Nehmt an, es seien in Bienenstöcken zunächst einmal als Anfang 200

Millionen Mark angelegt und es sei in der Volkskasse ein Stammfonds

*in gleichem Betrage zur Deckung* der Haftung vorhanden; möge nun,

um ganz übertriebene, selbst in Zeiten schlimmster Krisis und bei

der heutigen wilden Konkurrenz nicht einmal vorhandene, Verhältnisse

anzunehmen, hiervon der 20. Teil zugrunde gehen, d. h. ein Ersatz von

10 Millionen Mark erforderlich sein. Wenn die Volkskasse wirklich 50

Millionen Köpfe zählt, so würde zum Ersatz dieses gewaltigen Schadens

auf den Kopf eine Summe von 20 Pfennig treffen; nimmt man aber den

Schaden in normalerer Höhe an, mit etwa 2 Millionen Mark, d. h., daß

jeder hundertste Bienenstock gänzlich zugrunde geht, so würden auf den

Kopf 4 Pfennig und auf die Familie 13 Pfennig treffen! Aber selbst

dieser geringe Betrag wird nicht vom einzelnen verlangt, da der Schaden

von der Volkskasse bezahlt wird, wo er durch die Zinsen des Stammfonds

und die Prämien, welche die Bienenstöcke an die Volkskasse für diese

Versicherung zahlen, mehrfach gedeckt ist. Die Zinsen des Stammfonds

von 200 Millionen Mark, wie er als Beispiel angenommen wurde, zu

4%, betragen 8 Millionen Mark; die Prämien der Bienenstöcke, zu 1%

ihres Kapitals, betragen 2 Millionen Mark; es sind also 10 Millionen

Mark oder der 20. Teil des in Bienenstöcken angelegten Kapitals zur

Erfüllung der Haftung vorhanden, ohne den Stammfonds anzugreifen.

Verluste in solcher Höhe sind aber niemals zu verzeichnen; in normalen

Verhältnissen und bei der sorgfältigen Verwaltung der Bienenstöcke

wird die Prämie allein für den Ersatz der Verluste genügen. Wenn

aber im Laufe der Jahrzehnte der Stammfonds eine ansehnliche Höhe

erreicht haben und nach Milliarden zählen wird, ist der zu leistende

Schadenersatz neben den zur Verfügung stehenden Mitteln verschwindend

klein.

*Wenn ihr euch also dazu entschließt, einige Jahre lang einen

Pfennig pro Tag und Kopf in die Volkskasse zu legen, und derselben

eure Ersparnisse zwecks Anlage derselben anzuvertrauen, so ist

der Solidarismus gegründet; ja er ist eigentlich schon vorhanden,

denn die dazu erforderlichen Mittel liegen tatsächlich in den

öffentlichen Sparkassen schon heute bereit.* Die Sparkasse der

Volkskasse verwirklicht im vollsten Umfange das Ideal, die Summe aller

angesammelten kleinen Kapitalien im Wege des absolut gesicherten

Kredits den Sparern *selbst* zur Benutzung zuzuführen, und auf dem Wege

der solidaristischen Organisation deren sämtliche Existenzbedürfnisse

voll zu befriedigen. Nennt mir den Kapitalisten, den Ring, den

Trust[13] auf der ganzen Welt, der über solch gewaltige Mittel verfügt

wie ihr! Was euch fehlt sind nicht die Mittel, sondern nur die

Einigkeit und der Wille!

Und was wird aus dem Stammkapital der Volkskasse? Unaufhörlich

vergrößert durch den Tagespfennig aller Arbeitenden, immer vermehrt,

niemals vermindert, wird es im Laufe weniger Menschenalter zu

unermeßlicher Höhe anwachsen; es wird bald weit über den Deckungsbedarf

für die Bienenstockanleihen hinauswachsen, namentlich dann, wenn die

ältern Bienenstöcke ihre Kapitalien zurückbezahlt haben oder ihren

eigenen Kredit genießen.

Dann Brüder, kommt die Zeit, wo ihr diesen unermeßlichen Reichtum,

den Reichtum der Gesamtheit, auch anderen allgemeinen, gemeinnützigen

Zwecken zuwenden werdet; eure Macht wird dann so groß, daß kein Wunsch

unerfüllbar, kein Gedankenflug zu hoch für seine Verwirklichung sein

wird! Dann werdet ihr eure Städte verschönern, eure Verkehrsmittel

verbessern und vermehren, Werke der Kunst, Forschungen der Wissenschaft

und große Erfindungen fördern, euch an den großen internationalen

völkerverbindenden Aufgaben und Friedenswerken beteiligen. Möget ihr

einsehen, daß diese goldene Zeit um so eher kommt, je allgemeiner und

regelmäßiger euer Tagespfennig zur Volkskasse wandert.

Mittel der Bienenstöcke.

Kann euer Bienenstock seinen zahlreichen Vertragsverpflichtungen in

bezug auf Einkommen der Bienen, Krankheits- und Unfallszuschüsse,

Senioren-, Invaliditäts-, Witwen- und Waisenanteile nachkommen,

seine sämtlichen obligatorischen, sozialen Einrichtungen in der

vorgeschriebenen Weise erhalten und dabei noch nennenswerte

Ergänzungseinkommen für euch erzielen?

Die Antwort auf diese Frage erfolgt wiederum am besten durch nüchterne

Zahlen aus bestehenden Verhältnissen.

Im Anhang 9[14] sind die finanziellen Abschlüsse einiger

Aktiengesellschaften aus den letztverflossenen Jahren zusammengestellt,

und zwar jeweils auf zwei Arten: 1. so, wie dieselben tatsächlich

erfolgt sind, und 2. so, wie sie nach dem Arbeitsvertrag der

Bienenstöcke zu erfolgen haben. Es sind dabei die Einnahmen und

alle Arten von Ausgaben in beiden Fällen gleich angenommen; es ist

ferner angenommen, daß die Normaleinkommen der Bienen den heutigen

Arbeitslöhnen entsprechen; die Verluste für zweifelhafte Schuldner, die

Abschreibungen und Rücklagen sind ebenfalls für beide Rechnungsarten

in gleicher Höhe eingesetzt. Dagegen sind im Bienenstockkonto

weggelassen alle Tantiemen und Gratifikationen, weil diese durch

die Ergänzungseinkommen ersetzt werden, ferner die übrigens meist

geringfügigen Zuwendungen zu Unterstützungs- und Pensionsfonds

verschiedener Art, weil ja der Bienenstock für alle Bedürfnisse

von Rechts wegen sorgt und daher Unterstützungen nicht zu leisten

hat. Dafür sind im Bienenstockkonto aufgenommen: die Verzinsung und

Rückzahlung seines Kapitals, die Prämie an die Volkskasse für deren

Haftungen und die Zuwendungen zum Stipendienfonds; diese verschiedenen

Ausgabeposten, welche die Aktiengesellschaften nicht haben, da sie ihr

Aktienkapital niemals zurückzahlen, machen meist so große Beträge aus,

daß das verteilbare Erträgnis beim Bienenstock fast stets bedeutend

kleiner ist, als bei der Aktiengesellschaft; trotzdem entfallen für

den Anteilfonds der Volkskasse und Ergänzungseinkommen der Bienen

beträchtliche Summen, wie die Schlußzusammenstellung in Anhang 9

ausweist.

Die dort gegebenen Beispiele, welche aus sehr verschiedenen Industrien

und verschiedenen Jahren, darunter die Krisisjahre 1900 und 1901,

genommen sind, ergeben tatsächlich mittlere Ergänzungseinkommen

zwischen 10 und 40% des *durchschnittlichen* Jahreslohnes pro Kopf[15];

die bedeutendsten Ergänzungseinkommen haben diejenigen Werke, welche

die in Bienenstöcken vorgeschriebenen Wohlfahrtseinrichtungen heute

schon in vollem Umfange haben, wie die Farbenfabriken Friedrich Bayer

& Ko., die Badische Anilin- und Sodafabrik etc., für diese Werke ist

der Vergleich mit den Bienenstöcken auch gerechtfertigt, weil in

deren Ausgaben die Kosten für die sämtlichen Wohlfahrtseinrichtungen

enthalten sind; für die andern Werke gibt der Vergleich kein Bild,

da nicht bekannt ist, ob und wie viel von deren Ausgaben auf

Wohlfahrtseinrichtungen trifft.

Selbstverständlich kann man auch genug Beispiele anführen, bei

welchen Ergänzungseinkommen sich nicht ergeben, man braucht dazu nur

solche Aktiengesellschaften zu wählen, welche mit Verlust arbeiten;

aber ebensowenig wie diese im laufenden Geschäftsleben die Norm

bilden, ebensowenig können sie euren Bienenstöcken als Beispiele

entgegengehalten werden; wie diese Art Betriebe im laufenden

Geschäftsleben *von selbst ausscheiden*, da sie nicht weiter arbeiten

*können*, so wird dies auch im Solidarismus der Fall sein, da dem

Volksrate das Recht vorbehalten ist, solche Bienenstöcke, welche

mit Verlusten arbeiten, aufzulösen, da sie damit selbst beweisen,

daß sie *nicht existenzfähig* und *nicht existenzberechtigt* sind.

Bis zu dieser Auflösung aber hat die Volkskasse die Haftung für die

Verpflichtungen des Bienenstocks, so daß selbst in diesem Falle alle

Existenzbedürfnisse der Bienen und ihrer Angehörigen, solange der

Bienenstock besteht, voll gesichert sind.

Die obigen Vergleiche zwischen Aktiengesellschaft und Bienenstöcken

dürfen indes nicht zu wörtlich genommen werden; das Konto der

Aktiengesellschaft zeigt allenfalls das *Minimum* an, welches ein

Bienenstock im *ungünstigsten* Fall noch erreichen könnte. In

Wirklichkeit stellt sich die Rechnung für die Bienenstöcke *viel

günstiger*, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Das Bewußtsein der Biene, das volle Erträgnis ihrer Arbeit auch

wirklich selbst zu erhalten, erzeugt *größere Leistung mit geringerem

Aufwand*.

2. Die Mitwirkung der aus den Beamten, Meistern und Arbeitern selbst

gewählten Mitglieder des Vorstandsausschusses in der Verwaltung sichert

*bessere, sparsamere Verwaltung*.

3. Die abnorm hohen Gehälter und Tantiemen des höheren Personals und

überhaupt die hohen *Verwaltungsspesen fallen weg*.

4. Da der Bienenstock sein Kapital zurückbezahlt, so werden seine

Verpflichtungen in dieser Beziehung im Laufe der Jahre geringer,

während die Aktiengesellschaft ihr Kapital immer schuldig bleibt; der

Unterschied in den notwendigen Abschreibungen, Rücklagen, Reserven

etc. macht sich in den *Konten bedeutend bemerkbar zugunsten der

Bienenstöcke*, namentlich solcher, welche schon länger bestehen.

5. Der wesentlichste Unterschied zugunsten der Bienenstöcke liegt aber

in den Gegenseitigkeitsverpflichtungen der Bienenstöcke, welche viel

*günstigere Einkäufe* der Materialien und gesichertere, *mit fast

keinen Spesen verbundene Verkäufe der ganzen Produktion* gestatten;

*die hierdurch im Bienenstock ersparten Summen sind sehr bedeutend*.

6. Infolge der vor der Errichtung des Bienenstocks veranstalteten

Erhebungen über die Bedürfnisfrage, die günstigsten

Produktionsbedingungen, den gesicherten Absatz, das Personal etc.

gelangen überhaupt nur solche Bienenstöcke zur Errichtung, deren

Existenzbedingungen nicht nur gesicherte, sondern hervorragend

günstige sind. Die natürliche Auswahl, welche die Volkskasse infolge

der Zentralisation ihrer Informationen über Nachfrage und Angebot von

Waren, ihrer Arbeiterstatistiken etc. zu treffen in der Lage ist,

*fundiert jeden Bienenstock von vornherein sicherer als jede andere

Betriebsform*; einen indirekten Beweis hierfür kann man aus der

Wirksamkeit der Trusts ableiten.

So wurde z. B. durch den amerikanischen Zuckertrust die Anzahl der

Zuckerraffinerien in den Vereinigten Staaten auf 1/3 reduziert und

dennoch der ganze Bedarf des Landes gedeckt.[16] Der Wiskytrust

reduzierte die Zahl seiner Betriebe von 84 auf 12, also auf 1/7 und

deckte damit doch den Bedarf. Während im früheren Zustand Betrieb auf

Betrieb verkrachte und auch die bestehenbleibenden der gleichen Gefahr

ausgesetzt waren und nur vegetierten, erzielten diese Trusts nachher

sehr hohe Gewinne für das zusammengelegte Kapital aller früheren

Betriebe.

Diese Beispiele, die beliebig vermehrt werden können, zeigen, *mit

welch gewaltiger Verschwendung an Kapital und Arbeitskraft in der

heutigen Volkswirtschaft gearbeitet wird, und welche erstaunlichen

Ersparnisse die solidaristische Organisation an Geld und Kraft

herbeigeführt*; denn das was die Trusts nachträglich getan haben,

die Beseitigung der Überflüssigen, Schwachen, das tut die Volkskasse

vorher, *indem sie überflüssige*, schwach *fundierte, minderwertige,

nicht existenzfähige Betriebe überhaupt nicht entstehen läßt*, sie tut

es aber nicht zum Vorteil eines oder weniger einzelner, *sondern zum

Wohle der Gesamtheit*. Das Prinzip der Einschränkung der Produktion

nach dem Konsum wird im Solidarismus zur gesunden, einzig richtigen

Grundlage der Volkswirtschaft zugunsten der Gesamtwohlfahrt.

Die finanzielle Grundlage des Bienenstocks, selbst wenn man nur

die heutigen Betriebsformen zum Vergleich heranzieht, ist demnach

eine gesunde; sie wird aber durch die sonstigen Bedingungen der

solidaristischen Organisation noch derartig verbessert, daß gegenüber

den heutigen Betrieben geradezu erstaunliche finanzielle Resultate zu

erwarten sind.

Schlußwort zu diesem Kapitel.

Brüder! Es wurde euch in diesem Kapitel *bewiesen*, daß der

Solidarismus keine Utopie ist; bewiesen nicht durch allgemeine

Betrachtungen, auf Grund mehr oder weniger unsicherer Annahmen, sondern

durch nüchterne Zahlen, geschöpft mitten heraus aus dem wirklichen

Leben, entnommen aus der Praxis des heutigen Wirtschaftslebens. Es

wurde bewiesen, daß alle Einrichtungen des Solidarismus *einzeln*

schon bestehen und vorzüglich funktionieren, daß keine derselben neue

Anforderungen stellt, neue Gewohnheiten verlangt. Es wurde bewiesen,

daß der Solidarismus aufgebaut ist auf den großen Gedanken einer

glänzenden Reihe von Menschheitsfreunden, welche zum Teil Märtyrer

ihrer Pionierarbeit wurden; daß er fußt auf der *Erfahrung* früherer

Perioden in der Geschichte der menschlichen Wirtschaft, daß er aus

diesen Erfahrungen das entnimmt, was in der heutigen Zeit und mit

den heutigen Mitteln durchführbar ist, und daß er nur die einzelnen

zerstreuten Bestrebungen in eine einzige große Bewegung nach

wirtschaftlicher Erlösung unter gemeinsamer Leitung nach einheitlichen

Gesichtspunkten vereinigt. Es wurde bewiesen, daß der *Geist der Zeit

diese Einrichtungen fordert, daß sie nur der Ausdruck vorhandener,

tiefempfundener Bedürfnisse sind*; es wurde bewiesen, daß nicht nur die

finanzielle Grundlage des Solidarismus eine gesunde ist, sondern daß

selbst die *Mittel zur Begründung desselben schon vorhanden sind*; es

wurde endlich bewiesen, daß selbst die kleinen Opfer, welche ihr Brüder

scheinbar bringen müßt, um die wunderbaren Wirkungen des Solidarismus

herbeizuführen, keine wirklichen Opfer sind, sondern 10 und 20fach

durch die rein materiellen Vorteile des Solidarismus zurückerstattet

werden, und daß zur Verwirklichung des Solidarismus nichts erforderlich

ist als ein *gemeinsamer Willensakt und eine intelligente Organisation

unter selbstloser, mit eiserner Folgerichtigkeit vorgehender Leitung*!

Alle die einzelnen Bestrebungen, welche heute die Menschheit

erfüllen, sei es in Form von Wohlfahrtseinrichtungen oder

Wohltätigkeitsveranstaltungen, von sozialen Gesetzen oder

genossenschaftlichen Bestrebungen, alle bezwecken die Milderung der

Wirkungen des sozialen Elends; der Solidarismus aber bezweckt und

erreicht die Beseitigung der Ursachen des sozialen Elendes und damit

des letzteren selbst.

*Der Solidarismus erreicht auf natürlichem Wege eure wirtschaftliche

Erlösung.*

Kapitel 7.

Wirkungen des Solidarismus.

*Brüder! Der Zweck der Arbeit, gleichgültig ob körperlich oder

geistig, ist, mit geringstem Aufwand und kleinster Anstrengung die

volle Befriedigung aller physischen, intellektuellen und moralischen

Existenzbedürfnisse der Arbeitenden und ihrer noch nicht oder nicht

mehr arbeitsfähigen Angehörigen sowie deren Schutz gegen die Folgen der

natürlichen Ungleichheiten und der sozialen Schädlichkeiten von der

Geburt an bis zum Tode.*

Diesen Zweck könnt ihr, auf euch selbst angewiesen, nicht erreichen;

ihr erreicht ihn aber im Solidarismus dadurch, daß die Gesamtheit für

jeden einzelnen eintritt, unter der Bedingung, daß jeder einzelne

einen bestimmten Teil seiner Arbeit durch freiwillig übernommene

Verpflichtung der Gesamtheit widmet.

Eine gesunde Volkswirtschaft hat durch eine richtige Organisation der

Arbeit die zweifache Aufgabe zu lösen:

Erstens: Daß der oben umschriebene Zweck der Arbeit für *jedes einzelne

ihrer Mitglieder* im vollem Umfange erreicht werde.

Zweitens: Daß durch diese Wahrung der Interessen der einzelnen *das

große Interesse der Gesamtheit ihrer Mitglieder nicht leide*.

Daß der Solidarismus diese zweifache Aufgabe für seine Angehörigen

vollständig löst, ist in folgendem erwiesen.

Wirkungen des Solidarismus auf das Wohl der einzelnen.

Materielles Wohl der Brüder.

Wenn ihr Bienen seid, so sorgt der Bienenstock durch das garantierte

Normaleinkommen für alle eure unmittelbaren Lebensbedürfnisse in

ausreichender Weise; durch das Ergänzungseinkommen seid ihr in der

Lage, auch darüber hinaus an den Genüssen des Lebens und den Segnungen

der Kultur reichlich teilzunehmen. Gleichzeitig mit der Erhöhung eurer

Einnahmen gibt euch der Bienenstock bedeutende Verminderung eurer

Ausgaben durch seine Tauschlager und seine sozialen Einrichtungen.

Die Krankheits- und Unfallszuschüsse, die Krankenhäuser und Ärzte

sorgen für euch bei Krankheiten und Unfällen; die Bestimmung, daß ihr

nur bei eigener Pflichtverletzung entlassen werden könnt, gibt euch

Sicherheit gegen Arbeitslosigkeit; der Invalidenanteil sichert euch

gegen die Folgen der Arbeitsunfähigkeit, der Seniorenanteil gewährt

euch in noch genußfähigem Alter Freiheit von Arbeit bei ungeschmälertem

Normaleinkommen; die Witwen- und Waisenanteile und die Erziehung der

Doppelwaisen sorgen für eure Hinterbliebenen im Falle eures Todes.

Indem der Bienenstock euch und die Euren ein für allemal von allen

materiellen Sorgen des Lebens befreit, macht er euch zu unabhängigen

Menschen.

Aber auch ihr Brüder, die ihr noch nicht das Glück habt, Mitglieder

von Bienenstöcken zu sein, kommt durch eure bloße Zugehörigkeit zur

Volkskasse zu Vorteilen, die ihr auf keinem andern Weg erlangen könnt:

sie ermöglicht euch bessere, billigere, mühelosere Lebenshaltung durch

den Bezug eurer sämtlichen Lebensbedürfnisse zu Bienenpreisen, und

durch die Mitbenutzung aller sozialen Einrichtungen der Bienenstöcke

zu denselben Bedingungen wie die Bienen selbst: die Krankenpflege in

den Krankenhäusern, die hygienischen Einrichtungen, die Erziehung und

Versorgung eurer Kinder im zartesten Alter, der Unterricht und die

Fortbildung auch nach dem schulpflichtigen Alter, die gesunde Kost, die

hygienischen Wohnungen usw. Alle diese Einrichtungen vermindern und

vereinfachen euch die Sorge für Küche, Haus und Erziehung und heben

euer materielles Wohl.

Brüder! Vergegenwärtigt euch doch die Wirkung all dieser Einrichtungen

auf euer Familienleben! Wenn eure Kinder in bestgeleiteten Anstalten

und Schulen untergebracht, mit liebevoller Pflege umgeben sind,

euer Weib sich nicht mehr mit Einholen, Kochen und Zutragen der

Nahrungsmittel, mit Krankenpflege zu befassen hat, welche Ruhe wird

da in euer Heim einziehen, wieviel schöner, gemütlicher sich dasselbe

gestalten, wieviel Zeit könnt ihr auf Erholung und Unterhaltung, auf

Fortbildung, nach der ihr doch alle lechzt, auf edlen Lebensgenuß im

Familien- oder Freundeskreis verwenden! Eure Frau kann sich, wenn sie

es wünscht, ohne Familienpflichten zu verletzen, einem Beruf hingeben

und so das stolze Bewußtsein bekommen, auch ihrerseits zum materiellen

Wohlstand des Hauses beizutragen.

Freilich werdet ihr Bienen diese gemeinnützigen Einrichtungen, diese

Schulen, Krankenhäuser, Speisehallen selbst zu bezahlen haben, da

ja euer Bienenstock dieselben unterhält und daher diese Kosten vom

Erträgnis desselben abgehen; aber, wenn dieselben nicht vorhanden

wären, hätte jeder einzelne von euch doch die Ausgaben dafür zu

bestreiten, welche im Leben doch nicht zu umgehen sind, und dann tritt

von selbst die Frage auf:

Ist es denn nicht billiger und besser, die Nahrungsmittel nur an einer

einzigen Stelle im Großen einzukaufen, statt an hundert oder tausend

Plätzen in einzelnen, minimalen Mengen, sie an einer Stelle, auf einem

Feuer zu kochen, statt auf hundert oder tausend zerstreuten Herden,

eure Kinder an einer Stelle zu erziehen, in schönen, gesunden Räumen,

mit allen notwendigen Mitteln, statt in Tausenden von engen Wohnungen,

mit unzulänglichen Mitteln, nur zu oft verwahrlost, unbewacht, sich

selbst überlassen?

*Alles was besser und billiger gemeinsam vollbracht wird, soll der

Mensch nicht einzeln ausführen.* -- Alles, was von allen benutzt wird

und allen zugute kommt, wie die sozialen Einrichtungen, soll auf

gemeinsame Kosten gehen. -- Alles was nur von einzelnen oder von jedem

verschieden beansprucht wird, wie Nahrung, Kleidung, soll der einzelne

selbst bezahlen, aber zum Bienenpreise. Diese Grundsätze führt der

Solidarismus für alle Bedürfnisse der Brüder, welcher Art sie auch

seien, folgerichtig durch.

Diese solidaristische Interessengemeinschaft bringt unberechenbare

Ersparnis an Zeit, Kraft, Geld, Aufregung und Mühe, und das Endergebnis

ist eine gewaltige Verbesserung für jede Einzelwirtschaft.

Körperliches Wohl der Brüder.

*Auf der Gesundheit beruht die geistige und körperliche

Produktionskraft des einzelnen und des ganzen Volkes*, mit der Kraft

und Gesundheit steigt und fällt seine Leistung. Deshalb nimmt der

Solidarismus euch schon im zartesten Alter im Säuglingsheim unter seine

Fittiche, versorgt euch dann in Kinderhorten, überwacht eure Gesundheit

durch die Bienenstockärzte auch im schulpflichtigen Alter und während

eurer Lehrzeit, gibt euch gesunde Aufenthaltsräume, Spiel- und

Sportplätze und verfolgt auf Schritt und Tritt euer Wohlbefinden. Und

diese Sorge hört nicht auf, wenn ihr erwachsen seid; jederzeit steht

euch der Rat erfahrener, eurem Wohl ergebener, ja an eurem Wohl direkt

interessierter Ärzte zur Seite; Bäder und hygienische Einrichtungen

aller Art, gesunde Wohnungen, gesunde Kost stehen euch zur Verfügung;

ein jährlicher Urlaub gestattet euch Erholung von der Anstrengung der

Arbeit. Eure Betriebe und die Hygiene eurer Wohnungen werden ständig

überwacht, um Krankheiten und Unfälle nach menschlich möglichen Kräften

zu vermeiden und um euer höchstes Gut, die Gesundheit, vor Gefahren

zu schützen; wenn euch trotzdem etwas zustößt, so stehen euch die

besteingerichteten Krankenhäuser, die sorgfältigste ärztliche Pflege,

zu Gebote; und das alles kostenlos für euch und die Euren, am Orte

eurer Tätigkeit mühelos erreichbar, nur anzunehmen und zu benutzen ohne

umständliche Formen, Kontrollen und Schreibereien.

Und schafft denn nicht die völlige Befreiung von materiellen Sorgen

-- die erste Bedingung für das körperliche Gedeihen -- für die gute

Wirkung all dieser Maßnahmen die notwendige Unterlage, und werden

dieselben nicht gefördert durch Wegschaffung zahlloser unnützer

Arbeiten und Anstrengungen aus eurem Leben?

Geistig-sittliches Wohl der Brüder.

Der Solidarismus sorgt nicht nur für euer materielles und körperliches

Wohl sondern *auch in vollstem Umfange für eure geistigen und

sittlichen Bedürfnisse*.

In den Kinderschulen der Bienenstöcke wird in eure Kinder schon

beim ersten Erwachen ihres Geistes und vor der Schulpflicht die

Aufnahmefähigkeit für geistige Entwicklung und der Keim zu sittlichen

Grundsätzen und Gewohnheiten gelegt, und dies wird fortgesetzt

durch die sorgfältige Überwachung und Bewahrung vor sittlichen

Schäden und Verwahrlosung während der Schulzeit. Nach dieser Zeit

nimmt der Bienenstock eure Söhne wieder ganz unter seine Führung

durch Fachunterricht in seinen Lehrwerkstätten unter gleichzeitiger

Weiterbildung in Fortbildungsschulen; eure Töchter werden in den

Anstalten der Bienenstöcke zu praktischen, sparsamen Hausfrauen

erzogen, fähig, auch ihre Kinder auf eine geistig und sittlich höhere

Stufe zu bringen und ihre Ehemänner an das Haus zu fesseln.

Der Solidarismus übernimmt auf diese Weise die soziale Erziehung und

bildet nach und nach Menschen heran, denen das soziale Gewissen,

die Vertragstreue, die unerschütterliche Ehrenhaftigkeit und die

Solidarität aller Menschen, aber auch die Sparsamkeit und Vorsorge,

die Wahrheit und Natürlichkeit, die Mäßigkeit, die respektvollen

Beziehungen der Geschlechter, selbstverständliche Dinge sind, und

welche von Generation zu Generation festere Stützen des Solidarismus

werden, da sie von Hause aus für diesen erzogen sind und das Leben ohne

denselben nicht kennen und nicht verstehen.

Solidarismus: Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen · 第 5 / 14 段