_Banane._

1. _Paradiesfeige_ (~Musa paradisiaca~; ~Plantains~ [engl.];

„~Ndisi~”). 4-10 m hoch. Wächst in Gruppen von 10-12 Stämmen.

Ein staudenartiger Baum. Den Stamm krönen 3-4 m lange und

60 cm breite Blätter. Eine Fruchttraube, bis zu 75 kg schwer,

besteht aus 20-120 gurkenähnlichen 20-30 cm langen Früchten, die

unreif von dunkelgrasgrüner, auch von goldgelber Farbe sind.

Sie enthalten vierzigmal mehr Nahrungsstoff als die Kartoffel.

Reif können sie roh als feines Birnenobst (aber wahrscheinlich

fieberanregend) genossen werden; gesünder ist es, sie reif oder

unreif entweder zu kochen oder zu braten. Man röstet sie in

glühender Asche; man bratet sie in Butter oder kocht sie wie

Kartoffel zu Mus; man dämpft sie mit Mehl und Eiern dick ein und

erhält dann ein haltbares, exportfähiges Nahrungsmittel.

2. _Pisang_ (~Musa sapientium~). Gestreifter oder gefleckter

Schaft, mit kürzeren, aber süßeren Früchten.

3. _Die wilde Banane_ (~Musa Ensete~); mit goldgelben und rothen,

aber ungenießbaren Früchten.

_Kalebassenbaum_, Kürbisbaum (~Crescentia~; „~Bugu~”). 6-9 m hoch.

Lanzettartige Blätter. Die flaschenförmige Frucht von 30 cm

Durchmesser wächst in Büscheln, hat eine grüne, holzige Rinde

und schwammiges, süßsäuerliches Fleisch. Die Fruchtschale

verwenden die Eingeborenen zu Trinkgeschirren.

_Mangobaum_ (~Mangifera indica~). 12 m hoch. Der Stamm 4½ m

im Umfang. Längliche, lederartige, immergrüne Blätter.

Die orangegelben, gänseeigroßen Früchte (Pflaumen) sind

vortreffliches Obst; die darin enthaltenen haselnußgroßen

Samenkerne schmecken wie bittere Mandeln. Die Rinde des Baumes

dient zum Gerben.

_Melonenbaum_ (~Carica Papaya~). Der Stamm sendet wenige Zweige

in der Höhe aus; astlos bis zu 6 m. Handförmige Blätter. Die

Früchte besitzen ein wohlschmeckendes, zuckerreiches Fleisch mit

milchigem Saft. Sie werden entweder roh mit Zucker oder Salz

gegessen, oder unreif zu Gemüse verkocht.

Gesträuche und strauchartige Bäume.

_Agaven_ (~Agave~). Stammlos, bis zu 12½ m hoher Blütenschaft;

fleischige, dornige Blätter, rosettenförmig gestellt.

Glockenförmige, duftende Blüten.

_Aloën_ (~Aloë spicata~). Bis zu 9 m hoch. Entweder stammlose oder

palmenähnliche verholzte Gewächse. Dicke, fleischige Blätter, am

Rande mit scharfen Dornen besetzt. Traubenförmige, schön gefärbte

Blüten.

_Baumwollstaude_ (~Gossypium punctatum~ und ~arboreum~; „~Msufi~”

oder „~Mesofi~”). 2-3 m hoch. Besteht aus 4-5 grünrindigen

Stämmen, mit je 1 m im Umfang, die aus einer Wurzel entspringen.

Die spitzig zulaufenden dornigen Zweige stehen steif vom Stamme

ab. Dürftige Blätter. Die Frucht ist eine 3-5fächerige Kapsel,

welche bei der Reife in 3-5 Klappen aufspringt, wobei die langen

weißen Haare -- die Baumwolle -- elastisch hervorquellen. Sie

bedarf kalkreichen Bodens.

_Erica._ Kommt als niedriges Gebüsch vor, erreicht als Gesträuch eine

Höhe bis zu 6 m. Die Blätter sind schmal und geschuppt.

_Euphorbie_, Wolfsmilchbaum (~Eupborbia~). Kandelaber-Euphorbie

(E. canariensis). 5 m hoch. Säulenförmige, fleischige, blattlose,

mit Dornen besetzte Stämme. Der Saft dient als Brech- und

Purgirmittel.

_Farrn_ (~Filices~, ~Alsophila armata~); als Farrnkraut und Farrnbaum

bis zu 6 und 9 m Höhe. Säulenförmige astlose Stämme mit Rosetten

von Wedeln als Wipfel.

_Hanf_ (~Cannabis indica~; „~Bang~” [arabisch]). 3 m hoch. Die

Blätter werden wie Taback zubereitet und geraucht.

_Opuntien._ Sträucher von blattlosen, dicken, fleischigen Stämmen

von runder oder eckiger Gestalt, mit Astbildung und geringer

Holzentwickelung. Der Blätteransatz ist nur angedeutet durch

warzenförmige, mit kleinen Dornen bespickte Höcker.

_Ricinusölpflanze_ (~Ricinus communis~; „~Mbono~”). Erreicht die Höhe

von 12 m. Große handförmige Blätter. Das im Innern enthaltene Oel

wird von den Eingeborenen als Salbe benutzt.

_Stechapfel_ (~Datura stramonium~; „~Muranha~”). Narkotischer

Strauch mit großen weißlichen Blüten und einer stacheligen,

eiförmigen Kapsel (Stechapfel), welche scharfbitter schmeckenden,

giftigen, atropinhaltigen Samen umschließt. Blätter, Blüten und

Wurzelfasern werden in getrocknetem Zustand geraucht als Mittel

gegen Asthma und Husten. Gedeiht nur auf nassen Wiesen.

Schlinggewächse.

„_Kamboa_”-Liane. Enthält süßes, wohlschmeckendes und reichliches

Wasser. Kommt in Udoë vor.

_Kautschuk-Liane_ (~Landolphia florida~). Immergrünes Laub. Weiße

Blüten mit betäubendem Duft. Orangenähnliche Früchte. Die Liane

wird in manchen Gegenden schenkeldick; angeschnitten fließt ein

milchiger Saft heraus: er trocknet in freier Luft sofort und

kommt als Kautschuk in den Handel.

_Sassaparilla_, Stechwinde (~Smilax~). Immergrüne kletternde

Halbsträucher mit stark verzweigten, kantigen, stacheligen

Stengeln und Luftwurzeln. Die Blätter dornig, zackig, lederartige

Trauben, ständige wohlriechende Blüten. Rothe kugelförmige

Früchte. Die Wurzeln Arzneimittel gegen syphilitische Krankheiten.

Getreide und Gemüse.

_Bataten_, süße Kartoffeln (~Convolvulus Batatas~). Sträucher

von 1½-2 m Höhe. Langgestielte Blätter. Die walzenförmigen

Wurzelknollen enthalten den Nährstoff; sie sind 1-6 kg schwer,

mehlig; außen purpurroth, innen weiß. Vortreffliches, leicht

verdauliches Nahrungsmittel. Man genießt sie entweder gekocht

oder in Butter geröstet oder gebacken als Brot.

_Durra_, Negerhirse, Kaffernkorn (~Holcus sorghicus~; „~Mtama~”).

2-3 m hoch. Hauptnahrungsmittel. Aus dem schmackhaften Mehl wird

hauptsächlich eine breiartige Suppe hergestellt. Außerdem dient

Durra zur Herstellung eines bierähnlichen berauschenden Getränkes

(~Pombe~).

_Erdnüsse_ (~Arachis hypogaea~). Bis zu 60 cm hohes Kraut.

Fiederblätter, mit gelben Schmetterlingsblüten. Samenkerne

befinden sich in einer eiförmigen Hülse unter der Erde; über

Feuer geröstet dienen sie als Nahrungsmittel, mit mandelartigem

Geschmack. Zerstoßen und aufgekocht gewinnt man das auf dem

Wasser schwimmende farblose Oel. Die Kerne enthalten an 50% Oel.

_Sesam_ (~Sesamum orientale~). Ein krautartiges Gewächs. Ovale,

drüsig behaarte Blätter. Weiße und rosarothe glockenförmige

Blüten. Der Samen enthält an 70% eines goldgelben, angenehm

schmeckenden Oels, das nicht leicht ranzig wird. Man verwendet es

vielfach zur Zubereitung der Speisen.

_Maniok_, Kassave (~Manihot utilissima~). Knollenstaude von

außerordentlich raschem Wachsthum. Vorzügliche Nährpflanze. Die

Wurzelknollen sind der genießbare Theil; sie werden geschält, in

Stücke geschnitten und in Wasser ausgelaugt; dann in der Sonne

getrocknet bekommen sie eine schneeweiße Farbe. Man kocht oder

röstet sie; oder man zerstößt sie in Mörsern zu Mehl und bereitet

aus diesem Brei oder Brot.

_Yams_ (~Dioscorea~). Kräuter oder Sträucher mit sich windenden

Stengeln. Trauben- und ährenförmige, unansehnliche Blüten. Die

dicken, fleischigen Wurzelknollen sind genießbar.

* * * * *

Der Reichthum an jagdbaren wilden _Thieren_ ist in den nördlichen

Gebieten, wie besonders in der Nähe des Kilimandscharo sehr bedeutend,

dagegen südlich vom Kingani äußerst dürftig.

Der Elefant ist nahezu ganz verschwunden, er hat sich nach den

Hochebenen im Osten und Nordosten zurückgezogen; auch das Nashorn

trifft man in größerer Zahl nur am obern Pangani an. Der Löwe scheint

seine Heimatstätte am Jipe-See und nördlich von Usagara zu haben; doch

nicht selten dehnt er seine Streifzüge nach den Küsten von Bondei

und Useguha aus. Leoparden und Hyänen finden sich überall. Ungemein

zahlreich sind in den nördlichen und mittlern Savannengegenden die

Heerden von Büffeln, Antilopen und Zebras; auch die Giraffe zeigt sich

gelegentlich in Rudeln in den den Masai benachbarten Gegenden.

Die Wälder sind stumm; man hört keinen Vogelgesang, kein

Vogelgezwitscher, selbst das Volk der Affen belebt sie nicht überall.

Dagegen wimmeln Sümpfe und Flüsse von Flußpferden und Krokodilen und

die Ufergelände von Wasservögeln.

Von kleinerm Gethier, das den Reisenden und Colonisten in peinlichster

Weise belästigt, seien die Ameise und die Tsetsefliege erwähnt.

Millionen von Ameisen verschiedener Gattung zerstören auf ihren

Wanderzügen nicht nur die Erntevorräthe, sondern sie vertreiben

auch den gegen sie wehrlosen Menschen aus seiner Behausung. Wo die

Tsetsefliege heimisch ist, da kann keine Rindviehzucht aufkommen; ihr

Stich verwundet tödlich. Sie macht auch die Verwendung von Zugvieh zur

Unmöglichkeit.

An Hausthieren werden überall gehalten: Hühner, Ziegen und Schafe. Von

der Gewinnung von Schafwolle hört man nirgends. In einzelnen Gegenden,

wie in Usambara, im Kilimandscharo-Gebiet, im nördlichen Usagara,

wird Rindviehzucht in größerm Maßstab betrieben. Futtergras ist im

Verhältniß zu den ausgedehnten Flächen wenig vorhanden, und oftmals

tritt da, wo es reichlich existirt, die verderbenbringende Tsetsefliege

auf.

* * * * *

Die _Colonisationsfähigkeit_ Deutsch-Ostafrikas kann nicht in

Frage gestellt werden: Bodenverhältnisse, Klima, die Culturen der

Eingeborenen, die Pflanzungen der Araber, die bereits angestellten

deutschen Plantagenversuche enthalten die Bedingungen und die

Möglichkeit gesteigerter Fruchtbarkeit. Aber zwei Factoren von

schwerem Gewicht beeinträchtigen eine zu günstige Beurtheilung und zu

vertrauensvolle Zuversicht: die Beschränkung colonialwirthschaftlicher

Unternehmungen in Bezug auf den Raum und die Unsicherheit in Bezug auf

rentable Erzeugung werthvoller tropischer Producte.

Sehen wir ab von dem gewiß nicht unbedeutenden Nutzen, den der deutsche

Handel aus dem Export und Import später unter geordneten Verhältnissen

gewinnen wird, und betrachten wir das ganze Gebiet als Arbeitsfeld

des Ackerbauers, so müssen wir uns nach Ländereien umsehen, die mit

Rücksicht auf _reiche Ertragsfähigkeit_ zur Anlegung von Plantagen sich

eignen. Solche Ländereien sind in der beigegebenen Karte mit grüner

Farbe bezeichnet. Im Vergleich zur Ausdehnung der ganzen Colonie über

5 Breite- und 2 Längegrade nehmen sie sich sehr vereinzelt und dürftig

aus. Es wurde eben nur solches Land als besonders zur Cultur geeignet

bezeichnet, dessen Fruchtbarkeit sich durch wirklich bestehenden

Anbau bereits vollgültig erprobt hat. Um gerecht und günstiger zu

urtheilen, muß man hierbei berücksichtigen, daß erstens aus Savannen-

und Waldstrecken in künftigen Zeiten neues und reichliches Culturland

gewonnen werden kann, und daß zweitens große Flächen noch unerforscht

und unversucht vor uns liegen.

Die eingetragenen, also wirklich vorhandenen Culturflecke reduciren

sich übrigens auf eine noch geringere Anzahl, wenn man ihre _sofortige_

Verwerthung, also auch ihre Lage und ihre bequeme Verbindung mit dem

Seeverkehr in Betracht zieht. Bei der Unschiffbarkeit der Flüsse, bei

dem Mangel von Straßen und billigen Transportmitteln wird man nur in

der Nähe der Küste mit der Anlage von Plantagen beginnen können.

Um Rentabilität dem Plantagenbau zu sichern, darf die Production nicht

nur von den Transportkosten nicht aufgezehrt werden, sondern sie muß

auch das in Tropengegenden nothwendig große Anlagekapital lohnenswerth

verzinsen, und das vermag sie nur bei werthvoller Qualität. Gewiß

kann man schon mit Zuckerrohr-, Kokospalmen- und Reispflanzungen bei

geringem Aufwand erhebliche Gewinne erzielen; ausschlaggebend aber ist

die Beantwortung der Frage: vermag der Boden Deutsch-Ostafrikas Kaffee,

Cacao, Baumwolle und Taback von solcher Güte und in solchen Massen

hervorzubringen, um concurrenzfähig auf dem Weltmarkt zu erscheinen?

Eine stichhaltige Antwort darauf in bejahender Form möge die Zukunft

geben; die bisherigen Versuche haben noch nicht genügt.

Usambara und Bondei.

Allgemeine Gestaltung.

Usambara besteht, geographisch genommen, aus dem Bergland, dem

eigentlichen Uschamba der Eingeborenen, aus der Nyika- und Bondei-Ebene

und der Küstenniederung zwischen den Flüssen Umba und Pangani.

Das Gebirge, mit einer durchschnittlichen Erhebung von 1400 m, ist von

Granit und Gneis gebildet. Es dacht sich von Norden nach Osten und

Süden ab, von den Höhen von Mlalo (1560 m) in breiter Linie nach den

_Kombola-_ und _Handei-Bergen_ (1200 und 1350 m), und entsendet als

Ausläufer die Höhenkette von _Magila_ (1050-624 m), den _Pambili_ und

_Tongwe_ (600 und 715 m) in die sanft nach Osten geneigte, gewellte

Ebene von Bondei, welche mit vom Wanga bis Pangani ansteigender

Uferhöhe den Indischen Ocean begrenzt.

Die Gestalt der Berge ist größtentheils steile Kuppelform, eng

aneinander gedrängt und zahlreiche tiefe Schluchten umschließend; im

Westen, von Wuga bis Mbaramu, lagern sich kesselförmige Mulden zwischen

die einzelnen Höhen; breite Thäler findet man allein an den Ufern des

Luengera und des Sigi. In jähem Absturz fällt das Gebirge in das Thal

des Mkomasi und in die Ebenen im Norden und Osten hinab, während es zum

Pangani in sanfteren Böschungen sich senkt.

Die Hauptwasserscheide liegt an dem Nordostrand; hier fließt der

Umba mit seinen Nebenflüssen und in entgegengesetzter Richtung der

_Luengera_ mit dem _Kumba_.

Eine zweite Wasserscheide befindet sich in der südöstlichen Ecke, in

den Bergen von Handei; es ist das Quellgebiet des _Sigi_.

Von den Vorbergen im Osten bei Magila entspringen der _Udofu_ und

_Ukumbine_.

In nahezu parallelem Laufe scheiden der Umba im Norden und der Pangani

im Süden das Gebirge von den anstoßenden Ebenen. Im Westen bewirkt

die weitausgedehnte Thalsenkung des Mkomasi die Trennung von der

Berglandschaft Pare.

Klima.

Unsere Kenntniß von den Witterungs- und Temperaturverhältnissen

Usambaras beschränkt sich auf die lückenhaften Berichte einzelner

Reisenden. Unser Wissen ist daher vorläufig noch Stückwerk.

Die große Regenzeit beginnt im Gebirge schon Mitte Februar und endet

mit geringen Regenfällen im Laufe des Monats Mai. Die Trockenzeit wird

durch vereinzelte Niederschläge im Juli und August unterbrochen. Die

kleine Regenzeit setzt im November für kurze Zeit ein; der December ist

trocken, im Januar gibt es häufig Gewitter. Der trockenste Monat dürfte

der September sein.

In Bondei scheinen sich Regen- und Trockenzeit auf die gleichen Monate

wie in Sansibar zu vertheilen.

Ueber die Temperaturverhältnisse besitzen wir durch die sorgfältigen

Aufschreibungen Burton's und des Lieutenant Kurt Weiß einige werthvolle

und positive Anhaltspunkte zur Beurtheilung der Wärmeschwankungen im

Pangani- und Mkomasi-Thal und auf den Höhen von Wuga während der Monate

Februar und Mai und Anfang Juli.

In der nebenstehenden Tabelle sind sie nach der Einheit des Orts und

der Tageszeit zusammengestellt und ist das Monatsmittel der Temperatur

von Sansibar um dieselbe Stunde zur Vergleichung vorangesetzt.

$Temperaturen in Usambara$

nach den Beobachtungen von Burton im Februar 1857 und von Lt. Kurt

Weiß im Mai und Juli 1885.

---------------------++--------++------------++----------------------

|| Höhe || || R.°

|| || ++------+-------+-------

_Ort_ ||über dem|| Tageszeit || vom | vom |Anfang

|| Meer in|| ||4.-17.|11.-31.| Juli

|| m || ||Febr. | Mai |

---------------------++--------++------------++------+-------+-------

Sansibar || -- || 6^~h~ Nm. || 22,2 | 20,7 |19,7

|| || || | |

{ Stadt || || || | |

{ Pangani || -- || „ || 24,4 | -- | --

{ Tschogwe || 88 || „ || 28 | 20 |16[3]

{ Tongwe || || || | |

Pangani- | (Station)|| 263 || „ || 20,8 | 18,8 |15,2[4]

Thal. { Westl. || || || | |

| Tongwe[5]|| 368 || „ || 29,7 | 18,4 |16,8

{ Kohode ||ca. 400 || „ || 28,4 | 19,2 | --

{ Maurui || 436 || „ || 26,5 | 18,4 |16,8

|| || || | |

{ Tarawande || ? || „ || 21 | 19,2 | --

{ Wuga ||ca. 1350||6^~h~ N. u. || 18 | 13,6 | --

{ || || 11^~h~ V. || | |

Mkomasi- { bei Mombo || ? ||6^~h~ N. u. || 25,7 | 16,8 |16,8

Thal { || || 3^~h~ N. || | |

{ Masindi || 512 || 6^~h~ N. || -- | 18,4 |16,4

{ Mkumbara || 493 || „ || -- | 18,4 | --

|| || || | |

Die Mitteltemperatur || || || | |

in Usambara || -- || 6^~h~ N. || 25,5 | 18,7 | --

(unter Ausschluß || || || | |

von Wuga). || || || | |

Aus diesen wenigen Zahlen lassen sich ein paar sichere Schlüsse ziehen:

Die Abnahme der Temperatur von Februar bis Juli, also der Wechsel

zwischen einer heißen und kühlern Zeit, macht sich in Usambara um

vieles bemerkbarer als in Sansibar.

Die Erhebung über dem Meere bis zu 500 m bringt im Juli einige, im

Mai sehr geringe Minderung der Temperatur, im Februar sogar eine

Steigerung. Auf den Höhen von 1300 und mehr Metern aber weht eine

frischere Luft als in den Thälern und in Sansibar.

Ergänzende Auskunft gewährt die nächste Tabelle. Wenn sie auch nur

einmaligen und auf kurzen Zeitraum beschränkten Beobachtungen entnommen

ist, so bietet sie doch manche interessante Andeutungen über den

wahrscheinlich herrschenden Temperaturcharakter.

$Temperatur- und Wetterbeobachtungen in Usambara$

von Lt. Weiß im Mai und Juli 1885.

Bemerkung: Morgens zwischen 6 und 8 Uhr, mittags zwischen 12 und

4 Uhr, abends zwischen 6 und 8 Uhr.

=========++=======++==========================++==================

|| || R.° ||

Ort || Monat |+--------+---------+-------+| Wetter

|| ||morgens | mittags | abends||

---------++-------++--------+---------+-------++------------------

Tschogwe ||11. Mai|| 19,2 | 21,6 | 20 || Regen.

„ ||12. „ || 19,4 | 21 | 20 || Trüb.

„ ||13. „ || 17,2 | -- | -- || Regen.

Kitiwu ||13. „ || -- | 23,4 | 21,6 || Schön, dann trüb.

„ ||14. „ || 18,4 | -- | -- || Schön.

Lewa ||14. „ || -- | 22,4 | 19,2 || Schön, dann trüb.

„ ||15. „ || 19,2 | 25,6 | 18,8 || Trüb, dann schön.

„ ||16. „ || 18,4 | -- | -- || Schön.

Fungo ||16. „ || -- | 24,4 | 18,4 || Schön.

„ ||17. „ || 16,8 | -- | -- || Schön.

Sangarawe||17. „ || -- | 24 | 18,4 || Schön, dann trüb.

„ ||18. „ || 16,4 | -- | -- || Trüb.

Mgumi ||18. „ || -- | 22 | 19,2 || Trüb.

„ ||19. „ || 17 | -- | -- || Trüb.

Maurui ||19. „ || -- | 20 | 18,4 || Trüb.

„ ||20. „ || 16,8 | -- | -- || Schön.

Tarawande||20. „ || -- | 21,6 | 16,8 || Schön.

„ ||21. „ || 13,6 | 24,8 | 19,2 || Schön.

„ ||22. „ || 18 | -- | -- || Schön.

Wuga ||23. „ || -- | 13,6 | -- || Schön.

Tarawande||25. „ || -- | 16,8 | -- || Regen.

Masindi ||29. „ || -- | -- | 17 || Regen.

„ ||30. „ || 16,2 | 22 | 18,4 || Regen.

„ ||31. „ || 17 | -- | -- || Trüb.

Mkumbara ||31. „ || -- | 21,6 | 18,4 || Trüb, dann schön.

Masindi ||2. Juli|| -- | -- | 16,4 || Trüb.

„ ||3. „ || 15,6 | -- | -- || Trüb.

Mombo ||3. „ || -- | -- | 16,8 || Trüb.

„ ||4. „ || 15,2 | -- | -- || Regen.

Maurui ||4. „ || -- | -- | 16,8 || Trüb.

„ ||5. „ || 16 | -- | -- || Regen.

Mgumi ||6. „ || 16,4 | -- | -- || Trüb.

Sangarawe||6. „ || -- | -- | 16,8 || Trüb.

„ ||7. „ || 16 | -- | -- || Trüb.

Fungo ||7. „ || -- | -- | 15,2 || Trüb.

„ ||8. „ || 14,8 | -- | -- || Trüb.

Kitiwu ||8. „ || -- | -- | 16 || Schön.

„ ||9. „ || 15,6 | -- | -- || Schön.

Folgende Behauptungen lassen sich darauf gründen:

Die Minderung der Hitze vom Februar bis Juli offenbart sich vornehmlich

in den Morgenstunden:

Morgens Mitteltemperatur im Februar (nach Burton): 24° R.

„ „ „ Mai (nach Weiß): 17,8°

„ „ „ Juli (nach Weiß): 15,6°

Im Vergleich mit Sansibar steigert sich die Wärme in Usambara von

Morgen bis Mittag im Mai fühlbarer; am Abend ist es in beiden Gegenden

im Mai und Juli um nicht ganz 1° R. gleichmäßig wärmer.

Mai Juli

/---------|----------\ /---------|----------\

morgens mittags abends morgens mittags abends

Sansibar 19,5 21,2 20,7 18 20,3 19,7

Usambara 17,8 22 18,7 15,6 -- 16,2

Das Wetter verändert die Temperaturen kaum merklich.

morgens mittags abends

In Usambara bei schönem Wetter im Mittel 17,4 23,3 18,3

„ „ „ trübem „ „ „ 17,7 21,1 19,4

Der bedeckte Himmel schwächt etwas die Mittagshitze; die sporadischen

Regen kühlen die Luft nicht ab.

Bodenbeschaffenheit und Vegetation.

Die Beschaffenheit des _Bodens_ entspricht zum Theil den Bedingungen

der Fruchtbarkeit. Der mit Feldspath durchsetzte Gneis verwittert auf

den Gipfeln und Kämmen sehr leicht und überzieht sie in diesem ersten

Stadium als poröse rothe Erde mit einer wenig fruchtbaren Decke.

Abschwemmende Regen und zahlreiche Bäche zerreiben an den schroffen

Abstürzen das grobkörnige Material und setzen es bei stufenweis

zunehmender Fruchtbarkeit um in graurothe Erde an den Hängen, in Humus

in den dichtgeschlossenen Wäldern und in schwarze Erde in den breitern

Thalgründen. Wo die aufgelösten Thontheile zum Stillstand und zum

Niederschlag als compacte, abflußlose Masse gezwungen werden, da bildet

sich dunkelschlammiger Sumpf.

In großen Zügen betrachtet, zeichnen sich demnach durch Fruchtbarkeit

aus die breiten Thäler und die sanfter geneigten Böschungen der Berge,

in hohem Grade das unmittelbar dem Gebirge vorgelagerte Hügelland

von Bondei und das hochgelegene, muldenförmige Plateau von Wuga.

Unfruchtbar erscheinen alle Strecken, auf denen die verwitterte rothe

Erde ungestört liegen bleibt, so auf den höchsten Kuppen und auf den

weitausgedehnten Flächen der Umba-Ufer; endlich jene vereinzelten

Streifen von Fluß- und Bachrändern, an denen die schwarze Erde zu

moorigem Grunde sich verdichtet.

Die _Vegetation_ ist eine tropisch gewaltige. Zu mächtiger Höhe empor

schießen in den geschlossenen Regenwäldern die Areca-, Fächer-, Dum-

und Raphia-Palmen, die Kopal- und Teakbäume, Gummi-Akazien, Tamarinden,

Bambusen und baumartige Farrn. Ein eigenthümliches Gepräge verleiht der

in massenhaften Beständen auftretende Wollbaum. Gummilianen und andere

Schlinggewächse von mehr als doppelter Armesstärke schwingen sich von

Stamm zu Stamm, von Ast zu Ast. Der Waldgrund bleibt oftmals ganz frei

von Gestrüpp. Leichte Savannenwälder von Palmen und Akazien stehen auf

dem graurothen Boden der Thäler und auf dem langgestreckten Bergrücken

des Nordrandes, westlich vom Luengera.

Die Kokospalme gedeiht in reichlicher Menge in dem ganzen Küstengebiet,

den Pangani aufwärts bis Maurui und im Thal des Mkomasi bis Masindi.

Die bis in das höchste Gebirge verbreitetste Pflanze ist die Banane;

sie liefert Erträgniß in ganz besonderer Fülle. An vereinzelten

Stellen, aber in Massen, blühen der Mango- und der Melonenbaum und in

Bondei wildwachsend die Baumwollstaude.

Wo Feuchtigkeit der lockern porösen Erde fehlt, da spreizen einsam in

der Steppe oder auf den Bergrücken stehende Baobabs ihre gigantischen

Aeste zu einem Schutzdach aus, da drängen sich baumgroße Euphorbien

und Aloën zu dornigem Dschungel zusammen oder es unterbrechen die

fahlfarbigen Mimosen und Eriken gebüschweise das brennende Roth des

Bodens.

Futtergras im Innern des Gebirges und am mittlern Lauf des Pangani

ermöglicht die Zucht großer Rinderheerden. Außer Korn, Hirse, Mais,

Reis und Maniok, welche in der Tiefebene auch zum Exportproduct werden,

baut der Msambara einen scharfen, doch angenehm riechenden Taback,

der selbst auf dem Markte von Sansibar als verkaufsfähig gilt, und er

pflanzt, selbst in den hochgelegenen Gebirgsmulden, das Zuckerrohr.

Dies liefert auch den großen arabischen Plantagen am untern Pangani

ergiebige Ernten.

Die Thierwelt.

Kaum dürfte unter den Tropen ein Land sich finden, das in zoologischer

Beziehung so armselig an Menge und Gattungen wäre als Usambara und

Bondei. Lautlos sind die ewig schattigen Bergwälder am Handei, lautlos

die Nyika-Ebene; nur hie und da durchstreifen Hyäne, Schakal und

Leopard die ersteren und Löwen und Antilopen die letzteren. Schlangen

und selbst die Mosquitos fehlen. Ein reicheres Leben entfaltet sich

am Pangani und in den üppigen Fluren im Vorland der Magila-Kette: da

gibt es Webervögel, Lerchen, Drosseln, Habichte und Elstern, Kukuke

und Papagaien. Alle Flüsse wimmeln von Krokodilen; weniger häufig

trifft man das Flußpferd. Zum Glück für die Rindviehzucht hat die

Tsetsefliege, hier Donderobe genannt, noch nicht den Weg aus der

Umba-Ebene in das Gebirge gefunden. Eine Lebensplage dagegen sind die

verheerenden Ameisenzüge.

Topographie und Flüsse.

Von der Küste leiten vier Flußläufe nach dem Innern des Landes: der

Pangani, der Ukumbine mit dem Udofu, der Sigi und der Umba.

_Das Flußgebiet des Pangani_

Der Pangani (auch Ruvu oder Rufu) entsteht aus der Vereinigung des

Jipe-Flusses und des Weriweri, welche mit zahlreichen Bächen in dem

Kilimandscharo-Gebirge entspringen. Südlich von Klein-Aruscha (730 m

ü. d. M.) durchströmt er eine Strecke von mehr als 300 km in felsigem

Bett, meist mit schlammigen Uferrändern, im Oberlauf durch das breite

steinige Thal zwischen den Pare- und Sogonoi-Bergen, im mittlern und

untern Theil durch eine wechselnd fruchtbare Ebene, welche am linken

Ufer rasch zum Usambara-Gebirge sich erhebt und am rechten in die

Hochfläche von Useguha übergeht. Bei Kisunga (ca. 60 km von der Küste)

bildet er einen weithin dröhnenden Wasserfall. Seine Breite wird

angegeben bei der Furt südlich Aruscha mit 96 m, bei Kohode mit 72 m,

bei Tschogwe mit 150-200 m, an der Mündung mit 1500 m. In der Regenzeit

überschwemmt er die ganze Thalsohle. Er ist im allgemeinen seicht und

reißend und deshalb nur bei steigender Flut bis Tschogwe (ca. 40 km)

für flachgehende Boote schiffbar.

An seiner Mündung liegt die Stadt _Pangani_. Sie liegt auf dem flachen,

sumpfigen Strande an dem frühern Delta des Flusses und besteht aus

etwa dreißig steinernen Häusern, darunter die Wohnung des Wali,

das Zollgebäude, eine Moschee, und aus einigen hundert einfacher

Strohhütten. Die winkeligen, unregelmäßigen und kothigen Straßen

sind unter einem Hain von Kokospalmen versteckt. Das Trinkwasser ist

schlecht, der Aufenthalt überhaupt sehr ungesund. Gegen 5000 Einwohner

(Araber, Inder und Suaheli mit ihren Sklaven) bewohnen den Ort, da

er ein bedeutender Ausgangspunkt für die Karavanen nach Usambara und

dem Masai-Land auf dem nördlichen und nach Useguha und Nguru auf

dem südlichen Flußufer ist. Zu Burton's Zeit betrug die Ausfuhr an

Elfenbein 1750 kg und an Rhinoceroshörnern 875 kg; auch Korn, Mais und

Zuckerrohr wurde exportirt.

Pangani hat keinen Hafen und ist schwer zugänglich. Die Rhede liegt

1½ Stunde seewärts. Die Mündung des Flusses wird durch eine Barrière

von Korallen und Sandbänken gesperrt; durch diese führt ein enger, 2½ m

tiefer Kanal, nur für geringere Fahrzeuge benutzbar.

Die Stadt wird unmittelbar im Westen von dem bewaldeten Terrassenrand

überragt; am nördlichen Flußufer erhebt er sich zu 50 m mit Kokos-

und Areca-Palmen; am südlichen, über steile, gelbe Sandsteinwände

empor, bis zu 120 m. Hier oben steht die arabische Niederlassung Bueni

zwischen Plantagen von Palmen, Melonenbäumen, Bananen und Zuckerrohr.

Bis Tschogwe reichen auf der rechten Höhe und in der Thalsohle die

schön gehaltenen Pflanzungen der Araber.

Auf der entgegengesetzten Seite breitet sich ein schmales Band von

Reis- und Bananenfeldern aus und daran grenzt ein weitausgedehntes

trockenes Savannenland, das hier und da von Baobabs und Dumpalmen

und in größerm Umfang von dichtem Akazien- und Euphorbiengestrüpp

unterbrochen wird. Es ist dies die Landschaft _Madanga_; sie erstreckt

sich etwa 20 km weit bis Makumba und geht weiter nördlich in die

Nyika-Steppe über.

Bei _Tschogwe_ (88 m) trifft man auf den ersten Ansatz des

Hauptgebirges, auf den Berg von Tongwe (715 m). Die Umgegend soll noch

am Ende der vierziger Jahre gut angebaut gewesen sein, bis sie durch

die vom südlichen Ufer heranstürmenden Waseguha verödet wurde. Hang und

Gipfel bedeckt ein fast undurchdringliches Dschungel, vermischt mit

wilden Orangen und Kokospalmen, während saftiges Gras, genährt durch

eine frisch sprudelnde Quelle, den welligen Fuß bekleidet.

Südöstlich vom Tongwe-Berg befindet sich _Lewa_ (263 m) mit der

ehemaligen Station der Ostafrikanischen Plantagengesellschaft. Es

war eine vielversprechende Anlage. Zwischen drei flachen Hügelketten

von braunrothem Boden waren 400 Morgen urbar gemacht worden, welche

im September 1888 eine reiche Ernte von 700000 Stück Tabackpflanzen

erwarten ließen. Fließendes Grundwasser sicherte für das ganze Jahr die

nöthige Feuchtigkeit.

Zwischen Lewa und _Sangarawe_ führt der obere Weg durch eine ungefähr

25 km lange, theilweise dornige, theilweise von hohem, hartem Gras

überwucherte Strecke. Nach dieser beginnt eine anbaufähige und

stellenweis gut cultivirte Gegend, welche bis westlich von Korogwe

reicht.

Die Kämme der flachen Hügel der Thalsohle sind mit unfruchtbarer

röthlicher Erde bedeckt; an den Abdachungen und in den Senkungen

gedeihen auf graurothem Boden Maispflanzungen und vortreffliches

Wiesengras. Man begegnet stattlichen Rinderheerden.

Bei _Mgumi_ (365 m), kurz vor Korogwe, mündet der im Norden auf dem

Lutindi entspringende _Luengera_. Mit diesem vereinigt sich im obern

Lauf der _Kumba_, welcher durch mehrfach sumpfige Gründe den Tropenwald

der Kombola-Berge von dem steppenartigen Nordostrand des Hochlandes

scharf abtrennt. Der Luengera fließt als ein ruhiges Wasser durch ein

breites, früher cultivirtes, jetzt durch Kriegszüge entvölkertes Thal,

dessen Sohle Savannenwald und hohes Gras bedeckt. Von Mgumi zweigt ein

steiler Pfad durch die Berge nach Wuga ab.

_Korogwe_ (früher Station) liegt auf einem Laterithügel, der sich

bis zum Fluß in einer 700 m breiten, gewellten Ebene von braunrother

Erde abflacht. Das Dorf gleichen Namens befindet sich auf einer

Insel. Am Südufer steigt aus der schlammigen Ebene allmählich das

vegetationsreiche Plateau von Useguha empor. Bei Lutyomo (Luchomo),

25 km aufwärts, befindet sich ein beide Ufer verbindender Uebergang.

Am nördlichen Ufer (15 km von Korogwe) verwandelt sich nach und nach

der Wiesen- und Ackerboden in unfruchtbare Steppe. Ein schmächtiger

Savannenwald mit niedrigem Mimosengebüsch fristet ein kümmerliches

Dasein dem Fuß der Mafi-Hügel entlang. Der letzte Rest grüner

Vegetation hat sich an die Ränder des Flußbettes zurückgezogen.

Bei dem auf einer Insel gelegenen _Maurui_ (436 m) vereinigt der im

Pare-Gebirge entspringende _Mkomasi_ sein träges, grün-gelbliches

Sumpfwasser mit dem des Pangani. Sein linkes Ufer begleitet zuerst

die isolirte Masse des Dassa-Berges und dann die jähen Felsenabstürze

des Hauptgebirgsstockes, während sein rechtes Ufer die niedrigen,

wahrscheinlich vulkanischen Höhenreihen von Mafi (Yermandia) begrenzen.

Er steht mit dem _Manga-See_, vermuthlich nur während der Regenzeit,

in Verbindung. Dieser, 7 km lang, 6 km breit und 3-5 m tief, hat

untrinkbares, brakisches Wasser; dürftiges Grün umgibt ihn. Heerden von

Antilopen beleben die von den dolomitartigen Zacken der Usambara-Berge

und von dem langgestreckten Pare-Gebirge umrahmte Gegend. Culturfähig

ist das Thal des Mkomasi am Fuß der Berge; bei _Tarawande_ aber

versumpft es auf eine stundenlange Strecke.

Schmale Streifen reicherer Vegetation erwecken die rauschenden

Gebirgsbäche bei Masindi und Mombo.

_Masindi_ (512 m), mit der etwas höher gelegenen Residenz des

Häuptlings Sembodja, war früher ein bedeutender Handelsplatz, in dem

die Wakuafi des Nordens sich mit den Leuten von Pangani begegneten. An

der nordöstlichen Ecke des Gebirges, auf den Vorstufen der höchsten

Erhebung, haben sich viele Dörfer eingenistet, darunter das größte

_Mbaramu_ (488 m) mit 56 Hütten, eine grünende, von Wald und von den

Zuflüssen des Umba, dem Mbaramu-Bach und Tëue, umgebene Raststätte der

Reisenden.

Von Tarawande, Mombo oder Masindi gelangt man auf ungemein

beschwerlichem, doch von erfrischenden Quellen begleiteten Bergpfad

zu dem Hauptort des westlichen Usambara, _Wuga_ (1350 m nach Burton,

1410 m nach New, 1209 m nach Lt. Weiß), in frühern Zeiten (unter

Kimweri I.) der Hauptort von ganz Usambara.

Die Landschaft ist durchaus verändert. Eine kühlere Luft weht selbst

im heißen Februar über die gewellte Fläche; frei ist der Umblick, den

Pangani hinab, nach den Ebenen von Useguha und hinüber zu den fernen

Bergen von Pare; im Norden schließen die nahen felsgekrönten Häupter

von Mlalo, der Watëue und Schegeserai (2000 m), den Horizont ab.

Röthlicher Boden mit sammtartigem Gras, mit Farrn und Eriken überdeckt

die kesselartigen Mulden; dazwischen lagern sich, von rieselnden Bächen

befeuchtet, Felder von Taback, Bananen und Zuckerrohr. Der Boden

enthält nach Dr. K. W. Schmidt 48,3% Sand und 50,7% thonhaltigen Staub,

Phosphorsäure 0,35% und Humus 6,33%; er wäre demnach auch zur Kaffee-

und Cacaokultur geeignet. Waldlos erstreckt sich die hauptsächlich als

Weideland benutzte Gegend: nach Osten gegen den Luengera, im Norden

nach _Kwambugu_ und _Mlalo_. Den Nordostrand des Gebirges begleitet

ein weniger fruchtbares, gering bevölkertes Steppenland bis zu den

kahlen Gomeni-Bergen und den Quellen des Kumba. Unmittelbar südlich,

in der Richtung des untern Laufes des Luengera, öffnen sich in kurzer

Entfernung schluchtartige Thäler mit hohen Felswänden.

_Der Ukumbine mit dem Udofu._

Der Fluß _Ukumbine_, welcher in die Tangata-Bai bei Tongoni mündet, und

der _Udofu_ (Mkulumusi), welcher sich in die Bucht von Tanga ergießt,

entspringen in den zwei Tagemärsche von der Küste entfernten Vorbergen.

Beide Flüsse sind nicht schiffbar. Der Ukumbine trocknet in den heißen

Monaten ein, der stürmische Udofu überschwemmt in der Regenzeit ringsum

das Land. Der Boden, unmittelbar an der Küste schlammig, erhebt sich

langsam zu einigen gutbebauten Gefilden; er wird, in die Nyika-Ebene

eintretend (60 m ü. d. M.), zu einem unregelmäßig breiten Streifen von

Savannenwald und dornigem Dschungel, der in gleicher Beschaffenheit

sich südlich bis nach Madanga fortsetzt. In der Höhe von _Umba_

(150 m) verwandelt er sich in ein kalkhaltiges, mit marinen Fossilien

vermengtes, welliges und äußerst fruchtbares Terrain. Kokoswälder,

Korn-, Reis-, Bananen- und Zuckerrohrpflanzungen überdecken das

Land. Versteckt in vereinzelten Waldungen liegen die Dörfer. Das

Gebirge steigt jählings empor: der isolirte _Pambili_ (600 m) und die

zusammenhängende, mit Gehöften übersäete Kette der bewaldeten Höhen von

Magila, mit dem Felsendom _Mlinga_ (1050 m), mit dem _Kituli_ (930 m)

und mit den südlichsten Spitzen, dem _Manga_ (590 m) und _Mgambo_

(660 m).

Am Fuße der letztern steht die englische Missionsstation _Magila_

(180 m ü. d. M.) in quellenreicher Gegend mit ausgedehnten Reisfeldern

in den tiefern Mulden. Hier ist auch der Herrschersitz Kibanga's, des

Häuptlings von Süd-Usambara.

Das Gebiet, welches der Ukumbine und der Udofu durchströmen, ist die

durch keine Grenzen bestimmte Landschaft _Bondei_. Nicht nur durch

Wasserreichthum, sondern auch durch vortreffliche Bodenbeschaffenheit

wird sie zu den üblichen Culturen und zum Plantagenbau begünstigt. Der

Boden besteht nach Dr. K. W. Schmidt aus sehr feinkörnigem lehmigen

Sand und reichlichem Humus (63,9% Sand, 35,6% thonhaltiger Staub, 0,17%

Phosphorsäure und 2,61% Humus).

Der Ausfuhrhafen dieses gesegneten Landstrichs ist die _Tangata-Bai_.

Sie wird durch die Insel Karangi, durch Riffe und Sandbänke vor

Seestürmen geschützt. Der mündende Ukumbine hat einen tiefen, 90 m

breiten Kanal in das seichte und sandige Bett ausgegraben und dieser

ermöglicht eine gesicherte Einfahrt im Norden. Im Süden der 2900 m

breiten Bucht liegt das durch eine Mauer von Korallenfels befestigte

Dorf _Morongo_; im Norden _Tongoni_, das trotz seiner Dämme bei

Hochwasser von den Fluten des Meeres im Rücken gefaßt wird.

_Der Sigi._

Der Sigi und der Udofu münden in die Bai von _Tanga_. Diese besitzt

keinen Hafen für größere Schiffe; die offene Rhede liegt 800 m

seewärts. Korallenbänke erschweren und gefährden die Einfahrt in

den 8 km langen und 6½ km breiten Meerbusen. Der Strand ist von

dem herrlichsten Pflanzenwuchs überzogen. Der Ort Tanga zählt an

5000 Einwohner, besteht aber nur aus Strohhütten; er ist Handelsplatz

für die nach dem Kilimandscharo und dem Masai-Land ziehenden Karavanen.

Der _Sigi_, ein frisches, reißendes, unschiffbares Gebirgswasser,

hat nahe der Küste 12-15 m hohe, mit Maniok, Bananen und Palmen

geschmückte Ufer. Verfolgt man ihn aufwärts, so kommt man zuerst nach

dem vielbesuchten Marktplatz _Amboni_, dann nach _Muschesa_, wichtig

als Uebergangspunkt für die von Magila nördlich nach Wanga Reisenden.

Zwischen den zerstreuten Dschungelcomplexen wird hier besonders viel

Taback gebaut.

Dreißig bis vierzig Kilometer von der Küste entfernt umschließt das

Gebirge den Fluß in einem breiten, von wild- und üppig wuchernder

Vegetation erfüllten Thal. Eine mehrfache Kette steiler, mit

Granitzacken gekrönter Bergrücken trennt ihn von dem Hügelland im

Osten und vom Laufe des Pangani im Süden; die ebenso zerklüfteten

Handei-Berge (1350 m) und der Kombola (1200 m) bilden die Wasserscheide

zwischen ihm und dem Luengera. Geschlossener, ewig düsterer Urwald

von riesigen Wollbäumen, Banianen und Tamarinden steigert den

großartigen Charakter der Gebirgsgegend. Sie ist während der Regenzeit

wegen der steilen, schlüpfrigen Pfade schwierig zu durchwandern,

denn in erschöpfender Wiederholung muß man von Kamm zu Kamm über

tiefeingesenkte Gründe hinauf- und hinabklettern. Bebaute Felder hat

weder die Sohle des Sigi-Thales noch der andern Thäler; an den Abhängen

allein haben die Eingeborenen sich in zerstreuten Gruppen angesiedelt.

_Der Umba._

Der kürzeste Weg von der Küste Usambaras nach dem fernen Innern führt

längs des Umba. _Wanga_, der Ausgangspunkt, hat sehr ungünstige

Landungs- und Terrainverhältnisse; durch den 20 m breiten Zugang können

nur bei Hochwasser kleine Boote sich nähern. Zwischen Mangrove-Wäldern

setzt sich das Watt als Sumpfland 6-7 km landeinwärts fort. Auf

einem Stückchen trockenen Bodens ist der Ort Wanga erbaut: etwa

2-300 Lehmhütten mit übrigens breiten und reinlichen Straßen und

Plätzen verbergen sich unter einem Palmenhain und werden von einer

Mauer umschlossen. Die Luft ist fieberhaft, das Trinkwasser schlecht.

Vor _Gonja_ kommt man, bei einer Reise flußaufwärts, zuerst auf festen,

gesunden Boden; da gibt es schöne Felder von Reis, Bohnen und Maniok.

Aus der weiten Ebene im Süden erhebt sich der stark bewaldete _Kilulu_

(255 m), am Fuß von Melonenbäumen und Baobabs dicht umgeben. Hier

beginnt eine schmale Culturzone, die von Dorf zu Dorf bis an den Sigi

sich fortsetzt.

Von Gonja westlich erhält sich die Fruchtbarkeit noch bis _Yesa

Mkubwa_; von da an nimmt eine bis Mbaramu reichende, 80 km lange,

trostlose, ausgedörrte Steppe ihren Anfang. Hartes Savannengras

wechselt mit fast undurchdringlichem, dornigem Gebüsch und mit nackter,

steiniger Wüste ab.

Diese, _Nyika_ genannte Steppenwildniß wird im Norden von dem

_Umba-Fluß_ durchschnitten. Er entspringt auf den Höhen von Mlalo und

Mbaramu und nimmt eine Anzahl größerer und kleinerer Gebirgswässer auf,

welche von Galeriewäldern umsäumt werden. Der Umba mündet in einem

morastigen Delta bei Wanga.

Bevölkerung.

Das Thal des untern Pangani, bei Tongwe und Korogwe, und der fruchtbare

Landstrich von Bondei sind stark bevölkert, weniger das Innere des

Gebirges und das Mkomasi-Thal, am geringsten der Nordostrand. Die

Raubzüge der Masai den Pangani und die Nyika-Ebene herab in das Thal

des Luengera und in die Küstengegenden, auch gegenseitige Befehdungen

der Häuptlinge im Hochlande, trieben die Bewohner entweder auf

die Kuppen der Berge oder in das Dickicht der Wälder oder auf die

Inseln des Flusses Pangani. Allen gemeinsam ist Sinn und Geschick

zum Ackerbau, zur Viehzucht und zum Handel. Erhebliche Quantitäten

von Getreide, Bohnen, Taback, Melasse, Butter und Honig, auch etwas

Kautschuk werden zum Export nach den Küstenplätzen gebracht. Zur

Bekleidung dient leichter Manchester-Baumwollstoff als Ueberwurf und

Lendenschurz. Speere, Pfeil und Bogen sind noch in Gebrauch neben den

Feuergewehren.

Nach Sprache, Abstammung und Lebensweise zerfallen sie in drei

Hauptgruppen: in die Bewohner von Bondei, des Pangani-Thales und von

Usambara.

Die Bevölkerung von _Bondei_, von der Küste bis zu den Vorbergen,

besteht, außer den Arabern, Indern und Suaheli in der Stadt Pangani,

aus den Waschinsi, Wasegeju und Wadigo. Die _Waschinsi_ bilden mehr

einen social-religiösen als einen ethnographischen Gegensatz zu den

Suaheli. Während diese als Mohammedaner das höchste Ansehen neben den

Arabern sich zu verschaffen suchen und an Küsten- und Handelsplätzen

mit Vorliebe sich niederlassen, sind jene die verachteten Heiden, die

Bauern-Neger. Sie sind in Madanga und am Ukumbine seßhaft. Ihre Dörfer

stecken tief in den Waldungen, mit Euphorbien und Cacteen sorgfältig

verschanzt. Die _Wasegeju_, ein kriegslustiges Volk, wahrscheinlich aus

den Galla-Ländern eingewandert und am Udofu angesiedelt, verlegen sich

mit Vorliebe auf Menschenraub und Sklavenhandel und ziehen deshalb gern

als Träger mit den Karavanen. Die _Wadigo_ in Tanga und Wanga leben in

größern, ebenfalls befestigten Ortschaften. Sie gebrauchen als Waffen

fast nur Pfeil und Bogen. Mit Leidenschaft sind sie dem Handel ergeben,

sei es auf den Märkten von Amboni und Gondja, sei es als Theilnehmer

von Karavanen.

In das Thal des Pangani von Tongwe bis Maurui zogen vor einigen

Jahrzehnten plündernd und mordend die _Waseguha_, vertrieben die

schwächeren Wasambara und wurden seitdem die herrschende Rasse an

beiden Ufern. Sie sind übrigens tüchtige Ackerbauer und Viehzüchter

geworden.

Das Gebirgsland Usambara bewohnen die Wakilindi, Wasambara und Wambugu.

Zu den _Wakilindi_ rechnen sich, wie es scheint, allein die Angehörigen

der Herrscherfamilie, die von Wuga bis Magila den Dorfschaften die

Häuptlinge liefert. Kimweri I. soll 100 Söhne hinterlassen haben.

Wenn diese Anzahl auch nur von ferne der Wahrheit entspricht, so ist

es erklärlich, daß aus der fürstlichen Sippschaft allmählich ein

Volksstamm geworden.

Die Heimat derselben wird von einigen nach Nguru, von den meisten nach

dem Dschaggaland verlegt. Sie unterscheiden sich auffallend von den

Negern: lichtgelbe Hautfarbe, semitischer Typus im Gesichtsschnitt und

Körperbau. Sie beugen sich willig dem Gebot und der Willkür der Araber

und suchen durch die Nachahmung arabischer Sitten die eigene Autorität

zu steigern. Zur Zeit tragen sie die feindseligste Abneigung gegen alle

Europäer mit Vorliebe zur Schau.

Die Masse des Gebirgsvolkes, die _Wasambara_, zeichnen sich vor den

Küstennegern durch hohe Stirn, durch ebenmäßig angesetzte Unterkiefer,

durch untersetzte und kräftige Statur aus. Die Männer rasiren sich das

Haupt bis auf einen kurzen Schopf; die Weiber ganz. Als Stammesmarke

gilt das markstückgroße Brandmal auf der Stirn; die vordersten

Schneidezähne werden spitz zugefeilt. Die Farbe der Haut wechselt

von lichtbraun zu dunkelschwarz. Sie schmücken sich mit Glasperlen

und Eisenkettchen. Sie besitzen wenige Feuergewehre und noch weniger

Pulver; ihre Hauptwaffen sind Pfeile, Speere und Schwerter. In den

kreisrund aus Lehm gebauten und in drei bis vier Räume eingetheilten

Hütten befindet sich der dürftigste Hausrath, ein paar dreibeinige

Holzstühle und Töpfe. Die Dörfer werden entweder im Wald durch ein

doppeltes, mit Dornhecken ausgefülltes Pfostengitter abgeschlossen und

geschützt, oder auf steilabfallenden Bergkuppen angelegt und für die

Feinde unzugänglich gemacht.

Sowol Männer wie Frauen bebauen das Feld und hüten Rinder, Schafe

und Ziegen. Auch Bienenzucht treiben sie und gewinnen dunkelbraunen,

sehr süßen Honig in Menge. Die Wasambara sind klug und verständig,

gastfreundlich und gewürfelt. Ja, sie besitzen die unter Negern seltene

Tugend der Dankbarkeit. Sie kennen den Werth der Silbermünze und sind

bereit, für Geld alle möglichen Arbeiten zu übernehmen.

Ein eigenthümlicher Stamm lebt auf dem Hochplateau zwischen Wuga

und Mlalo: die _Wambugu_. Das sind hohe, schlankgewachsene Leute

mit scharfgeschnittenen Gesichtern, ähnlich den Wakuafi und Masai,

dabei ruhig, freundlich und tapfer von Charakter. Sie tragen kein

Baumwollzeug, sondern Ueberwürfe von feingegerbtem Leder. Erkenntlich

macht sie ein Ohrschmuck von 1-7 cm breiten Holzscheiben; die Weiber

behängen sich mit schweren Schnüren von blauen Glasperlen. Es ist ein

Hirtenvolk, das sich den Wakilindi als Viehknechte verdingt.

Politische Verhältnisse.

_Mkande_, ein Häuptling der Wakilindi, soll vor vielen Jahrzehnten

von Dschagga gekommen und sich Usambara und Bondei unterworfen haben.

Ihm folgte später als fünfter Herrscher _Kimweri_ I., der 1868 im

angeblichen Alter von hundert Jahren gestorben ist. Von seinen

hundert Söhnen herrschte der älteste, _Kimweri_ II., nur ein Jahr mit

Hinterlassung eines Minderjährigen, Kingassi. _Sembodja_, _Kibanga_

und _Mkande_, die Brüder Kimweri's II. geriethen in blutigen Streit

und gewannen schließlich nur in einzelnen Theilen des Landes die

Oberherrschaft.

Demnach zerfällt jetzt Usambara in folgende Gebiete:

Das Mkomasi-Thal mit dem den Ort Wuga umgebenden Gebirge unter

_Sembodja_. Er selbst residirt in Masindi; seinem ältesten Sohn,

Kimweri II., der nach Unabhängigkeit trachtet, hat er Wuga überlassen.

Der nördliche Theil, von Kwambugu über Mbaramu bis zum Ursprung des

Luengera, nominell unter Kingassi, factisch unter _Mkande_, mit der

Residenz in Hundu.

Der südliche Theil, vom Kombola bis Handei und zum Quellgebiet des

Ukumbine und Udofu, unter _Kibanga_; mit Magila als Wohnsitz.

Bondei und das Thal des Pangani gehören politisch nicht zu Usambara.

Die Bevölkerung steht, außerhalb der schmalen, am Meere gelegenen

Gebietssphäre des Sultans von Sansibar, nirgends unter einem

gemeinschaftlichen Oberhaupt, sondern überall unter unabhängigen

Dorfhäuptlingen, welche in einzelnen Fällen benachbarte Ortschaften

unter ihrer Herrschaft vereinigt haben.

Schlußbetrachtung.

An _Naturproducten_ erzeugen Usambara und Bondei:

auf den Feldern: alle Getreidearten; Maniok und Bataten; Bohnen

und Reis, Taback und Zuckerrohr; Bananen und Kokosnüsse; die

Baumwollstaude (wild);

auf den Weidegründen: schönes starkes Rindvieh und Schafe;

in den Wäldern: Honig, Kautschuk und Kopal; Nutzholz von den

Tamarinden und Teakbäumen.

Die Production kann bei der Ergiebigkeit des Bodens durch Vermehrung

der Bevölkerung und durch geregelte intensive Arbeit gesteigert werden,

und zwar namentlich in Bezug auf Reis, Taback, Zucker, Baumwolle und

Kautschuk.

Zur Zeit werden von den Eingebornen _exportirt_: Bohnen, Taback,

Zucker, Butter, Honig und Kautschuk.

Die wichtigsten _Importartikel_ sind Manchester-Baumwollstoff, blaue

und milchweiße Perlen; außerdem geringere europäische Krämerwaare.

Zur Anlegung von _Plantagen_ eignet sich in erster Linie die der Küste

nahegelegene, ungemein fruchtbare Landschaft Bondei; selbst Kaffee- und

Cacaopflanzungen würden hier Erfolg versprechen.

Auch das südliche Pangani-Ufer, nahe der Mündung des Flusses, bietet

Aussicht auf lohnenden Ertrag.

Die Umgebung von Wuga, trotz vorzüglicher Verhältnisse in Bezug auf

Klima und Bodenbeschaffenheit, kann erst in zweiter Linie in Betracht

kommen; denn die Entfernung von der Küste ist sehr groß und die

Verkehrswege dahin sind sehr ungünstig.

Die Urbarmachung des Sigi- und Luengera-Thales muß einer spätern Zeit

vorbehalten bleiben.

Da der Eingeborene über den häuslichen Bedarf zu säen und zu ernten

gewohnt, auf Gewinn und Verdienst erpicht ist, so stehen auch die

nöthigen Arbeitskräfte bei mäßigem Lohn zur Verfügung.

Pare und Ugono.

Das Pare- und Ugono-Gebirge zieht sich in einer Länge von etwas mehr

als 100 km oder von 8-10 Tagemärschen mit geringer Breitenausdehnung

an der östlichen Seite des Pangani vom Norden Usambaras bis in die

Ebene von Aruscha und des Jipe-Sees hin. Das Innere der waldigen

Berge ist noch nicht erforscht; Dr. Fischer schätzt die Höhen auf

600-900 m. Die Ostseite fällt ziemlich steil ab; die Westseite ebnet

sich sanft gegen den Pangani hinunter. Das Gestein ist Gneis, in

Ugono reich an Eisenglimmer. Aus der Mitte der Bergkette schiebt sich

von West nach Ost eine niedrige Hügelreihe, die _Kisungu_, in die

Nyika-Ebene vor. Wenn auch die Naturproducte, welche die Bewohner auf

die Marktplätze am Rande des Gebirges bringen, auf Fruchtbarkeit und

deshalb auf Feuchtigkeit im Innern schließen lassen, so treten doch

nur ein paar Flußläufe in Pare nach außen: der _Mkomasi_ bei Gondja,

der bei Maurui in den Pangani mündet, der _Kiswani_, der östlich in

der Steppe verrinnt, und auf der Westseite allein die Bäche _Wudere_

und _Makujuni_, letzterer mit tiefem Thaleinschnitt, dem Uebergang vom

Pangani-Thal nach Gondja.

Angebaut werden: Bohnen, Erbsen, Mais, Bananen, Zuckerrohr, auch

Taback, und in West-Ugono Ricinusstauden von erstaunlicher Höhe.

Rindviehzucht wird überall betrieben und man erhält im Gegensatz zu

Usambara eine ganz vortreffliche Butter.

Ugono ist berühmt durch das Vorkommen von Eisen. Man gewinnt es aus dem

Sand der Bäche; leicht abgeschwemmt enthält er kleine glänzendschwarze

Krystalle. Man schüttet sie in tiefe Gruben, schichtet Holz dazwischen

und zündet es an. Nachdem das Feuer fünf Tage unterhalten worden, läßt

man die Masse erkalten und verarbeitet die Schlacken in der Schmiede zu

kleinen Haken; als solches kommt das Ugono-Eisen in den Handel.

Eine trostlose, dürre Steppe umgibt den Süden, Osten und Westen des

Gebirges.

Die begangenste Karavanenstraße führt von Masindi oder von Mbaramu

in Usambara längs des Ostrandes der Berge gegen den Jipe-See in

langsamer Steigung von 493-727 m. Der Charakter der Ebene bleibt sich

fast völlig gleich: eine bräunlich-violettschimmernde Erde, bedeckt

von dorniger Savanne oder überzogen von kleinen blauen Disteln und

von unzerreißbaren, kriechenden Schlinggewächsen. Ist das Gras von

der Sonne verdorrt oder vom Feuer verbrannt, so marschirt man -- wie

in der Gegend von Ugono -- stunden-, ja tagelang in einem fußtiefen,

erstickenden Staub. Die wenigen Ortschaften, die man berührt, sind

Oasen in der Wildniß. In ihnen versorgt man sich mit Lebensmitteln und

namentlich mit Wasser. Denn wasserlos ist die Wüste von Mbaramu bis zum

Jipe-See.

_Gondja_ (563 m), die Residenz eines Sohnes des Usambara-Fürsten

Sembodja, liegt dreiviertel Stunde von den mit felsigen Zacken

gekrönten Bergen entfernt, getrennt durch einen Schilfsumpf. Der

Mkomasi stürzt in einer Reihe von Wasserfällen vom Rande des Gebirges

herab.

In _Kiswani_ (722 m, 674 m nach von der Decken), an dem Fluß gleichen

Namens, der aus enger Thalschlucht hervorbricht, doch in der heißen

Zeit gänzlich vertrocknet, erquickt den Reisenden eine schöne

Landschaft mit Felspartien, rauschenden Bächen und grünenden Bäumen und

der Genuß von Ochsenfleisch, Milch, Butter und Honig.

Von Kiswani bis zum Jipe-See (727 m) herrscht völlige Unwirthlichkeit.

Wasser erhält man ein einziges mal aus den tiefen, oft mit verwestem

Gethier angefüllten Erdlöchern von _Ngurungani_ (810 m). Erst nach

Ueberschreitung der Kisungu-Hügel belebt sich die Gegend wieder mit

welligen Erhebungen und mit dem Grün von frischem Gras und belaubten

Bäumen.

Seitwärts, in den Ugono-Bergen eingebettet, liegt zwischen Reis-,

Bananen- und Zuckerrohrfeldern der Hauptort der Eisengewinnung,

_Usanga_. Steigt man die nächsten Höhen hinan, so erblickt man die

rauchenden Eisengruben und zahlreiche Hütten in fruchtbarer Umgebung.

Die Westseite des Gebirges, den hier seichten und felsigen _Pangani_

aufwärts von Mkoramo (520 m) bis in die Gegend von _Klein-Aruscha_

(730 m), gewährt den Eindruck der Sterilität in noch höherm Grade wie

die Ostseite. Die anfängliche Fülle von Mimosen und Akazien weicht in

rascher Abnahme dem Dorngestrüpp von Euphorbien und Aloën und geht

schließlich in wildzerklüftetes Terrain und steinige Wildniß über.

Selbst die Abhänge der Berge sind unbewohnt, nur im südlichen Theil

trifft man auf eine Ortschaft, wie das von hohen Gipfeln umschlossene

_Membe_, das einen besonders starken Viehstand unterhält.

Die einzige erfreuliche Abwechselung in diesen Steppenregionen

verschafft der Anblick großer Heerden von _Antilopen_, _Zebras_

und _Giraffen_. Die Reisenden berichten von Elefanten- und

Rhinoceros-Fährten, doch haben sie weder selbst ein Stück erlegt noch

gesehen.

Das _Klima_ von Pare und Ugono scheint etwas kühler zu sein, als

jenes von Usambara. Von der Decken erzählt, wie im Juli und October

morgens seine schwarzen Begleiter vor Frost gezittert hätten. Die

meteorologischen Tabellen von K. Weiß liefern hierfür eine annähernd

sichere Bestätigung.

Er notierte:

in Usambara während 6 Tagen Ende Mai 17,8° R. Mitteltemp. Vm.

„ Pare u. „ 19 „ Anf. u.

Ugono Ende Juni 13,2° R. „ „

„ Usambara „ 7 „ Anfang Juli 15,6° R. „ „

Die höchste und die niedrigste Temperatur betrug morgens:

in Usambara im Mai 18,4° R. und 16,2° R.

„ Pare und Ugono „ Juni 17,6° R. „ 10,4° R.

Wie in Usambara, so nimmt auf dem höher gelegenen Plateauland östlich

und westlich des Gebirges die Wärme während des Monat Juni ganz

allmählich um 2-3° R. ab.

Die Luft zeichnet sich durch ungemeine Trockenheit aus. Keiner der

Reisenden erwähnt während der Monate Juni bis December jemals einen

Regenfall.

Die _Bevölkerung_ von _Pare_, die wohlgebauten _Wapare_, gilt im

allgemeinen als freundlich und umgänglich, wenn sie auch die seltene

Gelegenheit nicht unbenutzt läßt, Reisende zu überlisten; so wird z. B.

Blutsbrüderschaft angeboten, nur um das bei der Ceremonie zum Sitzen

nöthige Stück Merikani zu erbeuten. Die Hautfarbe ist ziemlich hell;

die Schneidezähne werden spitz zugefeilt, die Haare mit Fettsalbe

von röthlicher Erde eingeschmiert. Die Männer tragen als Schmuck

Drahtarmbänder, Messingringe und Perlenkettchen; als Ohrgehänge

Holzstücke oder kleine Kürbisfläschchen. Als leidenschaftliche Raucher

führen sie immer kleine Thonpfeifchen bei sich. Als Waffen besaßen

sie zu den Zeiten von der Decken's nur Bogen, Pfeile mit Widerhaken

und Schwerter. Im Tauschverkehr ziehen sie weiße Baumwollenstoffe

den Perlen, und rothe und blaue Perlen den weißen vor, die als die

geringste Münzsorte cursiren. Die Weiber scheren das Haupthaar zu

Verzierungen aus, tätowiren die Brust, umhüllen die Lenden mit großen

Fellen und halten diese mit perlengeschmückten Leibgürteln zusammen.

Die spärlichen Gebirgsbewohner von West- und Süd-_Ugono_ (der nördliche

Theil ist gänzlich unbewohnt) sind ein sehr großer, schöngeformter und

robuster Menschenschlag, ähnlich den Wapare; bei den Weibern fällt die

üppige Bildung der Büste auf. Das einzige Kleidungsstück der Männer

ist ein kurzes Fell auf dem Rücken, das des weiblichen Geschlechts ein

Lendenschurz, der hinten länger herabhängt als vorn. Durch röthliches

Fett wird eine künstliche Haarfrisur geschaffen; dicke Elfenbeinspangen

schmücken die Arme, Messingringe die Beine und ein Drahtkragen den Hals.

Die Dörfer sind fortwährend den Raubzügen der Masai ausgesetzt,

sodaß das Vieh nicht auf die Weide getrieben, sondern in den Ställen

gefüttert wird.

Es gibt keine Häuptlinge über weitere Gebiete als die einer Gemeinde;

nur Gondja und Kihungui stehen unter dem Einfluß Sembodja's, des

Herrschers von Masindi.

* * * * *

Pare und Ugono können vom Gesichtspunkte des Colonisten nur als

_Durchzugsgebiete_ in Betracht gezogen werden. Stationen, wenn sie

jemals angelegt werden sollten, würden als Verpflegungsstationen

einige Bedeutung gewinnen. Ob man mit dem so hoch als schwedisches

geschätzten Eisen von Ugono etwas Erhebliches anfangen wird, ist bei

dem Nichtvorhandensein compacten Eisenerzes und bei der Schwierigkeit

und Länge des Transports eine leicht zu verneinende Frage. Der Einfall

von Krapf, hier läge das Material zum Bau von Eisenbahnen dicht am

Wege, gehört für eine Reihe von Jahren, wenn nicht für immer, in das

Bereich einer kindlich naiven Phantasie.

Das Kilimandscharo-Gebiet.

Allgemeine Gestaltung und Flußsystem.

Das Kilimandscharo-Gebirge bildet mit den unmittelbar vorliegenden

Landschaften ein abgeschlossenes geographisches Gebiet, im Süden

begrenzt von den Sogonoi- und Ugono-Bergen und der Steinebene des

Pangani-Thales (südlich von Klein-Aruscha), im Westen und Norden von

dem allmählich in Steppe übergehenden Weideland der Masai und im Osten

von der wasserlosen Wüste jenseit des Lumi.

Das ganze Gebiet ist demnach eine Oase, 250 km vom Meere entfernt,

ungefähr 100 km lang in nord-südlicher, 80 km breit in west-östlicher

Richtung.

Die Fläche, aus der das Gebirge sich erhebt, ist eine von Norden nach

Süden, von 1180 m auf 730 m sich senkende und von West nach Ost, von

1000 m auf 716 m geneigte Hochebene.

Das Massiv des _Gebirgsstockes_ ist noch ungenügend erforscht, an der

Süd- und Ostseite einigermaßen, im Westen und Norden gar nicht. Wir

besitzen deshalb nur eine lückenhafte Kenntniß von der Orographie

desselben. Für die charakteristische Allgemeingestaltung stehen aber

folgende Thatsachen fest. Ein über 5 km breites Plateau (4800 m über

dem Meere), auf welchem die zwei höchsten, schneebedeckten Gipfel

ruhen, theilt gleich einer gigantischen Mauer mit zwei Eckthürmen

das Gebirge in eine größere südliche Hälfte, die in Terrassen von

zunehmender Breite langsam sich abstuft, und in eine kürzere nördliche,

welche, nicht durch Vorberge gegliedert, in einem Zuge nach abwärts

strebt. Einschneidende Thäler, ausgenommen an der Südseite und an deren

nach Norden gerichteten Ecken, führen nicht in das Innere.

Die Feuchtigkeitsmengen, welche die tropische Sonne den östlichen und

nordöstlichen Luftströmungen entzieht und als Schleier von Wolken,

Schnee und Regen auf die höchsten Erhebungen herabfallen läßt, fließen

zum weitaus größten Theil an der Südseite herab; im Nordosten liefern

sie die Quellbäche für den Tsavo, der mit dem Adi vereint als Sabaki

bei Malindi in den Indischen Ocean sich ergießt; im Westen nähren sie

allein den kleinen und eiskalten Bach Ngare N'Erobi.

Der Kilimandscharo schließt die beiden Reihen vulkanischer Erhebungen

ab, welche vom Baringo-See nach Süden sich erstrecken und die große

Masai-Ebene umgeben. Er ist selbst ein ausgestorbener Vulkan. Als er

noch thätig war, wurden seine Lavaströme vermuthlich von dem obersten

Plateau aufgenommen und von dem Erguß nach Norden zurückgehalten, am

Südabhang aber durch breite Terrassenstufen in der Vorwärtsbewegung

derart geschwächt, daß sie nur an wenigen Stellen den Fuß des Gebirges

erreichten.

Aus diesem Grunde ist die Fruchtbarkeit des südlichen und namentlich

des ebenen Kilimandscharo-Gebiets nicht sowol durch verwitterte

vulkanische Erde, sondern vielmehr durch unausgesetzte und reichliche

Bewässerung verursacht.

Alle nach Süden abfließenden Gewässer sammeln sich im Flußbett des

Pangani bei Klein-Aruscha. Ihr Lauf und ihre Benennungen wechseln nach

den jeweiligen Aufzeichnungen der Reisenden. Das Uebereinstimmende

dürfte die folgende Zusammenstellung sein.

Der _Pangani_ oder vielmehr Ruvu, wie er hier genannt wird, entsteht

aus zwei Hauptzuflüssen, aus dem von Osten kommenden _Jipe_ und dem von

Nordwest herabfließenden _Weriweri_.

Der _Jipe_ fließt aus dem Jipe-See, dessen Einfluß der am Kimawensi

entspringende _Lumi_ ist.

In den Jipe-Fluß münden, von Ost nach West gezählt:

Deutsch-Ostafrika: Geographie und Geschichte der Colonie · 第 11 / 19 题