„Die Verwaltung soll im Namen des Sultans und unter seiner
Flagge, sowie unter Wahrung seiner Souveränetätsrechte geführt
werden. Der Sultan erhält eine nach einem Jahr festzustellende
Pachtsumme, ferner 50% des Reineinkommens, welches aus den
Zollabgaben der Häfen fließen wird; endlich die Dividende von
zwanzig Antheilscheinen der Gesellschaft à 10000 Mark, nachdem
Zinsen in der Höhe von 8% auf das eingezahlte Kapital der
Antheilscheinbesitzer bezahlt worden sind.”
Die Durchführung des Küstenvertrags mit der damit verbundenen
Besitzergreifung des Küstenstriches durch die Deutschen rief den
_Aufstand vom August 1888_ hervor. Die Reihenfolge der Ereignisse
ergibt sich aus der nachstehenden chronologischen Uebersicht.
_August_, 17. und 18. Beginn der Unruhen in _Pangani_. Der Wali
verweigert die Hissung der Gesellschaftsflagge und flüchtet sich
vor den Landungstruppen der „Carola”.
_August_, 21. Beginn der Unruhen in _Bagamoyo_. Die Sultansflagge
wird unter Anwesenheit von Mannschaften der „Möwe” vom Hause
des Wali heruntergenommen; später, als der Wali sein Haus der
Gesellschaft eingeräumt, auf derselben Stelle wieder gehißt,
neben ihr die Gesellschaftsflagge. Der Wali bleibt.
_September_, 4. Voller Aufruhr in _Pangani_. Die Beamten der
Gesellschaft werden gefangen gehalten.
_September_, 8. General Matthews trifft im Auftrag des Sultans mit
regulären Sansibarsoldaten in _Pangani_ ein und befreit die
deutschen Beamten, welche nach Sansibar zurückkehren.
_September_, 8. Die „Möwe” holt die Beamten aus dem aufrührerischen
_Tanga_ nach Sansibar.
_September_, 17. Der Häuptling _Buschiri_ tritt als Leiter des
Aufstandes in _Pangani_ auf.
_September_, 23. General Matthews wird von den Aufständischen
gezwungen, mit den Regulären aus _Pangani_ nach Sansibar
zurückzukehren.
_September_, 23. _Bagamoyo_ wird von den Arabern angegriffen; von den
Beamten unter Mitwirkung der „Leipzig” siegreich gehalten.
_September_, 23. _Lindi_ wird von den deutschen Beamten verlassen,
nachdem sie zwei Tage mit den anstürmenden Yaos gekämpft.
_September_, 23. _Mikindani_ wird bei dem Andrang von Tausenden der
Yaos von den deutschen Beamten geräumt.
_September_, 24. Kampf in _Kilwa_. Nach heftiger Gegenwehr fallen die
Beamten Krieger und Hessel.
_September_, 25. In _Bagamoyo_ ergreift der Bezirkschef Gravenreuth
die Offensive und nimmt Mtoni im Sturm.
_October_, 31. _Windi_, Waffen- und Pulverdepot der Aufrührer, wird
von der „Sophie” beschossen und zerstört.
_November_, 20. Buschiri marschirt von _Pangani_ südwärts ab.
_November_, 28. „Carola” wird vor _Windi_ beschossen; sie vertreibt
mit der „Sophie” die Rebellen.
_December_, 2. Beginn der deutsch-englischen _Blokade_.
_December_, 5.-7. Buschiri greift _Bagamoyo_ an. Er wird unter
Mitwirkung der „Leipzig” und der „Jühlke” zurückgeworfen.
_December_, 23. und 24. _Dar-es-Salaam_ wird von räuberischen Banden
von ca. 50 Mann unter Anführung des ausgewiesenen Akadi Salamini
und der Walis von Kisiju und Kikunja angegriffen, aber ohne
Erfolg.
_December_, 29. und 31. Wiederholte Angriffe gegen _Bagamoyo_. Der
Ort fast ganz zerstört. Das Stationshaus allein unversehrt
erhalten. Buschiri bezieht ein festes Lager am Kingani.
1889. _Januar_, 10. und 11. Erneuter Angriff auf _Dar-es-Salaam_.
Ein Theil der Stadt wird niedergebrannt. Die deutsche Besatzung
bleibt unerschüttert.
_Januar_, 13. Die Missionsstation _Pugu_ wird von den Rebellen
zerstört. Zwei Missionare und eine Oberin werden gefangen
genommen, welche am 11. März die Freiheit gegen Lösegeld wieder
erhielten.
_Januar_, 21. Erfolgloser Angriff auf das Karavanenhaus („Ratuhaus”)
in _Bagamoyo_ durch Buschiri.
_Januar_, 25. Landungstruppen der „Sophie” verjagen nach heftiger
Gegenwehr 80 Araber aus _Dar-es-Salaam_.
_März_, 3. Kämpfe bei _Bagamoyo_ gegen Buschiri. Lt. Meier erobert
zwei Geschütze.
_März_, 26. Die „Schwalbe” erobert _Kondutschi_.
_März_, 31. Hauptmann _Wißmann_ trifft in Sansibar ein.
Aus den Berichten des deutschen Generalconsuls Michahelles in Sansibar
(Weißbuch IV. Theil, Berlin 1889) und aus den Briefen einzelner Beamten
der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (Deutsche Kolonialzeitung,
Sept. bis Dec. 1888) erhält man ein ziemlich treues Bild von der
Entstehung und Entwickelung des Aufstandes an den einzelnen Orten.
In Sansibar war man sich der entstehenden Schwierigkeiten bei der
Umänderung der altgewohnten Regierungsform in die neue deutsche bis zu
einem gewissen Grade vollkommen bewußt. Schon im Juli 1888 bereiste der
Generalvertreter der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft mit einem
hierzu designirten Sultansbeamten sämmtliche Küstenplätze, instruirte
die Walis über den am 16. August eintretenden Regierungswechsel,
erklärte aber zugleich, daß die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen
unberührt bleiben sollten. Sämmtliche Walis erklärten ihre
Bereitwilligkeit zu bleiben. Es ist aus den bisher veröffentlichten
Mittheilungen nicht ersichtlich, ob in der Instruction auch betont
wurde, daß neben der Sultansflagge auch die Flagge der Gesellschaft
gehißt werden sollte. Im Vertrage Art. I. steht nur: „Die Verwaltung
soll von der Gesellschaft unter der Flagge des Sultans geführt werden.”
Man kann es ja selbstverständlich finden, daß die Gesellschaft zur
Behauptung ihres Ansehens auch die eigene Flagge aufpflanzen mußte;
auch scheint der Sultan selbst niemals einen Widerspruch dagegen
erhoben zu haben. Allein thatsächlich gab in Pangani die Hissung der
deutschen Gesellschaftsflagge den Anstoß zum Aufruhr.
Allen Küstenstationen waren Polizeisoldaten des Sultans beigegeben
worden in Uebereinstimmung mit dem Artikel I des Küstenvertrags: „Seine
Hoheit willigt ein, alle Acte und Handlungen, welche erforderlich sind,
um die Bestimmungen des Vertrags zur Ausführung zu bringen, vorzunehmen
und der Gesellschaft mit seiner ganzen Autorität und Macht zu helfen.”
Die Sultanssoldaten taugten aber nirgends etwas, ja die deutschen
Beamten verlangten später, daß zu ihrer Sicherheit dieselben wieder
nach Sansibar zurückbeordert werden sollten.
In _Pangani_ zeigte sich der Wali von Anfang an widerwillig; er
protestirte gegen die Hissung der deutschen Flagge durch den
Bezirkschef v. Zelewski. Das Erscheinen der „Möwe” am 17. August
mit einem Specialbefehl des Sultans setzte momentan den Willen der
Gesellschaft durch; allein kaum war sie abgefahren, so veranlaßte der
Wali sogar die Soldaten, den Gehorsam zu verweigern. Die deutsche
Marine griff am 19. August ein; der Wali entfloh. Ruhe trat ein bis zum
3. September, aber nur innerhalb der Stadt selbst; außerhalb derselben
war es unmöglich, Amtshandlungen vorzunehmen. Auf Verlangen des
Bezirkschefs warb der Generalvertreter der Gesellschaft 50 Irreguläre
der Sultanstruppe in Sansibar und schickte sie zur Unterstützung. Die
Auswahl der Irregulären muß trotz der Warnung des General Matthews
(Weißbuch IV, S. 16) eine sehr unglückliche gewesen sein, denn
gerade die Irregulären gaben dem Aufstand in Pangani neue Nahrung;
sie bemächtigten sich am 4. September einer Dau mit Pulverladung und
hielten von nun an die deutschen Beamten in ihrem Haus gefangen.
Als diese Nachricht in Sansibar eintraf und der deutsche Consul um
Absendung einer ergiebigen Truppenmacht bat, lehnte der Sultan dies
zuerst positiv ab. Erst den eindringlichen Vorstellungen des General
Matthews gelang es, den Befehl zu erwirken, daß unter seinem Commando
150 Mann reguläre Soldaten am 7. September nach Pangani geschickt
wurden. Sie wurden mit Jubel von der Bevölkerung empfangen. Man
legte die Waffen nieder und unterwarf sich dem Sultan, aber für die
deutschen Beamten gab es kein Ansehen, keine Autorität mehr. Sie
mußten froh sein, mit heiler Haut aus dem Rebellennest entlassen
zu werden. General Matthews sollte es übrigens nicht viel besser
ergehen als den deutschen Beamten. Es trat jetzt der Mann auf, der
die Revolte mit fester Hand ergriff und im Interesse der Araber
planmäßig leitete: es war _Buschiri_. Er ist kein Araber von reinem
Blut, sondern ein Suaheli-Mischling. Trotzdem fand er bei Arabern und
Eingeborenen mit seiner Legende, daß er aus dem Geschlechte der Iras
stamme, das vornehmer und älter sei als das Sultansgeschlecht auf
Sansibar, allgemeinen Glauben. Buschiri stachelte die Bevölkerung von
Pangani gegen den „Europäer und Christen” Matthews auf, sodaß dieser
am 23. September gezwungen war, mit seinen 150 Regulären das Feld
zu räumen und nach Sansibar zurückzukehren. Der von ihm installirte
Beamte des Sultans, Soliman ben Nasr, fand Duldung von seiten der
Aufständischen; sie folgten in der Regel seinen Weisungen, da er eine
Art von Sultanspartei geschaffen. Zeigte sich aber Buschiri in der
Stadt, dann zerschmolz alle Autorität des Sultans von Sansibar in
nichts.
Im benachbarten _Tanga_ hatten von Frankenberg und Klentze ganz ohne
Störung die Zollstation bezogen. Allein der Sieg des Aufruhrs in
Pangani verwirrte auch hier die Köpfe. Die Eingeborenen griffen ein
unbewaffnetes Boot der „Möwe”, das landen wollte, am 5. September an.
Sie wurden zwar am 6. blutig landeinwärts getrieben und verhielten
sich nach der Abfahrt der „Möwe” durchaus nicht aggressiv gegen die
Deutschen, welche ohne Befehl der Gesellschaft ihren Posten nicht
räumen wollten, doch der Aufstand in der ganzen Umgegend machte die
Lage der Deutschen in Tanga unhaltbar und zwecklos; sie wurden am
8. September von der „Leipzig” nach Sansibar gebracht.
In _Bagamoyo_ unter dem Bezirkschef Frhrn. von Gravenreuth kam es
anfangs zu keinen thatsächlichen Unruhen. Auf dem Gesellschaftshause
wurden am 16. August die deutsche und die Sansibarflagge ohne jede
Störung gehißt; die „Carola” lag dicht vor Anker. Nur weigerte sich
der Wali, die auf seinem Hause wehende Sultansflagge einzuziehen.
Ein darauf bezüglicher stricter Befehl rief unter den Arabern und
Indern eine drohende aufrührerische Stimmung hervor. Der deutsche
Generalconsul in Sansibar bewirkte, daß am 21. August die „Möwe” nach
Bagamoyo entsendet wurde. Jetzt gab der Wali nach und nahm selbst seine
Flagge herunter. Said Khalifa hatte lange gezögert, dem widerspenstigen
Wali einen bestimmten Befehl zu geben; erst als am 21. die „Möwe” und
dann die „Leipzig” nach Bagamoyo abgesegelt waren, entschloß er sich
auf den vermittelnden Vorschlag einzugehen, das Haus des Wali der
Gesellschaft als Amtsgebäude einzuräumen, wobei die Sultansflagge auf
der alten Stelle bleiben konnte. Sein Befehl traf zu spät ein; die
Deutschen hatten schon in Anwesenheit von zwei Kriegsschiffen ihren
Willen durchgesetzt. Aber man fügte sich sofort der neuen Anordnung:
die Gesellschaft siedelte in das Haus des Wali über und die einzige
Sultansflagge wehte auf ihrer gewohnten Stelle. Von nun an herrschte
in der Stadt Bagamoyo selbst einen vollen Monat Ruhe; landeinwärts
aber breitete sich der Aufstand aus; die Stationen Dunda und Madimola
am Kingani mußten aufgegeben werden. Durch diese Erfolge ermuthigt,
scharten sich am 23. September die Eingeborenen und Araber zu einem
gewaltsamen Angriff gegen Bagamoyo zusammen; sie wurden durch die
deutschen Beamten und eine Landungstruppe der „Leipzig” zurückgetrieben
und am 25. September in freiem Felde bei Mtoni durch Frhrn. von
Gravenreuth total geschlagen. Die trotzdem fortgesetzte Nährung des
Aufstandes schien in der fortwährenden Zufuhr von frischer Munition
ihre Hauptquelle zu haben; man vermuthete in Windi das eigentliche,
immer wieder aufgefüllte Munitionsdepot. Die „Sophie” bombardirte
deshalb am 31. October diesen Ort; zahlreiche Explosionen erwiesen die
Richtigkeit der Annahme.
Unmittelbar darauf erfreute sich auch Bagamoyo einer zunehmenden
Sicherheit; Handel und Verkehr begannen in gewohnter Weise sich zu
regen. Da tauchte plötzlich die Nachricht auf, Buschiri sei am
20. November von Pangani gegen Süden aufgebrochen. Richtig erschien
er am 5. December vor Bagamoyo. Zwei Tage wurde heftig gekämpft, die
„Leipzig” griff energisch ein; am 7. December zog sich Buschiri in das
Innere zurück und ließ infolge schwerer Verluste zwei mitgebrachte
Geschütze stehen.
Doch er ruhte nicht; er wollte Bagamoyo vernichten oder es wenigstens
von allem Verkehr mit dem Innern absperren. Ende December äscherte
er alle Wohnungen ein, die nicht von den Deutschen besetzt waren; er
schlug ein wohlbefestigtes Lager nahe vor der Stadt auf und versuchte
von hier aus, freilich vergeblich, Ende Januar und Anfang März sich der
Stationsgebäude zu bemächtigen.
_Dar-es-Salaam_ bildete anfangs eine Oase in dem ganzen vom Aufruhr
durchwühlten Küstengebiet: hier blieb alles friedlich bis in die
letzten Tage des December. Der Bezirkschef Leue dankte dies seiner
strengen Zucht, die er trotz aller humanitären Gefühle unerbittlich
aufrecht erhielt. Auch verstand er, sich des Wali, dem er mistraute,
sofort zu entledigen und dafür einen ergebenen Beamten von Sansibar
zu requiriren. Sein Einfluß reichte nach Westen bis Pugu und Usungula
und nach Norden bis Bueni, wo die Verbindung mit Gravenreuth in
Bagamoyo aufgenommen werden konnte. Der Generalconsul berichtete
unter dem 28. November: „Die Gesellschaft übt an dieser Küstenstrecke
eine thatsächliche Autorität aus.” Die fortwährende Anwesenheit eines
deutschen Kriegsschiffes im Hafen von Dar-es-Salaam, der besonders
friedfertige Charakter der Bevölkerung und die Schreckensnachrichten
über die blutigen und doch erfolglosen Kämpfe bei Bagamoyo werden
außerdem beigetragen haben, jeden Gedanken an Gewaltthätigkeiten
niederzuhalten. So wäre es auch geblieben, wenn nicht Buschiri, der
Nimmermüde, seinen Kriegszug von Bagamoyo nach Süden fortgesetzt hätte.
Die Unterbringung der durch das Blokadegeschwader befreiten Sklaven
in den Missionen zu Dar-es-Salaam und Pugu reizte den Rachedurst
und die Beutegier. Dem kurzen Kampfe vom 23. und 24. December folgte
der überlegte Sturm gegen beide Orte in der Mitte des Januar. Die
Wiedergewinnung der befreiten Sklaven und die Gefangennahme der
Missionare als werthvolle Geiseln war der Lohn der zurückgeschlagenen
Sieger.
Ganz anders als in den nördlichen Districten gestaltete sich der
Aufstand in den _südlichen Häfen_ Kilwa, Lindi und Mikindani. Das
war kein Aufstand, sondern förmlicher Krieg, unternommen von den am
Rovuma wohnenden Yao-Völkern. Möglich, daß sie von den Arabern des
Nyassa-Sees dazu aufgestachelt waren, daß man ihnen erzählt hatte, mit
der Besetzung der Küste durch die Deutschen wäre es mit dem lucrativen
Sklavenhandel vorbei, von dem sie als Sklavenjäger der Araber lebten;
möglich, daß sie nur Raublust gegen die schwachbesetzten deutschen
Stationen trieb. Verabredet war der Kriegszug jedenfalls, denn fast am
gleichen Tage erschienen sie in den drei Hafenplätzen.
In Kilwa fanden der neu eingesetzte Bezirkschef Hessel und sein Genosse
Krieger bei ihrem Einzug einen etwas hartköpfigen Wali vor. Doch
gelang es ihnen bald, seine Unterstützung wie auch die Geneigtheit
der Eingeborenen zu gewinnen. Noch am 18. September fühlten sie sich
ganz behaglich in ihrem Wirkungskreis, es war nur der Mangel einer
verlässigen Truppe, was ihnen einige Sorge für die Zukunft machte.
Da erschienen plötzlich am 19. oder 20. September die Yaos in hellen
Haufen (der Kapitän eines englischen Kriegsschiffes schätzte sie auf
15000) und verlangten die Uebergabe des Platzes, denn „ihnen hätte
vordem die Küste gehört und sie wollten ihren frühern Besitz wieder
an sich nehmen”. Die den Deutschen zu freiem Abzug gewährte Frist
von 48 Stunden wurde von diesen nicht benutzt; sie wurden in ihrem
Haus angegriffen. So tapfer die Vertheidigung, so erfolglos war sie.
Am 24. September fiel Krieger, Hessel nahm sich das Leben. Während
des zweitägigen Kampfes lag die „Möwe” unthätig bei Kilwa vor Anker.
Sie konnte das mitten im Ort gelegene Stationshaus nicht beobachten;
der interimistische Befehlshaber wagte nicht, die erhaltene Ordre,
„aufs gerathewohl keine Boote ans Land zu setzen”, eigenmächtig zu
überschreiten, und wartete vergeblich auf irgendein Zeichen der
Beamten, das ihn zu Hülfe rufen sollte.
Unblutiger verlief der Angriff und die Wegnahme von Mikindani und
Lindi. Die Yaos zeigten sich am 20. September vor _Mikindani_. Die
Araber bestürmten den Bezirkschef von Bülow, er möge fliehen; die
Uebermacht sei zu groß und die Sultanssoldaten würden nicht gegen die
schwarzen Brüder kämpfen. Es blieb ihm nichts übrig, als in der Nacht
des 23. September ein Boot zu besteigen und sich nach Sansibar zu
flüchten.
Herr von Eberstein fand die Verhältnisse in _Lindi_ von Anfang an
sehr schwierig. Lindi ist ein berüchtigter Sklavenexporthafen; um
die Befehle des Sultans von Sansibar hatte man sich dort nie viel
gekümmert. Die Araber sahen in dem Deutschen nur den Mann, der sie
um ihren gewinnreichen, altgewohnten Handel bringen wolle. Sie
verabredeten deshalb mit Kassuguro, einem Häuptling der Yaos, er solle
die Station überfallen; die Sultanssoldaten seien auf ihrer Seite.
Am 20. September rückten die Yaos an, ein Scheingefecht wurde von
den Askaris geliefert. Die Deutschen sahen, daß sie in einem Nest
von Verräthern steckten. Die Yaos wagten nicht, direct gewaltthätig
vorzugehen; sie suchten durch Verhandlungen die Deutschen zu dem Gefühl
der Sicherheit zu verführen, um sie dann wehrlos abzuschlachten. Drei
Tage dauerte dieser schwankende Zustand zwischen Kampf und Frieden.
Hülfe gegen die Tausende von Feinden war von keiner Seite zu erwarten.
Da war es der Araber Isar bin Senam, der in der Nacht des 23. September
den Beamten die unmittelbar drohende Lebensgefahr verkündete. So
konnten sich die Deutschen noch im letzten Moment auf ein Boot retten
und entkamen glücklich nach Sansibar.
Das Gebiet zwischen Rovuma und Rufidschi ist von nun an ganz und gar in
der Herrschaft der Rebellen geblieben; der Sultan von Sansibar machte
Ende September einen letzten Versuch, seiner Autorität Geltung zu
verschaffen; allein man antwortete seinem Abgesandten Nasr ben Soliman:
Said Khalifa habe nichts mehr zu sagen; er habe sein Land den Deutschen
verkauft und werde deswegen nicht mehr als Herrscher anerkannt.
So war anfangs October ganz Deutsch-Ostafrika mit Ausnahme von Bagamoyo
und Dar-es-Salaam den Händen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
entwunden worden. Denn wenn auch das Binnenland sich nicht am Aufstand
betheiligte und die Stationen in Usungula, Mbambwa und Moschi
unangefochten blieben, so hatte die Erhaltung einer dürftigen Autorität
im Innern zur Zeit gar keinen Werth, da jede Verbindung vollkommen
abgeschnitten war.
Daß aber nicht die ganze Küste den Deutschen verloren ging, namentlich
daß Bagamoyo als wichtigster Platz noch erhalten blieb, das ist
der Anwesenheit und dem Eingreifen der _deutschen Kriegsmarine_ zu
verdanken. Man hat ihr im Mutterlande den Vorwurf gemacht, daß sie
ihre Kräfte beim Beginn des Aufstandes nicht voll eingesetzt und
mit einigen wuchtigen Schlägen die doch geringe Anzahl rebellischer
Araber zu Paaren getrieben hätte. Diesen Vorwurf verdient sie selbst
aber nicht. Es scheint, daß der Marine durch höhere Befehle die
Hände gebunden waren: sie sollte wol der persönlichen Sicherheit der
Deutschen Schutz bieten, aber nicht Schutz ihrer Herrschaft durch
kriegerische Actionen. Daraus ließe sich erklären, weshalb in Pangani
am 19. August nur eine Wache von zwei Unteroffizieren und 16 Mann von
der „Carola” zurückgelassen und weshalb diese vier Tage darauf bei
etwas eingetretener Ruhe sofort wieder abgeholt wurden; ferner daß
Bagamoyo erst nach dem Angriff vom 23. September eine ständige Garnison
von 1 Offizier und 20 Mann erhielt; daß endlich der stellvertretende
Commandant der „Möwe” am 23. und 24. September vor Kilwa es nicht
wagte, Mannschaften ans Land zu setzen trotz des wahrnehmbaren Kampfes,
mit Rücksicht auf die Rüge, welche sich die „Möwe” wegen ihres
Streifzuges gegen Tanga am 5. September zugezogen.
Um übrigens die angestrengte Thätigkeit der Marine richtig zu würdigen,
muß man sich Folgendes vergegenwärtigen. Das Geschwader bestand beim
Ausbruch des Aufstandes aus 4 Schiffen, der „Leipzig”, „Carola”, „Olga”
und „Möwe”. Am 8. September kam die „Sophie” dazu; dafür schied die
„Olga” sehr bald aus; sie war nach Samoa beordert worden. Mit diesen
wenigen Schiffen mußte eine Küstenstrecke von 110 deutschen Meilen,
gleich der der ganzen deutschen Nord- und Ostseeküste, beobachtet
werden. Man war gezwungen, um überhaupt wirksam auftreten zu können,
die drei südlichen Plätze, Kilwa, Lindi und Mikindani, gerade an den
schlimmsten Tagen ihrem Schicksal zu überlassen. Man hatte eben nicht
Schiffe genug, um im regelmäßigen Turnus die vielen bedrohten Punkte
anzulaufen und rechtzeitig Nachricht von bevorstehenden Kämpfen zu
erhalten.
Das Eingreifen der einzelnen Schiffe zum Schutze der
Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft während des Aufstandes bis
Ende November ergibt sich aus folgender nach den Consulatsberichten
gemachten Zusammenstellung.
„Leipzig” am 21. August vor Bagamoyo. Flaggenhissung.
7. September bei Tanga.
20. bis 23. September vor Bagamoyo. Abwehr
des Angriffs.
„Carola” am 16. August vor Bagamoyo. Flaggenhissung.
18. und 19. August vor Pangani. Landung
einer Wachtruppe.
28. November vor Windi. Beschießung.
„Olga” am 7. September vor Tanga.
„Möwe” am 16. August vor Pangani. Flaggenhissung.
20. und 21. August vor Bagamoyo. Flaggenhissung.
23. August vor Pangani. Einholen der Wachtruppe
der „Carola”.
5. und 7. September vor Tanga. Befreiung
der deutschen Beamten.
22. bis 24. September vor Kilwa.
„Sophie” am 8. September vor Tanga.
22. October vor Bagamoyo. Landung einer
Wachtruppe.
31. October vor Windi. Beschießung.
28. November vor Windi. Beschießung.
29. November vor Saadani.
* * * * *
Die Brandreden des Cardinal Lavigerie, Erzbischofs von Karthago,
in den Monaten August und September gegen die Scheußlichkeiten des
Sklavenhandels und die dadurch aufgeregte öffentliche Theilnahme
in ganz Europa boten für den deutschen Reichskanzler eine günstige
Handhabe, mit England und Portugal Anfang November ein Abkommen über
eine _Blokade_ der ostafrikanischen Küste zu vereinbaren, wodurch
einerseits die Sklavenausfuhr gehemmt oder aufgehoben, andererseits
durch die Verhinderung der Munitionseinfuhr die Mittel zur Fortsetzung
des Aufstandes abgeschnitten werden sollten.
Das Blokadegeschwader, bestehend aus sechs deutschen Schiffen mit
54 Geschützen und 1337 Mann und aus sieben englischen Schiffen mit
52 Geschützen und 1510 Mann, erreichte den einen Zweck, Unterdrückung
des Sklavenexports, ziemlich vollständig, soweit sich dies aus der
Entfernung beurtheilen läßt. Der Aufstand selbst aber erlitt dadurch
keine wesentliche Schwächung. Die angesammelten Massen von Gewehren
und Munition, sicherlich heimlich verstärkt durch fortwährende
geringere Zufuhr, genügten immer noch zur Ausführung der wenigen
Unternehmungen im Charakter des kleinen Krieges.
Um den Aufstand niederzuwerfen, das Ansehen der Deutschen
wiederherzustellen und den Handelsverkehr nach dem Innern wieder zu
eröffnen, mußte unbedingt die Küste erobert werden. Das vermochte
die Marine nicht, man bedurfte einer eigens hierzu bestimmten und
geeigneten Landtruppe. Wer sollte sie aufbringen und bezahlen? Der
Sultan von Sansibar, der als Souverän der Küste in erster Linie hierzu
berufen gewesen wäre, hatte mit seinen Truppen bisher vollständig
Fiasco gemacht. Diese fraternisirten lieber mit den Rebellen, als daß
sie zu Gunsten der Deutschen den Befehlen ihres Kriegsherrn gehorchten.
Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, auf sich selbst angewiesen,
verfügte über zu geringe finanzielle Mittel, um die Ausgaben zur
Lösung einer so unerwartet ihr gestellten Aufgabe zu bestreiten.
Sie mußte entweder liquidiren oder die Hülfe des Deutschen Reiches
anrufen. Sie wählte das Letztere und mit vollem Recht. Haben doch auch
andere europäische Colonien und Colonialgesellschaften, vor allem die
englischen, an das Mutterland appellirt, wenn sie in der Bedrängniß
durch uncivilisirte Völkermassen die Rettung des eigenen Besitzes und
das Ansehen der eigenen Nation in höchster Gefahr und sich dieser
gegenüber machtlos sahen. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft
wandte sich Anfang Januar 1889 an den Deutschen Reichstag. Der Deutsche
Reichstag beschloß durch Gesetz vom 2. Februar 1889 die deutschen
Interessen in Ostafrika zu schützen. Hauptmann Wißmann, der berühmte
Erforscher des südlichen Kongobeckens, der gründliche Kenner des
Araber- und Negercharakters, wurde von S. M. dem Deutschen Kaiser mit
der Ausführung des Unternehmens betraut. Eine militärische Expedition
wurde ausgerüstet: 14 Offiziere, 4 Aerzte, 4 Verwaltungsbeamte und
100 Unteroffiziere der deutschen Armee traten freiwillig bei ihr ein;
600 Sudanesen und Zulus wurden angeworben und 6 Dampfer in deutschen
Häfen gechartert.
Mit dem Eintreffen Wißmann's in Sansibar am 31. März 1889 beginnt ein
neuer Abschnitt in der Gründung und Wiedereroberung Deutsch-Ostafrikas.
Rückblick auf die Ursachen und den Charakter des Aufstandes.
Im allgemeinen gilt es als ein müßiges Beginnen, über das, was
geschehen ist, kluge Betrachtungen anzustellen. Mit dem Unabänderlichen
soll man rechnen, nichts weiter. Zugegeben; aber richtig zu rechnen
vermag nur derjenige, welcher den Werth der Factoren kennt; und die
in Ostafrika wirkenden Factoren, die bisher durch den alltäglichen
Verlauf der Dinge verdeckt waren, sind während des Aufstandes und
durch ihn in ein grelles Licht getreten. Nicht eine Rechtfertigung
der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft soll geschrieben, sondern
die naturnothwendige, gesetzmäßige Wirkung von Neuerungen auf starre
Verhältnisse dargestellt werden.
Jede Veränderung in den Einrichtungen eines Staates schafft Befriedigte
und Unzufriedene; greift ein fremdes Volk ein, so wird die öffentliche
Stimmung energischer erregt. Tritt die Veränderung mit absolut
zwingender Gewalt ein, sei es als Befreiung von Ungerechtigkeiten und
Lasten, sei es unter der Entfaltung imponirender militärischer Kraft,
so werden Zufriedene wie Unzufriedene sich fügen; das Fremdartige des
Neuen wird allmählich zur unbewußten Gewohnheit im täglichen Leben
werden.
Der Abschluß des deutschen Küstenvertrags war an und für sich kein
Eingriff in den Staatsorganismus von Sansibar. Die Zollerhebung sollte
verpachtet werden, wie dies seit mehrern Jahrzehnten geschehen zwischen
dem Sultan und indischen Kaufleuten; ebenso wenig beabsichtigte
die deutsche Gesellschaft gesetzgeberische Veränderungen bei der
Uebernahme der Justiz und Verwaltung. Aber daß Europäern das Recht
übertragen wurde, nicht nur Zölle in anderer Weise zu erheben, sondern
auch Richter zu bestellen und Verwaltungsbeamte zu ernennen, das war
eine noch nie erlebte Neuerung und mußte voraussichtlich bei den
grundverschiedenen Anschauungen zwischen Europäern und Orientalen eine
tiefgehende Umwälzung zur Folge haben.
Gegen den Verkauf der Zölle an die deutsche Gesellschaft hatten die
Araber nichts einzuwenden, wie sie dem Generalconsul Michahelles im
November 1888 auseinandersetzten; das wäre eine private Geschäftssache
des Sultans, von der sie nicht den geringsten Nachtheil zu befürchten
hätten. Nur die Manipulation der Zollerhebung sollte nicht dem
Gutdünken der Deutschen überlassen werden, welche die herkömmlichen,
den Händlern vortheilhaften Misbräuche und Durchstechereien
wahrscheinlich abschaffen würden. Was sie am meisten aufbrachte, war
die Befürchtung, daß mit dem Eintritt der deutschen Verwaltung ihr
uncontrolirtes, freies Schalten und Walten an der Küste, die durch
Bestechlichkeit handsam gewordene Rechtspflege und die Präponderanz
ihres Ansehens unter den Negern aufhören werde. Mit der Verminderung
ihrer socialen Stellung käme auch das Vertrauen in die Prosperität
ihrer Geschäftsverbindungen ins Schwanken und die indischen Kaufleute
entzögen ihnen dann jede Art von Vorschüssen, ohne welche sie ihren
Handel nicht wie bisher betreiben könnten. So und ähnlich äußerte sich
wenigstens das Haupt der Empörung, Buschiri, gegen Dr. Hans Meyer.
Ohne Frage hatte die Negerbevölkerung in ihrer Gesammtheit einen
positiven Nutzen von der Einführung der deutschen Verwaltung in der
Zukunft zu erwarten. Denn Unsicherheit des Eigenthums, Sklavenraub
in vereinzelten Fällen und auch in größerm Maßstab, Parteilichkeit
vor dem Richter -- das war das Kennzeichen der Sultanswirthschaft.
Allein Erwartung ist noch nicht Thatsache, und was der Neger nicht
mit Händen greifen kann, das ist für ihn nicht vorhanden und denkbar.
Zudem gibt es an der Sansibarküste keinen Volkswillen in unserm Sinne;
entscheidend allein ist die Meinung der vielen Häuptlinge, der Jumbes,
in den zerstreuten Ortschaften. Für diese war die Erhaltung des
halbanarchischen Zustandes eine Sicherung ihrer Willkür. Ihnen konnten
die Araber leicht begreiflich machen, daß ihre Gewohnheiten und Rechte
von den Deutschen nicht berücksichtigt werden würden. Sie bildeten auch
mit ihren Sklaven das kriegerische Gros der Empörung.
Ein Einwurf scheint hier gerechtfertigt: mit dem Vertrag ging doch
nicht die _Herrschaft_ an sich auf die Deutsch-Ostafrikanische
Gesellschaft über; sie blieb bei dem Sultan von Sansibar; in _seinem_
Namen, unter _seiner_ Flagge, mit _seinem_ Einverständniß sollte sie
ausgeübt werden. Er ist Despot und seine Unterthanen sind gewöhnt,
sich ohne Zaudern seinem Willen zu unterwerfen. Aber Despoten, auch
orientalische, sind nicht verkörperte Ideen, die von dem Volke
kritiklos und gehorsam von einer Person auf die andere übertragen und
dadurch gleichmäßig wirkend gemacht werden; nein, auch sie besitzen
nur eine individuelle Wirkungskraft. Said Bargasch waren die Araber
unbedingt ergeben, da sie seinen starren Willen fürchteten. Said
Khalifa dagegen erschien ihnen als ein Spielball in den Händen der
Europäer, ein Spielball ihrer eigenen Ränke und Widersetzlichkeiten.
Sein Sultanswort bezauberte nicht mehr ihre Ohren, noch erschreckte es
sie.
Konnten also die Deutschen hoffen, daß die Ausführung des
Küstenvertrags die Belebung des Handels, die Sicherheit der Person
und des Besitzes in der Zukunft bewirken und dadurch eine beruhigte
Stimmung in der Masse der Bevölkerung eintreten würde, so mußten sie
für den Moment darauf gefaßt sein, daß die ersten Schritte ihrer
Thätigkeit auf Widerstand stoßen und daß nur militärische Zwangsmittel
die sofortige Fügsamkeit unter die neue Ordnung ermöglichen würden.
Die Gesellschaft hat manches unterlassen, was die Schärfe des Conflicts
gemildert hätte: Rücksicht auf die Reizbarkeit des arabischen und
indischen Elements, und namentlich die Anwerbung und Ausrüstung einer
größern Anzahl von Polizeisoldaten. Sie setzte zu großes Vertrauen in
die Bereitwilligkeit und Fähigkeit des Sultans, der in dem Vertrage
vom 28. April 1888 versprochen hatte, „mit seiner ganzen Autorität und
_Macht_” in der Ausführung der Stipulationen zur Seite zu stehen.
Als diese Macht zur Herstellung der Ordnung, zur Bezähmung der
rebellischen Bevölkerung eingesetzt werden sollte, erwies sie sich als
morsch und wirkungslos.
Der Aufstand trug nicht den Charakter einer immer gewaltiger
werdenden Empörung großer Volksmassen; er blieb von Anfang an bis zum
Frühjahr 1889 in dem Rahmen kleiner, gelegentlicher Scharmützel. So
wurde Bagamoyo am 23. September und dann erst wieder am 5. December
angegriffen. Vor und nachher gingen und kamen Karavanen; ja die
Deutschen wurden in den ersten Monaten in ihrem amtlichen Dienste
von Arabern und Indern unterstützt. Dar-es-Salaam blieb vier Monate
unberührt, bis Buschiri Ende December erschien. Kilwa, Lindi und
Mikindani fielen nicht durch die Empörung der Ansässigen, sondern durch
die herbeigerufenen Yaos den Arabern in die Hände.
Wenn die Veranlassung des Aufstandes nicht in dem Auftreten und in
den Maßregeln der deutschen Beamten gefunden werden darf, sondern
nur in der Einsetzung einer neuen Regierungsthätigkeit an Stelle der
altgewohnten, so könnte die Unrichtigkeit einer solchen Behauptung
durch die ungestörte Ruhe innerhalb der _Englisch-Ostafrikanischen
Compagnie_, die denselben Vertrag wie die deutsche mit Sansibar
abgeschlossen hatte, als erwiesen erachtet werden.
Allein bei dieser waren vor allem die Verhältnisse anders gelagert.
In Sansibar und auch an der Sansibarküste sind die Engländer seit
langer Zeit heimisch, sei es durch Consulate, Handelsfactoreien oder
Missionsstationen. Die zahlreichen dort ansässigen indischen Kaufleute
hielten von jeher darauf, als englische Unterthanen zu gelten; sie
mußten also englische Unternehmungen zu unterstützen, nicht zu
untergraben trachten. Die englische Interessensphäre liegt nicht in
dem Bereich der massenhaften Sklavenjagden und des im großen Stil
betriebenen Sklavenexports, wie die deutsche. Deshalb wurden auch
hier die Araber nicht so sehr durch das Erscheinen der Engländer von
sofortigen Verlusten bedroht und geängstigt. Das nächste Hinterland
von Mombas bis nach dem Kilimandscharo ist nur Durchzugsland für die
Karavanen; dort können keine Plantagen angelegt werden und deshalb
keine Conflicte mit ansässigen oder habgierigen Häuptlingen entstehen.
Trotz dieser ungemein günstigen Verhältnisse wagten die Engländer es
nicht, das ihnen vertragsmäßig vom 1. October 1888 zustehende Recht der
Zollerhebung sofort auszuüben. Sie waren durch den von den Deutschen
erlittenen Schaden klug genug geworden, um nicht durch vorzeitiges
Auftreten als Gebieter den sonst unvermeidlichen Ausbruch einer Revolte
im eigenen Lager heraufzubeschwören. Am 6. Juni 1889 erklärte Mackenzie
in der Vorstandssitzung der Gesellschaft in London, sie würden erst vom
1. August 1889 an die Zollverwaltung in die eigenen Hände nehmen. Wenn
Hauptmann Wißmann die Araber niedergezwungen, dann ist es auch für sie
Zeit zur Ernte -- so rechnen sie, gewiß überlegt und berechtigt.
Misgunst ist sehr häufig die Quelle der Ueberhebung; das andern
Nationen eingeräumte Zugeständniß des Besserverstehens dagegen die
Quelle der eigenen Verbesserung. Wir Deutsche können nicht alles für
uns brauchen, was die Engländer mit Erfolg für sich anwenden -- wir
besitzen nicht die geschulten Kräfte für Gründung und Einrichtung
von Colonien, und noch viel weniger die Bereitwilligkeit eines
massenhaften Kapitals. Aber in einzelnen und sehr wichtigen Fällen
sollten wir vernünftigerweise in ihre Fußstapfen treten.
Die Englisch-Ostafrikanische Compagnie hatte im Sommer 1888 fünf
Millionen Mark für das kleine Gebiet zwischen Tana und Umba beim
Beginn ihrer Operationen zur Verfügung. Sie quartierte sich in Mombas
ein, unternahm wegen des Aufstandes in den Nachbarterritorien nichts
als Recognoscirungen von Land und Leuten, Besprechungen mit den
vornehmsten Arabern und kurze Ausflüge nach dem Westen, um die Handels-
und Productionsverhältnisse zu studiren. Als einmal die Gelegenheit
kam, den Arabern sich als großmächtige Gentlemen zu zeigen, bezahlten
sie ihnen die in eine englische Missionsstation entflohenen und mit
Ungestüm zurückverlangten Sklaven mit baarem Gelde: dafür ernteten
sie Jubel von den Heiden und Mohammedanern. Nachdem die Sicherheit im
englischen Gebiete von Monat zu Monat sich mehr und mehr befestigt
hatte, dachten die Engländer endlich daran, dem Handel einen Anstoß und
neues Leben zu geben. Die Araber sind und bleiben die geschicktesten
Händler im Innern von Afrika; sie sollten auch unter englischer Obhut
ihr Handwerk fortsetzen und zwar mit der wesentlichen Verbesserung, daß
nicht, wie bisher die wucherischen Inder ihnen den nöthigen Vorschuß
gaben, sondern die englische Gesellschaft und nur unter Verpfändung
ihrer Kokosplantagen.
Um jedoch diesen Vortheil billigen Zinses und außerdem den Schutz
englischer Stationen im Binnenland genießen zu können, müssen sie sich
verpflichten, weder Sklavenhandel zu treiben noch auf Sklaven Jagd zu
machen.
Die Engländer sahen nach den von den Deutschen erlebten Erfahrungen
sehr wohl ein, daß sie eines Tages eine stärkere Polizeitruppe
nothwendig haben dürften. Zu diesem Zweck wählten sie das einfachste
und billigste Mittel, dessen Wirksamkeit freilich noch in Frage steht:
sie kauften sich einen angesehenen Häuptling in der Nachbarschaft von
Mombas durch Auszahlung eines jährlichen Einkommens und dieser hat sich
verpflichtet, waffenfähige Mannschaft den Engländern zu stellen.
Der geistige Anschluß der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft an die
englische, nicht die Bekämpfung und die Herabsetzung des englischen
Einflusses wird die Früchte europäischer Culturarbeit in diesen
Gebieten des dunkeln Welttheils zur Reife bringen.
Geographie von Deutsch-Ostafrika.
Uebersicht.
Die deutsche Interessensphäre in Ostafrika, durch das deutsch-englische
Abkommen vom 1. November 1886 begrenzt im Norden durch den Umba, im
Süden durch den Rovuma, im Osten durch den 10 englische Meilen breiten,
dem Sultan von Sansibar unterworfenen Küstenstrich und im Westen
ganz allgemein durch den im Seengebiet anstoßenden Kongo-Staat, wird
Deutsch-Ostafrika im weitern Sinne genannt. Im engern Sinne aber können
gegenwärtig nur diejenigen Länder innerhalb der Interessensphäre als
Deutsch-Ostafrika bezeichnet werden, in welchen entweder Verträge
mit den eingeborenen Häuptlingen deutscherseits abgeschlossen worden
sind oder deutscher politischer und wirthschaftlicher Einfluß sich
geltend gemacht hat. Darnach muß die Westgrenze und zwar diese allein
anders gezogen werden. Sie verläuft von Norden nach Süden: vom
Kilimandscharo-Gebiet den Pangani entlang an der westlichen Seite von
Nguru und Usagara vorbei nach Mahenge und von da in unbestimmbarer
Linie nach dem Rovuma.
Vom geographischen und colonisatorischen Standpunkt aus umschließt
Deutsch-Ostafrika zur Zeit die Flußgebiete des Pangani und Umba, des
Wami und Kingani, des Rufidschi und Rovuma im mittlern und untern
Theil.
Auf diesen Umfang beschränkt sich im allgemeinen die vorliegende
Darstellung der Geographie von Deutsch-Ostafrika.
Die _Gestaltung_ und mit ihr die klimatischen und
Vegetationsverhältnisse Deutsch-Ostafrikas erhalten ihre
charakteristische Eigenthümlichkeit als Küstengebiet durch eine
mächtige, zusammenhängende Gebirgskette, welche zwischen dem
Hochplateau Innerafrikas und dem Indischen Ocean in breiter Masse
eingelagert ist. Das Gebirge, mäßig von Westen ansteigend, fällt
steil nach Osten in bis zum Seestrand reichenden Terrassenstufen ab.
Die Ausdehnung und die Höhe der Erhebung der Terrassen verursacht im
speciellen einen wesentlichen Unterschied zwischen dem nördlichen und
dem südlichen Theil. Während zwischen Umba und Kingani das Terrain sich
rasch erhebt und als Ebene von geringerer Breite an den Fuß der nahe
gelegenen Berge herantritt, erstreckt sich das Land zwischen Kingani
und Rovuma als eine mächtige, gleichmäßige Hochfläche mit minderer
Erhebung tief in das Innere zu dem fernliegenden Gebirge hinan.
Ueber das _Klima_ auf dem Festlande besitzen wir keine genügenden
meteorologischen Aufzeichnungen; länger andauernde, an einem
bestimmten Ort gemachte Beobachtungen existiren gar nicht, sondern
nur gelegentliche, in Zahlen gefaßte Reisenotizen und allgemeine
Bemerkungen über das Wetter. Um uns aber doch ein annähernd richtiges
Bild zu verschaffen, um Anhaltspunkte zur Verwerthung der in den
Reisewerken zerstreuten Wetternotirungen zu gewinnen, müssen wir
uns eine Grundlage bilden durch die Betrachtung der klimatischen
Verhältnisse auf der Insel Sansibar. Sie sind durch die Arbeiten
Dr. Seward's, die Otto Kersten[1] benutzte, und Dr. John Robb's[2]
ziemlich genau und übereinstimmend sichergestellt. Da die Lage
Sansibars unter denselben Himmelsstrich fällt, wie der in Betracht
zu ziehende Theil des Küsten- und Binnenlandes, so liefern uns die
in _Sansibar_ gewonnenen Resultate in großen, allgemeinen Zügen den
klimatischen Charakter Deutsch-Ostafrikas; Sansibar gibt uns die Regel,
auf dem Festland finden wir die Steigerungen und Minderungen.
Ostafrika hat keinen Winter und keinen Sommer, sondern zweimal eine
Regenzeit und zweimal eine Trockenzeit. Die bestimmenden Factoren sind
Monate andauernde _Passatwinde_ (Monsuns), welche aus entgegengesetzter
Himmelsrichtung wehend halbjährig sich ablösen, und die mit dem
zweimaligen Zenithstand der Sonne zusammenfallenden _Windstillen_ oder
Calmen, welche nach dem Aufhören des einen Passatwindes und vor Beginn
des andern eintreten.
Anfang März erlischt der Nordost; Calmen folgen; am 4. März erreicht
die Sonne den Zenithstand. Mitte März beginnt die erste, sogenannte
große Regenzeit (~Masika~) und dauert bis Ende Mai; darauf folgt die
erste Trockenzeit, welche bis Mitte October anhält. Von Ende März bis
Ende September weht der Südwest.
Anfang October erlischt der Südwest; Calmen folgen; am 9. October steht
die Sonne im Zenith. Mitte October beginnt die zweite, sogenannte
kleine Regenzeit (~Vuli~) und dauert bis Mitte December; darauf folgt
die zweite Trockenzeit, welche bis Mitte März anhält. Von Ende November
bis Ende Februar weht der Nordost.
Um die Uebersicht und späteres Vergleichen zu erleichtern, ist das
Gesagte in der umstehenden Tabelle geordnet.
Die Witterungsregelmäßigkeit der Tabelle hält natürlich die
Wirklichkeit mit solcher Exactheit nicht ein. Die Windströmungen setzen
nicht ein oder hören nicht auf genau an dem fixirten Tag, ebenso wenig
die Regenzeiten; aber die Differenzen bewegen sich in den Grenzen von
ein bis zwei, in seltenen Fällen von drei Wochen.
Uebersicht des Witterungswechsels in Sansibar.
-----------------------------------------------------------------
Januar |Trockenzeit| NO. | -- |}
Februar | „ | „ | -- |} Die heißesten
März 1. Hälfte| „ |Calmen|Sonne im |} Monate.
| | | Zenith |
2. Hälfte| Regenzeit | „ | -- |}
April | „ | SW. | -- | Feuchtester Monat.
Mai | „ | SW. | -- |
{ Juni |Trockenzeit| SW. | -- | } Die
{ Juli | „ | „ | -- | Trockenster}kühlsten
{ August | „ | „ | -- | Monat. } Monate.
September | „ | „ | -- | }
Oct. 1. Hälfte| „ |Calmen|Sonne im |
| | | Zenith |
2. Hälfte| Regenzeit | „ | -- |
Nov. 1. Hälfte| „ | „ | -- |
2. Hälfte| „ | NO. | -- |
Dec. 1. Hälfte| „ | „ | -- |
2. Hälfte|Trockenzeit| „ | -- |
Sowenig es in der Regenzeit unausgesetzt regnet, sondern überhaupt
nur alle Tage und heftig, sowenig ist es in der Trockenzeit absolut
trocken; es gibt auch hier einzelne Regenschauer.
Auch bei den Luftströmungen und Calmen treten gelegentlich
Modificationen ein; der Nordost schlägt in Nord oder Ost, der Südwest
in Süd, West oder Südost um. In der Calmenzeit tauchen oft leichte und
variable Winde auf.
Ueber die Temperaturen gibt die nächste Tabelle Aufschluß. Da die von
Kersten mitgetheilten meteorologischen Beobachtungen Dr. Seward's
wegen ihrer weitgehenden Ausführlichkeit später zum Vergleich citirt
werden, so sind sie neben jene, einen größern Zeitraum umfassenden,
von Dr. J. Robb gesetzt. Die Resultate beider sind von unbedeutender
Verschiedenheit; man kann aus beiden folgende Schlüsse ziehen:
Die Wärmedifferenz innerhalb des ganzen Jahres ist sehr gering; sie
beträgt, Februar und März mit Juli und August verglichen, 2,5° R.
Januar, Februar, März sind die heißesten, Juni, Juli, August die
kühlsten Monate. Der Unterschied zwischen dem Jahresmittel der Maxima
und dem der Minima macht bei Seward 4,9° R. und bei Robb sogar nur
3,2° R. aus.
Den fast gleich sich bleibenden Monatstemperaturen entspricht die kaum
sich steigernde und kaum sich abmindernde Temperatur des Tages. Die
höchste Steigerung der Wärme vom Morgen zum Mittag kommt im October
vor, ebenso die stärkste Abkühlung während der Nacht; sie beträgt im
ersten Fall 3° R. und im zweiten 2,6° R.
Monatsmittel der Tagestemperatur von Sansibar in Réaumur-Graden.
----------------------------------------------++---------------------
----------------------------------------------++---------------------
Während 1886, nach Dr. _Seward_. || Nach Dr. _Robb_,
|| 1874-78.
-----+-----+------+-----+-------+------+------++-------+------+------
-----+-----+------+-----+-------+------+------++-------+------+------
| | | | Im | | || Im | |
| 6 | 12 | 6 | Durch-| | || Durch-| |
Monat| Uhr | Uhr | Uhr |schnitt| Maxi-| Mini-||schnitt| Maxi-| Mini-
| V. | M. | N. | des | mum | mum || des | mum | mum
| | | | Tags | | || Tags | |
-----+-----+------+-----+-------+------+------++-------+------+------
-----+-----+------+-----+-------+------+------++-------+------+------
Jan. | 21 | 21,9 | 21,8| 21,6 | 23,7 | 20,3 || 22,4 | 23,9 | 20,6
Febr.| 21 | 22,1 | 22,2| 21,8 | 24,4 | 20,4 || 22,6 | 24 | 20,8
März | 19,9| 22 | 21,7| 21,2 | 24 | 18,6 || 22,7 | 24 | 20,6
April| 19,9| 21,6 | 20,8| 20,8 | 23,6 | 18,6 || 22 | 23,1 | 20,2
Mai | 19,5| 21,2 | 20,7| 20,5 | 23,4 | 18,6 || 21,3 | 22,8 | 19,5
Juni | 18,9| 20,8 | 20 | 19,9 | 22,4 | 17,7 || 20,6 | 22,1 | 19,1
Juli | 18 | 20,3 | 19,7| 19,2 | 21,5 | 16,8 || 20 | 21,7 | 18,5
Aug. | 17,8| 20,6 | 19,5| 19,2 | 21,8 | 16,6 || 20,1 | 21,9 | 18,5
Sept.| 18,3| 21,2 | 20,3| 19,9 | 22,8 | 17,5 || 20,4 | 22,4 | 18,7
Oct. | 18,3| 21,3 | 20,9| 20,2 | 23,2 | 16,7 || 21 | 22,8 | 19,1
Nov. | 19,7| 22 | 21,6| 21,1 | 24,4 | 19 || 21,7 | 23,2 | 20
Dec. | 20,3| 21,9 | 21,7| 21,3 | 24,1 | 19,7 || 22,3 | 23,4 | 20,4
-----+-----+------+-----+-------+------+------++-------+------+------
Im | | | | 20,6 | 23,3 | 18,4 || 21,4 | 22,9 | 19,7
Jahr | | | | | | || | |
Betrachtet man die Temperaturentabelle Sansibars genau, so gewahrt man
in den Monatsmitteln eine sehr minimale, fast nur in den Decimalstellen
sichtbare, allmähliche Abnahme und eine ebenso geartete Zunahme.
Auf dem Festland vergrößern sich diese Differenzen und man kann in
einzelnen Gegenden das Jahr in eine kühle und in eine heiße Zeit
eintheilen. Eine nach europäischen Begriffen gebräuchliche Annahme,
in den Gebirgen eine frischere Luft anzutreffen, erweist sich für
Ostafrika als Regel unhaltbar. So ist das Gebirgsland Usagara heißer
als Sansibar. Auch der Vorstellung muß entsagt werden, daß mit der
Zunahme der Bodenerhebung die Salubrität einer Gegend verbunden sei.
Kutu ist das ungesundeste Land, ebenso ein großer Theil Usagaras.
Die feuchte Wärme aus üppig wuchernder Vegetation ist die Quelle des
Fiebers. Wo also hoch entwickelte Fruchtbarkeit existirt, herrscht
in minderm oder höherm Grad das Fieber. Absolut gefährlich ist die
Nähe von Sümpfen und morastigen Niederungen. Fieberfreie und zugleich
fruchtbare Oertlichkeiten findet man in einigen vereinzelten Fällen
und zwar da, wo entweder durch besonders günstige Lage oder durch die
Cultur der nothwendige Grad von Trockenheit erreicht worden ist.
Die Monotonie des ziemlich hohen Temperaturzustandes ist es nicht
allein, welche die Energie des Europäers in Sansibar abschwächt,
sondern der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Luft: am Morgen 89%, von
Mittag bis Sonnenuntergang 73%, das Jahresmittel 81,8%. Der April ist
der feuchteste mit 88,7% und der August der trockenste Monat mit 76,2%.
Sansibar, namentlich die Stadt, gilt als gesund für jeden, der sich
in Diät und Kleidung tropischen Anforderungen zu fügen weiß. Die
Gefährlichkeit des Klimas beginnt auf dem Festland, in der Region
der Spaltpilze, welche die Sonnenglut aus den vegetationsreichen,
durchnäßten Erdschichten, aus Lagunen und Sümpfen zu fiebererzeugenden
Miasmen auskocht.
Die mit Dampf übersättigte Seeluft strömt nach dem Continent,
streicht über Küsten und Terrassen nach dem Gebirgswall, verdichtet
sich hier zu Wolken und Regen und kommt trocken und klar in die
Hochflächen Innerafrikas. Deutsch-Ostafrika liegt also ganz in dem
Bereich des dunstigen Himmelsstrichs. Modificationen treten gemäß der
Bodengestaltung ein. An der Küste fließen die kühleren Luftschichten
dem erhitzten Binnenland zu und verursachen auch während der
Trockenzeit unregelmäßige, häufige Niederschläge. Sind die anstoßenden
Plateaus von höherer Erhebung und erreichen sie bald den Fuß der
Gebirge, so nähert sich ihr Wettercharakter dem des Strandes und der
Berge, so in Bondei und Useguha. Steigen sie aber nur langsam empor und
treffen sie erst in weiter Entfernung von der See auf die Masse eines
Gebirges, so kommt die austrocknende Hitze der Sonne zur entscheidenden
Herrschaft und die Regenzeiten beginnen später und sind von geringerer
Dauer: so im mittlern Usaramo und wahrscheinlich in dem Land zwischen
Rufidschi und Rovuma. In allen Gebirgsgegenden, von Usambara bis Kutu,
werden die Luftströmungen der See von kühleren Schichten aufgenommen,
und Regen fällt hier fast in allen Monaten des Jahres, verstärkt und
gedrängt zu früherm Ausbruch durch die eigentlichen Regenzeiten und
gemindert durch die Trockenzeiten.
Ein Theil Deutsch-Ostafrikas fällt jenseit des dunstigen Küstenklimas
in den Wetterbereich Centralafrikas: das sind die ebenen Strecken,
welche zwischen den Usambara-Bergen und dem Kilimandscharo-Gebirge
gelagert sind.
Die _geologische_ Beschaffenheit von Deutsch-Ostafrika ist einfach: das
Gebirge und die anstoßenden Plateaus bestehen aus Gneis, die zum Meer
sich absenkende schmale Flächenzone aus Sand- und Kalkstein, die Küste
aus Korallenkalk. Eruptive Gesteinsmassen findet man am Kilimandscharo
und an einigen Stellen im oberen Kutu.
Der _Gneis_ bestimmt in dem Zustand der Verwitterung den
Vegetationscharakter des ganzen Landes. In vier verschiedenen Stadien
wird er zu rother, graurother, schwarzer Erde und zu Humus.
Die _rothe Erde_ ist das Verwitterungsproduct des Gneises auf
horizontaler Fläche, der bekannte poröse, eisenhaltige _Lateritboden_.
Regengüsse zerklüften ihn und die Sonnenglut backt ihn zusammen
zu steinharten Klumpen. Hartes Büschelgras, Dorngebüsch, Mimosen,
Akazien und Baobabs wachsen auf ihm. Liegt er unter einem Himmel
mit Regenfällen, auch während der Trockenzeit, so ändert sich seine
Beschaffenheit zu Gunsten gesteigerter Fruchtbarkeit, sodaß er
Getreide, Taback und Gemüse erzeugen kann.
Wird die rothe Erde, auf geneigter Ebene liegend, vom Regenwasser
nach Abhängen und Bodensenkungen geschwemmt, so wird sie zerrieben,
mit verwesenden Pflanzenresten untermischt und zur _graurothen_ Erde.
Die Productionskraft ist gesteigert: alle Cerealien gedeihen, ebenso
Bananen, Bataten, Taback, Wälder voll schattiger Bäume mit dichtem
Unterholz, Wiesen mit Futtergras.
Die graurothe Erde, zu dauerndem Ruhelager in die Tiefe gelangt,
verwandelt sich in feinzertheilten, durch organische Substanzen
massenhaft bereicherten üppig fruchtbarsten _Humus_ unter den
Bedingungen anhaltender Feuchtigkeit, starker Erwärmung und mäßiger
Wasserversickerung. Diese Bedingungen werden in seltenen Fällen
in gleichmäßigem Grade erfüllt, am meisten in den geschlossenen
sogenannten Regenwäldern, in den Thälern von Alluvium absetzenden
Flüssen und auf den sanft verlaufenden Abdachungen der Gebirge.
Findet das vom Humus eingesogene Wasser keinen Abfluß, so formt sich
der Boden zu _schwarzer Erde_ um, die entweder mit Savannen oder mit
zähem Schlamm und mit Sümpfen bedeckt wird.
Diese vier verschiedenen Qualitäten der Erdkruste kommen selten
rein, meistens in mannichfach abgestuften Uebergängen vor. Welche
Ausdehnung die eine oder andere Gattung besitzt, läßt sich bei der
Lückenhaftigkeit unserer gegenwärtigen topographischen Kenntnisse nicht
annähernd genau weder behaupten, noch viel weniger mit Zahlen angeben,
aber ein allgemeiner Ueberblick führt zu dem Schluß, daß der größere
Theil des zwischen Umba und Rovuma liegenden Landes mit der rothen
Lateriterde bedeckt ist.
Vier _Hauptströme_ fließen von den Bergen dem Meere in westöstlicher
Richtung zu: der Pangani, Wami, Kingani und Rufidschi. Trotz starken
Gefälles und unausgesetzter Nährung durch zahlreiche Zuflüsse, hat
keiner sein Bett so tief gegraben, daß er auf größere Strecken von
der Küste aus für Lastschiffe oder Dampfbarkassen schiffbar wäre. Der
Wasserüberschuß wird in periodischen Ueberschwemmungen vergeudet.
Die Verzweigung des Flußsystems in eine Menge von Thälern und
Schluchten hat zwei Vortheile:
erstens tragen die Bäche und Ströme im Gebirge reichlich vorhandene
Feuchtigkeitsmengen den sonst in der Sonnenhitze vertrocknenden ebenen
Niederungen zu; zweitens schlemmen sie die Verwitterungsproducte
der höheren Regionen nach den Tiefländern ab und häufen hier ein
fruchtbares Alluvium an.
Das allgemeine _Vegetationsbild_ Deutsch-Ostafrikas ist demnach
folgendes:
In und auf den _Bergen_ geschlossene Waldungen, an den Abhängen und
in den Thalsohlen Bananenhaine und vereinzelte Wiesenflächen.
Auf den ebenen _Niederplateaus_ und in den breiteren _Thalbetten_:
Moräste mit Complexen von Buschwald.
Offene Savannen, entweder cultivirbare oder steinige, ausgedörrte.
Savannen mit üppigem oder dornigem Dschungel oder mit leichtem Gehölz
(Savannenwald) und mit Buschwald an den Rinnsalen der Gewässer
(Galeriewälder).
Unmittelbar an der _Küste_:
Kokospalmenhaine und Baumwollstauden auf fruchtbarem Sandboden;
Mangrove-Waldungen, überall mit sumpfigen Lagunen. Kopalwälder im
südlichen Theil.
Ausgedehnte Culturflächen im europäischen Sinn existiren nirgends, nur
Culturflecke inmitten der Wälder, an Gebirgsabhängen, im bewässerten
Savannenland und in der Nähe des Meeres.
Die _Wälder_ bestehen hauptsächlich aus Wollbäumen, Sykomoren,
Tamarinden, Banianen, Akazien, Dum- und Delebpalmen, Miombo- und
Kopalbäumen. Die häufigsten Schlinggewächse, die sie durchziehen,
sind die Gummiliane und die Sassaparilla. Baumartige Farrn, Bambusen
und Kriechpflanzen bilden das Unterholz, das fast überall die Räume
zwischen den Stämmen ausfüllt. Verfaulende Vegetation erfüllt die
Waldluft mit schwülen Miasmen; düsteres Dämmerlicht herrscht auch beim
hellsten Sonnenschein. Die Wälder stehen auf dem fruchtbarsten, weil
wasserhaltigsten Boden.
Die _offene Savanne_ ist blumenloses Grasland mit vereinzelt stehenden
Affenbrotbäumen (Baobab). Das Gras schießt mit 2-4 m hohen, harten,
kantigen Halmen, in getrennten, oben sich ausbreitenden Büscheln auf;
am Boden ist freier Zwischenraum für niedriges und kleines Gethier.
Das Wandern in demselben ist für den erwachsenen Menschen ermüdend
und nach Thaufall sehr unbehaglich, da er mit dem Haupte das über
ihm zusammenschlagende Gräsermeer immer von neuem zertheilen muß;
bei der Nähe von Büffeln, Löwen, Leoparden oder feindlich gesinnten
Eingeborenen wird das Durchschreiten solcher Strecken ziemlich
gefährlich, da man weder über die Halme hinweg, noch zwischen diese
auf nur geringe Entfernung sehen kann. Wird die Savanne niedergebrannt
oder verdorrt sie unter der Glut der Sonne, so verwandelt sie sich
in fußtiefe, lästig staubige Asche. In der wasserarmen, steinigen,
auf nacktem Lateritboden stehenden Savanne härten und schärfen sich
die Halme; die Grasbüschel stehen weit auseinander. Erhält sie aber
Befeuchtung, sei es von häufigen Regenschauern oder von durchfließendem
Gewässer, so kann aus ihr ertragfähiges Ackerland geschaffen werden.
Die Monotonie der Savanne wird unterbrochen entweder durch lichtes
Gehölz (Savannenwald) oder durch Buschwald (Dschungel).
Der _Savannenwald_ setzt sich wesentlich aus Akazien, Eriken und
Mimosen zusammen. Je trockener der Boden, desto zahlreicher tritt die
stachelige Gummi-Akazie auf.
Das _Dschungel_ ist der gefürchtete Gestrüppwall. Es bildet eine
compacte Masse strauchartiger, eng in sich und von Grund aus
verzweigter, mit zähem Schlinggewächs netzartig verbundener Bäume und
dornenbewehrter Blattpflanzen. Haben nicht Elefanten oder Nashörner
einen Pfad durchgebrochen, so muß der Durchgang mit Beilen und Messern
erkämpft werden. Die Luft darin ist düster und schwül, der Boden
oftmals versumpft; es ist die Heimstätte der Tsetsefliege. Bei der
Zunahme nackten, trockenen Lateritbodens überwiegen stachelige Gewächse
die immergrünen, dornenlosen. Zu jenen gehören die Gummi-Akazie,
Euphorbien, Opuntien und Aloën.
Die in _Cultur genommenen Landstriche_ bedecken Pflanzungen von
Fruchtbäumen und Felder.
Von Fruchtbäumen gedeihen, sei es in Hainen oder in Gruppen zwischen
den Hütten der Dörfer:
Kokos- und Delebpalmen, Orangen-, Melonen- und Mangobäume, die Banane.
Auf den Feldern wird angebaut:
Kaffernkorn, Negerhirse, Maniok, Sesam, Bataten, Erdnüsse, Reis,
Zuckerrohr, Taback.
* * * * *
Um von den _Bäumen_ und _Pflanzen_, die später vielfach mit Namen
angeführt werden, eine annähernd deutliche Vorstellung zu geben und
um zugleich über den allgemeinen Culturwerth derselben zu orientiren,
lasse ich hier eine möglichst kurze und bündige Beschreibung derselben
in einem Verzeichniß folgen. Bei einzelnen Arten ist neben der
lateinischen Benennung auch die landesübliche Bezeichnung beigefügt.
Waldbäume.
_Affenbrotbaum_ (~Adansonia digitata~, „~Baobab~” [westafr.],
„~Mbuju~” [ostafr.]). Höhe 12-22 m, Umfang bis zu 47 m. Stamm von
weichem, schwammigem Holz. Wipfel, von 38-48 m im Durchmesser,
von der Form einer Halbkugel. Gefingerte Blätter. Weiße Blüten
an meterlangen Stielen. Gurkenähnliche, 30 cm lange Früchte
mit weißem, trockenem Mark. Aus diesem wird ein kühlendes,
säuerliches Getränk bereitet. Rinde als Mittel gegen Fieber, die
Fasern zu Stricken. Wächst einzelstehend auf der Savanne in der
Ebene und auf Höhen; am Fuße des Kilimandscharo bildet er einen
Theil des Waldes.
_Akazien_ (~Acacia~). Schirmförmige Krone. Dornig. Kleine gelbe
Blüten.
Catechu-Akazie (~Acacia catechu~). Großer unregelmäßiger Baum.
Braune, rissige Rinde. Kurz bedornte Aeste. Schmale, 30 cm lange
Blätter. Aus dem gekochten Holz gewinnt man einen wässerigen
Extract als Gerbstoff: das Katechu.
Gummi-Akazie (~Acacia gummifera~). Abstehende Aeste mit scharfen
Dornen. Kurze gefiederte Blätter. Liefert schlechtes Gummi.
_Banianen_ (~Ficus indica~; ~Banian-tree~ [englisch]). Sehr dicker
Stamm. Große flache Krone. Von den horizontal verlaufenden Aesten
senken sich Luftwurzeln in den Boden und bilden neue Stämme.
Tiefgrüne, glänzende Blätter.
_Kopalbäume_ (~Hymenaea Courbaril~; „~Msandarusi~”). Umfang 26 m.
Hartes Holz, als Nutzholz verwendbar. Der angeschnittene Stamm
liefert ein Harz, das zur Fälschung des halbfossilen Kopals
benutzt wird. 1-1½ m unter dem Standort der Kopalbäume wird der
halbfossile Kopal ausgegraben.
_Mangrove_ (~Rhizophora Mangle~). 20-25 m hoch. Der hellgraue oder
röthlich braune Stamm ruht entweder auf einem viertheiligen,
freistehenden Wurzelgerüst, 3-5 m über dem Boden, oder er
liegt bockartig horizontal auf einer Masse von Wurzeln und aus
ihm sprießen senkrecht zahlreiche Stämme empor. Alle Zweige
und Wurzeln greifen dicht ineinander hinein und bilden ein
undurchdringliches Wirrsal. Die Blätter sind dunkelglänzend
und lederartig. Die Mangrove wächst nur an der Küste, in dem
vom Salzwasser durchtränkten Boden. Das sehr schwere und sehr
dauerhafte Holz findet als hochgeschätztes Schiffsbauholz
Verwendung.
_Mimosen_ (~Mimosa~). Dorniger Baum oder Strauch. Abwechselnde,
doppeltgefiederte Blätter mit Nebenblättern.
_Miombo_. Die afrikanische Esche. Höhe 15 m; Umfang des Stammes 2½ m.
Dunkelgrünes Laub. Grünliche Blüte, wie Jasmin riechend. Frucht
eine große Schote mit zwölf harten, braunschwarzen, inwendig
rothen Kernen. Die Rinde vielfach verwendet zum Bau von Hütten
und Canoes. Das Holz ein vorzügliches, andauerndes Feuermaterial.
_Sykomore_, Maulbeerfeigenbaum (~Ficus Sycomorus~; „~Mkuju~”). Sehr
dicker, säulenartiger Stamm, 12-15 m hoch. Breit sich ausdehnende
Aeste mit dichtem Laub überschatten einen Raum von 150 m im
Durchmesser. Blätter lorbeerähnlich von festem und starrem
Gewebe. Nutzholz.
_Tamarinde._ Die afrikanische Eiche. (~Tamarindus indica~;
„~Subar~”). Höhe 9-12 m. Weit ausgebreitete, schattenreiche
Krone. Paarig gefiederte Blätter. Früchte: fingerdicke, bis zu
20 cm lange Schoten mit süßsäuerlichem Mark. Aus diesen wird
ein berauschendes Getränk bereitet, das gut gegen Gallenfieber
ist, oder sie werden (namentlich von den Arabern) verkocht,
getrocknet, mit Oel und Salz versetzt, in Kugeln geformt und als
Würze zu den Speisen benutzt; jahrelang haltbar. Das Holz des
Stammes ist Nutzholz.
_Teakbaum._ Die indische Eiche (~Tectona~). 40 m hoch. Schlanker
Stamm. Eiförmige Blätter. Das Holz von angenehmem Geruch,
braunschwarz, gut spaltbar, dreimal so dauerhaft als Eichenholz.
Besonders zum Schiffsbau verwendet.
_Wollbaum_ (~Bombax Ceiba~; „~Mparamusi~”). Der Riese des Waldes;
40-50 m hoch. Gelblich-grüner, buchenähnlicher Stamm, 4½ m im
Durchmesser, mit tafelähnlichen Strebepfeilern umwachsen, 30-40 m
astlos. Die Krone breitet sich oben mächtig aus. Immergrüne
Blätter. Die im Samen enthaltene seidenartige kurze Wolle wird
zum Füllen von Kissen benutzt. Das leichte, sehr weiche Holz
dient zu Schnitzereien und auch zu Canoes.
Palmen.
_Arecapalme_, Betelnußpalme (~Areca catechu~). Schlanker Stamm,
12-19 m hoch, bis 60 cm im Umfang. Gefiederte, 4 m lange Blätter.
Die ovalen Früchte, von der Größe und Form eines Hühnereies,
wachsen büschelartig, enthalten der Muscatnuß ähnliche Kerne;
werden getrocknet, zerschnitten, mit Gewürz bestreut und kommen
so in den Handel. Man kaut die Stücke zur Reinigung des Mundes
und als Reizmittel. Eine Palme liefert 200-800 Nüsse jährlich.
_Bambusa_ („~Viansi~”). Der Stamm besteht aus einem mächtigen Bündel
schaftartiger, hohler, 15-18 m langer Zweige, die dicht aus dem
Boden herauswachsen. Die Bambusa gedeiht an feuchten Stellen in
Wäldern und außerhalb derselben. Die Schäfte werden zu Bauzwecken
und zu leichtem Zimmergeräth verwendet.
_Delebpalme_ (~Borassus aethiopum~; „~Mvumu~”). 18-22 m hoch.
Stamm 60 cm im Durchmesser; oberhalb der Mitte angeschwollen;
rauh mit abgewelkten Zweigen; fächerartige Krone. Jeder
Baum hat 10-15 Fruchtbüschel mit 8-10, 3-5 kg schweren
Früchten. Gelblich-rothe, kinderkopfgroße Früchte, wie Ingwer
schmeckend. Das saftige, ananasartige Fleisch umschließt
länglich runde, eßbare Kerne. Die Früchte werden auf Kohlen
geröstet. Aus den Blütenkolben wird Wein gewonnen. Die Blätter
dienen zu Umzäunungen und Dachdeckungen; das Holz zu Bau- und
Schreinerholz. Die Delebpalme bildet Wälder.
_Dumpalme_ (~Hyphaene thebaica~; „~Mohama~”). 9 m hoch. Der Stamm
gabelt sich oben in einige Aeste mit fächerartiger Krone. Die
Früchte mit dicker, mehliger Rinde sind von angenehmem Geschmack.
_Kokospalme_ (~Cocos nucifera~; „~Mnasi~”). 30 m hoch. Sehr
schlanker, elastischer Stamm von 30-60 cm Durchmesser. 10-12
gefiederte Blätter von 4-6 m Länge bilden die nach allen Seiten
ausgebreitete Krone. Die Früchte sind die Kokosnüsse (bis zu
120 an einem Exemplar) von melonenartiger, dreikantiger Form.
Die unreife Kokosnuß enthält einen milchig flüssigen Saft, die
Kokosmilch. Mit zunehmender Reife wird das Innere eine fleischige
Masse, die getrocknet als Kopra zur Bereitung von Kunstbutter
in den Handel kommt. Die Kerne der vollausgereiften Kokosnuß
schmecken wie Haselnüsse und sind sehr nahrhaft; aus ihnen wird
das Kokosöl gepreßt. Aus der faserigen Hülle der Kokosnuß werden
Schnüre und Seile gedreht.
_Palmyrapalme_, Weinpalme (~Borassus flabelliformis~). 19-22 m
hoch. Der Stamm läuft kegelförmig zu. Große Fächerblätter aus
der breiten Krone. Die Frucht ähnlich wie die Kokosnuß, mit
schwammigem, saftigem Fleisch, werden roh oder geröstet gegessen,
bilden ein wichtiges Nahrungsmittel. Die Blütenkolben liefern
Wein. Das schöne schwarze und steinharte Holz zu Tischlerarbeiten
verwendbar.
_Phönixpalme_, die wilde Dattelpalme (~Phönix sylvestris~;
„~Mkindu~”). 12 m hoch. Graziöse, gebogene Stämme mit luftiger,
gefiederter Krone, bestehend aus blaugrünen 3 m langen Blättern.
Die Früchte ungenießbar. Aus dem zuckerreichen Saft des Stammes
wird wohlschmeckender Wein bereitet.
_Raphiapalme_ (~Raphia vinifera~). Es ist eine Fiederpalme mit
niedrigem, dickem Stamm, der am Ende eine Rosette von mächtigen
Wedeln trägt. Die gänseeigroßen Früchte sind hochroth und
goldbraun, mit Ananasgeschmack, aber hart und fest geschlossen.
Sie liefert Palmwein.
Fruchtbäume.