicht weinen.
Hat denn Dein Mund das Küssen nicht verlernt?
Wie diese Thrän' aufgeht im hellen Auge
Mit Lächeln ringend, glänzend schwillt, und hängt
Wie ein Demant, nun fällt, nun fällt sie nieder,
Entrinnt dem Käfig dieser schönen Wimper,
Und so im Kuß verlösch ich Deinen Seufzer
Der ihr will folgen, wie ein Vögelein
Das andre sucht in freier Luft.
Hedwig.
Mein Albrecht!
Albrecht.
Wer kennt der Sehnenden
Thränenden
Freudvollen Schmerz?
Ein bangender Scherz
Spielt Freiheit ringend,
In Seufzern klingend
Durch's bebende Herz.
Ich kann mich nicht fassen,
Mich dünket verlassen,
Verstoßen zu sein;
Nur Lieb' hat empfunden,
Wie innig verbunden
Die Wonnen und Wunden
Im sel'gen Verein.
Hedwig.
Das war Dein erstes Lied, das Du mir sangst.
Ulrich tritt ein mit dem Kaplan Johannes.
Ulrich.
Der Herr Kaplan sucht Euch im ganzen Hause.
Johannes.
Da seid ihr wieder, lieber gnäd'ger Herr!
Der alte Graf wird auch sogleich erscheinen,
Euch Willkomm sagen; Euch ist ja bekannt,
Wie ernst und finster, und wie menschenscheu
Er immer der Gesellschaft sich entzieht,
Und diese Schwermuth hat noch zugenommen,
Und ganz vorzüglich jetzt seit wen'gen Tagen. --
Doch wie ist Euch? Mich dünkt, Ihr seid verändert,
Ihr glüht, Euch ist doch wohl?
Albrecht.
Ich bin gesund.
Du alter theurer Pfleger meiner Jugend,
Doch diese Hitze, -- ja der Tag ist heiß, --
Wo ist denn Wolf? Lebt noch der alte Knecht?
Johannes.
Wolf! Wolf! Euch ruft der gnäd'ge Junker Albrecht.
Wolf kommt.
Albrecht.
Mir ist so heiß, bring' schnell etwas zur Labung.
Wolf geht.
Johannes.
Da kommt der Graf.
Graf Erhard tritt ein.
Erhard.
Laßt Euch umarmen, seid mir hoch begrüßt.
Albrecht.
Mein theurer Vater, nehmt mich gern zum Sohn.
Wolf kommt zurück.
Wolf.
Hier Wasser aus dem kühlen Felsenbronn.